Kunsthistorisches Museum Wien: Diego Velázquez

Oktober 28, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Das vielfältige Œuvre des spanischen Hofmalers

Venus mit dem Spiegel (Rokeby Venus), Diego Velázquez,1648–1651 Öl auf Leinwand Bild: © London, The National Gallery

Venus mit dem Spiegel (Rokeby Venus), Diego Velázquez,1648–1651
Öl auf Leinwand
Bild: © London, The National Gallery

Das Kunsthistorische Museum widmet ab 28. Oktober dem spanischen Meister Diego Velázquez (1599 – 1660) zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum eine Ausstellung. Mit der Präsentation seiner hervorragenden Gemälde gibt die Ausstellung einen prägnanten Einblick in das vielfältige Œuvre des spanischen Hofmalers. Aufgrund der dynastischen und politischen Beziehungen zwischen den habsburgischen Herrscherhäusern in Wien und Madrid verfügt das Kunsthistorische Museum über herausragende Portraits des Hofmalers, wie z.B. die Bildnisse der spanischen Infantinnen. Darüber hinaus sind in der Schau zahlreiche Meisterwerke weiterer Genres aus den bedeutendsten Museen der Welt sowie aus privaten Sammlungen erstmals in Wien zu sehen.

Diego Rodríguez de Silva y Velázquez kam in Sevilla zur Welt. Durch seine früh sichtbare Begabung wurde er bereits im Alter von 24 Jahren zum Hofmaler König Philipps IV. ernannt, dem er bis zu seinem Lebensende diente. Zwar gehörte die Produktion von offiziellen Portraits des Königs und seiner Familie zu den Hauptaufgaben jedes Hofkünstlers, doch erweiterte Velázquez dieses Metier auch auf Mitglieder des Hofes und entwickelte dabei eine so moderne, psychologisch tiefgreifende Sicht, dass jedes der Portraits den Betrachter bis heute in seinen Bann zieht. Über das Portrait hinaus übte sich der Künstler auch in den anderen damals in Spanien üblichen Kategorien des malerischen Repertoires: Er schuf in der Frühzeit Gemälde mit religiösen Themen sowie Küchenstillleben, später auch Mythologien und Historien. Durch seine – von Tizian und El Greco inspirierte – Maltechnik mit lockerem Pinselstrich und einer raffinierten Farbwahl unterschied er sich von seinen Zeitgenossen, doch ist es vor allem seine höchst individuelle Sicht auf den Menschen, auf seine Welt und auf die Handlungsstränge einer Geschichte, die seine Gemälde aus der zeitgleichen Malerei heraushebt und ihn zu einer Art Unikum unter den Malern macht. Als Außenseiter bzw. Einzelgänger befasste er sich oft mit selbst gewählten Themen.Velázquez hegte stets große Bewunderung für seinen Vorgänger Tizian, der vom Kaiser selbst in den Adelsstand erhoben wurde. Mit großer Zielstrebigkeit arbeitete Velázquez daran, für seine künstlerischen Errungenschaften eine entsprechende Belohnung zu erhalten: die Erhebung in den Ritterstand. Nur dadurch konnte er bewirken, dass man bald auch in Spanien die Malerei aus den Zwängen des Handwerks befreite und sie ihrer Bedeutung entsprechend nobilitierte.

Die Ausstellung umfasst insgesamt 46 Gemälde. Sie sind in drei Sektionen gegliedert, die den Schwerpunkten von Velázquez’ künstlerischer Produktion entsprechen. Sein Leben lässt sich in zwei klar trennbaren Abschnitten beschreiben: Jugend und Lehre verbringt er in der Werkstatt des am besten vernetzten Malers und Kunsttheoretikers in Sevilla, Francisco Pacheco, dessen Tochter er nach Beendigung seiner Ausbildung 1618 ehelicht. Nach dieser Zeit der zunftbestimmten Ausbildung und erster Erfolge verlässt er Sevilla, um in Madrid am gesellschaftlich völlig abgehobenen Hof des Königs weitere 37 Jahre in stets höheren Positionen zu verbringen, entsprechend der Karriere eines erfolgreichen Hofbeamten. Die künstlerische Produktion verlief dabei weder gleichmäßig noch in einer natürlichen Entwicklung, daher gibt es nach wie vor große Unsicherheiten in der Datierung bestimmter nicht dokumentierter Gemälde, und es gibt lange Phasen, wie etwa in den vierziger Jahren, in denen er mit anderen Aufgaben als der Malerei beschäftigt war. Aus diesem Grund folgt die Schau in der weiteren Präsentation nicht chronologischen Gesichtspunkten, sondern versucht, die offiziellen Aufgaben als Portraitmaler des Königs und dessen Fa milie in einer Sektion zusammen zu zeigen und in der letzten Sektion jene Gemälde zu vereinen, in denen er sich selbst die Themen stellte: Mythen, Fabeln, Landschaftsstudien.

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Wien, 28. 10. 2014