Theater an der Wien: The Rake´s Progress

September 9, 2013 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Bild: Theater an der Wien

Bild: Theater an der Wien

Martin Kušej inszeniert Igor Strawinski

Am 16. September hat am Theater an der Wien Igor Strawinskis „The Rake’s Progress“ Premiere. Eine Neueinstudierung der Produktion aus dem Jahr 2008. Es inszeniert Martin Kušej. Seit seiner Ankunft 1939 in Amerika suchte Igor Strawinski nach einem Thema für eine englischsprachige Oper. Als er 1947 im Chicago Art Institute das erste Mal William Hogarths Kupferstichfolge A Rake’s Progress (1733-35) sah, wusste er sofort, dass er die Grundlage dafür gefunden hatte. Die genauen satirischen Darstellungen des Londoner Lebens in der Zeit des sich entwickelnden Kapitalismus inspirierten ihn und seine Librettisten zu einer brillanten Bühnenparabel.

Der junge Tom Rakewell wünscht sich Geld und wildes Leben, geregelte Arbeit erscheint ihm abstoßend. Ein geheimnisvoller Fremder, Nick Shadow, überbringt ihm ein großes Erbe. Shadow tritt in Toms Dienste, die Bezahlung will er später einfordern. Tom nimmt den scheinbar guten Handel an und verlässt seinen Heimatort und seine Geliebte Anne Truelove, um mit Shadow nach London zu gehen. Dort gerät er in schlechte Gesellschaft und verschleudert sein Erbe. Schließlich heiratet er eine groteske Frau, die er nicht liebt, die Türkenbaba. Anne Truelove sucht inzwischen unbeirrt nach ihrem Geliebten. Schließlich fordert der Teufel – denn niemand anderer ist Nick Shadow – seine Bezahlung: Toms Seele. Bei einem Kartenspiel gelingt es Tom in Gedenken an seine wahre Liebe Anne, Seele und Leben zu behalten. Der geprellte Shadow kann ihm jedoch seinen Verstand nehmen: Tom findet sich im Irrenhaus wieder, er hält sich für Adonis, von Venus verlassen. Anne besucht ihn und kann ihn für Momente trösten, doch als sie geht, stirbt er.

Während der Komposition beschäftigte sich Strawinski ausführlich mit Mozarts Così fan tutte und arbeitete eine Fülle von musikalischen Stilen ein, die ihre Entsprechungen in den literarischen Anspielungen des Librettos haben. Heraus kam dabei eine neoklassizistische Bühnenparabel mit exemplarischen Figuren ohne psychologisierende Tiefensicht, aber mit szenischer Durchschlagskraft und analytisch-satirischem Scharfsinn, der dem der Hogarthschen Stichfolge entspricht. Martin Kušejs Inszenierung holt dieses Meisterwerk entsprechend verstörend und provokant in unsere Gegenwart.

Es singen u. a. Bo Shovhus, Anna Prohaska und  Anne Sofie von Otter.

http://www.theater-wien.at/

Wien, 9.9. 2013