Sibylle Berg: Nerds retten die Welt

April 4, 2020 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Gefinkelte Fragen einer versierten Untergangsprophetin

„Haben Sie sich heute schon um die Welt gesorgt?“ – mit dieser Frage beginnt Sibylle Berg die 17 Gespräche, die sie mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt zum Akutzustand ebendieser geführt hat. Permanent mit News und deren Fakes, alternativen Wahrheiten und multistabilen Wahrnehmungen konfrontiert, die weder einzuordnen noch auszuwerten sind noch zu einem wie-auch-immer Handeln befähigen, versucht die Schriftstellerin sozusagen zum Erdkern vorzudringen.

Während der Arbeit an ihrem Roman „GRM“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=34122)  sprach Sibylle Berg über zwei Jahre hinweg mit Expertinnen und Experten aus verschiedensten Disziplinen – mit Systembiologen, Neuropsychologen, Kognitionswissenschaftlern, Meeresökologen, Männlichkeits- Konflikt- und Gewaltforschern. Über einen Befund aus ihren Fachgebieten. Und über Ideen für eine Zukunft, die sich nicht wie ein Albtraum ausnimmt.

Was kommt nach der Demokratie? Warum lieben Diktatoren Krisen? Welche Folgen hat Femizid? Kann man als Frau religiös

und emanzipiert sein? Kann man alle Menschen zu Vegetariern machen? Wann wurde außerirdisches Leben entdeckt? Warum wissen wir so wenig über Nekrophile? Warum ist Coden ein Männerding? Was soll man gegen den aufkommenden Faschismus tun? Gegen schmelzende Gletscher? Gegen Überwachung? Gegen Gentrifizierung und die Verknappung des Wohnraums? Wie sich wehren gegen Parolen, die den Verstand beleidigen? Wie verhalten zu einer Politik des Spaltens, die gerade ein globales Erfolgsmodell zu sein scheint? Was bedeutet die digitale Revolution? Und gibt es eigentlich noch Hoffnung?

Berg stellt gute Fragen und bekommt noch bessere Antworten, und tatsächlich an keiner Stelle lässt die Tagesaktualität – #Corona – die Texte alt aussehen. Berg bricht die speziellen Kompetenzen ihrer Interviewpartner auf Normalverstand herunter. Frech und frei von der Leber weg redet sie mit Politologin Valerie M. Hudson über Geschlechterungleichgewicht, Misogynie als Folge monotheistischer Religionen, Gewalt gegen Frauen als eine Form von Terrorismus und Kinderkriegen ohne Spermien.

Mit Ingenieurin Odile Fillod ortet sie statt des sprichwörtlichen Penisneids eine männliche Angst vor der Klitoris, dieser reinen Dienerin „der sexuellen Lust von Frauen, ohne Beziehung zur Fortpflanzung und zu dem, was Männern Freude bereitet“, und durch die Entdeckung des G-Punktes die Zerstörung des „Zauberstab“-Mythos. Dass die beiden angesichts von der WHO geschätzten jährlich drei Millionen Genitalbeschneidungen an Mädchen den Kampfruf „Osez le clito! / Wagt euch an den Kitzler!“ ausgeben, ist ebenso sibyllen-systemimmanent, wie ihre Frage an die laut Selbstbeschreibung „ausgelaugte Optimistin“ Hudson, wie man zugleich Mormonin und Feministin sein könne.

Auch Bonmots à la „Das Aussterben der Menschheit ist ja auch kein Spektakel, dem man öfter beiwohnt“ sind typisch Berg. Die versierte Weltuntergangsprophetin erweist sich als gewohnt scharfsinnig, melancholisch bis pessimistisch – „Sorge ist mein zweiter Vorname“ –, kokett selbstverliebt und tendenziös sarkastisch. Und zeigen ihre Gegenüber dunkle Perspektiven und dystopische Situationen auf, fühlt sich die Berg in ihrem Lieblingsfeindbild, der neoliberalistischen Brave New World mehr als bestätigt. Dann erst ist ihr richtig wohl.

Bild: pixabay.com

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„Nerds retten die Welt“, und Sibylle Berg reiht sich selbst in diese Spezies, ist ein wilder Ritt auf einer genialen Achterbahn, die einem gleich dieser Jahrmarktsattraktion akademisch das Gehirn durchwirbelt. Besonders schön sind die Gespräche, in denen Berg vom Hundertsten ins Tausendste kommend einem das U mit dem X nicht vormacht, sondern verbindet. Das passiert etwa mit Robert Riener, seines Zeichens Spezialist für Sensomotorische Systeme, mit dem es von Robotik und virtueller Realität direttissima zu Terminator und Iron Man geht, mit Neurobiologe Iddo Magen beim Philosophieren über des Cannabis‘ Fluch und Segen, mit Dirk Helbing, er ist Professor für Computational Social Science, beim Herstellen eines Konnex‘ von Big-Data-Diktatur, Flüchtlings-„Krise“ und Konsumlethargie.

Und natürlich muss Berg mit Systemtheoretiker und Science-Slammer Lorenz Adlung über „die Abnahme der Intelligenz der Menschheit“ lästern. Persönliche Favoriten, Stichwort: Nerd, sind der Gedankenaustausch mit dem Meeresökologen und Tier- und Naturschutzaktivisten Carl Safina und mit Astrophysiker Abraham „Avi“ Loeb. Safina, weil er voll Empathie vom Kichern gekitzelter Ratten erzählt, weil er sich ärgern kann, dass so viele Menschen sich scheuen, Tieren Emotionen zuzusprechen, und weil er fordert, dass, wer Fleisch essen will, das Vieh doch selber schlachten soll.

Loeb, weil der Alien-Gläubige, der erwartet noch zu Lebzeiten beim ersten Kontakt mit Extraterrestriern dabei zu sein, beim Schwadronieren über Gott und den Kosmos den berühmten Breslower Rabbi Nachman zitiert: „Die ganze Welt ist lediglich ein sehr schmaler Steg, und das Entscheidende ist, keine Angst vor ihm zu haben.“ In diesem Sinne also. Ist dieses Buch eins für alle, die wissen wollen, ob wir noch zu retten sind.

Über die Autorin: Sibylle Berg lebt in Zürich. Ihr Werk umfasst 25 Theaterstücke, von denen zwei in Wien zu sehen waren, „Nach uns das All oder Das innere Team kennt keine Pause“ am Volkstheater (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=33385) und „Hass-Triptychon – Wege aus der Krise“ bei den Wiener Festwochen (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=33485), und 14 Romane, die in 34 Sprachen übersetzt wurden. Berg fungierte als Herausgeberin von drei Büchern und verfasst Hörspiele und Essays. Sie erhielt diverse Preise und Auszeichnungen, unter anderem, den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor 2019 sowie den Thüringer Literaturpreis 2019, den Nestroypreis für das Beste Stück („Hass-Triptychon“) 2019, den Bertolt-Brecht-Preis 2020 und den Schweizer Grand Prix Literatur 2020. Zuletzt erschien bei Kiepenheuer & Witsch „GRM. Brainfuck“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=34122).

Kiepenheuer & Witsch, Sibylle Berg: „Nerds retten die Welt“, Gespräche, 336 Seiten.

Video: www.youtube.com/watch?v=ITE5kBpcyw8

www.kiwi-verlag.de           www.sibylleberg.com

  1. 4. 2020

Doaa El-Adl: Die Welt der Frau

März 8, 2020 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit spitzer Feder für die Gleichberechtigung

Im Jahr 2012 sorgte in Ägypten eine Zeichnung für Aufregung, in der eine Karikaturistin Staatsmänner für die Instrumentalisierung von Religion kritisierte. Die Künstlerin wurde wegen Blasphemie angeklagt, das Verfahren jedoch wieder fallen gelassen. Doch schon 2013 war ein weiterer ihrer Cartoons Anlass für heftigste Diskussionen im Land, eine Zeichnung über das Tabuthema der weiblichen Beschneidung.

Sie zeigt einen Mann mit einer Schere in der Hand, der eine Leiter hinaufsteigt, um eine Blume zwischen den Beinen einer Frau abzuschneiden. Das Bild „Female Genital Mutilation (FGM)“ ist im Buch „Die Welt der Frau“ abgedruckt. „Ein Album von 50 Frauen“, nennt Doaa El-Adl ihr hochaktuell zum Internationalen Frauentag 2020 in der Scherz & Schund Fabrik erschienenes Werk.

Die zweisprachige Ausgabe enthält neben ihren bekannten Auseinandersetzungen im Kampf um die Rechte der Frauen auch etliche neue Arbeiten, die sich, so El-Adl, „mit heiklen Themen befassen, die noch nie in Form von Karikaturen anschaulich gemacht wurden“ – von Ehrenmord über Kinderehe bis zur häuslichen Gewalt, von Menschenhandel über Ehebruch bis zu Vergewaltigung, dazu Gesetze, die Frauen gezielt diskriminieren.

Doaa El-Adl: Verschleiert / Veiled. © Die Welt der Frau. Scherz & Schund Fabrik

Doaa El-Adl: … oder eben nicht! / … or not! © Die Welt der Frau. Scherz & Schund Fabrik

„Es ist ein verbreitetes Phänomen in von Armut gezeichneten Dörfern, minderjährige Mädchen mit wohlhabenden arabischen oder anderen Männern aus dem Ausland temporär und gegen Entgelt zu verheiraten“, schreibt El-Adl zum Bild links unten, und „dass einer Ägypterin eine Zahlung von 2800 € gebührt, wenn sie eine Ehe mit einem Nicht-Ägypter eingeht, der zur Zeit der Eheschließung 25 Jahre älter ist als sie.“ Dass sie die Situation der Frauen in der sogenannten westlichen Welt ebenso messerscharf zu beurteilen weiß, zeigt das Bild rechts.

Doaa El-Adl: Verheiratung Minderjähriger / Marriage of Minors. © Die Welt der Frau. Scherz & Schund Fabrik

Doaa El-Adl: Alleinversorgerinnen / Female Breadwinner. © Die Welt der Frau. Scherz & Schund Fabrik

„Mein Interesse an den Problemen der Frau kommt oft gepaart mit widersprüchlichen Gefühlen und Gedanken“, so Doaa El-Adl, die für ihre Recherchen eng mit feministischen Organisationen zusammenarbeitet. „Es überwiegt dabei der Stolz, als Frau geboren zu sein, der jedoch geschmälert wird, wenn ich die Lage der Frauen in unserer Gesellschaft, in der arabischen Welt und sogar in westlichen Ländern und im Rest der Welt betrachte.“

Doaa El-Adl. © Die Welt der Frau. Scherz & Schund Fabrik

Über die Autorin: Doaa El-Adl, geboren 1979 in Damietta, Ägyptens berühmteste Karikaturistin, ist bekannt für ihre kritischen Cartoons zu politischen, gesellschaftlichen und religiösen Themen. Seit 2007 veröffentlicht sie ihre Zeichnungen in Zeitungen und Magazinen, aktuell zeichnet sie für die einflussreiche liberale Tageszeitung Al Masry Al Youm. Die Künstlerin nahm bereits an zahlreichen Ausstellungen teil, etwa in Frankreich, Italien, Spanien, der Schweiz, Tunesien und 2019 an der „Schule des Ungehorsams“ im oberösterreichischen Linz. Doaa El-Adl lebt und arbeitet in Kairo. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, und 2016 von der BBC als eine der hundert inspirierendsten und einflussreichsten Frauen der Welt geehrt.

Scherz & Schund Fabrik, Doaa El-Adl: „Die Welt der Frau“, 50 Cartoons And More On Women, 72 Seiten.

www.scherzundschund.at          www.facebook.com/doaa.eladl

Doaa El-Adl im Gespräch: www.facebook.com/watch/?v=252896428953128

  1. 3. 2020

Christopher Kloeble: Das Museum der Welt

Februar 20, 2020 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Waisenbub begleitet drei Bayern durch Indien

„Sie sahen aus, wie drei Versionen desselben Mannes. Der jüngste von ihnen trug einen Hut mit breiter Krempe und hatte abstehende, spitze Ohren wie eine Fledermaus. Er war nicht viel älter als ich. Seinen Blick kann ich nicht anders beschreiben als nach innen gekehrt. Seine etwas reifere Ausführung, der mittlere Mann, ließ den Blick dagegen lustig umherstreifen und blähte seine fetten Backen beim Atmen. Der älteste wiederum kultivierte ein Haarbüschel auf seiner Oberlippe, das wie ein nervöses Tierchen zappelte, wenn er redete. Und er redete viel!“

Mit diesen Worten beschreibt das Waisenkind Bartholomäus die Brüder Robert, Adolph und Hermann Schlagintweit beim ersten Ansehen. Bartholomäus ist „mindestens zwölf Jahre alt“, und spricht beinah ebenso viele Sprachen. Es ist Bombay im Jahr 1854, der Bub der Protagonist von Christopher Kloebles Roman „Das Museum der Welt“, der morgen in die Buchläden kommt, und das titelgebende Museum seine Sammlung „bemerkenswerter Objekte“ – blasenfreies Eis, der Geschmack der Nacktheit, die Bildermaschine, heißt: das Heft,

Robert, Hermann und Adolph Schlagintweit. Urheberrechte: Archiv des Deutschen Alpenvereins, München. Gebrüder Schlagintweit: FOP 1 FF 627

in dem er all die fest- oder nicht festzumachenden Dinge festhält, die ihm auf seiner Reise durch Indien begegnen. Denn Bartholomäus wird die bayerischen Forscher auf ihrer Expedition durch den Subkontinent begleiten. Als Dolmetscher, das haben die Jesuiten, in deren Obhut er bis jetzt war, so beschlossen. Vater Fuchs, ebenfalls aus Bayern, hat den Deal mit seinen Landsmännern eingefädelt, doch nun ist Bartholomäus‘ Deutsch- lehrer, sein einziger Vertrauter wie vom Erdboden verschluckt. Vater Holbein, sadistischer Spezialist für Stockhiebe, hat das Sagen im „Glashaus“, wie die Bombayiten Sankt Helena wegen der vielen Fenster nennen, also ist dessen bevorzugter Prügelknabe nicht böse, das Weite suchen zu können …

Von 1854 bis 1857, kurz vor Ausbruch des ersten indischen Unabhängigkeitskrieges, reisten die Schlagintweits, und Kloeble hat sich beim Schreiben eng an ihrer tatsächlichen Tour orientiert, durch Indien und Hochasien. Auf Empfehlung von Alexander von Humboldt beauftragte die britische East India Company die Brüder mit der umfassenden Kartierung und Dokumentierung ihres Hoheitsgebiets, denn der sogar Gesetze erlassende, eine eigene Soldateska unterhaltende Konzern herrschte über weite Teile des Subkontinents wie eine Staatsmacht, einem Auftrag, dem die Schlagintweits mit einer breiten Palette an Untersuchungen nachkamen.

Robert Schlagintweit: Group of Hindu Women. Sudracaste from Bengal. Aus: Schlagintweitiana IV.2, Bild 34, Bayerische Staatsbibliothek

Robert Schlagintweit: Rajaram, Rajput, 34 years. Audh, Native Officer. The sword in the right hand is called Talvar. Aus: Schlagintweitiana IV.2, Bild 4, Bayerische Staatsbibliothek

Sie drangen in bis dahin unentdeckte Gebiete vor, den Himalaya, das Karakorum, das Kuenluen, sammelten an die 40.000 Objekte, von Pflanzensamen und Tierhäuten bis Gebetsfahnen und tibetischen Drucken. Sie verfassten tausende Seiten von Notizen, fertigten hunderte Skizzen, Aquarelle und Platinotypien, viele davon heute im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek (www.bsb-muenchen.de) und des Deutschen Alpenvereins (www.alpenverein.de) – und nach Art der Toten- von allerdings lebenden „Eingeborenen“ abgenommene Gesichts- masken, die sie nach den damals gängigen Rassentheorien der „People of India“ in vier Hauttönen bemalten.

Mitten im „Great Game“, Rudyard Kiplings Begriff für die zentralasiatischen Konflikte an der Demarkationslinie des chinesischen, russischen und britischen Reichs, sollen sie nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Spione geforscht haben. Adolph, der im Gegensatz zu den die Schiffspassage wählenden Hermann und Robert die Heimreise per Landweg durch diesen politischen Brandherd antrat, wurde in die revolutionären Umwälzungen in der Grenzregion verwickelt und in Kashgar wegen dieser Spionagevorwürfe enthauptet. Eine Hinrichtung, bei der auch Bartholomäus gegen Ende des Buches zugegen ist.

Kloeble, überzeugt davon, dass sein Ich-Erzähler so fiktiv nicht sein kann, nützt die Figur für einen Kunstkniff. Er lässt den Bediensteten der Forscher die Spielregeln umdrehen, indem er die Herren Wissenschaftler zu seinen Untersuchungsgegenständen macht. Er beobachtet sie, analysiert sie, hinterfragt ihr Handeln und ihre Absichten. „Bartholomäus lässt uns erleben, wie es gewesen sein muss, wenn fremde weiße Männer plötzlich in dein Leben platzen, dich zum Sprechen ihrer Sprache zwingen, alles in deiner Heimat so benennen, wie es ihnen beliebt, und all das immer mit der Haltung, dass du ihnen in jeder Hinsicht unterlegen bist und sie die Spitze der Evolution sind“, sagt Kloeble im Interview.

Diese hochaktuelle, da bis in die Gegenwart Nachwehen zeitigende Kritik am Aufblühen Europas durch die Unterwerfung und Plünderung seiner Kolonien führt als roter Faden durch „Das Museum der Welt“. „Die Vickys“, so nennt Bartholomäus die Briten, es ist seine Abkürzung für viktorianisch, „hatten das Land vernachlässigt, um Profit zu machen, und so mordete der Hunger Abertausende Indier.“ An anderer Stelle ist der Heranwachsende ein durchaus humorbegabter, still-satirischer Betrachter der Betrachter sowie deren Sitten und Gebräuche. „Leider ist im Durchschnitt nur jeder vierte Bayer angenehm“, notiert er über die drei Brüder.

Robert Schlagintweit: Maadhab Doss, Writer – Kaste of the Kalkutta Bengal (Detail). Aus: Schlagintweitiana IV.2, Bild 21, Bayerische Staatsbibliothek

Robert, Adolph und Hermann Schlagintweit. Urheberrechte: Archiv des Deutschen Alpenvereins, München. Gebrüder Schlagintweit: FOP 1 FF 627 und FOP 1 FN 190

Über Hermann, er „war der unbarmherzige König des Redens. Auf den Bazars flohen selbst Banias und Jains vor uns, weil er sie kaum zu Wort kommen ließ“, und über dessen Fluch auf die britische Bürokratie, die die Karawane wieder einmal ausbremst: „Was ein Zwirn ist, weiß ich, und Himme bedeutet wahrscheinlich Himmel – aber was ist ein O-asch?“ Eine Vokabel, die sich der Abenteurer-Azubi flugs einverleibt und zunehmend routiniert gebraucht. Andere, Hindi-, Marathi-, Punjabi-, Bengali-Worte, hätten der Übersetzung und Erläuterung bedurft. Man merkt dem Roman an der Detailverliebtheit der farbenprächtigen Schilderungen an, dass sein Autor in Indien im Gegensatz zum Leser zu Hause ist – und wie bei mehr als 500 Seiten Umfang noch ein Glossar fordern?

Nicht nur der schweigsame, sich meist unters schwarze Tuch seiner Kamera verkriechende Robert, nicht nur die in permanenter Streitpose aufgestellten Hermann und Adolph haben Bartholomäus‘ Aufmerksamkeit. Mit spürbarer Zuneigung entwirft Kloeble auch die anderen Charaktere im Train. Die Köchin Smitaben aus Gujarat, von allen Maasi/Tante genannt, eine stattliche, nicht auf den Mund gefallene Person, die Mutter der Kompanie, vor der sogar die Schlagintweits Habt-Acht stehen. Der Punjabi Devinder, der vom faulen Klostergärtner zum nicht minder arbeitsscheuen Lastenträger zum strammen Kriegsdiener wird. Der Parsi Hormazd, Herr über Zahlen und die Buchhaltung der Schlagintweits, dessen exotisch anmutender Glaube an die Lehre des Zoroastrismus verwundert. Der als Präparator eingestellte, indo-portugiesische Mr. Monteiro, der gutmütige, wenn auch glutäugige, Khansaman/Butler Mani Singh, ein Sikh, der Makadam genannte Hüter der Kamele, schließlich der seltsame Brahmane und Arzt Dr. Harkishem und Eleazar, der Sinistre, ein Bania mit jüdischem Namen.

„Wir sind eine Gruppe aus Firengi, Sikhs, Moslems, Hindus, die unterschiedlich aussehen, unterschiedliche Sprachen sprechen und zu unterschiedlichen Göttern beten. Ich würde uns auch nicht trauen“, sagt Bartholomäus, alldieweil er zu „Adolphji“ doch eine besondere Beziehung aufbaut, den Firengi, der nicht gekommen ist, um Indien Ordnung zu bringen, sondern mit dem es so ist, als ob er schon immer hier gewesen wäre, der Bartholomäus auf seinem Pferd mitreiten lässt, dem er beim abendlichen Aquarellieren die Fackel hält – und mit dem er durch ein Guckloch die Gopis/eigentlich: Kuhhirtinnen, mit denen allerdings Gott Krishna eine orpheusische Begebenheit erlebt, eines Maharadschas bestaunt.

Derart durchwandert man mit den Augen Bartholomäus‘ Indien, sieht die „schöne Vicky“ Calcutta mit ihrem Tram Car, hört seinen Gedankendisput mit dem Generalgouverneur James Broun-Ramsay, wenn der herrenmenschlich-überheblich seinen „bescheidenen Geniestreich“, die Doctrine of Lapse, lobt, die es der Company erlaubt, bei Bedarf jeden Staat eines „verbündeten“ indischen Fürsten zu annektieren, geht mit ihm auf Bälle und ins Gefängnis, wo Häftlinge von den Wärtern unter Schlägen zur Gesichtsmaskenprozedur gezwungen werden, entrinnt den Thugs und ihrer blutigen Göttin Kali, gelangt bis an den Himalaya, in die Unendlichkeit von Eiseskälte und Entbehrungen und lässt sich darob mit ihm von Göttin Nanda Devi die Sinne rauben.

Robert Schlagintweit: Sumsan, Musalman, 42 years, Agra (Musalman Fakir) He is a leper. Aus: Schlagintweitiana IV.2, Bild 58, Bayerische Staatsbibliothek

Robert Schlagintweit: Group of Kulis. Northern Bengal. Aus: Schlagintweitiana IV.2, Bild 31, Bayerische Staatsbibliothek

 

Nicht nur Bartholomäus entwickelt sich, auch sein Coming-of-Age-Roman. Er wird vom historischen mehr und mehr zum politischen, denn man nähert sich nicht nur geografisch, sondern auch zeitlich dem sogenannten Sepoyaufstand. „Ich bin jemand, der alles dafür tun würde, damit Indien wieder frei ist“, sagt einer der Expeditionsteilnehmer zu Bartholomäus, und dann tut sich eine ganze Gruppe Widerstandskämpfer aus allen Kasten um ihn auf. Die Papierpatronen des Enfield-Gewehres werden geschmuggelt, nach einem hartnäckigen Gerücht mit einer Mischung aus Rindertalg und Schweineschmalz behandelt, und daher weder für hinduistische noch muslimische Armeemitglieder abzufeuern.

Bartholomäus soll die Schlagintweits ausspionieren, sonst werde Smitaben ermordet – und bald gibt es im Train erste mysteriöse Todesfälle. Und am Schlimmsten: Bartholomäus erkennt die Wahrheit hinter Vater Fuchs‘ Verschwinden. Kloeble entwirft eine Gemeinschaft jenseits von ganz gut und komplett böse, er zeichnet seine Figuren in bemerkenswerter Vielschichtigkeit, Rollenspieler die meisten, die ihr Ich erst nach und nach offenbaren – und am 20. Oktober 1857 wird’s der jüngste Rebell sein, der dies tut …

Den Schlagintweits war bei ihren britischen Auftraggebern kein Ruhm beschert. Das Londoner Wissenschaftsjournal Athenaeum formulierte süffisant über die „Inanspruchnahme“ englischer Erkenntnisse durch Deutsche: „Die preußischen [sic!] Gentlemen, so erfahren wir, haben Tibet erschlossen und sind nun dabei, Indien in Europa bekannt zu machen. Wir in England dachten, dass wir ein bisschen über Indien gewusst und etwas dafür getan hätten, seine physischen und geografischen Merkmale bekannt zu machen. Aber anscheinend unterlagen wir, so scheint es nun, merkwürdigen Trugbildern …“

Über den Autor: Christopher Kloeble wuchs in Oberbayern auf und studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, unter anderem den Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung für das beste Romandebüt 2008, „Unter Einzelgängern“, und für das Drehbuch zu „Inklusion“ den ABU-Prize für das beste TV-Drama. Er war Gastprofessor in Cambridge, Großbritannien, sowie an diversen Universitäten in den USA, zuletzt am Dartmouth College. 2012 veröffentlichte er den vielbeachteten Roman „Meistens alles sehr schnell“, der auch in Israel und den USA erschien. Derzeit arbeitet er an der Verfilmung. Kloeble lebt in Berlin und Delhi, da seine Frau in Neu-Dehli aufgewachsen ist.

dtv, Christopher Kloeble: „Das Museum der Welt“, Roman, 528 Seiten.

Christopher Kloeble liest aus „Das Museum der Welt“: www.youtube.com/watch?v=UIkcKf7vicE

www.dtv.de           www.christopherkloeble.de

Die Platinotypien von Robert Schlagintweit, aus: Schlagintweitiana IV.2, wurden vom Nachlassreferat der Bayerischen Staatsbibliothek, München www.bsb-muenchen.de, die Porträts der Gebrüder Schlagintweit vom Archiv des Deutschen Alpenvereins, München www.alpenverein.de zur Veröffentlichung auf mottingers-meinung.at freigegeben.

  1. 2. 2020

Werk X: Dunkel lockende Welt

Oktober 25, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Creepy Zirkus um einen kleinen Zeh

Als wär‘ die dunkel lockende eine unter der realen liegende, ins Irreale verzerrte Welt: Constanze Passin als Kieferchirurgin Corinna Schneider. Bild: © Matthias Heschl

Pianola, Salonflügel, Akkordeon. Wojo van Brouwer tastet sich an die Tasteninstrumente heran, rangiert und arrangiert sie auf der Spielfläche, positioniert sich erst als Klavier- falschspieler, bevor er zur Quetschkasten-Kakophonie übergeht. Das Gesicht gekalkt, die Lippen blutrot, um die Augen einen Hauch Blau, heißt so viel wie – Manege frei für die Händl-Klaus-Clowns! Diese allerdings sind nicht die von der heiteren, sondern von der horriblen Sorte, also: mehr Pennywise als Pierrot.

Nurkan Erpulat hat im Werk X die „Dunkel lockende Welt“ des Tiroler Dramatikers inszeniert, und der Zirkus, der im Text um einen kleinen Zeh gemacht wird, ist bei ihm definitiv creepy. Changiert das Stück, 2006 von Theater heute zu dem des Jahres gewählt, zwischen bestialischer Lakonie und banaler Abgründigkeit, so trifft der Regisseur diesen Ton genau. Das Stafettenspiel dreier Zweierbegegnungen gerät ihm großartig – monströs, morbid, makaber. Erpulat entwickelt die kuriose Komödie zur Krimigroteske, formt aus den Händl-Klaus’schen Charakteren Kunstfiguren, scheut weder Kaugummi-Slapstick noch Plattitüden-Smalltalk.

Im gleichen Geiste erkunden die Darsteller Constanze Passin, Wiltrud Schreiner und Woja van Brouwer die Grenzen zum Outrieren, genussvoll loten sie die Untiefen ihrer Rollen aus, Passin als fahrige Kieferchirurgin Corinna Schneider, die ihren ersten Auftritt als saubermach‘-süchtige Bodenturnerin absolviert; van Brouwer als schrecklich schrulliger Vermieter Joachim Hufschmied, der jederfrau Mutters abgetragene Garderobe aufzwingen will, diese tot und eingeäschert, die Urne irgendwo in den Kartons mit dem guten Porzellan, gegen die er so gern tritt; Wiltrud Schreiner als Corinnas Mutter Mechtild, eine ans Anpacken gewöhnte Biologin, deren Stärke nicht das aktive Zuhören ist.

Es erklingt Kakophonie auf dem Akkordeon: Wojo van Brouwer als Vermieter Joachim Hufschmied. Bild: © Matthias Heschl

Ein sehr großes Gerüst für nur einen kleinen Zeh: Constanze Passin. Bild: © Matthias Heschl

Suada über Photosynthese: Wiltrud Schreiner als Mutter Mechtild mit Constanze Passin. Bild: © Matthias Heschl

Späte Erkenntnis über ein Kennen von früher: Wiltrud Schreiner und Wojo van Brouwer. Bild: © Matthias Heschl

Unfassbares könnte passiert sein. Corinna, vorgeblich auf dem Weg in den peruanischen Dschungel, um dort „Hasenscharten auszumerzen“, will ihre Leipziger Wohnung Herrn Hufschmied übergeben, doch findet der in einer Ecke einen abgehackten kleinen Zeh, eindeutig menschlich, sie sagt von Anatomiestudien, aber – Fingerzeig: Freund Marcel ist schon die Wildnis vorausgeflogen. Das an sich schon schräge Gespräch mit dem Hausherrn wird für die Putzteufelin zum Spießrutenlauf durch immer abstrusere Ausreden. Man findet sie, tatsächlich job- wie obdachlos, bei Mutter in München wieder, die sie beauftragt, vom südlichen in den östlichen Freistaat zu reisen, um „einen Gegenstand“ zu holen.

Eintreffen Mechtilds bei Joachim, die beide zu spät erkennen, dass man einander von früher kennt. Noch ein schauriges Geheimnis, und weil das Ganze eben vom Händl Klaus ist, kommt am Ende natürlich ein Kater vor. Carlos, der dem Konflikt-Zeh kotzend den Garaus macht. Diesen hat Turgut Kocaman in gigantischen Ausmaßen designt, ein riesiges, schwarzweißes Kunstwerk, das auf zwei übermannsgroße Gerüste montiert ist, auf denen – siehe Szene drei – ein Koitus zur Schwerstarbeit wird. Die Bühne hat Ausstatter Renato Uz mit glänzender Folie ausgeschlagen, in der sich die allesamt weiß gewandten Schauspieler wiederspiegeln, als wär‘ die dunkel lockende eine unter der realen liegende, ins Irreale verzerrte Welt. Van Brouwers Vermieter trägt selbstverständlich auch Tania Blixens Buch unter den Arm geklemmt.

Für jede Episode hat Erpulat einen eigenen Dialogstil, anderes Temperament, anderes Tempo vorgegeben. Zwischen Corinna und Joachim ergießen sich Inhalte Über-Leben, er schwadroniert sich ins Elegische, sie antwortet gedrängt, und keine Übereinkunft nirgendwo, spricht sie von entzündetem Zahnfleisch, dann er von seiner ebensolchen Seele. Im spektralfarbenen Prismaschatten antwortet Corinna ihrer Mutter in Stakkato-Halbsätzen. Die monologisierende Mechtild ist nämlich kaum zu unterbrechen, für ihre akademische Suada über Photosynthese bekommt Wiltrud Schreiner sogar Szenenapplaus, alldieweil Frau Dr. im Vortragmodus die verzweifelten Hilferufe ihrer heimgeflüchteten Tochter geflissentlich ignoriert.

Morbid, makaber, alkoholisiert: Wojo van Brouwers Joachim und Constanze Passins Corinna geben sich per Hochprozentigem die Kante. Bild: © Matthias Heschl

„Dunkel lockende Welt“ ist ein fabelhaftes Totsein- oder Taubstellen-Stück, ein Text über die Abwesenheit von Geborgenheit, übers Fehlen von Gefühlen, diese zwei verwandten Wesen, deren Darbietung nicht als Kraft-, sondern Luftakrobatik – samt Lügennetz unterm Trapez – vonstatten geht. Die Artisten-Akteure turnen ohne Punkt und Komma von Satz zu Satz, Sätzen, in denen ein Bonmot das andere ergibt, wo man einander nach dem Mund redet, sich ins Wort fällt, ergänzt und unterbricht.

Hinter laut ausgesprochenen Unwahrheiten lauert die unausgesprochene Wahrheit, und diese ist zumindest für die Zuschauer nur schlecht versteckt. Händl Klaus und Nurkan Erpulat hantieren Wiederholungen wie drollige Requisiten. Die ständig aufs Neue malträtierten Klaviertasten. Das Abwarten und Alkoholtrinken. Die von Joachim als absonderlichen Schatz angebotene Altkleidersammlung seiner Mutter, ein Stoffhaufen von dem Mechtild knapp vor Sex kippt, was die Schreiner mittendrin zum Lachen bringt. Erpulat zieht Händl Klaus‘ durchdrehende Sprechschraube bis zum Anschlag an. Herrlich ist es, wie sich Wiltrud Schreiner und Wojo van Brouwer in der Schlussszene in die Höhe lizitieren. Allein ihr Exkurs über finnische Wintergräber, sie werden solange die Erde weich ist prophylaktisch ausgehoben, um Verstorbene später im hartgefrorenen Boden beerdigen zu können, ist den Besuch dieses Theaterabends wert.

„Ich schöpfe aus der Lücke“, sagt Joachim, und „Soll ich die Luke öffnen?“, wird Mechtild aufs improvisierte Kleiderlager gebettet rückfragen. Ringsum Schutt und Mutters Asche und ein bestens amüsiertes Publikum. Das mit viel Jubel und Applaus diesen skurrilen Schwank ums Sein oder Nichtsein und Nichtmehrsein bedankte.

werk-x.at

  1. 10. 2019

Karikaturmuseum Krems: Wettlauf zum Mond!

Februar 20, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Comics und Cartoons aus der Welt der Science-Fiction

Mathias Kollros: Fly Me To The Moon, 2009 © Mathias Kollros

„That‘s one small step for a man, one giant leap for mankind.“ Dieser Satz veränderte am 21. Juli 1969 den Blick auf die Welt und den Kosmos. Der US-Astronaut Neil Armstrong setzte als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond und erlangte mit der Übertragung dieses Satzes Weltruhm. Anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Mondlandung, zeigt das Karikaturmuseum Krems ab 24. Februar die Ausstellung „Wettlauf zum Mond! Die fantastische Welt der Science-Fiction“.

Die Schau zeichnet anhand historischer Karikaturen und Dokumentationen den Wettlauf ins All, der zwischen den USA und der ehemaligen UdSSR stattfand, nach. Dieses kampfartige, inszenierte Wettrüsten der technischen Entwicklun-gen in der Raumfahrt schlug sich in vielen Comics, Illustrationen und Cartoons nieder. Die Karikaturen bezeugen einerseits das große Interesse der Menschen an der technischen Eroberung des Weltalls, aber gleichzeitig thematisieren sie Vorbehalte gegenüber der dabei entstehenden Bedrohung durch das Wettrüsten zwischen den Großmächten.

Bis jetzt ist dieses Kräftemessen hoch aktuell, erst heute unterzeichnete der amerikanische Präsident Donald Trump ein Dekret zur Schaffung einer Weltraumarmee, der sogenannten Space Force: „Wenn es darum geht, Amerika zu verteidigen, reicht es nicht, nur eine amerikanische Präsenz im All zu haben. Es muss eine amerikanische Dominanz im All geben.“ Im Gegenzug präsentiert Wladimir Putin eine Serie neuer Atomwaffen und löste damit international Besorgnis aus. Das sogenannte Awangard-System, eine Hyperschallwaffe, so Putin, sei „unbesiegbar“, die neuen Waffen könnten fast jeden Punkt der Welt treffen und können von keiner Raketenabwehr abgefangen werden …

Horst Haitzinger: … soweit man sich halt aufs Personal verlassen kann!, 1996, Landessammlungen Niederösterreich © Horst Haitzinger, Bild: Christoph Fuchs

Torben Kuhlmann: Der erste Erdbewohner auf dem Mond, 2015 © Torben Kuhlmann, NordSüd Verlag AG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor dem Hintergrund des viel beschworenen „Golden Age of Space“ entstanden Anfang der 1960er-Jahre viele Science-Fiction-Serien. Das war auch die Geburtsstunde der Perry Rhodan-Heftromanreihe, die von dem berühmtesten Zeichner dieser Serie Johnny Bruck detailgetreu und fantastisch illustriert wurde. Dem Jahrhundertereignis der Mondlandung widmet sich auch der mehrfach preisgekrönte Kinderbuch-Illustrator Torben Kuhlmann, dessen Debütwerk „Lindbergh“ mittlerweile in 20 Sprachen übersetzt wurde. Kuhlmanns Maus Armstrong macht sich im gleichnamigen Buch auf die lange Reise zum Mond.

Die Comics von ASH – Austrian Superheroes – punkten mit österreichischen Superhelden. 2015 als Crowdfunding Projekt gestartet, begeistern Heldinnen und Helden mit klingenden Namen wie Captain Austria, das Donauweibchen oder Lady Heumarkt. Ihre Abenteuer sind mehrheitlich an heimischen Schauplätzen und heuer erstmals auch am Mond angesiedelt. Künstlerin Michaela Konrad bedient sich dem Comic Covers Stil der amerikanischen Golden Age Comics. Inspiriert von Fantasten wie Aldous Huxley, George Orwell oder Phillip K. Dick kreiert sie eine vergangene Vision aktueller Ereignisse.

ASH – Austrian Superheroes, Flügelkämpfe. Attacke am Großglockner – Auftritt für STIER und KARAWANKA, Cover Nr. 13, 2018 © ASH – Austrian Superheroes

Johnny Bruck: Der Unsterbliche. Ein ganzes Sonnensystem vom Untergang bedroht – nur Perry Rhodan kann die Rettung bringen, Nr. 19 aus der Serie Perry Rhodan, der Erbe des Universums, Covergestaltung © Pabel-Moewig Verlag GmbH

Die große Bandbreite der satirischen Zeichnungen reicht von historischen Karikaturen bis hin zu den TV-Samplings des Medienkünstlers Kurt Razelli. Seine Faszination für den Weltraum drückt er in den aktuellen Polit-Mash-up Videos zu Lost in Space aus. Von der Presse als „der Manfred Deix der bewegten Bilder bezeichnet“, macht Razelli aus Interviewsequenzen von Promis, Politikern oder einfachen Menschen tanzbare Discobeats und Dancetracks. Die Ausstellung wird mit Infotainment-Stationen zum Thema Science-Fiction trifft Non-Fiktion abgerundet: Unglaubliche aber wissenschaftlich fundierte Hintergrundinformationen und Erkenntnisse zum Mond und Kosmos präsentiert der Kremser Astronom und Science Buster Florian Freistetter.

20. 2. 2019