Wean hean 2014

April 22, 2014 in Klassik

VON RUDOLF MOTTINGER

Na, des kann wos wean!

Johannes Silberschneider Bild: © Gerd Neuhold

Johannes Silberschneider
Bild: © Gerd Neuhold

15 Jahre wean hean – das Wienerliedfestival und 20 Jahre Wiener Volksliedwerk im Bockkeller! Vom 24. April bis 17. Mai 2014 feiert und befeuert wean hean deshalb mit zehn außergewöhnlichen Konzertereignissen das Wienerlied in seiner Vielfarbigkeit und seinen vielschichtigen Dimensionen. Spannende Themenabende werden eigens ausgetüftelt, Uraufführungen und neue Szenerien initiiert sowie gleichsam vertraute wie noch nie dagewesene musikalische Wege beschritten. Auf das geschätzte Publikum wartet ein imponierendes Jubiläumsprogramm mit markanten Künstlern und Künstlerinnen, mit bestechenden Interpreten und Interpretinnen. Die musikalischen Wogen tragen uns an ausgewählte Schauplätze in Wien, zwischen Zentrum und lauschigem Stadtrand.

Die erste wean hean Welle führt uns nach Ottakring, zur „Wiege“ des Wienerliedes. „In Ottakring draußt“, in den Gefilden des Liebhartstals und Gallitzinbergs, wird am 24. April eine musikalische Auslese der Wienermusik-Hautevolee wie Roland Neuwirth, Kurt Girk, Karl Hodina, Rudi Koschelu sowie Federspiel, Rutka.Steurer u.a. das Festival eröffnen. Schon um 1900 war diese Gegend ein beliebtes Ausflugsziel. So besaßen die Gebrüder Gammer hier ein Gasthaus, das inmitten eines weitläufigen Gartens lag, der an die 2000 Personen fasste und von 100-jährigen Bäumen beschattet wurde. 1906 ließen sie ein zweites, einstöckiges Gasthaus erbauen: den Bockkeller, der 2014 im Brennpunkt des wean hean Festivals steht. Hier befindet sich der einzigartige Spiegelsaal, der Veranstaltungsort des Wiener Volksliedwerks. Die weiteren Schauplätze der Eröffnung wie das Schutzhaus Waidäcker und der Heurige 10er Marie liegen nur einen Steinwurf von hier entfernt.

Die Ausstellung „Franz is here! Franz Ferdinands Reise um die Erde“ veranlasst wean hean in Zusammenarbeit mit dem Weltmuseum Wien einen Blick auf das Tagebuch der Weltreise 1892/93 des 1914 ermordeten Thronfolgers zu werfen und seine musikalischen Vorlieben zum Klingen zu bringen. In der Säulenhalle des Weltmuseums stehen am 28. April Unterhaltungs- und Salonmusik, alpenländische Lieder und Jodler, Schlager sowie österreichische Traditionsmärsche jener Zeit im Fokus. Die Neuen Wiener Concert Schrammeln, Stippich & Stippich und Soyka & Stirner garantieren einen abenteuerlustigen Abend, dessen Erlebnisreichtum durch Lesungen von Chris Pichler ergänzt wird.

Im Rahmen einer Personalie stellt wean hean eine nuancierte und talentierte Frau in den Mittelpunkt: Julia Lacherstorfer. Diejunge Geigerin, Bratschistin, Sängerin und Komponistin hat in den letzten Jahren mit ihrer außergewöhnlichen, erfrischenden Kreativität im Bereich zeitgenössischer traditioneller Volksmusik und Crossover Aufsehen erregt. Ihr Können verwirklicht sie in den Formationen Ramsch & Rosen, Alma und Neuschnee. Jede Gruppe steht musikalisch großartig für sich. Am 30. April werden sie alle gemeinsam im Theater Akzent auftreten. Ramsch & Rosen präsentieren zudem an diesem Abend ihre erste CD „Bellver“ (Lotus Records).

Am 3. und 4. Mai lässt wean hean 20 Jahre Wiener Volksliedwerk im Bockkeller mit einem Auftragswerk an das Kabinetttheater hochleben. Unter der Regie von Thomas Reichert wird unter dem Titel „Versammlung unter Engeln“ eine ganz besondere Geschichte über das Haus und sein vergangenes wie gegenwärtiges Eigenleben erzählt. Das Team des Kabinetttheaters inszeniert sein unvergleichliches, auf die Bockkellerbühne zugeschnittenes Puppenspiel. Das Ensemble Zum fidelen Bock, das sind Anna Clare Hauf, Markus Kraler und Nikolai Tunkowitsch, zaubert dazu eine eigene musikalische Szenenfolge. Margret Kreidl hat zu einem „bewegten“ historischen Foto das Minidrama „Ollas Eibüdung“ verfasst, Texte von Friedrich Achleitner, Gustav Ernst, Tanja Ghetta, Ernst Jandl und Julia Reichert sind Teil der minidramatischen Aufführung.

Wie prominent das Wienerlied auftreten kann, führen Meistersinger und Meistersingerinnen am 7. Mai im Rathauskeller vor. Lassen Sie sich überraschen, welche Prominente aus Medien, Kultur und Politik neben den Genreroutiniers Agnes Palmisano, Roland Sulzer, Daniel Fuchsberger, Walter & Tommy Hojsa sowie den Schrammelknödeln im Rahmen der Benefizveranstaltung zugunsten der Wiener Tafel dem Publikum ihre ganz persönlichen Wienerliedinterpretationen präsentieren. Dabei sind unter anderem Johannes Silberschneider, Thomas Stipsits, Miguel Herz-Kestranek und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Tags darauf am 8. Mai im Porgy & Bess:„Das kann was wean“. Das Klangkombinat Kalksburg sortiert und arrangiert das Wienerlied nach jazzigen Gesichtspunkten neu und wird dabei wohl jegliche angestammte Ordnung über Bord werfen. Mit dabei: alles, was einschlägig Musik macht – von A wie Aichinger bis Z wie Zrost:Oskar Aichinger, Thomas Berghammer, Heinz Ditsch, Hannes Enzlberger, Christian Gonsior, Clemens Hofer, Paul Skrepek, Wolfgang V. Wizlsperger und Martin Zrost.

Wiederum einen Tag später, am 9. Mai, kehrt wean hean zurück in den Bockkeller, diesmal um das Wienerlied ins zeitgenössische Gewand im Zuschnitt Kurt Schwertsiks zu hüllen und ein Klangkleid für Stimme und Streichquartett zu kreieren. Christa Schwertsik wird gemeinsam mit dem Koehne Quartett das Bühnenweihespiel „Hans im Glück“ (op.96) von Karl Ferdinand Kratzlnach der Musik Kurt Schwertsiks aufführen. Weitere Rarität des Abends: Die Uraufführung einiger Wienerlieder steht am Programm!

Wer kennt nicht die Schlager „Veronika der Lenz ist da“, „Ich küsse Ihre Hand, Madame“, „Ich hab mir für Grinzing einen Dienstmann engagiert“ oder „Was macht der Maier am Himalaya“? Wer jedoch weiß darum, wer diese genialen Schlager geschrieben hat? Nach dem erfolgreichen Hermann Leopoldi Programm steht nun der 12. Mai ganz im Zeichen des großartigen Schlagerschöpfers Fritz Rotter. Einem österreichischen Krimi wie „Schnell ermittelt“ gleich, steigt unter der künstlerischen Leitung von Bela Koreny im Wiener Konzerthaus die Spannung mit jedem weiteren Künstlerauftritt: Ursula Strauss, Wolf Bachofner und Katharina Straßer. Ebenfalls mit dabei: Der für Musikfragen im Volkstheater unverzichtbare Patrick Lammer.

Ebenfalls um leichte Muse, allerdings in schwerer Zeit, geht es in einer Kooperationsveranstaltung mit der Wienbibliothek im Rathaus zu Wiener Musik im Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1914 wurde der Krieg als gemeinsame, gute Sache ausgerufen, so, als wäre er die einzig mögliche Haltung eines aufrechten Menschen. Auch Kabarett und Operette rückten nahezu geschlossen ein. An der Front und dahinter feierten sie die Kämpfe mythisch, feindselig und sentimental oder mobilisierten einfach das eigene Genre für die Propaganda. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr kamen Musiker und Textdichter als denkende Individuen wieder zu sich und die Themen und Töne der Lieder gewannen an Wirklichkeit und Vielfalt. Entlang bekannter, unbekannter, neuer und neu bearbeiteter Lieder fühlt der Abend den wechselnden Emotionen, Gesinnungen und Irrungen dieser Jahre nach.

Gemeinsam mit Hannes Löschel, Wolfgang Vincenz Wizlsperger, Theresa Eipeldauer und Thomas Berghammer leuchten die beiden Historiker Christoph Lind und Georg Traska Aspekte der Wiener Musik im „Großen Krieg“ aus. So heißt es am 15. Mai anlässlich der Finissage der Ausstellung „Wohin der Krieg führt. Wien im Ersten Weltkrieg 1914-1918“ im Festsaal des Rathauses: „Rosa, wir fahr’n nach Lodz!“

Zum Ausklang des Festivals im Schutzhaus Ameisbach werden musikalische Streiflichter auf Ödön von Horváths legendäre Bühnenstücke „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und „Kasimir und Karoline“ und deren Bezüge zum Volkssängertum geworfen. Die Verbindungen zwischen Wien und Bayern, zwischen der Wiener und der Bayerischen Volkssängertradition sind geradezu frappant! Die musikalischen Protagonisten des Abends, der bayerische Volksschauspieler Harald Helfrich, die Salonmusik Karl Edelmann sowie Stippich & Stippich, werden diese Beziehung mit Liedern von Ludwig Gruber, Carl Lorens, Walzern von Johann Strauss u.v.m. augenscheinlich machen. Das werte Publikum ist zum Mitsingen eingeladen!

http://www.weanhean.at

Wien, 22. 4. 2014

Wean Hean – Das Wienerliedfestival 2013

April 16, 2013 in Tipps

„Ich muss wieder einmal in Grinzing sein“

Wean hean: Grinzing Endstation Bild: Lena Appl

Wean hean: Grinzing Endstation
Bild: Lena Appl

Das 14. Wienerliedfestival wean hean lädt von 18. April – 16. Mai 2013 wieder zur musikalischen Reise durch die Stadt ein. Mit Konzerten, die von den Wurzeln bis hin zur jungen, bunten, wilden Gegenwart dieses Musikgenres führen. Festivaleröffnung am 18. April ist diesmal bei drei Heurigen in Grinzing. Frei nach dem Motto: (End)Station Sehnsucht. In Grinzing gibt es eine Himmelstraße, auf deren Weg sich das Wienerlied durch Pechschwärze, Humor, Sozialkritik und Drahrertum auf Himmelfahrt begeben kann. Bei den Heurigen Zum Berger, Zum Guten Grinzing und beim Reinprecht singen ab 18.30 Uhr Alma, Kurt Girk & Willi Lehner & Tommy Hojsa, Karl Hodina & Rudi Koschelu, Ingrid Eder & Michael Öttl & Christa Stracke, Oliver Maar, Rutka.Steurer, Roland Sulzer, die Neuen Wiener Concert Schrammeln & Traude Holzer bei freiem Eintritt.

In der diesjährigen Städtebegegnung zwischen Athen und Wien tragen Bohatsch & Skrepek keine Eulen nach Athen, sondern das scharf gefeilte, neue Wienerlied ins RadioKulturhaus, wo Vasiliki Roussi und Lakis & Achwach mit traditionellen Liedern aus der Metropole Griechenlands im fortschrittlichen Gewand auf sie warten (27. April, 19.30 Uhr). Seien Sie achtsam! heißt es im Theater Akzent, wenn sich das Trio Lepschi und die legendäre Kultband Worried Men Skiffle Group kein Blatt vor dem Mund und mit großer Beißkraft die Gesellschaft ins Kreuzfeuer nehmen (7. Mai, 19.30 Uhr). Die wean hean Band Weana Korn wird mit ihren Gästen Klemens Lendl, Walther Soyka, Karl Stirner und Thomas Berghammer im Progy&Bess vergangene Musikwelten neutönend paraphrasieren – allen voran Franz Schuberts Winterreise – und mit Vertonungen von gegenwärtigen, jungen Wiener Autoren das Jetzt verdeutlichen (26. April, 20 Uhr). In Zusammenarbeit mit dem Wien Museum bzw. anlässlich der Ausstellung Wiener Typen bringen Musikspezialisten die Atmosphäre verschwundenen Wiener Straßenlebens und deren Lieder ins Wien Museum ‒ mit dabei auch: Limonimann, Harfenist, Werkelmann, Lavendelfrau und Wäscherin (30. April, 19.30 Uhr).

Hip und trendig wird es in der Szene Wien, wenn junge Rapper und Rapperinnen unter dem Titel weana rapz das Wienerlied im „wean beat“ und Wiener Dialekt skandieren, allen voran A.geh Wirklich? (Alex Gabriel, 4. Mai, 20.00 Uhr). Mit kostbaren Edelstoffen der Musik und des Wortes staffiert das Raritätenduo Thomas Gansch & Georg Breinschmid die ehemaligen Ballräumlichkeiten, den Stadtsaal, aus (12. Mai, 20.00 Uhr). wean hean ist hier, wie auch in der Szene Wien, erstmals zu Gast. Im 15. Wiener Gemeindebezirk wird im Rahmen  einer Wienerlied-Buchpräsentation gemeinsam mit den Strottern und einem Offenen Wienerliedsingen feierlich Die schönste wean hean Veranstaltung begangen. Als Heimspiele des Festivalveranstalters Wiener Volksliedwerk gibt es im Bockkeller zwei Events: Der köstlich absurde Schauspieler, Kabarettist, Maler und Autor Karl Ferdinand Kratzl begibt sich mit Texten für klopfende Ohren und taube Herzen sowie mit schönen Mascherln fürs Ohrwascherl vom Trio Stippich Havlicek auf einen Ausflug durchs Wienerlied (20. April, 19.30 Uhr), während sich Helmut Jasbar, Heidelinde Gratzl und Melissa Coleman als Birds Of Vienna im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe wean modean instrumentaler, zeitgenössischer Wienermusik im Adlerflug näher (3. Mai, 19.30 Uhr).
Wiens Rapper sind übrigens eingeladen, Wienerlieder zu bearbeiten, eine Jury des Wiener Volksliedwerks – unter dem Vorsitz von Roland Neuwirth – wählt die besten MusikerInnen aus, die dann am 4. Mai 2013 in der Szene Wien ab 20 Uhr den neuzeitlichen Charme des Wienerliedes entdecken lassen.

www.weanhean.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 16. 4. 2013