TSV Galerie: Bilder von Eve Joy Patzak

Mai 18, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Letter to you: Nachrichten aus einer anderen Welt

Eve Joy Patzak: Letter to you

Eve Joy Patzak: Letter to you

Mit einer Vernissage am 19. Mai beginnt eine Ausstellung von Zeichnungen von Eve Joy Patzak. „Letter to you: Nachrichten aus einer anderen Welt“ heißt die Schau in der Galerie des Thomas Sessler Verlags, in der schon Werke von Herbert Achternbusch, Wolfgang Bauer oder Peter Patzak zu sehen waren. Nun zeigt die Frau des Wiener Regisseurs ihre Arbeiten, schnelle zeichnerische Sequenzen, die sie, mit einer nur auf das für sie Wesentliche reduzierten Linienführung, auf das Blatt bringt.

Patzaks Figuren sind wie Puppen mit ballonartigen Köpfen und Körpern, begrenzt auf eine kompakte, wenig profilierte Silhouette. Menschengruppen, ohne Korrekturen mit einem Strich hergestellt, meistens Frauen und Kinder, einsame, traurige, aber auch fröhliche, einander stützende und helfende. Tatsächlich geht es in Patzaks Abbildungen nie gradlinig zu. Die Figuren sind oft von ihrer Rückenansicht gezeichnet, weswegen der Betrachter sich in die Szenerie hineingezogen fühlt. Patzak unterstreicht die abgewandte Haltung durch die Darstellung extrembehaarter Hinterköpfe, immer wieder beugen, verbiegen, winden sich die Körper mit den angelegten Armen, als sei’s den Naturgesetzen zum Trotz. Dies alles wird allein ausgeführt mit der linken Hand.

Denn Eve Joy Patzak erlitt 2013 einen Schlaganfall, der sie körperlich und sprachlich einschränkt. Obwohl sich das Leben so dramatisch verändert hatte, entwickelte sie einen enormen Überlebenswillen als Peter Patzak sie nach Hause holen konnte. Mit einem auf einen Zeitungsrand gekritzelten Auto, als Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit, nahm sie den Kontakt mit ihrer Umwelt wieder auf. Ihr Mann und ihre beiden Söhne verstanden die Botschaft. Nun wurde der Zeichenblock für sie ein Mittel Wünsche und Gefühle auszudrücken. Mit der einzig beweglichen Hand entstanden und entstehen täglich ihre Zeichnungen. Sie erzählen davon, wie es ist, als Fremder in seinem Leben zu stehen, ohne sich mitteilen zu können. Die Drucke und Originale sind bis 9. Juni zu sehen und zu kaufen. Der Erlös wird zur Gänze für die Therapiekosten von Eve Joy Patzak verwendet.

www.tsv-galerie.at

evejoypatzak.com

Wien, 18. 5. 2016

Neue Musicals im Wiener MQ und in der Bühne Baden

November 5, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Neat, sweet, petite: Uwe Kröger spielt Gomez Addams

Uwe Kröger und Edda Petri Bild: Brinkhoff/Mögenburg

Uwe Kröger und Edda Petri
Bild: Brinkhoff/Mögenburg

Die Addams Family erwacht zu neuem Leben: Ab 2. November 2016 sind Uwe Kröger als Gomez Addams und Edda Petri als seine elegant-untote Morticia im Wiener Museumsquartier, Halle E, im Erfolgsmusical von Andrew Lippa, Marshall Brickman und Rick Elice zu sehen. Regie führt Andreas Gergen. Der Opernchef des Salzburger Landestheaters hatte zuletzt „Der Besuch der alten Dame“ für die Vereinigten Bühnen Wien inszeniert, ebenfalls mit Kröger in einer Hauptrolle.

Im Broadway-Spaß durchleidet Gomez – ausnahmsweise einmal nicht lustvoll – die Höllenqualen jedes Vaters: Seine Tochter Wednesday hat sich verliebt und ihr Auserwählter ist alles andere als ein Prinz der Finsternis. Wednesday beschwört den Vater, ihr Geheimnis vor der gestrengen Mutter zu wahren, für den verliebten Ehemann schier unmöglich. Als dann auch noch die total normale künftige Schwiegerfamilie zum Besuch antritt, ist die Katastrophe in eiskalter Reichweite.

Hinter dem MQ-Musicalprojekt steht  jemand, der bis dato wenig mit dem Genre zu tun hatte: Der einstige Intendant der Opernfestspiele St. Margarethen, Wolfgang Werner, mit seiner neuen Firma. Er werde sich mit Wolfgang Werner Entertainment künftig darauf konzentrieren, Projekte verschiedenster Art nach Österreich zu holen, kündigte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seinem unsanften Abgang bei den Festspielen im Vorjahr an. Dazu würde laut APA ein Papageno-Stück in Rust am Neusiedler See gehören, das 2017 verwirklicht werden könnte. Bevor Kröger in Gomez‘ Haut schlüpft, bereitet sich der Musicalstar noch auf seine Premiere von „Annie“ am 10. Dezember im Salzburger Landestheater vor. Für „The Addams Family“ hat der Kartenvorverkauf bei oeticket begonnen.

Trailer:  theaddamsfamilymusical.de/medien-info

Musicaluraufführung: „In 80 Tagen um die Welt“ an der Bühne Baden

Doch Musicalfreunde haben einen viel näherliegenden Grund zur Freude: Am 14. November 2015 wird an der Bühne Baden die Musicalfassung von „In 80 Tagen um die Welt“ nach Jules Vernes Roman uraufgeführt. Das nunmehr musikalische Abenteuer stammt aus der Feder von Beppo Binder, die Musik von Pavel Singer. Binder singt auch den Diener Passepartout, als Phileas Fogg ist René Rumpold zu sehen. Der wunderbare Lorin Wey, zuletzt an der Neuen Oper Wien in Shostakovitchs „Die Nase“ zu erleben, spielt Detectiv Fox.

www.buehnebaden.at

Wien, 5. 11. 2015

Karikaturenmuseum Krems: Das Fenster zur Welt

Januar 23, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Fernsehen in der Karikatur aus den letzten 60 Jahren

Erich Sokol: Koalitionsparteien-Fernsteuerung der Medien, 1992 Landessammlungen Niederösterreich, Bild: © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling, 2015

Erich Sokol: Koalitionsparteien-Fernsteuerung der Medien, 1992
Landessammlungen Niederösterreich, Bild: © Erich Sokol Privatstiftung, Mödling, 2015

Unter dem Motto der Internationalen Funkausstellung in Düsseldorf 1953, „Fenster zur Welt“, präsentiert das Karikaturmuseum Krems ab 25. Jänner im IRONIMUS-Kabinett das Phänomen Fernsehen anhand von Karikaturen der letzten 60 Jahre. 1955 startete das Fernsehen in Österreich und heute ist es weltweit immer noch das beliebteste und meistgenutzte Medium. Das Fernsehen selbst und auch das gezeigte Programm stehen aber seit jeher im Kreuzfeuer der Kritik. Information, Unterhaltung, Spielball von Politik und anderen Manipulationen, Propaganda und Werbung oder bloße Berieselung – alle Funktionen und Aufgaben des Fernsehens werden in Karikaturen thematisiert, ebenso unsere gesellschaftliche Entwicklung, die kontinuierliche Veränderung des Fernsehens und die Konkurrenz durch neue Medien.

Fernsehen beeinflusst unseren Alltag, unser politisches, soziales und gesellschaftliches Verständnis und hat enorme Wirkung auf unseren Meinungsbildungsprozess. Karikaturist(inn)en verwenden das Medium Fernsehen in ihrer Symbolsprache und verraten in ihren Zeichnungen vieles über unsere Fernsehgewohnheiten. Die Ausstellung im Karikaturmuseum Krems präsentiert mit über 40 historischen bis aktuellen Karikaturen das Medium und die Entwicklung des Fernsehens und zeigt Sternstunden österreichischer und internationaler Fernsehgeschichte.

Künstlerliste: Wolfgang Ammer, Gernot Budweiser, Manfred Deix, Jean Genie – Christian Feichtinger, Alfred Gerstenbrand, Bruno Haberzettl, Gerhard Haderer, IRONIMUS – Gustav Peichl, Michael Jesenko, Rudi Klein, Ralf König, Mac – Hellmuth Macheck, Nicolas Mahler, Ruben L. Oppenheimer, Michael Pammesberger, Petar Pismestrovic, Sinisa Pismestrovic, Chlodwig Poth, Rang – Rudolf Angerer, Tex Rubinowitz, Oliver Schopf, Erich Sokol, Jean Veenenbos, WIN – Winifred V. Jakob, Thomas Wizany, Wolfgang Zöhrer.

www.karikaturmuseum.at

Wien, 21. 1. 2015

Architekturzentrum Wien: A bis Z

Dezember 16, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Die Welt von Isay Weinfeld

Isay Weinfeld. Carrinho Bar Toto Bild: © Romulo Fialdini

Isay Weinfeld. Carrinho Bar Toto
Bild: © Romulo Fialdini

„Ich versuche immer alles mitzudenken: wenn ich ein Haus entwerfe, entwerfe ich den Innenraum, die Türglocke, alles. Ich sehe Architektur als etwas Ganzes, als ob ich Regie führte. Diese Idee ist Ausdruck meines Wunsches, das Leben von Anfang bis zum Ende zu entwerfen.“ Isay Weinfeld

Ein Projekt des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld hat im Februar 2014 den Architekturwettbewerb für das Areal rund um den Wiener Eislaufverein gewonnen und für Diskussion gesorgt. Anlässlich der Wettbewerbsentscheidung stellt das Architekturzentrum Wien ab 18. Dezember den Preisträger mit einer Ausstellung ausgewählter Arbeiten vor. Die Ausstellung „A bis Z. Die Welt von Isay Weinfeld“ illustriert auf eindrucksvolle Weise die Philosophie des renommierten Architekten. Die große Bandbreite seines Werkes resultiert aus einer unstillbaren Neugierde, aus einem Drang, ständig Neues auszuprobieren, sowie aus der Überzeugung, dass die Bereitschaft zur Horizonterweiterung ausschlaggebend für das Schaffen von guter Architektur ist. Präsentiert wird im Az W ein Querschnitt durch das Spektrum von Isay Weinfelds Werk: von Möbel und Designobjekten (u.a. der Sessel „Poltrona Isay“ oder die Bar „Carrinho Bar Toto“), der Innenausstattung verschiedener Geschäftslokale und Restaurants (u.a. Forneria San Paolo und Livraria da Vila) über Einfamilienhäuser (u.a. Casa Yucatan und Casa Piracicaba) sowie Projekte aus dem Wohn- bzw. Bürobau (u.a. Edifício 360°, 2009 und das Edifício Oka, 2012 – beide ausgezeichnet mit dem MIPIM AR Future Projects Award) bis hin zur Platzgestaltung (Praça da Amauri).

Weinfelds Ausstellungsgestaltung hebt punktuell bestimmte Details hervor – etwa einen Stiegenaufgang oder einen Hauseingang – ohne das jeweilige Projekt in seiner Gesamtheit zu zeigen. Diese Präsentationsform wird ergänzt durch stimmungsvolle Kurzfilme, die Weinfeld über seine diversen Projekte gedreht hat. Einen Einblick in sein filmisches und fotografisches Schaffen bieten zudem eine Instagram-Installation und der Film „Fogo e Paixão“ / Feuer und Leidenschaft (BR, 1988, 90 min), den Isay Weinfeld gemeinsam mit Marcio Kogan produziert hat.

Als Filmemacher legt Isay Weinfeld bei allen seinen Projekten besonderen Wert auf das erzählerische Element und die Inszenierung. In der für das Architekturzentrum Wien konzipierten Ausstellung nimmt er die BesucherInnen mit auf eine Reise durch das Universum seiner Kreativität – vom Türgriff bis zum Bürogebäude, vom Bühnenbild zum McDonald’s Interieur, von der Instagram Installation zur Obstschale, von der Wiege bis zum Sarg – von A bis Z.

Zur Person:
„Wissen Sie, ich halte nichts von Architektur, bei der sich der Urheber als Genie sieht. Ich bin einfach nur ein guter Zuhörer, der die Fähigkeit besitzt, das Gehörte in etwas Gebautes zu verwandeln. Und ich bin ein verdammt guter Zuhörer.“Isay Weinfeld

Bereits zwei Jahre vor dem Abschluss seines Architekturstudiums an der Universidade Presbiteriana Mackenzie (1975) gründete Isay Weinfeld (geb. 1952 in São Paulo) sein eigenes Architekturbüro und machte von Anfang an durch die große Bandbreite seines Schaffens auf sich aufmerksam. Heute ist er nicht nur einer der gefragtesten brasilianischen Architekten der Gegenwart, sondern auch in den Bereichen Ausstellungsdesign, Bühnenbild, Möbel- und Objektdesign sowie insbesondere als Filmemacher erfolgreich. Sein Werk zeichnet sich durch ein hohes Gespür für Materialität, Oberflächen und Atmosphäre aus, die sich in der Qualität der Details widerspiegelt. Weinfeld vereint mühelos scheinbare Gegensätze: tropisch mit modern, spielerisch mit reduziert, minimalistisch mit raffiniert. Wie kein anderer hat er es geschafft, einen sensiblen, eleganten und modernen Architekturstil brasilianischer Prägung zu entwickeln. Isay Weinfeld bezieht seine Inspiration aus Filmen von beispielsweise Stanley Kubrick oder Ingmar Bergmann, aus Musik von Radiohead oder Jay-Z und aus der bildenden Kunst. Gleichzeitig betont er, dass die wichtigste und identitätsstiftende Inspiration stets vom Bauherrn selber kommt.

www.azw.at

Wien, 16. 12. 2014

Art Carnuntum: Welt Theater Festival 2014

Juni 30, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

„Viel Lärm um nichts“ und „Bacchantinnen“

Bild: Bronwen Sharp

Bild: Bronwen Sharp

Auch dieses Jahr kommt Shakespeare’s Globe Theatre mit seiner neusten Produktion ins römische Amphitheater von Petronell-Carnuntum zu Art Carnuntum. In einer Inszenierung von Max Webster zeigen die Schauspieler „Much Ado About Nothing“ (Viel Lärm um nichts) in englischer Sprache.

Mastermind Piero Bordin ist aber ein weiterer Coup gelungen: Erstmals ist auch polnisches Theater bei Art Carnuntum zu Gast. Das Chorea Teatr Lodz unter der Leitung von Tomasz Rodowicz beschäftigt sich seit Jahren mit der griechischen Tragödie und zeigt bei vielen Festivals seine avantgardistischen, gleichzeitig authentischen Inszenierungen der klassischen Dramen. Im Amphitheater ist am 19. Juli Euripides „Bacchantinnen“ in polnischer Sprache zu sehen. Die Aufführung ist im ersten Teil tänzerisch, im zweiten eine Impression der Chorforschung über die griechische Antike – was insgesamt einen archaischen, mythisch-mystischen Abend ergibt.

Vorschau auf Oktober:

Da kommt das griechische Nationaltheater Thessaloniki mit Aristophanes „Lysistrata Project“.

www.artcarnuntum.at

Trailer „Bacchantinnen“: www.youtube.com/watch?v=b_pr8PbAa4E&list=UUp4Y75CzWyqG8iPjTm3ZeWg