Theater Nestroyhof Hamakom: Falsch

März 6, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Dämonischer Totentanz im dichten Theaternebel

Im Wortsinn eine Familienaufstellung: Barbara Gassner, Jakob Schneider, Florentin Groll, Katalin Zsigmondy, Thomas Kolle, Franz Xaver Zach und Marlene Hauser. Bild: © Marcel Köhler

Die Atmosphäre beim Eintritt in den Spielort – gespenstisch. Finsternis, die Schauspieler nur Schemen, dichte Nebelschwaden wabern durch den Raum, so dass die Zuschauertribüne fast nicht zu finden ist, also auf!, unsicheren Schrittes, denn der symbolisch ausgebreitete Ascheboden ist weich und uneben … Später werden Neonstäbe das Spiel erhellen, doch kein Licht ins Dunkel bringen, denn die Geschichte, die hier erzählt wird, hat sich vorgenommen, enigmatisch zu bleiben.

„Falsch“ heißt das Stück des jüdisch-belgischen Autors René Kalisky, geschrieben 1980, ein Jahr bevor er jung an Lungenkrebs starb, und es ist das unschätzbare Verdienst von Hausherr Frederic Lion diese wichtige Stimme für Wien wiederentdeckt zu haben. Dass er „Falsch“ im Theater Nestroyhof Hamakom als österreichische Erstaufführung zeigt, ist kaum zu glauben, und dennoch; in Frankreich haben die Brüder Dardenne den Stoff bereits 1986 verfilmt. Kalisky, Sohn eines in Auschwitz ermordeten Vaters, entwirft hier ein surreales Szenario, Untote, die im Hamakom durch den von Andreas Braito geschaffenen Raum geistern, um das letzte gelebt habende Familienmitglied in ihren Kreis aufzunehmen.

Dieses heimgekehrte „Kind“, Josef, Joe, stürzt in New York aufs harte Pflaster, ob das Folgende Komatraum oder schon das Sterben ist, entschlüsselt sich nicht, hält Kalisky in seinen hybriden Welten doch an der Nichtendgültigkeit des Todes fest, ein Trauma erleidet Joe jedenfalls – denn als er aufwacht, in einer Nicht-Zeit, an einem Nicht-Ort, ist er umringt von der Verwandtschaft, die ihm bescheidet, es sei Berlin 1938. In einer dämonischen Tanzbar, mit Tomas Kolle an den Turntables, entwickelt sich nun eine erbarmungslose Generalabrechnung über Schuld und den Schutt verblasster Erinnerungen und die Realitätsverweigerung derer, die „vergessen, was sie vergessen wollen“.

Die Tante als Vaters Geliebte, die Mutter hat’s immer gewusst: Barbara Gassner und Florentin Groll. Bild: © Marcel Köhler

Die Brüder Joe und Gustav sind sich uneins in ihren Erinnerungen: Franz Xaver Zach und Thomas Kamper. Bild: © Marcel Köhler

Frederic Lion, zurückhaltend im szenischen Zugriff, hat Kaliskys großangelegtes Werk klug auf seine Essenz reduziert, hat den poetisch-brutalen Text in der ihm typischen Sprödheit inszeniert, ohne Schmus, ohne Sentiment, weil er immer dort, wo dies möglich gewesen wäre, auf Distanz zum Geschehen geht – doch gerade dadurch schafft er Momente einer Zerbrechlichkeit, eine Dünnhäutigkeit, ein Erspüren-Können von Vernichtung, das berührt und betroffen macht. Die sich versammelt haben, und nomen est omen, sind „die Falschs, die in die Geschichte des Jahrhunderts mehr tot als lebend eingegangen sind“:

Vater Jakob (Florentin Groll), Mutter Rachel (Katalin Zsigmondy), Tante Minna (Barbara Gassner), die in den Konzentrationslagern gestorben sind. Die beiden Brüder Georg und Gustav (Jakob Schneider und Thomas Kamper), die 1938 mit Joe (Franz Xaver Zach) nach New York emigriert waren, der jüngste, Benjamin (Thomas Kolle), der ebenfalls ermordet wurde. Und auch Lilli (Marlene Hauser) hat sich eingefunden, Joes Jugendliebe, die bei der Bombardierung Berlins umgekommen ist. Im Zwischenreich des Nachtlokals hat man nun beschlossen, einander die Wahrheiten – oder was man dafür hält – zu sagen.

Übers „Desertieren“ aus Deutschland, übers Überleben in Tagen, als in Berlin statt der Linden die Wachtürme die Schatten geworfen haben, übers Nicht-Leben-Können zwischen judenrein und „Juden raus!“. Zentraler Vorwurf: Warum hat der Vater damals nicht zum Aufbruch gedrängt? Warum wurden daher so viele in der Familie Opfer des Holocausts? „Das Kind liebte eine Deutsche. Der Vater liebte Deutschland“, ist die schlichte Begründung, einer der zahlreichen bemerkenswerten Sätze, die sich in „Falsch“ finden. „Wenn man den Kopf verliert, kommt die Seele zum Vorschein“, lautet ein anderer. Minnas Liebesaffäre zu Jakob wird aufgedeckt, die immer noch währende Eifersucht Rachels, Bens Verbitterung, wenn er den Brüdern aus den USA entgegenschreit „Ihr stinkt nach Leben!“, die Tatsache, dass Gustav, der so gern ein Broadway-Star geworden wäre, nur Wehrmachtsoffizier im Film sein durfte. Dies dafür 45 Mal.

Das letzte gemeinsame Sabbatfest eskaliert auch in der Wiederholung: Thomas Kolle, Marlene Hauser, Jakob Schneider und Thomas Kamper. Bild: © Marcel Köhler

Und während das letzte gemeinsame Sabbatfest wiederholt wird, Rachel Lilly als Nazi-Kind beschimpft und sogar posthum von der Tafel verstößt, die Existenzen in Übersee sind als mit Kokain und im Hudson River beendet entpuppen, hält das großartige Ensemble bei seiner Darstellung der Falschs wunderbar die Waage zwischen absurd, abstrakt und abgrundtief zärtlich zueinander. Gewalt und deren Schilderung folgt auf grausame Vorwürfe folgen auf grenzenlose Liebe.

In ihrem Nachruf schrieb LeMonde über Kalisky „alles ist Ironie, clownesk, großes metaphysisches Konzert in dieser unvollendeten Arbeit, die er uns hinterlässt“. Dem ist angesichts des Abends im Hamakom nichts hinzuzufügen, außer, wie beeindruckend er ist, zu Zeiten, da der Begriff Erinnerungskultur immer mehr zum bizarr-populistischen Modewort wird.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=dCBtQl8nGz0

www.hamakom.at

  1. 3. 2019

Schauspielhaus Graz: Die Neigung des Peter Rosegger

September 6, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Thomas Arzt auf den Spuren des Heimatdichters

Franz Xaver Zach wird zum Rosegger-Denkmal. Bild: Lupi Spuma

Franz Xaver Zach wird zum Rosegger-Denkmal. Bild: Lupi Spuma

Zur Eröffnung der zweiten Spielzeit von Iris Laufenberg am Schauspielhaus Graz hat der junge Dramatiker Thomas Arzt „Die Neigung des Peter Rosegger“ beigesteuert. Nina Gühlstorffs Inszenierung hat am 15. September Premiere. Der Inhalt des Stücks ist zeitgemäß brisant, denn in einer kleinen österreichischen Gemeinde kippt die Statue des Heimatdichters gefährlich nach rechts, wodurch nach und nach auch die Dorfgemeinschaft ins Wanken gerät. Vorzeigebürgermeister Wiesinger versucht zu beruhigen, erwartet man doch eine Delegation der UNESCO, die den alten Stadtkern zum Weltkulturerbe erklären soll.

Zwischenzeitlich aber hat ein Seismologe mit seinen Nachforschungen begonnen. Vielleicht ist ja eine Verschiebung der Eurasischen Platte die Ursache des Rechtsrucks, mit der möglichen Konsequenz, dass hier, mitten in der Steiermark, einer dieser neuen Gräben entstehen könnte, von denen man neuerdings so viel liest. Irgendetwas jedenfalls liegt im Argen und der Wiesinger steckt mittendrin …

Wie kaum ein anderer österreichischer Dichter hat Peter Rosegger in seinem Werk der bäuerlichen Lebenswelt – dem einfachen Leben auf dem Land – ein literarisches Denkmal gesetzt und damit ein Bild von Heimat geschaffen, das bis heute nachwirkt. Eine Heimat, die Vertrautheit und Aufgehobensein vermittelt, die es zu schützen galt gegen Bedrohungen von außen, was auch Roseggers spätere Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus begünstigte. Denn wo genau liegt die Grenze zwischen legitimer Sehnsucht nach einem „Daheim“ und der Angst vor dessen Verlust einerseits und Nationalismus respektive rechter Gesinnung andererseits? Fast 100 Jahre nach Roseggers Tod spürt der oberösterreichische Autor Arzt auf der Folie des ehemaligen „Waldbauernbubs“ eben dieser Frage mit feinfühligem Humor nach.

Kleinstadt in Aufruhr: Das Rosegger-Ensemble. Bild: Lupi Spuma

Kleinstadt in Aufruhr: Das Rosegger-Ensemble. Bild: Lupi Spuma

Nico Link und Franz Xaver Zach rätseln über den Rechtsruck des Heimatdichters, Florian Köhler ist derweil auf der Pirsch. Bild: Lupi Spuma

Nico Link, Franz Xaver Zach, Florian Köhler. Bild: Lupi Spuma

„Die Idee kam vom Schauspielhaus Graz. Ich hatte für die Grazer Spielzeiteröffnung 2015 einen Monolog über Identität, Heimat und Nationalismus verfasst. Als sich die Themen im Zuge der Flüchtlingsdebatte wieder neu zugespitzt haben, wurde ich gefragt, ob ich nicht ein Stück schreiben will, in Auseinandersetzung mit Peter Rosegger, der viel von dem, was wir als österreichische Identität bezeichnen, literarisch mitgeprägt hat, obwohl ihn heute kaum jemand mehr kennt. Ich war sofort begeistert“, sagt Thomas Arzt zu seinem jüngsten Werk. „Peter Rosegger ist ein Schriftsteller, der gern marginalisiert wird und den man auch extrem langweilig finden kann. Aber er ist, ohne seine Texte zu kennen, Teil eines kollektiven Gedächtnisses. Verstaubt, fast vergessen, aber latent im Untergrund lauernd. Das hat mich neugierig gemacht.“

Es spielen Henriette Blumenau, Florian Köhler, Nico Link, Evamaria Salcher, Susanne Konstanze Weber und Franz Xaver Zach. Die Bühnenmusik kommt von Johannes Fruhwirth, Lea Geisberger und Marcus Weberhofer.

www.schauspielhaus-graz.com

Wien, 6. 9. 2016

Schauspielhaus Graz: Motel

Oktober 24, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Viktor Bodós neue Arbeit, diesmal aus eigener Feder

Sebastian Reiß, Stefan Suske, Jan Thümer Bild:  (c) Lupi Spuma

Sebastian Reiß, Stefan Suske, Jan Thümer
Bild: (c) Lupi Spuma

Mit einer weiteren Regiearbeit, diesmal aus eigener Feder, kommt Viktor Bodó am 24. Oktober ans Schauspielhaus Graz. Gemeinsam mit András Vinnai untersucht er die Verhältnisse in einem dubiosen „Motel“:  Ein Gasthaus an einer Landstraße und kein Gast in Sicht. Der Rezeptionist löst Kreuzworträtsel – bis der Direktor den Wegweiser zur nächsten Stadt einfach herumdreht. Aus dem leeren Motel wird im Nu ein stark frequentiertes »Fünf-Sterne-Hotel«. Die so zur Übernachtung Gezwungenen sind allerdings fragwürdige Existenzen: darunter drei Auftragskiller, die ihre Opfer schon mehrere Male verwechselt haben, weil ihr Chef Wilson seine Aufträge als Gedichte verfasst, die leicht zu missverstehen sind. Sechs Forscher kommen auf der Flucht vorbei – ihr Experiment ging schief, schwebt seither frei durch die Lüfte und erzeugt kollektive Bewusstseinsspaltung. In der Folge verhalten sich immer mehr Gäste ausgesprochen merkwürdig, nicht nur Udo und Olga, von denen man annehmen könnte, sie seien ein Liebespaar.

Missverständnis, Täuschung und Unwahrscheinliches: Der ungarische Regisseur Viktor Bodó kommt heuer mit einem eigenen Stück ans Schauspielhaus Graz, bei dem Fakt und Fiktion rivalisieren. Für seine spielwütigen und bildgewaltigen Regiearbeiten (u. a. Alice, Die Stunde da wir nichts voneinander wußten, Der Meister und Margarita) mehrfach preisgekrönt, stellt Bodó in Motel nun die Regeln des Theaters und der Vernunft in Frage. Was man zu wissen glaubt, wird immer aufs Neue in Frage gestellt durch aberwitzige Wendungen und rasante Verwechslungsmomente. Inmitten der Verrücktheit dieses Etablissements sitzt ein Autor, der alles, was um ihn herum geschieht, aufschreibt. Oder stand es schon vorher in seinem Manuskript? Wer hat eigentlich die Fäden in der Hand? Und kommt man aus diesem Motel jemals wieder hinaus?

Es spielen Thomas Frank, Pál Kárpáti, Evi Kehrstephan, Dániel Király, Niké Kurta, Katharina Paul, Sebastian Reiß, Stefan Suske, Zoltán Szabó, Jan Thümer, Péter Tóth,  András Vinnai und Franz-Xaver Zach.

Interview aus dem Programmheft:

MOTEL ist aus einem Stück von Harold Pinter entstanden. Wie ist das passiert?
Viktor Bodó: Zwei Schauspieler wollten ein Stück spielen, sie hatten gerade nichts zu tun und haben mich gebeten, mit ihnen Der stumme Diener von Harold Pinter zu machen. Wir haben mit der Arbeit begonnen, aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass wir noch eine Frau bräuchten, vielleicht eine Putzfrau. Wir haben András dazugeholt, damit er diese Figur dazuschreibt. Dann kam hinzu, dass ich meine Diplomarbeit am Katona Theater machen musste. András hat immer noch mehr Figuren dazugedichtet, und wir haben das ganze Stück Gábor Zsámbéki, dem damaligen Leiter des Katona Theaters, zu lesen gegeben. Der sagte, wir sollten es dort zusammen machen. Als wir das erfahren haben, haben wir noch viele Rollen und Situationen speziell für das Ensemble des Katona Theaters erfunden. András hat damals sehr viel geschrieben. Jedes Mal, wenn ich ihn angerufen habe, hat er entweder gerade geschrieben oder sich dafür vorbereitet, aber vielleicht hat er auch gelogen.
András Vinnai: Ich habe viel gelogen zu dieser Zeit.
VB: Einmal sind wir eine Weile in ein Sommerhaus am Balaton gefahren, um an MOTEL zu arbeiten. András hat seinen Hund mitgebracht und während der ganzen Woche herumgeschrien. Wenn der Hund nun weiter als fünf Meter von ihm entfernt war, hat er sofort nach ihm geschrien.
AV: Weil der See ganz nah war, und der Hund damals noch nicht so gut schwimmen konnte.
VB: Der See war zwanzig Kilometer weit entfernt. Und außerdem hat András Hühnerköpfe gekocht. Im Auto sind die Hühnerköpfe faul geworden. Es hat furchtbar gestunken und ich bin, statt am Stück zu arbeiten, dem Grund für diesen Gestank nachgegangen. Als ich einen Topfdeckel öffnete, haben mich 40 Hühneraugen angeschaut.

Du hast mehrfach erfolgreich Kafka inszeniert, u. a. Das Schloss. Hat MOTEL mit dieser Vorliebe zu tun? Oder andersrum, hat Kafka mit MOTEL zu tun?
VB:
Ja, ich denke schon. András und ich haben zusammen zwei Theateradaptionen von Kafka-Texten erstellt. Diese Kafka-Welt ist ja so reich in vielerlei Hinsicht, dass etwas davon hängen bleibt. Die Tatsache, dass die Dinge nicht unbedingt so sind, wie man glaubt, dass sie sind – dass hinter allem noch eine andere Wirklichkeit liegt, das hat mit Kafka zu tun. Nur machen wir in MOTEL einen Witz daraus, wir lassen es nicht in diese angstvolle Richtung gehen.

András, du hast zu Beginn der Proben gesagt, man sollte dieses Stück nicht nach Bedeutung forschend wahrnehmen. Was hast du gemeint?
AV:
Wir versuchen MOTEL so zu behandeln, als ob das eine Geschichte wäre, die man verfolgen und nachvollziehen kann, als ob sie ein Ziel hätte – aber eigentlich ist es eine Reihe von Betrügen. Was ich nicht mag, ist, wenn die ZuschauerInnen das Gefühl haben, dass sie etwas verstehen sollten, aber nichts verstehen.
VB: Ja, es ist besser, wenn die ZuschauerInnen darüber hinweggehen, wenn sie etwas nicht verstehen. Sie sollten so im Zuschauerraum sitzen, als ob ihnen alles klar wäre, auch wenn das nicht der Fall ist. Denn sonst haben sie einen schlechten Abend und wir wissen: Einen schlechten Theaterabend verzeiht man nie, nicht sich selbst und nicht den Autoren.

In eurem Stück gibt es den Autor Dexter, der alles, was in diesem MOTEL geschieht, geschrieben zu haben scheint. Bis ihm der Rezeptionist Güll ebenfalls ein Skript übergibt, in dem alle Umstände beschrieben sind, einschließlich der Figur Dexter. Es kommt zu einer Art Machtkampf zwischen den beiden, wer Beweger und wer Bewegtes ist, wer über die Wahrheit Bescheid weiß.
VB: Ich weiß, was die Wahrheit ist.
AV: Jetzt spricht der Regisseur aus dir und nicht der Autor.
VB: Meinst du Dexter, wenn du von einem Autor sprichst, oder dich selbst? Bist du Dexter? Hast du dich selbst da reingeschrieben?

Es geht stark darum, wer das Spiel in der Hand hat. Doch jedes Außerhalb-des-Spiels erweist sich als weitere Spielebene. Haben wir gar keinen Zugang zum Authentischen?
AV:
Genauso ist es. Es gibt keine Wirklichkeit außerhalb des Spiels.
VB: In dieser Zeit haben wir viel darüber gelernt, wie ein Stück und wie eine Vorstellung sein soll, also dass sie einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben soll. Es gab damals diese Kritik mir gegenüber, dass ich eine Geschichte nicht ordentlich beende, sondern dass es mehrere Enden gibt. Während man ja diese Dreier-Einheit von Anfang – Mitte – Ende beachten müsse. MOTEL war meine Diplomarbeit. Ich habe dann geschrieben, dass wir diese Dreier-Einheit vergessen sollten. Sie ist nicht mehr gültig und dieses Stück beweist warum. Es geht eigentlich gegen alle Dramenkonventionen. Ich erinnere mich, wie András die Kritik zu hören bekam, die Geschichte hätte kein Rückgrat. Da hat er eine Szene geschrieben, in der es noch ein Zimmer gibt, und dort befindet sich ein Rückgrat, das sagt: „Ich bin das Rückgrat der Geschichte.“

András, du hast gemeinsam mit Viktor während der Probenzeit hier in Graz weiter am Text gearbeitet. Was kam neu hinzu?
AV:
Wir haben den Autorenkonflikt, also den Streit darum, wer schreibt, wer der Urheber ist, weiterentwickelt, und es gab auch Versuche, gewisse Dinge abzurunden. Aber das hat immer nur wieder neue Stränge verursacht. Es beginnt sofort zu wuchern. Wir werden wieder etwas rausschmeißen müssen. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, als ob die zehn Jahre, die zwischen den beiden Inszenierungen liegen, einfach weg wären.

Viktor, diese Inszenierung ist deine letzte Arbeit in der Intendanz von Anna Badora am Schauspielhaus Graz. Du hast vom ersten Jahr an hier inszeniert, bist einer der zentralen Regisseure dieser Zeit. In MOTEL kommen einige Zitate aus deinen früheren Grazer Arbeiten vor. Hältst du damit Rückschau?
VB: Ja, es ist ein Resümee. András und ich haben zusammen hier angefangen. Er hat ja damals auch die Adaption von Das Schloss geschrieben. Und jetzt arbeiten wir auch am Schluss zusammen. Es gibt in der Aufführung viele Motive, die für diejenigen interessant sein werden, die alle Inszenierungen von mir hier gesehen haben, denn ich versuche, aus allen meinen Grazer Produktionen Motive in MOTEL einzuschleusen.

Noch sind wir ja hier und die Premiere steht bevor. Aber wenn du zurückblickst: Was ist, was war das Schauspielhaus Graz für dich?
VB: Ich habe viel von diesem Theater bekommen. Hier habe ich begonnen, auf der großen Bühne zu arbeiten. Zu Hause hatte man mich noch nicht auf die großen Bühnen eingeladen, ich habe immer so kleine Studio-Stücke gemacht. Hier habe ich gelernt, wie man mit so einem Budget umgeht, wie man auf der großen Bühne arbeitet. Und es wurde mir hier sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Ich wusste jedes Jahr, dass ich eine nächste Inszenierung in Graz haben werde, das war eine Sicherheit. Und dass wir gemeinsame Produktionen mit der Szputnyik Shipping Company machen konnten, hat dazu geführt, dass wir überhaupt bestehen konnten. Zu vielen SchauspielerInnen des Grazer Ensembles habe ich freundschaftliche Beziehungen, aber auch zu den Leuten von der Technik und in den Büros. Das Grazer Publikum war sehr freundlich. In vielen Situationen hätten wir auch scheitern können. Es war ein gutes Gefühl, dass es hier immer ein Interesse für unsere Arbeit gab und die Menschen neugierig waren. Das wünschen wir uns natürlich auch für MOTEL, denn das wollen wir ja nun spielen!

www.schauspielhaus-graz.com

Wien, 24. 10. 2014

Johannes Silberschneider im Gespräch

Dezember 16, 2013 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Thomas Bernhards „Holzfällen“ am Schauspielhaus Graz

Bild: Lupi Spuma

Bild: Lupi Spuma

Das Schauspielhaus Graz startet mit der Premiere von „Holzfällen“ am 10. Jänner ins neue Jahr. Krystian Lupa, Vorstand der Thomas-Bernhard-Privatstiftung, inszeniert seine Bühnenfassung von Bernhards Roman. Johannes Silberschneider wird als „Erzähler“ zu sehen sein. Mit ihm spielen Gerhard Balluch, Sebastian Klein, Florian Köhler, Barbara de Koy, Steffi Krautz, Laurenz Laufenberg, Verena Lercher, Stefan Suske und Franz Xaver Zach. Zum Stück: Das Ehepaar Auersberger lädt zu einem ihrer berühmten künstlerischen Abendessen, dem als Höhepunkt diesmal ein Burgschauspieler beiwohnen soll. Während man auf ihn wartet, spricht man dem Champagner zu und unterhält sich über die Beerdigung einer Dame aus ihrer Runde, auf der man an diesem Tag war. Doch zu bewegen scheint der Verlust nur noch einen der Gäste, der – in einem Ohrensessel versinkend – seinen Gedanken der Verachtung freien Lauf lässt …
Johannes Silberschneider im Gespräch:

MM: Herr Silberschneider, Sie spielen in der Bühnenfassung von „Holzfällen“ den Ich-Erzähler des Romans. Der wird oft als Alter Ego Thomas Bernhards angesehen. Wie sehen Sie die Figur? Und: Wie kann man aus dem „ungezogenen Beobachter im Ohrensessel“ einen Akteur machen? Oder muss man das nicht?

Johannes Silberschneider: Wir versuchen, dass man’s nicht muss, das ist der Weg der Inszenierung: den Bernhard-Teppich aufzutrennen und neu zu knüpfen, die Restauration eines Bernhard-Denkmals von innen. Ich habe selten so interessante, sensible Proben erlebt. Es gibt auch noch keine Bühnenfassung. Das Ganze ist work in progress. Der Dr. Fabian (Thomas Bernhards Halbbruder, Anm.) hat schon gewusst, was er tat, als er Krystian Lupa erlaubte, den Roman zu dramatisieren! Ich selber habe einen besonderen Bezug dazu: „Holzfällen“ war vor 30 Jahren mein erster Bernhard, den haben sie mir beim Moser in Graz unter der Budel verkauft. Ob der Ich-Erzähler Bernhards Alter Ego ist, das ist so eine Sache. Bernhard hat seine Seelenzustände, seine Verfassungen auf alle Charaktere übertragen, natürlich sitzt daher im Erzähler auch eine Hülle von ihm. Bernhard war sich selbst sein Doktor Freud. Er tobt sich in seinen Bühnen- und Prosafiguren mit seinen Schimpftiraden, seiner Verzweiflung, seinem Zorn aus. Doch ich denke, das von ihm beschriebene Kulturpanoptikum, diese Figuren, diese Generation gibt es heute so nicht mehr. Damit ist der Text eine Rückschau aus dem 21. Jahrhundert. Lupa macht mit uns daraus eine Art dramatische Familienaufstellung, er sucht nach Hinweisschildern im Text – und das wichtigste, das wir bisher gefunden haben, ist die verstorbene Joanna, von deren Begräbnis der Ich-Erzähler am Anfang kommt. ER schaut zurück, ER hat überlebt – wie Bernhard Krankheit und Tod überwunden hat.

MM: „Holzfällen“, dieser Rundumschlag auf Kunst und Gesellschaft, Theater und seine Protagonisten,  war bei Erscheinen 1984 „eine Erregung“. Der Komponist Lampersberg inszenierte einen Skandal, weil er sich betroffen fühlte. Haben Sie das miterlebt?

Silberschneider: Ja, der Skandal hat doch zum verbotenen Lesen gehört. Bernhard ohne Skandal war gar nicht denkbar. Ich habe den Lampersberg selber noch seine eigenen Sachen lesen gehört. Rührend verstört. Den Skandal hat er künstlich gemacht, weil sich ein elitärer Künstlerkreis, den er um sich scharte, angegriffen fühlte. Bernhard wusste natürlich, wovon er schrieb, er ging da ja ein und aus. So hat er für „Holzfällen“ die Tirade erfunden, wie ich zu sagen pflege, den „langen Atem“, wobei der Wunsch danach, der Wille dazu bestimmt auch mit seiner Lungenkrankheit zu tun hat. Der Text ist wie ein Klavierhocker, den man immer weiter hinaufschraubt. Man muss tatsächlich aufpassen, dass man nicht ins Kabarettistische kippt. Dieser Versuchung ist letzlich sogar Claus Peymann bei Bernhard ein wenig erlegen, wir sind daher sehr auf der Hut. (Er lacht.) Wir schrauben den Klavierhocker sozusagen wieder runter. Wir haben diese Schimpforgien untersucht – sie haben per se keine Wirkung mehr. Vor 30 Jahren war das vielleicht noch was, heute nicht mehr. Doch Bernhards Wortteppich beinhaltet trotzdem Wahrheit und die gilt es zu entschlüsseln.

MM: Wie weit ist diese Spurensuche gediehen?

Silberschneider: Uns hat sich schon sehr viel erschlossen. Lupa beleuchtet den Text anders als man erwarten könnte. Unsere Hauptfigur ist die tote Joanna, das zentrale auslösende Ereignis ist das Begräbnis. Lupa zeigt das in Rückblenden. Das ist ein reizvoller Weg, der einzig mögliche Weg. Dies ist der Glücksfall einer Arbeit, bei der man noch was lernt, bei der man sich entwickelt. Eine Mischung aus praktischer Vorlesung, Therapie und Gehirnwäsche, Hypnose und Meditation.

MM: Eine spannende Figur ist da der Burgtheaterschauspieler, auf dessen Erscheinen die ganze Abendgesellschaft ungeduldig wartet. Er spricht die titelgebenden Worte „Wald. Hochwald. Holzfällen.“ Ist Ihnen als Schauspieler der literarische Kollege sympathisch?

Silberschneider: Er ist jedenfalls die größte österreichische Theaterfigur, die je geschrieben worden ist. Des Burgtheaters Glück und Ende, um Grillparzer, den Ja-Sager und Beamtendichter zu zitieren. Und wie dessen Werke ist der Burgschauspieler schwierig zu spielen, weil manchmal absichtlich in den sprachlichen Bildern verunglückt. Ein Pathetiker mit wenig Hintergrund.

MM: Ihre Frau Barbara de Koy spielt Jeannie Billroth, eine wie alle anderen unliebenswürdig beschriebene Schriftstellerin, eine ehemalige Geliebte des Ich-Erzählers.

Silberschneider: Das freut mich sehr, weil wir selten gemeinsam spielen, alle zehn Jahre einmal. Unsere Figuren treffen einander beim Abendmahl bei den Auersbergern, dem Zentralstück des Stücks, und der Rückführung zu Lampersberg. Eine seltsame Runde sitzt da: Autoren, Musiker, Schauspieler, Mäzene. Ich kann dazu nur sagen: Mit Menschen, die man nicht mag, soll man nicht essen. Der Ich-Erzähler wird hier zum Opfer seiner eigenen Lüge gegenüber den Auersbergern, er konnte die Einladung also nicht ausschlagen, und wird nun die Geister, die er rief, nicht mehr los. Da zeigt sich Bernhards Zerrissenheit, denn zum Schluss rennt der Erzähler aus dem Haus ins Herz der Stadt. Er legt eine große Beichte ab und will Buße tun, indem er schreibt.

MM: Wenn man Ihnen zuhört, könnte man – wie schon bei Ihrem Grazer Gödel – eine enge Verbundenheit mit der Rolle vermuten.

Silberschneider: Ich weiß nicht. Ich fühle mich meiner Herkunft verpflichtet, will ein literarischer Diener meiner Heimat sein. Vielleicht ist das so, weil ich ebenfalls aus diesem österreichischen Seelenverstrickungskosmos komme. Bernhard wurde deshalb so gehasst, weil er Wahrheiten ausgesprochen hat. Seine Texte sind eigentherapeutisch und nationaltherapeutisch. Mit dieser Art Oh-du-lieber-Augustin-Schicksal kann ich viel anfangen, wie da einer singend in der Pestgrube überlebte.

MM: Bernhard hat dem Roman ein Voltaire-Zitat vorangestellt: Da ich nun einmal nicht imstande war, die Menschen vernünftiger zu machen, war ich lieber fern von Ihnen glücklich. Auch das scheint zu Ihnen zu passen.

Silberschneider: Ja, das könnte stimmen. Ich will‘s nicht leugnen. (Er lacht noch einmal.)

www.schauspielhaus-graz.com

Wien, 16. 12. 2013

Die Josefstadt kam nur langsam auf „Speed“

März 22, 2013 in Bühne

Tod durch Weichspüler

Ein wenig mehr Tempo hätte ein Stück namens „Speed“ schon vertragen – auch, wenn mit dem Titel – eh klar – die Modedroge gemeint ist. Lag’s am sich ständig drehenden und daher von den Darstellern ständig zu umrundenden, mit Plastikplanen verhängten Wohnzimmer-Würfel von Annie und Jack (Bühne: Miriam Busch). Lag’s am durchaus stimmigen, passenden Sound von Wolfgang Schlögl, der den Fortgang der Handlung aber natürlich auch bremste … Stephanie Mohrs Überinszenierung von Zach Helms „Speed“ in deutschsprachiger Erstaufführung brauchte einige Zeit, bis sie Fahrt aufnahm. Zweidreiviertel Stunden für ein nicht einmal hundert Seiten Manuskript, das einen so packte, dass man es in nur einer Stunde gelesen hatte …  In wenigen Szenen – ein Streit zwischen „Schriftsteller“ Jack und seinem Verleger Charlie, währenddessen sie von Bühnenhintergrund zu Bühnenrand hin- und hersprinten – vermittelt sich die Stimmung, die der Abend durchwegs gebraucht hätte.

 

Sandra Cervik, Raphael von Bargen Bild: Erich Reismann

Sandra Cervik, Raphael von Bargen
Bild: Erich Reismann

Denn Zach Helm hat ein abgrundtief gutes Stück geschrieben: Jack mausert sich durch seinen Erstlingsroman zum Shootingstar der Literaturszene. Der Kritiker der New York Times schwebt im Wichser-Himmel. Jacks Verleger Charlie, eigentlich Experte für Softpornoheftchen, wird vom Big Boss der Szene angerufen – er wolle nun Jack verlegen. Schließlich geht’s im Buch auch um – huch – Analsex. Das verkauft sich von selbst. Zwei Millionen Dollar Vorschuss fürs nächste Schockerwerk sollen auf einer Dinnerparty vereinbart werden. Doch da ist Jacks Frau Annie. Die Speed einwirft, wie ein anderer eine Hand voll Zuckerl. Gib’ dem High sein einen Sinn … Und ihr High sein hat einen. Er soll an künftiges Publikum nicht verraten sein. Denn Jack und Annie teilen ein bitteres Geheimnis. Die Handlung dreht sich, und dreht sich noch einmal. Durch Annies Schuld wird die Dinnerparty zum Eklat – sie beflegelt vom Kritiker bis zum Oberverleger alle. Der Big Boss, der den Roman so dringend haben will, hat ihn nicht einmal gelesen. Aber: Seine Vorzimmerdame sei schon bei Kapitel vier und gaaaaanz begeistert. Der Kritiker hält das weibliche Geschlecht für prinzipiell literaturunfähig … Helms Abrechnung mit dem Literatur-, dem Kulturbetrieb. Es folgt: der Rauswurf. Und das große Opfer: Einer der beiden nimmt sich das Leben und gibt so (vermeintlich?) dem anderen seines zurück. Allerdings erfolgt der Selbstmord durch eine Ladung Putzmittel und ein Klebeband, das deren Auskotzen verhindern soll.

Also, Zach!

(Nicht nur) Sandra Cervik als Annie und Raphael von Bargen als Jack legen auf der Bühne eine Glanzleistung hin. Sie stellen das Liebes- und Abhängigkeitsverhältnis der beiden Figuren dar, dass es zum Weinen schön ist. Pain is so close to Pleasure. „Du kannst die Zeit anhalten“, sagt die Amphetamin-Süchtige Anorektikerin (EAT steht in großen Lettern über dem Wohnzimmer-Würfel). Und tatsächlich sieht Jack seinen Lebenssinn genau darin.

Cervik spielt hart, unbarmherzig zu sich und anderen, ein Geschöpf, das nicht in diese Konsumiert-du-meins-konsumier-ich-deins-Verlogenheitswelt passt. Sie umschifft alle Momente, die sich für hysterische Anfälle super geeignet hätten, sie lässt alle Drogenklischees links liegen. Durch die Plastikplanen wird ihr Spiel gespenstisch, fast surrealistisch. Sandra Cervik steigert sich derzeit von Rolle zu Rolle. Im gelben Kleidung auf der Dinnerparty – der Originaltitel des Stück lautet „Good Canary“: der schöne Vogel, der singt, und doch immer im Käfig eingesperrt bleiben wird. Tapfer führt sie mit Big-Boss-Gattin Cornelia Köndgen „Frauengespräche“, während die Männer sich ihrer Männlichkeit versichern. Bis ihr die Sicherungen durchbrennen. Raphael von Bargen lässt seinen Jack zwischen selbstlos und selbstgerecht wanken; die neue Aufmerksamkeit hat schon was. Und zwei Millionen Dollar? Aber wessen tatsächliche Lebensgeschichte „sein“ Buch wiedergibt, das verraten? Er ist besorgt um Annie und geil auf sie, hat das Rettersyndrom und will doch auch Erlösung für sich selbst. Dann kommt bei ihm die Wut durch. Eine starke Leistung.

Wie die von Peter Scholz als Charlie, der endlich seine Stunde (und die Kohle) kommen und wieder schwinden sieht. Und die von Dominic Oley als arrogantem, selbstgefälligem Kritiker Mulholland, der schließlich alle seine Urteile und Vorurteile über Bord werfen muss, und vom Journalisten doch noch zum Menschen wird. Christian Futterknecht gibt Big Boss Stuart.

Die dramaturgisch stärkste Szene ist ein Vierertelefonat: Jack telefoniert mit Charlie wegen der zwei Millionen, Annie mit Jeff (Ljubisa Lupo Grujcic) wegen neuem Stoff. Dabei fallen die gleichen Sätze: Ich kann jetzt nicht weg. Überlege es dir noch mal. Nein, es geht nicht.

Literatur im Hexenkessel, in der Josefstadt wie in einer Walpurgisnacht umgesetzt.

Bravo.

www.josefstadt.org

http://youtu.be/6wr-bV4h0E8

www.mottingers-meinung.at/interview-mit-sandra-cervik-und-raphael-von-bargeb/

Von Michaela Mottinger

Wien, 22. 3. 2013