Neue Oper Wien: Angels in America

September 27, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Himmlisch, brillant und hochaktuell

Der Engel steigt herab in Prior Walters Krankenhauszimmer: Caroline Melzer. Bild: Armin Bardel

Als Tony Kushner sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Theaterstück „Angels in America“ schrieb, hatte es in den USA gerade die George-Bush-Stunde geschlagen, es war die Zeit von Operation Desert Shield und den damit verbunden präsidentischen Lügen, und auch, wenn erst Sohn W. die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partner per entsprechendem Verfassungszusatz unterbinden wollte, so war das amerikanische Klima in den 1990er-Jahren alles andere als freundlich für die LGBT-Community.

Die Neue Oper Wien brachte nun gestern im Wiener MuseumsQuartier Péter Eötvös‘ auf Kushners Gay Fantasia on National Themes“ basierende Oper zur österreichischen Erstaufführung. Wie die Vorlage ist das musiktheatralische Werk, für das Mari Mezei das Libretto verfasste, gesellschaftspolitisch klugen Inhalts, wenn Eötvös auch statt der im Stück festgemachten Sozialkritik mehr an den Schicksalen der Protagonisten interessiert ist, deren Los, wie in Kushners Zwischen-Himmel-und-Erde-Text, in Halluzinationen, Visionen, Traumwelten widergespiegelt wird.

Mal verursacht durch den Missbrauch, mal durch die Verabreichung von Medikamenten. Das Thema von „Angels in America“ ist AIDS. Und dass dieses nach wie vor hochaktuell ist, belegen die jüngsten Statistiken der AIDS Hilfe Wien: Weltweit leben 36,9 Millionen Menschen mit HIV/AIDS, davon 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren. In Österreich liegt die Zahl der Infizierten und Erkrankten bei acht- bis neuntausend, und täglich kommen ein, zwei weitere Fälle dazu. Dass sich außerdem homophobe Angriffe wieder häufen, ist eine erschreckende Tatsache. In einer vor dem Sommer erhobenen Studie der Stadt Wien beispielsweise gaben 28 Prozent der Stadtbewohner mit queeren Lebensmodellen an, 2017 deshalb diskriminiert, lächerlich gemacht und beschimpft worden zu sein, ein Viertel davon war sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Über Eötvös‘ Arbeit sagt Neue-Oper-Wien-Intendant und Dirigent des Abends Walter Kobéra in seinem unbedingt empfehlenswerten Einführungsgespräch: „Das Werk kommt von Herzen. Möge es zu Herzen gehen.“ Und so geschieht es. Eötvös, der sich stets gern vom Lokalkolorit des verwendeten Dramas inspirieren lässt, seien‘s russische Töne bei den „Tri Sestri“ nach Tschechow oder französisch anmutende bei „Le Balcon“ nach Jean Genet, hat diesmal punkto Klangsprache auf die Melodien der großen Broadwaymusicals zurückgegriffen – erkennbar an der Besetzung des amadeus ensemble-wien mit zusätzlich zwei Schlagwerken, Hammondorgel, Gitarre und E-Gitarre, die bei der Begegnung von Louis und Joe eine Art „Doppelkonzert“ geben.

Prior Walter und sein Lover Luis Ironson: David Adam Moore und Franz Gürtelschmied. Bild: Armin Bardel

Krankenpfleger Belize kümmert sich um den „Propheten“ Prior: Tim Severloh und David Adam Moore. Bild: Armin Bardel

Eötvös‘ Komposition ist trotz der Schwere des Sujets erstaunlich zugänglich, leicht und melodiös. Fürs Zwischenmenschliche hat er ein leis‘-poetisches Vokabular erdacht, die Metaebene Himmel illustriert er auf atemberaubend sinnliche Weise. An den schönsten Stellen greift all dies ineinander. Der Inhalt, als solcher nicht leicht zu fassen, hier kurz zusammengefasst: Der Hauptcharakter Prior Walter erfährt, dass er an AIDS erkrankt ist und nicht mehr lange zu leben hat. Auf Erden, heißt: in New York, bedeutet das für ihn, dass sich sein Lover Luis Ironson von ihm trennt, weil er vor dem qualvollen Sterben seines Partners fliehen will.

Vom Himmel herab steigt aber ein Engel, der Prior verkündet, „der Prophet“ zur Rettung der Menschheit zu sein, die er dazu bewegen soll, ihrem Fortschrittsglauben als der Wurzel allen Übels abzuschwören. Aus Salt Lake City ist das Mormonenehepaar Harper und Joseph „Joe“ Pitt neu in die Metropole am Hudson River gezogen. Die psychisch labile Harper ist der Großstadt nicht gewachsen und greift immer öfter zu Valium, da sieht sie in einer Vision Prior, der ihr offenbart, dass Joe schwul ist. Was dieser im Central Park, wo er Männerpaare bespannt, inzwischen selbst feststellt. Joe trifft Luis, die beiden gehen eine Beziehung ein, während im Spital Krankenpfleger Belize verzweifelt versucht, Prior klarzumachen:

Sein Engel war nur eine durchs Morphium ausgelöste Halluzination. Zwei real existiert habende Figuren gehören ebenfalls zum Personal: Roy Cohn, ein Staatsanwalt, der in der McCarthy-Ära zum berüchtigsten aller Kommunistenjäger aufstieg, und der in seiner Eigenbewertung als Präsidentenmacher als letztem Donald Trump das politische Handwerk beibrachte. Der ausgewiesene Schwulenhasser Cohn war selber homosexuell, 1984 wurde bei ihm AIDS diagnostiziert, doch bis zu seinem Tod zwei Jahre später gab er vor, an Leberkrebs zu leiden. In der Oper erscheint ihm knapp vor seinem Ende, um ihn zu verspotten, Ethel Rosenberg, in den 1950er-Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Julius wegen Spionage für die Sowjetunion angeklagt. Auf Cohns Betreiben wurde nicht nur er, sondern auch sie, bei der die Beweislage wesentlich dünner war, auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Cohn gab 1986 zu, dass die Regierung die Beweise gegen die Rosenbergs „hergestellt“ habe …

Regisseur Matthias Oldag setzt in seiner Inszenierung ganz auf den vom Werk vorgegebenen Dauerdreh von Tragik zu Komik. Nicht ohne Witz ist etwa eine celestische Konferenz der Engel aller Kontinente, in der sie versuchen, mittels steinaltem Röhrenradio Nachrichten von der Erde zu empfangen, dabei angetan wie eben noch die Obdachlosen, die sich in der Bronx um ein Mülltonnenfeuer versammelten. Auftritt „Prophet“ Prior, der zwar nicht das nietzscheeske „Gott ist tot“ verkündet, aber immerhin dessen Davonschleichen vor den Sorgen seiner Geschöpfe. Priors Aufforderung, ihm bei Wiedererscheinen den Prozess zu machen, statt Gottes Gericht – Gott vor Gericht, hinterlässt in Anbetracht seines Zustands beim Zuschauer einen ziemlichen Kloß im Hals.

Dies Wechselbad der Gefühle hat Bühnen- und Kostümbildner Nikolaus Webern für den schnellen Szenenwechsel ausgestattet. Wenige, von den Darstellern bewegte Versatzstücke definieren die diversen Schauplätze, oft sind mehrere zugleich auf der Bühne, vorne Harper allein am Schminktisch, hinten Cohns Büro, in dem er seinen Adlatus Joe herumkommandiert. Auch die Trennungen von Joe und Harper sowie Prior und Luis laufen parallel, dazu ringsum Projektionen – Hochhaussilhouette, Bow Brigde, Star-Spangled Banner und Live-Videos, die die Solistinnen und Solisten überlebensgroß an die Wand werfen. Auf dem Bühnenboden liegt Schnee (oder liegen da doch Engelsfedern?).

Luis und Joseph Pitt kommen sich im Central Park näher: Franz Gürtelschmied und Wolfgang Resch. Bild: Armin Bardel

Die auf sein Geheiß auf dem elektrischen Stuhl hingerichtete Ethel Rosenberg sucht Roy Cohn heim: Sophie Rennert und Karl Huml. Bild: Armin Bardel

Eötvös und Librettistin Mezei haben die in sich verwobene, ihrer Entwirrung harrende Handlung in einen feinen Humor gekleidet, haben daraus ein Spiel mit Geschlechtern und ihren Rollenbildern gemacht, in dem das Ensemble durchwegs brilliert. Caroline Melzer, derzeit an der Volksoper auch als „Gräfin Mariza“ zu erleben, schwebt als weißer, später schwarzer Engel aus den Lüften herab, und trägt mit ihrem wunderschönen Sopran am ehesten das vor, was man „Eötvös pur“ zu nennen vermag – eine Partie, extravagant klingend und extrem fordernd. David Adam Moore weiß seinen lyrischen Bariton gekonnt zu führen, und ist nicht nur sängerisch, sondern auch darstellerisch auf der Höhe, ob er sich „der Seuche“ nun leidend hingibt oder aufbegehrend entgegenstellt – oder sich vom Engel zum Orgasmus singen lässt.

Alle weiteren Solistinnen und Solisten sind in jeweils mehreren Rollen zu sehen: So ist etwa Sophie Rennert stark, wenn sie als Harper Pitt begreifen muss, dass Joe in ihr nur seinen „besten Kumpel“ sieht, und dessen als Eheretterin angereister Mutter Hannah gesteht, dass ihr Joes Penis fehlt. Inna Savchenko gestaltet diese Hannah mit perfekt großem Stimmumfang und in der Darstellung eindrucksvoll zurückgenommen, während sie anzunehmen trachtet, was sie bisher abgelehnt hat. Bariton Wolfgang Resch ist als verkrampfter Joe hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Lust, da trifft er Franz Gürtelschmieds Luis, den der als lasziven Verführer gibt, dem es ein Leichtes ist „Klemmschwester“ Joe auf seine Seite des Sex‘ zu ziehen.

Überzeugend ist auch Countertenor Tim Severloh in seiner Rolle als Krankenpfleger Belize, eine ehemalige Drag Queen, die den Glitzerfummel gegens OP-Grün tauschte, und nun Prior und Roy betreut. Wie Severlohs Belize als Reaktion auf die Narreteien ihrer Patienten die Stimme bis zum Schrillpunkt in höchste Höhen schraubt, ist bemerkenswert. Karl Huml schließlich ist als Roy Cohn zu sehen, sein kräftiger Bassbariton wie maßgeschneidert für die Figur des windigen Anwalts, arrogant und zynisch selbst noch in maßloser Angst – in die ihn neben der Diagnose AIDS auch Ethel Rosenberg versetzt, noch einmal gilt es die Leistung von Sophie Renner hervorzuheben, die ihm samt Elektroden-Kopfriemen auf der Leinwand erscheint – unheimlich vor sich hin summend und vor Schadenfreude irre grinsend.

Für Prior steht vor dem Hingang die Hoffnung. Auf mehr Leben, zumindest darauf keinen Tod mehr im Geheimen sterben zu müssen. Er hat sich von den fortschrittsgegnerischen Engeln abgewandt, sein Prophetenbuch abgegeben, kann er doch der Modernität und mithin der Wissenschaft, die seither einiges in der HIV/AIDS-Forschung erreicht hat, nicht abschwören. Er will nun als Mensch sein Leid annehmen. Das macht ihn mehr zur Messiasgestalt als jede Predigt. Und das Ensemble verteilt Red Ribbons ans Publikum, das diesem und dem anwesenden Komponisten mit riesigem Jubel für diese rundum geglückte und beglückende Produktion dankte.

www.neueoperwien.at

  1. 9. 2019

Green Book – Eine besondere Freundschaft

Januar 31, 2019 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Aufs Klo gehen darf der Klavierstar nicht

Don Shirley (Mahershala Ali) und Tony Lip (Viggo Mortensen) begeben sich auf einen Roadtrip durch die Südstaaten der USA. Bild: © 2019 eOne Germany

Die Atmosphäre ist freudige Erwartung. Die Geschmeide der Damen funkeln mit dem Whiskey in den Gläsern um die Wette. Immerhin ist ein Klavierstar aus New York angereist, um hier in den Südstaaten aufzutreten, man hat ihn auch schon höflichst bewillkommnet, hat sogar seine – schwarze – Hand geschüttelt. Lästig nur, dass der Virtuose vor seinem Auftritt noch die Toilette benutzen möchte, und das geht auf der „für Weiße“ im Haus natürlich gar nicht.

Weil nun aber der Pianist das Plumpsklo im Freien ablehnt, bleibt nur eine Lösung: Die illustre Gesellschaft nimmt einen verspäteten Konzertbeginn in Kauf, damit ihr Gast den stillen Ort in seinem „Neger-Motel“ aufsuchen kann. Fahrtzeit tour-retour – vierzig Minuten … Mit solch durchaus tragikomischen Situationen beschreibt Regisseur Peter Farrelly in seinem Film „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ die gefährliche Tournee durch den segregierten Süden der USA, die Weltklassemusiker Don Shirley im Jahr 1962 unternahm. Die Geschichte basiert auf einer wahren und wurde von Nick Vallelonga, dem ältesten Sohn von Tony „Lip“ Vallelonga aufgezeichnet. Tony ist der Mann, den Don Shirley als Chauffeur und bald auch Bodyguard für seine Reise anheuerte. Am Freitag startet das für fünf Oscars nominierte Roadmovie in den Kinos, und um dies vorwegzunehmen: Don Shirley und Tony Lip blieben nach ihrem Trip ein Leben lang Freunde.

Viggo Mortensen und Mahershala Ali, beide Academy Awards Nominees, spielen die ungleichen Reisegefährten. Den italoamerikanischen Rausschmeißer, für den sich Mortensen einen üppigen Pasta-und-Bier-Bauch angefuttert hat, und den blasierten Kulturaristokraten, der keinen Zweifel an seiner bildungsbürgerlichen Überlegenheit lässt. Schon die erste Begegnung zwischen ihnen ist vom Feinsten. Tony, der „Lip“ genannt wird, weil er Menschen zu allem, was er will, überreden kann, braucht einen Übergangsjob für jene zwei Monate, in denen der Nachtclub, in dem er als Türsteher arbeitet, geschlossen hat. Doch als er sich bei Dr. Shirley, zu seiner Verwunderung kein Mediziner, sondern Künstler, als Fahrer bewirbt, thront dieser in seinem mit afrikanischer Kunst vollgestopfen Luxusappartement in einem güldenen Herrschersessel. Eine erhabene Position, die ein Von-oben-Herab eindrucksvoll ermöglicht.

Ein ungewöhnliches Bewerbungsgespräch: Viggo Mortensen und  Mahershala Ali. Bild: © 2019 eOne Germany

Kurz vor seinem Auftritt ist es Don (Mahershala Ali mit Viggo Mortensen) nicht erlaubt, im Countryclub zu essen. Bild: © 2019 eOne Germany

Tony (Viggo Mortensen) schreibt seiner Frau – und bekommt von Don (Mahershala Ali) Unterstützung. Bild: © 2019 eOne Germany

Hie Mafiamilieu, dort Konzertsaalstimmung, Polyesterhemd vs Seidenkaftan, ein schlaues Schlitzohr von der Straße in Kombination mit einem verkrampften Schöngeist – besser kann ein Buddyfilm gar nicht beginnen. Klar, dass sich Tony von Don Shirleys Attitüde nicht einschüchtern lässt, eine erste Szene führt ihn ein, wie er Wassergläser, aus denen zwei schwarze Handwerker, die in seiner Wohnung Reparaturen erledigen, getrunken haben, in den Mistkübel wirft. Ebenso klar, dass aus der Zweckgemeinschaft von Alltagsrassist und Ausnahmekünstler unterwegs mehr wird.

Was „Green Book“ über die Klischeehaftigkeit dieser Konstruktion erhebt, ist nicht nur die doppelbödige Ironie des Drehbuchs von Nick Vallelonga und Peter Farrelly, sondern sind vor allem die Darsteller, die aufs Wunderbarste kontrastieren. Mortensens Tony Lip ist eine massive Erscheinung, ein einfaches Gemüt mit einem explosiven Temperament, ein Macho aus einer von Männern dominierten Welt. Charakterzüge, die Mortensen mit verschmitztem Humor und einer so gehörigen Portion Menschlichkeit ausgleicht, dass man Tony die Wasserglas-Sache schnell verzeiht.

Da wird sich einer im anfänglichen Zweikampf von Klasse gegen Rasse bald als lernfähig erweisen und beginnen, aufgezwungene Unterschiede zu hinterfragen. Denn was dem Gegensatzpaar im Jim-Crow-Land zustößt, obwohl man sich peinlich genau an die Empfehlungen des filmtitelgebenden „Negro Motorist Green-Book“ hält, einem Reiseführer, in dem für afroamerikanische Autofahrer aufgelistet ist, in welchen Quartieren und Geschäften sie als Kunden akzeptiert werden, regt Tony zum Nachdenken an.

Er erlebt seinen Brötchengeber als Ehrengast in erlesensten Kreisen, bei seinen Auftritten bejubelt und gefeiert, und doch lässt man ihn in heruntergekommenen Herbergen „for colored only“ absteigen, während Tony in chicen Weißen-Hotels wohnt. Mal sehen sich Don und Tony von schwarzen Feldarbeitern bestaunt, der dunkle Gentleman mit dem hellhäutigen Bediensteten, mal muss Tony Don vor einer Prügelei in einer Dixieland-Bar retten. Er erfährt an „Bimbo“ Dons Seite Polizeiwillkür. Dons hohe Gagen zahlende Gastgeber erklären jovial, sie hätten „ihre Neger“ befragt, was der Nordstaaten-Schwarze wohl essen möge, und servieren die „Nigger-Leibspeise“ Fried Chicken. In einem Countryclub für betuchte Weiße soll Don zwar spielen, doch im Restaurant zu speisen, wird ihm untersagt. Was Tony erstmals zum Ausrasten bringt …

Mahershala Ali gestaltet die Rolle des stets einsamen, stets ein wenig traurigen, viel zu viel Alkohol trinkenden Don feinnervig und sensibel. Er weist dessen betonte Stiff-upper-Lip-Fassade als notwendigen Panzer gegen alle Anfeindungen von außen aus, gegen seine Hautfarbe, gegen seine Bildung, gegen seine Homosexualität. Auch derentwegen verprügelt und von Haudrauf Tony wieder einmal – im Wortsinn – rausgeboxt, bricht sich Dons Identitätskrise Bahn: „Wenn ich nicht schwarz genug bin und nicht weiß genug bin, wenn ich nicht Mann genug bin, dann sag mir doch, Tony: Was bin ich?“

Don Shirley (Mahershala Ali) hat Spaß bei einem spontanen Auftritt mit der Jazz-Band in einer Cajun Kitchen. Bild: © 2019 eOne Germany

Es ist ein Allgemeinplatz zu sagen, dass Menschen, wenn sie einander erst kennenlernen, feststellen, dass sie gar nicht so verschieden sind. Trotzdem ist es berührend Mortensen und Ali dabei zuzusehen, wie sie Tony und Don mit ihren jeweiligen Vorurteilen kämpfen lassen, und auch erheiternd, wenn die beiden beginnen, den Horizont des anderen zu erweitern. Tony, indem er Don via Autoradio mit der Musik von „seinen Leuten“, Aretha Franklin, Little Richard, Sam Cooke, bekannt macht.

Don, indem er Tony hilft, romantische Briefe an die Ehefrau zu formulieren. Am Ende wird der eine sich für die so genannte Hochkultur begeistern, und der andere sich im Frack, da sind sie gerade aus dem Countryclub geflogen, in einer Cajun Kitchen ans Piano setzen – und glückseligst mit der Band jammen. In einem Herrschaftshaus in Louisville, Kentucky, fragt Tony einen Cellisten, warum sich Don diese unheilvolle, für ihn finanziell gar nicht notwendige Tour de Force eigentlich antut, und der antwortet: „Um die Einstellung der Menschen zu ändern, und dafür braucht man Courage.“

www.foxfilm.at/green-book

Buchtipp zu „Green Book“, Rezension – Matt Ruff: „Lovecraft Country“: www.mottingers-meinung.at/?p=31095

  1. 1. 2019

Final Portrait

August 7, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Geoffrey Rush ist ein großartiger Alberto Giacometti

Geoffrey Rush brilliert als Alberto Giacometti. Bild: © Filmladen Filmverleih

Zwei Menschen sitzen einander gegenüber. Stundenlang, tagelang, der eine im Versuch den anderen auf Leinwand zu bannen. Man redet, nicht viel mehr. Daraus einen Film zu machen, ist Kunst. Regisseur und Drehbuchautor Stanley Tucci beherrscht die nächstgrößte Variante:

Sein Atelierfilm „Final Portrait“, ab heute in den Kinos, über den legendären Bildhauer und Maler Alberto Giacometti und sein letztes Modell, den US-Autor James Lord, ist ein vergnügliches Kammerspiel mit einem großartigen Geoffrey Rush als zweifelndem und verzweifelndem Wanderer durchs eigene Werk. Rush macht aus Tuccis Anti-Biopic – denn der bevorzugt die Momentaufnahme gegenüber der langwierigen Erzählung – eine Tragikomödie ersten Ranges.

Die Historie ist: 1964 bittet Giacometti seinen langjährigen Freund Lord zur Portraitsitzung in sein Pariser Atelier. Der, geschmeichelt, sagt natürlich zu, zumal ihm in Aussicht gestellt wird, dass das Ganze nicht mehr als ein paar Stunden dauern würde. Es werden 18 Tage, in denen Lord tiefe Einblicke in die Seelengründe eines Schöpfers nehmen kann, während er eine Verpflichtung nach der anderen verschiebt (später berichtet er darüber in seinen Memoiren „A Giacometti Portrait“, der Basis für Tuccis Drehbuch). Die Sache eskaliert derart, dass Lord tatsächlich Fluchtpläne schmiedet: Wenn der Meister das nächste Mal vom schmalen auf den dicken Pinsel wechsle, wolle er „zuschlagen“. Denn er hat gelernt: Mit dem dünnen Pinsel wird erschaffen, mit dem breiten das Leben wieder und wieder übermalt …

Das ist das Material, aus dem Tucci seine fünfte Regiearbeit formt. Er lässt seinen Film fast ausschließlich in Giacomettis künstlerischer „Rumpelkammer“ spielen, 46 Rue Hippolyte-Maindron, ein desolates Gartenhäuschen, vollgestellt mit Sperrmüll. Ein mit Gipsresten verkleckster Raum. Ein haptisches Synonym für Giacomettis ekstatisches Arbeiten. Diese Kulisse von James Merifield, für die drei von der Giacometti Stiftung mit Wohlwollen akzeptierte bildende Künstler Skizzen, Modelle und Skulpturen im rechten Geiste anfertigten, ist tatsächlich einer der Hauptakteure. Organisch, ein Lebewesen.

Und in ihm tobt Geoffrey Rush. Der Giacometti, der sich gern beim Handwerken filmen ließ, wie er immer wieder in den nassen Ton seiner Skulpturen greift, um ein Auge neu zu kneten, oder den Stift ansetzt, um eine weitere Furche in einem gemalten Gesicht zu formen, genau studiert hat. Mit wildem Haarschopf und viel zu großem und vor allem immergleichen Anzug, sein Aussehen so schäbig wie sein Atelier, er „wohnt“ in beidem, erzählt er vom Bis-zum-Stummel-Raucher, Rotwein- und Frauenliebhaber, vom schrulligen Spinner mit Ausflügen ins Sinnenmenschdasein. So, dass man sich fragen muss: Welche der beiden gezeigten Medaillenseiten ist das Schauspiel? Welche „wirklich“? Authentisch immerhin sein von einem Autounfall verursachtes Hinken.

Mit Sylvie Testud als früh verblühte, knochig gewordene Schönheit Annette. Bild: © Filmladen Filmverleih

Und mit der sinnenfrohen, genusssüchtigen Caroline: Clémence Poésy. Bild: © Filmladen Filmverleih

Rush changiert zwischen aufgelöst und abgeklärt. Formidabel sind Szenen, in denen er Honorare für Kunstwerke unter Sofas und Schränke schleudert – „Ich habe hier mehrere Millionen versteckt, aber ich weiß nicht mehr wo“ -, oder Werke aus frühen Phasen zurückkauft, um sie durch „echte“ Giacomettis zu ersetzen. Alles tut er exzessiv, selbst das Espressotrinken. Er fühlt sich belästigt von Ruhm und Reichtum.

Trotz – oder weil – derlei koketter Augenzwinkerei zeigt Rush einen Mann, der nie zuvor gesehene Ausdrucksweisen für die Vereinsamung und Verzweiflung des Menschen finden konnte. Zitat: „Wenn ich mich am hoffnungsvollsten fühle, ist das der Moment, in dem ich mich aufgebe.“ Zu sagen, alles wäre um diesen wunderbaren Rush gruppiert, wäre vermessen. Tucci hat einen ganz auf die Schauspielkunst seiner Akteure ausgerichteten Film geschaffen. Und so zeigt er den Infight zweier Männer. Mit Betreuerstab am Ring. Mit wenigen kühnen Pinselstrichen gestaltet er einen Charakter. Armie Hammer ist ein – im Wortsinn – schöner, leicht „fader“ James Lord.

Allein schon äußerlich, immer proper, immer gepflegt in seinen weißen Hosen, bis die von den Sitzungen verlangte Garderobe sichtlich Schaden nimmt und knittert. Hammer hat die ihn bedrängende Katastrophe – Flug? Wann geht der Flug? – zunehmend im Blick, während Tyrann Griesgram hinter der Leinwand hervorlugt, diese verflucht und alle anderen im Atelier beflegelt. Immer wieder kommt Danny Cohens Kamera auf Armie Hammers Gesicht buchstäblich zur Ruhe. Das Kunstwerk, der Kunstschriftsteller hätte es wissen müssen, nimmt sich die Zeit, die es braucht. Und niemand hat darauf weniger Einfluss als der Künstler selbst. Stellvertretend für Giacomettis Auge prüft Cohen, was es mit diesem Gesicht, „Verbrechervisage“ sagt Giacometti, auf sich hat, welche Spuren das Leben hinterließ, unter welchem Blick Innerstes nach außen dringt. „Lone Ranger“ Hammer beweist in dieser Rolle einmal mehr, dass er das Zeug zum Charakterdarsteller hat.

Seine amerikanische Gelassenheit ist das perfekte Gegenstück zur rundum stattfindenden europäischen Skurrilität. Tatsächlich wirkt der Mann aus dem unglamourösen New Jersey lässiger und freigeistiger als die selbsternannten Pariser Bohemian-Vordenker. Kaum eine Szene fängt es besser ein als ein Mittagessen, zu dem Giacometti Lord statt des Modellsitzens überredet. Während ersterer Schinken und gekochte Eier verschlingt, dazu Alkohol herunterstürzt und gleich zwei Kaffee folgen lässt, trinkt zweiterer in Seelenruhe eine Coca-Cola …

Aus Stunden werden Wochen: Giacometti/Rush lockt James Lord (Armie Hammer) in sein Atelier. Bild: © Filmladen Filmverleih

Gestört wird der Schaffensprozess aber vor allem durch Giacomettis temperamentvolles Liebesleben zwischen Ehefrau Annette, gespielt von Sylvie Testud, und seiner Prostituierten/Muse Caroline, in der Darstellung von Clémence Poésy. Tucci hat kein erdenschweres Drama über ein Genie und dessen Dämonen inszeniert, sondern eine himmlische Story über einen Mann zwischen zwei Frauen – und keiner der beiden wird er Herr.

Wie Rush und Hammer bilden auch Testud und Poésy ein Gegensatzpaar, die eine als verblühte, knochig gewordene Schönheit, zugleich Opfer und Täterin in einer existenziellen Folterehe, die andere die knospende, leichtfüßige Geliebte, und eine im Wissen der anderen: Gibt es hie nicht einmal einen neuen Wintermantel, wird da mit Freude ein BMW-Cabriolet gekauft. Als Carolines Zuhälter Giacomettis Atelier verwüsten, leistet er den beiden großzügig Schadensersatz, bezahlt unaufgefordert für sexuelle Vergangenheit und verlangende Zukunft gleichermaßen …

Ein Ruhepol in all den Irrungen und Wirrungen ist Tuccis longtime companion Tony Shalhoub als Giacomettis Bruder Diego. Selbst ein begnadeter Künstler und Designer, hat er seine eigene Karriere hintangestellt, um Alberto als Assistent beiseite zu stehen. Diego weiß um das künstlerische Genie seines Bruders und ist jederzeit da, ihm zu helfen, sein Potenzial zu entfalten. Er ahnt aber auch dessen Ungeduld, die Welt in seinen Skulpturen und Gemälden endlich so zu zeigen, wie er sie sieht. Unzählige Male saß Diego selbst als Modell auf dem Stuhl, auf dem nun Lord sitzt. Von daher versteht dieser stille, zurückhaltende Mann, der so anders ist als Giacometti, wie es sich anfühlt, zu warten, bis der Künstler die nötige Eingebung hat.

Sehenswert ist es, wie Shalhoubs Diego um Verständnis für das komplizierte und doch so begnadete Wesen des Bruders wirbt. „Mein Bruder kann nur glücklich sein, wenn er sich unbehaglich fühlt“, sagt er einmal. Zurück zur Historie: Das Porträt des Amerikaners John Lord wird Giacomettis letztes Bild gewesen sein, er schenkt es ihm. 1990 wird es für 20 Millionen Dollar verkauft. Stanley Tuccis Film ist ein Geschenk an alle Giacometti-Fans (man selbst sah die erste „Donna in piedi“ im Museum Peggy Guggenheim Venedig) und an alle interessierten Kinogänger.

www.finalportrait.prokino.de

4. 8. 2017

Kunsthalle Krems: Meisterwerke der Sammlung Klüser

März 7, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo bis Warhol

Auguste Rodin: Tänzerin, undatiert © Sammlung Klüser, München, 2014 Bild: Mario Gastinger

Auguste Rodin: Tänzerin, undatiert
© Sammlung Klüser, München, 2014
Bild: Mario Gastinger

Ab 16. März zeigt die Kunsthalle Krems unter dem Titel „Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo bis Warhol“ Meisterwerke aus der Sammlung Klüser. Der Ausstellungstitel steht sinnbildlich für die Genese der Sammlung Klüser: Ursprünglich eine Kollektion zeitgenössischen Kunst mit einer zunehmenden Anzahl an Werken der klassischen Moderne, erweiterte sich die Perspektive der Sammlung seit den 1990er-Jahren auch auf Zeichnungen der Renaissance bis zur Romantik. Die Zusammenschau der Arbeiten eröffnet so ein eindrückliches Panorama der Zeichenkunst, das den Brückenschlag zwischen historischen und aktuellen Werken sucht.

Herausragende Meister der Spätrenaissance und des Barocks von Parmigianino oder Giovanni Battista Tiepolo, über Anthonys van Dyck und Rembrandt Harmenszoon van Rijn bis zu Jean-Honoré Fragonard bilden den Ausgangspunkt der Schau. Von dort spannt sich der Bogen zu deutschen und französischen Werken des 19. Jahrhunderts. Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge sowie Carl Gustav Carus sind ebenso darunter wie Eugène Delacroix, Théodore Géricault oder Victor-Marie Hugo. Die Klassische Moderne wird unter anderem vertreten von den Künstlern Paul Cézanne, Henri Matisse, Constantin Brancusi und Alberto Giacometti. Der Kunst nach 1945 wird mit bedeutenden Werkblöcken von Joseph Beuys, Blinky Palermo sowie Andy Warhol ein besonderer Schwerpunkt eingeräumt. Zeichnungen von Cy Twombly sowie Tony Cragg, Olaf Metzel und Jorinde Voigt bilden den Übergang zur jüngsten Gegenwart.

Immer schon war die Zeichnung seismographisches Medium, um Grundkonstruktionen der Gesellschaft in den Spuren der gesetzten Linien freizulegen. Im Laufe der Jahrhunderte ebenso wie im Gang durch die Ausstellung enthüllt sie sich als intime Form der Weltdeutung, als Experimentierfeld für Ideen ebenso wie als Medium der Transformation, das Sichtbares wie Nichtsichtbares, Konstrukt wie Realität auf Papier zu bannen vermag. Bereits die Künstler der frühen Neuzeit schätzten an der Zeichnung die Möglichkeit, das Denken mit dem Arbeitsprozess kurzzuschließen und so die direkte Überführung von Ideen in Sichtbarkeit zu vollziehen. Noch Joseph Beuys sprach von ihr als „Verlängerung des Gedankens“. Einer auf Papier festgehaltenen „Ideensammlung“ gleich, bieten die rund 250 Arbeiten aus der deutschen Privatsammlung von Bernd und Verena Klüser außergewöhnliche Einblicke in die Zeichenkunst vom 16. bis ins 21. Jahrhundert. Unmittelbarkeit und Spontaneität machen die Faszination der Zeichnung aus. Wie kein anderes Medium ermöglicht sie es, individuelle Bildfindungen zu erproben und künstlerische Ideen in oft experimentellen Zugängen umzusetzen.

www.kunsthalle.at

Wien, 7. 3. 2014

Black Sabbath: 13

August 19, 2013 in Klassik

Großmütterchen Ozzy hat’s noch drauf

51H5yMD1IqL._SY450_Liebe Wagnerianer und sonstige Parnasserklimmer,

erschaudern Sie nicht bei dieser Ansicht. „Black Sabbath“ IST Klassik. Die sich 1968 in Birmingham, England, zusammen gefundenen Heavy-Metal-Schrammeln sind bei Weitem weniger Mumien der Musikgeschichte als so manches, was sich auf Opernbühnen tummelt. Sie sind Kult. Sänger Ozzy Osbourne, Gitarrist Tony Iommi und Bassist Geezer Butler haben sich nach Streit hin, Streit her zu einem neuen Album zusammen gefunden: „13“. Bereits Nummer 1. in den Charts von 50 Ländern. Nur Drummer Bill Ward fehlt. Er wurde als Gast durch Brad Wilk, bekannt von „Rage Against The Machine“, ersetzt. Ein Glücksgriff, denn er treibt die Band mit neuer Energie nach vorne, sorgt für einen durchgehenden Spannungsbogen von „End of the Beginning“ bis „Dear Father“. Dessen Verse 2: „You preyed upon my flesh then prayed for my soul. Belief betrayed by lust that you stole. Indoctrination by a twisted desire, the catechism of an evil messiah.“

Müßig, hier über Höhepunkt, Niedergang, eine MTV-Show und Wiederauferstehung von „Black Sabbath“ zu fabulieren. „13“ ist ein Album, das sich hören lassen kann, und obwohl ein Song „Zeitgeist“ heißt, diesem hartnäckig die Stirn bietet. Im Kopf sieht man Ozzy, dem die Mascara und das Wasser, das er sich bei Konzerten kübelweise über den Kopf schüttet, über die Wangen läuft. Wie er wie ein Großmütterchen über die Bühne trippelt und, wenn ihm der Text ausgeht, einfach das Publikum singen lässt. Wie er in großer Prediger-des-Bösen-Pose die Arme ausbreitet, damit seine langen Fransenärmeln auch schön zu bewundern sind. „God is Dead?“ (eine weitere Hervorbringung der neuen CD), aber wie sagte Satan so treffend in einem Ozzy-Video: „He’s not my child, but I love him like a son“. Alle Tage Ozzfest!

Wenn Ozzy nun singt, klingt das älter, tiefer, derangierter, desolater. Irgendwo zwischen schmiergelpapierkratzig und Lungenentzündung. Schwarz wie sein Outfit. Super. Nur sein berühmtes „Uuh-Yeah“ kommt noch in fabelhaftem Fasett aus seiner Kehle. Auf das x-Mal verbrauchte Four-Letter-F-Word wird man wohl bis zu den Konzerten warten müssen, die es hoffentlich noch geben wird. Denn der schwer krebskranke Tony Iommi bedankt sich im Booklet bei der modernen Medizin, ohne die er die Aufnahmen nicht durchgestanden hätte. Umso liebenswerter, dass seine Soli,  kompositorisch immer noch zwischen Schweben, Abstürzen und Schwindelerregung balancieren, nur dass er seine  kleinen kniffligen Metallpuzzles heute blutigdürstiger denn je in die Ohren kippt –  und dann irgendwann desinteressiert fallenlässt. Aus. Vorbei. Moll. Schmoll. Auch Bassist und Hauptlyriker Geezer Butler macht seinem legendären Namen alle Ehre.  Er demonstriert das Konzept Entschleunigung in den Spielarten: ewig brauchen, aus Eigenschwere immer langsamer werden oder sich weigern, den nächsten Schritt zum erwarteten Tempo zu tun. Das ist in Kombination mehr als gut: losschlurfen und dann – Wrrrröööärrm. Bis die Zeit den vollen Hall, den Frequenzteppich, den reifen Sound in den der anderen integriert hat.

„13“ ist eine einzige Feier des Überlebens. Dass das Album mit den gleichen Klängen eröffnet, mit denen 1970 die Geschichte der Band begann, mit einem in Regen übergehenden Wolkenbruch und unheilvollen Glockenschlägen, mag Nichtauskennern sentimental erscheinen. Aber es ist ein Triumph der Godfathers of Metal über die Gruft. Legenden müssen gebildet werden. Menschen, die 1968 noch nicht geboren waren zur Erklärung: Das Album klingt wie ein ins Schleudern geratener und mit Stahlträgern beladener Sattelschlepper.

www.blacksabbath.com

Trailer: www.youtube.com/user/OfficialSabbath

Von Rudolf Mottinger

Wien, 19. 8. 2013