Claudia Bosse: what about catastrophes?

April 2, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Theaterkombinat im Tanzquartier Wien

Bild: © Claudia Bosse

Bild: © Claudia Bosse

Claudia Bosse und ihre Kompanie theatercombinat sind für ihre radikalen und politischen Arbeiten bekannt. In ihrem neuen Stück what about catastrophes?, das am 10. April im Tanzquartier Wien uraufgeführt wird, treibt Claudia Bosse / theatercombinat das Theater einmal mehr an seine Grenzen. Lustvoll treibt sie die performativen Variationen zur Katastrophe das Theater an die Möglichkeiten des Unmöglichen.

what about catastrophes? versammelt ein Ensemble von fünf Tänzern und Performern auf unsicherem Grund und erkundet in performativen Variationen die Grammatik der Katastrophe. Claudia Bosse sondiert körperliche Grenzen, spielt mit der Fragilität von Leibern und der Verletzbarkeit von Systemen. In einer Choreographie zerklüfteter politischer Landschaften, sich im Sturz befindender Körper, rituellen Bewegungen, Sprachfragmenten und Soundflächen entsteht in der Halle G des Tanzquartiers ein Raum sich überlagernder Stimmen und Handlungen mit persönlichen Gedanken über Revolution, Bürgerkrieg, Freiheit, Terrorismus, das Subjekt und Demokratie. In diesem komplexen Ereignisraum kann sich der Zuschauer bewegen und ist eingeladen, die Perspektive zu wechseln: auf Körper, die in Erschütterungen geraten und zugleich die Beschleunigungsmaschine aus Kapital, Medien und Katastrophe zu verunsichern suchen. In what about catastrophes? begegnen persönliche Gedanken über Demokratie, Terrorismus, Freiheit, Revolution, Zukunft und Bürgerkrieg Körpern in Extremsituationen und treiben das Theater an den Rand seiner Darstellbarkeit.

what about catastrophes? ist Teil des Langzeitprojekts katastrophen (11/15) ideal paradise von Claudia Bosse und einer Gruppe internationaler Künstler, Tänzer, Performer und Theoretiker (mit: Nathalie Rozanes, Alexandra Sommerfeld, Florian Tröbinger, Kostas Tsioukas und Elizabeth Ward) und untersucht bis Ende 2015 die Struktur der Katastrophe als Kippbild der Gesellschaft. Dabei greift Claudia Bosse auf ihre Sammlung aus Interviews zurück, die seit 2011 aus Gesprächen zu persönlichen Narrativen über Demokratie, Freiheit, Terrorismus, Staat, Geschichte, Identität in Städten wie New York, Kairo, Tunis, Frankfurt, Zagreb, Tel Aviv, Brüssel, Beirut entstanden ist. Der nächste Teil mit dem Titel catastrophic paradise wird im September 2014 in Düsseldorf in Koproduktion mit dem FFT im Rahmen der Reihe „DECOLONIZE! Performative Strategien für ein (post)koloniales Zeitalter“ uraufgeführt, unterstützt von der Kunststiftung NRW. Mehr darüber: claudiabosse.blogspot.co.at

www.theatercombinat.com

www.tqw.at

Wien, 2. 4. 2014