Weltmuseum Wien: Māori-Künstler George Nuku. Oceans. Collections. Reflections.

Juni 20, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Bottled Ocean 2122: Ein Meer aus Plastikflaschen

George Nuku. © KHM-Museumsverband

Das Weltmuseum Wien präsentiert ab 23. Juni die erste umfassende Ausstellung des Māori Künstlers George Nuku. Zu sehen sind Installationsprojekte in den Sonderausstellungsräumlichkeiten des Weltmuseums Wien, eine Installation in der Säulenhalle sowie die kostenlos zugängliche Präsentation „Bottled Ocean 2122“ im Theseustempel. George Nukus Installationsprojekt erstreckt sich über neun Galerien des Weltmuseums. Es beginnt in der Säulenhalle und nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise durch mehrere Ausstellungsräume.

Damit verbunden ist eine Intervention in der Schausammlung des Weltmuseums Wien, die den Sammlungen aus Ozeanien gewidmet ist. Nuku gesellt dazu Sammlungen aus dem Naturhistorischen Museum Wien und dem Museum aan de Stroom in Antwerpen. Diese werden mit Nukus eigenen, aus Plexiglas und Polystyrol handgeschnitzten Kunstwerken verbunden und verschmolzen. Das Ergebnis ist eine Reise durch Zeit und Raum. Jeder Saal präsentiert ein eigenes Thema, eine Welt für sich, und doch ist jeder von ihnen eng mit den vorhergehenden und nachfolgenden verbunden.

Screenshot: George Nuku Awards 2019. © The Designers Institute of New Zealand

Screenshot: George Nuku Awards 2019. © The Designers Institute of New Zealand

Screenshot: George Nuku Awards 2019. © The Designers Institute of New Zealand

Die Ideen und Werke Nukus bringen die Untrennbarkeit von Natur und Kultur zum Ausdruck. Es geht darin um Themen wie die Beziehungen zwischen Museen und Ursprungsgemeinschaften, um Rückführung, Dekolonisierung, die Versöhnung zwischen den Parteien und schließlich um Wege in die Zukunft. Das in Wien präsentierte Projekt kann als bisheriger Höhepunkt in Nukus Karriere gesehen werden, die sich über mehr als 120 Großprojekte weltweit erstreckt, und als Ausdruck seines anhaltenden Wunsches, seinen gesammelten Erfahrungsschatz mit allen Betrachtenden gleichermaßen zu teilen.

Screenshot: George Nuku Awards 2019. © The Designers Institute of New Zealand

George Nuku: Bottled Ocean 2122 im Theseustempel. © KHM-Museumsverband

Screenshot: George Nuku Awards 2019. © The Designers Institute of New Zealand

Screenshot: George Nuku Awards 2019. © The Designers Institute of New Zealand

„Bottled Ocean 2122“ im Theseustempel

Im Theseustempel stellt George Nuku die neueste Version seines KonzeptsBottled Ocean“ vor. Wie der Titel andeutet, handelt es sich um eine Idee, die 100 Jahre in der Zukunft liegt. Eine Vision des Lebens im Ozean, das aufgrund der Verbreitung von Kunststoffen, die die Meereswelt beeinträchtigen, völlig mutiert ist. Die Kulisse ist ein versunkener Unterwassertempel. Die Wände sind gesäumt von geschnitzten Darstellungen von Gottheiten, die Wasser, Luft, Erde, Feuer, Wind und Meer repräsentieren, durchsetzt mit Meereswächtern. Im Unterwassertempel schwimmen mutierte Plastikversionen von Rochen, Haien, Hochseefische und Quallen inmitten von Korallenriffformationen aus Plastik. Die leeren Plastikflaschen, die sich in Lebewesen von giftiger Schönheit verwandelt haben, verzaubern und beunruhigen durch Nukus Darstellung der Umweltverschmutzung als künstlerischen und kulturellen Schatz. Die zugrundeliegende Botschaft ist die eines Wandels: Die Menschen müssen ihre Beziehung zu jenem Material ändern, das sie schufen und das nun jeden Teil der Welt durchdringt.

George Nuku im Theseustempel. © KHM-Museumsverband

Über den Künstler: George Nuku, geboren 1964, ist ein Künstler aus Aotearoa in Neuseeland. Er ist Māori schottischer und deutscher Abstammung. Seine Werke reichen von filigranen, handgeschnitzten Amuletten aus Perlen, Jade, Knochen und Plastik bis hin zu lebensgroßen Stein- und Plexiglasskulpturen sowie mehrstöckigen Installationen aus Polystyrol von Māori-Halbgöttern und Helden der polynesischen Kultur. Er führt eine 1000-jährige, von seinen Vorfahren überlieferte Kunsttradition fort, die das Leben zu erweitern und das Überleben zu verbessern verspricht.

Zu sehen bis 31. Jänner 2023.

www.weltmuseumwien.at           Video „George Nuku Awards 2019“ – Der Künstler im Interview und Impressionen von „Bottled Ocean 2118“: www.youtube.com/watch?v=oBido2mwbUc

20. 6. 2022

Jüdisches Museum Wien: Love me Kosher

Juni 19, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Ausstellung auch anlässlich des Pride Month

Chassidim in Love, 2018. Bild: © Benyamin Reich

Das Jüdische Museum Wien zeigt ab 22. Juni die Ausstellung „Love me Kosher“. Im Judentum nehmen Liebe und Sexualität anders als in anderen Religionen einen hohen Stellenwert ein. Dass der Anfang des Lebens eine zwischenmenschliche Beziehung voraussetzt, proklamiert schon die Tora: „Gott segnete Adam und Eva und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret Euch und erfüllet die Erde.“

Sexualität ist somit ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Dass beide Partner dabei Glücksgefühle empfinden, gilt als Pflicht. Die jüdischen Schriften sehen im erfüllten Sexualleben eine Voraussetzung für eine glückliche Ehe.

Venus As A Boy, 2007. Bild: © Benyamin Reich

Die Ausstellung befasst sich ausgehend vom paradiesischen Zustand nach der Erschaffung der Welt. Über die Betrachtung von Liebe und Sexualität im Tanach, die Rolle der Schadchan, heißt: Heiratsvermittler, bis hin zu Soziologin und Sexualtherapeutin Ruth Westheimer mit den Diskussionen im modernen Judentum zu Partnerschaft und LGBTIQ-Themen. „Love Me Kosher“ präsentiert mittels spannender Objekte aus den Sammlungen des Jüdischen Museums Wien und Leihgaben verschiedener nationaler und internationaler Institutionen Einblicke in eine sinnliche und beglückende Welt. Die Schau ist kuratiert von Direktorin Danielle Spera, Daniela Pscheiden und Julia Windegger.

Zu sehen bis 13. November.

www.jmw.at

19. 6. 2022

Kibbutz Klub. Bild: © Gregor Hofbauer

Abby Stein, 2017. Bild: © B. Reich

Mikwe I, 2002. Bild: © Benyamin Reich

Plakat, Weltliga für Sexualreform Kongress in Wien, 1930. © ÖNB

Reproduktion eines Reklameblattes der Firma Schering für Progynon. Weibliches Cyklushormon nach Prof. Steinach, Wien. © Jüdisches Museum Wien

Mikwe, Bedikah, Fleischmarkt, Wien, 2017*. Bild: © Ouriel Morgensztern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* Die Mikwe ist das traditionelle Tauchbad, das nicht zur täglichen, sondern zur spirituellen Reinigung gedacht ist. Verheiratete Frauen, die streng nach Vorschrift der Tora leben, suchen die Mikwe nach jeder Menstruation und nach jeder Entbindung auf, um sich nach den blutenden Tagen reinzuwaschen. Denn während eine Frau blutet, ist sie Nidda – sie ist unrein und muss sich von ihrem Mann abgrenzen. Nidda bedeutet wörtlich übersetzt Abgrenzung. Eine Bedikah ist ein Baumwolltuch, mit dem die Frau mittels selbst durchgeführtem Einführen in den Vaginalkanal überprüft, ob sie noch oder schon blutet – dazu ist sie an Tagen, an denen ihre Periode vorherzusehen ist, verpflichtet.

Kunst Haus Wien: Teach Nature

Juni 13, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zur Eröffnung gibt’s ein Sommerfest in der Grätzloase

© Akademie der bildenden Künste Wien © Freja Gøtke

Das Kunst Haus Wien zeigt ab 15. Juni die Ausstellung „Teach Nature“. Für die Gruppenausstellung setzen sich Studierende der Akademie der bildenden Künste mit der Bedeutung von Natur für die Kunstproduktion auseinander. Inspiriert wurden ihre Arbeiten durch Besuche österreichischer Nationalsparks und Gespräche mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Parkbetreuerinnen und Parkbetreuern.

Ausgangspunkt der Beschäftigung der Studierenden war die sogenannte „Rote Liste“, also die stetig steigende Anzahl der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Österreichs. Simone Bader, Mona Hahn, Roland Kollnitz, Nora Schultz und Heimo Zobernig standen den Studierenden  als Lehrende der Fachbereiche Bildhauerei | Raumstrategien, Bildhauerei und Installation, sowie Kunst im öffentlichen Raum begleitend zur Seite. In regelmäßigen Treffen wurden die Zusammenhänge der in und mit der Natur gesammelten Eindrücke und deren Bedeutung für die Kunstproduktion diskutiert und Bezüge zur künstlerischen Arbeitsmethodik hergestellt.

Die künstlerischen Ergebnisse sind Interventionen im Innen- und Außenbereich der Garage des Kunst Haus Wien sowie im Café: Skulpturen, Malerei, Drucke, Videos und Performances. Zu den Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland zählen Vik Bayer, Anna Bochkova, Karolin Brägger, PYO E, Bianca Phos, Emma Hummerhielm Carlén, Kristina Cyan, Nana Dahlin, Freja Gøtke, Yoko Gwen Halbwidl,  Jusun Lee, raúl i. lima und Bob Schatzi Hausmann.

Zu sehen bis 2. Oktober.

Sommerfest im Kunst Haus Wien

© Akademie der bildenden Künste Wien © Bob Schatzi Hausmann

© Akademie der bildenden Künste Wien © Freja Gøtke

Zur Eröffnung der Ausstellung „Teach Nature“ und der neu installierten grünen Grätzloase lädt das Kunst Haus Wien zum Sommerfest am Dienstag, 14. Juni ab 18 Uhr. An diesem Abend ist auch die Fotografie- ausstellung „Wenn der Wind weht“ bei freiem Eintritt zu besichtigen. Es gibt es sommerliche Cocktails, Grillköstlichkeiten und Eis sowie feine Beats von den DJs Juliana Lindenhofer und Gerald Moser im begrünten Innenhof und der Grätzloase des Kunst Haus Wien.

Programm:

18 Uhr: Eröffnung Ausstellung „Teach Nature“
18.45 Uhr: “This basic nature” von Florian Hofer
17.30 – 20 Uhr: DJ Gerald Moser
20 Uhr: Performance/Konzert von Nana Dahlin
20.30 – 22 Uhr: „Du musst nicht alles wissen / Says the ruling class“ DJ- Set von Juliana Lindenhofer
18 -21 Uhr Ausstellung „Wenn der Wind weht“

Food & Drinks:

Lammwürste vom Grill mit Wiederkehr Brot von Ströck
Sommerliche Cocktails von der Eden Bar
Eis von Ramelle in der Grätzloase *

* Das begrünte Parklet des Kunst Haus Wien wurde von Designer Robert Rüf gestaltet und besteht aus massiver Lärche und Seekiefer-Sperrholz. Für die Bepflanzung wurde der Fokus auf essbare, Kräuter und bienenfreundliche Pflanzen gelegt. So findet sich in der Grätzloase zum Beispiel Lavendel, Salbei, Griechischer Bergtee, Minze, Petersilie und Gewürztagetes.

Der Eintritt zum Sommerfest ist frei!
Um Anmeldung wird gebeten: HIER ANMELDEN

Welttag des Windes: 1+1 gratis ins Museum

Kunst Haus Wien. Bild: © Rudolf Strobl

Zum Welttag des Windes am 15. Juni, 10 bis 18 Uhr, erhalten Besucherinnen und Besucher zu jedem Vollpreisticket ein weiteres Ticket gratis dazu. Im Kontext der Klimakrise spielen sowohl Luftverschmutzung und Stürme als auch die Windkraft als erneuerbare Energiequelle eine wesentliche Rolle. Ursprünglich als Aktionstag der Windenergie ausgerichtet, dient er nun zur Bewusstseinsbildung zu alternativer Energieformen, Ökologie und Umweltschutz. Um 17 Uhr startet eine Führung durch die Fotoausstellung Wenn der Wind weht. Die Teilnahme ist ebenfalls gratis.

www.kunsthauswien.com

13. 6. 2022

Kultursommer Wien 2022 – Open Call für KünstlerInnen

März 18, 2022 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Bewerbung ab sofort bis 3. April

Bild: pixabay.com

Ab sofort können sich Künstlerinnen und Künstler aus diversen Sparten der darstellenden Kunst beim Kultursommer Wien 2022 bewerben. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren wird an etwa 40 Standorten in der ganzen Stadt von Anfang Juli bis Mitte August ein umfangreiches Repertoire aus verschiedenen Sparten der darstellenden Kunst wie Theater, Kabarett, Tanz, Literatur, Zirkus, Performance und Musik vorgestellt.

Ein Kinder- und Familienprogramm wird ebenso angeboten wie eine Konzertreihe für Pensionistinnen und Pensionisten in den Häusern zum Leben. Bei freiem Eintritt sind Wienerinnen, Wiener und alle in Wien weilenden Personen eingeladen, das Open-Air-Programm zu besuchen. Künstlerinnen und Künstler können sich ab sofort bis einschließlich 3. April 2022 unter www.kultursommer.wien mit ihren Projekten bewerben. Ein Künstlerisches Board wählt die Beiträge aus, die zum Festival eingeladen werden.

In diesem Jahr setzt sich dieses zusammen aus: Peter Blau (Kabarett), Nadine Abena Cobbina (Elektronische Musik & Experimental), Sebastian Fasthuber und Barbi Marković (Literatur), Antonia Grüner (Klassik, World, Jazz), Yasmin Hafedh (Pop, Rock, Hip-Hop), Anne Juren und Cat Jimenez (Tanz & Performance), Arne Mannott (Zeitgenössischer Zirkus & Objekttheater), Martin Thomas Pesl (Theater), Susanne Rosenlechner (Wiener Lied, Schlager, Volksmusik, Austropop), Lucas Vossoughi und Martin Schlögl (Konzerte für PensionistInnen in den Häusern zum Leben).

Neben den Hauptspielzeiten am Abend wird am Vormittag ein Familienprogramm angeboten. Als Spielorte dienen öffentliche Parks und Plätze sowie Gärten von PensionistInnenheimen.

Bild: pixabay.com

Bild: pixabay.com

Bild: pixabay.com

Bild: pixabay.com

www.kultursommer.wien

18. 3. 2022

Architekturzentrum Wien: Serious Fun

März 13, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Mord in Puppenhäusern und phallische Skylines

© MärchenHaft, Sabine Bloch Fotokünstlerin, 2005–2006

Klassische Architekturspiele kennt man, von Bauklötzen, die zu gewagten Gebäuden werden, bis zu Brettspielen, auf denen die Spielenden um räumlichstrategische Vorteile rittern. Aber welche architektonischen Erzählungen stecken in Puppenhäusern, nach welchen Leitlinien wachsen Städte in Computerspielen und welche Gebäude bieten EgoShootern Schutz vor einem Angreifer?

Die Ausstellung „Serious Fun“ im AzW zeigt und hinterfragt ab 17. März Architekturspiele. Sie lädt zum Staunen, Spielen und Nachdenken ein. Architekturspiele sind Teil des kulturellen und technischen Erbes. Sie sind aus Holz (ich habe meinen Matador aus den 1970er-Jahren noch!), Metall oder Karton, andere werden auf Computern oder Konsolen gespielt.

Hybride Varianten machen aus der Stadt selbst ein Spiel und öffnen Schnittstellen zu parallelen Welten. Architekturspiele sind aber auch Teil der Sozialgeschichte. Als ausdrucksstarke Form der populären Kultur vermitteln sie, wie die Menschen gebaute Umwelt wahrnehmen und wie sie sie sich anders vorstellen könnten. Im Gegensatz zu bildlichen Darstellungen, die man auf Distanz betrachtet, entfalten Spiele einen stark immersiven Charakter: Wer an einem Spiel teilnimmt, wird selbst Teil des Spiels.

Diese mitreißende Kraft ist ambivalent. Einerseits laden die Miniaturen dazu ein, die Entwicklung von Gebäuden, Städten oder Situationen mitzubestimmen, zu denen man in der Realität keinen Zugang hätte. Deshalb sind Spiele auch zum beliebten Instrument in Beteiligungsprozessen geworden. Andererseits sind es die Entwicklerinnen und Entwickler, die den Verlauf und das Ergebnis der Spiele beeinflussen oder manipulieren. Ihre Entscheidungen bauen nicht nur Welten, sondern auch Weltanschauungen.

Die Ausstellung präsentiert Spiele und Reflexionen über Spiele. Die Exponate, viele davon interaktiv, stammen von ArchitektInnen, KünstlerInnen und SpieleentwicklerInnen. Dabei wird der Blick immer wieder auf spezifische, manchmal merkwürdige, oft innovative Aspekte von Architekturspielen gelenkt. Welche Utopien, Dystopien evozieren sie, welche Werte und Ideen vermitteln, kritisieren oder bestätigen sie? Welche Orte, Themen und Lebensweisen bleiben normalerweise außer Betracht und welche Spiele füllen solche Lücken?

Die Besucherinnen und Besucher können Stadtrundgänge durch Computerspiele machen, virtuell am Londoner Immobilienmarkt mitspielen, sie erleben Puppenhäuser als schaurige Dramolette oder emanzipatorische Erzählungen, sie können in einem rein akustischen Videospiel die räumliche Erfahrung von Blinden nachempfinden oder gemeinsam mit anderen klimafitte Stadtviertel bauen. Die Ausstellung „Serious Fun“ lädt zum Spielen und Nachdenken ein. Sie ermöglicht das Eintauchen in bekannte und unbekanntere Spiele, regt aber auch dazu an, sich zu distanzieren und einen kritischen Blick auf die Welt der Spiele und ihre gebauten Welten zu werfen. Spiele können Architektur feiern und banalisieren, Welten eingrenzen und entgrenzen. Sie arbeiten nicht nur mit Architektur, sie halten ihr auch einen Spiegel vor.

© London Developers Toolkit, You+Pea, 2015

© Isometric Screenshots / Picknick-Szene aus „The Sound of Music“, Jon Haddock, jhaddock at whitelead.com, 2000

© Critical Blocks, Maykel Roovers, 2012

Zu den hier abgebildeten Projekten:

MärchenHaft. Puppenhäuser, schräge Typen und dolle Dinge, Sabine Bloch, 20052006. Fotokünstlerin Sabine Bloch konstruiert in ihren Montagen, die auf Fotografien basieren, komplexe Beziehungsräume, die sich oft erst auf den zweiten Blick erschließen. In der Serie „MärchenHaft führt sie vor Augen, wie sehr die idyllischen Szenerien von Puppenhäusern eine heile Welt vorgaukeln. Wer nicht wegschaut, wird mit Gräueltaten und Tragödien konfrontiert.

London Developers Toolkit. Sandra Youkhana & Luke Caspar Pearson (You+Pea), 2015. Die satirische App untersucht die aufkeimende Skyline phallisch anmutender Wohntürme in London. Sie fordert die Benutzerinnen und Benutzer auf, aus vorangefertigten, ikonischen Teilen einen eigenen, megalomanen Wolkenkratzer zusammenzustellen und dazu aufdringliches Werbematerial zu gestalten, das anschließend gedruckt werden kann.

Picknick-Szene aus „The Sound of Music“. Jon Haddock, jhaddock at whitelead.com, 2000. Teil einer Serie von 20 Zeichnungen aus einer isometrischen Perspektive im Stil eines Computerspiels. Thema jeder Zeichnung sind ikonische kulturelle Momente. Historische Ereignisse wie die Ermordung von Dr. Martin Luther King Jr. im Lorraine Motel mischen sich mit fiktiven wie der Picknick-Szene aus „The Sound of Music“.

Critical Blocks. Maykel Roovers, 2012. Produktdesigner Roovers entwarf einen Baukastensatz, der sonst nie Teil der Modellbauwelt wird: ein Atomkraftwerk, eine Megafarm und eine Großwohnanlage, die durch Autobahnen miteinander verbunden sind. Für den Designer verkörpern sie essentielle Elemente heutiger Architektur und Raumplanung. Großmaßstäbliche Architektur wird durch die Spielklötze abstrahiert und der Kontrast zwischen der Härte dieser stadtplanerischen Bauten und der spielerischen Kinderwelt, die Freundlichkeit und grenzenlose Möglichkeiten vorgaukelt, betont.

Zu sehen bis 5. September.

www.azw.at

13. 3. 2022