WestLicht: Völlig losgelöst

April 23, 2014 in Tipps

VON RUDOLF MOTTINGER

Die Geschichte der Weltraumfotografie

Infrarot-Bild des Helixnebels, Spitzer Weltraumteleskop, 2007  Bild: © NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

Infrarot-Bild des Helixnebels, Spitzer Weltraumteleskop, 2007
Bild: © NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

WestLicht wagt sich in die unendlichen Weiten des Weltalls! Anhand von 150 spektakulären Fotografien gibt die Ausstellung einen einzigartigen Überblick über die Geschichte der Weltraumfotografie: von frühen schwarz-weiß Aufnahmen vorbeiziehender Kometen aus dem 19. Jahrhundert über das erste Foto der Erdkugel vor dem samtschwarzen Hintergrund des Universums bis zu den farbgesättigten Bildern, die moderne Hochleistungsteleskope aus den Tiefen unserer Galaxie liefern.

In einer noch nie gesehenen Klarheit zieht bei „Völlig losgelöst. Die Geschichte der Weltraumfotografie“ etwa der gewaltige Saturn mit seinen Ringen vorüber, die Raumsonden „Galileo“ und „Voyager 2“ konnten sensationelle Bilder vom Jupiter, dem größten Planeten unseres Sonnensystems, auf die Erde senden und natürlich kann jeder Besucher auf den zahlreichen Aufnahmen vom roten Planeten Mars nach extraterrestrischem Leben suchen.

Aber der Blick stößt noch tiefer in die Unendlichkeit des Alls vor: Sterne und ferne Planetensysteme, Galaxien, Sternennebel, Supernovas und sogar Schwarze Löcher, Pulsare und Quasare geben eine faszinierende Ahnung von den unvorstellbaren Dimensionen des Universums.

Schon seit ihren Anfängen hat die Menschheit mit Erstaunen in das Firmament geblickt. Frühe Zivilisationen beobachteten den Nachthimmel mit bloßem Auge, die Entwicklung des Teleskops im 17. Jahrhundert erlaubte es Forschern wie Galileo Galilei, die Erscheinungen des Himmels mit zunehmender Detailschärfe zu betrachten. Mit der Erfindung der Fotografie in den 1830er-Jahren ließen sich diese Beobachtungen schon bald im Bild bannen, bewahren und mit anderen teilen.

Die Ausstellung zeigt zugleich den beeindruckenden technischen Fortschritt in der Beobachtung des Weltalls und der Himmelskörper. Längst hat sich die Weltraumfotografie von den erdbasierten Teleskopen weit hinaus in den Weltraum gewagt. Aufnahmen in verschiedenen Wellenlängen, von Röntgen- bis zu Radiowellen, erlauben sichtbar zu machen, was unserem Auge sonst verborgen bliebe. Dies alles hat wichtige neue Erkenntnisse über unseren Planeten Erde, seinen Platz im Sonnensystem und im gesamten Universum geliefert.

Kuratiert von Jay Belloli für California/International Arts Foundation, Los Angeles, Kalifornien.

www.westlicht.com

Wien, 23. 4. 2014

World Press Photo 13

September 2, 2013 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Ab 6. September im Westlicht

Bild: Paul Hansen

Bild: Paul Hansen

Es ist ein Bild, das man nicht mehr vergisst! So urteilte die Jury über das aktuelle World Press Photo des Jahres: Es zeigt eine Gruppe von Männern zwischen Wut und Trauer, die auf ihren Händen die in Tücher gewickelten Leichen zweier Kinder tragen. Der schwedische Fotograf Paul Hansen hat diese Szene am 20. November 2012 in Gaza Stadt aufgenommen.  Die Männer mit den toten Kindern sind zu einer Begräbniszeremonie in die Moschee unterwegs, dahinter, auf einer Bahre, wird der Leichnam des Vaters getragen, der so wie seine Söhne starb, als bei einem israelischen Raketenangriff das Haus der Familie zerstört wurde.

Seit 1955 lädt der Vorstand der World Press Photo Foundation, einer unabhängigen Plattform des Fotojournalismus mit Sitz in Amsterdam, zur Teilnahme am World Press Photo-Wettbewerb ein. Eine jährlich wechselnde, aus 19 Mitgliedern bestehende internationale Jury beurteilt die Einsendungen von FotografInnen, Agenturen, Zeitungen und Magazinen aus aller Welt. Die ausgezeichneten Einzelaufnahmen und Fotoserien lassen das vergangene Jahr als Ikonen der Zeitgeschichte Revue passieren und zeigen auf eindringliche Weise Ereignisse aus den Bereichen Politik, Kultur, Sport und Natur. So erzählt auch die beeindruckende Fotoserie des Dänen Jan Grarup – Gewinner in der Kategorie Sport Feature Fotoserien – ein Stück Weltgeschehen des Jahres 2012. Sie wirft einen ungewöhnlichen Blick auf das Leben im seit Jahrzehnten vom blutigen Bürgerkrieg gebeutelten Somalia. Grarup zeigt die Spielerinnen der somalischen Frauenbasketball-Nationalmannschaft in Mogadischu. Obwohl die von der UNO unterstütze somalische Regierung die Kontrolle über die Stadt wieder erlangt hat, sind immer noch der Al-Qaida nahestehende militante Gruppen in Mogadischu aktiv. Laut den Gesetzen der Scharia ist Frauen Sport verboten. Als Strafe drohen etwa das Abschneiden der rechten Hand oder des linken Fußes. Doch trotz dieser Gefahren, trotz Morddrohungen und Repressionen spielen die Frauen weiter. Jan Grarup wird am 6. September, 19 Uhr, im Fotomuseum WestLicht in einem Vortrag von seiner Arbeit berichten.

Für dieses Jahr haben 5.666 FotografInnen aus 124 Ländern 103.481 Bilder eingesandt. Die Jury vergab Preise in neun Themenkategorien an 54 Positionen aus 33 Ländern: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Iran, Italien, Jordanien, Kanada, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Palästina, Peru, Polen, Portugal, Russland, Serbien, Südafrika, Spanien, Schweden, Schweiz, Tschechien, Türkei, USA und Vietnam. Nach den Richtlinien von World Press Photo müssen die Fotos des Jahres von „großer fotojournalistischer Bedeutung“ sein und sich durch „außerordentliche Qualität der visuellen Perzeption und Kreativität“ auszeichnen. Wesentliche Kriterien sind demnach neben dem Nachrichtenwert eines Bildes die spezifische Wahrnehmung und Herangehensweise der FotografInnen. Jährlich sehen mehr als drei Millionen Menschen in 45 Ländern die World Press Photo-Wanderausstellung. 2012 hatte sie bei WestLicht über 22.000 BesucherInnen. Heuer findet die Ausstellung hier bereits zum zwölften Mal statt.

Das Jahrbuch mit allen preisgekrönten Arbeiten ist nicht nur Ausstellungskatalog, sondern auch ein eigenständiges, spannendes Zeitdokument.

DAS BUCH ZUR AUSSTELLUNG
WORLD PRESS PHOTO 13
Till Schaap Edition, 160 Seiten, deutsch, 22,8 x 29,4 cm, broschiert. Bestellungen unter bookshop@westlicht.com

www.worldpressphoto.org

www.westlicht.com

Wien, 2. 9. 2013