Volksoper: Onkel Präsident

Oktober 6, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Friedrich Cerhas nagelneue Farce nach Ferenc Molnár

Onkel Präsident Foto der UA_Renatus Mészár (c) Jochen Klenk„Die Gattung Komische Oper wird von Komponisten schon seit geraumer Weile vernachlässigt.“ Also sprach der große alte Herr der neuen Musik, Friedrich Cerha, und schuf Abhilfe: Gemeinsam mit dem Textdichter Peter Wolf machte sich Cerha an die „Musikalische Farce“, die unter dem Titel „Onkel Präsident“ im Vorjahr am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz in der Regie von Josef Ernst Köpplinger uraufgeführt wurde und nun an der Volksoper am 11. Oktober zur Österreichischen Erstaufführung gelangt. Auf der Basis von Ferenc Molnárs Bühnenstück „Eins, zwei drei“, das 1961 von Billy Wilder verfilmt wurde, zeichnet Cerha die Wandlung des Fahrradboten Josef Powolny zum Spitzenmanager mit Adelsprädikat. Der „Onkel“ Präsident, allmächtiger Chef eines Stahlkonzerns, zieht die Fäden, um einen präsentablen Ehemann für die Millionenerbin Melody Moneymaker zu „erfinden“. Friedrich Cerha hat eine an Tempo und musikalischen Anspielungen reiche Komödie geschaffen, die immer wieder die Kunstform Oper durch witzige Extempores auf die Schaufel nimmt. Eingerahmt wird die turbulente Handlung von der Zwiesprache des Präsidenten mit einem bejahrten Komponisten über Sinn und Unsinn der Oper. „In Ihrem Alter hatte Verdi den ,Falstaff‘ schon fertig“, meint der Präsident zu Anfang vorwurfsvoll, um schließlich zu resümieren: „Der ,Falstaff‘ ist ja doch nicht zu übertreffen.“ Da mag was dran sein, doch mit „Onkel Präsident“ ist dem mittlerweile 88-jährigen Siemens-Musikpreisträger Cerha ein vitales Lebenszeichen nicht nur seiner Kunst, sondern der verblasst geglaubten „Komischen Oper“ überhaupt gelungen. „Wie in allen meinen Opern geht es grundsätzlich um den Umgang mit Macht, um die Mechanismen ihres Funktionierens und darum, wie das Einzelindividuum darauf regiert“, sagt der Doyen der neuen Musik über seine musikalische Farce.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Alfred Eschwé. Renatus Mészár, der bereits bei der Uraufführung die Titelrolle sang, zieht auch an der Volksoper alle Register, um einen präsentablen Ehemann für die Millionenerbin Melody Moneymaker (Julia Koci) zu kreiieren. Den Komponisten gibt Walter Fink.

Friedrich Cerhas wird bei der Österreichische Erstaufführung seiner neuen Oper „Onkel Präsident“ an der Volksoper anwesend sein.

www.volksoper.at

Wien, 6. 10. 2014

Harald Serafin spielt Max von Mayerling

April 10, 2013 in Tipps

„Sunset Boulevard“ am Stadttheater Klagenfurt

Sunset Boulevard - Harald Serafin, Ensemble Bild: (c) Aljosa Rebolj

Sunset Boulevard – Harald Serafin, Ensemble
Bild: (c) Aljosa Rebolj

Für ihn muss es halt immer ein See sein. Wenn nicht mehr der Neusiedler-, dann eben der Wörthersee. Bis 23. Mai ist „Mr. Wunderbar“ Harald Serafin am Stadttheater Klagenfurt in der Rolle des Max von Mayerling zu sehen. Keine Sorge, er ist nicht in Uniform und das ist kein k.u.k.-Stück. Vielmehr brachte der neue Intendant Florian Scholz Andrew Lloyd Webbers Erfolgsmusical „Sunset Boulevard“ als österreichische Erstaufführung nach Kärnten. Max ist der Butler der alternden Stummfilm-Diva Norma Desmond, die im Tonfilm nicht mehr Fuß fassen kann, doch unerschütterlich an ein Comeback glaubt. Pleitier und Drehbuchautor Joe Gilles will sie zumindest zu einem solchen überreden. Es folgen: Affäre und Mord im Affekt. Ganz großes Kino! Aus dem Jahr 1950 von Billy Wilder mit Gloria Swanson, William Holden und Erich von Stroheim (als Max). Wilder gibt die nicht nur Hollywood betreffenden Themen Erfolgsdruck, Jugendwahn und unsichere Arbeitsverhältnisse beziehungsweise schnelles Karriereende als zeitlos vor. Und weil das Schillernde oft nur Illusion ist, war das Stoff natürlich wie geschaffen für Webbers große Musicalballaden.

Am Stadttheater Klagenfurt spielt Musical-Diva Susan Rigvava-Dumas (Wer erinnert sich nicht mehr an ihren spooky Auftritt als Haushälterin Ms. Denvers in der Vereinigten-Bühnen-Wien-Produktion von „Rebecca“?) die Nora Desmond, David Arnsperger den Joe Gillis. Musikalische Leitung: Mitsugu Hoshino, Regie: Patrick Schlösser. Die deutsche Übersetzung ist von Michael Kunze.

www.stadttheater-klagenfurt.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 10. 4. 2013

Alle meschugge?

März 18, 2013 in Ausstellung

Ausstellung über jüdischen Witz und Humor

Ab dem 20. März zeigt das Jüdische Museum Wien die Ausstellung „Alle meschugge?? Jüdischer Humor erobert die Welt“. Humor ist ein wesentlicher Bestandteil jüdischen Lebens. Er reflektiert das  innerjüdische Verhalten und spiegelt den Umgang mit einer oft feindseligen Umwelt.  Jüdischer Humor ist zumeist warmherzig und menschenfreundlich, nach dem  Holocaust aber auch zynisch und kohlrabenschwarz.

George Tabori, Ignaz Kirchner Bild: Jüdisches Museum Wien

George Tabori, Ignaz Kirchner
Bild: Jüdisches Museum Wien

Er umfasst ein breites  Spektrum von seinen Wurzeln in Osteuropa bis hin zu Ephraim Kishon in Israel sowie  den Marx Brothers, Billy Wilder, Mel Brooks oder Woody Allen in Hollywood.Dazwischen liegt die Hochblüte der Unterhaltungskultur in Wien und Berlin: Kabarett,  Revue und Film – oder Karl Farkas, Fritz Grünbaum, Hermann Leopoldi, Friedrich Hollaender, Kurt Tucholsky und Ernst Lubitsch; das „Simpl“ und das „Kabarett der Komiker“. Gemeinsam werden jüdische und nichtjüdische Stars vom NS-Regime  verfolgt – Ermordung im KZ oder Flucht ins Exil beenden diese ruhmreiche Ära. Doch sogar in Theresienstadt und anderen Lagern wird Kabarett gespielt. Lachen und Weinen: Wie anders könnte man sich des eigenen Untergangs erwehren, als mit Witzen, Songs, Conférencen, Liedern, frivolen Plaudereien, die am Grabesrand, an der Schwelle zur Todeszelle, von Profis der Kabarett-Kunst den Mit-Todes-Kandidaten dargeboten wurden. „Totentanz“ ist ein zu freundlicher Titel für ein solches Dokument. Fritz Löhner – Beda und Hermann Leopoldi schrieben das Buchenwaldlied.

Anders als Berlin kann das Wien der Nachkriegszeit an die jüdische Tradition des Humors anknüpfen,  dafür stehen Namen wie Georg Kreisler, Gerhard Bronner, Hugo Wiener und Karl Farkas. Und natürlich der große George Tabori mit Theatersatiren von „Mein Kampf“ bis „Die Goldberg-Variationen“.

www.jmw.at

Von Rudolf Mottinger

Wien, 18. 3. 2013