Wiener Festwochen: Le Metope del Partenone

Juni 9, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Kehrgerät beseitigt den Tod

Leiche Nummer eins in der Kunstblutlacke. Bild: © Guido Mencari, Paris

Auf das Leben folgt der Tod, nach „La vita nuova“ also „Le Metope del Partenone“, beides Arbeiten des italienischen Regisseurs und Festwochen-Stammgasts Romeo Castellucci, die er mit seiner Kompagnie Socìetas dies Jahr in den Gösserhallen zeigt. War erstere eine Art Messias-Suche durch eine mysteriöse Bruderschaft, Propheten eines Aufbruchs, eines Neuanfangs, so geht es nun um letzte Momente und ums Sterben. Und das ziemlich drastisch.

Sechs Mal wird auf verschiedene Weise verschieden, der Zuschauer, ganz klein in dem riesigen Spielort, zum genauen Hinsehen auf das Grauen gezwungen. Als wär’s die Strafe für jeden, der jemals schaulustig an einer Unfallstelle stand. Ein Taumeln, ein Keuchen, ein Umkippen. Schon legt sich eine junge Frau auf den nackten Boden, wird von sachkundigen Weißgewandeten, wie’s davor auch die Bruderschaft war, mit Kunstblut aufs Leichendasein vorbereitet. Eintrifft mit ohrenbetäubendem Signalhorn und Blaulicht der Einsatzwagen des Roten Kreuz. Die Rettungskräfte sind tatsächliche, sie bemühen sich um die Verunfallten. Hilfe, wo es keine mehr gibt, das ereignet sich sozusagen ununterbrochen, laut Weltstatistik sterben täglich an die 150.000 Menschen, mehr an ihrem Lebensstil, heißt: Genuss von Alkohol und Tabak, als durch Kriege.

Castellucci führt das mit seinem wie stets klang- und bildgewaltigem Werk vor, dessen Titel sich auf die Reliefs im Tempel der Pallas Athene auf der Akropolis bezieht, die mythische Kampfszenen zwischen Göttern, Giganten, Kentauren und Griechen darstellen. Von ihm streng choreografiert kommt unweigerlich der Exitus. Die Ursachen dafür sind Säure, die ein Gesicht verätzt, Verbrennungen, mal wird ein Bein abgetrennt, mal quellen Gedärme aus einem Leib. Einen Mann im Anzug durchschüttelt offenbar ein Herzinfarkt, inmitten seiner Urinlacke muss er auch noch die als Schmach ertragen. Schmerz, Entstellung, gellende Hilferufe an der Grenze des Erträglichen, schließlich Ohnmacht, den Schauspielern Silvia Costa, Dirk Glodde, Zoe Hutmacher, Liliana Kosarenko, Maximilian Reichert und Sergio Scarlatella bleiben nicht viel Mittel, als Mimik und Gestik entgleisen zu lassen.

Echte Rettungskräfte im gefakten Einsatz. Bild: © Guido Mencari, Paris

Siehe, sagt Castellucci, so schnell wird man zum Opfer zum Objekt. Denn von Fall zu Fall stellt sich der Herzmonitor auf Flatline, ein Tuch wird den Entschlafenen geworfen, Stille setzt ein, und bei manchen ist man froh, dass endlich eine Ruh‘ ist. Was aber nicht so bleibt, lösen sich die Leichen doch aus ihrer Starre und schreiten als höchst würdevolle Untote durch den Raum. Zu den Wiederauferstehungen werden rätselhafte Sätze von Claudia Castellucci an die Wände projiziert:

„Ich bin allein, aber unter vielen“ oder „Ich bin nie gewesen, aber im Werden begriffen“, „Ich habe keinen Körper, aber du kannst mich sehen“, was eindeutig – und Castellucci würde diesen Konflikt mutmaßlich gar nicht abstreiten – mehr nach Römisch-Katholisch als nach Antik-Griechisch klingt. Mehr Erkenntnisgewinn hat Castellucci diesmal nicht zu bieten. Seine 2015 in Basel erstaufgeführte Performance wird nicht zu einem der von ihm sonst so empathisch angelegten Elementarereignisse. Das „Erlebnis“ Tod, das dem Unabwendbaren Ausgeliefert-Sein verfängt nicht beim Betrachter, daran zu erkennen, dass das Publikum den finalen Zuckungen der Darsteller meist mit abwehrend verschränkten Armen gegenübersteht. Überforderung statt Einfühlung, und keine Katharsis nirgendwo. Am Schluss: eine Kehrmaschine. Kommt und fegt die falschen Körpersäfte weg …

www.festwochen.at

  1. 6. 2019

The Big Sick

November 15, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Viel mehr als nur eine Multi-Kulti Love Story

Kumail (Kumail Nanjiani) schlägt sich mehr schlecht als recht als Stand-up-Comedian durch. © 2017 Comatose Inc., Bild: Nicole Rivelli

Es kommt nicht oft vor, dass eine Liebeskomödie so gehyped wird wie „The Big Sick“. Nach der Weltpremiere beim Sundance Film Festival standen die Kritiker vor Freude Kopf, in Locarno gab’s den Publikumspreis, von Rotten Tomatoes 98 Prozent, und der Siegeszug geht weiter. Es scheint, als wäre Hauptdarsteller Kumail Nanjiani, der mit seiner Frau Emily V. Gordon ihr Kennenlernen zu Papier brachte, ein Wurf gelungen.

Überzeugen kann man sich davon ab 17. November in den heimischen Kinos. Dabei beginnt „The Big Sick“ wie das Abziehbild jeder romantic comedy, die man jemals gesehen hat, die Charaktere klassische Archetypen, die Handlung eh-schon-wissen. Und dann kommt es auf einmal ganz anders …

Kumail Nanjiani spielt sich selbst, den zur damaligen Zeit mäßig erfolgreichen Stand-up-Comedian (später machte er mit der Startup-Comedy „Silicon Valley“ Karriere) und Taxifahrer Kumail. Einen US-Amerikaner mit pakistanischen Wurzeln, der eher orientierungslos durchs Leben driftet. Nach einem Auftritt lernt er in der Bar Emily, gespielt von Zoe Kazan, kennen, man landet gleich im Bett, Beziehung kommt erst später. Doch der Haken an der Sache ist, Kumail bringt es nicht übers Herz, seinen liebenswert nervtötenden und natürlich schwer traditionellen Eltern von seiner „weißen“ Freundin zu erzählen. Ein Cousin hat nämlich eine, und ein Baby namens Da-ve, wer nennt sein Kind schon Da-ve?, und ist nun für die Familie gestorben. Während Kumail sein Gewissen und vor allem Emily plagen, unternimmt die Mutter (Zenobia Shroff) in Endlosschleife hinreißend peinliche Versuche, ihn zu verkuppeln, an ihrer Seite Anupam Kher als stylischster Vater aller Zeiten.

Was sich wie eine weitere Version von Multi-Kulti-„My Big Fat Pakistani Wedding“ anlässt, ist aber nur der erste Akt, die erste halbe Stunde, bis sich vor die -komödie ein Tragi- schiebt. Denn der Plot nimmt eine ungeahnte Wendung, die der bisherigen Fluffigkeit einen ernsteren Ton verschreibt. Man trennt sich, no na. Doch dann erkrankt Emily schwer an einem Lungeninfekt, der Virus bringt ihr Herz fast zum Stillstehen. Kumail rast ins Krankenhaus, wo ihre Eltern kein Interesse am Ex-Lover ihrer Tochter haben. Kumail muss sich beweisen und entscheiden, wie er sein Leben leben will …

Im Krankenhaus: Beth (Holly Hunter) und Terry (Ray Romano) wollen nichts von Kumail wissen. Bild: © 2017 Comatose Inc.

Kumails Mutter (Zenobia Shroff) schleppt Heiratskandidatinnen an. © 2017 Comatose Inc., Bild: Nicole Rivelli

Bis es mit der Handlung so weit ist, hat das sympathische Protagonistenpaar die Zuschauer schon fest im Griff. Allein die Tatsache, dass hier die wahre Geschichte eines Ehepaars von ihm selbst erzählt wird, reicht aus, dass den beiden die Herzen zufliegen. Zoe Kazan gestaltet die Emily schön hibbelig, sie ist eine Stadtneurotikerin im besten Wortsinn, flutscht nervös hin und her, als wäre sie von Woody Allen erfunden worden, bis ihre Krankheit sie niederstreckt. Kumail Nanjiani ist ein ungemein charismatischer Schauspieler. Ein einziger grinsender Blick von ihm genügt, um ihn und seinen beharrlichen, freundlichen Charakter zu mögen. Warmherzig sind etwa die Szenen, in denen sie mit ihm an seiner One-Man-Theatershow über seine pakistanische Herkunft bastelt, und seinen halbwissenschaftlichen „Diavortrag“ zu einem unterhaltsamen Abend tunt.

Die Gags sind trocken, die Dialoge witzig, die Story ist herzlich, Mentalitäten werden ausgelotet, ohne plakativ zu werden – das Ganze zündet fantastisch. Als sich Kumail seinem Bruder anvertraut, wäre dem lieber, der Jüngere wäre Scheckfälscher oder hätte Fahrerflucht begangen. Man wird mitten im Lokal laut, der Nebentisch mokiert sich, darauf folgt der US-groteske Dialog: „Entschuldigung!“ – „Wir hassen Terroristen!“ Schön auch, wie Emilys Vater zu Kumail über 9/11 sagt: „Ich wollte schon immer mit einem von euch darüber reden.“

Bald aber führt man ehrlichere Gespräche, von beiden Seiten ehrlicher, als Kumail mit seinen eigenen Eltern. Behutsam und mit viel Einfühlungsvermögen fängt die Kamera in diesen Momenten Blicke und gestische Andeutungen zwischen dem ungleichen Trio ein. Und langsam schälen sich komplexe Menschen mit ein paar Macken und auch ziemlichen Problemen aus den Figuren. Aus einer anfänglichen Schutzhaltung vor allem der Mutter entwickelt sich eine Freundschaft.

Zwischen Kumail und Emily (Zoe Kazan) funkt es. © 2017 Comatose Inc., Bild: Sarah Shatz

Herausragend gelingt diese Darstellung von Zoes Eltern, gespielt von Holly Hunter, als Tigermutter wie immer acting over the top, und Ray Romano als desillusioniertem Lehrer und Fremdgeher in einer späten Midlife Krisis. Großartig auch die hart, aber herzliche Comedy-Club-Clique Matty Cardarople als Stu, Rebecca Naomi Jones als Jessie und Kurt Braunohler als Loser Chris. Der Groove dieses Überraschungshits aus den Händen von Regisseur Michael Showalter stimmt.

„The Big Sick“ ist einer der ungewöhnlichsten, bewegendsten und bezauberndsten Liebesfilme seit Langem. Erfrischend unkitschig für eine US-Produktion, und trotzdem zum Tränen Lachen und auch ein paar Weinen. Im Nachspann der True Story gibt‘s noch die echten Hochzeitsfotos.

www.TheBigSick-Film.de

  1. 11. 2017

Auge um Auge

April 8, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Kein Mann fürs Mittelmaß

Christian Bale Bild: Tobis Filmverleih

Christian Bale
Bild: Tobis Filmverleih

Er ist Batman, Patrick  „American Psycho“ Bateman, er nahm als „Der Maschinist“ 30 Kilo ab, für die Betrügersatire „American Hustle“ 20 Kilo zu. Christian Bale ist kein Mann fürs Mittelmaß. Er ist „Extremist“- wo er ist, ist das Extrem. Und zwar extrem gutes Schauspiel. Für „The Fighter“ gab’s 2010 einen Oscar. Zurzeit ist er in Scott Coopers Arbeiterdrama „Auge um Auge“ in den Kinos zu sehen. Wäre der Waliser nicht so ein hinreißender Familienvater (er ist seit dem Jahr 2000 mit Ex-Model Sibi Blažić verheiratet; die beiden haben eine Tochter), man müsste meinen, er gehörte zu der Kategorie Leinwandgenies, die mit ihren Dämonen Nacht für Nacht einen Kampf auf Leben und Tod ausfechten. Doch Bale schläft gut. Er rastet („Terminator: Die Erlösung“) an Filmsets zwar manchmal aus, wenn’s nicht nach seinem Schädel geht, aber ansonsten ist er normal geblieben.

Coopers „Auge um Auge“ zeigt den Abstiegskampf eines Stahlarbeiter. Vieles erinnert an „Die durch die Hölle gehen“. Die grindig heruntergekommene Vorstadtatmosphäre, die freudlos-düsterer Grundstimmung des Films, die Verzweiflung der Figuren. Wohlfühlkino geht anders. Bale ist wieder hager, langhaarig, ein Arbeiterklassenjesus am Hochofen. Gedreht wurde in Braddock, einer Kleinstadt in der Nähe von Pittsburgh. „Ich traf die Leute dort, trank ein Bier mit ihnen, hörte mir ihre Sorgen an, das färbt ab“, schildert Bale. „Man bekommt ein Gespür für die Menschen, die einmal Mittelschicht waren, und nun alles verlieren, die gegen den sozialen Abstieg kämpfen. In den USA bricht die Industrie ein, es gibt massiven Stellenabbau. Ich denke, unser Film kommt zur rechten Zeit. Er greift Konflikte auf, die in der Luft liegen.“

Stoisch macht sich Russell Baze alias Bale allmorgendlich zur Arbeit auf. Das Leben hat ihm nichts zu bieten. Er kümmert sich um seinen sterbenskranken Vater, seine Freundin und seinen nach mehreren Einsätzen im Irakkrieg traumatisierten Bruder Rodney (Casey Affleck in einer ihm auf den Leib geschneiderten Rolle). Im Fernsehen tritt Barack Obama auf. Rodney baut bei illegalen Straßenkämpfen Mist und endet mit einer Kugel im Kopf. Russell baut betrunken einen Autounfall, gerät in die Fänge der Justiz und die Welt aus den Fugen. Der Film mäandert nun zwischen Drogenkrimi und Rachethriller. Je zerbrechlicher, manischer, verlorener Rodney geworden ist, desto brutaler, kriegerischer, schärfer wird Russell. Es wird zu einer Wahnsinnstat kommen …

Vorher sei aber noch erwähnt, wie großartig Woody Harrelson als tätowierter, bösartiger Psychopath ist. Wie treffsicher Cooper sein Darstellerteam Willem Dafoe, Zoë Saldaña, Forest Whitaker, Sam Shepard … zu Höchstleistungen führt. Bale spielt mit Mikromimik. Ein zuckender Wangenmuskel, ein flackerndes Auge, schon sind Schmerz und Angst und Trauer spürbar. America the Beautiful hat sich an den Rand der Existenz gebracht. Das will Scott Cooper ausdrücken: die tiefe Enttäuschung darüber, dass es auch in den Jahren der Obama-Regierung nicht vorangegangen ist. Nur Turnen mit der First Lady und Empörung über Samsung-Selfies werden zu wenig sein. Laut Süddeutscher melden sich die Bushs in Gestalt von Sohn Jeb (61) zurück. So viele Hochöfen hat die Hölle gar nicht. Also, Vorsicht: „Auge um Auge“ ist kein Film für Patrioten.

www.augeumauge-derfilm.de

http://outofthefurnacemovie.tumblr.com/

Trailer:  www.youtube.com/watch?v=qAAWlQpIrNs

Wien, 8. 4. 2014

Achtung, Spoiler!

Mai 10, 2013 in Film

Nicht jeder, der glaubt, er Khan – kann.

Chefmaschinist Scotty (kauzig-komisch: Simon Pegg) hat Recht. Er verlässt die Enterprise nach wenigen Minuten. Samt seinem außerirdischen Gnom. Man sei doch ein Forscherraumschiff, der Weltraum, unendliche Weiten  und so  – und jetzt würden ihm Raketen mit Sprengköpfen im Warp-Heiligtum deponiert, ohne, dass er sie scannen dürfe. So nicht. Genau.

Benedict Cumberbatch als john Harrison alias Bösewicht Khan Bild: Paramount Pictures

Benedict Cumberbatch als John Harrison alias Bösewicht Khan
Bild: Paramount Pictures

„Star Trek Into Darkness“ läuft seit Christi Himmelfahrt in den Kinos und ist … ja eh … in 3D. Gerüchten zufolge soll J. J. Abrams, oberster Sternenflottler und zurzeit amtierender Regisseur, aber ab Teil drei nur noch als Produzent tätig, als Kind die TV-Serie mit Kirk und Co. gehasst haben. Zugegeben, das musste man mögen, wenn William Shatner mit eingezogenem Bauch und vorgeschobenen Schultern über die Plastikbrücke wankte, aber: Die wirklich guten Schauspieler Chris Pine (Kirk), Zachary Quinto (Spock), Karl Urban (Dr. McCoy) oder Zoe Saldana (Uhura) als junge, neue Crew haben es sich nicht verdient, dass ihr zweites Abenteuer nicht mehr als ein müder Abklatsch von „Der Zorn des Khans“ (1982) ist. Da setzt man wohl darauf, dass die junge, neue Generation an Sci-Fi-Fans Ricardo Montalbán – wunderbar mit blonder Camilla-Parker-Bowles-Frisur und hellbrauner, die durchtrainierte Brust betonende Strick-Leder-Weste – ohnedies nicht mehr kennt. Schwache Vorstellung, Mr. Abrams!

Was an Ideen punkto Handlung fehlt, macht man mit Action wett. Materialschlacht folgt auf Weltraumschießerei folgt auf Prügelei folgt auf … Computeranimation kann heute wirklich ALLES. Die Föderation ist militärischer geworden, in chicen grauen Uniformen mit Kappe, für Gene Roddenberry selig, der in seinem Universum die Botschaft von Völkerverbindung und möglichem Frieden verbreiten wollte, wahrscheinlich eine Dystopie. Kein Wunder, dass das Schiff, auf das Spock kurzfristig strafversetzt werden soll, U.S.S. Bradbury heißt (vom US-Fantasten Ray Bradbury stammen die berühmten „Mars-Chronken“, ein sozialkritisches Werk darüber, wie die Menschen durch die Kolonialisierung des Mars die dortigen friedlichen „Ureinwohner“ erst in Reservate sperren, dann ganz auslöschen. Sein mit Oskar Werner verfilmter Roman „Fahrenheit 451“  gehört zu den pessimistischten Zukunftsbildern des 20. Jahrhunderts).

Aber „Star Trek Into Darkness“ hat auch seine guten Seiten. Zum Beispiel, dass Abrams die Mischung aus Weltraumwestern und Buddie-Movie beibehalten hat. Am Ende nennt Spock seinen Captain erstmals Jim. Die Selbstironie von Charakteren wie „Pille“ oder Scotty. Die Tatsache, dass die Lovestory zwischen Uhura und Spock nicht nur vertieft wird, sondern Frau Lieutenant Uhura selbstverständlich Crewmitglied bei einem Außenkommando ist und sehr forsch-emanzipiert mit den Klingonen verhandelt. Zum Beispiel, dass Nebenrollen aus Shatner-Zeiten, wie die Navigatoren Mr. Chekov und Mr. Sulu, aufgewertet wurden. Und ihre Darsteller Anton Yelchin und John Cho dieser Aufgabe mehr als gerecht werden. Und natürlich den großartigen, reptiliengleichen, manipulativen Terroristen John Harrison alias Khan alias Benedict Cumberbatch. Der BBC-Sherlock-Holmes spielt seinen Part mit einer Kälte, einer Emotionslosigkeit, einer Logik, dass selbst Spock die Ohren spitzt. Klar, dass der Bösewicht am Schluss den Kürzeren zieht, aber Auskenner wissen:  Khan, diesen durch Gentechnik optimierten Supermenschen, wird man nicht das letzte Mal begegnet sein.

Star Trek neu ist ja noch in der Genesis (ein Insidergag, bei Nichtverstehen bitte nachfragen!). Also kann man ruhig auf Buch drei warten. Vielleicht schwebt dann der Geist über dem All. Diesmal nämlich demoliert nicht Spock, sondern Held Kirk zur Rettung der Enterprise den Reaktorkern. Und während weiland Leonard Nimoy einen grauenhaften – weil radioaktiv verseucht – Tod starb, vor dem er „Pille“ per Gedankenverschmelzung noch über seine Wiedergeburtspläne informierte, liegt Kirki anno 2013 vom Khan-Blut gerettet im Krankenbettchen und ist schon bald wieder der gleiche lustige alte, äh, junge.

Immerhin: Damit erspart man einem – hoffentlich als weiteren Aufguss – „Die Suche nach Mr. Spock“. Es können eben nicht alle dorthin, wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist …

www.mottingers-meinung.at/star-trek-into-darkness/

Von Michaela Mottinger

Wien, 10. 5. 2013

Star Trek Into Darkness

Mai 6, 2013 in Film

Spitzt die Ohren!Star-Trek-Into-Darkness

Sternenflottennachricht Nr. 1.: Schreiberlinge, die den Unterschied zwischen der Bezeichnung „Trekkies“ und „Trekkern“ nicht kennen, mögen es BITTE unterlassen über Gene Roddenberrys Universum zu berichten. Man mag vielleicht einen klingonischen Bird of Prey nicht von einem romulanischen Warbird unterscheiden können, auch schon schlimm, aber das geht zu weit!

Sternenflottennachricht Nr. 2.: Am 9. Mai startet in den Kinos der zweite Film mit der jungen Crew: „Star Trek Into Darkness“. Viel hat J. J. Abrams, der nicht nur neuer Regisseur auf der Brücke der Enterprise, sondern auch frisch gebackener „Star Wars“-Imperator ist (ungefähr gleichbedeutend, als müssten sich Rapid und Austria ein Umkleidekammerl teilen), weshalb Ur-Jim William Shatner Abrams auch als „Schwein“ bezeichnet haben soll, noch nicht über das zwölfte Kinoabenteuer von Kirk und Co. verraten: Ein psychopathischer Terrorist namens John Harrison (TV-„Sherlock“ Benedict Cumberbatch in der Rolle, für die lange Zeit Benicio Del Toro vorgesehen war, und angeblich der alte Klassiker „Khan“) will einen Vergeltungskrieg gegen die Föderation führen. Als Ablenkungsmanöver jagt er ein belangloses Archiv in die Luft, als alle Würdenträger sich ob der Tat versammeln, hat er sie. Oder so. Die Enterprise erobert derweil laut Vorspann Galaxien, in die nie zuvor ein Mensch vorgedrungen ist. Und in diesen unendlichen Weiten hat Kirk (Chris Pine) gerade viel Spaß mit zwei ringelschwänzigen Damen, als der Notruf kommt. Natürlich tut Kirk das Richtige, aber nichts nach Vorschrift, was zur nächsten Beziehungskrise mit Spock (Zachary Quinto) führt. Man ist hier ja schließlich in einer Mischung aus Weltraum-Western (Final Frontiers …) und Buddie-Film: der Heißsporn und der Analytiker. Bekannt ist noch, dass Uhuras (Zoe Saldana) Liebe zu Spock intensiver dargesteller sein soll. Das wäre neu! Denn im TV war Uhura noch Krik zugetan, was 1968 zum ersten via Flimmerkiste gezeigten schwarzweißen Kuss führte. Und, dass Benedict Cumberbatch saugut sein soll. Das wäre nur logisch!

Mehr dazu demnächst in der Filmkritik von www.mottingers-meinung.at. Mit von der Partie sind natürlich wieder auch der unvergleichliche Simon Pegg als Scotty, „Pille“/“Bones“ Karl Urban, John Cho als Mr. Sulu und Anton Yelchin als Pavel Chekov. Er war Abrams größtes Verdienst am 2009er Star Trek, dass alle Charaktere so gut gecastet waren, dass man sie sich als spätere/eigentlich frühere William Shatner, Leonard Nimoy (der ja zeitschleifig auch mitmischt), De Forest Kelley, James Doohan, George Takei, Nichelle Nichols oder Walter Koenig vorstellen konnte.

„Star Trek Into Darkness“ ist ein Film in 3D. Und darin liegt vielleicht die größte Gefahr für den Sci-Fi-Film. Dass zwischen Action, Spezialeffekten und Materialschlacht nicht die Selbstironie der 60er-Jahre-Fernsehserie auf der Strecke bleibt. Und Gene Roddenberrys, Im Zweiten Weltkrieg Bomberpilot in der US-Air Force, humanitäre Botschaft von Toleranz und Frieden zwischen den Völkern. Sein Captain Kirk ging zwar keiner schönen Frau und keiner Schlägerei aus dem Weg, aber, wenn’s hart auf hart kam, hieß es immer: Phaser auf Betäubung. Hoffentlich muss Jim nicht bald Gliedmaßen mit einem Lichtschwert abtrennen …

paramount-kino-newsroom.de

www.startrekmovie.com

Trailer: www.youtube.com/watch?v=rdZuqozLiUs&feature=youtu.be

Von Michaela Mottinger

Wien, 6. 5. 2013