Die Volksoper probt und spielt wieder

Juni 10, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

An den Juni-Wochenenden gibt es drei Konzerte

Bild: © Volksoper Wien

Nach vielen Wochen der #Corona-bedingten Schließung ist wieder Leben und Musik in die Volksoper zurückgekehrt. Bereits seit 2. Juni wird intensiv für die Eröffnungs- premiere „Sweet Charity“ und die Wieder- aufnahmen von „Kiss me, Kate“ und „Die lustige Witwe“ im September geprobt. Doch schon im Juni will das Haus fürs Publikum spielen: An den kommenden Juni-Wochenenden sind

jeweils drei Konzerte für maximal 100 Besucherinnen und Besucher mit dem Orchester der Volksoper Wien geplant. An den Samstagen finden jeweils zwei Konzerte um 15.30 Uhr und 18 Uhr statt, an den Sonntagen jeweils ein Konzert um 18 Uhr.

Am 13. und 14. Juni spielt das Orchesters der Volksoper Wien unter der Leitung von Guido Mancusi und mit den Solistinnen Bettina Gradinger und Vesna Stanković-Moffatt Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Rezitation: Robert Meyer. Das Salonorchester unter der Leitung des Volksopernoboisten Josef Bednarik präsentiert am 20. und 21. Juni gemeinsam mit den Solisten Anita Götz und Christian Drescher Werke von Joseph Lanner, Franz Lehár, Hermann Leopoldi und Josef Strauss. Moderation: Christoph Wagner-Trenkwitz Den Abschluss bilden drei Operetten- und Musicalkonzerte am 27. und 28. Juni unter der Leitung von Lorenz C. Aichner. Johanna Arrouas, Rebecca Nelsen, Elisabeth Schwarz, Ben Connor, Michael Havlicek und Vincent Schirrmachter singen Werke von Franz Lehár, Johann Strauß, Emmerich Kálmán, Harold Arlen und Lerner & Loewe. Moderation: Magdalena Hoisbauer.

Karten zum Einheitspreis von € 15,– sind seit heute erhältlich. Aus Sicherheitsgründen werden ausschließlich Einzel-Sitzplätze im Parkett angeboten. Die Konzerte haben keine Pause.

www.volksoper.at

10. 6. 2020

Volksoper: Robert Meyer präsentiert die Saison 2020/21

Mai 27, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Wir lassen uns von #Corona nicht entmutigen“

Bild: © Volksoper Wien

„Am 10. März um 11 Uhr Vormittag haben wir noch ,My Fair Lady‘ vor einem begeisterten jungen Publikum gespielt. Doch während der Vorstellung erreichte uns die Nachricht, dass ab sofort sämtliche Veranstaltungen mit mehr als einhundert Personen untersagt sind. Es war ein

Schock für uns alle – Solistinnen, Solisten, Chor, Orchester und Bühnenarbeiter waren wie gelähmt. Aber niemand hätte geglaubt, dass diese Vorstellung die letzte der Spielzeit sein würde“. Mit diesen Worten beginnt Volksopern-Direktor Robert Meyer seine Präsentation der Saison 2020/21. Fest entschlossen, sich von Ungewissheiten nicht entmutigen zu lassen, ist Meyer bereit, das Haus „zum ehestmöglichen Zeitpunkt“ wieder zu öffnen. Vorgesehen ist dafür fürs Erste der 6. September – mit Volksopernfest und Eröffnungskonzert.

„Müssten wir unsere Produktionen für 2020/21 unter ein Motto stellen, würde dieses wohl lauten: ,Die Hoffnung stirbt zuletzt'“, so Meyer weiter. „Es ist fast beängstigend, zeugt aber von der dauernden Gültigkeit großer Bühnenwerke, wie der Reigen unserer Premieren Antworten auf die gegenwärtige Krisensituation gibt, ohne dass wir diese zum Zeitpunkt der Planungen voraussehen konnten.“ Worauf sich Meyer bezieht, sind die Highlights des vielfältigen Programms: „Dort irgendwo draußen wartet die Welt …“, so träumt das Mädchen Charity Hope Valentine, in deren Namen sich Mitgefühl, Hoffnung und Liebe vereinen, in dem Musical „Sweet Charity“.

Am 13. September soll Broadway-Ikone Bob Fosses Vision nach Federico Fellinis Film „Die Nächte der Cabiria“ Premiere haben, ein Projekt, für das Fosse einerseits keinen Geringeren als den populären Dramatiker Neil Simon, andererseits den bis dahin relativ unbeachteten Komponisten Cy Coleman gewann. Dessen farbenreich-mitreißende Partitur, die zwischen klassischem Broadway-Sound, Jazz, Gospel und frühem Pop oszilliert, attestiert der Legende Fosse bis heute ein glückliches Händchen. Cy Colemans größter Hit dieses Musicals „Big Spender“ führt in jenes New Yorker Halbwelt-Milieu, dem die Titelheldin Charity Hope Valentine entspringt – eine junge Frau, die trotz herber Enttäuschungen den Glauben an das Gute im Menschen nie aufgibt.

Mit „Sweet Charity“ begeht die Volksoper ihre Saisoneröffnung 2020 und gleichzeitig die Erstaufführung des Werks am Haus. Mit Lorenz C. Aichner am Pult und in der Regie von Johannes von Matuschka schlüpft Lisa Habermann in die Rolle der süßen Charity. Pamina und Tamino stellen sich in Mozarts Meisterwerk „Die Zauberflöte“ gemeinsam allen Prüfungen. Nun laden zur Premiere am 17. Oktober Henry Masons Neuinszenierung und die musikalische Neueinstudierung durch Anja Bihlmaier zu einem frischen Blick auf diesen Fixstern des Volksopern-Repertoires ein. In der Verdi-Oper, die konzertant in Franz Werfels deutschsprachiger Nachdichtung präsentiert wird, unterliegen die Hauptpersonen hingegen in tragischer Weise der „Macht des Schicksals“.

Werfel hat nicht nur eine höchst poetische Übertragung geschaffen – Alvaros große Arie, „La vita è inferno all’infelice“, beginnt hier mit den Worten „Die Welt ist nur ein Traum der Hölle“ -, sondern auch wirkungsvoll in den Ablauf eingegriffen: So erklingt die berühmte Ouvertüre erst nach dem schicksalhaften Pistolenschuss, der Leonores Vater tötet und sie von ihrem Liebsten trennt. Von ihrem rachsüchtigen Bruder Carlos gehetzt, flüchtet Leonore in ein Kloster und wird erst im Sterben wieder mit Alvaro vereint sein. Premiere wird am 7. November, der Dirigent Jac van Steen sein. Die Leonore singt Melba Ramos.

Die Macht des Schicksals: Melba Ramos. Bild: © Johannes Ifkovits

Sweet Charity: Lisa Habermann. Bild: © Andrea Peller

Into the Woods: Juliette Khalil. Bild: © Johannes Ifkovits

Kaum eine menschliche Gabe ist zur Bewältigung schwieriger Zeiten wichtiger als der Humor – und der wird in Franz von Suppés Operette „Der Teufel auf Erden“ großgeschrieben. Als Nachtrag zu den Feierlichkeiten von Suppés 200. Geburtstag bietet das Haus nun ab 5. Dezember diese reizvolle Rarität: Der Teufel ist aus der Hölle verschwunden! Höllenknecht Ruprecht wird beauftragt, ihn auf Erden zu suchen. Dort gesellt sich mit dem Engel Rupert ein ungleicher Weggefährte zu ihm. Ein Nonnenkloster im 17. Jahrhundert, eine Kaserne im 19. Jahrhundert und eine Tanzschule im Heute sind die Stationen der atemlosen Fahndung nach dem Höllenfürsten.

Um dem, wie Suppé-Biograf Hans-Dieter Roser schreibt, „fröhlichen, musikalisch-anspruchsvollen Ganzen“ neue Prägnanz zu verleihen, hat Alexander Kuchinka den ursprünglichen aktuell-zeitkritischen Ansatz pointiert ins Heute übertragen. Der mit fantasievollen Produktionen mehrfach Volksopern-bewährte Ausstatter-Regisseur Hinrich Horstkotte inszeniert, am Pult Alfred Eschwé, als Ruprecht und Rupert sind Robert Meyer und Christian Graf zu sehen. Stephen Sondheims Musical „Into the Woods“ erzählt von Mut und Zusammenhalt in der Grenzsituation des gefahrenreichen dunklen Waldes, von Urängsten, verkörpert in Hexen und Riesen. Im März 2020 vollendete Stephen Sondheim sein 90. Lebensjahr. Nach „Die spinnen, die Römer!“ und „Sweeney Todd“ nimmt die Volksoper nun am 13. März zum dritten Mal ein Musical des Giganten in den Spielplan.

Auch in dem 1987 uraufgeführten „Into the Woods“ vereinen sich Klugheit, Witz und musikalische Eleganz in ganz besonderer Weise. Es sind Großteils wohlbekannte Figuren, die man in den Märchenwald begleitet: Rotkäppchen begegnet auf dem Weg zur Großmutter dem Wolf, Aschenputtel verliert den Schuh und findet ihren Prinzen. Der Bäcker und seine Frau kämpfen gegen den Fluch der bösen Hexe an, um ihren Herzenswunsch nach einem Kind zu erfüllen. Die Geschichten verschränken sich, allgemeine Zufriedenheit führt … in die Pause. Doch was passiert mit Märchengestalten eigentlich nach dem Happy End? Das erfahren die Zuschauer im zweiten Teil dieses modernen Meisterwerks, … denn auch Erwachsene brauchen Märchen! Dirigent ist James Holmes, die Regie von Olivier Tambosi, Robert Meyer tritt als Erzähler/Geheimnisvoller Mann auf – und DrewSarich als böser Wolf.

Das Thema von Brittens letzter Oper, „Death in Venice“, das Über/Leben in Zeiten einer Cholera-Epidemie, muss nicht weiter auf Aktualität untersucht werden. Thomas Manns 1912 erschienene Novelle, dieser Erzählung von Genie und ästhetischem Empfinden, Obsession, Homoerotik und Tabu faszinierte nicht nur Luchino Visconti, der den Stoff 1971 verfilmte, sondern auch Benjamin Britten, der 1973 mit seiner letzten Oper eines seiner dichtesten und abgründigsten Werke schuf. In einer Inszenierung des schottischen Regisseurs David McVicar, die in atemberaubender Weise die Atmosphäre Thomas Manns aufnimmt und meisterhaft widerspiegelt, wird das Werk nun erstmals an der Volksoper aufgeführt. Am Pult wird Gerrit Prießnitz stehen, den Gustav von Aschenbach singt Rainer Trost. Premiere ist am 17. April

Auch das Wiener Staatsballett, ab sofort unter der Leitung von Martin Schläpfer, präsentiert drei Premieren an der Volksoper, von denen Meyer eine besonders herausgreift: „In Brahms’ ,Ein Deutsches Requiem‘ singt die Solistin Worte, die uns Mut geben: ,Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.'“ Johannes Brahms schuf mit seinem op. 45 eine der ungewöhnlichsten Versionen der Totenmesse: Über alle Grenzen von Religionen, Konfessionen und Nationen wollte er sich erheben und hätte im Titel entsprechend „recht gern auch das ‚deutsch‘“ fortgelassen und „einfach den ‚Menschen‘ gesetzt“. Mit Martin Schläpfers Ballett kommt eines der international erfolgreichsten Werke des neuen Wiener Staatsballett-Direktors am 30. Jänner an die Volksoper.

Hollands Meister: Fitzka, Pokorný, Severi und Yuko Kato. Bild: © Tillmann Franzen

Der Teufel auf Erden: Robert Meyer und Christian Graf. Bild: © Johannes Ifkovits

Promethean Fire: Yuko Kato und Calogero Failla. Bild: © Tillmann Franzen

Davor vereint unter dem Titel „Hollands Meister“ die erste Premiere des Wiener Staatsballetts am 20. September drei Werke der ehemaligen Leiter des Nederlands Dans Theaters, mit dessen Gründung 1959 in der Geschichte des Balletts ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde. „Skew-Whiff “ bedeutet so viel wie „windschief“ und setzt der Fantasie, verschiedenste Fortbewegungen spielerisch auszuprobieren oder aus unsanften Stürzen erhebend komische Situationen zu machen, keine Grenzen: ein großer Spaß des Choreographenduos Sol León & Paul Lightfoot. Hans van Manens Beethoven-Ballett „Adagio Hammerklavier“ ist dagegen in seiner Konzentration und Klarheit ein sublimes Meisterstück. Und Jiří Kylián schuf mit seiner „Symphony of Psalms“ zu Strawinskis gleichnamiger Komposition ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts. In seiner charakteristischen temporeich-fließenden Bewegungssprache entfaltet er eine faszinierende spirituelle Architektur.

Mit der Premiere „Promethean Fire“ präsentiert das Wiener Staatsballett am 15. Mai zwei herausragende Künstler des American Modern Dance: Paul Taylor und Mark Morris. Taylors „Promethean Fire“ soll als direkte Reaktion auf die Anschläge von Nine-Eleven entstanden sein. Und wenn der Choreograph diese konkrete Assoziation später auch wieder zurückzog, so liegt doch eine katastrophische Grundstimmung im Raum: Konflikte brechen aus, Emotionen stoßen aufeinander – am Ende siegt jedoch die Hoffnung in diesem bewegenden Tanzdrama.

Mark Morris bringt dagegen mit seinem wunderbaren Humor neun Beaux auf die Bühne: schöne Männer, echte Kerle, aber auch Kumpel, Kavaliere und unschuldige Engel. Zugleich ist „Beaux“ aber auch ein in seiner Leichtigkeit höchst anspruchsvolles, luzides „Musizieren mit dem Körper“. Der kräftigen Modern Dance-Sprache der beiden Amerikaner antwortet Martin Schläpfer mit zwei Miniaturen: subtile, in feinen Farben leuchtende Bewegungsstudien, ein Programm, das an den äußeren Rändern des Prometheus-Motivs angesiedelt ist, zwischen Hybris und Menschlichkeit, Katastrophe und Schönheit, Schöpfung und Vergänglichkeit.

Im Kasino am Schwarzenbergplatz zeigt die Volksoper am 14. Juni die Österreichische Erstaufführung der berühmtesten Liebesgeschichte der klassischen arabischen Literatur: „Leyla und Medjnun“ in einer Inszenierung von Ruth Brauer-Kvam. Leyla liebt den melancholischen Dichter Medjnun, doch dieser liebt die Liebe an sich. Trennung, Verbannung, eine erzwungene Heirat und ewige Sehnsucht sind ihr Los. Und so ahnt Leyla, dass sie als Geliebte in der Welt von Medjnuns Versen keinen Platz haben wird … Detlev Glanerts Oper wurde 1988 bei der Münchner Biennale für zeitgenössisches Musiktheater uraufgeführt.

Die Komposition besticht – inspiriert von ihrem Sujet – durch ihre lustvolle Synthese von Orient und Okzident, ergänzt sie doch ein klassisches Kammerorchester durch das orientalische Saiteninstrument Ud. Literarische Basis des Werkes ist die gleichnamige Erzählung des persischen Autors Nizami aus dem 12. Jahrhundert. Sagt Glanert: „Es hat einmal jemand behauptet, die Musik ließe sich unterscheiden in Kopf-, Herz- und Bauchmusik. Darf ich in Anspruch nehmen, alle drei zu wollen?“, und Robert Meyer abschließend: „Liebe, Hoffnung, Zusammenhalt – das sind, ohne übermäßiges Pathos zu bemühen, die Botschaften unseres Spielplans.“ Seine Herzensangelegenheit für diese so nahe-ferne Zukunft: „Möge das Publikum, das ist mein inständiger Wunsch, in den Genuss dieses Spielplans kommen!“

Direktor Robert Meyer. Bild: © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

TIPP: Heute Abend stellt Volksopern-Chef Robert Meyer auf ORF III, 19.45 Uhr, in „Kultur Heute Spezial“ der Spielplan der Saison 2020/21 vor. Statements zu den geplanten Produktionen geben Regisseurin Ruth Brauer-Kvam und Regisseur Henry Mason, Chefdramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz, Dirigent Alfred Eschwé sowie der künftige Leiter des Wiener Staatsballetts Martin Schläpfer. Lisa Habermann, Julia Koci und Caroline Frank singen außerdem „There’s gotta be something better than this“ aus der Eröffnungspremiere „Sweet Charity“.

www.volksoper.at           Video: www.youtube.com/watch?v=WgFINKhqJ78

27. 5. 2020

Volksoper: Die Publikumslieblinge im Live-Onlinekonzert

April 24, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Meisterwerke der Operette und Musical-Evergreens

Bild: © Fidelio

Am 26. April präsentieren ORF III, Ö1 und die Klassikplattform fidelio ab 20.15 Uhr den zweiten von vorerst drei hochkarätigen Musikabenden live aus dem Großen Sendesaal des RadioKultur- hauses. Auf dem Programm stehen Meisterwerke der goldenen und silbernen Operettenära sowie zwei Musical-Evergreens. Johanna Arrouas, Martina Mikelić, Rebecca Nelsen, Ursula Pfitzner, Kristiane Kaiser,

Alexandre Beuchat, Ben Connor, Oliver Liebl, Carsten Süss und Vincent Schirrmacher singen Arien und Duette von Jahresregent Franz Lehár, dessen Geburtstag sich zum 150. Mal jährt, sowie aus dem Werk von Johann Strauß, Emmerich Kálmán und Ralph Benatzky. Alexandre Beuchat eröffnet den Abend mit „Da geh ich zu Maxim“ aus Franz Lehárs „Die lustige Witwe“, gefolgt von Rebecca Nelsen mit dem Vilja-Lied. Vincent Schirrmacher singt „Von Apfelblüten einen Kranz“ und „Dein ist mein ganzes Herz“ aus „Das Land des Lächelns“.

Per Videozuspielung von der Bühne der Volksoper ist Martina Mikelić mit „Ich lade gern mir Gäste ein“ aus der „Fledermaus“ zu erleben, gefolgt von Kristiane Kaiser aus dem RadioKulturhaus mit dem feurigen Csárdás der Rosalinde. Einen Ausflug ins Musicalfach macht Stefan Cerny mit „Ol’ Man River“ aus „Showboat“. Carsten Süss interpretiert „Komm Zigan“ aus Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ und gemeinsam mit Ursula Pfitzner das romantische Duett „Sag ja, mein Lieb, sag ja“.

Carsten Süss und Johanna Arrouas. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Ursula Pfitzner. Bild: © Alfred Eschwé

Ben Connor und Rebecca Nelsen. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Zwei Duette ganz unterschiedlichen Charakters aus der „Csárdásfürstin“ singen Johanna Arrouas und Ben Connor mit „Machen wir‘s den Schwalben nach“ sowie Ursula Pfitzner und abermals Ben Connor mit „Weißt du es noch“. Mit „Somewhere over the Rainbow“ aus „Der Zauberer von Oz“ träumt sich Johanna Arrouas in eine andere, bessere Welt. Und Oliver Liebl grüßt fröhlich per Zuspielung aus der Volksoper mit dem Schlager „Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin“ aus Ralph Benatzkys „Meine Schwester und ich“. Den Abend beschließen abermals Duette aus der „lustigen Witwe“, interpretiert von Johanna Arrouas und Vincent Schirrmacher mit „Wie eine Rosenknospe“ und Rebecca Nelsen und Alexandre Beuchat mit „Lippen schweigen“.

Begleitet werden die Solistinnen und Solisten von einem Streichquartett des RSO Wien mit Konzertmeister Peter Matzka, Primgeigerin Jue-Hyang Park, Bratschist Martin Kraushofer und Cellistin Solveig Nordmeyer. Am Klavier ist diesmal Volksopern-Korrepetitor Eric Machanic. Durch den Abend führt Christoph Wagner-Trenkwitz. Nach der Volksoper steht am 3. Mai das Konzert der Vereinigten Bühnen Wien an. Die Abende werden als Live-Stream und nach der TV-Ausstrahlung für sieben Tage als Video-on-Demand via ORF-TVthek kostenlos bereitgestellt.

www.volksoper.at           tv.orf.at/orfdrei           www.myfidelio.at           TVthek.ORF.at

24. 4. 2020

Volksoper: fidelio streamt Highlights und Klassiker

April 9, 2020 in Klassik, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Von der Csárdásfürstin bis zum Himmelstür-Axel

„Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit“: Drew Sarich als Antonio Vivaldi und Morten Frank Larsen als Kardinal Ruffo mit dem Jugendchor der Volksoper. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Ab heute zeigt die Streaming-Plattform „fidelio“ auf www.myfidelio.at einen umfangreichen Volksopern-Schwerpunkt mit Highlights und Klassikern. Auf dem Programm stehen insgesamt acht Erfolgsproduktionen, allein sieben davon aus der Direktionszeit von Robert Meyer. Mit den Operetten „Axel an der Himmelstür“, „Die Csárdásfürstin“ und „Der Zigeunerbaron“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=38635) werden gleich drei Meisterwerke

dieses Genres aus den letzten Jahren gezeigt. Auch die Kinderoper „Antonia und der Reißteufel“, der legendäre Ballettabend „Max und Moritz“ und die BaRock-Oper „Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=25338) sind im Angebot. Ein Wiedersehen gibt es mit Klaus Maria Brandauers Inszenierung von „Das Land des Lächelns“ aus dem Jahr 1996 mit Johan Botha als Sou Chong. Und für viel Heiterkeit sorgt die Opernparodie „Tannhäuser in 80 Minuten“, ein Soloabend, den Robert Meyer gemeinsam mit den Neuen Wiener Concert Schrammeln oft und gerne an der Volksoper gespielt hat. Ein „fidelio“-Tagesticket, mit dem man den 24-Stunden-Kanal ebenso lang nützen kann, kostet 4.90 Euro. Zwei Tipps aus dem Programm:

Bettina Mönch und Andreas Bieber (re.) in „Axel an der Himmelstür“. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

„Der Zigeunerbaron“: Kurt Rydl und Regula Rosin. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Applaus für „Die Csárdásfürstin“: Elissa Huber. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Kritik – Axel an der Himmelstür: Eine Operettenrarität als ganz großes Kino

Die Volksoper startet mit einem Riesenerfolg. Das Premierenpublikum von „Axel an der Himmelstür“ amüsierte sich zweieinhalb Stunden lang prächtig, entsprechend gab’s am Ende viel Jubel und Applaus. Dabei ist das musikalische Lustspiel von Ralph Benatzky und Paul Morgan gar nicht das Hitfeuerwerk, wie man es vom berühmten Komponisten gewohnt ist, und auch die Handlung ist überschaubar. Aber was Regisseur Peter Lund und sein Leading Team aus der Operettenrarität zaubern, ist einfach hinreißend. Ein gutgelauntes Ensemble präsentiert sich in Bestform und geht mit überbordender Spielfreude ans Werk. Das Tempo ist hoch, das Timing stimmt. Zu all dem trägt wesentlich Lorenz C. Aichner am Pult bei, der die neuen Arrangements von Kai Tietje zum Strahlen bringt.

Das Ergebnis ist ganz großes Kino. Im Wortsinn. Denn Lund, Bühnenbildner Sam Madwar und Kostümbildnerin Daria Kornysheva, die drei am Haus schon verantwortlich für „Frau Luna“, machen aus dem Stück einen Live-Schwarzweißfilm in bester Stummfilmtradition, so als müssten jeden Moment Harold Lloyd oder Fatty Arbuckle von der im Hintergrund gespannten Leinwand steigen. Auf dieser läuft Zeichentrick, laufen die Darsteller immer wieder mit den Strichmännchen um die Wette, dazu alte Fotografien von Beverly Hills Villen und den großen Studios. Was man eben so braucht für „Holly-Holly-Hollywood“, und eine Show mit allem – inklusive Showtreppe.

Über diese wird später Bettina Mönch schweben. Ganz überspannte Leinwandgöttin und immer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Mönch brilliert als Gloria Mills. Als großartige Komödiantin versteht sie es, diese Schönheit in Stasis aus der Fasson zu bringen, immer wieder trägt sie ihre Figur gekonnt aus der Kurve, wenn diese klagt, sie sei eine Puppe mit aufgepfropftem Image, wenn die Diva die Contenance verliert und die Stimme vom Kristallklaren ins Keifende driftet. Die Mills ist auch im echten Leben eine wahre Tragödin – und wie die Mönch das zeigt ist filmreif. Singt sie „Yes, Sir!“ macht sie daraus eine freche Revue-Nummer, wird sie von Axel aufgefordert „Zieh‘ dich aus, schöne Frau, denn du musst ins Bett“, wirft sie sich mit Verve aus der Schale.

Andreas Bieber ist ein wunderbarer Axel Swift „mit dem Stift“, den Wienerischen Stiftlmeier hat er aus Karrieregründen abgelegt. Bieber slapstickt sich durch die Szenen, dass es eine Freude ist, er ist nicht nur sängerisch und als Darsteller auf der Höhe, er macht aus seinem Axel eine Mischung aus hoffnungslos gutmütigem Tropf und beruflichem Ehrgeizling, sondern auch als Stepptänzer. Mönch und er agieren als Hinweis darauf, wie sehr Benatzky auf dem Weg war, die ehrenwerte Operette Richtung Musical zu drehen. Als Buffo-Paar Jessie Leyland, temperamentvolle Sekretärin der Scott Film Corporation, und ihr melancholischer Studio-Friseur Theodor Herlinger glänzen Johanna Arrouas und Boris Eder. Den beiden gehört einer der schönsten Momente der Aufführung, in dem der Emigrant aus Ottakring seinem US-Girl die alte Heimat preist … weiter auf: www.mottingers-meinung.at/?p=23082

Rebecca Nelsen als Annina Girò und Drew Sarich als Antonio Vivaldi. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Wer zuletzt lacht … das ist Martina Mikelić als Czipra im „Zigeunerbaron“. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

„Die Csárdásfürstin“: Jakob Semotan brilliert als Boni, mit ihm das Wiener Staatsballett. Bild: © Alfred Eschwé

Ein bezauberndes „Axel“-Buffo-Paar: Boris Eder und Johanna Arrouas. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Kritik – Die Csárdásfürstin: Der Erste Weltkrieg bricht übers Varieté herein

Das Bild zu Beginn beweist bereits, dass hier nichts Patina angesetzt haben wird. Da sitzen Edwin und seine Verlobte in spe, Stasi, in der Bibliothek derer von und zu Lippert-Weylersheim, sie orgelt schon einmal elegisch ein paar „Schwalben“ heim, er langweilt sich über seiner Zeitungslektüre. Da bricht aus dem Hintergrund und das Bühnenbild entzwei Edwins Erinnerung an die Revuewelt der Sylva Varescu. Das Budapester Sodom tanzt zwischen den Bücherwänden der Blaublüter. Heia, Heia, so beschwingt geht es her, wenn Regisseur Peter Lund an der Volksoper Emmerich Kálmáns „Die Csárdásfürstin“ inszeniert. Lund hat sich jedmöglichem Ungarn-Kitsch entzogen, die Optik seiner Arbeit ist von eher Klimt’scher Anmutung, dazu ein Hauch Dada – sogar eine Hugo-Ball-Figur in kubistischem Kostüm ist auf der Bühne.

Nicht einen Moment verliert Lund die Entstehungszeit dieses Schlageralbums der silbernen Operettenära aus den Augen, uraufgeführt 1915, ein Jahr nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Er kann, das hat er schon bei „Axel an der Himmelstür“ fulminant vorgeführt, den Staub wegblasen und trotzdem werktreu bleiben. Und so zeigt er – und wieder arbeitet er mit dem Stilmittel Film – Wochenschauaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg, Soldaten im Schützengraben, alte Zeitungsartikel über Siege und öfter noch Verluste, Flanieren über den Ringstraßenkorso und Fallen im Feld. Am Ende werden Kampfflieger übers „Habt euch lieb“ donnern, und man wird wissen, das Glück der frisch vereinten Paare hat ein Ablaufdatum. Wie’s der Feri Bácsi singt: „Weißt du, wie lange noch der Globus sich dreht / Ob es morgen nicht schon zu spät …“

Die spritzig-charmante Inszenierung ist unter der diesbezüglichen Leitung von Alfred Eschwé auch musikalisch in Höchstform. Das Volksopern-Orchester kann Walzer, Swing und Charleston vom Feinsten, der Chor des Hauses und das Wiener Staatsballett sind sowieso stets eine Freude. Ein wahrer Glücksgriff ist Elissa Huber, die als Sylva ihr Volksoperndebüt gibt, die virtuos zwischen lyrischen Höhen und erdigen Tiefen changieren kann, und die darstellerisch Paprika im Blut hat. Lucian Krasznec steht ihr als klassischer Operettenkavalier Edwin – seine Rolle nach einem veritablen „Schwalben“-Streit mit Stasi um „Heut Nacht hab ich geträumt von dir“ aus Kálmáns „Veilchen vom Montmartre“ aufgewertet – sängerisch und schauspielerisch in nichts nach … weiter auf: www.mottingers-meinung.at/?p=29560

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9. 4. 2020

Volksoper: Der Zigeunerbaron

März 1, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Strudelteig aus Temesvár

Eine Wandertruppe spielt die Moritat vom Zigeunerbaron: Kristiane Kaiser, Lucian Krasznec, Boris Eder, Martina Mikelić und Kurt Rydl. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Tatsächlich, Regisseur Peter Lund hat alle vorab getätigten Ansagen eingehalten. „Der Zigeunerbaron“, den er gestern an der Volksoper zur Premiere brachte, ist eine bis ins Detail durchdachte Auseinander- setzung mit rassistischem Klischeekitsch, martialischem Hurrapatriotismus und sogar dem k.k. Kolonialismus. Sein Studium der Novelle „Sáffi“ von Mór Jókai sowie Lunds historisches Interesse an den Johann-Strauß’schen Bezugspunkten sind deutlich miterleb- und nachvollziehbar.

Zeitgeschichte und Zeitgeist sind ebenfalls berücksichtigt, subtile Korrekturen an der einen oder anderen Stelle machen vieles drastischer, dramatischer, dramaturgisch ausgefeilter. Dem Zsupán wird, wie’s bei Jókai mit Sáffis „Hexen“-Mutter ja geschieht und wie es die Völkermordstrategie der NS-Vernichtungsmaschinerie war, der Halbsatz in den Mund gelegt, man solle alle Zigeuner verbrennen. Czipra und Saffi sprechen miteinander auf Romani, was ob des männlichen Nichtverstehens Absprachen zwischen den beiden Frauen möglich macht. Mirabella ist nicht die lang verschollene Carnero-Gattin, sondern Zsupáns Langzeitpantscherl.

Ottokar folglich der in höchst dubioser Situation gezeugte Sohn eines türkischen Paschas, dies wiederum eine Ohrfeige für die xenophobe Arsena. Im Wilde-Ehe-Duett wird der Dompfaff zur Spottdrossel. Die fliegt anfangs Laterna-magica-animiert durch die Ouvertüre, ein sinister dreinblickender Sinti-und-Roma-Chor singt mittendrein sein „Habet acht vor den Kindern der Nacht!“, über die abbruchreife Apsis/Schlossruine von Bühnenbildnerin Ulrike Reinhard ziehen Schattenspiel-Türken und Prinz-Eugen-Silhouette, Belagerung, Befreiung von Wien.

Der Doppeladler verformt sich zu zwei Todeskrähen, das fahrende Volk wird zur Wandertheatertruppe. Als deren Impresario kündet Boris Eder an, ein Stück über eines gewissen Zigeunerbarons Schicksal aufführen zu wollen, bevor er seine Tragöden samt ihren Rollen vorstellt. Einen „Kniff“ nennt Lund im Programmheftinterview diesen Thespiskarren, der „das Moritatenhafte der Handlung“ transportieren soll, und apropos: geleierte Melodie, moralische Belehrung, Lund ist letztlich so sehr mit P.C.-Sein beschäftigt, dass er auf die Operette vergisst.

Liebespaar I: Rydl und Regula Rosin. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Liebespaar II: Krasznec und Kaiser. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Liebespaar III: Anita Götz,  David Sitka. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Er hat das Rot-Gelb-Grün des Banat zu Grauschattierungen entfärbt, buchstäblich und sinnbildlich, die heitere Melancholie des Schnitzer-Librettos in ein bleiern schweres Melodram verwandelt, und wirklich schlimm ist: Alfred Eschwé, sonst steter Garant für schwungvolles Operettendirigat, wirkt wie von der Temesvárer Elegie entmutigt. Statt beschwingtem Walzer und feurigem Csárdás klingt’s, als wäre das Orchester picken geblieben, nein, pardon, falscher Strudelteig, besser passt das Wienerische Bonmot vom sich ziehenden zur Aufführung.

An dieser Stelle nun den satirischen Text einer 1885-Karikatur über des Komponisten Opernhaushoffnungen für sein Werk wiederzugeben, ist selbstverständlich ein schlechter Scherz – Strauß und eine Waage in einem Fesselballon über Wien, unten Schnitzer und Jókai vor der Staatsoper, sagt er eine zu anderen: „Vor lauter Hin- und Her-Balancieren ist der Waag‘ schon ganz schlecht. Jetzt bin ich nur neugierig, auf welcher Seite wir durchfallen werden …“

Aber leicht macht es einem Kostümbildnerin Daria Kornysheva mit ihrem Stilblütenstrauß aus Modern Gipsy, Lumpenfashion und schwarzem Leder nicht, dazu – Achtung: Uraufführungsdatum – Spätbiedermeierfolklore und das Buffo-Paar mummenverschanzt als verschmockte gagerlgelbe Knallchargen. Nicht nur muss Anita Götz als Arsena dazu in Schweinsklauen-Schuhe mündende ferkelrosa Strümpfe tragen, und der Chor in der Zsupán’schen Fleischfabrik Rüssel, selbst eine Ansonsten-Auskenner-Befragung konnte das Geheimnis nicht lüften, warum die Saffi in ein Herrennachthemd verdammt wurde.

Unter all den Schweineschnauzen gibt Kurt Rydl als blutig geschürzter Borstentierzüchter ein spätes Operettendebüt, sein Kálmán Zsupán dabei weniger Bauer als Wurst- und Speckerzeuger, ein landräuberischer Gutsherr, dessen gierigen Opportunismus Rydl routiniert herausarbeitet. Doch bleibt auch sein Charakter, was das Komödiantische betrifft und trotz Rydls Rampensau-Bemühungen zu Zsupáns Gesülze, ein getragen vortragender Spätzünder.

Die unfreiwillige Braut: Lucian Krasznec, Anita Götz, Kurt Rydl, Boris Eder und Chor. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Begeisterung für den Krieg: Marco Di Sapia als Graf Homonay und Kurt Rydl (re.). Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Die Schrecken des Krieges: Lucian Krasznec, Marco Di Sapia und David Sitka (M.). Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Wer zuletzt lacht …  das ist die famose Martina Mikelić als Czipra. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Lucian Krasznec, übrigens im rumänischen Banat geboren, ist ein sympathischer Sándor Bárinkay mit angenehmem Tenor. Als seine Saffi ist Kristiane Kaiser mit dessen sicheren Höhen mitunter überfordert, Kaiser kann auch – verständlicherweise, siehe Kostüm – kaum berühren. Immerhin, so sagte der Sitznachbar, muss sie sich weder vor noch nach der Hochzeitsnacht umziehen. Regula Rosins Mirabella hat im Böse-Gouvernanten-Look ihre Momente, wenn sie den säumigen Zsupán zum Ringetauschen zwingen will. Und da’s bereits um schrill geht: Anita Götz‘ Arsena toppt diesbezüglich alles.

Marco Di Sapia holt aus seinem Kurzauftritt als Graf Homonay, hier ein sehr stimmiger Husaren-Haudrauf mit Skelettpferd, was geht. Und um beim Erfreulichen zu bleiben, da ist David Sitka als in ständiger Angst vor der eigenen Courage lebender Ottokar zu nennen, Boris Eder, der als verklemmter, sexbefreiter, korrupter Sittenkommissär die ihm laut Regie verbleibenden Register zieht, sein Conte Carnero fast eine Nestroy-Figur – und vor allem Martina Mikelić als Czipra. Ihr ominös okkultes Erscheinen macht sie – pah, Baron! – zur Zigeunerkönigin, zur Spielmacherin, die beim sichtlichen Handlese-Schwindel einzig ihre Sache verfolgt und den feschen und mit ihrer Hilfe bald reichen Bárinkay von Saffi bis zum Schatz manipuliert. Dieser samt einer Art Stephanskrone einer, der den der Nibelungen zu Tand degradiert.

Doppelt passt hier, dass Czipra dem Conte nichts wahrsagt, weil sie’s erstens nicht kann und der zweitens mit einem Eheweib nichts anzufangen wüsste. Es kommen die Soldatenwerber, in einem großartigen Bild der Krieg und dessen Untote-kriechen-aus-einem-unterirdischen-Mordskarussell-Ende. Womit man wieder am Anfang landet, nämlich bei den Brettln, die Theaterkarren bedeuten, wo Impresario Eder Ottokar und Bárinkay unter die vielen gefallenen Helden zählt. Die Bühnenzuschauer buhen, nur Feigling Zsupán hat es „Von des Tajo Strand“ nach Hause geschafft, so etwas will das Publikum nicht sehen.

Also zieht Eder den Vorhang auf zum Happy End. Es fügt sich, was zusammengehört, die als Paschatochter enttarnte Saffi schwebt in Maria-Theresia-Aufmachung unters jubelnde Volk. „Heiraten! Vivat!“ Zu einer derart ausbremsten Operette war der Schlussapplaus dennoch entsprechend schaumgebremst.

Einführung: www.youtube.com/watch?v=E2jQKhn4PMs           www.youtube.com/watch?v=A6IrtLPpXvI             Kurt Rydl und Lucian Krasznec im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=hsE7kmqnSyc                                Peter Lund und Alfred Eschwé im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=H6tUNKAACjM             Probeneinblicke: www.youtube.com/watch?v=A75D7yD6Hmw             www.volksoper.at

1. 3. 2020