Arash T. Riahi: Ein bisschen bleiben wir noch

Oktober 1, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Aus Kindersicht aufs Abschieben geschaut

Oskar und Lilli haben sich eine heile Fototapetenwelt gebastelt: Leopold Pallua und Rosa Zant. Bild: © Filmladen Filmverleih

„Wenn man den Mund lange genug offenlässt, können die Sorgen vielleicht aus einem rausfliegen“, hofft Oskar flüsternd und probiert es gleich einmal aus. Doch so einfach ist es nicht. Der Achtjährige und seine fünf Jahre ältere Schwester sitzen vor der Heile-Welt-Fototapete, die sie sich gebastelt haben. Elefanten, ein Rehkitz, Eichhörnchen

bevölkern das Fantasieland von Ortsa und Leila – die un/längst zu Oskar und Lilli geworden sind. Um weniger aufzufallen, nicht aus der Masse rauszufallen. Die Polizei wummert an die Tür, dringt in die mehr als bescheidene Bleibe ein, durchwühlt die wenigen Habseligkeiten. Sie wisse doch um den Ausweisungsbescheid, wird die Mutter zurechtgewiesen, und festgestellt, dass die Behörde Sohn und Tochter nun mitnehme. Zu „Schnitzeln“ und „an sauberem G’wand“ – und die verzweifelte Frau, Schauspielerin Ines Miro, läuft ins Bad, schließt sich ein, die Pulsadern, Blut fließt …

Regisseur Arash T. Riahi hat den Roman „Oskar und Lilli“ von Monika Helfer verfilmt. „Ein bisschen bleiben wir noch“ ist ab morgen in den Kinos zu sehen, und Riahis Zugang zum Thema, er selbst als achtjähriger Flüchtling in den 1980er-Jahren aus dem Iran in Europa angekommen, kein sozialrealistischer, sondern ein poetischer. Ihm gehe es um die Unschuld, die Unschuld der Kinder und die des menschlichen Glaubens an Gerechtigkeit, sagt Riahi, und „dass wir viele der Probleme unserer Zeit nicht durch bürokratische Ansätze sondern durch humanistische lösen werden können“. Lilli und Oskar, sie kennen keine andere „Heimat“ als Österreich.

Dass ihm die Kindersicht aufs Abschieben so glänzend gelingt, ist seinen Darstellern Rosa Zant als Lilli und Leopold Pallua als Oskar zu danken, die schlicht hinreißend spielen. Die kühle, abweisende Teenagerin und den fantasiebegabten, warmherzigen kleinen Bruder, die sich im Folgenden ihre je eigene Überlebensstrategie zurechtlegen. Wobei Riahi in kontrastreichen Aufnahmen zwischen Leinwandmagie, Albtraumsequenzen aus einem zerstörten Land und unverblümter österreichischer Härte zu wechseln weiß.

Die überforderten Öko-Pflegeeltern: Alexandra Maria Nutz und Markus Zett. Bild: © Filmladen Filmverleih

Manchmal verliert sogar Oskar die gute Laune: Leopold Pallua. Bild: © Filmladen Filmverleih

Frei fliegend im „Scherm“ – Lilli blüht im Prater auf: Rosa Zant. Bild: © Filmladen Filmverleih

Geborgen bei Oma Erika: Christine Ostermayer und Leopold Pallua. Bild: © Filmladen Filmverleih

Die aus Tschetschenien geflohene Familie, der Vater vor Jahren in irgendeinem Grenzland verloren gegangen, wird einmal mehr auseinandergerissen. Die Mutter wird nach ihrem Selbstmordversuch in die Psychiatrie eingewiesen, Oskar und Lilli verschiedenen Pflegeeltern zugeteilt, damit sie sich, so die Logik von Jugendamtsmitarbeiterin Veronika Glatzner, nicht zusammen in ihrem Trauma einigeln können. „Ich werde dich finden, egal wo sie dich hinbringen“, ist Lillis letztes Versprechen. Dann entführt Riahi seine minderjährigen abgewiesenen Asylwerber in eine Gutmenschen-Farce.

Lilli landet bei Single Ruth, als die Simone Fuith herrlich aufgeklärt-aufgedreht agiert, sie wisse ja, die Tschetschenen essen viel Fleisch, plappert sie beim ersten Abendmahl und dass sie sich nicht als Ersatzmutter, sondern Lillis neue beste Freundin verstehe. Oskar wird zu einem von Alexandra Maria Nutz und Markus Zett lustvoll überzeichneten Lehrerehepaar verfrachtet, zwei Ökofundis und Vegetarier, die auf Oskars Kommentar zum fleischlosen Eintopf – „Ihr seid alle nicht normal!“ – mit Entsetzen reagieren und sofortige Integration einfordern. Doch mehr als alles Missverstehen schwebt über beiden Haushalten „das gute Gefühl, dass wir das machen“.

Da lacht sich Oma Erika – Christine Ostermayer, die ihre Rolle mit nahezu erschreckend realitätsnaher Hingabe verkörpert – fast kaputt. Mit deren Parkinsonerkrankung die Lehrer ebenso überfordert und ergo hysterisch sind wie mit ihren Moralvorstellungen, und Söhnchen Simon (Filmemachers Neffe Simon Fraberger-Riahi), und es wird Oskar sein, der sich, zunächst als eine Art „Heimhilfe/Babysitter“ zweckentfremdet, um das Schicksal auch dieser Familie annehmen wird. In seinem maßlosen Optimismus, die Existenz und das Verhalten der Menschen um sich zu verändern, zu verbessern, und so sein eigenes, um einiges dramatischeres Leben zu meistern.

Das macht Leopold Pallua in doppeltem Sinne zum Herz des Films, sein Oskar, der Künstler und Erfinder, dessen Neugier und Neunmalklugheit, dessen trockener Humor und Leichtigkeit Situationen zu meistern, den Grundtenor der Traurigkeit erst erträglich machen. Ihm schenkt Riahi all die lyrischen Momente, allein wie er Großmutters Wunderkammer-Schlafzimmer entdeckt, alldieweil Lilli sich an der Wirklichkeit reiben muss. Ruths zwielichtigem Lover Georg, Rainer Wöss, zum Beispiel. Von dem man lange glaubt, dass er Lilli an die Wäsche, während er sie nur so rasch wie möglich wieder loswerden will.

Tschetschenische Albträume: Rosa Zant, Leopold Pallua und Ines Miro als Mutter. Bild: © Filmladen Filmverleih

Die einzige Schulfreundin bleibt Betti, Anna Fenderl, Tochter von Studio 2-Moderatorin Birgit Fenderl, mit einer weiteren Probe ihres Talents, Problemfamilienmitglied Betti also, Raucherin und Wodkatrinkerin, die Lilli das Taschengeld abluchst, damit sich ihre Mutter die Drogensucht nicht auf dem Straßenstrich finanziert. Wenig wirft hier ein gutes Licht auf den sogenannten Westen und seine Werte. Und irgendwie mystisch und zauberhaft spiegelt

die schon hinüber entschwindende Großmutter, deren Geschichte ein großes Rätsel bleibt, das Gestern ins Jetzt. Mit welch Szenen Arash T. Riahi sein Anliegen illustriert: Lilli, die sich noch einmal in die alte Wohnung schleicht, um das Blut der Mutter wegzuwaschen. Lilli an ihrem Zufluchtsort des Glücks, frei fliegend im Prater-„Scherm“. Oskar, der die gefrustete Bio-Lehrerin im Supermarkt beim Wurstfressen ertappt. Oskar, der sich darin übt, ein „gefährliches Kind“ zu sein, um eine Adoption zu verhindern.

Die Mutter im Krankenhausgarten, die vorgibt ihre Kinder nicht zu erkennen, und wie der Zuschauer merkt, es ist ihr Schwindel für deren bessere Zukunft. Die persönlich liebste, als Oskar der Lehrerin eine Leberkässemmel unter die Matratze schiebt, damit der Lehrer glaubt, sie furzt – und Klein-Simon die Semmel hervorholt und isst. Mehr Rebellion, mehr Widerstand geht nicht. Und schließlich ein Seifenblasentanz mit Mutter, Lilli und Großmutter Erika – Momente wie dieser in Filmen stets ein Zeichen für den Tod.

„Ein bisschen bleiben wir noch“ ist an keiner Stelle ein kitschiges Betroffenheitsdrama, der Film ist ein zutiefst menschliches Werk, das seine jugendlichen Hauptfiguren nie zu wandelnden Klischees verkommen lässt. Leopold Pallua, Rosa Zant und Anna Fenderl spielen sich mit einer rauen Emotion durch den kaum entrinnbaren, aber dennoch mit Hoffnungsschimmern erfüllten Mikrokosmos ihrer Figuren, dass es eine Freude ist. Aufwühlend und beglückend, die unter der Oberfläche schwelende Tragik niemals beschönigend, endet der Film mit einem Schlussbild, das in seiner Ambiguität jedem selbst zu deuten überlassen ist. Real, surreal, sch*egal, um den alten Sponti-Spruch abzuändern. Bei Oskar wird: Das be*scheidenste Leben ein schöner Traum.

www.einbisschenbleibenwirnoch.at           Trailer: vimeo.com/396736862           www.youtube.com/watch?v=_1o5thmI3ik           Behind the Scenes-Clip mit Arash T. Riahi über die Besetzung seines Baby-Neffen Simon – Sehenswert!: www.facebook.com/OskarAndLilli/videos/1296956990643097/

  1. 10. 2020

Als wir tanzten

September 2, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein queerer Liebesfilm mit sanfter Hoffnungsbotschaft

Und die Frage, wer hier wen liebt …: Bachi Valishvili als Irakli, Levan Gelbakhiani als Merab und Ana Javakishvili als Mari. Bild: Anka Gujabidze

Stolz und traditionsbewusst. Regisseur und Drehbuchautor Levan Akin braucht nur wenige Minuten, um sein Sittenbild einer fremden, einer befremdlichen Welt zu skizzieren. In der Akademie des georgischen Nationalballetts in Tiflis sind die Studentinnen und Studenten beim Training – und Lehrmeister Aleko kein Mann der vielen Worte. Merab tanzt mit Mari den Acharuli und verfehlt dabei, „gerade wie ein

Nagel“ zu sein. Außerdem sei sein Blick „zu neckisch“. „Der georgische Nationaltanz basiert auf Männlichkeit, im georgischen Tanz ist kein Platz für Schwäche“, befiehlt Aleko, und: „Im georgischen Nationaltanz gibt es keine Sexualität.“ Nun, für die schwedisch-georgische Koproduktion „Als wir tanzten“, die am Freitag in den heimischen Kinos anläuft, mag das nicht gelten. Der international gefeierte, in Georgien wild bekämpfte Film ist ein queerer Liebesfilm mit einer sanften Hoffnungsbotschaft; sein Schöpfer Levan Akin verbindet ein Tanzdrama mit einem Coming-of-Age mit einem Coming-Out, er erzählt mittels seines Protagonisten Merab die Geschichte einer Emanzipation aus verkrusteten, paternalistischen Strukturen.

Merabs Traum also ist es, einen fixen Platz im Ensemble zu bekommen. Von seiner Tanzpartnerin Mari, die beiden zusammengeschweißt seit sie zehn Jahre alt waren, eben noch ziemlich offensiv bemuttert und beflirtet, erfährt Merab plötzlich ernstzunehmende Konkurrenz von Neuzugang Irakli – bis sich die Rivalität der beiden in sexuelles Begehren und schließlich in eine verbotene Liebe verwandelt, die erste für Merab …

Levan Akin und Kamerafrau Lisabi Fridell verstehen es meisterlich, den eisernen Wind vergangener Sowjetzeiten, der in Georgien politisch betrachtet trotz aller „Fuck Russia“-Demonstrationen nach wie vor weht, den Ballett-Drill samt herausragender Tanzszenen, den stark kulturell aufgeladenen Patriotismus dieser Nation, die homophobe Stimmung im konservativen, von orthodoxen Dogmen durchtränkten Land mit einer universellen Love Story zu durchbrechen. Aus scheuen Blicken werden zarte Berührungen, von Fridell in goldenes Licht getaucht, doch dass dieses georgische „Brokeback Mountain“ gelingt, ist dem Paar Levan Gelbakhiani als Merab und Bachi Valishvili als Irakli zu danken.

Ersterer tatsächlich Mitglied der zeitgenössischen Ballettkompanie von Giorgi Aleksidse, zweiterer Schauspieler mit sieben Jahren Erfahrung im Nationaltanz, beide, wie sie im Interview sagen, zögerlich die Rollen wegen des homoerotischen Themas anzunehmen, die nun im intimen Spiel alles geben. Selten sieht man Liebesszenen von solcher Intensität bei gleichzeitig Unschuld.

Beim Training kommen sich Irakli und Merab näher: Bachi Valishvili und Levan Gelbakhiani. Bild: Lisabi Fridell

Die Clique rund um Mari, Merab und Irakli unterwegs in den Straßen von Tiflis. Bild: Lisabi Fridell

Im Landhaus von Maris Vater wird zu ABBA Disco getanzt. Bild: Lisabi Fridell

Die Hochzeit von David und Sopo: Giorgi Tsereteli und Ana Makharadze. Bild: Lisabi Fridell

Levan Gelbakhiani, nunmehr einer der European Shooting Stars der Berlinale 2020, gestaltet den Merab als sensiblen, feinnervigen Jüngling, der so gar nicht in seine grobe Umgebung passen will. Als etwa Mari ihn mit einem geborgten Kondom zum „ersten Mal“ auffordert, sind das Momente, in denen Gelbakhiani aus seinem Gesicht ein ganzes Alphabet an Emotionen ablesen lässt. Gelbakhiani brilliert, wenn er derart eine neue Form männlicher Verletzlichkeit auf die Leinwand bringt.

Bachi Valishvilis Irakli dagegen ist der vor Freude sprühende Macho, der wohlerzogene Charmebolzen, so scheint zumindest, was sich später als Tarnung gegen Schwulenschläger entpuppen wird, der die jungenhafte Rangelei um eine Zigarette für den Frontalangriff auf Merab nutzt. Valishvilis Ausstrahlung ist groß, der Sexualität, die es im Tanzsaal nicht geben darf, gibt er eine neue, eine paradoxe Dimension. Denn der weiche Merab und der starke Irakli werden auch als Tänzer, beim Khanjluri, ein Traumpaar.

Dass Tiflis realiter mehr als die dreieinhalbtausend Kilometer vom studentischen Sehnsuchtsort London entfernt ist, zeigt Levan Akin nicht nur an den ärmlichen Verhältnissen, in denen Merab mit Mutter und Großmutter lebt. Akin stellt Arbeitslosigkeit neben Ausweglosigkeit, den Leistungsdruck, der auf den Tanzenden lastet, neben wegen all dieser Dinge unausweichliche familiäre Konflikte. Diesen räumt „Als wir tanzten“ viel Platz ein, was immer wieder zu unerwarteten Storylines führt.

Im Ensemble wird überraschend ein Platz frei, weil ein Tänzer aus diesem gefeuert wird, nachdem seine Romanze mit einem Mann – und auch noch Armenier! – offenbar wurde. Später erfährt man, dass „Zaza“ nur blieb, sich als Stricher zu verkaufen. Merabs rebellischer Tunichtgut-Bruder David, den Giorgi Tsereteli mit sozusagen permanent geballten Fäusten spielt, wird erst zum Kleinkriminellen, damit der Familie der Strom wieder eingeschaltet wird, und später zum Hochzeiter, als er Maris Freundin Sopo schwängert – womit deren Tanzkarriereträume beendet sind.

Akin zeigt das im Untergrund gedeihende regenbogenfarbene Tiflis, Schwulenclubs, in denen zu Techno abgetanzt wird, wobei sich erweisen wird, dass das Partyleben nicht zum Training passt, zeigt die Georgier als pathetisch-poetischen Menschenschlag, der sich im Männergesang übt, während die Jugend zu ABBA ausflippt. Zeigt, wie Braut Sopo mit den Frauen in einem Zimmer tanzt, während sich der Bräutigam im anderen Zimmer prügelt – typisch möchte man da sagen, doch David rauft sich wegen Merab, den ein Mitschüler als „Schwuchtel“ beschimpft hat – und Merab muss zugeben, dass er recht hat …

Der Moment der Wahrheit beim Vortanzen für das Georgische Nationalballett: Levan Gelbakhiani als Merab. Bild: Edition Salzgeber

„Als wir tanzten“ wurde vergangenes Jahr in Cannes gefeiert und seither rund um den Globus ausgezeichnet. In Georgien waren die Reaktionen kontroverser. Sowohl die Dreharbeiten als auch die Filmpremiere fanden unter Todesdrohungen und ergo unter Polizeischutz statt. Die Georgische Orthodoxe Kirche sowie einige rechtsextreme Gruppen hatten den Film öffentlich verurteilt und angekündigt,

die Kinobesucherinnen und -besucher vom Eintritt abhalten zu wollen. Die Kirche bezeichnete den Film in einer offiziellen Stellungnahme als „Popularisierung von Sodomitenbeziehungen“ und als „großen Angriff auf die Kirche und die nationalen Werte“. Die rechtsextreme Gruppe „Georgian March“ hatte in einer Pressekonferenz mitgeteilt, einen „Korridor der Schande“ bilden zu wollen. Am Tag der Uraufführung hielten sie homophobe Reden, verbrannten eine Regenbogenflagge und zeigten Plakate wie „Stoppt LGBT-Propaganda in Georgien“ und „Homosexualität ist Sünde und Krankheit“, die Polizei wurde mit Feuerwerkskörpern angegriffen.

Auf derlei Aktionen begründet sich der Film, so Levan Akin im Interview: „2013 wurde ich Zeuge, wie eine Gruppe von mutigen jungen Menschen in Tiflis versuchte, eine Pride Parade zu veranstalten. Sie wurden jedoch von Tausenden Teilnehmern einer Gegendemonstration attackiert, organisiert von der Orthodoxen Christlichen Kirche. Da wusste ich, dass ich mich diesem Thema in irgendeiner Weise widmen muss.“ Offiziell ist Homosexualität in Georgien nicht illegal.

Am Ende von „Als wir tanzten“ spielt Levan Akin mit der georgischen Gesellschaft, deren Nationaltänze zu Sowjetzeiten zweifellos etwas Widerständiges hatten, denen im Film aber zunehmend der traditionalistische Ursprungsglaube entzogen wird, ein doppeltes Spiel. Er lässt Irakli in einer Flut an familiärer Verantwortung, Furcht vor Entdeckung und dem Zwang, Geld zu verdienen, buchstäblich ertrinken. In einem Geschwistergespräch erhält Merab von David das brüderliche Ein/Verständnis für seine Homosexualität samt dem Rat, schleunigst aus Georgien abzuhauen. Und so tritt Merab zum Vortanzen an.

Mit einem neuen Stil, einer Männlichkeit, die das Martialische nicht braucht, mit einer eleganten Energie, die das Rituelle der Bewegungen aufweicht. Mit Aufruhr im Blick und Revolution in jeder Geste. Wie Merab die klassischen Schritte ganz anders interpretiert, wird, so kann gemutmaßt werden, seine Karriere im Nationalballett zerstört, zugleich aber fliegt er damit in seine Freiheit.

Interview mit Levan Akin und Levan Gelbakhiani: www.youtube.com/watch?v=h0HY-NmnoUU           www.youtube.com/watch?v=2dEM1w629Ts           www.facebook.com/andthenwedanced

2. 9. 2020

aktionstheater ensemble online: Immersion. Wir verschwinden

April 25, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

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Selbstironische Selbstdarsteller: Michaela Bilgerin, Andreas Jähnert und Martin Hemmer betreiben berufsbedingt Trauerbewältigung. Bild: ®Apollonia Bitzan

In seinem Bemühen zu „Streamen gegen die Einsamkeit“ zeigt das aktionstheater ensemble auf seiner Webseite aktionstheater.at nach „Heile Mich“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=39260) noch bis heute Mitternacht die Produktion „Immersion. Wir verschwinden“. Morgen ab 10 Uhr folgt, als Online-Ersatz zum Gastspiel beim Heidelberger Stückemarkt, „Wie geht es weiter – Die gelähmte Zivilgesellschaft“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=33672).

Immersion, so weiß es die Fachliteratur, beschreibt den durch eine Virtuelle Realität hervorgerufenen Effekt, das menschliche Bewusstsein durch illusorische Stimuli so weit auszuschalten, bis die VR als real empfunden wird. Mit anderen Worten: Selbst- durch Vortäuschung. Genau das führt Martin Grubers schnelle gesellschafts- politische Eingreiftruppe, diesmal bestehend aus Michaela Bilgeri, Martin Hemmer, Andreas Jähnert, Sonja Romei und Kristian Musser, in ihrer ersten Performance nach dem Nestroy-Preis auch vor.

Nämlich zuerst einmal sich selbst, die Protagonistinnen und Protagonisten eindeutig punziert als Exponenten dieses eitlen, traurigen, tollen Berufs „Künstler“, und 70 Minuten lang beobachten man deren ae-typischen, perfekt synchronisierten Danse macabre raus aus jedweder Logi- wie Faktizität. Dies durchaus nicht thesenreich theoretisierend, vielmehr temperamentvoll, redeschwallend, expressiv – und mit Musser-Musik, zu der Sonja Romei in Stimmlage Lachmöwe ihren Shalalala-Ohrgasmus singt.

In Form kleiner beiger Bodenplatten liegt, von der Bilgeri folgerichtig zum „Himmel und Hölle“-Hüpfen benutzt, der Frust herum, die Spielfelder gleich den Kreuzwegstationen des Selbstwertgefühls. Gegens Abgeschasselt-Werden und Ausgeschlossen-Fühlen, gegens Sich-Selbst-Abhandenkommen und soziale Abstiegsangst hilft am ehesten die Selbstdarstellung. Eine Disziplin, sollt‘ man meinen, die dem Schauspielerdasein inne ist, aber ach!

Hemmer, Jähnert, Bilgeri, hi: Sonja Romei und Kristian Musser. Bild: Gerhard Breitwieser

Andreas Jähnert, hinten: Romei, Hemmer, Musser und Bilgeri. Bild: Michael Grössinger

Sonja Romei bei ihrem Shalalala-Ohrgasmus. Bild: Screenshot aktionstheater ensemble

Durchsynchronisierter Danse macabre: Musser, Hemmer und Bilgeri. Bild: Gerhard Breitwieser

Wenn Andreas Jähnert als hoffnungsloser Lyriker ob seines auf einer VIP-Hochzeit verlesenen Poems nicht nur vom Sitznachbarn namens ausgerechnet Langenscheidt veralbert, sondern sich danach – im Gegensatz zu Veronica Ferres und Ehemann Carsten Maschmeyer – weder in der Bunten abgebildet noch in der FAZ erwähnt findet, dann kann man sich schon als Verlierer im Wettstreit um die Mediengunst fühlen.

Ist die Handschüttel-Gelegenheit erst mal verpasst, hilft auch kein Namedropping der prominenten Bekanntschaften, dazu Bilgeri hinreißend gelangweilt und lapidar: „Kenn‘ ich nicht, kenn‘ ich auch nicht …“, und in der Art wird die Jähnert-Figur nicht die einzige bleiben, die sich ans Celebrity-Leben diverser Instagram-Heros klammert. Drüben ist das Gras eben immer glamouröser.

Kollegenneid ist was Un-, bezüglich Spaßfaktor aber natürlich etwas Feines, Michaela Bilgeri echauffiert sich grün vor Eifersucht auf eine sexy(stische) Spaziergängerin in einem dümmlichen Werbefilmchen – „46.000 Shares! Ist die überhaupt Schauspielerin?“, bis ihr Haardutt w. o. gibt. Man muss sich halt engagieren fürs Engagement! Sogar wenn man sich wie Martin Hemmer, um bei Himalaya-Dreharbeiten für einen potenziellen Blockbuster dabeizusein, statt from Austria als Australier ausgeben muss, doch herrje, als sich die Story als von einem Freund „geborgt“ entpuppt, geht die Sache im Wortsinn in die Hose.

Immer mehr verspinnen sich die vom Trio verkörperten Aufmerksamkeitsdefizitler in Sprach- und weitere Verwirrungen, in ihr als solches empfundenes Unglück, und für den Betrachter ist ihr „Versuchen, Scheitern, noch beschämender Scheitern“ zum Kaputtspötteln ernst. Wie stets balanciert der Martin-Gruber’sche Trupp auf dem schmalen Grat zwischen Tragi- und -komödie, nach dem Motto: Humor ist, was man mit Trotz verlacht, und wirklich schade ist, dass bildschirm-bedingt lediglich Kamera-Ausschnitte zu sehen sind – vor allem, wenn Martin Hemmer moves like Jagger.

Sing your Loser-Song: Romei, Jähnert, Hemmer und Bilgeri beim Whitney-Houston-Husten. Bild: Gerhard Breitwieser

„Was könnte sie noch interessieren?“, fragt Michaela Bilgeri mitten in ihrer Trivial-Tirade übers Rauchen-Aufhören, die Rotwein-Ersatzdroge und die Sorge, ob schlechte Laune den Krebs nicht rascher verursacht als Nikotin, während der Rest enerviert-ennuiert in der Runde schaut. Kulturauszeichnungen, klar!

Ein Triumph für die Frau, war Hemmer zur Verleihung des Josefstadt-Ensemblepreises doch gar nicht eingeladen, und hat sich Jähnert für einen deutschen Literatur-Award erst angemeldet, hat Bilgeri beim Vorarlberger Kulturpreis den ersten Platz gemacht.

Was Hemmer – siehe Kollegenneid – zu ihrem Ärger in Gänsefüßchen kommentiert, und wie er als Heulsusen-Sensibelchen ihren allumfassenden Furor konterkariert, alldieweil der stille Dulder-Dichter in Wahrheit zu den gröbsten Gemeinheiten befähigt ist, wie hier aneinander vorbei seelengestripteased wird, das ist große Kunst.

In Tränen aufgelöst rezitiert Bilgeri die Jury-Begründung hinsichtlich ihrer durchlässigen Darstellung und ihrer situativen Wachheit, ihres mit großer Wahrhaftigkeit ausgespielten tragödischen Talents, ihrer unvermittelt-überraschenden Atmosphäre-Wechsel und der Gabe, ihre Gefühlsklaviatur bis zur Peinlichkeit zu nutzen. All dies ist tatsächlich zum Weinen schön, und was „Immersion. Wir verschwinden“ betrifft: Wo kann man das unterschreiben? Grenzgenial ist noch ein Begriff, der einem zu diesem zwischen Popsongs und Pop Art angesiedelten Abend einfällt, der jenen prekären Jahrmarkt der Eitelkeiten auch genannt Showbusiness selbstironisch-selbstreflektiv erst ent-, dann erneut verzaubert.

Am Ende dieser famosen Trauerbewältigung erkennt sich das aktionstheater ensemble als solches wieder. Den Hype dieser 2016er-Aufführung müsse man hochhalten, um mit den hausgemachten Satiren mehr zu bewirken, mehr Publikum zu erreichen. Trump ist noch nicht Geschichte, Putin so gut wie Alleinherrscher auf Lebenszeit, Nachbar Ungarn auf dem Weg zum autoritären Maßnahmenstaat, die heimischen Rechtspopulisten nur #Corona-bedingt schweigsam, und die Menschen immersieren sich dieser Tage sua sponte. Es gibt also noch viel zu erzählen, aktionstheater, packen wir’s an! Wie singt ihr so schön zum Schluss: I Wanna Dance With Somebody!

Trailer „Immersion“: vimeo.com/189901179          vimeo.com/200016049

Trailer „Wie geht es weiter“: vimeo.com/352342879                   aktionstheater.at

25. 4. 2020

Herrschaft der Niedertracht: Robert Misik im Gespräch

März 29, 2019 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

„Kurz ist der Mann mit dem gewissen Nichts“

Robert Misik. Bild: © Helena Wimmer

Nach einem Jahr türkisblauer Koalitionsregierung geht Publizist Robert Misik mit deren Protagonisten, ihren Ideen und dem politischen Zeitgeist, der nun weht, ins Gericht. Wie konnte sich der „neue Stil“, der weltweit auf dem Vormarsch zu sein scheint und den die österreichische Mitte-Rechts-Regierung für sich reklamiert, durchsetzen und wie gelangt er zu den verblüffend hohen Zustimmungsraten? Robert Misik im Gespräch über sein kürzlich im Picus Verlag erschienenes Buch „Herrschaft der Niedertracht. Warum wir so nicht regiert werden wollen!“:

MM: Inhaltlich kann dieses Gespräch nur eine Überforderung werden, gibt es doch täglich etwas Neues zu berichten über diese Regierung. Lassen Sie uns bei der von ihr angekündigten Auflösung der Identitären beginnen: Sie selber haben bereits angemerkt, dass eine solche rechtsstaatlich problematisch sei, und auch Vereinsrechtsexperte Maximilian Kralik sieht sie als unwahrscheinlich. Ist das nicht ein weiteres Blendmanöver, eine Angelegenheit, die im Nichts versickern wird, wie die Prüfung der Burschenschaften?

Robert Misik: In dem Fall sehe ich es anders, weil die Sache für die Regierung, insbesondere die FPÖ, sehr unangenehm ist, weil es nicht nur um personelle Verstrickungen mit den Identitären geht, sondern auch um ideologische. Diese Idee vom großen Austausch, in diesem Phantasma, wir würden hier durch Demografie ausgerottet und müssen daher Angst haben, steckt auch die FPÖ tief drinnen. Wenn solche Formulierungen sich nun auch im Manifest dieses Massenmörders in Neuseeland finden, ist man natürlich peinlich berührt, weil man auf eine Art und Weise mit etwas verbunden ist, das Menschenleben gekostet hat, heißt: wo die Verhetzung durch diese mörderische Ideologie von jemandem wörtlich genommen wird. Deswegen muss man sich distanzieren von den Identitären und sie prüfen. Natürlich ist das eine Blendgranate, und das ist gut so, weil es nicht die Aufgabe der Regierung ist, in einem rechtsstaatlichen System Vereine zu verbieten. Das ist die Aufgabe der zuständigen Behörden, und am Ende des Tages auch des Gerichts. Ich will von einem Bundeskanzler nicht hören, dass irgendetwas verboten ist. Das ist nicht sein Job.

MM: In Ihrem aktuellen Buch „Herrschaft der Niedertracht. Warum wir so nicht regiert werden wollen!“ nehmen Sie sich kein Blatt vor den Mund. Der Text ist sehr angriffig, an etlichen Stellen sogar polemisch zu nennen. Geschah das getreu der Redensart, dass auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört?

Misik: Eine polemische Sprache, eine Angriffslust auch in der Formulierung, ist nicht unbedingt ein grober Keil, sondern ein bestimmter Gestus. Ich habe, um bei der Stilistik des Buches zu bleiben, Karl Marx und Kurt Tucholsky gelesen, all diese großen Polemiker des Pamphletismus, um mich beim Schreiben inspirieren zu lassen und in einen bestimmten Sound zu kommen – und mich, getreu des Brecht-Mottos, lax in Fragen des geistigen Eigentums zu sein, bei ihnen auch schamlos bedient. Ich glaube, dass das notwendig ist, denn dieses bedächtige Hin und Her, einerseits, andererseits, die nüchterne Sprache des Analysierenden, ist etwas anderes, als die politische Streitschrift. Und eine Streitschrift sollte es ein.

MM: Diese Streitschrift fällt nicht in die Kategorie Satire. Wie leicht kann man da geklagt werden.

Misik: Es ist relativ wenig drinnen, das geklagt werden kann, das kann man nur bei Beleidigungen und Falschbehauptungen, und so etwas habe ich nicht geschrieben. Allerdings stimmt es, die FPÖ klagt gerne, selbst in Fällen, wo sie nicht gewinnen kann. Wie man am Fall des Herrn Strache gegen Rudi Fußi sieht, und seiner Behauptung, dass ein echtes Foto gefälscht ist. Man kann jeden Unsinn klagen, da ist die FPÖ ganz geübt darin. Bei meinem Buch, denke ich, werden sie’s eher bleiben lassen, denn müsste ich in der Praxis das beweisen, was ich geschrieben habe, einen größeren Gefallen könnten sie mir gar nicht tun.

MM: Der Kabarettist Thomas Maurer hat in einem seiner Programme die Frage gestellt, wie viel Toleranz man gegenüber den Intoleranten aufbringen müsse. Was meinen Sie?

Misik: Das ist eine schwierige Frage, weil sich damit auch die Frage stellt, von welchen Menschen wir da reden. Ich brauche keine Toleranz gegenüber einer Regierung der Intoleranten zu haben. Bei Menschen, die vielleicht angesteckt sind, von einigen Motiven davon, Angst um die Zukunft, Angst um das Leben in der Stadt, da muss ich nicht den Inhalten gegenüber tolerant sein, den Menschen gegenüber aber sehr wohl. Mit denen dann in ein Gespräch zu kommen und Meinungen auszutauschen, ist wichtig. Abgesehen davon, dass nicht jeder, der nicht meiner Meinung ist, mein Gegner ist.

MM: So, wie Sie mit der gegenwärtigen Regierung ins Gericht gehen, möchte ich Sie fragen: Muss man ein Wahlergebnis nicht zur Kenntnis nehmen?

Misik: Ein Wahlergebnis muss man zur Kenntnis nehmen, man muss generell gesellschaftspolitische Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen. Nur, das hindert mich nicht daran, zu versuchen, diese Wirklichkeit zu verändern. Das ist ja der Sinn von Opposition in einer Demokratie: Sie muss die Regierung vom ersten Tag an bekämpfen und versuchen, dieses Wahlergebnis und diese Mehrheitsverhältnisse wieder zu verändern. Gerade bei der jetzigen Regierung gibt es ein großes Fragezeichen der Legitimität dieses Wahlergebnisses, denn die Überschreitung der Wahlkampfkosten ist keine Kleinigkeit gewesen. Wenn jemand statt sieben Millionen 13 Millionen ausgibt, dann ist das eine grobe Verzerrung der Grundlagen, so dass man die Rechtmäßigkeit des Wahlergebnisses zumindest diskutieren kann.

MM: Orten Sie so etwas wie eine wahre Stimmung im Land?

Misik: Die wahre Stimmung gibt es nicht. Es gibt keine Volksstimmung, weil es kein Volk, sondern nur eine Bevölkerung gibt. Es gibt verschiedenste Bevölkerungsgruppen und Milieus, die auf verschiedenste Weise ticken. Es ist immer ein Amalgam von Stimmungen, die die einzelnen Menschen, die einzelnen Gruppen haben. Wenn wir an der Oberflächlichkeit pro Regierung, contra Regierung bleiben, einem Fehlschluss erliegen, weil weder die Anhänger der Regierung noch die, die ihren Ansichten ein bisschen zuneigen, allesamt Rassisten, Ausländerfeinde, Menschen mit Hartherzigkeit sind, noch sind die anderen vollkommen das Gegenteil. Es gibt eine große Grauzone in der Mitte, in der viele sagen, diese Gehässigkeit, diese Politik der Niedertracht geht mir zu weit, aber ich verstehe schon, im Jahr 2015 haben wir uns mit den Flüchtlingen übernommen, heißt: dass in der Mitte der Bevölkerung beide Motive in einer Person schlummern können. Die wahre Stimmung im Land besteht eher aus diesem und vielen anderen Mischungsverhältnissen.

MM: Interessant, dass Sie das sagen. Der Soziologe Heinz Bude hat bei der Leipziger Buchmesse gerade gesagt, die so genannte Mitte gibt es nicht, sie ist eine Illusion, die es nie gegeben hat.

Misik: Das glaube ich ja auch, aber das heißt aber noch lange nicht, dass wir in der Gesellschaft nur aus zwei Menschenschlägen bestehen, die einen 100%-ig rechts, die anderen 100%-ig links. Nun kann man sich natürlich die Frage stellen, was diese Kategorisierungen heute für Wahlentscheidungen überhaupt noch bedeuten und inwieweit sie relevant sind. Es gibt definitiv Leute, die der Meinung sind, sie erhalten den Sozialstaat und die da oben richten sich’s, was eher eine sozialdemokratische Haltung wäre, und die gleichen Leute haben in Sicherheitsfragen oder Diversityfragen eher Haltungen, die wir als rechts bezeichnen würden. Na, was ist dann eine solche Person? Das ist ganz schön kompliziert.

MM: Ein ganzes Kapitel Ihres Buches widmen Sie Bundeskanzler Sebastian Kurz. Sie bezeichnen ihn unter anderem als Künstliche Intelligenz. Was meinen Sie damit?

Misik: Kurz hat hohes Talent, das ist unbestritten, sonst hätte er es nicht so weit gebracht. Seine Talente liegen, könnte man sagen, im Intrigantentum, positiv formuliert in der Bildung einer Seilschaft, einer verschworenen Prätorianergarde, die schon, als er noch „nur“ ein Ministeramt hatte, sich auf die Übernahme von allem vorbereitet hat. So zielstrebig mit einer Gruppe, die an einem Strang zieht und auch weiß, wo sie hin will, habe ich noch nie einen Politiker agieren sehen. Und das eigentlich, ohne dass es irgendwo rumpelt. Das zweite Talent ist, dass Kurz für nichts steht. Als er als Integrationsminister in diese Regierung gekommen ist, war er der junge Mann, der seine Partei symbolisch entlüftet hat, der von Willkommenskultur gesprochen hat. Das hat er glaubhaft verkörpert, bis er auf die Idee gekommen ist, dass, wenn er das Gegenteil behauptet, ihm das politisch nützlicher ist. Und auch das hat funktioniert, und zwar permanent umwölkt von Slogans, die nichts aussagen. Der Wahlkampf, der inhaltlich überhaupt nichts aussagte, war diesbezüglich der Höhepunkt. Das heißt, Kurz ist geradezu genial darin, nichts zu repräsentieren, außer offen für alle Projektionen zu sein. Deswegen nenne ich ihn ja auch, und das kann man zynisch oder auch gemein nennen, den Mann mit dem gewissen Nichts. Er ist einer, der versucht, so wenig wie möglich an Eigenschaft zu repräsentieren, und stattdessen offen zu sein für die Zuschreibungen von allen. Kurz hat diese Rolle immer perfekt gespielt. Wenn man ihm zuhört, hat man nie das Gefühl, da ist irgendein Satz nicht auswendig gelernt, da ist irgendeine Äußerung authentisch. Er redet wie ein Roboter.

MM: Wie steht’s um seine Machtpolitik hinter den Kulissen? Siehe die Kurz nachgesagten Verquickungen mit Investor René Benko.

Misik: Diese Verbandelung mit der Wirtschaft beherrscht Kurz als ÖVP-Schüler sehr gut. Aber über die Geschichte Kurz-Benko weiß man noch zu wenig, als dass ich da schon etwas analysieren möchte. Nicht zuletzt, da Benko es sich zum eigenen Vorteil gern mit vielen gutstellt – und was er mit der Kronen Zeitung vorhat: keine Ahnung? Oder mit dem Kurier.

MM: Sie besprechen auch den Umstand, dass es den privaten Sebastian Kurz nicht gibt, im Gegensatz zu H.C. Strache, der uns an seinem Vaterglück teilhaben lässt, oder dem neuerdings öffentlich frühstückenden Innenminister Kickl.

Misik: Wenn Kickl im Radio frühstückt, um bei diesem Beispiel zu bleiben, ist das auch eine Medieninszenierung. Was an Kurz interessant ist, ist, dass er diszipliniert ist, und das, was an ihm echt ist, nie nach außen dringen darf. Es wird schon irgendwas echt an ihm sein, es wird einen privaten, authentischen Kurz geben, nur hat den in der Öffentlichkeit noch niemand zu Gesicht bekommen.

MM: Wie kann man mit diesem Konzept reüssieren? Die Leute wollen doch in der Regel den Menschen hinter dem Macher erspüren, einen Schlüssellochblick auf die Mächtigen erhaschen.

Misik: Ja, das ist eine interessante Frage, in einer Zeit, in der auch Authentizität so hoch gehandelt wird, warum ein Politiker, der so unauthentisch ist, so gut funktioniert. In Wirklichkeit weiß jeder Zuseher, Kurz spielt eine Rolle und er spielt sie gut. Es gibt vielleicht eine Art Hochachtung vor dieser Professionalität, vor jemandem, der das durchzieht, ohne jemals zu stolpern und ohne jemals links oder rechts zu schauen.

MM: Es gibt einen Punkt in Ihrem Buch, mit dem ich nicht d’accord gehe. Sie bezeichnen den Innenminister als überfordert. Ist es nicht so, dass Herbert Kickl der Chefideologe, der Stippenzieher, und als solcher unantastbar ist.

Misik: Auch Kickl macht das, was er sein will, nämlich der Unruhestifter, der durch irrwitzige Forderungen die Unique Selling Proposition der FPÖ hervorkehrt, was gar nicht so einfach ist, nachdem ihnen die ÖVP die Hälfte des Wahlprogramms geklaut hat, hervorragend. Das hat schon eine Professionalität. Auf der anderen Seite führt er ein schwieriges Ministerium, und da ist er nicht erfolgreich, da misslingen ihm die Dinge dauernd. Den BVT so zu zerschlagen, dass es eine Staatsaffäre wird, und einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss am Hals zu haben, da gehört was dazu.

MM: Was wurde eigentlich aus der SPÖ?

Misik: Die SPÖ hat kurzfristige und langfristige Probleme. Das kurzfristige ist, dass sie aus der Regierung in die Opposition gekommen ist, was immer schwierig ist, weil du Politiker hast, die geschult sind, Regierungsarbeit zu machen, Ministerien zu administrieren, und die nicht die Rolle des angriffigen Underdogs positiv übernehmen. Das braucht eine Zeit, sich darauf einzustellen. Das langfristige Problem der SPÖ ist, dass ihre Anhängerschaft in zwei Milieus zerfallen ist, die früher eine Allianz waren: die unteren Mittelschichten, die ehemalige Arbeiterklasse, und die urbanen, liberalen Bürgerlichen. Aufgrund dessen hat sich auch eine Art Fraktionskampf entwickelt, auf der einen Seite die Vorstadt-, die Proletariats-Sozialdemokraten, auf den anderen die moderne Sozialdemokratie – sehr sehr versimpelt gesagt. Derartige Fraktionskämpfe werden zu Machtkämpfen, da werde Wunden geschlagen, bis sich am Ende alle gegenseitig hassen. Das gärt in der SPÖ schon länger, und das alles zusammen führt zu dem Zustand, in dem die SPÖ zurzeit ist. Dazu kann man negativ sagen, das ist die Abwärtsspirale aus der es kein Entrinnen mehr gibt, oder positiv, das ist eine andere Lage: Es gibt eine neue Vorsitzende, einen neuen Wiener Bürgermeister, der nächstes Jahr lebenswichtige Wahlen zu schlagen hat, man wird sich also zunehmend zusammenraufen. Man wird sehen, man weiß es nicht. Es ist zu früh, um da jetzt Prognosen abzugeben.

MM: Ist Frau Rendi-Wagner eventuell zu vornehm, um sich gegen die diversen Zurufer aus den Bundesländern zu wehren?

Misik: Das glaube ich nicht. Wenn ein Landeshauptmann aus dem Burgenland dauernd gegen die in Wien keppelt, dann nützt ihm das im Burgenland. Aber auf Bundesebene kann er damit nichts erreichen. Der Nummer eins das Leben schwer zu machen, ist etwas ganz anderes, als die Nummer eins zu sein.

MM: Trotzdem ist es eine Kunst, den Gemeindebau so ziemlich komplett zu verlieren. Was rennt da falsch?

Misik: Zum einen trauen diese Menschen der SPÖ nicht mehr zu, dass sie ihre ökonomischen und materiellen Bedingungen verbessert. Gleichzeitig haben sie das Gefühl, die SPÖ-Politiker sind vom Lebenskulturellen her nicht mehr ihre Leut‘, sondern die kommen aus einer anderen Welt. Diese Menschen haben das Gefühl, ihnen hört niemand mehr zu, ihre Interessen vertritt niemand, sie werden gesellschaftlich abgehängt, und das führt zu einem populistischen Moment, wenn einer kommt, der sagt, ich bin einer von euch, ich bin gegen die da oben, dann rennt man dem eher nach, sogar dann, wenn es einem eigentlich gar nicht so schlecht geht – und umso mehr, wenn man das Gefühl hat, zunehmend an den Rand gedrängt zu sein.

MM: Ihr Buch beinhaltet auch eine ziemlich harsche Medienschelte. Was konkret werfen Sie der österreichischen Presse vor?

Misik: Dass man in der Berichterstattung über eine bestimmte Angelegenheit nach zwei Monaten das Gefühl hat, das ist doch eh Normalität. Schluss mit der Dauerempörung, bleiben wir doch cool! Diese Haltung, die eine menschliche ist, führt dazu, dass man Dinge als gegeben nimmt, von denen man es nicht dürfte. Das betrifft im Prinzip jeden, doch bei den Kolleginnen und Kollegen von den Medien ist es besonders fatal, weil die eigentlich die Aufgabe hätten, die Regierung mit oppositioneller Verve zu verfolgen, und nicht, sich an sie anzubiedern. In diesem generellen Mechanismus gibt’s noch ein paar, die sich diesbezüglich besonders hervortun, und noch dazu dabei mitmachen, der Opposition nachzustellen, statt der Regierung nachzustellen. Auch da gibt es so eine Art Korpsgeist, man dürfe sich als Journalisten nicht gegenseitig kritisieren. Ich pfeife auf diesen Korpsgeist, den gibt es für mich nicht, das ist ja absurd.

MM: Hat diese Kniefallberichterstattung mit der Macht der Regierungsinserate und deren aktueller Verschiebung Richtung genehm berichtender Medien zu tun?

Misik: Die Inseratengeschichte spielt sicher eine Rolle, dass Medien, die ohnedies regierungstreu sind, mit Inseraten belohnt werden, während die, die regierungskritisch sind, mit Inseratenentzug bestraft werden. Alleine wissend um die Möglichkeit, dass das passieren könnte, führt ja das schon zu einem Anpassungsdruck. Dass in einem kleinen Land wie Österreich, in einer Zeit der Printkrise, das Ganze noch einmal ärger ist, ist logischerweise klar. In Deutschland können sich kritische Medien allein durch Wirtschaftsinserate von der Regierung unabhängig machen, in Österreich ist jeder finanziell zumindest ein bisschen abhängig von den Regierungsinseraten.

MM: Welche Position nehmen Sie als freier Journalist da ein – Gewissen der Nation, Aufdecker, Aufrüttler?

Misik: Freier Journalist zu sein, ist nur noch ein ganz kleines Spielbein von mir. Ich schreibe Bücher, halte Vorträge, kuratiere Veranstaltungen, mache Ausstellungen, Theaterstücke … Ich bin als Autor sicher einer der unabhängigsten, da ich so diversifiziert arbeite. Ich brauche mir weder um Medienkonzerninteressen noch politische Anpassungen große Gedanken zu machen, wenn mich wer nicht mehr will, bricht mir halt ein Teil meines Einkommens weg, den ich mir woanders wieder reinhole. Das gibt mir eine wahnsinnige Freiheit, die mich nur meiner persönlichen politischen Haltung verpflichtet hält.

MM: Wie wurde Ihr Buch denn bis dato rezensiert?

Misik: Nicht sehr. Die taz hat berichtet. Der Standard auch. Manches wird vielleicht noch kommen. Aber bei bestimmten Medien gibt es sicher so etwas, wie ein Totschweigen des Buchs, eine ganz kleine Verschwörung, darüber nicht zu schreiben.

MM: Ein Fazit aus dem, was sie geschrieben haben: Ist der Zug nun abgefahren oder nicht?

Misik: Der Zug ist nie abgefahren. Wir sind ein demokratisches Land mit einer Bevölkerung, der man diese Demokratie noch nicht ausgetrieben, die man nicht eingeschüchtert hat. Wir sind nicht Ungarn. Wir können aber Ungarn werden, ohne Zweifel. Nur ist Kurz nicht Orbán, Strache wäre Orbán. Wir haben eine schiefe Ebene etabliert, indem wir nun diese Regierung haben, die alles zur Delegitimierung der parlamentarischen Opposition, der zivilgesellschaftlichen Opposition tut. Sie tut alles, damit kritische Stimmen aus der Öffentlichkeit tendenziell verschwinden, damit die Medien auf Linientreue getrimmt werden …

MM: Was bleibt dann als Positives an diesem Land?

Misik: Dass es ganz viel Widerstand gibt. Die Wiener Bevölkerung ist grosso modo in Opposition. Es gibt Demonstrationen jeden Sonntag in Vorarlberg, die Caritas wehrt sich, es gibt viele Leute, die in einer Art positiver Kampfeslaune gegen diesen politischen Stil sind. Ich glaube, dass das irgendwann zu einem Kippeffekt führen muss. Die Leute werden für blöd verkauft, sie sind es aber nicht, sie durchschauen dieses Schüren von Hass, dieses Aufganseln, dieses Verbreiten simpler Wahrheiten. Das werden die Menschen bald satt haben, und wissend, dass die Wirklichkeit etwas Komplexes ist, wieder die komplexen Antworten hören wollen. Wir werden uns noch wundern, wie schnell die Menschen das satt haben werden.

TIPP: Am 1. April um 19 Uhr lädt das Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog (www.kreisky-forum.org) zur Diskussion über das „System der Niedertracht“. Mit Robert Misik sprechen Balazs Csekö, Politologe, Journalist und Blogger, Lorenz Gallmetzer, Journalist und Buchautor, und Susanne Hofer, gf. Bundesjugendvorsitzende des ÖGB.

Die Buchrezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32356          www.misik.at          www.picus.at

29. 3. 2019

Robert Misik: Herrschaft der Niedertracht. Warum wir so nicht regiert werden wollen!

März 10, 2019 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein österreichisches „Empört Euch!“

Nach einem Jahr türkisblauer Regierung platzte Robert Misik der journalistische Kragen. So lässt sich sein aktuelles Buch, eine schmale Streitschrift, erklären. „Herrschaft der Niedertracht. Warum wir so nicht regiert werden wollen!“ heißt sie und liest sich, wie im Furor zu Papier gebracht – kämpferisch, provokativ, um deftige Worte nicht verlegen. Misik, bekannt als engagierter linker Intellektueller, geht mit der derzeitigen Staatsspitze hart ins Gericht. Er veranschaulicht deren geplanten Komplettumbau der Republik, die um sich greifende „Selber schuld“-Mentalität und wie diese den Abriss des Sozialstaats bedingt.

Und, nein, Misik denkt nicht, dass man ein Wahlergebnis einfach so zur Kenntnis nehmen muss, wenn er über „die Berufsparanoiden in Regierungsämtern“ und den „Klassenprimus der Diffamierung“ schreibt. Er diagnostiziert einen Konkurrenzkampf der Koalitionäre, einen „Überbietungswettbewerb darin, wer der schlimmere Finger, der autoritärere Typ, die fieseste Figur ist, wer wüster die Opposition attackiert, wer glaubwürdiger verkörpert, Ausländer zu sekkieren, Flüchtlinge abzuschrecken, Migranten zu quälen“. Und, nein, nach der Lektüre dieses Buches ist es nicht so, dass man tief und fest schlafen kann.

Für den neuen Stil macht Misik Bundeskanzler Sebastian Kurz hauptverantwortlich, dem er ein komplettes Kapitel widmet, in dem er ihn „Kunstfigur“, „Roboter“, „eine ganz eigene Form der Artificial Intelligence“, „eine Figur ohne Eigenschaften, der Mann mit dem gewissen Nichts“ nennt. Womit Misik einen Typus beschrieben haben will, der keinen anderen erkennbaren politischen Willen zu haben scheint, als den, die Verkörperung des Zeitgeists zu sein – weshalb er punkto Umfrage-Ergebnissen naturgemäß durchgängig oben sein muss. Mit einer Propaganda, die er selbst nicht glaube, stehe Kurz für „die Kapitulation der Bürgerlichkeit und ihrer Werte.“ Begriffe wie Anstand, Moral, Verantwortungsgefühl seien diesem System längst abhanden gekommen.

Dass diese Übung gelingt, ortet Misik auch als Verantwortung „der Bück- und Kniefallredakteure“, er, der seit Jänner diesen Jahres seinen Videoblog nicht mehr auf Standard online veröffentlicht, berichtet von der Einschüchterung von Journalisten, dem Austausch von Chefredakteuren und einer Inseratenpolitik, die sich Richtung zu Willen seiender Medien verschiebe. Die Verquickungen sind evident, den meisten Wirbel bis dato gab es um Rekrutierungsinserate für die Polizei in einem einschlägig rechten Wochenblatt, davor über ein E-Mail des Innenministeriums an die Landespolizeidirektionen, Infos für namentlich genannte kritische Medien zu beschränken. An diese floss im dritten Quartal 2018 auch kein Geld aus dem Werbeetat des BMI.

Für Befürworter dieser gesellschaftlichen Entwicklungen hat Misik das Wort „Lumpenbourgeoisie“ parat, und erläutert im Jargon der Sozialwissenschaft die „rohe Bürgerlichkeit“ als den sadistisch-masochistischen Gemütszustand jener Kleingeister, die stets von der Angst zerfressen sind, vor Selbstmitleid zerfließende Spießernaturen, die den Parolen folgen wie das Schlachtvieh seinem Schlachter. Zwischen Demokratien und Diktaturen, so Misik, beschleiche einen langsam die Ahnung, „dass es auch Grauzonen gibt“. Dass die etablierten Linksparteien in ihrem Bemühen um die Wählerinnen und Wähler versagt haben und weiter versagen, wird aber auch Robert Misik beglaubigen müssen.

In einem höchst emotionalen Schlussplädoyer wendet er sich ergo direkt an die Leserinnen und Leser: „Empört euch. Gebt nicht klein bei. Leistet keinen vorauseilenden Gehorsam. Seid nicht feige, seid mutig. Haltet nie die Mitte, wenn die Mitte Richtung Rohheit rutscht.“ Die neue Politik funktioniert, weil sie eine Angstkultur nutzt. Diese muss man beargwöhnen, aber nicht fürchten.

Über den Autor: Robert Misik, geboren 1966, ist Journalist und politischer Schriftsteller und schreibt regelmäßig für die Berliner tageszeitung, die Berliner Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung und den Wiener Falter. Zahlreiche Preise, etwa der Bruno-Kreisky-Förderpreis, 2010 Journalist des Jahres in der Kategorie Online. 2009 Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik. Autor zahlreicher Bücher, zuletzt erschienen im Picus Verlag „Was Linke denken“ (2015), „Ein seltsamer Held“ (2016) und, zusammen mit Christine Schörkhuber und Harald Welzer, „Arbeit ist unsichtbar“ (2018). 2019 erhielt er den Preis für Wirtschaftspublizistik der John Maynard Keynes Gesellschaft.

Picus Verlag, Robert Misik: „Herrschaft der Niedertracht. Warum wir so nicht regiert werden wollen!“, Sachbuch, 144 Seiten.

Robert Misik im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=32551           www.misik.at          www.picus.at

FS-Misik Spezial Folge 586: www.youtube.com/watch?time_continue=4&v=6d657jhcnAg

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