MuTh: Valerie und die Gute Nacht Schaukel

Mai 23, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Geschichte für Kinder, die nicht ins Bett wollen

Bild: www.mussil.com

Bild: www.mussil.com

Eine Schule, bunt wie die Welt, das ist das Sonderpädagogische Zentrum Leopoldsgasse (Wien 2). Etwa 110 Kinder aus 22 Nationen mit unterschiedlichen Fähigkeiten drücken hier die Schulbank. Etwa die Hälfte von ihnen wird nach dem Lehrplan für schwerstbehinderte Kinder unterrichtet. Das Team des SPZ Leopoldsgasse setzt alles daran, die sozialen, kognitiven, sprachlichen, motorischen, kreativen und musischen Kompetenzen behinderter wie nicht behinderter Kinder zu fördern. 2014 nimmt das Schulprojekt eine inklusive Musiktheaterversion des Kinderbuchklassikers „Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel“ in Angriff. Die Dramatisierung des Buchs (erschienen 1981, illustriert von Winfried Opgenoorth) versteht sich auch als verspätete Hommage an den Geburtstag der Autorin. Mira Lobe (1913 – 1995) wäre am 17. September 2013 hundert Jahre alt geworden. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen der Sängerin Agnes Palmisano, Hana und Attila Zanin vom Verein „ich bin ok“ sowie Nazir Merzo vom Studio Barada zeichnen für die Choreographie verantwortlich. Am 27. und 28. Mai  ist das Stück im Wiener MuTh zu erleben.

„Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel“ ist eine Geschichte über und für Kinder, die nicht zu Bett gehen wollen. Die Titelheldin, das Mädchen Valerie, ist eine von ihnen. Sie setzt sich viel lieber auf ihre Schaukel: „Papa, gib mir einen Schubs! Papa, gib mir einen Stups!“ – und schon schwingt Valerie in eine aufregende, fremde Welt: ins Turbanland, wo es Kamele, Minarette und fliegende Teppiche gibt; auf ein Schiff, das von Delphinen und Seerobben begleitet wird; auf einen Bauernhof mit Kühen, Schafen und Ziegen; zum Schlitten fahren in den kalten Norden und als Dompteuse in den Zirkus … Schließlich murmelt sie: „Papa, bitte bring mich, sei so nett, schnell ins Bett!“

www.muth.at

23. 5. 2014

Sommerspiele Melk: „Monte Christo“

Juni 21, 2013 in Bühne, Klassik

Das Unmögliche möglich gemacht

Denis Petkovic Bild: www.photo-graphic-art.at

Denis Petkovic
Bild: www.photo-graphic-art.at

Alexander Hauer, Intendant und Regisseur der Sommerspiele Melk, war ja noch nie ein Mann, der große Aufgaben scheute. Jahr für Jahr ackert er sich durch die Weltliteratur, kein mindestens 1500-Seiten-Schmöker, den er nicht auf die Bühne stellen würde. Und das stets mit größtem künstlerischen Feingefühl. Hauer macht das Außergewöhnliche möglich. Und dieses Jahr sogar das Unmögliche. Denn noch wenige Tage vor der Premiere stand seine Wachauarena 2,80 Meter unter Wasser; hunderte helfende Hände entfernten nach dessen Abfließen die Massen an Donauschlamm; die Künstler probten derweil in der zweiten Spielstätte, der kleinen „Tischlerei“. Und – Glück im Unglück? – die durch die Enge der Situation erzwungene Intimität tat dieser Inszenierung von „Monte Christo“ mehr als gut. Denn Autorin Susanne Felicitas Wolf, die die Bühnenfassung von Alexandre Dumas‘ „Abenteuerroman schrieb, legte an der Geschichte, die jeder in- und auswendig zu kennen glaubt, völlig neue Seiten frei. Sie befreite den Stoff von allem, was nach Mantel-und-Degen riecht, ließ die Figuren stattdessen mit der Feder fechten. Mit Diagolen, die weniger messerscharf, als schmerzhafte Nadelstiche unter die Nägel sind. Mit psychologischer Kriegsführung wird hier die Intrige, der vermeintliche Hochverrat Edmond Dantès‘ eingefädelt. Als der im Château d’If in Klarfolie gefesselt, wie in einen Kokon eingesponnen wird, bis ihm die Luft wegbleibt, schießt einem kurz durch den Kopf: Guantanamo. Interessant auch, wie sich bei Wolf von Monte Christo über seine Widersacher Danglars, de Villefort bis Fernando in ihren Taten und Untaten alle auf den einen Gott berufen … Und Stift Melk als Hintergrundkulisse …

Die Bühne von Daniel Sommergruber dann: ein Gesamtkunstwerk, ein Gerüst aus unzähligen leeren Bilderrahmen, Schatten der Vergangenheit, das die Schauspieler wie Freeclimber erklettern, zwei Plattformen und eine aufklappbare Mittelrampe, auf denen Marseille, Paris, der Kerker … nebeneinander Platz finden. Dazu ein ausgeklügeltes Licht- (Dietrich Körner) und Sounddesign (Bernhard Sodek). Schon als Edmond als verliebter, hoffnungsfroher, junger Seemann seinen Feinden noch mit naiver Ehrlichkeit begegnet, lässt die – teilweise Live- Musik das nahende Unheil bereits ahnen.

Das Ensemble überzeugt mit intensivem Spiel. Gänsehaut selbst bei Sarahawindtemperaturen. Allen voran brilliert Denis Petkovic als Monte Christo. Nun ein freier, reicher Mann, der Liebe haben könnte, und den doch nur der Hass bewegt. Einer, der sich selbst als Racheengel Gottes bezeichnet, ein Gotteskrieger, ein Spinner, eine Spinne, die in ihrem Netz auf die Opfer wartet. Rote Handschuhe trägt Petkovic – von Nick Cave weiß man, dass auch der Teufel solche haben soll. Petkovic zeigt alle Facetten des Wahnsinns, der als Gift der Vergeltung durch seine Adern strömt. Und endet endlich in tiefster Verzweiflung. Er ist kein triumphierend abgehender Graf, sondern muss erkennen, dass sein „Feldzug“ auch Kollateralschäden verursacht. Den Tod Unschuldiger. Ergo: Keine Erleichterung, keine Erlösung. Im überaus stimmigen Schlussbild öffnet sich wieder die Gefängniszelle. Monte Christos Seele bleibt für immer darin gefangen. Eine starke schauspielerische Leitung. Ebenso großartig agieren – um nur ein paar zu nennen – Julian Loidl als verschlagener Bankier Danglars, Alexandra Maria Timmel als seine zur Zynikerin gewordene Frau, Giuseppe Rizzo als versprecherischer Staatsanwalt de Villefort, dem das Ganze den Verstand kostet. Und Christian Preuss, berührend als gutherziger Reeder Morrel und später als Abbé Faria. Für 2014 hat sich Hauer übrigens Fritz Langs „Metropolis“ vorgenommen …

Benefizkonzert: Michael Schade, ab kommendem Jahr Intendant der Barocktage Stift Melk, veranstaltet am 22. Juni, 17 Uhr, im Kolomanisaal des Stifts, ein Benefizkonzert für die Hochwasseropfer. Mit ihm interpretieren Florian Boesch, Nina Bernsteiner und Mitglieder des Concentus Musicus Wien Werke von Händel und Bach.

www.kultur-melk.at 

www.kultur-melk.at/sommerspiele/programm.php

www.mottingers-meinung.at/denis-petkovic-im-gesprach

www.barocktagemelk.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 20. 6. 2013

Valeries Wiener Salettl

April 23, 2013 in Tipps

Ein Wienerlied-Sing-Along-Abend

Valerie im Salon Bild: Oliver Topf/Salettl

Valerie im Salon
Bild: Oliver Topf/Salettl

Sängerin Valerie, ihr Team und viele ihrer Künstlerkollegen sind große Fans des Wiener Liedes in seiner ganzen Bandbreite. So wurde im Mai 2012  eine Plattform zur Wiederentdeckung des Wiener Liedes initiiert: das Wiener Salettl. Nach 2 erfolgreichen Piloten auf der summerstage und im Schutzhaus promeniert das Salettl nun als Sing-Along Zaubermärchen im Konzerthaus, Großer Saal – 23. 4.  samt Wiederholung am 24. 9. Für alle Generationen. Mitsingen, wenn’s einen überkommt, oder nur Zuhören auch erlaubt. Valerie moderiert und erzählt eine Rahmengeschichte von drei Wiener Protagonisten – Poldi, Karli, Sopherl. Anekdoten aus deren Leben werden jeweils durch ein Wiener Lied unterstützt. Zwischen Fatalismus und Euphorie, Naivität und Bösartigkeit, Mord- und Lebenslust, Wehleidigkeit und Exaltiertheit schwankend. Sozialkritisch und gesellschaftspolitisch relevant, aber immer mit einer Prise Zynismus und Humor versehen.

Eine rasende Ringelspielfahrt mit Gesang, Wein, Tragödie à la Viennoise und großer Liebe – von der Geburt übers Seligsein und Jammern bis in die Ewigkeit und wieder zurück. In diese Geschichten werden Informationen über etwaige Partner-Unternehmen charmant, elegant und besonders merkbar integriert. Weil: Des Glück is a Vogerl, aber der Tod, der muss ein Wiener sein, weil am schönsten stirbt sich‘s bekanntlich in Wien, denn da kommen sogar die Engerln zu Besuch und dann kann selbst der Papa nichts mehr richten. „Ich liebe Wien und den Wiener Schmäh. Und die vielen Kulturen, die Wien historisch und aktuell ausmachen. Gerhard Bronners legendäres Cabaret Fledermaus (die frühere Marietta Bar), wo Stars wie Marianne Mendt und Peter Alexander ihr Handwerk gelernt haben, ist Vorbild und Inspiration für meinen Salon“, so Valerie. „Das Wiener Lied wiederentdecken und weiterentwickeln, neues Wienerliedgut ans Tageslicht bringen und eine große Hetz haben, ist mein persönlicher Bildungsauftrag“, lacht die Sängerin.

Von und mit Valerie Sajdik
Gäste:  Agnes Palmisano, Playbackdolls, 5/8erl in Ehr’n, Victoria Rona + Stefan Sterzinger, Dusty O., Gebrüder Marx, Birgit Denk und Die Novaks, Das Wiener Kindertheater, Neue Wiener Concert Schrammeln, Uta Gruenberger, Triomobü-Quartett, wienerglühn und Überraschungen …

Werke von: Gerhard Bronner, David Bronner, Alexander von Biczo, Cissy Kraner,  Karl Kratzl, Peter Kreuder, Hermann Leopoldi, Gebrüder Marx, Hans Moser, Playbackdolls, Ferdinand Raimund, Valerie Sajdik, Helmut Qualtinger, Hugo Wiener…

www.konzerthaus.at

www.valeriesajdik.com/de/

www.wienersalettl.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=dhfbtPrBeOo&feature=g-upl

Von Michaela Mottinger

Wien, 23. 4. 2013

Ausschreibung exil-DramatikerInnenpreis 2013

April 11, 2013 in Bühne

Die WIENER WORTSTAETTEN suchen neue Stücke

Bild: Dimitre Dinev

Bild: Dimitre Dinev

Die WIENER WORTSTAETTEN schreiben heuer bereits zum siebten Mal den exil-DramatikerInnenpreis aus. Gemeinsam mit dem Verein exil werden abendfüllende, noch nicht uraufgeführte Theaterstücke, die sich im weitesten Sinne mit den Themen Fremdsein, Identität, Flucht, Vertreibung, Integration bzw. dem Leben zwischen den Kulturen auseinandersetzen, gesucht. Ein Projekt, aus dem  AutorInnen wie Dimitré Dinev, Julya Rabinowich, Seher Cakir, Semir Plivac, Ana Bilic, Marianna Salzmann, Olga Grjasnowa, Azar Mortazavi und Valerie Melichar hervorgegangen sind.

Teilnehmen können Personen, die seit mindestens einem halben Jahr im deutschen Sprachraum leben. Alle Texte müssen vom Autor oder der Autorin selbst in deutscher Sprache verfasst worden sein. Der Einreichung (in vierfacher Ausfertigung) sollen außerdem beiliegen: Kurzbiographie und Bibliographie, ein Foto sowie Adresse, Telefonnummer und Email-Adresse des Autors /der Autorin. Der Preis ist mit € 2.000,– dotiert, Einreichschluss ist der 30. April 2013.

Einsendungen ab sofort an: Verein exil, Kennwort „exil-DramatikerInnenpreis“, Stiftgasse 8, A-1070 Wien.
edition.exil@inode.at
Alle AutorInnen werden spätestens Anfang Oktober vom Ausgang des Wettbewerbes informiert.

www.wortstaetten.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 11. 4. 2013