Winterpalais: Vulgär? Fashion Redefined

Februar 25, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Über Geschmack lässt sich nicht streiten

The Vulgar: Fashion Redefined, John Galliano for Christian Dior, Crown created by Stephen Jones. Bild: © Guy Marineau, Autumn/Winter 2005–2006, Haute Couture

The Vulgar: Fashion Redefined, Pam Hogg, Cape, shorts and headdress, ‘Diamond Dogs and Demons’ Collection. Bild: mit freundlicher Genehmigung von SimonArmstrong.com, Autumn/Winter 2015–2016, Ready-to-wear

The Vulgar: Fashion Redefined, Jeremy Scott for Moschino. Bild: Courtesy Moschino Dress, Autumn/Winter 2014 2015, Ready-to-wear

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ab 3. März befasst sich die Ausstellung „Vulgär? Fashion Redefined“ im Winterpalais mit dem Thema Geschmack in der Mode. Zu sehen sind Objekte von der Renaissance bis zum 21. Jahrhundert, von opulenten Roben und zum berühmten Hauch von Nichts. Zitate von Menschen so unterschiedlich wie Coco Chanel und Jonathan Swift untermauern die unterschwellige These der Gestalter der Schau: Über Geschmack lässt sich zwar diskutieren, aber nicht streiten, denn was guter ist bleibt letztlich Anschauungsssache.

Ausgangspunkt der von Kuratorin Judith Clark und Psychoanalytiker Adam Phillips konzipierten Ausstellung sind daher Definitionen des Begriffs „vulgär“. Anhand verschiedener Kategorien, so zum Beispiel in der Darstellung des Verhältnisses von Mode zum menschlichen Körper, zeigt sich, dass Facetten des Vulgären immer auch ein Teil von Fashion sind. Historischer Kleidung, Couture und Konfektion werden Stoffmuster, Handschriften, Fotografien und Filme beigestellt. So wird die Schnelllebigkeit von Geschmack demonstriert.

Modeschöpfer machen ehemals als vulgär Empfundenes salonfähig und kreieren als vulgär empfundene Neuschöpfungen aus ehemals Salonfähigem. Die Ausstellung, die zuvor im Londoner Barbican Center zu sehen war, zeigt Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen aus aller Welt, und Beiträge von Designern und Modehäusern wie Christian Dior, Jeanne Lanvin, Christian Lacroix, Louis Vuitton und Vivienne Westwood. Zur Schau erscheint im Verlag König ein Buch mit Modefotos und Interviews mit ihren Schöpfern.

www.winterpalais.at

Wien, 25. 2. 2017

Winterpalais: Sterling Ruby

Juni 21, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Eigens für Wien hat er Wandteppiche entworfen

S.R.Belvedere.1, 2016. Bild: Courtesy Sterling Ruby Studio

S.R.Belvedere.1, 2016. Bild: Courtesy Sterling Ruby Studio

Das Belvedere zeigt ab 8. Juli im Winterpalais eine Schau von Sterling Ruby. Ruby, geboren 1972, er lebt und arbeitet in Los Angeles, zählt zu den umstrittensten und unberechenbarsten US-Künstlern seiner Generation. Sein Œuvre reicht von glasierten biomorphen Keramiken, gegossenen Urethan-Skulpturen über großformatige Sprüharbeiten auf Leinwand, Zeichnungen und Collagen bis zu Videoarbeiten.

Im Fokus seiner ersten Überblicksausstellung in Europa stehen Arbeiten, die sich mit militärischem Imperialismus und Kriegsrhetorik auseinandersetzen und auf den Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen verweisen. Die barocken Prunkräume im Winterpalais bilden einen einzigartigen Kontrast zu den ästhetischen Positionen des Künstlers, darunter eine Serie von Wandteppichen, die eigens für die Schau entwickelt wurde.
.
.
Wien, 21. 6. 2016

Winterpalais: Fürstenglanz. Die Macht der Pracht

März 17, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Einblicke in blaublütiges „Schöner Wohnen“

Ausstellungsansicht, Fürstenglanz - Die Macht der Pracht Bild: © Belvedere, Wien

Ausstellungsansicht, Fürstenglanz – Die Macht der Pracht
Bild: © Belvedere, Wien

Ab 18. März beschäftigt sich die Ausstellung „Fürstenglanz – Die Macht der Pracht“ im Winterpalais des Prinzen Eugen mit barocker Sammellust. Den Kern der Ausstellung bilden die fürstlichen Sammlungskataloge der großen europäischen Barockgalerien. Sie kündeten vom Ruhm ihrer Schöpfer, dokumentieren sozusagen ein fürstliches „Schöner Wohnen“ und entwickelten sich zugleich zum Ursprung der modernen Kunst- und Ausstellungskataloge.

Mit beeindruckenden Werken etwa aus dem Pariser Louvre demonstriert die Schau welche Bedeutung die ehemaligen europäischen Herrscherhäuser ihren Kunstsammlungen beigemessen haben. Der Besitz von Kunst wurde über Jahrhunderte klar als Machtbeweis instrumentalisiert.

Eine Entwicklung, die auch mit der zunehmenden Bedeutung der Künstler im aufkeimenden Barock einherging. Talentierte Künstler wurden zu Lieblingen der Fürsten, ihre Bindung an einen Hof und das damit verbundene Exklusivrecht an ihrem Werk waren sozusagen weitere Puzzleteile des Machtgefüges.

Herausragende Talente wie beispielsweise Peter Paul Rubens konnten auf dem Höhepunkt des Barock gar zu Diplomaten, also quasi zu Malerfürsten aufsteigen. „Großartige Leihgaben aus erlesenen Gemäldesammlungen in ganz Europa kommen jetzt nach Wien“, erklärt Kurator Tobias G. Natter. „Mit diesen illustrierten Prachtbüchern erleben wir hautnah mit, wie die Türen fürstlicher Spitzensammlungen sich erstmals für ein allgemeines Publikum zu öffnen begannen: Wenn man so will, ist hier die Geburtsstunde des modernen Kunstbuchs.“

 Zu den ausgestellten Werken gehört das von Hofmaler David Teniers d. J. publizierte „Theatrum Pictorium (Theater der Bilder)“ aus dem Jahr 1660. Ein reich illustriertes Werk, das bis heute von der Sammelleidenschaft des habsburgischen Erzherzogs Leopold Wilhelm zeugt und die Geburtsstunde der aufwendig mit druckgrafischen Reproduktionen gestalteten Bucheditionen darstellt. Zu sehen sind außerdem Jean-Baptiste Colberts „Tableaux du Cabinet du Roi“ für Frankreichs König Ludwig XIV., das Dresdner Galeriewerk für August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, sowie ein „Prodromus“, eine Art Vorschau, für den österreichischen Kaiser Karl VI. im hochbarocken Wien um 1720/30, in der die mehr als tausend geplanten Gemäldereproduktionen zu Miniaturtableaus zusammengefasst wurden.
.
Durch die Rekonstruktion einer „barocken Hängung“, die atmosphärisch in das Ausstellungsthema einführt, wird das Winterpalais des Prinzen Eugen selbst zum Exponat. Im barocken Ambiente soll den Besuchern so vor Augen geführt werden, wie sich die Sammelleidenschaft der Fürsten einem großen Publikum präsentierte. Die Geschichte des Sammelns von Kunst und die Persönlichkeiten, die sich dahinter verbergen, sind ein spannender Teil der europäischen Kulturgeschichte. Sie darf als Wegbereiter für das moderne, öffentlich zugängliche Museum verstanden werden.
.
.
Wien, 17. 3. 2016

Winterpalais – Ólafur Eliasson: Baroque Baroque

November 19, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Francesca Habsburg zeigt Wien noch einmal, was sie hat

Olafur Eliasson New Berlin Sphere, 2009: Installationsansicht im Winterpalais, Wien, 2015 Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection, Vienna Bild: Anders Sune Berg © 2009 Olafur Eliasson

Olafur Eliasson New Berlin Sphere, 2009: Installationsansicht im Winterpalais, Wien, 2015
Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection, Vienna
Bild: Anders Sune Berg © 2009 Olafur Eliasson

Das Vestibül durchflutet die Lichtinstallation „Die organische und kristalline Beschreibung“ mit Wellen aus blauem und gelbem Licht, erschafft einen Ozean aus Farbe, der den Besucher magisch anzieht. „Yellow corridor“ lässt das Stiegenhaus im imperialen Glanz erstrahlen. Maschinen und Installationen wie etwa das „Kaleidoscope“, „New Berlin Sphere“, „Your welcome reflected“ und „Seu planeta compartilhado“ laden zum Schauen und Staunen. Ein Spiegel, der die Enfilade der Prunkräume durchzieht, wirft die Schönheit der barocken Räume zurück. Im Schlachtenbildersaal inszeniert „Wishes versus wonders“, ein an die Spiegelwand montierter Halbring aus Edelstahl, eine Illusion.

Ólafur Eliasson, der Meister der magischen Bilderwelten, ist in Wien. Das Belvedere präsentiert ab 21. November unter dem Titel „Baroque Baroque“ in der Kulisse des prunkvollen Winterpalais, Stadtresidenz des Prinz Eugen, einige seiner besten Kunst-Stücke. Gezeigt werden Werke der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (TBA21) und der Juan & Patricia Vergez Collection. Das Winterpalais war im barocken Wien ein Ort der Förderung der Künste und Wissenschaften. Hier will Eliasson mit  „Baroque Baroque“ ansetzen, mit einem Aufeinandertreffen von Kunstwerken, Ästhetiken und Weltanschauungen zweier zutiefst unterschiedlicher Epochen.

„Für mich ist inspirierend“, so der dänisch-isländische Künstler über die Ausstellung, „dass sich das Barock durch eine so große Offenheit auszeichnet – für fließende Übergänge zwischen Realitätsmodellen und der Realität an sich. Die Präsentation meiner Arbeiten im Winterpalais entstand aus der Überzeugung heraus, dass es möglich ist, Realität zu konstruieren; gestaltet nach unseren Träumen und Visionen und getragen von der Vorstellung, dass Konstrukte und Modelle genauso real sind wie alles andere.“ Wie im großen barocken Illusionstheater tritt auch Eliasson an, um sein Publikum zu verblüffen. Die Begegnung mit seiner Arbeit fordert die Wahrnehmungsgewohnheiten der Betrachter heraus und gibt Anstoß, die Wirklichkeit in ständiger Wandlung zu verstehen. Nichts bleibt, wie es war. In diesem Sinne sind Eliassons Werke Vanitas-Symbole – Luxus für alle Sinne, ohne moralisierende Absicht.

Im Winterpalais überraschen die Bezüge zwischen Eliassons Arbeiten und ihrem temporären Ausstellungsort. Sie ähneln einander in ihrem Spiel von Sein und Schein, und auch bezüglich ihrer Repräsentationspflichten. So entstand für diese Schau der Begriff des doppelten Barock – „Baroque Baroque“ -, der das Historische mit dessen Konstruktion überlagert. „Die Installationen von Ólafur Eliasson bilden eine nahezu perfekte Symbiose mit der barocken Opulenz des Winterpalais“, sagt Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco bei der Präsentation der Ausstellung am Donnerstag. „Man steht in einer Beziehung zum Raum; man sieht ihn, man bewegt sich in ihm oder tut irgendwas in ihm, und der Raum verfügt aufgrund seiner offenen Ideologie über die Fähigkeit, einem zu zeigen, dass man sich in ihm befindet“, erklärt Eliasson, der die Winterpalais-Besucher zur aktiven Teilnahme am Geschehen einlädt.

Erst kürzlich überlegte TBA21-Gründerin Francesca Habsburg öffentlich, ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst von Wien nach Zürich zu verlegen. Nach mehr als 20 Jahren in Österreich schien die in der Schweiz aufgewachsene Kunstmäzenin genug von der „Hinhalte-Taktik“ der Wiener Kulturpolitik zu haben. Ihre Hoffnungen auf eine eigene Kunsthalle im Quartier Belvedere beim neuen Wiener Hauptbahnhof hatten sich 2012 aufgrund fehlender politischer, wie auch finanzieller Bekenntnisse zerschlagen. In Wien fühle sie sich „nicht wertgeschätzt“ und „total unterfordert“, Gespräche seien „nicht zielführend“ verlaufen, ließ sie wissen, und dass sowohl Zürich als auch Venedig Interesse bekundet hätten. Nun zeigt Habsburg im Winterpalais eindrucksvoll, was Wien verlieren könnte. Ihr Statement zur Schau liest sich entsprechend: „Diese Ausstellung vereint einige Elemente, welche nicht nur die Vision der Sammler und deren Verantwortung zum Ausdruck bringen, sondern auch deren Fähigkeit, Kunstprojekte jenseits traditioneller Kategorien zu kreieren“, so Francesca Habsburg.

www.olafureliasson.net

www.tba21.org

www.belvedere.at

Wien, 19. 11. 2015

Winterpalais: Der Zorn der Eleonore Batthyány

März 26, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

In Abwesenheit des Prinzen Eugen

Der Zorn der Eleonore Batthyány Foto: Natascha Unkart, © Belvedere, Wien

Der Zorn der Eleonore Batthyány
Foto: Natascha Unkart, © Belvedere, Wien

Das neu renovierte Winterpalais, Barockjuwel im Herzen Wiens, bildet die einzigartige Kulisse für einen besonderen Theaterabend. Der Autor Erwin Riess hat mit „Der Zorn der Eleonore Batthyány“eine Begegnung des Prinzen Eugen mit seiner heimlichen Geliebten für die Bühne zum Leben erweckt. In einem Monolog gewährt Johanna Orsini-Rosenberg in der Rolle der Eleonore Batthyány Einblick in die politisch motivierten Intrigenspiele am Wiener Hof, die sich gegen den hochdekorierten Savoyer richten.

Regisseur Karl Baratta setzt das packende Psychogramm einer starken Frau in der männerdominierten Barockgesellschaft meisterhaft in Szene.

Am 2. April entführt Orsini-Rosenberg als charismatische „Lori“ erstmals an den originalen Schauplatz ihrer Zusammenkünfte mit dem Prinzen, ins Eugen’sche Winterpalais. Dort zieht sie Bilanz über ihre Beziehung zu  einem der erstaunlichsten Menschen jener Zeit. Autor Erwin Riess hat mit diesem Monolog tief in die Seele der Battyány geblickt, die heimliche Geliebte, Seelenverwandte und Gefährtin des Prinzen Eugen. Der sich mehr mehr für Gärten (und Gärtner?) als für Damen interessiert haben soll.

„Was immer geschieht: Heute noch werden Sie die Größe haben, mir Rede und Antwort zu  stehen! Über jene Frage, die seit Jahren in mir wohnt und doch nur als ein Blick, ein Hauch, ein Seufzen auf sich aufmerksam machte.“ Diese leidenschaftlichen Worte richtet Eleonore Gräfin Batthyány an Prinz Eugen von Savoyen, während dieser bei Kaiser Karl VI. eine Intrige der spanisch-katholischen Partei aufdeckt, die ihn zu vernichten droht. Die schöne Gräfin hat für  ihn spioniert und ihm das Material geliefert, die Anschuldigungen der Intriganten  zurückzuweisen. Eleonore ist zu diesem Zeitpunkt schon viele Jahre verwitwet und gilt als  emanzipierte und kultivierte Frau auf der Höhe ihrer Zeit. Ihr halbes Leben widmet sie der Nähe zu Eugen, zittert und triumphiert mit ihm in zahlreichen Gefahrensituationen seiner  Laufbahn. Sie blickt hinter die brillant komponierte Fassade der historischen Persönlichkeit auf  die Verletzlichkeit des Prinzen. Vor dem Hintergrund der politischen Krise verlangt sie von ihm  eine private Entscheidung. Für mehr als zwei Jahrzehnte ist sie die  heimliche Herrscherin des Reiches. Im Jahre 1719 kommt es zu jener berühmten Affäre, die beinahe mit der Vernichtung des Prinzen Eugen endet. Kaiser Karl VI. lässt Eugen und Eleonore bespitzeln. Ziel ist es, Eugen zu unterstellen, er sei Eleonore Batthyány hörig, und ihn dadurch als Politiker und Präsident der Geheimen Konferenz unmöglich zu machen. Die Entscheidung über die vorbehaltlose Rehabilitierung des Prinzen oder seine Vertreibung aus Österreich und den Verlust seines gesamten Vermögens drängt. Eugen wird vorgelassen, Eleonore jedoch in ein Kabinett verwiesen. Die Stunde des Wartens gerät ihr zu einer schonungslosen und leidenschaftlichen Abrechnung mit dem Prinzen und dem Kaiser.

www.belvedere.at

Wien, 26. 3. 2014