KHM Wien: Wes Anderson and Juman Malouf – Spitzmaus Mummy in a Coffin and Other Treasures

November 3, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Filmemacher und seine Frau gestalten eine Schau

Wes Anderson & Juman Malouf in der Gemäldegalerie des Kunsthistorisches Museums Wien. Bild: © KHM-Museumsverband

Im Rahmen einer Reihe, die 2012 mit Ed Ruscha und 2016 mit Edmund de Waal begann, hat das Kunsthistorische Museum den vielfach ausgezeichneten US-amerikanischen Filmemacher Wes Anderson und seine Frau Juman Malouf, gefeierte Autorin und Kostümbildnerin, eingeladen, eine Ausstellung mit Objekten und Werken aus allen Sammlungen des Kunsthistorischen Museums zu kuratieren. Die Aufgabenstellung war dabei so einfach wie herausfordernd:

Die beiden durften mehr als vier Millionen Objekte durchstöbern – sowohl solche, die öffentlich ausgestellt sind, als auch jene, die in den weit verzweigten Museumsdepots verborgen sind – und aus all diesen ihre Favoriten auswählen. „Spitzmaus Mummy in a Coffin and Other Treasures“ ist nun ab 6. November im Haus zu sehen. Die Schau wird Werke aus allen vierzehn Sammlungen zeigen: der Gemäldegalerie, der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung, der Antikensammlung, der Kunstkammer, der Hofjagd- und Rüstkammer, der Sammlung alter Musikinstrumente, des Münzkabinetts, der Kaiserlichen Wagenburg, dem Weltmuseum, dem Theatermuseum, der Bibliothek und aus Schloss Ambras Innsbruck. Zudem werden Objekte aus dem Naturhistorischen Museum zu sehen sein. Dies ist die erste von Wes Anderson und Juman Malouf kuratierte Ausstellung.

Trailer: www.youtube.com/watch?time_continue=4&v=X81rMpdwf0s

www.khm.at

3. 11. 2018

Berlinale: Grand Budapest Hotel

Februar 3, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Wes Andersons Komödie ist der Eröffnungsfilm

Gustave H. (Ralph Fiennes), Zero Moustafa (Tony Revolori), Madame D. (Tilda Swinton) Bild: © 2013 Fox Searchlight

Gustave H. (Ralph Fiennes), Zero Moustafa (Tony Revolori), Madame D. (Tilda Swinton)
Bild: © 2013 Fox Searchlight

Ralph Fiennes, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe,  Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Tilda Swinton, Owen Wilson. Das ist eine Auswahl der Stars, die sich in Wes Andersons jüngstem Streich „Grand Budapest Hotel“ tummeln. Die Komödie wird am 6.  Februar als Weltpremiere  die  64.  Internationalen Filmfestspiele Berlin im Wettbewerb eröffnen und Mitte März in die Kinos kommen. Die Produktion  erzählt  im  typischen  Wes-Anderson-Stil  von Gustave H. (Fiennes), dem legendären Concierge  eines  berühmten europäischen Hotels, und seinem Hotelpagen und Protegé  Zero  Moustafa. Zur Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, als  Europa sich im Umbruch befindet, schweißen  die  Turbulenzen  und  Abenteuer rund um den Diebstahl eines wertvollen  Renaissance-Gemäldes  und  der Streit  um  ein  großes  Familienvermögen die beiden zusammen. Angesiedelt in einem fiktiv-nostalgischen (osteuropäischen) Kurort der Republik Zubrowka schuf Anderson eine märchenhafte Post-Belle Epoque-Welt in satten Farben. Unter denen Nationalsozialismus-Braun und Kommunismus-Rot nicht fehlen. Er habe sich, sagt der Regisseur im Interview, von den Screwball-Comedies der 1930-Jahre ebenso inspirieren lassen wie natürlich von Stefan Zweig. So entstand Andersons ureigene Welt von gestern.“Ich habe in der Vorbereitung aber auch Hannah Arendts ‚Eichmann in Jerusalem‘ und ‚Suite Française‘ von Irène Némirovsky gelesen. Obwohl beide Bücher nicht unmittelbar mit meinem Film zu tun haben, lieferten sie mit ihren scharfen Politanalysen den historischen Subtext.“

Als Anderson die Figur des Gustave H. schuf, hatte er als Darsteller bereits Ralph Fiennes im Hinterkopf. Der zeigt sich nun als konfus-chaotischer Concierge nicht nur von seiner besten schauspielerischen Seite, sondern auch äußerst angetan von der Zusammenarbeit: „Ich liebe den bittersüßen Unterton des Films. Er ist so distinguiert. Wes gelingt ein ungewöhnlicher Mix aus Leichtigkeit, schweren Themen und heftigen Emotionen. Sein Sinn für Humor, sein Blick auf die Welt sind einzigartig“, sagt er. Und über seine Rolle: „Gustave ist wie ein Fleisch gewordener Schlüssellochblick auf die ,gute, alte Zeit‘ während sich diese gerade verabschiedet.“ Für Action im Film sorgt das Ableben der 84-jährigen Komtesse Madame Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis, genannt Madame D., gespielt von der fabelhaften Tilda Swinton. Damit nämlich beginnt das Hauen und Stechens um angeblich immense Erbe. Es treten auf Adrien Brody als sinistrer Bösewicht-Sohn der Verblichenen, dessen Gefolgsmann Willem Dafoe – der sich „wie in einen Lubitsch- oder Billy-Wilder-Film zurückversetzt“ fühlte – und Militärpolizeichef Albert Henckels, gespielt von Edward Norton. Letzterer lobt nicht nur die Arbeit vor der Kamera, sondern auch die Stimmung dahinter: „Wes schafft es am Set eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Wir kamen uns vor, als wären wir tatsächlich Mitglieder der von ihm erfundenen Gesellschaft der gekreuzten Schlüssel, in der Concierges aus den besten Hotel in aller Welt versammelt sind, die dem des Mordes an der Komtesse verdächtigten Gustave zu Hilfe eilt.“ Norton lacht. Das wird bald auch das Publikum. Denn Wes Anderson gelang einmal mehr ein Film für Herz und Hirn, zum Nach-Denken und Er-Spüren, ein Nachweis dafür, dass der tiefste Ernst in der luftigsten Komödie steckt.

www.berlinale.de

www.grandbudapesthotel.com

Trailer: www.youtube.com/watch?v=1Fg5iWmQjwk

Wien, 3. 2. 2014