Dauerleihgaben der Sammlung Thyssen-Bornemisza an das Belvedere

April 15, 2013 in Ausstellung

Bedeutende Meisterwerke der Moderne ergänzen

die Sammlung der Österreichischen Galerie

Ich kaufe Gemälde aus Liebe und Leidenschaft, Interesse und Begeisterung.
Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza (1921-2002)

Alexej von Jawlensky, Kind mit Puppe, 1910, Öl auf Holz, 61 × 50,5 cm, Dauerleihgabe im Belvedere © Thyssen-Bornemisza Collections, © VBK, Wien, 2013

Alexej von Jawlensky, Kind mit Puppe, 1910, Öl auf Holz, 61 × 50,5 cm, Dauerleihgabe im Belvedere
© Thyssen-Bornemisza Collections, © VBK, Wien, 2013

Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Alexej von Jawlensky oder František Kupka: Insgesamt sind es 15 Werke aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, zwölf Ölgemälde und drei Arbeiten auf Papier, darunter Hauptwerke des deutschen und des französischen Expressionismus sowie des italienischen und des russischen Konstruktivismus, die ab dem Frühjahr 2013 als Dauerleihgaben im Oberen Belvedere präsentiert werden. „Diese Sammlung  ist eine der gewichtigsten in Europa, und es ist eine ganz besondere Freude, dass Ausgewähltes von allerhöchster Qualität nun die Bilder des Belvedere ergänzt. Diese herausragenden Einzelstücke ermöglichen den Vergleich der eigenen Bestände österreichischer Kunst mit dem deutschen Expressionismus und zeigen so wichtige Aspekte der heimischen Identität auf“, zeigte sich Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere, bei der Vorstellung ihrer neuen Schützlinge erfreut über die neueste Ergänzung ihres Hauses.

Im Jahre 1947 erbte Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza von seinem Vater den wichtigsten Teil einer ausschließlich aus Werken alter Meister bestehenden Kunstsammlung. Baron Hans Heinrich setzte diese Tradition zunächst fort und erwarb erst zu Beginn der 1960er-Jahre sein erstes modernes Werk, das Aquarell Junges Paar von Emil Nolde. Im Laufe der folgenden vier Jahrzehnte trug er eine der bedeutendsten Privatsammlungen der klassischen Moderne zusammen, deren größter Teil seit 1992 im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid dauerhaft präsentiert wird. Aus der verbleibenden Kunstsammlung kann dank des Engagements seiner Tochter, Francesca Habsburg, eine Auswahl von Werken der internationalen klassischen Moderne nun im Belvedere gezeigt werden. „Das Aufregendste für mich an der Kunst ist das Entdecken und die Herausforderung, vor die man gestellt wird. Auch wenn meine Leidenschaft vorwiegend der zeitgenössischen Kunst gilt, habe ich natürlich eine besondere Beziehung zu den Werken aus der Sammlung meines Vaters, dessen Leidenschaft für die Kunst mich geprägt hat. Heute hier im Belvedere zu stehen und ausgewählte Arbeiten als Ergänzung in der Sammlung zu sehen ist natürlich ein besonderer Moment für mich“, meint Francesca Habsburg.

Unter den Dauerleihgaben befinden sich Werke des französischen Fauvismus, beispielsweise von Maurice de Vlaminck, des Dresdner und des Münchner Expressionismus mit Vertretern wie Alexej von Jawlensky und August Macke, oder Einzelpositionen wie jene von František Kupka. Vertreten sind einflussreiche Größen der deutschen, französischen, russischen und italienischen Avantgarde, ihre Werke machen Zusammenhänge zwischen der Wiener Formkunst, dem Wiener Kinetismus, dem russischen Konstruktivismus sowie dem Rayonismus ästhetisch erfahrbar. „Besonders ans Herz gewachsen ist mir eine weitere der Belvedere-Leihgaben, Noldes Blumengarten. Mein Vater fühlte sich zu diesem Gemälde immer sehr hingezogen und nahm es sogar mit, als er nach Madrid zog, wo es immer bei uns zuhause hing“, so Francesca Habsburg. „Ich fühle mich diesen Bildern sehr verbunden, und es ist mir eine Ehre, dass sie über den Zeitraum mehrerer Jahre in der Sammlung der Moderne des Belvedere integriert sein werden. Denn mein Vater hat mich etwas sehr Wichtiges gelehrt: Kunstwerke werden nicht zum ausschließlichen Privatvergnügen eines Einzelnen geschaffen, sondern um sie mit einer breiteren Öffentlichkeit zu teilen.“

www.belvedere.at

Von Rudolf Mottinger

Wien, 12. 4. 2013