Glatt&Verkehrt: HerbstZeitlos 2017

September 19, 2017 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Fünf Tipps aus dem Festivalprogramm

Mark Eliahu. Bild: Tomer Ben Avi

Ab 28. September blickt HerbstZeitlos an drei Konzertabenden über das gesamte „Mare Nostrum“, diesen seit der Antike so bedeutenden Kulturraum. Alle Konzerte der 4. Ausgabe dieses Nachspiels von Glatt&Verkehrt beschäftigen sich auf die eine oder andere Weise mit dem Mittelmeerraum, unter kräftiger Beteiligung von in Österreich lebenden Künstlerinnen und Künstlern. Zwei davon sind Premieren.

Der musikalische Bogen spannt sich von der Uraufführung des Improvisationsprojekt „Luciversére“ mit musikalischen Strömungen aus fünf Ländern und drei Kontinenten, über die stilistische Vielfalt des israelischen Weltenbürgers Mark Eliyahu zur bekanntesten Singer-Songwriterin Tunesiens, Emel Mathlouthi, von sephardischen Liedern, einem besonders typisch mediterranen Genre, bis zu den ekstatischen Ritualen der marokkanischen Gnawa. Am Sonntag schließt das Festival mit einem Filmfrühstück im Kino im Kesselhaus und bittet anschließend die jüngsten Festival-Besucher  in den Klangraum Krems Minoritenkirche zu einem Kinderkonzert mit den Strottern.

Programmhighlights:

Jelena Popržan und Damir Imamović. Klangraum Krems Minoritenkirche. Stimmexperimente, komödiantisches und mimisches Talent, zeitgenössische Kunstmusik, Pop und Chansons, politische Songs und Balkanfolk bündelt sie zu einem eigenwilligen Profil und begeisterte damit zunächst die österreichische Szene: Mit Catch-Pop String-Strong, Madame Baheux, Sormeh und diversen anderen Projekten hat Jelena Popržan musikalische Vielseitigkeit bewiesen, wobei die Bands der nach eigener Aussage „Wienerin aus der Vojvodina“ auch international gefragt sind. Damir Imamović aus Sarajevo verbindet Forschung und Kunst, ist Musikethnologe und erfolgreicher Musiker zugleich. Die bosnische Liedform der Sevdalinke hat er modernisiert und mit Wissen und Gefühl den orientalischen Einflüssen wiedererschlossen. Was Piazolla für den Tango war, scheint Imamovic für die Sevdah zu sein. Sein Quartett Sevdah Takht macht derzeit, weit über die postjugoslawischen Communities hinaus, in Europas Weltmusikszene Furore. Mit ihrem Duo-Programm besinnen sich Popržan & Imamović nun der gemeinsamen Wurzeln, lassen ihre Ideen aber in viele neue Richtungen ranken: von Sevdah bis Aznavour.

Luciversére: Franz Hautzinger. Bild: Hautzinger

Die Strottern. Bild: Dieter Säckl

Mark Eliyahu. Klangraum Krems Minoritenkirche. Der Mann ist Weltbürger: Geboren wurde er 1982 in Dagestan, dem damals noch sowjetischen Land am Kaspischen Meer. Mit sieben Jahren übersiedelte er mit seiner Familie nach Israel. Mit 16 begann er die türkische Laute Baglama zu spielen, wenig später ging er für sechs Monate nach Kreta, um beim berühmten Lyraspieler Ross Daly zu studieren. Als er zum ersten Mal die Kamanche hörte, war es um ihn geschehen: Zwei Jahre verbrachte er in Baku, um bei Adalat Vazirov das persische Streichinstrument zu erlernen. Intensive Zusammenarbeit mit Tanz- Kompanien aus Holland und Portugal brachten weitere Impulse für die Arbeit des hochtalentierten Musikers, der mit seinem Vater Piris Eliyahu, selbst ein anerkannter Lautenspieler, das Programm „Between the Mountains of Caucasus and Judea“ oder das Album „Sands“ herausbrachte und regelmäßig im „Mediterranean Orchestra“ spielt. Die aktuelle CD „Roads“ entstand ebenfalls gemeinsam mit Piris Eliyahu, dessen Vater wiederum ein bekannter Kamanchespieler war. Aber das stellte Enkel Mark erst fest, nachdem er das Instrument für sich entdeckte hatte. 

Klangraum Krems Minoritenkirche. Kein Glatt&Verkehrt ohne Uraufführungen:  Und so gibt es auch dieses Jahr am dritten Abend von HerbstZeitlos eine Weltpremiere. „Eine abenteuerliche Reise liegt vor uns“, schreibt Franz Hautzinger, es sei nicht weniger als „ein Weg der Erkenntnis“, dieses Unternehmen mit musikalischen Strömungen aus fünf Ländern und drei Kontinenten. Kein Glatt&Verkehrt ohne treue Begleiter: Der österreichische Improvisations- Meister hat dem Festival schon viele Glanzlichter aufgesetzt, immer kompromisslos, immer berührend. Ihm zur Seite stehen: als ideale Partnerin des Klanges seiner Vierteltontrompete die unvergleichliche Vokal-Performerin Isabelle Duthoit, weiters die Schlagzeugwelt des in Chicago geborenen Michael Zerang und das sensationelle Gitarrenspiel von Camel Zekri, der bereits anno 2006, beim Festival Unlimited, Österreichs freie Szene begeisterte. Zekris Herkunft und Zerangs Interessen für den afro-arabischen Raum stellen die Verbindung zur Gnawa- Kultur her: Gut möglich, dass es an diesem Abend noch zu einem spontanen Zusammentreffen auf der Bühne kommt.

Gnawa Oulad Sidi lead by Hassan Boussou. Bild: Promo

Jelena Poprzan und Damir Imamovic. Bild: igorripak.com

Gnawa Oulad Sidi. Klangraum Krems Minoritenkirche. Aus dem südlichen Raum der Sahara kamen einst viele Zwangsarbeiter und Sklaven in den afro-arabischen Raum. Ihre Musik vermischte sich mit lokalen Formen und fand durch ihre Intensität Eingang in den Sufismus. Innerhalb der Gnawa-Kultur gibt es Bruderschaften, in denen Musiker und Heiler eine bedeutende Rolle spielen. Eine Gnawa Aufführung ist zunächst kein Konzert, sondern Zeremonie und Ritual, wobei die Bewegungen der Tänzer teilweise an gefesselte Menschen erinnern und so die Wurzeln der Gnawa in der Versklavung widerspiegeln. Die musikalischen Bausteine dafür sind denkbar einfach: In beständigem Ruf- und Antwortspiel wird gesungen, durchdringende Metallklappern prägen die Perkussion, die dreisaitige Laute Guembri ist das oft einzige Melodie-Instrument. Die Wirkung ist magisch, auch deswegen wird Gnawa- Musik seit Jahrzehnten im Jazz und anderen Genres als Inspiration verwendet. Die Mitglieder des Ensembles Gnawa Oulad Sidi kommen aus Taroudant und Dcheira, unweit von Agadir. Sie führen die Tradition, auch in Hinblick auf soziale Aspekte, auf mitreißende Art weiter.

Die Strottern & Peter Ahorner – Oh, du lieber Augustin. Klangraum Krems Minoritenkirche. Tanzen, singen, klatschen, Geräusche machen, Pantomime: Den größten Spaß haben die Strottern, wenn sie mit Kindern musizieren. Ganz nebenbei erfahren die jungen Zuhörer etwas über die Wiener Musik. Wer war zum Beispiel dieser liebe Augustin, dem anscheinend nichts auf der Welt etwas anhaben konnte? Was macht Walzer und Märsche aus? Was erzählen die Texte vom Leben in vergangenen Zeiten? Und wie kann man diese komische Fremdsprache „Wienerisch“ übersetzen? Gemeinsam mit den Kindern erleben die Strottern, dass Musik lustig oder traurig oder raunzig oder ganz was anderes sein kann. Mit ihrer neuen, überaus unterhaltsamen Sicht auf das Wienerlied haben die Strottern und Peter Ahorner schon tausende Kinder von Wien bis zum Bodensee verzaubert. Eine Produktion der Jeunesse Wien.

www.glattundverkehrt.at

19. 9. 2017

Glatt&Verkehrt: Die Highlights aus dem Programm

Juni 22, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Gerhard Polt und Erwin Steinhauer

Geyerhof Cedric Watson Trio. Bild: © 2014 Sascha Osaka

Geyerhof Cedric Watson Trio. Bild: Sascha Osaka

Am 1. Juli startet die diesjährige Ausgabe von Glatt&Verkehrt, und weil das Festival heuer sein 20-Jahr-Jubiläum feiert, geht das Programm erstmals ein ganzes Monat lang. Auch einen neuen Spielort gibt es: Das Eröffnungswochenende findet im malerischen Schaugarten der Arche Noah in Schiltern nahe Langenlois statt, die sich der Bewahrung alter Gemüsesorten und anderer Pflanzenraritäten verschrieben hat.

Die botanische Vielfalt des Ortes inspirierte kreative Köpfe aus Österreich, Slowenien und Italien: Das neugegründete Keos-Quintett, unter anderem mit Maja Osojnik, Lukas Kranzelbinder und den Strottern schloss sich eigens für Glatt&Verkehrt mit dem neapolitanischen Vokalensemble Trio Assurd  zum Projekt Cantata Viennapoli zusammen, das von Bodo Hell sprachlich und poetisch hinreißend eingeleitet wird. Entstanden ist ein einzigartiges musikalisches und literarisches Programm in einem einzigartigen Ambiente:  Elemente aus süditalienischen Vokal- und Tanz-Traditionen wie Pizzica und Tarantella treffen auf solche aus der slowenischen und Wiener Musik und werden mit großer Lust am Improvisieren vereint.

Ab 17 Uhr verteilen sich die Musiker im Schaugarten und bieten in kleinen, abwechselnden Besetzungen musikalische Einlagen. Zeitgleich stehen Mitarbeiter der Arche Noah an verschiedenen Punkten des Schaugartens bereit, um fachkundig alle Fragen rund um die hier angebauten botanischen Raritäten zu beantworten. Um 19.30 Uhr versammeln sich alle Musiker auf der Bühne zum gemeinsamen Konzert. Dazu gibt’s von der Arche Noah bietet Raritätenkulinarik, Wein und regionale Spezialitäten aus der Gartenküche von „freund von salzig“ alias Benjamin Schwaighofer.

Am 2. Juli folgt die nun schon traditionelle musikalische Schifffahrt durch die Wachau mit dem altehrwürdigen Schaufelraddampfer „Stadt Wien“. Nifty’s, die Donauwellenreiter und Zur Wachauerin präsentieren ein Programm aus Wiener und Wachauer Liedern über jiddischen Surf-Rock – ja, den gibt´s! – bis Kammerjazz mit Tango- und Balkan-Gewürzen.  Star-Trompeter und Artist-In-Residence Steven Bernstein hat eigens für die Jubiläumsausgabe seine Universal Melody Brass Band mit einem internationalen All-Star-Ensemble zusammengestellt und dazu auch vier Österreicher eingeladen.  Das Konzert ist eine Uraufführung.

Und am 3. Juli im Bio-Weingut Geyerhof in Oberfucha, einem Hof aus dem 16. Jahrhundert, nochmals mit erweitertem Programm zu erleben. Der amerikanische Trompeter, Komponist und Arrangeur gilt als ein Superstar abseits aller Konventionen und wird einiges aus seiner immensen Bibliothek der Arrangements neu darstellen, von Ellington bis Rota, von Jelly Roll Morton bis Sly Stone.

Erwin Steinhauer & klezmer reloaded extended. Bild: Hans Ringhofer

Erwin Steinhauer & klezmer reloaded extended. Bild: Hans Ringhofer

Gerhard Polt und die Well-Brüder aus'm Biermoos. Bild: HP Hösl

Gerhard Polt und die Well-Brüder aus’m Biermoos. Bild: HP Hösl

 

 

 

 

 

 

 

Erwin Steinhauer und klezmer reloaded extended gastieren mit ihrem aktuellen Hermann-Leopoldi-Programm „Ich bin ein Durchschnittswiener“ am 16. Juli in Spitz. Gerhard Polt & Die Well-Brüder aus’m Biermoos, Christian Muthspiel und das Ukulele Orchestra of Great Britain eröffnen am 27. Juli das Programm bei den Winzern Krems.

Nach dem Erfolg des Vorjahres findet ab 27. Juli auch die Musik unterm Marillenbaum – Live-Musik in der Sandgrube 13 der Winzer Krems samt kulinarischen Köstlichkeiten – ihre Fortsetzung. Heuer sind es unter anderem Carlos Malta, die Wiener Tschuschenkapelle, die Innviertler Wadlbeisser und Mitglieder des Gypsy Kumbia Orchestra, die akustisch und unverstärkt die Abende gestalten werden. Am 31. Juli schließlich findet in der Installation „Circuit03“ von Jeroen Vandesande im Klangraum Krems Minoritenkirche eine Klangkunst-Matinée mit Jeroen Vandesande & Robin Hayward statt.

www.glattundverkehrt.at

Wien, 22. 6. 2016

Glatt&Verkehrt: HerbstZeitlos

September 23, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Duende & Saudade: Lieder vom Seelenschmerz

Dead Combo@PaulianaPimentel Bild: Glatt & Verkehrt

Dead Combo@PaulianaPimentel
Bild: Glatt & Verkehrt

Das Festival Glatt&Verkehrt hat mit „HerbstZeitlos“ ein Nachspiel im Klangraum Krems Minoritenkirche. Die beiden Konzertabende am Freitag, 2. und Samstag, 3. Oktober stehen unter dem Motto „Duende & Saudade“. Blues der Großstadt, Lieder vom Lande, Seelenschmerz, Lebensfreude, Romantik und Ironie: Die Konzerte des (immer noch) neuen Herbstschwerpunktes vermitteln große Gefühlswelten: Die vibrierende Atmosphäre von Barcelona, die Schwermut von Lissabon, die Weite und auch die Einsamkeit des iberischen Inlandes …

 

„HerbstZeitlos“ startet am Freitag mit einem vielleicht unerwarteten, aber umso faszinierenderen Zugang zum Thema Lissabon. Denn die beiden Musiker des ersten Konzertes singen nicht. Und das ist in der Stadt des Fado eher ungewöhnlich. Dabei war eines ihrer ersten Projekte eine Hommage an die portugiesische Gitarre, also das Begleitinstrument des Fado. In Interviews betonen die beiden auch immer wieder, dass Musik aus Lissabon im Zentrum ihrer Arbeit stehe. Tó Trips und Pedro Gonçalves musizieren jedenfalls seit 2003 als Dead Combo. Die Lust am Makabren lässt sich nicht nur am Bandnamen, sondern auch an den Rollen ablesen, in die die beiden für ihre Konzerte schlüpfen: ein Bestatter und ein Gangster. Kein Wunder, dass etwa Regisseur David Cronenberg zu ihren glühenden Fans gehört. Ihre Stücke strahlen eine eigene Poesie aus. Sie vermögen es, bei aller Morbidität eine Musik von zarter Schönheit aus ihren Instrumenten zu zaubern. Danach ist die katalanische Cantadora Mayte Martín zu hören. Sie gehört zu den verehrtesten Interpretinnen des Flamenco. Ihr Repertoire spannt sich vom klassischen Cante jondo über mexikanische Boleros bis zur argentinischen Milonga. Martín wird auch eigene Kompositionen präsentieren, die ihr in Singer-Songwriter-Kreisen Hochachtung eingebracht haben.

Mit einem weit gespannten Programm rundet der Samstag das „HerbstZeitlos“-Motto ab: Denn das Konzert von Sílvia Pérez Cruz umfasst Lied-Traditionen aus Spanien, Portugal und darüber hinaus. Cruz ist eine der überwältigenden neuen Stimmen der iberischen Halbinsel. In Krems wird sie im Streichquintett ein Repertoire eigener wie auch anderer Lieder vorstellen. Alle wurden von ihr, Joan Antonio Pich und Javier Galiana arrangiert. Miquel Gil mit seiner Stimme, rauh als hätte sich jedes Wort, jeder jemals gesungene Ton tief in sie eingegraben, macht den Abschluss. Der Mann aus Valencia hat anfangs mit Ensembles wie Terminal Sur oder Al Tall eine Fusion aus traditionellen und Rock- und Pop-Elementen gesucht, Gnawa-Melodien aus Marokko mit Tom Waits-Cover-Versionen verknüpft, bis er zu seinem eigenen Stil gefunden hat – und der ist hörenswert.

www.glattundverkehrt.at

Wien, 23. 9. 2015

Glatt & Verkehrt: Herbstzeitlos

September 18, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Wochenende voll musikalischer Geschichten

Klangraum Krems Minoritenkirche Bild: Helmut Lackinger

Klangraum Krems Minoritenkirche
Bild: Helmut Lackinger

Am 24. September startet das spätsommerliche Nachspiel des Festivals GLATT&VERKEHRT „HERBSTZEITLOS“ in Krems-Stein a.d.D.

Der Fokus  liegt auf atmosphärischen Eigenheiten von Klangräumen: Schau- und Hörplätze sind der Klangraum Krems Minoritenkirche mit seinem Arkadenhof und die angrenzende Wirtshaus-Bühne im Salzstadl. Auf dem  Programm steht u.a. Musik aus dem Königreich Bhutan, Persien, Algerien, Norwegen, Frankreich, den USA und natürlich auch aus Österreich.

Das Festivalprogramm startet nächsten Mittwoch 24.9. mit dem bhutanischen Spielfilm TRAVELLERS AND MAGICIANS, der den Schwerpunkt zum Land des Donnerdrachen einläutet, der am Donnerstag 25.9. mit einem Konzert von DRUK REVIVAL im Wirtshaus Salzstadl seine Fortsetzung findet. Die Abende des Freitag 26.9. und  Samstag 27.9. bieten ein dichtes abendliches Konzertprogramm im Klangraum Krems Minoritenkirche. Am Samstag lädt man schon am Nachmittag in den Arkadenhof zu Konzerten mit MATTHIAS LOIBNER auf seiner Drehleier, der norwegischen Violinistin BENEDICTE MAURSETH, dem Trompeter LORENZ RAAB und dem kongenialen Zitherspieler CHRISTOF DIENZ. Für diesen Tag sind Nachmittags-, Abend- oder Kombitickets erhältlich!

Einer der Höhepunkte des Festivals ist zweifellos das Konzert des legendären US-Trompeters JON HASSELL „Psychogeography“ (27.9.). 1980 veröffentlichte Hassell mit Brian Eno das Album „Fourth World Music Vol. 1: Possible Musics“: ein Meilenstein in der Entwicklung der „Ambient Music“, der zugleich die internationale Weltmusikszene in Hassells „Future Primitive“-Trompetensounds und seine visionäre Musiktheorie einer „Fourth World“ einführte. Eine  Neuauflage dieses legendären Albums erscheint am 14.11.2014. Ebenfalls am Samstag spielt JOHN TILBURY , der herausragende  Interpret für Neue Musik und Improvisator reduzierter Folkformen,der auf den noise- und drone-geeichten Australier OREN AMBARCHI trifft.

Von Hassell beeinflusst ist u.a. auch der Norwegische Trompeter ARVE HENRIKSEN, der gemeinsam mit der Sängerin Asne Valland Nordli und Sigbjorn Apeland am 26.9. mit einer Premiere zu Gast ist.  Am Freitag feiert auch „SUMMER GARDEN PHOTOGRAPH“ von DIRT NONET seine Uraufführung – ein audiovisuelles Projekts (inkl. Figurentheater Psilikon), das im Juni 2014 während eines Artist-in-Residence-Aufenthalts in Litauen von neun internationalen KünstlerInnen erarbeitet wurde.

www.glattundverkehrt.at/festival/herbstzeitlos

Wien, 18. 9. 2014

Festival Glatt & Verkehrt

Juni 25, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Startet am 4. Juli mit einem

„Wochenende auf dem Mississippi“

The Hot 8 Brass Band Bild: Glatt&Verkehrt

The Hot 8 Brass Band
Bild: Glatt&Verkehrt

Von 4. bis 27. Juli lädt das Festival Glatt&Verkehrt wieder zu einer Fülle von Veranstaltungen nach Krems und in die Kulturlandschaft Wachau. Das Herzstück des Programms findet wie immer Ende Juli (23.-27.) an fünf dicht programmierten Tagen im wunderschönen Innenhof der Winzer Krems, Sandgrube 13 statt.

Bevor das Festival allerdings dorthin übersiedelt, ist es an vielen reizvollen Plätzen der Region mit musikalischen Preziosen zu Gast: Ob in idyllischen Weingütern, im Innenhofes des Renaissance-Schloss zu Spitz oder im Stift Göttweig – für all diese unterschiedlichen Orte wurde die passende (oder die passend kontrastreiche) Musik gefunden. Das Eröffnungswochende steht ganz unter dem Thema „Mississippi“:  Die Schiffsfahrt von Krems mit dem altehrwürdigen Raddampfer Schönbrunn donauaufwärts am 5. Juli  mit Swamp Music und Delta Blues(u.a. von STEPHANIE NILLES & MATT WIGTON, THE HOT 8 BRASS BAND, CEDRIC WATSON TRIO und JAZZHOUSE RAMBLERS) sowie die Konzertebei den Weingütern Geyerhof am Abend davor und Salomon Undhof am Vormittag danach sind allerdings bereits ausverkauft.

STEPHANIE NILLES-Fans könnendie umtriebige Pianistin und Sängerin am Donnerstag (10. Juli) auch mit einem Solo-Konzert im Wirtshaus Salzstadl in Krems-Stein erleben. Und tags darauf bittet die Musik-Werkstatt im Stift Göttweig mit ihren „WERKSTATT-REPRISEN“ zu einem Parcours durch die vielen Orte des Stiftes und die vielen musikalischen Stile, die im Laufe der Woche ergangen und ausprobiert wurden (11. Juli).

Geschwister Well und Alma & Federspiel rund um den  Marillenkirtag im Schloss zu  Spitz

Als kleiner Höhepunkt des Glatt&Verkehrt-Programms in der Wachau kann das jährliche Gastspiel im herrlichen Innenhof des Schlosses zu Spitz im Vorfeld bzw. zum Auftakt des Marillenkirtags gesehen werden. Seit einigen Jahren schon ist das Festival sogar mit zwei Konzerten, donnerstags und freitags, zu Gast. Am Donnerstag (17. Juli) können wir uns auf das neue Programm einer legendären bayrischen, vielköpfigen Musikantenfamilie freuen, die sich in den verschiedensten ebenso legendären Formationen – ob als Well Buam, Wellküren oder als langjährige Begleiter von Gerhard Polt in Form der Biermösl Blosn – einen Namen für subversive Hausmusik gemacht hat. Als GESCHWISTER WELL präsentieren sie einen virtuosen Mix aus Landler, Jodler, Rap, Dixie, Rock und Klassik, dargeboten auf Harfe, Quetschn, Dudelsack, Alphorn, Trompete, Hackbrett, Okarina, Horn, Bass, Geige, Saxofon, Flöte, Tuba, Maultrommel und selbstgebasteltem Brummtopf.

Tags darauf (18. Juli) dann ein Doppelkonzert zweier österreichischer Ensembles: Gebläse und Gestreiche und Getaste und Gezupfe. Zwei Bands, zwei Konzerte, zwei Klangkörper voller Ideen und Spielwitz. ALMA & FEDERSPIEL werden beide gerne der „jungen“ Generation der „neuen“ Volksmusik zugeordnet. Federspiel ist zwar schon mehr als doppelt so alt wie Alma. Aber die Veteranen der Blasmusik zeigen sich gegenüber dem Frischgemüse der Streichmusik (plus Akkordeon natürlich!) sehr aufgeschlossen. Einträchtig ackert man und frau in einem offenen Stil-Gelände: Da gedeihen die schönsten Klanggewächse, sowohl zeitgenössische Kompositionen und Improvisationen als auch rüstige Landler und nostalgische Romanzen. Da es wieder eine überdachte Bühne gibt, können die Spitzer OPEN AIR-Konzerte bei jedem Wetter stattfinden

www.glattundverkehrt.at