TBA21: Mario García Torres. An Arrival Tale

Juni 14, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Geschichten von Migration und Exil

Mario Garcia Torres: Tea, 1391 (Iranian calendar). Bild: Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection, Vienna. Film still: Courtesy the artist and Jan Mot, Brussels / Mexico City

Mario Garcia Torres: Tea, 1391 (Iranian calendar). Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection, Vienna. Film still: Courtesy the artist and Jan Mot, Brussels / Mexico City

Mario García Torres: The Way They Looked at Each Other, undatiert. Eine Auftragsarbeit der TBA21. Bild: Nik Wheelr / Alamy

Mario García Torres: The Way They Looked at Each Other, undatiert. Eine Auftragsarbeit der TBA21. Bild: Nik Wheelr / Alamy

Ab 17. Juni ist in der TBA21, der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary im Augarten, die Ausstellung „An Arrival Tale“ von Mario García Torres zu sehen. Der mexikanische Künstler, geboren 1975, wendet investigative künstlerische Strategien an, um in Archive, Landschaften und Orte eingeschriebene und verborgene Geschichten offenzulegen und die Beschaffenheit und Begrenztheit historischer Objekte aufzuzeigen.

Dabei tauchen in seinem Werk verschiedene Erzähltechniken auf, wie fiktive Briefwechsel, Reportage und Icherzählung, die Formen der Aneignung, Wiederaufführung und der Wiederholung des Geschehenen oder dessen innewohnenden Potenzialitäten inszenieren.  Die Ausstellung sammelt, beschreibt und verbindet verschiedene Geschichten von Exil und Migration und umspannt dabei unterschiedliche historische Momente und Kontexte.

Sie löst die Arbeiten aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen und Fixierungen und öffnet sie für neue Lesarten. „,An Arrival Tale‘ argumentiert anhand meiner Arbeiten aus der TBA21-Sammlung, dass der Raum der Ankunft, dieser Raum in dem man sich selbst neu erfinden kann, ein spannender sein könnte und dass er historisch betrachtet ein Ort des Aufbruches war”, so García Torres.

www.tba21.org

Wien, 14. 6. 2016

TBA21: Green-light-Workshop mit Olafur Eliasson

April 5, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Gemeinsam mit Flüchtlingen am grünen Licht arbeiten

Olafur Eliasson – Green light | An artistic workshop: Green light – Shared learning, TBA21–Augarten. Bild: Sandro E. E. Zanzinger / TBA21, 2016

Olafur Eliasson – Green light | An artistic workshop: Green light – Shared learning, TBA21–Augarten. Bild: Sandro E. E. Zanzinger / TBA21, 2016

Am 7. April findet von Mittag bis Mitternacht in der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary-Augarten ein Workshop mit Olafur Eliasson statt. „15 Akte der Partizipation“ ist eine 12-stündige Veranstaltungsreihe, die Olafur Eliassons „Green light“-Projekt begleitet. Eliasson und Francesca Habsburg haben unter anderem Atif Akin, Damian Christinger, Rasmus Nielsen/Superflex, Zavoloka und die Green-light-Partizipienten eingeladen, diesen Tag zu gestalten.

Von Eliasson als symbolisches grünes Licht für Flüchtlinge und Migranten in Österreich und darüber hinaus konzipiert, versteht sich „Green light“ als ein künstlerischer Workshop und als Ort des Lernens rund um die Anfertigung eines von Eliasson entworfenen Lichtobjekts, der Green-light-Lampe. Das Projekt lädt alle Besucher des TBA21-Augartens, Flüchtlinge, Migranten und Studierende ein, Teil eines gemeinschaftlichen Prozesses zu werden und einander jenseits aller unterschiedlichen sprachlichen, sozialen, geografischen und Bildungshintergründe zu begegnen.

Olafur Eliasson dazu: „Ich hoffe, dass Green light dazu beiträgt, Herausforderungen und Aufgaben ins Licht zu rücken, die sich aus der aktuellen Flüchtlingskrise in Europa und weltweit ergeben. Green light ist eine Geste des Willkommens, die sich sowohl an Menschen richtet, die ihre Heimatländer aufgrund von Not und Instabilität verlassen mussten, als auch an die Bürger Wiens. Das Projekt lädt durch einen spielerischen kreativen Prozess dazu ein, etwas Wertvolles zu schaffen“.

Olafur Eliasson, Green light, 2016 Bild: María del Pilar García Ayensa / Studio Olafur Eliasson

Olafur Eliasson, Green light, 2016
Bild: María del Pilar García Ayensa / Studio Olafur Eliasson

Am Projekttag wird gemeinsam an den Lampen gearbeitet und natürlich gemeinsam gegessen – Orientalisches und Lokales, weil sich die neu in Österreich Angekommenen auch von ihrer kulinarischen Seite präsentieren wollen. Es gibt Filmvorführungen und ein Fussballturnier. Johannes Porsch gestalten mit Green-light-Teilnehmern die Theaterprobe „What Acts Upon Us When We Are Acting?“. Inspiriert von Erfahrungen in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten spricht Ben Paine von der humanitären NGO Medair über den (un-)klugen Einsatz von Mitgefühl und Großzügigkeit.

Rasmus Nielsen geht mit „Rock the Boat“ der Frage nach, ob Zeus der erste Menschenschmuggler war. Und wo wären wir heute, wenn die Grenzpolizei seine erste Passagierin Europa abgefangen hätte, die aus dem heutigen Libanon kam und schließlich auf der griechischen Insel Kreta strandete. Der Medientheoretiker und Kurator Paul Feigelfeld diskutiert angesichts der gängigen Krisenrhetorik das Refugee Phrasebook, ein Projekt, das Flüchtlingen, Helfern und Zivilisten allerorts wichtige Vokabel bereitstellt.

Olafur Eliasson und Francesca Habsburg sprechen über die Möglichkeiten von Kunst und Künstlern, auf aktuelle politische Bemühungen und den Zustand der Welt aufmerksam zu machen. Und Soundkünstlerin Zavoloka spielt ein Liveset von ihrem Album Volya, das ihrer ukrainischen Heimat gewidmet ist.

Die Green-light-Lampen sind mit grünen Leuchtdioden ausgestattet. Überwiegend aus recycelten und nachhaltigen Materialien gefertigt, dienen die stapelbaren Module entweder einzeln als Lichtobjekt oder können zu einer Vielzahl von Konfigurationen zusammengesetzt werden. Im Ausstellungsraum des TBA21-Augarten formen die Green lights eine stetig anwachsende Skulptur.

Sie sind im TBA21-Augarten sowie online und bei ausgewählten Partnerinstitutionen zum Kauf erhältlich und werden an ihren jeweiligen Aufstellungsorten ein symbolisches Licht der Einbindung und der Offenheit verbreiten. Der Erlös unterstützt das Green- light-Projekt und die Partnerorganisationen Wiener Rotes Kreuz, Caritas und Georg Danzer Haus sowie weitere Initiativen für Flüchtlinge in Österreich.

Das Video zum Projekt: www.youtube.com/watch?v=qQICXB8_LSc

www.tba21.org

Wien, 5. 4. 2016

Winterpalais – Ólafur Eliasson: Baroque Baroque

November 19, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Francesca Habsburg zeigt Wien noch einmal, was sie hat

Olafur Eliasson New Berlin Sphere, 2009: Installationsansicht im Winterpalais, Wien, 2015 Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection, Vienna Bild: Anders Sune Berg © 2009 Olafur Eliasson

Olafur Eliasson New Berlin Sphere, 2009: Installationsansicht im Winterpalais, Wien, 2015
Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection, Vienna
Bild: Anders Sune Berg © 2009 Olafur Eliasson

Das Vestibül durchflutet die Lichtinstallation „Die organische und kristalline Beschreibung“ mit Wellen aus blauem und gelbem Licht, erschafft einen Ozean aus Farbe, der den Besucher magisch anzieht. „Yellow corridor“ lässt das Stiegenhaus im imperialen Glanz erstrahlen. Maschinen und Installationen wie etwa das „Kaleidoscope“, „New Berlin Sphere“, „Your welcome reflected“ und „Seu planeta compartilhado“ laden zum Schauen und Staunen. Ein Spiegel, der die Enfilade der Prunkräume durchzieht, wirft die Schönheit der barocken Räume zurück. Im Schlachtenbildersaal inszeniert „Wishes versus wonders“, ein an die Spiegelwand montierter Halbring aus Edelstahl, eine Illusion.

Ólafur Eliasson, der Meister der magischen Bilderwelten, ist in Wien. Das Belvedere präsentiert ab 21. November unter dem Titel „Baroque Baroque“ in der Kulisse des prunkvollen Winterpalais, Stadtresidenz des Prinz Eugen, einige seiner besten Kunst-Stücke. Gezeigt werden Werke der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (TBA21) und der Juan & Patricia Vergez Collection. Das Winterpalais war im barocken Wien ein Ort der Förderung der Künste und Wissenschaften. Hier will Eliasson mit  „Baroque Baroque“ ansetzen, mit einem Aufeinandertreffen von Kunstwerken, Ästhetiken und Weltanschauungen zweier zutiefst unterschiedlicher Epochen.

„Für mich ist inspirierend“, so der dänisch-isländische Künstler über die Ausstellung, „dass sich das Barock durch eine so große Offenheit auszeichnet – für fließende Übergänge zwischen Realitätsmodellen und der Realität an sich. Die Präsentation meiner Arbeiten im Winterpalais entstand aus der Überzeugung heraus, dass es möglich ist, Realität zu konstruieren; gestaltet nach unseren Träumen und Visionen und getragen von der Vorstellung, dass Konstrukte und Modelle genauso real sind wie alles andere.“ Wie im großen barocken Illusionstheater tritt auch Eliasson an, um sein Publikum zu verblüffen. Die Begegnung mit seiner Arbeit fordert die Wahrnehmungsgewohnheiten der Betrachter heraus und gibt Anstoß, die Wirklichkeit in ständiger Wandlung zu verstehen. Nichts bleibt, wie es war. In diesem Sinne sind Eliassons Werke Vanitas-Symbole – Luxus für alle Sinne, ohne moralisierende Absicht.

Im Winterpalais überraschen die Bezüge zwischen Eliassons Arbeiten und ihrem temporären Ausstellungsort. Sie ähneln einander in ihrem Spiel von Sein und Schein, und auch bezüglich ihrer Repräsentationspflichten. So entstand für diese Schau der Begriff des doppelten Barock – „Baroque Baroque“ -, der das Historische mit dessen Konstruktion überlagert. „Die Installationen von Ólafur Eliasson bilden eine nahezu perfekte Symbiose mit der barocken Opulenz des Winterpalais“, sagt Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco bei der Präsentation der Ausstellung am Donnerstag. „Man steht in einer Beziehung zum Raum; man sieht ihn, man bewegt sich in ihm oder tut irgendwas in ihm, und der Raum verfügt aufgrund seiner offenen Ideologie über die Fähigkeit, einem zu zeigen, dass man sich in ihm befindet“, erklärt Eliasson, der die Winterpalais-Besucher zur aktiven Teilnahme am Geschehen einlädt.

Erst kürzlich überlegte TBA21-Gründerin Francesca Habsburg öffentlich, ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst von Wien nach Zürich zu verlegen. Nach mehr als 20 Jahren in Österreich schien die in der Schweiz aufgewachsene Kunstmäzenin genug von der „Hinhalte-Taktik“ der Wiener Kulturpolitik zu haben. Ihre Hoffnungen auf eine eigene Kunsthalle im Quartier Belvedere beim neuen Wiener Hauptbahnhof hatten sich 2012 aufgrund fehlender politischer, wie auch finanzieller Bekenntnisse zerschlagen. In Wien fühle sie sich „nicht wertgeschätzt“ und „total unterfordert“, Gespräche seien „nicht zielführend“ verlaufen, ließ sie wissen, und dass sowohl Zürich als auch Venedig Interesse bekundet hätten. Nun zeigt Habsburg im Winterpalais eindrucksvoll, was Wien verlieren könnte. Ihr Statement zur Schau liest sich entsprechend: „Diese Ausstellung vereint einige Elemente, welche nicht nur die Vision der Sammler und deren Verantwortung zum Ausdruck bringen, sondern auch deren Fähigkeit, Kunstprojekte jenseits traditioneller Kategorien zu kreieren“, so Francesca Habsburg.

www.olafureliasson.net

www.tba21.org

www.belvedere.at

Wien, 19. 11. 2015