Rabenhof: Stermann & Grissemann als „Sonny Boys“

Februar 11, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Wie Thomas und Bernhard der Kleinkunst

Christoph Grissemann, Matthias Hartmann und Dirk Stermann Bild: © Rabenhof / Udo Leitner

Die deutsche Kochschau im TV: Christoph Grissemann, Matthias Hartmann und Dirk Stermann. Bild: © Rabenhof / Udo Leitner

Christoph Grissemann und Dirk Stermann spielen Stermann & Grissemann. Das hat immer funktioniert, das sind zwei Charaktere, die sich im Schlaf kennen, never change a running system, also gibt’s den vollen Spiel-Plan. Von Alkimage bis Glücksspielproblem, von Hassliebe als Programm bis neuerdings Paartherapie, von zynischem Witz bis staubtüchltrockenem Humor. Die beiden Abstauber der einheimischen Hirnrissigkeiten haben es halt nie notwendig gehabt, sich zu verkleiden. Zwei so große Entertainer.

Authentischer als sie ist nur Peter Rapp, der plötzlich wie ein Busenblitzer auftaucht. Der König des verbalen Scheißminix nimmt Stermann & Grissemann in die Untertanenpflicht, das ist schon spaßig, wollten sie doch statt seiner endlich selbst komplett am Rad drehen. Aber: Verwechslung der Geldausgabeautomaten. Getroffen hat’s ergo einen Exschistar, der ORF-Österreich beigebracht hat, wie sexy Bildungslücke sein kann …

Stermann & Grissemann haben eine Kleinkünstlerdystopie entworfen. So knapp vorm Lotte-Tobisch-Altersheim und kurz vor der Wahl migrantisches Volkstheater oder Musical mit Marika Lichter. Das heißt, entworfen haben nicht sie, sondern eine New Yorker Nachwuchshoffnung namens Neil Simon, der mit seiner Boulevardkomödie „Sonny Boys“ auf den Durchbruch hofft. Ein vorprogrammierter Bühnenhit, der hierzulande leider noch nie zu sehen war, wiewohl Kombinationen wie Otto Schenk und the late Helmuth Lohner oder Harald Serafin und Miesepeter Weck bestens dafür geeignet gewesen wären. So lag’s an den Grumpy Old Men der medialen Entäußerung diesen potenziellen Publikumserfolg aus der Taufe zu heben. Und sie taten’s so, dass nicht mehr klar ist, wo N.S. aufhört und „Die deutsche Kochschau“ anfängt.

Diesen Uralt-Sketch bereiten sie nämlich vor, die Unterhaltungsuntoten. Für eine verrappte ORF III-Show mit dem Titel „Was haben wir gelacht“. Nicht jeder kann wie Al Lewis und Willie Clarke auf eine Krankenschwesterntracht setzen, wiewohl Magda Kropiunig als Grissemanns Cousinen-Managerin das Ihre tut, um eine ins Spiel zu de­kolle­tie­ren. Es wird gespuckt statt gepiekst – aber rotzdem: Eklat. Die abgehalfterten Zugpferde werfen sich selbst aus der Ex-Promi-Laufbahn. Ein weiterer, der gewesene Burgtheater-, nunmehr TV-Programmdirektor, versagt verzagt mit sehr viel Selbstironie via Video. Matthias Hartmann, Servus!

Derlei Gags machen nicht verlegen, entwirft sich das Bashing doch mittels einer geschmacksintensiven Runde. Vom bierbewerbenden Adiposiburgstar über den zum Gartenzwerg degenerierten Autonarrbarettisten, vom Proleten-„Kaiser“ über den persischen Schlachthaus-Shakespeare bis zur dreiköpfigen Staatskünstlermade im Innenpolitikspeck. Merke: Wer selbst eine gekillte Katze auf dem Kopf hat, soll nicht über anderer Leute Frisur lästern, und alles, was noch Kohle bringt, kommt sowieso nicht vor. Man soll die Hand ja handzahm beißen. Miri und Uschi beim Schlammcatchen, das geht grad noch von wegen tagesaktueller Watschn. Und natürlich Thomas Gratzer. Der Hausherr und Regisseur stellt sich den Rabennestbeschmutzern gern zur Verfügung.

Ach, Stermann & Grissemann, das ist wie Thomas und Berhard der Kleinkunst. Das Dämonische in uns ist ein immerwährender vaterländischer Kerker, in dem die Elemente der Dummheit und der Rücksichtslosigkeit zur tagtäglichen Notdurft geworden sind. Danke, Wasserkraft. Um den Verbund einer gewesenen Karriere geht’s anno 2027 naturgemäß. Szenen einer Künstlersilberhochzeit. Von „Salon Helga“ bis Songcontest, von „Willkommen Österreich“ bis ROMY-Preisverleihung. Stermanns Islamgag hat die beiden einst aus der berüchtigten Gala gekickt. Nun haust Grissemann griesgrämig in my home is my Höhle und verabscheut Sir Stermann mit Inbrunst. Grissemann ist auch abseits von Grissemann ein großartiger Schauspieler. Mit Fistelstimme hysterlt er sich in den Herzkasperlmodus, ein Altherrenschlurf in Schlabberhose. Stermann ist dagegen trockengeföhnt die perfekte Mischung aus Jopie Heesters und Richard Gere. Neil Simons gallige Verzweiflungsdialoge präsentieren die beiden angemessen selbstverliebt; Timing und ergo Pointen sitzen; Thomas Gratzer hat eine Gabe für Slapstick und viel Sinn für Nonsense.

Das Drillpüree wird diesmal allerdings mit Traube statt Nuss serviert, das totale Sieb ist nur noch ein Tee-Ei. „Wenn ich Spaß hätte haben wollen, hätte ich eine Eintrittskarte gekauft“, sagt Grissemann bei den quasi Fernsehproben zur narzistischen Küchenschlacht. Haben wir (zugegeben nicht) und sehr gelacht. Als Wiedergänger in ihrer Version von Simons Comedyklassiker passen die beiden wie hing’spuckt. Als hätte da einer von der Bronx aus an die Exzentriker in Erdberg gedacht und ihnen die Sätze in der Garderobe hinterlegt. Man kann gar nicht genug Neurosen streuen. Auch der Kropiunig übrigens, die sich der herrschenden Betriebstemperatur fabelhaft anpasst. Und the one and only Peter Rapp, der sich beim Schlussapplaus gekonnt ins Spotlight stellt. Da ist Stermann bereits deutlich desorientiert und Grissemann schon in eine dunkelgraue Unterflak umgestiegen. Das Alter ist ein Massaker – hier ist der Beweis.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=VuYDHeXHh64

Stermann & Grissemann im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=17222

www.rabenhoftheater.com

Wien, 11. 2. 2016

Forum Frohner: Friedrich Cerha. Sequenz & Polyvalenz

Februar 10, 2016 in Ausstellung, Klassik

VON RUDOLF MOTTINGER

Der Komponist als bildender Künstler

Friedrich Cerha Bild: Hertha Hurnaus/Archiv der Zeitgenossen

Friedrich Cerha
Bild: Hertha Hurnaus/Archiv der Zeitgenossen

Am 17. Februar feiert Friedrich Cerha seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass zeigt das Forum Frohner in Kooperation mit dem Archiv der Zeitgenossen einen Aspekt des Œuvres dieses Ausnahmekünstlers, der der Öffentlichkeit bislang wenig geläufig ist: sein bildnerisches Werk. Mit der Schau „Sequenz & Polyvalenz“ , die am 13. Februar mit einem Werkgespräch zwischen dem Künstler und Dieter Ronte, dem Leiter des Ausstellungshauses, eröffnet wird, zeigt sich die Konsequenz, mit der der Komponist sein bildnerisches Schaffen seit vielen Jahrzehnten verfolgt. In Maria Langegg, nicht weit von Krems entfernt, sind die Arbeiten vorwiegend entstanden. Mit Niederösterreich verbindet Friedrich Cerha über seinen Wohnsitz im Dunkelsteinerwald hinaus auch eine Kindheit im Weinviertel: Adolf Frohner war in Kindertagen Spielgefährte. Und auch später verlor man sich nicht aus den Augen. Im Forum Frohner begegnen die Künstler nun einander im Werk, in ihrem Sinn für das Archaische und Materialhafte.

Parallel zu seinem bedeutenden musikalischen Schaffen hat Friedrich Cerha seit den 1950er-Jahren seine kontinuierliche Auseinandersetzung im visuellen Bereich vorwiegend in Form von Assemblagen, aber auch in Form von Malerei verdichtet. Reliefartige Oberflächen dominieren. Plastizität wird ebenso durch den Einsatz von Fundstücken erzeugt wie durch einen materialhaften Zugang zur Farbe. Friedrich Cerha, der in seinen Texten sprachgewaltig Bezüge zwischen den unterschiedlichen Disziplinen seines umfassenden künstlerischen Ausdrucks herstellt, verfolgt – in serieller Bearbeitung nachvollziehbar – gewisse Stränge über mehrere Jahrzehnte. Seine abwechslungsreiche Vertiefung und Fokussierung von Faktoren wie Rhythmus oder Polychromie strukturiert das mehr als 900 Objekte umfassende Werk.

Das Bild „Baals Frauen“, das im Forum Frohner zu sehen sein wird, kann als Angelpunkt zwischen bildnerischem und kompositorischem Werk, konkret der Oper „Baal“, betrachtet werden. Doch nicht nur in diesem Fall zeigt sich die Querverbindung zum musikalischen Schaffen deutlich. Dem 1969 entstandenen Stück für Kammerensemble „Catalogue des objets  trouvés“, das 1970 durch „die reihe“ uraufgeführt wurde, ging die Studie auf Bildebene voraus. Im Ensemblestück wie in vielen anderen Assemblagen wird Friedrich Cerhas Verhältnis zu Fundstücken erkennbar: „Ich hatte schon als Kind eine besondere Beziehung zu den kleinen Dingen, die uns umgeben. Und die ich schön und anziehend fand, habe ich gesammelt: Steine, Wurzeln, altes Holz, Metallteile, Samen, Baumrinde, Münzen … und ich habe mit ihnen gelebt.“

Die Ausstellung steht in Verbindung mit einem wissenschaftlichen Symposium, das im Archiv der Zeitgenossen stattfindet. Im Fokus steht der Komponist Friedrich Cerha als neugierig Experimentierender, der mit verschiedenartigem „Material“, sei es musikalischer, sprachlicher oder tatsächlich greifbarer Natur, künstlerisch arbeitet und sich von Denk- und Strukturmodellen unterschiedlicher Disziplinen inspirieren lässt.

Friedrich Cerha im Musikverein: Uraufführung durch das RSO Wien

Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Chefdirigent Cornelius Meister spielt an zwei Abenden Werke von Cerha: Am 3. März sind im Wiener Konzerthaus neben Joseph Haydns Ouverture zu „Acide e Galatea“ und Gustav Mahlers „Adagio“ Cerhas „Baal-Gesänge“ zu hören, es singt Jochen Schmeckenbecher Am 9. April steht im Musikverein die Uraufführung von Friedrich Cerhas „Drei Sätze für Orchester“  aus dem Jahr 2015 auf dem RSO-Programm, ein Auftragswerk der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Weitere Werke dieses Konzerts sind Joseph Haydns Symphonie Nr. 6 und Benjamin Brittens „Spring Symphony“. Es singen Eleanor Dennis, Alice Coote, Andrew Staples, die Wiener Sängerknaben und der Wiener Singverein.

Zum Künstler:

Friedrich Cerha zählt zu den bekanntesten Komponisten des Landes. Seine Opern „Baal“, „Der Rattenfänger“, „Der Riese vom Steinfeld“ werden an renommierten Bühnen gezeigt, seine Werke werden bei vielen internationalen Festivals und Konzertzyklen aufgeführt. Er leistete wichtige Pionierarbeit bei der Präsentation neuer Werke, aber auch der Musik der Klassischen Moderne, vor allem der Wiener Schule. Cerhas Herstellung einer spielbaren Fassung des 3. Akts der Oper „Lulu“ von Alban Berg (Uraufführung 1979 in Paris), hat der Musikwelt ein wesentliches Werk des 20. Jahrhunderts vollständig erschlossen. Im Alter von sechs Jahren begann Cerha Geige zu spielen, bereits als Zehnjähriger stellte er seine Kompositionen vor und erhielt auf eigenen Wunsch Unterricht in Kontrapunkt und Harmonielehre. Noch vor Abschluss des Gymnasiums leistete er als Luftwaffenhelfer aktiven Widerstand, desertierte zweimal von der deutschen Wehrmacht und erlebte das Kriegsende als Hüttenwirt in den Tiroler Bergen. Ab 1946 studierte er in Wien Komposition, Geige und Musikerziehung sowie Germanistik, Philosophie und Musikwissenschaften. Gemeinsam mit Kurt Schwertsik gründete er 1958 das Ensemble „die reihe“ zur Schaffung eines permanenten Forums für Neue Musik in Wien. 1978 gründete er mit Hans Landesmann im Wiener Konzerthaus den Zyklus „Wege in unsere Zeit“. Lange Jahre war Friedrich Cerha Lehrer an der Hochschule für Musik in Wien, er war als Professor für „Komposition, Notation und Interpretation neuer Musik“ ein wichtiger Wegbereiter für viele junge Komponisten. Friedrich Cerha ist nach wie vor kompositorisch tätig. Aktuell entstanden etwa die komische Oper „Onkel Präsident“, die 2013 in München zur Uraufführung kam und auch an der Volksoper gezeigt wurde, und eben die „Drei Sätze für Orchester“, die das RSO im April erstmals zu Gehör bringen wird.

www.friedrich-cerha.com

www.forum-frohner.at

rso.orf.at

Wien, 10. 2. 2016

ImPulsTanz – Special: [Trans] Asia Portraits

Februar 9, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Blick in heutige asiatische Gesellschaften

Weltmuseum Wien, India Transiation Bild: © Weltmuseum Wien

Weltmuseum Wien, India Transiation
Bild: © Weltmuseum Wien

Unter dem Titel „[Trans] Asia Portraits“ schlägt ImPulsTanz in Kooperation mit dem Weltmuseum Wien und dem 21er Haus ebendort ein neues Kapitel auf. Im Zentrum eines bis 14. Februar laufenden Programms stehen brisante künstlerische Arbeiten zur Transformation heutiger asiatischer Gesellschaften. In Performances und Installationen porträtieren Michael Laub, Choy Ka Fai und Preethi Athreya Menschen in diesen Übergängen. Das eigens von Cis Bierinckx kuratierte Filmprogramm widmet sich in bewegten wie bewegenden Bildern dem Schwerpunkt Transgender und Transsexualität und dem Kampf um Anerkennung sexueller Vielfalt in Asien.

Drei Programmtipps:

India Transition, Installation bis 14. Februar. Leibhaftige Götter mit äußerst menschlichen Zügen imponieren in den Räumlichkeiten des 21er Haus. Erstmals außerhalb des Weltmuseum Wien sind die zwei großen tönernen indischen Prozessionsfiguren der Göttinnen Kali und Durga zu sehen, die erst vor wenigen Jahren in Werkstätten in Kolkata hergestellt wurden. Die Ikonographie ist ein lebendiges Beispiel der rasanten Transformation der indischen Gesellschaft und spielt in Verbindung mit Ritualen, Tanz und Musik nach wie vor eine wichtige Rolle im heutigen indischen öffentlichen Leben. Zu tausenden werden die Skulpturen in Festzügen durch die Straßen Kolkatas zu den Ufern des Ganges getragen und dessen Fluten schließlich anvertraut. Die Auflösung und Zerstörung der Tonfiguren sind ein Bild andauernder Transformation.
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Choy Ka Fai / SoftMachine: XiaoKe x ZiHan, Performance am 9. und 11. Februar. Nach den Erfolgen seiner Performance-Reihe und der gleichnamigen Installation „SoftMachine“ bei ImPulsTanz 2015 räumt der Shootingstar der europäischen Tanzszene Choy Ka Fai in einer weiteren Episode mit Klischees über asiatische Tänze auf. Auf den Spuren des zeitgenössischen asiatischen Tanzes, die ihn bereits nach Indien, Japan und Indonesien geführt haben, rückt er in seinem neuesten Projekt eine Tänzerin und einen Tänzer aus Shanghai ins Scheinwerferlicht: Xiao Ke und Zi Han reflektieren die soziale und politische Situation ihrer Umgebung und experimentieren mit der Symbolik chinesischer Tanzstile. Dabei spiegeln sie die elementare Transformation von der vorrevolutionären über die kulturrevolutionäre bis hin zur heutigen chinesischen Gesellschaft.
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In Transit: Movie Night I + II, 10. und 12. Februar. Abend eins: 薔薇の葬列 (Funeral Parade of Roses) Toshio Matsumoto, Japan, 1969:  „Funeral Parade of Roses“ ist ein Kultfilm des gefeierten japanischen Regisseurs Toshio Matsumoto. Darin lässt er Sophokles’ Ödipus in Tokios Schwulenmilieu eintauchen. Der Regisseur kreiert eine schwindelerregende und sarkastische Parodie des antiken Stoffes und setzt durch die Aufhebung ästhetischer und politischer Konventionen einen Meilenstein in Japans Queer Cinema-Szene. Den Beginn des zweiten Filmabends machen Swann Dubus und Tran Phuong Thao mit „Finding Phong“. In einer Mischung aus intimem Filmtagebuch und traditioneller Dokumentation zeigen sie die Identitätsfindung von Phong. Er lebt in Vietnam, ist Mitte zwanzig und transsexuell. Die Regisseure fangen auf eine sehr offene Art und Weise den Prozess und die physische und psychische Transformation von einem verschlossenen jungen Mann zu einer befreiten Frau ein. Ein weiterer Film – „Breaking Free“ des Inders Sridhar Rangayan – erzählt die Geschichte der Queer-Bewegung in Südasien. Ausgehend von einer neuen Bestimmung in Indien, die Homosexualität rekriminalisiert, nutzt er Filmmaterial von Gay Pride-Events und Demonstrationen um historische, politische und rechtliche Aspekte von (Homo-)Sexualität zu enthüllen.
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Wien, 9. 2. 2016

Festspielhaus St. Pölten: La Fura dels Baus

Februar 9, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Trilogia Romana mit dem Tonkünstler-Orchester

Trilogia romana Bild: Corrado Maria Falsini, Hösl

Trilogia romana
Bild: Corrado Maria Falsini, Hösl

Am 13. Februar ist im Festspielhaus St. Pölten das multimediale Gesamtkunstwerk „Trilogia Romana“ zu sehen. Das Zusammenspiel von Videokreationen – in der Regie der katalanischen Künstlergruppe La Fura dels Baus – mit großartiger Musik des Tonkünstler-Orchesters verspricht ein visuelles und akustisches Erlebnis.

Mit den „Römischen Fontänen“, den „Pinien von Rom“ und den „Römischen Festen“ umfasst die zwischen 1916 und 1928 entstandene römische Trilogie die wohl bekanntesten Werke des italienischen Komponisten Ottorino Respighi. Interpretiert werden die symphonischen Dichtungen vom Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Antonio Méndez. Respighis „Römische Trilogie“ erzählt von der italienischen Geschichte und besingt die Schönheit der Stadt Rom. Visuell umgesetzt von Carlus Padrissa, einem Gründungsmitglied der international renommierten Künstlergruppe La Fura dels Baus, entführen Videoprojektionen und 3D-Effekte zu einer Reise durch Rom und akzentuieren die imposante Musik.

In seinen Videokreationen betrachtet Carlus Padrissa historische Stätten und Sehenswürdigkeiten aus einer frischen Perspektive und erweckt Skulpturen, Malereien und Landschaften zu neuem Leben. Die Elemente und Materialien Wasser, Stein und Pinien stehen im Zentrum der jeweiligen Werke und werden auf neue und eigenwillige Weise in Szene gesetzt und interpretiert: Statuen vergießen Tränen, Pinienbäume marschieren durch die italienische Landschaft und ein Brunnen gerät in Bewegung …

Zum Konzert gibt es eine Werkeinführung und eine Weindegustation.

www.festspielhaus.at

www.lafura.com

Wien, 8. 2. 2016

Akkordeonfestival 2016: Drei Tipps aus dem Programm

Februar 9, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Musikerinnen von Portugal bis Norwegen

Jure Tori Bild: © Miro Podgorsek

Bild: © Miro Podgorsek

Die 17. Ausgabe des Akkordeonfestivals lässt ab 20. Februar traditionell das Akkordeon und all seine Facetten einen Monat lang hochleben. Dabei gelingt es dem umtriebigen Kulturarbeiter Friedl Preisl mit seinem Team Jahr für Jahr eine faszinierende programmatische Balance zwischen bewährten musikalischen Größen und Neuentdeckungen, zwischen internationalem Anspruch und der veranstalterischen Reflexion und Förderung der reichen heimischen Musiklandschaft zu finden. Zu letzterem Aspekt passt der 2016er Programmschwerpunkt „Die grüne Mark“. An vier Konzertabende bitten Künstler und Künstlerinnen aus der Steiermark auf die Bühnen, unter anderem Chilli Da Mur und Folksmilich (10. März, Kirche am Gaußplatz).

Eröffnet wird wie gehabt mit zwei feierlichen Galas. Im Porgy & Bess spielen am 20. Februar Belofour und Soulmotion featuring Marko Zivadinovic auf, am Sonntag, 21. Februar, gibt’s im Vindobona Vincent Peirani & Emile Parisien zu hören. Gut vier Akkordeon-Wochen später spielen Attwenger mit ihren Brüdern im Geiste, den bayerischen Kofelgschroa am 19. März die erste Abschlussgala, in der Arena Wien, die ihr 40-Jahre-Jubiläum feiert. Den Schlusspunkt setzt Otto Lechner mit dem Ziehharmonischen Orchester Wien am 20. März im Orpheum. Dazwischen liegen Highlights wie das Motion Trio aus Polen (23. Februar, Theater Akzent), der Auftritt der US-amerikanischen Akkordeonistin Rachelle Garniez mit ihrer Mutter Nancy Garniez (28. Februar, Orpheum), der 16th Celtic Spring Caravan im Schutzhaus Zukunft (7. März) oder das traditionell das Festival bereichernde Jubiläumskonzert von Dobrek Bistro (9. März, Orpheum).

Angebote wie die Stummfilmmatinee (jeweils sonntags, Filmcasino, unter anderem mit Buster Keatons „The General“ und „The Iron Horse“ von John Ford), die Akkordeonfestival Lounge (jeweils samstags, Cafe Mocca, gehostet von Franziska Hatz) und die Swing Night tragen zum vielfältigen Charakter des Festivals bei. Nicht zu vergessen die flankierenden Workshops für Akkordeonisten.

Empfehlungen:

24. Februar, KosmosTheater: The Hinking Sinking Ladies. Gegründet 2009 in Berlin am Meer, stechen die musikalischen Piratinnen von den Hinking Sinking Ladies immer wieder in See, unberührt davon, dass sich zur Stammbesetztung Jack aka Nina Thaler und Jimmi aka Paula Sell immer wieder eine wechselnde dritte Gesellin gesellt, die oder der immer Jonny heißt und für den Wumms zuständig ist. Als Trio lassen es die Hinking Sinking Ladies dann poltern und knarzen, erzählen von ihren Abenteuern, weben aus klingendem Strandgut und akustischen Überraschungen ihre Musik, zu der sie mit weinenden Piratenbräuten tanzen und herzzerfetzende Piratengospels singen. My Bonnie is in the ocean, zum Beispiel.  hinkingsinkingladies.de

27. Februar, Vindobona: Dona Rosa Trio. „Ich schließe meine Augen, um besser sehen zu können“, hat die blinde Fado-Sängerin Dona Rosa einmal gesagt. In Wien führt sie – von André Heller für den TV-Film „Stimmen Gottes“ porträtiert – mit ihren Musikern vor, was sie damit meint. Der erste Teil des Konzerts wird dabei in Dunkelheit gespielt, wie Dona Rosa selbst kann sich das Publikum so in die Musik und den morbiden Charme ihrer Welt und ihrer Stadt Lissabon versenken. Im zweiten Teil des Programms stürzt sich das Trio in das pulsierende Leben der portugiesischen Hauptstadt, spielt und singt vor Projektionen aus dem Fotoband „Lisboa“, der im Februar 2016 erscheint und die Lieblingsplätze vieler Kollegen der Ausnahmesängerin zeigt. www.youtube.com/watch?v=QFxXoE5xCxw

8. März, Theater Akzent: Guro von Germeten. Die norwegische Musikerin, wiederholt beim Akkordeonfestival zu Gast, ist ein Ereignis. So sehr, dass sich Musikkritiker in vermeintlich vielsagenden Vergleichen ergehen, um das Unbeschreibliche zu fassen. „Kaizers Orchestras gruselige kleine Schwester“, „ein weiblicher Tom Waits“, „Kurt Weills Enkeltochter“ und „Kate Bush auf Piaf-Pillen“ war über Guro von Germeten schon zu lesen und doch klingen diese blumigen Beschreibungen leer, lässt man sich auf die unmittelbare Begegnung mit der Künstlerin ein. Weltnachhallende Lieder, die Guros Welt widerspiegeln, absurd und bitter, aber auch sinnlich und prächtig, voll Liebe, gutem Wein, verführerischen Matrosen und wilden Küssen mit Zirkusclowns. www.vongermeten.no

www.akkordeonfestival.at

Wien, 9. 2. 2016