Die Albertina öffnet am 27. Mai ihre beiden Häuser

Mai 23, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

The Beginning reloaded

Christian Ludwig Attersee: Torte mit Speisekugeln und Speiseblau, 1967. Albertina, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Bildrecht, Wien, 2020

Endlich ist es so weit! Die Albertina öffnet am 27. Mai nicht nur ihr Stammhaus am Albertinaplatz, sondern auch die Albertina Modern im Künstlerhaus. Die Ausstellung zum dortigen Opening „The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980“ bietet mit 400 Kunstwerken erstmals einen Überblick über die Kunst Österreichs in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Schau präsentiert die wichtigsten Positionen an der Schwelle zur Postmoderne – vom Wiener Phantastischen Realismus über die frühe Abstraktion, den Wiener Aktionismus, die kinetische und konkrete Kunst sowie die österreichische Spielvariante der Popart bis zu dem für Wien kennzeichnenden gesellschafts- kritischen Realismus. Gemeinsam sind den Künstlerinnen und Künstlern dieser Zeit die radikale Ablehnung von Autorität und Hierarchie.

Die Kritik an der Verdrängung vergangener Schuld und die kompromisslose Zurückweisung eines reaktionären Kunstverständnisses, das weit über 1945 hinaus in Österreich als Ideal gilt. Gegen dieses Ideal verstoßen die Schreckensbilder des frühen Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Die Wiener Aktionisten von Otto Mühl bis Günter Brus und Hermann Nitsch spielen darauf an, während die Abstrakten, Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky dagegen anmalen. Die gesellschaftskritischen Realisten von Alfred Hrdlicka über ReimoWukounig bis Gottfried Helnwein verfluchen dieses Ideal und Wiens Speerspitze der Art Brut von Franz Ringel bis Peter Pongratz verspottet es.

VALIE EXPORT: Aktionshose: Genitalpanik, 1969/2001. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2020

Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston, 1965. Wien Museum © Alfred Hrdlicka-Archiv

Maria Lassnig: Woman Power, 1979. Albertina, Wien –The Essl Collection © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien, 2020

Aber auch die Künstlerinnen, die ab den späten 1960er-Jahren den Konflikt der Geschlechter zum Ausgangspunkt ihrer widerständigen Kunst machen, bekämpfen das reaktionäre Ideal. Die Aktionistin VALIE EXPORT und die spätere feministische Avantgarde, von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack, sind es nicht nur leid, sich von Männern repräsentieren und darstellen zu lassen. Sie beziehen auch Position gegen ein Männerbild, das immer noch von den Geschlechterrollen, Zwängen und Tabus des Austro-Faschismus und Dritten Reichs bestimmt ist.

So ergibt sich für diese Ausstellung eine Epochengrenze, die über die Besatzungszeit hinausreicht, und der erst mit den 1980er-Jahren ein anderer, ein neuer Abschnitt der Kunstgeschichte gegenübersteht. 2021 wird mit „The Eighties“ dieser neue Abschnitt ebenfalls zum Gegenstand einer großen Ausstellung in der Albertina Modern … weiter auf: www.mottingers-meinung.at/?p=38755

Wilhelm Leibl: Das Mädchen mit der Nelke, um 1880. © bpk / Staatl. Kunsthalle Karlsruhe / Annette Fischer / Heike Kohler

Daniel Hopfer: Tod und Teufel überraschen zwei Frauen, 1500–1510. The Metropolitan Museum of Art, New York

Da es außerdem gelungen ist, von allen Leihgebern die Zustimmung zu einer Verlängerung der im März bereits nach zwei Wochen geschlossenen Ausstellungen im Stammhaus zu erhalten, kann die Albertina im Sommer die Retrospektive über den wichtigsten Maler und Zeichner des deutschen Realismus, „Wilhelm Leibl. Gut sehen ist alles!“, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37602, ebenso zeigen wie die Geschichte der frühen Radierung von Dürer bis Bruegel, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37976.

Während der Schließung wurden auch die Schausammlungen der klassischen Moderne neu aufgestellt, in denen nun die Sammlung Batliner einen Dialog mit erstmals gezeigten Hauptwerken von Kandinsky bis Picasso aus der Schweizer Sammlung Othmar Huber eingeht. Die Schausammlung an Kunst der Gegenwart wurde um wichtige Gemälde amerikanischer Kunst erweitert.

www.albertina.at

23. 5. 2020

Das MAK öffnet am 1. Juni: Show Off und Otto Prutscher

April 29, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Neu kommt die Pop-Up-Schau „Creative Climate Care“

Andreas Kronthaler for Viv. Westwood, Advertising Campaign, FW 18/19. © Juergen Teller

Das MAK nimmt den Museumsbetrieb mit 1. Juni wieder auf. Am Pfingstmontag werden sämtliche aktuellen Sonderausstellungen, allen voran die Großausstellungen „Show Off. Austrian Fashion Design“ und „Bugholz, Vielschichtig. Thonet und das moderne Möbeldesign“, wieder geöffnet. Am 16. Juni folgt die neue Ausstellung „Raimund Abraham. Angles and Angels. Zeichnungen Modelle Prototypen“. Außerdem wird das gesamte MAK Design Lab

inklusive des Projekts „Helmut Lang Archiv: Eine Intervention von Helmut Lang“ wieder zugänglich sein. Ebenfalls Mitte Juni startet ein Zyklus von Pop-up-Ausstellungen zum Thema „Creative Climate Care“. Die Schau „Die Frauen der Wiener Werkstätte“ muss aufgrund verlorener Produktionszeiten ins nächste Jahr, 21. April bis 3. Oktober 2021, verschoben werden.

Mit dem neuen Zyklus „Creative Climate Care“ will das MAK mit Blick auf die vielen Dimensionen der Krise ein besonderes Signal setzen: In Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst Wien entwickeln junge Kreative Pop-up-Ausstellungen zum Thema Klimawandel und Klimaschutz. Im MAK Forum stellen sie ab 16. Juni die Frage: Was können wir aus der Corona-Krise für die Zukunft lernen? und laden die Besucherinnen und Besucher ein, mit ihren Ideen zu dieser stetig wachsenden Ausstellung beizutragen.

Show Off. Austrian Fashion Design: Mode von Gernreich bis Kronthaler und Kutoglu

Ab 1. Juni wird das MAK wieder zur Bühne für die herausragendsten zeitgenössischen Modepositionen designed/ made in Austria. Als erste umfassende Großausstellung ihrer Art lädt „Show Off. Austrian Fashion Design“ auf multiplen Ebenen zur Auseinandersetzung mit österreichischer Mode im internationalen Kontext. Gast-Kuratorin Ulrike Tschabitzer-Handler inszeniert gemeinsam mit Gast-Co-Kurator Andreas Bergbaur und Brigitte Winkler als wissenschaftlicher Beraterin eine außergewöhnliche Fashion-Zeitreise in spektakulärem Setting:

Raumgreifende Installationen von Architekt Gregor Eichinger bilden den Rahmen für einen Parcours durch die österreichische Modeavantgarde von den 1980er-Jahren bis heute. Herzstück der Schau ist eine überdimensionale, sechseinhalb Meter hohe, leichte und offen strukturierte Skulptur im zentralen Raum der MAK-Ausstellungshalle. Begehbar auf mehreren Ebenen, erlaubt sie eine unmittelbare Begegnung mit etwa 250 Modeobjekten: Bekleidung, Schuhe, Taschen sowie Schmuck-Accessoires von etwa 60 Designerinnen und Designern. Die transparente Architektur lässt 360°-Einblicke auf die Exponate zu.

Maximilian Rittler, Rock Me Amadeus, 2019. Makeup Enzio Costa. Model Sieme, Visagemodelszürich. © Laura Knipsael

Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood, Advertising Campaign, FW 17/18. © Juergen Teller

Gewagte Kettenkreation: AND_I, Triangle dress, RAW SS 20, 2019. © Felix Vratny

Revolutionäre Entwürfe von zwei der prägendsten Modeikonen bilden das Entrée zu diesem Zentrum der Ausstellung: Rudi Gernreich, Amerikaner österreichischer Herkunft, dessen Entwürfe aus Los Angeles Ende der 1970er-Jahre den weltweiten Zugang zur Mode revolutionierten, und Helmut Lang, in New York lebender Mode-Star und Künstler mit österreichischen Wurzeln, stehen als Vorbilder für das Potenzial der heimischen Modeszene.

Großflächige Prints von 34 Modefotografinnen und -fotografen lenken flankierend dazu den Blick auf die visuelle Ausdruckskultur von Mode. Viele der vertretenen Lichtbildner, darunter Elfie Semotan, Andreas H. Bitesnich, Jakob Lena Knebl, Lukas Gansterer oder Erwin Wurm, arbeiten im internationalen Kontext und haben dazu beigetragen, österreichisches Modedesign international zu verankern. Teilnehmende Designerinnen, Designer und Labels sind unter anderem Andreas Kronthaler, Atil Kutoglu, Lena Hoschek, Michel Mayer, Petar Petrov, Demian, Ludwig Reiter, Macchu Picchu, Marina Hoermanseder, Maximilian Rittler, Peter Pilotto, Thomas Kirchgrabner, Ute Ploier und Wendy&Jim … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=37994

Otto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne: Das Œuvre des Dianabad-Designers

Otto Prutscher: Interieur des Café Ronacher, Schottenring, Wien I., Wien, 1913. Bild: © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Otto Prutscher in einem Sessel von Josef Zotti, 1913. Bild: Karl Ehn. © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Otto Prutscher: Detail des Warmwasserbeckenraums im Dianabad, Wien, 1913/14. Bild: © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Siebzig Jahre nach seinem Tod und zwanzig Jahre nach der letzten großen Ausstellung in Wien beleuchtet das MAK das Werk von Otto Prutscher neu. Die Ausstellung „Ootto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne“ verdeutlicht ab 1. Juni erneut die mannigfachen Rollen, die Prutscher als Architekt und Designer, Ausstellungsgestalter, Lehrer und Mitglied aller wichtigen Reformkunstbewegungen – von der Secession bis zur Wiener Werkstätte und dem Werkbund – für die Entwicklung der Wiener Moderne spielte. Ausgewählte Beispiele aus seinem komplexen Œuvre dokumentieren seine jahrzehntelange einflussreiche Rolle als Entwerfer und Berater für die bedeutendsten Kunstgewerbefirmen seiner Zeit.

Trotz seiner Schaffenskraft und Vielseitigkeit wurde das Werk des großen Kunstgewerblers und Architekten bis dato nicht entsprechend gewürdigt. Prutschers Vermächtnis umfasst unter anderem mehr als 50 Bauwerke, Villen, Wohnhäuser, Portale, etwa 50 Ausstellungen, die er künstlerisch und organisatorisch gestaltete oder mitgestaltete, circa 170 Einrichtungen, mehr als 300 Entwürfe von Einrichtungen sowie mehr als 200 Einzelmöbel und Garnituren. Eine großzügige Schenkung von 139 Entwürfen, Objekten in Silber, Glas und Keramik sowie Möbeln durch die Sammlerin Hermi Schedlmayer nimmt das MAK zum Anlass für diese Personale … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=36287

MAK: „Sitzen 69“ Revisited: Tischlersessel vs. Designklassiker

Josef Frank: Armlehnsessel, Wien, 1933. Bild: © MAK/Nathan Murrell

Wolfgang J. Haipl: Sessel, Wien, 1963. Bild: © MAK/Georg Mayer

Franz Schuster: Armlehnsessel, Nr. 1652, Wien, 1952. Bild: © MAK/Nathan Murrell

Bunte, poppige Möbel und Design-Ikonen wie den Panton Chair von Werner Panton oder den Fauteuil Galaxy von Walter Pichler stellt das MAK ebenfalls wieder ab 1. Juni in der Ausstellung „Sitzen 69“ Revisited traditionellen hochwertigen „Tischlersesseln“ gegenüber. 1969 präsentierte das Österreichische Museum für angewandte Kunst in der Möbelausstellung „Sitzen 69“ gediegene „Tischlersessel“ aus Skandinavien, Italien, Deutschland und Österreich. Sitzgelegenheiten, die heute für die Epoche charakteristisch sind, fehlten damals allerdings.

Zum 50-Jahr-Jubiläum dieser Ausstellung greift das MAK das Thema nochmal auf und vergleicht die aus Holz und in Handarbeit von Tischlern gefertigten Sessel mit verspielten und verrückten Möbelobjekten, die zum Inbegriff der alternativen und utopischen Wohnkonzepte der 1960er-Jahre wurden. Mit etwa 45 Objekten bietet die Schau in der MAK-Schausammlung Historismus Jugendstil einen Einblick in die zeitgenössische Konsumgüterproduktion der 1960er-Jahre … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=36028

mak.at

29. 4. 2020

Belvedere: Teilweise Wiedereröffnung ab 15. Mai

April 24, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Into The Night und Herbert Brandl

Rudolf Schlichter: Damenkneipe, circa 1925, (Detail). © Privatsammlung

Das Belvedere beginnt seine Wiedereröffnung am 15. Mai mit der Ausstellung „Into the Night“ im Unteren Belvedere. Das Belvedere 21 startet am 1. Juni mit den beiden laufenden Ausstellungen von Herbert Brandl und Eva Grubinger, die bis in den Herbst verlängert werden. Der Museumsbetrieb im Oberen Belvedere wird mit 1. Juli wieder aufgenommen, mit der Schausammlung, mit Renate Bertlmann und dem Meister von Mondsee.

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Into the Night. Die Avantgarde im Nachtcafé: Willkommen, Bienvenue, Welcome!

Kabaretts, Clubs und Cafés waren bis in die 1960er-Jahre die Treffpunkte der Moderne, boten sie doch Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform für kreativen Ideenaustausch und wandelten sich so in Orte, an denen tabubrechende neue Ausdrucksformen ihren Anfang nahmen. Aus Perspektive dieser alternativen Szenen erzählt „Into the Night. Die Avantgarde im Nachtcafé“ im Unteren Belvedere und in der Orangerie vom dortigen Geschehen ab den 1880er-Jahren.

In Wien war es das 1907 von Protagonisten der Wiener Werkstätte gegründete und ausgestattete Kabarett Fledermaus, das den Übergang vom Secessionismus zum Expressionismus markierte. In Paris nahm das Chat Noir mit seinem Schattentheater in den 1880ern die Kinokultur vorweg. Im Zürcher Cabaret Voltaire wurde Dada gegründet. Der von Giacomo Balla designte Nachtclub Bal Tic Tac und das von Fortunato Depero entworfene Cabaret del Diavolo in Rom waren Brutstätten des Futurismus. Das minimalistische Design des Café L’Aubette in Straßburg stammte zum Teil von Theo van Doesburg, dem Mitbegründer von De Stijl. Im Berlin der Zwischenkriegszeit befeuerte die vibrierende Energie der Nachtclubs die Künstlerinnen und Künstler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit wie Otto Dix, Jeanne Mammen oder Elfriede Lohse-Wächtler.

Elfriede Lohse-Wächtler: Ausblick im Nachtlokal, 1930. © Privatsammlung, Berlin

Karl Hofer: Tiller Girls, vor 1927. © Kunsthalle Emden – Stiftung Henri und Eske Nannen

Erna Schmidt-Carroll: Chansonette, 1928. Privatsammlung © Nachlass Erna Schmidt-Caroll

Die Schau durchbricht bewusst die Grenzen eines eurozentristischen Blickwinkels. Thematisiert werden nicht nur die bekannten Schauplätze der Avantgarde, sondern auch das Café de Nadie in Mexiko-Stadt oder die Harlem-Renaissance in New Yorker Jazzclubs der 1920er- und 1930er-Jahre, deren Stammbesucher sich im Kampf gegen Rassismus engagierten. Den Schlusspunkt der Ausstellung bildet der 1966 in Teheran eröffnete Künstlerclub Rasht 29.

Die Besonderheiten der Ausstellung: Architektonische Rekonstruktionen machen die kreative Atmosphäre der Schauplätze neu erlebbar. Im Unteren Belvedere wird das Schattenspiel des Café Chat Noir wieder lebendig. Susanne Wengers Fassadengestaltung für den Mbari Mbayo Club in Oshogbo wurde ebenso nachempfunden wie die Wandbemalungen von Uche Okeke für den Mbari Artists and Writers Club in Ibadan, beide in Nigeria. In der Orangerie werden der Kino- und Tanzsaal des Café L’Aubette wie auch der berühmte Barbereich mit Mosaikfliesen aus dem Wiener Kabarett Fledermaus nachgebaut … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=38050

Herbert Brandl. Exposed To Painting: Blow-up-Bilder einer bedrohten Natur

Mit seinen großformatigen Bilderwelten zählt Herbert Brandl zu den erfolgreichsten österreichischen Malern der Gegenwart. Das Belvedere 21 präsentiert sein Œuvre mit dem Schwerpunkt auf Arbeiten der vergangenen beiden Jahrzehnte bis hin zu Werken, die der Künstler eigens für die Ausstellung schafft.

Das Naturmotiv dominiert das Werk Brandls und tritt vielfältig in Erscheinung. Mit Gebirgsbildern und -panoramen, die den Blick ins Monumentale öffnen, sowie „Zoom-ins“ und „Blow-ups“ von Bächen und Wasserläufen wechselt er zwischen Nah- und Fernsichten auf die Natur. Sein Werk changiert dabei zwischen figurativen und abstrahierenden Tendenzen, bis hin zur starken Abstraktion. Brandl denkt Natur in ihrer ursprünglichen Form, das heißt im Sinne von organisch und anorganisch Selbstgewachsenem, das ohne jeglichen Eingriff durch den Menschen entsteht und besteht. In einzelnen Werkgruppen nimmt sich der Künstler auch bedrohter Naturgebiete an. Diese Arbeiten lassen sich wie empathische Bestandsaufnahmen eines exponierten, in seinem Fortbestehen gefährdeten Naturraums lesen. Sie proklamieren ein Idealbild von unberührter Natur, das es in der Realität zu verteidigen gilt … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=37590

www.belvedere.at

24. 4. 2020

Herbert Brandl: Ohne Titel, 2001. Privatsammlung, Wien. Galerie nächst St. Stephan R. Schwarzwälder, Wien, Bild: Markus Wörgötter

Herbert Brandl: Ohne Titel, 2005. Bärbel Grässlin, Frankfurt am Main, Bild: Wolfgang Günzel

Die Albertina öffnet am 27. Mai ihre beiden Häuser, das Kunsthistorische Museum startet zu Pfingsten

April 23, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

The Beginning reloaded & Pay As You Wish

Christian Ludwig Attersee: Torte mit Speisekugeln und Speiseblau, 1967. Albertina, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Bildrecht, Wien, 2020

Endlich ist es so weit! Die Albertina öffnet am 27. Mai nicht nur ihr Stammhaus am Albertinaplatz, sondern auch die Albertina Modern im Künstlerhaus. Die Ausstellung zum dortigen Opening „The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980“ bietet mit 400 Kunstwerken erstmals einen Überblick über die Kunst Österreichs in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Schau präsentiert die wichtigsten Positionen an der Schwelle zur Postmoderne – vom Wiener Phantastischen Realismus über die frühe Abstraktion, den Wiener Aktionismus, die kinetische und konkrete Kunst sowie die österreichische Spielvariante der Popart bis zu dem für Wien kennzeichnenden gesellschafts- kritischen Realismus. Gemeinsam sind den Künstlerinnen und Künstlern dieser Zeit die radikale Ablehnung von Autorität und Hierarchie.

Die Kritik an der Verdrängung vergangener Schuld und die kompromisslose Zurückweisung eines reaktionären Kunstverständnisses, das weit über 1945 hinaus in Österreich als Ideal gilt. Gegen dieses Ideal verstoßen die Schreckensbilder des frühen Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Die Wiener Aktionisten von Otto Mühl bis Günter Brus und Hermann Nitsch spielen darauf an, während die Abstrakten, Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky dagegen anmalen. Die gesellschaftskritischen Realisten von Alfred Hrdlicka über ReimoWukounig bis Gottfried Helnwein verfluchen dieses Ideal und Wiens Speerspitze der Art Brut von Franz Ringel bis Peter Pongratz verspottet es.

Aber auch die Künstlerinnen, die ab den späten 1960er-Jahren den Konflikt der Geschlechter zum Ausgangspunkt ihrer widerständigen Kunst machen, bekämpfen das reaktionäre Ideal. Die Aktionistin VALIE EXPORT und die spätere feministische Avantgarde, von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack, sind es nicht nur leid, sich von Männern repräsentieren und darstellen zu lassen. Sie beziehen auch Position gegen ein Männerbild, das immer noch von den Geschlechterrollen, Zwängen und Tabus des Austro-Faschismus und Dritten Reichs bestimmt ist.

VALIE EXPORT: Aktionshose: Genitalpanik, 1969/2001. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2020

Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston, 1965. Wien Museum © A. Hrdlicka-Archiv

Maria Lassnig: Woman Power, 1979. Albertina, Wien –The Essl Collection © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien, 2020

So ergibt sich für diese Ausstellung eine Epochengrenze, die über die Besatzungszeit hinausreicht, und der erst mit den 1980er-Jahren ein anderer, ein neuer Abschnitt der Kunstgeschichte gegenübersteht. 2021 wird mit „The Eighties“ dieser neue Abschnitt ebenfalls zum Gegenstand einer großen Ausstellung in der Albertina Modern … weiter auf: www.mottingers-meinung.at/?p=38755

Da es außerdem gelungen ist, von allen Leihgebern die Zustimmung zu einer Verlängerung der im März bereits nach zwei Wochen geschlossenen Ausstellungen im Stammhaus zu erhalten, kann die Albertina im Sommer die Retrospektive über den wichtigsten Maler und Zeichner des deutschen Realismus, „Wilhelm Leibl. Gut sehen ist alles!“, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37602, ebenso zeigen wie die Geschichte der frühen Radierung von Dürer bis Bruegel, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37976.

Während der Schließung wurden auch die Schausammlungen der klassischen Moderne neu aufgestellt, in denen nun die Sammlung Batliner einen Dialog mit erstmals gezeigten Hauptwerken von Kandinsky bis Picasso aus der Schweizer Sammlung Othmar Huber eingeht. Die Schausammlung an Kunst der Gegenwart wurde um wichtige Gemälde amerikanischer Kunst erweitert.

Wilhelm Leibl: Die Dorfpolitiker, 1877. KM Winterthur, Stiftung O. Reinhart © SIK-ISEA, Zürich, Lutz Hartmann

Daniel Hopfer: Tod und Teufel überraschen zwei Frauen, 1500–1510. The Metropolitan Museum of Art, New York

Kunsthistorisches Museum: Museum für alle – Pay As You Wish

Das Kunsthistorische Museum startet Ende Mai zu Pfingsten. Museen müssen offen sein – wann immer es geht. Wir freuen uns sehr, dass wir aufgrund der ermutigenden Covid-19-Prognose und den positiven Signalen aus der Politik bereits zu Pfingsten Ende Mai wieder öffnen können. Als besondere Willkommens-Geste begrüßen wir unsere Gäste im Juni mit der Aktion „pay as you wish“: Damit kann jeder und jede die Höhe des Eintrittspreises selbst bestimmen“, so Generaldirektorin Sabine Haag in einer Aussendung.

Wichtig sei jetzt, so Haag weiter, Planungssicherheit darüber zu erlangen, wie der Museumsbesuch vonstatten gehen darf, wieviel Platz jeder braucht, um sich nicht anstecken zu können, wie viele Menschen in einem Saal sein dürfen. Die finanzielle Seite zeigt sich gleichermaßen unsicher. Die Einnahmen des bisher wirtschaftlich erfolgreichen Museumsverbands sind von einem Tag auf den anderen auf null gefallen. Fixkosten wie Miete, Instandhaltung, Restaurierung, Bewahrung und Wartungskosten laufen freilich unverändert weiter. Nun hofft man auf eine verbindliche Zusage der dringend benötigten finanzielle Absicherungen seitens der Politik.

Wenn sich alle Ungewissheiten aus der Welt schaffen ließen und die Öffnung auch aus wirtschaftlicher Sicht verantwortungsvoll vorgenommen werden kann, wäre das für Sabine Haag ein großer Lichtblick, denn: „Wir vermissen den Museumsbetrieb und unsere Gäste sehr.“

www.albertina.at           www.khm.at

23. 4. 2020

Die Kammerspiele glänzen wieder

Oktober 16, 2013 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Eröffnung mit „Catch Me If You Can“

 

Catch Me If You Can - Das Musical Rasmus Borkowski (Frank Abagnale Jr.) Bild: © Astrid Knie

Catch Me If You Can – Das Musical
Rasmus Borkowski (Frank Abagnale Jr.)
Bild: © Astrid Knie

Wiedereröffnung nach dem Umbau: Bald glänzen die Kammerspiele wieder. Nach 5 Monaten Umbau wird die traditionsreiche, beliebte Bühne in der Wiener City wieder fürs Publikum geöffnet – und es ist ein modernes Theater geworden, das großartige Möglichkeiten für urbane intelligente Unterhaltung bietet. Am 23. Oktober ist es so weit! Dann geht ein weiterer Traum von Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger in Erfüllung: „Die Bühne der Kammerspiele wurde vergrößert, das Sitzplatzangebot verbessert, wir haben die sicherheits- und bühnentechnischen Gegebenheiten erneuert, den Komfort für das Publikum erhöht, die Arbeitsbedingungen auf und hinter der Bühne für die Mitarbeiter entscheidend verbessert. Meine Vision von einem großstädtischen Theater auf neuestem technischen Stand hat sich erfüllt“, ist Hausherr Föttinger stolz. Dabei waren die finanziellen und die technischen Herausforderungen gewaltig. Es wurde unter enormen Termindruck und unter schwierigsten bautechnischen Gegebenheiten gearbeitet Von Mai bis Oktober 2013 tummelten sich auf der gewaltigen Baustelle in der Rotenturmstraße bis zu 50 Firmen und 130 Bauarbeiter gleichzeitig. Das 12 Millionen Euro Projekt wird zu 70 Prozent von der Josefstadt aus Spendengeldern und Donationen finanziert. Nur 30 Prozent der Baukosten übernimmt die öffentliche Hand. Für die Eröffnung ist ein ganz besonderer Coup gelungen: die Europäische Erstaufführung des Broadway-Musicalerfolgs „Catch Me If You Can“ nach Wien in die Rotenturmstraße zu holen, wo es Werner Sobotka, der Meister der flotten Musicalkunst, inszeniert.

Europäische Erstaufführung
Premiere am 24. Oktober 2013, Kammerspiele der Josefstadt
Based on the DreamWorks Motion Picture
Buch: Terrence McNally
Musik: Marc Shaiman
Liedtexte: Scott Wittman & Marc Shaiman
Deutsch von Werner Sobotka

„Catch Me If You Can – Das Musical“ (2011, Uraufführung am Broadway) basiert – wie der gleichnamige Kinofilm von Steven Spielberg aus dem Jahre 2002 mit Leonardo DiCaprio und Tom Hanks – auf einer wahren Begebenheit: Die Handlung dreht sich um die abenteuerliche Erfolgsstory des Scheckfälschers und Hochstaplers Frank W. Abagnale Jr., der sich in den 1960ern mittels Scheinidentitäten erfolgreich durchs Leben schwindelte, bis ihn das FBI schließlich schnappte und nach seinem Gefängnisaufenthalt bis heute ein wichtiger Berater des FBI ist.

Baustellen-Video: http://youtu.be/HZeEfasV5tI

www.josefstadt.org

Wien, 16. 10. 2013