Belvedere 21: Zbyněk Sekal

August 25, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Surrealistische Schreine zum Thema Gefangenschaft

Poetische Auseinandersetzung mit Einsamkeit, Isolation und dem Verschwinden im Gefangensein – Zbyněk Sekal: Schrein mit Hundchen, 1986. Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Bild: © Johannes Szilvássy

Der Maler und Bildhauer Zbyněk Sekal war ein kritischer Denker, ein analytischer Beobachter seiner Zeit und ein Poet im Umgang mit Material: Seine Auseinandersetzung mit Gefangenschaft und Exil wirken gerade heute – in der krisenbedingten Umbruchstimmung – aktueller denn je. Mehr als siebzig seiner Objekte werden nun ab 28. August im Belvedere 21 inszeniert. Die Ausstellung veranschaulicht den Triumph menschlicher Kreativität über die Missgunst der Zeit.

Das facettenreiche Werk des Bildhauers Zbyněk Sekal, geboren in Prag 1923, gestorben in Wien 1998, lässt sich aus vielen Perspektiven lesen: Es wurde bereits in den 1960er-Jahren in den avantgardistischen Künstlerinnen- und Künstlerkreisen Prags und Wiens sehr geschätzt. Sekals Schaffen trägt die Spuren seiner Herkunft aus der Prager surrealistischen Tradition. Es umfasst frühe Malereien, Materialbilder sowie Skulpturen aus Bronze und Stein. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und gezwungen durch die sowjetische Okkupation emigrierte Sekal über Deutschland nach Wien. Hier entstanden neben Materialbildern und anthropomorphen Skulpturen seine „Schreine“, genannt Schránky. In ihnen manifestiert sich Sekals poetische Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Isolation, mit dem Verschwinden sowie mit dem Gefangensein.

Zbyněk Sekal: Ohne Titel, undatiert. Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Bild: © Johannes Szilvássy

Zbyněk Sekal: Stillstand, 1966. Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Bild: © Johannes Szilvássy

Zbyněk Sekal: Schema eines zweckgemäßen Betriebes, 1964. Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Bild: © Johannes Szilvássy

Zbyněk Sekal: Toter Kopf, 1957. Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Bild: © Johannes Szilvássy

Die Welt scheint im Werk von Zbyněk Sekal als Labyrinth, in dem der Mensch sich zu entfremden droht. Sekals Arbeiten verweisen auf die Fragilität des Individuums, seine anthropomorphen Gebilde stehen sinnbildlich für die menschliche Identität und für das Freiheitsbewusstsein in der Zeit des Kalten Kriegs. Darin verarbeitet finden sich nicht nur persönliche Erlebnisse, sondern auch Sekals Auseinandersetzung mit der Philosophie der Phänomenologie und des Existenzialismus. Die Ausstellung im Belvedere 21 ist Teil eines Belvedere-Forschungsprojekts zur Kulturlandschaft Mitteleuropas in den 1960er- und 1970er-Jahren.

www.belvedere.at

25. 8. 2020