Karin Bergmann ist die neue Burgtheaterdirektorin

Oktober 14, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Die interimistische Leiterin macht weiter

Bild: Burgtheater

Bild: Burgtheater

Kulturminister Josef Ostermayer gab am Dienstagvormittag seine Entscheidung über die künftige Burgtheater-Direktion bekannt – zunächst dem Aufsichtsrat, den er laut Gesetz anhören muss, danach Ensemble und Presse. 21 Bewerbungen waren für die Nachfolge des entlassenen Matthias Hartmann eingegangen. Ostermayer hatte von der Findungskommission, der unter anderem Hermann Beil, Götz Spielmann und die neue Bregenzer Festspielchefin Elisabeth Sobotka angehörten, einen Zweier-Vorschlag übermittelt bekommen: Den Dresdner Staatsschauspiel-Intendanten Wilfried Schulz und den deutschen Regisseur Michael Thalheimer. Doch auch der Name der interimistischen Burgtheater-Chefin Karin Bergmann fiel in den vergangenen Tagen immer öfter.

Ostermayer entschied für Karin Bergmann. Ihre nicht mehr interimistische künstlerische Leitung des Burgtheaters beginnt mit 1. September 2016. Die Wahl scheint logisch. Bergmann ist im Haus bekannt und beliebt. Erst gestern facebookte ein Mitarbeiter auf einen mottingers-meinung.at-Artikel im “Salon Burgtheater”: “Das ganze Haus ist ruhig und kein Mensch von uns denkt, dass es KB NICHT wird !!! So eine tolle Atmosphäre wie jetzt hatten wir schon lange nicht und das weiß auch der Minister, denken wir !!” Und: Sie ist in die finanzielle Sanierung des Schlachtschiffes Burg vollinhaltlich involviert. Kennt nicht nur seine Stärken, sondern auch seine Schwächen. Kann dafür sorgen, dass Drama wieder auf der Bühne und nicht im Gerichtssaal stattfindet. Wegbegleiter beschreiben sie als besonnen und ruhig, Selbstdarstellung ist ihre Sache nicht. „Das Burgtheater hat zu Recht ein großes Ensemble, um das man uns im gesamten deutschsprachigen Raum beneidet“ – das sei für sie das Reizvolle an der Arbeit. „Ich persönlich brauche keinen Glanz, den lege ich mir durch die Künstler, die hier arbeiten, zu“, so Bergmann.

Karin Bergmann ist die erste FRAU an der Spitze des größten Sprechtheaters. Stets hatte sie beteuert, sich nicht für den Job beworben zu haben, doch Qualität spricht eben – wenn der/die Richtige zuhört – für sich. Bergmann soll bis 2019 bleiben. Insgesamt hätte sie dann fünf Jahre an der Spitze der Burg gestanden, was einer normalen Amtsperiode einer Burgdirektion entspricht. „Ich wusste, man kann mit diesem Haus, auch wenn man erst eine Sanierung angehen muss, auf Dauer nur gewinnen“, zeigte sich Bergmann in einem ersten Statement selbstbewusst. „Die Entscheidung, dass ich die Arbeit fortsetzen darf, macht mich sehr froh.“ Das Burgtheater sei international der „Turm, auf den alle schauen“, so Bergmann. Auch wenn es kurze Zeit den Anschein gehabt habe, dass dieser „schwankt oder in Schräglage gerät.“ Ohne sich näher zu Plänen für kommende Spielzeiten zu äußern, kündigte Bergmann Arbeiten mit Regisseuren wie Martin Kušej, Alvis Hermanis und Andreas Kriegenburg an. Sie wünsche sich wieder Auseinandersetzungen mit großen „epochalen Stoffen“. Gleichzeitig plane sie eine verstärkte Integration zeitgenössischer Autoren. Regisseur Michael Thalheimer, dessen Name ebenfalls als Intendant gehandelt worden war, bleibt dem Burgtheater jedenfalls erhalten: Er inszeniert die Österreichische Erstaufführung von Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“, die im März 2015 Premiere hat.

Karin Bergmann, 1953 in Recklinghausen geboren, begann ihre Theaterlaufbahn 1979 als Direktionsassistentin am Schauspielhaus Bochum unter Intendant Claus Peymann. 1983 wurde sie Pressereferentin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg bei den Intendanten Niels-Peter Rudolph und Peter Zadek. 1986 kam sie mit Claus Peymann als Pressesprecherin ans Burgtheater. 1993 holte sie Intendant Rudi Klausnitzer als Pressesprecherin und Direktionsmitglied an die Vereinigten Bühnen, bis sie zu Klaus Bachler 1996 in den gleichen Funktionen an die Volksoper Wien wechselte. Als Bachler 1999 an das Burgtheater berufen wurde, wurde Karin Bergmann seine stellvertretende Direktorin, leitete im letzten Jahr seiner zehnjährigen Direktion, als er bereits die Münchner Staatsoper übernommen hatte, die Direktion und den Übergang zu Matthias Hartmann, bei dem sie als seine Stellvertreterin noch die erste Spielzeit 2009/10 blieb. Am 19. März 2014 wurde Karin Bergmann von Kanzleramtsminister Josef Ostermayer zur interimistischen künstlerischen Direktorin ernannt, sie wurde mit der künstlerischen Leitung des Burgtheaters für die Spielzeiten 2014/15 und 2015/16 betraut. Nun darf man gespannt sein, wie’s weiter geht. Vor allem, da demnächst mit Anna Badora noch eine Fischin im Wiener Becken schwimmt.

www.burgtheater.at

Wien, 14. 10. 2014

Salzburger Festspiele/Burgtheater: Georg Schmiedleitner

April 2, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

… inszeniert “Die letzten Tage der Menschheit”

Bild: Nestroy-Preis

Bild: Nestroy-Preis

Das Burgtheater Wien und die Salzburger Festspiele werden wie geplant „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus koproduzieren. Nachdem Matthias Hartmann wie bereits berichtet vom Burgtheater von seiner Regieverpflichtung entbunden wurde, konnte für die Umsetzung von Karl Kraus‘ epochalem Werk mit Georg Schmiedleitner ein Regisseur gefunden werden, der sich mit politisch-österreichischem Theater einen Namen gemacht hat. Der Österreicher Georg Schmiedleitner wurde als Mitbegründer und Leiter des Linzer Theater Phönix bekannt. Am Burgtheater inszenierte er erstmals 2005 Nestroys „Der Zerrissene“ mit Karlheinz Hackl und Birgit Minichmayr. Als freier Schauspiel- und Opernregisseur arbeitet er im gesamten deutschsprachigen Theaterraum, unter anderem an den Schauspielhäusern Graz und Hamburg, am Staatstheater Nürnberg, Nationaltheater Mannheim, am Wiener Volkstheater und am Theater in der Josefstadt. Für politisch und spezifisch österreichisches Theater steht sein Name auch als künstlerischer Leiter des Theaters Hausruck, einer Theaterinitiative, die regionale zeitgeschichtliche und aktuelle gesellschaftspolitische Themen aufarbeitet. 2005 erhielt er den Nestroy-Preis für seine Regie von „Hunt oder Der totale Februar“ von Franzobel.

Großartig, dass er so kurzfristig bereit war, die Regie zu übernehmen.

www.burgtheater.at

www.salzburgerfestspiele.at

Wien, 2. 4. 2014

Burgtheater: Karin Bergmann folgt Hartmann

März 19, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Hermann Beil wird „ehrenamtlicher Berater“

Karin Bergmann und Josef Ostermayer  Bild: Andy Wenzel/BKA

Karin Bergmann und Josef Ostermayer
Bild: Andy Wenzel/BKA

Kulturminister Josef Ostermayer ist ein Mann der schnellen Entschlüsse. Und der guten. Das ehrt ihn. Dienstagabend traf er seine Protagonisten zum Entscheidungsgespräch, heute Mittag hat er seinen Entschluß bekannt gegeben: Karin Bergmann übernimmt nach der fristlosen Entlassung von Matthias Hartmann in der Vorwoche bis August 2016 interimistisch die Führung des Wiener Burgtheaters. Diese Entscheidung präsentierte Ostermayer  gemeinsam mit dem Burg-Aufsichtsratschef Christian Strasser. Hermann Beil (72) wird als „ehrenamtlicher Berater“ fungieren. Bergmann (60) war Burg-Vizedirektorin und ist die erste Frau in der neuen Position, ein Provisiorium, das typisch österreichisch gern zur Dauerlösung werden könnte. Beil war Claus Peymanns früherer Kodirektor am Burgtheater und ist sein jetziger Chefdramaturg am Berliner Ensemble. Er ging mit ihm auch schon eine Hose kaufen, war mit ihm essen und auf der Sulzwiese … Vor-/Nachteil: Beil ist ein Unbestechlicher, der es immer schon abgelehnt hat, Theaterintendanzen zu übernehmen.

Ostermayer, der die letzten Tage intensive Verhandlungen führte, scheint wichtig, dass eine Profin die Burg übernimmt, niemand aus dem Ensemble. Er braucht Troubleshooter. Und Bergmann darf zugetraut werden, die Burg-Krise samt ihres Budget-Fehlbetrags von bis zu 13 Millionen Euro zu stemmen, vielleicht wäre eine Art Hypo Alpe Burg (dass Hartmann nie auf diesen Slogan gekommen ist: Alpe Burg Adria) drin, damit hat man hierzulande ja Erfahrung, und sich auch beim kommenden Kultur-Sparpaket von den Politikern nicht über den Tisch ziehen zu lassen. Dass sich die Verhandlungen um die interimistische Intendanz als so schwierig erwiesen, hat Gründe. Bergmann hatte Spannungen mit dem mächtigen Holding-Chef Georg Springer, dessen Position aber seit der Krise nicht mehr so stark ist. Bergmann wirkt stets ausgleichend, um Ruhe zwischen entwaigen Streitparteien bemüht. Sie war unter anderem Peymanns, mit dem die gebürtige Deutsche nach Wien gekommen und zwei Jahrzehnte am Haus tätig war, und Rudi Klausnitzers Pressesprecherin, als der noch Intendant der Vereinigten Bühnen Wien war. Sie war ab 1999 Vize-Chefin unter Nikolaus Bachler, der ihr viel freie Hand ließ, und zeichnete 2008, als dieser ein Jahr vor Vertragsende die Bayerische Staatsoper übernahm, hauptsächlich für den Betrieb verantwortlich. Mit dem entlassenen Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann verstand sie sich nicht, und sie verließ das Burgtheater in die Pension.

“Ich habe viele Ideen”, sagte Karin Bergmann in einer ersten Stellungnahme, wolle diese aber zuerst mit ihren Mitarbeitern besprechen. Das Burg-Ensemble begrüßte die Bestellung Bergmanns mit minutenlangem Applaus. “Sie ist eine Person, mit der man tatsächlich auf Augenhöhe reden kann”, lobte Ensemble-Vertreter Roland Koch. “Mit ihr beginnt heute am Haus eine neue Zeitrechnung.”

www.burgtheater.at

Wien, 19. 3. 2014

Burgtheater: Die Krönung Richards III.

März 15, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Schon die zweite Vorstellung wurde abgesagt

Martin Wuttke Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Martin Wuttke
Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Freitag, 16.45 Uhr, wogten die Zuschauermassen durchs Foyer des Burgtheaters wie Wellen bei schwerem Seegang. Erst hieß es, die Vorstellung finde nicht statt. Also hin zur Kassa, Karten hergeben, Geld entgegennehmen. Dann hörte man, nein, die Vorstellung werde doch gespielt. Also Geld retour, Karten retour. Schließlich ließ Frank Castorf die zweite Vorstellung von “Die Krönung Richards III.” absagen. Zwei Damen des Ensembles seien stimmlos. Oliver Masucci verlässt das Haus über den Bühneneingang,lässig, mit Sonnenbrille. Ein deutsches enttäuschtes Paar: “Bei uns schließen sie die Theater, die Burg sperrt sich von innen zu.” Der mittlerweile auch schon entnervte Mann an der Kassa: “Wenn jetzt alle ihr Geld wollen, habe ich zu wenig Bares da.” Nanu? Bares ging doch sonst am Haus in 100.000er-Summen über den Tisch.

Tags zuvor hatte manch Premieren-Printschreiber von Massenfluchten des Publikums berichtet. Nun wären die wahren Castorfianer da gewesen, um sich an der jüngsten Dekonstruktion des Grumpy Old Man des deutschen Diskurstheaters sechs Stunden lang zu laben. Der viel gemühte Sager vom Stückezertrümmerer ist nämlich ein blöder. Auch für “Heiterkeiten” zum Thema Hinternwundsitzen besteht kein Anlass. Castorf macht größer, führt Gedanken der von ihm bearbeiteten Autoren fort und aus. Diesmal um Texte von Antonin Artaud – was könnte besser zu Hans Henny Jahnn passen, als dessen Theater der Grausamkeit -, Georges Batailles surrealistisch-dekadente-erotische Prosa  und, weil Bataille stark von ihm beeinflusst war und Castorf ohne ihn sowieso nicht kann: Karl Marx. Ans Ende stellte der Theatermacher Heiner Müllers “Der Auftrag”. Dessen, Martin Wuttkes als Richard III., vorletzter, viel belachter, von “Qualitätszeitungen” als aktuell improvisiert interpretierter Satz “Unsere Firma steht nicht mehr im Handelsregister. Ich entlasse uns aus unserem Auftrag”, steht 1:1 so bei Heiner Müller. Lernen Sie Kultur, Herr Redakteur. Martin Wuttke, die treue Seele, war’s dann auch, die sich freitags anbot, auf der Bühne Material aus dem und ums Stück zu lesen.

Hans Henny Jahnn war ein Unbequemer, einer der großen produktiven Außenseitern des Zwanzigsten Jahrhunderts. Im Ersten Weltkrieg Kriegsdienstverweigerer, von den Nazis verfemt, man solle seine Stücke und Romane verbrennen, statt aufführen, meinte und tat das Dritte Reich, später einer der ersten öffentlichen Gegner der Atombombe. Und Tierversuchsgegner. Begründer der Künstlergruppe Ugrino. Orgelbauer und Pazifist, obwohl oder wohl weil er nicht an das Gute im Menschen glaubte. Er kämpfte in den frühen fünfziger Jahren gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands, gegen die Zerstörung der Umwelt und auch gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie, weil er die Lagerung des atomaren Mülls schon damals für unverantwortlich hielt. Den Menschen hat er einmal als “Schöpfungsfehler” bezeichnet, der zentrale Gedanke seines Werks ist eine antichristliche Schöpfungsmythologie. In seinen Aufsätzen, Reden und in seinen Romanen beobachtet er mit wachsendem Entsetzen das Ausmaß an Grausamkeit und Destruktivität, dessen der Mensch fähig ist. “Der Mensch ist Körper zuerst, und dann vielleicht Geist”, sagt er einmal. “Der Trieb, die Gier, die Aggression sind unmittelbar”. Gott ist bei Jahnn nicht tot, er hat aufgegeben.

In diesem Sinne erklären sich alle Arten von Sadismus und Perversion, die “Die Krönung Richards III.” ausmachen. Im Gegensatz zu Shakespeare stirbt der Antiheld am Ende nicht. Er muss leben. Weiterleben. Weil es Gewalt und Grausamkeit auch tun. In Ewigkeit, Amen. An der Burg spielen hoffentlich bald wieder: Martin Wuttke als Richard III., Ignaz Kirchner, Fabian Krüger, Jasna Fritzi Bauer, Oliver Masucci als Herzog Buckingham, Marcus Kiepe, Hermann Scheidleder, Dirk Nocker, Sophie Rois als Königswitwe Elisabeth, Markus Meyer, Marc Hosemann und Moussa Baba, Azamat Chabkhanov, Jovita Domingos-Dendo, Robin Furlic, Simon Jung, Anasiudu Kenechukwu, Tobias Margiol, Bernhard Mendel, Adam Nakaev, Marie-Christiane Nishimwe, Christoph Prochart und Philipp Schwab. Bühne und Kostüme: Bert Neumann.

Die nächste Vorstellung wäre am 20. März.

www.burgtheater.at/Content.Node2/home/ueber_uns/aktuelles/Vorstellungsabsage_14-03-2014.at.php

www.hans-henny-jahnn.de

Wien, 15. 3. 2014

Ostermayer entlässt Hartmann

März 11, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Kulturminister enthebt Burgtheaterdirektor seines Amtes

Bild: Burgtheater

Bild: Burgtheater

Das hat es in der Geschichte des Hauses am Ring noch nicht gegeben, das ist ein Skandal, wie ihn die Bühne, die sich so gern die erste im deutschsprachigen Raum nennt, noch nicht erlebt hat. Kulturminister Josef Ostermayer  hat Burgtheater-Chef Matthias Hartmann wegen der Finanzaffäre abberufen; Georg Springer hat den Vertrag aufgelöst und die Entlassung ausgesprochen. Das Ensemble der Burg  soll vom SPÖ-Politiker bereits informiert worden sein. Aus Hartmanns gestern angekündigtem vorläufigen Rücktritt, einer “Ruhestellung” seiner Funktion als Geschäftsführer wird ein endgültiger Abschied des künstlerischen Direktors. Hartmann will das nicht akzeptieren und kündigt an, Klage gegen die Entlassung einzubringen. Der kaufmännische Geschäftsführer des Burgtheaters, Thomas Königstorfer, kann bis auf Weiteres keine Rechtshandlungen setzen, die eine Zustimmung beider Geschäftsführer erfordert. Heißt: Das Burgtheater ist gelähmt.

Entscheidend für Ostermayers Entscheidung müssen offenbar die ersten Zwischenergebnisse des Rechtsgutachtens sein, die dem Minister gestern Abend vorgelegt wurden. Darin geht es um die mögliche Mitverantwortung  Hartmanns und des Aufsichtsrats der Bundestheater-Holding an der finanziellen Misere. Ein unverzügliches Handeln schien unvermeidlich. Ostermayer zitierte bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Dienstagmittag aus dem Kontrollbericht, der bestätigte, dass Hartmann unabhängig davon, ob er von den Vorgängen wusste, als Geschäftsführer für die aktuelle Situation mitverantwortlich zu machen sei. Die Entlassung sei außerdem der einzig mögliche Weg gewesen, den Vertrag mit Hartmann umgehend zu beenden. Ostermayer: “Aufgrund der Fakten und den vorliegenden Rechtsgutachten gab es keine andere Möglichkeit. Hartmann hat seine Sorgfaltspflicht als Geschäftsführer erheblich verletzt. Er hat weder Mängel des Rechnungswesens noch bei der internen Kontrolle behoben. Um weiteren Schaden für die Republik und das Burgtheater abzuwenden, musste dieser Schritt unmittelbar erfolgen.” Ebenso werde die Rolle der Wirtschaftsprüfer durchleuchtet, Anzeige gegen die KPMG wurde bereits erstattet. Man staune: Auch Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer zieht Konsequenzen und wird alle Aufsichtsrats-Funktionen in der Holding zurücklegen. Nachfolgen soll ihm in den Aufsichtsräten und den Kontrollgremien Holding-Prokurist Othmar Stoss. Den Vorsitz in den jeweiligen Kontrollgremien könnte Gerüchten zufolge allerdings nicht Stoss, sondern der Direktor des Museumsquartiers, Christian Strasser, übernehmen. Der Wunderwuzzi aus Linz war schon bisher Mitglied in allen Aufsichtsräten der Holding-Töchter.

Wer Hartmann nachfolgen soll, wird hudriwudri – obwohl das die Lieblingsvorgehensweise der Ex-Kulturministerin war, die stets Ausschau nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner hielt – nicht zu klären sein. Man suche nun einen interimistischen künstlerischen Leiter und Geschäftsführer, der auch die “Kluft zum Ensemble” überbrücken könne. Das Ziel sei, dass wieder “über die Stücke auf der Bühne gesprochen” werde, nicht über die Vorgänge hinter der Bühne, hieß es bei der Pressekonferenz. Was aus geplanten Inszenierungen des Direktors werde – am 7. April stünde am Akademietheater Hartmanns Projekt “Der falsche Film” an und bitte an dieser Stelle keine Scherze über den Titel -, wollte der Minister noch nicht beantworten, “es ging heute alles Schlag auf Schlag”, so Ostermayer. Es ist Josef Ostermayer hoch anzurechnen, dass er in den ersten Wochen im neuen Amt gleich mit massiven Problemen konfrontiert, diese subito einer Lösung zuführt. Anzumerken ist, dass es von Zürich bis Hamburg verdiente Theatermacherinnen gibt, die an der Burg auch bekannt sind. Wäre doch schön, wenn endlich eine Frau Burg-Herrin würde.

www.burgtheater.at

Wien, 11. 3. 2014