Volkstheater: Wer hat meinen Vater umgebracht

November 16, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Im Blaumann über die Gelbwesten debattieren

Eddys Abrechnung mit dem Vater wandelt sich bei Édouard zur politischen Anklage: Sebastian Klein, Peter Fasching, Julia Kreusch, Birgit Stöger. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Dies zum ersten Jahrestag der Gelbwestenbewegung zu schreiben, ist wohl einer jener Zufälle, die es bekanntlich nicht gibt. Gestern erst standen die Gilets jaunes, heißt: deren Darsteller, auf der Bühne des Volkstheaters, heute wartet Frankreich gespannt darauf, ob sich die Wut der Westen neu entfacht. Nichts nämlich hat sich im Macron’schen Machtbereich zum Besseren entwickelt, seit Édouard Louis vergangenen Dezember öffentlich erklärte „Wer eine Gelbweste beleidigt,

beleidigt meinen Vater“, und die Xeno- wie Homophoben in den Protestreihen damit entschuldigte, dass sie „etwas Richtiges und Radikales verkörpern“ und es dank ihres Mouvement endlich eine Kraft gebe, die der herrschenden Klasse Angst einjage. In der entsprechenden Theaterszene sagt Louis diese Sätze in einer Talkshow, von deren Moderator mit blödsinnigen Fragen terrorisiert, währenddessen von den Geistern seiner Vergangenheit drang- saliert. „Schwuchtel“ und Schlimmeres raunen ihm die Strichmännchen-Masken gefährlich zu, ein Flashback im Fernsehstudio, der aus dem zum Bestsellerautor avancierten Édouard wieder den verspotteten, verprügelten Eddy Bellegueule, aus dem Pariser Intellektuellen wieder den Prekariatssohn aus der Picardie macht.

Es sind Regisseurin Christina Rast und Dramaturgin Heike Müller-Merten, die unter dem Titel „Wer hat meinen Vater umgebracht“ Louis‘ gleichnamiges Essay mit dessen Debütroman „Das Ende von Eddy“ unterfüttert haben, und derart die autobiografische Auseinandersetzung Eddy/ Édouards mit dem Vater zwischen der aggressiven, von Abscheu geprägten Abrechnung des Erstlings und der politisch scharfsinnigen Gesellschaftsanalyse der 70-Seiten-Schrift pendeln lassen – die so entstandene Collage nunmehr am Freitag mit Louis‘ Segen zur deutschsprachigen Erstaufführung gebracht, die Produktion mit ihrem sozialkritischen Ansatz, Politisches sei gleich privat und umgekehrt, perfekt fürs Haus und von dessen Publikum bei der Premiere auch heftig akklamiert.

„Wäre dieses Buch ein Theaterstück, würden ein Vater und ein Sohn in einem großen, leeren Raum stehen, mit einigen Metern Abstand zwischen ihnen. Sie sehen sich kaum an, bisweilen berühren sich ihre Körper, aber sie bleiben voneinander isoliert. Der Sohn erzählt die Geschichte seines Vaters, für die der Vater keine Worte hat.“ Louis‘ Text beginnt mit diesen Zeilen, die sich Rast zum Leitfaden ihrer Inszenierung erkoren hat. Die Figur des Eddy/Édouard verteilt sie auf fünf Schauspieler, Peter Fasching, Sebastian Klein, Julia Kreusch, Sebastian Pass und Birgit Stöger, die gemeinsam die diversen Puzzleteile von Louis‘ Persönlichkeit zu seinem Ganzen machen.

Birgit Stöger mit Vaterpuppe. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Sebastian Pass in Pailletten. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Peter Fasching als Mutter. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Gibt Klein mehr den sensiblen Denker, Fasching eher den kopfgesteuerten Künstler, ist Kreusch eindeutig Eddy aus kindlicher Perspektive, spielt Stöger den Polit- und Pass den Schwulenaktivist, dies alles hier zu einfach formuliert und im Spiel nie so simpel transportiert, ergeben sich daraus dennoch die verschiedenen Annäherungsversuche an den Vater. Dieser ist zu verstehen als omnipräsente Großbaustelle, als Leerfläche für die psychologische Projektion – und bei Rast umgesetzt als riesige Puppe, ein Arbeiterklassenkollektivkörper, ein gigantischer Sandsack, der am ebensolchen Tisch mutmaßlich volltrunken zusammengesunken ist und später nur mit Mühe herumgeschleppt werden kann.

Leichenweiß, die Augen blinde X-e, der Mund mit vier Stichen zugenäht, dokumentiert die Puppe des Vaters Leben als ein langsames Sterben. In der Fabrik zum schwerkranken Wrack geschuftet, wird er arbeitslos und zum Alkoholiker, ein von andauernden Schmerzen geplagter Sozialhilfeempfänger, wird ein Teil des politischen Systems Armut. Im erst symbolträchtig „gewalt“-igen Elternhaus, dann vorm Flaschenzug-Gerüst, das Bühnenbild von Franziska Rast, die Kostüme von Sarah Borchardt, ereignet sich weniger Handlung, als ein Anschlagen von Thesen, die Pose ein Hessel’sches „Empört euch!“, auch wenn sich Louis bevorzugter auf seinen Freund und Philosophen Didier Eribon oder den Soziologen Pierre Bourdieu rückbezieht – bei seinem Aufzählen der Vatermörder: Chirac, Sarkozy, Hollande, Hirsch …

„Emmanuel Macron stiehlt dir das Essen direkt vom Teller“, heißt es an einer Stelle. Dabei hält das Ensemble Politikerporträts hoch, und wie sich die Bilder bis Österreich gleichen. Blaumann tragen die Darsteller nun allesamt, und schildern, was es mit der von Sarkozy erfundenen Allocation d’aide au retour à l’emploi auf sich hat, die den invaliden Vater zu einem Job als Straßenkehrer zwingt, „buckeln trotz ruinierter Wirbelsäule“ nennt das der Sohn, oder was Macrons Kürzung der Wohnbeihilfe um „nur“ fünf Euro für deren Bezieher bedeutet. Und weil Édouard Louis‘ Eltern die Fronten vom sozialistischen Proletariat zu Le Pens Front National gewechselt haben, bekommt auch die Linke Schelte ab, nämlich ihre ureigenste Klientel mitten im Klassenkampf im Stich gelassen, Louis wörtlich: „verrraten“, zu haben.

Birgit Stöger beklagt das Opfer aus der Arbeiterklasse. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Kränzewerfen beim imaginären Begräbnis. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Die Talkshow: Sebastian Klein, Sebastian Pass und Peter Fasching. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Die Gelbwesten gehen auf die Straße. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Bemerkenswert ist, wie Rast und Team die Kurve vom Pamphlet zur Bühnentauglichkeit kratzen. Mit teils surrealen Albtraumsequenzen, teils comichaft witzigen Episoden, mit poetischen Momenten, bitterem Spott und picksüßer Ironie macht Rast Louis‘ Text theatral. Da singt Sebastian Pass in Pupurpailletten gewandet Celine Dions „Parler à mon père“, Birgit Stöger mit französischem Schmelz in der Stimme Charles Aznavours „Du lässt dich gehen“, klettert Peter Fasching in Mutters Fatsuit-Schürze auf Vaters Schoß, bevor Stöger sie zur schrill kreischenden Furie umfunktioniert, werden Trauerkränze im Kreis geworfen, will der Bruder den Vater totprügeln, weil er der Mutter verboten hat, ihrem Ältesten weiter Geld für Drogen zuzustecken.

Als Pass‘ Eddy wie eine Diva discotanzt und der Vater ostentativ wegschaut, outet ihn Stögers Mutter als früher ebenfalls „heiße Sohle“, seinen Männlichkeitswahn als letzte verzweifelte Selbstbehauptung, seinen Arbeiterstolz als erste Bekundung seiner Scham. Dass frauenfeindliche oder rassistische Sprüche, wie finanziell unabhängige Frauen seien ganz sicher frigide und lesbisch oder alle Araber bevorzugten perverse Sexpraktiken, unwillkürlich zum Lachen verleiten, liegt im hohen Maß am fabelhaften Spiel der beiden. Der Schluss ist auf der Bühne so versöhnlich wie im schmalen Band, indem sich der Vater beim Sohn entschuldigt, er, der Jahrzehnte lang Ausländer und Homosexuelle für alles Faule im Staate Frankreich verantwortlich machte, hinterfragt jetzt die eigenen Werte. Er akzeptiert das politische Engagement des Sohnes, sogar dessen Schwulsein und erkundigt sich ernsthaft interessiert nach dessen Lebenspartner.

Eine Gefühls- und Gesinnungswende um 180 Grad mit Vaters abschließendem Satz: „Ich glaube, was es bräuchte, das ist eine ordentliche Revolution“. Ein kluger, aufwühlender und nachdenklich stimmender Theaterabend mit einem glänzend agierenden Ensemble. Diese Aufführung ist eine Sternstunde fürs Volkstheater.

www.volkstheater.at

TIPP: Édouard Louis‘ „Im Herzen der Gewalt“ am Schauspielhaus Wien, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=36095

  1. 11. 2019

Burgtheater: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

September 18, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ehe-Exzess auf Scherbenhaufen

Noch verläuft die Party gesittet: Norman Hacker als George, Nora Buzalka als Honey, Bibiana Beglau als Martha und Johannes Zirner als Nick. Bild: Andreas Pohlmann / Burgtheater

Als dritte Premiere seiner Amtszeit übersiedelte Martin Kušej seine 2014er-Inszenierung von Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ vom Münchner Resi ans Burgtheater. Wohl kaum ein Theatergeher, der’s nicht schon gesehen hat, dies Ehe-Gemetzel, für das ein älteres Paar ein jüngeres vorgeblich zum Absacker nach einer Party beim Collegerektor in sein Haus einlädt, tatsächlich um ein Publikum für sein scheußliches Schauspiel zu haben.

Und so verstricken Geschichtsdozent George und Rektorentochter Martha den neu am College engagierten Biologieprofessor Nick und dessen Bessere-Hälften-Hascherl Honey immer tiefer in ihre grausamen Rituale. Es wird einander verhöhnt und gedemütigt und es dem jeweils anderem mit gleicher Münze heimgezahlt. Das von Jessica Rockstroh dafür entworfene Schlachtfeld ist ein klinisch weißer Laufsteg, ein unterkühlt-stylischer Raum für die bald erhitzten Gemüter. Im symbolträchtigen Abgrund darunter lauert der sprichwörtliche Scherbenhaufen aus zerschmissenen Flaschen und Gläsern, der stetig wachsen wird, wenn in der nun folgenden alkoholtriefenden Atmosphäre Geheimnisse enthüllt und Glückslügen entlarvt werden.

Mit der giftgrünen Leuchtschrift „Fun and Games“, Albees Betitelung des ersten Akts, eröffnet Kušej den mutmaßlich berühmtesten Ehe-Exzess der Dramengeschichte, bezeichnen doch Martha und George ihre kriegerische Auseinandersetzung als „Spiele mit festen Regeln“. Am Burgtheater wissen Bibiana Beglau und Norman Hacker mit gezielten Verbalschlägen ins Schmerzzentrum des anderen zu treffen, bis es ihnen selbst wehtut. Ihnen zur Seite stehen Nora Buzalka als Honey und Johannes Zirner als Nick. Kušej nimmt sich des Seelenzerstückelungsstücks als – Zitat – „ganz große Liebesgeschichte“ an. Er lässt Beglaus Martha und Hackers George ihre tiefenpsychologische BDMS-Beziehung auf der Bühne mit einem Infight um Georges Hosenreißverschluss beginnen.

Das verbale In-die-Ecke-Treiben wird zum sexuellen Akt: Bibiana Beglau und Norman Hacker. Bild: Andreas Pohlmann / Burgtheater

Dank zu viel Alkohol wird daraus mit Sicherheit kein Nick-Fick: Johannes Zirner und Bibiana Beglau. Bild: Andreas Pohlmann / Burgtheater

Das In-die-Ecke-Treiben wird somit vom Wortgefecht zum greifbar sexuellen Akt, doch wie bei Kušej Albees Protagonisten heftig aufeinanderprallen, so hart trennt er sie wieder – mittels Blackouts, als müsste per Stromausfall die Hochspannung abgemildert werden. Dass der derart in Tableaux geteilte Text nichts an seiner emotionalen Intensität, sie scheint Kušej wichtiger als der scharfanalytische Gesellschaftskritikblick, den man aus anderen Aufführungen kennt, verliert, ist dem grandiosen Darstellerquartett zu danken. Allen voran der prima inter pares dieses Abends, Bibiana Beglau, die ihre Martha zetern und keifen, wimmern und anklagen lässt. Mit großer Lust am Vulgären gestaltet sie diesen im Wortsinn Man-Eater, doch kann in Windeseile von tyrannischer Verführungskunst zu würgender Traurigkeit, von furioser Salonlöwin zu gehässiger Megäre wechseln.

Gleichzeitig verletzend und verletzlich wirbt sie um ihren Mann, dem Norman Hacker Kontur verleiht. Sein George ist alles andere als der übliche Schwächling, im Gegenteil mimt er den abgeklärten Intellektuellen, für den die akademische Laufbahn angeblich bedeutungslos ist, der aber in Wahrheit seine Wunden mit süffisantem Sarkasmus und einer schaumgebremsten Schadenfreude pflegt. So beklemmend erst Marthas und Georges Versuch, sich vor den Gästen heiter zu geben, ist, so furchterregend wird die Stimmung je mehr sich die Gewaltspirale in die Höhe schraubt. „Gut, besser, am besten, bestialisch“, steigert der bis aufs Blut reizende George seine Martha, und gibt sich nach ihrem misslungenem Fick mit Nick vollkommen gleichgültig. Da mutiert Martha kurz zum nackten Elend, und die kleine Geste, mit der George der unbekleidet Hingestreckten schnell sein Sakko überwirft, sagt mehr über die beiden aus, als ihr fortwährendes Geplänkel. Sie rafft sich aber rasch wieder auf, um dem Koital-Versager den Rest zu geben.

Und während solcherart die Handgreiflichkeiten handfester werden, es George gelingt, der Runde Geständnisse zu entlocken, die er im Handumdrehen gehen sie einsetzt, versucht Johannes Zirner als erst herzenskalter, nun in Grund und Boden erniedrigter Ehrgeizling Nick zumindest seine Männlichkeitsfassade aufrecht zu erhalten, indem er sich Honey gegenüber immer brutaler und unflätiger benimmt. Schon glaubt man, dass die Jungen jederzeit die Plätze der im eigenen Wahnwitz brodelnden Gastgeber einnehmen werden. Doch Nora Buzalkas Honey ist nicht bereit sich unterkriegen zu lassen, sie stattet die sonst meist unbedarft Naive stattdessen mit aufbegehrendem Stolz und trotziger Würde aus. Es ist dieser Charakter von dem es anzunehmen gilt, dass er diese durchsoffene Nacht am ehesten unbeschadet übersteht.

Smalltalk überm Scherbenhaufen: Norman Hacker, Bibiana Beglau, Nora Buzalka und Johannes Zirner. Bild: Andreas Pohlmann / Burgtheater

Bis dahin aber brechen die Krusten der Gutbürgerlichkeit auf, darunter fließt ein Lavastrom alles verzehrender Leidenschaften, und Martha begeht den Kardinalfehler, das einzige ihr von George verbotene Thema aufs Tapet zu bringen, den „verstorbenen Sohn“, die gemeinsame, vor der Außenwelt bis dahin beschützte Illusion des nachkommenlosen Paares – mit der Folge: totale Eskalation, inmitten der George Martha zwingt, sich von der Flucht in ihre Vater-Mutter-Kind-Fantasiewelt zu verabschieden. Nie traf Sartres Spruch „Die Hölle, das sind die anderen“ trefflicher zu, als auf Albees Viererbande.

In der Kušej-Produktion strecken Martha und George am Ende erschöpft die Waffen, bevor sie nach seiner Hand tastet und sie schließlich in die ihre nimmt. Man wünscht den beiden, dass sie’s vom von Kušej mit Verve befeuerten Ehe-Inferno jetzt endlich über den Läuterungsberg im Purgatorio schaffen.

www.burgtheater.at

  1. 9. 2019

Kabarett Niedermair: Severin Groebner

Dezember 5, 2014 in Tipps

VON RUDOLF MOTTINGER

Vom kleinen Mann, der wissen wollte,

wer ihm auf den Kopf g’schissen hat

Bild. Matthias Kling

Bild. Matthias Kling

Am 11. 12. hat Severin Groebner mit seinem neuen Programm „Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat“ Österreich-Premiere im Kabarett Niedermair – knapp vor seinem 20-jährigen Bühnenjubiläum. Er wirft sich dabei kopfüber in die Gesellschaft und fragt sich:  Was haben Bauarbeiter und Werbeagenten, Architekten und IT-ler, Politiker und Prostituierte, Konzernchefs und Security-Sheriffs gemeinsam? Genau. Sie sind Teil von Severin Groebners neuem Kabarett-Programm.

Der Träger des Österreichischen Kabarettpreises 2013 wirft sich in seinem neuen Solo kopfüber in die Gesellschaft und fragt sich: Was soll das? Wer war das? Und was fällt dem eigentlich ein? Überhaupt: Wer sind eigentlich „die da oben“? Und wenn dort „da oben“ ist, wo hört dann „unten“ eigentlich auf? Und so begibt sich der Groebner auf eine aberwitzige Reise, vom Elend zur Elite, vom Prolo bis zum Polo. Rauf und runter auf der sozialen Leiter, wie ein Frosch mit Brille. Ein Abend über Lug und Trug, Zukunft und Vergangenheit, Rock’n’Roll und Kartenspiel und Parkbänke und Freundschaft.

Ein Kabarett-Märchen über einen, der auszog, weil er es wissen wollte.

www.niedermair.at

www.severin-groebner.de

Wien, 5. 12. 2014

„Die Ziege oder wer ist Sylvia?“

Mai 31, 2013 in Tipps

Ab 1. Juni im Theater Scala

Bild: Theater zum Fürchten

Bild: Theater zum Fürchten

Edward Albee, der Altmeister des amerikanischen Theaters (Zoogeschichte, Wer hat Angst vor Virginia Woolf) hat mit seinem letzten großen Stück wieder einen großen Wurf gelandet: Die Ziege ( im Untertitel von ihm selbst als „Anmerkungen zu einer Definition des Tragischen“) bezeichnet ist ein sehr witziges und respektloses, aber gleichzeitig ein ernstes, ja tiefes und tragisches Stück, das mit dem Tony-Award ausgezeichnet wurde.. Martin Gray ist ein berühmter, preisgekrönter Architekt auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Zusammen mit seiner Frau Stevie und ihrem Sohn Billy führen sie ein wirklich harmonisches und erfülltes Familienleben. Gerade feiern sie Martins fünfzigsten Geburtstag. In diese fröhliche Normalität der Familie Gray bricht eine andere Realität von elementarer, fast archaischer Wucht ein, denn Martin gesteht seinem besten Freund, dem Journalisten Ross, dass er seit einem halben Jahr eine Liebesbeziehung mit Sylvia hat. Ross ist über dieses Geständnis entsetzt. Schriftlich teilt er Stevie mit, dass Martin ein Verhältnis hat. Das könnte Stevie ja vielleicht noch verkraften…Aber über eines ist sie wirklich entsetzt: Sylvia ist –eine Ziege. Regie: Marcus Ganser. Mit: Rüdiger Hentzschel, Babett Arens, Aaron Arens, Georg Kusztrich. Zu sehen bis 22. Juni.

www.theaterzumfuerchten.at/theater-scala.htm

Von Michaela Mottinger

Wien, 31. 5. 2013