Weltmuseum Wien: Japan zur Meiji-Zeit

Februar 14, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Sammlung Heinrich von Siebold rekonstruiert

Duft- bzw. Schminkdose mit Deckel in Form des Glücksgottes Hotei. Ende Edo-Periode bis frühe Meiji-Periode, Mitte bis spätes 19. Jh., vor 1882. Sammlung Brandenstein-Zeppelin. © Siebold-Archiv Burg Brandenstein

Die Meiji-Periode umfasst in der japanischen Geschichte den Zeitraum von 1868 bis 1912. Eine Zeit, in der sich der Feudalstaat zur modernen Großmacht entwickelt, die japanische Gesellschaft sich wandelt und der Welt öffnet. In Europa entstand reges Interesse an diesem noch unbekannten Land. Heinrich von Siebold, Sohn des Arztes und berühmten Japanforschers Philipp Franz von Siebold, kommt bereits als Jugendlicher nach Japan und verbringt dort den größten Teil seines Lebens.

Aufstellung der Sammlung ca. 1883 im Wohnsitz der Schwester von Heinrich von Siebold bei Ulm in Süddeutschland. © Siebold-Archiv Burg Brandenstein

Heinrich Freiherr von Siebold in japanischer Tracht,1897. © Siebold-Archiv Burg Brandenstein

Aufstellung der Sammlung ca. 1883 im Wohnsitz der Schwester von Heinrich von Siebold bei Ulm in Süddeutschland. © Siebold-Archiv Burg Brandenstein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seine Sammlung an japanischen Objekten wird Kaiser Franz Josef für das k. u. k. Naturhistorische Hofmuseum geschenkt, wofür Heinrich von Siebold den Freiherrntitel erhielt, und bildet heute einen der Grundbestände der ostasiatischen Sammlung des Weltmuseum Wien. Ab 13. Februar zeigt das Haus nun die Schau „Japan zur Meiji-Zeit. Die Sammlung Heinrich von Siebold“. Anhand von drei historischen Objekt-Fotografien aus dem 19. Jahrhundert, die die Aufstellung der Sammlung auf einem Privatwohnsitz der Familie zeigen, wird die Geschichte dieser Sammlung rekonstruiert und aufgearbeitet.

Ein Film zeigt diese Rekonstruktion mithilfe von object mapping und vermittelt somit einen Eindruck der Originalinstallation. Gleichzeitig werden die Objekte in fünf Ausstellungsräumen gezeigt und mit einer aktuellen Beurteilung des historischen Wertes einer Meiji-zeitlichen Sammlung präsentiert. Im Rahmen der Schau werden auch die Ergebnisse des gemeinsamen Forschungsprojekts mit dem National Museum of Japanese History präsentiert. Ein Symposium zu Heinrich von Siebold und seiner Sammlung findet im März statt.

Deckelvase mit dem Motiv der einhundert Eremiten. Frühe Meiji-Periode (1868–1912), vor 1882. © KHM-Museumsverband

Ryū okimono, Zierfigur Drache, Kimura Toun, Edo (Tokyo), Edo-Periode (1600–1868). © KHM-Museumsverband

Statue der Buddha Amitabha Trinität. Stehende amida-nyorai Figur: Muromachi-Periode, 15–16. Jh. Bodhisattva Figur (links) Kōkei. Edo-Periode (1600 – 1868), 17–18. Jh. Bodhisattva Figur (rechts) Shikibu Kyō. Edo-Periode, 17–18. Jh. © KHM-Museumsverband

Zur Person: Heinrich von Siebold (1852–1908), Sohn des Arztes und berühmten Japanforschers Philipp Franz von Siebold, reist bereits als Jugendlicher nach Japan und verbringt dort einen Großteil seines Lebens. Er wird als Dolmetscher bei der neu gegründeten österreichisch-ungarischen Gesandtschaft in Tōkyō angestellt. Es ist die Zeit des Überganges vom Shogunat zur Meiji-Zeit von 1868 bis 1912 und zu einer neuen Politik der Öffnung des Landes. Japans ehemals militärisch ausgerichtete Gesellschaft wandelt sich während der Meiji-Restauration von einem Feudalstaat hin zu einer modernen Großmacht, mit dem Tennōan der Spitze des Staates.

Die gesellschaftliche Umwälzung bedingt, dass viele Kult- und Gebrauchsgegenstände der vergangenen Shogun-Zeit nicht mehr benötigt werden und somit in den Besitz von Sammlern wie Heinrich von Siebold übergehen. Dieser möchte seine umfangreiche Sammlung verkaufen, überlässt sie aber schließlich 1888 Kaiser Franz Joseph für das k. u. k. Naturhistorische Hofmuseum. Dort wird die Sammlung in der anthropologisch-ethnografischen Abteilung inventarisiert. Für die Schenkung erhält Heinrich von Siebold einen Adelstitel. Die Ausstellung thematisiert den Weg der Sammlung ins Weltmuseum Wien und verfolgt deren Spur.

www.weltmuseumwien.at

13. 2. 2020

Weltmuseum Wien: Nepal Art Now

April 15, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Geschlechterkampf und politische Gewalt

The Kali – Odalisque: Manish Harijan, 2016. © Prithivi Bahadur Pande, Bild: Kailash K Shrestha

Das Weltmuseum Wien zeigt ab 11. April die bisher umfangreichste Ausstellung zu moderner und zeitgenössischer Kunst Nepals. In dieser ersten umfassenden Schau außerhalb des Landes sind etwa 130 Arbeiten – darunter Gemälde, Skulpturen, Videokunst und Installationen – von mehr als 40 nepalesischen Künstlern zu sehen. Die Ausstellung beginnt mit der Moderne in Nepal ab den 1950er-Jahren und reicht bis in die Gegenwart.

Die Ausstellung umfasst ein breites Spektrum an Positionen und Ausdrucksformen. Die bildende Künstlerin Sheelasha Rajbhandari zeigt in Wien eine Installation, in der sie sich mit der Diskriminierung von Frauen in patriarchalen Gesellschaften beschäftigt. Ang Tsherin Sherpas Arbeiten nehmen Anleihen an tibetisch-buddhistischer Ikonografie. Der Künstler abstrahiert, fragmentiert und rekonstruiert traditionelle Darstellungsweisen und untersucht dabei Erfahrungen der Diaspora. Die Werke des Künstlers Hit Man Gurung entstehen in Reaktion auf einige der dringendsten sozio-politischen Themen Nepals, wie Arbeitsmigration, Bürgerkrieg, politische Korruption oder das verheerende Erdbeben von 2015.

Trump, Putin, Kim Jong Un: Peace Owners II: Sunil Sigdel, 2016. © Yogeshwar Amatya, Bild: Sunil Sigdel

We are at War without Enemies: Hit Man Gurung, 2016. © Prem Prabhat Gurung, Bild: ArTree Nepal

Neben bereits etablierten Künstlerinnen und Künstlern wie Lain Singh Bangdel, Laxman Shrestha, Ang Tsherin Sherpa, Ashmina Ranjit oder Hit Man Gurung sind auch zahlreiche Newcomer zu sehen. Manche haben Akademien außerhalb ihres Landes besucht, andere wiederum sind weit gereist und haben sich viele neue künstlerische Praktiken aus den verschiedensten Teilen der Welt angeeignet.

Daher kann es nicht überraschen, dass sich bestimmte Aspekte der zeitgenössischen Kunst Nepals internationalen Diskursen in diesem Bereich verdanken. Auch wenn die gezeigten Werke in der Kultur und den Traditionen Nepals verankert sind, schildern und behandeln sie allgemeine Fragen: Die dargestellten Themen reichen Umweltzerstörung, politisch motivierter Gewalt, dem Verhältnis der Geschlechter, der Kommodifizierung religiöser Traditionen oder der Stellung der Frau in der Gesellschaft. Die Arbeiten erzählen von der Entwicklung sowohl der Kunst als auch der Politik und der Gesellschaft des Landes.

Sie werfen ein Schlaglicht auf die kulturelle Landschaft eines Landes, das erst in den vergangenen sechzig bis siebzig Jahren seine Grenzen für die Welt öffnete. Seitdem hat Nepal enorme politische und gesellschaftliche Veränderungen erlebt, die wiederum seine Kunstszene beeinflusst haben. In der westlichen Welt ist Nepal vor allem als Hippie-Destination der 1960er- und 70er-Jahre und als begehrtes Ziel für Bergsteiger bekannt. Weniger bekannt ist die pulsierende Kunstszene des Landes, obwohl sich die nepalesische Hauptstadt Kathmandu mit seinem seit 2009 bestehenden International Art Festival und der Triennale 2017 bereits in die globale Kunstwelt eingeschrieben hat.

Fly High: Ang Tsherin Sherpa, 2018. © Ang Tsherin Sherpa, Bild: Fotohollywood

Die traditionellen religiösen Darstellungen aus Nepal, die das Publikum in Museen als Kunstwerke zu verstehen gewohnt ist, wurden von anonymen Meistern gefertigt. Zu reinen Kunstwerken wurden sie erst durch die museale Präsentation und ihre Integration in den globalen Kunstkanon, freigespielt aus ihrem ursprünglichen religiösen Kontext. Das allermeiste von dem, was gegenwärtig in Nepal an Kunst geschaffen wird, präsentiert sich jedoch gänzlich anders.

In der Schau „Nepal Art Now“, bezieht sich der Begriff „zeitgenössische Kunst“ daher nicht auf ein Kunst­genre, vielmehr ist er von einer rein zeitlichen Dimension geprägt. Es geht um das, was im vergangenen halben Jahrhundert entstanden ist. Die in enger Zusammenarbeit mit nepalesischen Künstlern und Kunsthistorikern getroffene Auswahl der Bilder, Skulpturen und Installationen spiegelt gleichzeitig die Vielfältigkeit dessen wider, was an einem Tag geschaffen werden konnte. Der Bogen spannt sich dabei von rein abstrakten Arbeiten bis hin zu traditioneller, spirituell-religiöser Paubha-Malerei. Mehrere der beteiligten Künstlerinnen und Künstler werden im Laufe der Ausstellungsdauer für Artist Talks im Weltmuseum Wien zu Gast sein.

www.weltmuseumwien.at

15. 4. 2019

Weltmuseum Wien: Verhüllt, enthüllt! Das Kopftuch

Oktober 15, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Stück Stoff, das die Gemüter erhitzt

Nilbar Güreş: Soyunma/Undressing, 2006. Bild: Nicole Tintera. © Courtesy Galerie Martin Janda, Wien

Ein Stück Stoff steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Verhüllt, enthüllt! Das Kopftuch“, die das Weltmuseum Wien ab 18. Oktober zeigt. Es ist um vieles älter als Judentum, Christentum und Islam. Lange vor diesen Religionen markierte das Kopftuch im alten Mesopotamien gesellschaftliche Unterschiede – und sein Fehlen die sexuelle Schutzlosigkeit der Frauen. Heute liegt es mit unzähligen Bedeutungen schwer beladen vor uns.

Das Tuch, mit dem sich religiöse Frauen ihren Kopf, ihr Antlitz und mitunter den ganzen Körper bedecken, erhitzt die Gemüter. Doch das Gebot für Frauen, sich das Haupt zu verhüllen, ist seit Jahrhunderten ebenso Bestandteil der europäischen Kultur. Seine Geschichte reicht von den Anfängen des Christentums bis in die heutige Zeit. Für die Christen wird der Schleier zum Sinnbild der Ehrbarkeit, Schamhaftigkeit und Jungfräulichkeit. Der Apostel Paulus fordert von den Frauen, ihr Antlitz mit einem Schleier zu verhüllen, wenn sie mit Gott reden. Offenes Haar gilt als unsittlich, nur die Jungfrau Maria trägt es mitunter auf diese Weise.

Das bedeckte Haupt zählt zum Vorrecht verheirateter Frauen wie zur Ordenstracht der Nonnen. Trauernde legen den Witwenschleier an. Im Spätmittelalter bestimmen in den Städten Europas Kleiderordnungen, wie sich die Frauen Kopf und Hals zu umhüllen haben. Zu Beginn der 1920er-Jahre beklagt der Papst den Leichtsinn von Frauen, die sich beim Tanzen in „unanständiger“ Kleidung über die Grenze der Schamhaftigkeit hinwegsetzen. In der Zeit des autoritären österreichischen Ständestaats und des Nationalsozialismus sollen Kopftuch und Dirndl Heimat und Bodenständigkeit vermitteln. In den 1950er-Jahren steht das bedruckte Kopftuch als Modeaccessoire für Luxus, Eleganz und Emanzipation.

Wienerin in „sartischer“ Tracht, Anonym, Wien, 1927. Bild: Weltmuseum Wien Fotosammlung. © KHM-Museumsverband

Gerda Bohm: Frau der Ayt Haddidou in Festtagstracht, Marokko, Zentraler Hoher Atlas,1959. Bild: Weltmuseum Wien Fotosammlung. © KHM-Museumsverband

Während ein Teil der Musliminnen sich in der Öffentlichkeit gegenüber Fremden verschleiern muss, da sie sonst als sündig und den Männern verfügbar gelten, kreieren andere eine Art Streetwear-Look, farbenfroh und frech, sexy und züchtig zugleich. Im Iran stellen sich Aktivistinnen mit offenem Haar gut sichtbar auf belebte Kreuzungen und schwenken als Zeichen des Protests ihr Kopftuch, während sich Designerinnen im Westen an der Mode der 1950er-Jahre orientieren und Vintage-Kopftücher im Programm führen. „Modest Fashion“ heißt ein Modetrend, der darum bemüht ist weniger Haut zu zeigen. Mittlerweile ist er religionsübergreifend ein weltweites Milliardengeschäft. Und Queen Elizabeth II. trägt nach wie vor als persönliches Branding ein Kopftuch von Hermès – nicht nur, wenn sie ausreitet.

www.weltmuseumwien.at

15. 10. 2018

Weltmuseum Wien: Out of the Box. Bewegte Welten

April 10, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Lebensgeschichten, die sich in Kunstwerken verstecken

Pri Elamthuruthil im Depot des Weltmuseums Wien. Bild: Aleksandra Pawloff ©KHM-Museumsverband

Kate Elamthuruthil und Nael Elagabani im Depot des Weltmuseums Wien. Bild: Aleksandra Pawloff ©KHM-Museumsverband

Objekte in ethnographischen Museen Europas haben eine Gemeinsamkeit: ihren sogenannten „Migrationshintergrund“. Sie wurden von Kontinent zu Kontinent transportiert, aus ihrem kulturellen Kontext genommen und in einen neuen gesetzt. Jedes Objekt hat seine eigene Geschichte, die manchmal im Kleinen die verschiedenen Wege der Menschheitsgeschichte widerspiegelt.

Für „Out of the Box“ ab 12. April lud das Weltmuseum Wien die Gruppe UrbanNomadMixes ein, über ihre eigene (Familien-) Geschichte anhand von Museumsobjekten nachzudenken. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählten je ein Objekt aus, das ihr kulturelles Gedächtnis prägte. Es dient als Ausgangspunkt, um die persönliche Geschichte zu reflektieren sowie Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu finden. Solche Erinnerungen wachzurufen kann Freude bereiten, aber auch Schmerz und Leid hervorrufen. Diese Diaspora-Dialoge drehen sich um Identität, um Zugehörigkeit, um Spiritualität, um Heimatlosigkeit sowie um Grenzen und deren Überschreitungen. Auch das Kuratorinnen- und Kuratorenteam der Ausstellung hat sich diesem persönlichen Zugang gestellt.

Die Frage nach Objektgeschichten stellt sich ihnen genauso. Wer hat das Objekt mitgebracht? Wer hat es warum verkauft, geschenkt und weggebracht oder sogar gewaltsam entwendet? Wo wurde das Objekt hergestellt und wie verlief seine Reise? In „Out of the Box“ werden komplexe Objektgeschichten mit Lebensgeschichten von Menschen verbunden. Gleichzeitig wird die Frage gestellt, in welchen unterschiedlichen Kontexten die Objekte vor ihrem Transfer nach Wien möglicherweise standen.

www.weltmuseumwien.at

10. 4. 2018

Weltmuseum Wien: Die Eröffnung am 25. Oktober

Oktober 26, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Fest mit Freunden aus aller Welt

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Bild: Weltmuseum Wien/APA-Fotoservice/Günther Langegger

Heute noch bis 21 Uhr gratis Eintritt!

Mehr zum Weltmuseum Wien: www.mottingers-meinung.at/?p=26903

www.weltmuseum.at

26. 10. 2017