Die Kinohighlights im Herbst

August 6, 2015 in Film, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das flimmernde Dutzend

The hateful Eight: Kurt Russell und Samuel L. Jackson Bild: The Weinstein Company

The hateful Eight: Kurt Russell und Samuel L. Jackson
Bild: The Weinstein Company

Alles wird leinwand: Neben dem neuen James-Bond-Abenteuer „Spectre“ und „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ gibt es im Kinoherbst allerlei Sehenswertes. mottingers-meinung.at freut sich auf folgende zwölf Filme:

September

Black Mass

Endlich einmal ohne Dreadlocks! Johnny Depp besinnt sich auf seine Kernkompetenz, nämlich Schauspieler statt Berufspirat zu sein, und gibt in Halbglatze den skrupellosen US-Verbrecher Joseph „Whitey“ Bulger, der seine lange Karriere auch dem Umstand zu verdanken hatte, dass er dem FBI als Informant im Kampf gegen die Mafia – die in seinem Territorium wilderte – diente. Verspricht ein spannender Mix aus Gangsterfilm und Biopic zu werden. An Depps Seite agieren unter anderem Benedict Cumberbatch und Kevin Bacon. Regie: Scott Cooper. Die Bostoner Unterweltlegende Bulger diente übrigens schon als Vorbild für Jack Nicholsons Figur Frank Costello in „Departed – Unter Feinden“.

www.blackmassthemovie.com

Oktober

Macbeth

Justin Kurzels Adaption von Shakespeares schottischem Stück ging beim diesjährigen Rennen um die Goldene Palme in Cannes zwar leer aus, das bildgewaltige Epos scheint aber allemal sehenswert zu sein. Michael Fassbender, derzeit im Western „Slow West“ in den heimischen Kinos zu sehen, und Marion Cotillard geben Macbeth und seine Lady. Laut Trailer sehr duster und sehr schön vom Wahnsinn umzingelt.

www.macbeth-movie.com

Hotel Transsilvanien 2

Teil eins des Animationsspaßes füllte 2012 weltweit die Kinokassen mit knapp 360 Millionen Dollar. Nun kommt die Fortsetzung der Gruselkomödie: Hotelbesitzer und Oberblutsauger Dracula hat, da sein Schwiegersohn ja einer ist, sein Haus nun auch für Sterbliche geöffnet. Sorgen macht ihm allerdings sein Enkel Dennis, der die Vampirsache nicht so recht ernst nimmt. Dracs Freunde Werwolf, Mumie und Frankensteins Monster sollen dem Nachtschattensprößling auf den Spitzzahn fühlen. Sicher wieder ein Riesenspaß.

www.hoteltmovie.com

Life

Anton Corbjins Biopic über James Dean lief schon bei der Berlinale. Dort war die Handlung manchen zu blutleer, allgemein gelobt wurden aber die schönen Bilder. Teenieschwarm Robert Pattinson schlüpft in die Rolle von Magnum-Fotograf Dennis Stock, der für das Life-Magazine Film-Enfant-terrible James Dean (Dane DeHaan, Variety nannte sein Spiel „magnetisch“) ablichten soll. Der Auftrag führt die beiden Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, quer durch die USA. Das Leben des mit seinen 26 Jahren schon ziemlich biederen Familienvaters Stock wird von der Kinoikone kräftig zentrifugiert – bis aus Staunen Freundschaft entsteht. True Story! Mal schauen.

lifethefilm.com

The Walk

1974 balancierte der französische Hochseilartist Philippe Petit in schwindelnder Höhe zwischen den New Yorker Twin Towers. Robert Zemeckis (Drehbericht samt Aufnahmen des und Interview mit dem echten Philippe Petit: www.mottingers-meinung.at/?p=10367) machte aus dessen Buch „To Reach The Clouds“ einen hoffentlich spannenden Film. Joseph Gordon-Levitt spielt den Wolkenkraxler.

thewalkmovie.tumblr.com

November

Spectre

Wie’s im Geheimagentenbusiness nun mal so ist, ist das Meiste streng geheim. Da kann man trotzig ein Schnütchen ziehen wie Daniel Craig, hilft alles nix. Aber egal. Ist ja nicht anzunehmen, dass das jüngste James-Bond-Abenteuer „Spectre“ in den bewährten Händen von Regisseur Sam Mendes, der auch schon für „Skyfall“ verantwortlich zeichnete, nicht wieder zum Riesenspektakel wird. Handlung: Eine mysteriöse Botschaft aus Bonds Vergangenheit bringt den Superspion auf die Spur einer sinistren Organisation. Während M – Ralph Fiennes folgte bekanntlich auf Judy Dench – gegen Politkräfte kämpfen muss, die dem Secret Service ans Leder wollen, enthüllt die Doppelnull die Machenschaften von „Spectre“. Monica Bellucci fungiert als „Bond-Girl“, Ben Whishaw wieder als Q, Christoph Waltz gibt den Bösewicht mit dem österreichischen Namen Oberhauser. Ob der Blofeld ist oder nicht, sagt uns erst .. Auch darüber, wer den Bond-Song singt, brodelt derzeit noch die Gerüchteküche.

www.007.com/spectre

The hateful Eight

Pflichtprogramm! Quentin Tarantino zum zweiten Mal auf der Fährte der beiden Sergios. Mit „The hateful Eight“ schuf er wohl wieder eine astreine Hommage an den Italowestern, diesmal im Schnee wie weiland Corbuccis Meisterwerk „Leichen plastern seinen Weg (Il grande silenzio)“. Wie Klaus Kinski ist auch Kurt Russell als Kopfgeldjäger mit Postkutsche und Verbrecherin (Jennifer Jason Leigh) unterwegs, allerdings will er die Holde nicht à la Vorbild im Schnee tieffrieren, sondern sie – um eben dies zu verhindern – in einer Stagecoachstation zwischenparken. Dort gibt sich bereits allerlei lichtscheues Gesindel ein Stelldichein: Man hat noch eine Bürgerkriegsrechnung miteinander offen. Mit Samuel L. Jackson, Tim Roth, Channing Tatum und dem großartigen Bruce Dern als abgehalftertem General. Ennio Morricone macht die Musik.

thehatefuleight.com

Irrational Man

Woody Allen kann auch mit beinah 80 nicht aus seiner Haut, muss er auch nicht, er hat ja Erfolg damit. „Irrational Man“ heißt sein jüngster Alter-Ego-Film, Joaquin Phoenix darf diesmal den Stadtneurotiker spielen, allerdings in einem beschaulich-ländlichen College, wo er als Philosophieprofessor am Sinn-des-Lebens-Bezweifeln und Zwischen-zwei-Frauen-Stehen laboriert. Und deshalb (?) an Erektionsstörungen. Die angeblich schwarzhumorige Komödie, die sich zum Krimi entwickelt, soll bissfester sein als ihr Vorjahrsvorgänger „Magic in the Moonlight“.  UK- und US-Kritiken waren nicht durchwegs freundlich, also selber ein Urteil bilden.

www.sonyclassics.com/irrationalman

The Martian

Ridley Scotts Ankündigung den faden „Prometheus“ mit einem Sequel zu adeln, darf zwar als gefährliche Drohung verstanden werden, trotzdem ist Science Fiction vom „Alien“-Altmeister ein Cineastenmuss. Des Sirs jüngste Mission führt zum Mars, er hat Andy Weirs Weltraumroman „The Martian“ für die Leinwand gebannt. Der Marsianer ist kein grünes oder andersfarbiges Männchen, sondern der von Matt Damon gespielte NASA-Astronaut Mark Watney, der von seinen Kollegen irrtümlich auf dem roten Planeten vergessen wird. Ohne Möglichkeit zur Kommunikation und mit beschädigter Ausrüstung beginnt für den Botaniker auf dem unwirtlichen fremden Himmelskörper der Überlebenskampf. Mit Jessica Chastain, Jeff Daniels und Sean Bean, der hier nach „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ den Film mutmaßlich überstehen wird. Wir freuen uns auf erwartungsgemäß tolle Bilder und eine klaustrophobische Stimmung.

www.foxmovies.com/movies/the-martian

Steve Jobs

Gerade erst hat die Oper von Santa Fe für 2017 die Premiere von „The (R)evolution of Steve Jobs“ aus der Feder von Komponist Mason Bates angekündigt, da kommt auch schon der nächste Film über das Apple-Genie ins Kino. Dem kann man nur mehr Glück wünschen als Ashton Kutchers abgestürztem „jOBS“. Garanten für ein vielschichtiges Werk über einen faszinierenden Zeitgenossen wären Autor Aaron Sorkin, Regisseur Danny Boyle und Hauptdarsteller Michael Fassbender jedenfalls. Dem gewieften Charakterdarsteller, dem keiner so schnell einen Apple für ein Ei vormacht (Tschuldigung, konnte nicht widerstehen 😉 ), sollte es doch möglich sein, Jobs überbordenden Geist, sein gefürchtetes Temperament, seine Kompromisslosigkeit und seinen Alleinherrscheranspruch in eine Figur zu gießen.

www.stevejobsthefilm.com

Dezember

Star Wars: Episode VII – The Force Awakens

Hurra, Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill sind wieder da! Nach den unsäglichen Episoden I bis III geht’s nun mit Han, Leia und Luke hoffentlich in bewährter Manier flottilotti weiter. Über die Handlung des ersten Teils der dritten Trilogie ist nicht viel bekannt: Wiewohl der Todesstern hin ist, lebt das Imperium als „The First Order“ weiter. Prinzessin Leia schickt Piloten auf Erkundungsflüge, ein geheimnisvolles Lichtschwert soll der Schlüssel zu einem Grab der bösen Sith sein, weshalb Rebellenheld Han Solo sich der Sache annimmt. Der braucht die Hilfe von Jedi Luke Skywalker. Doch sein alter Freund und Schwager ist im Exil … Mit J. J. Abrams als Regisseur dürfen die Erwartungen ruhig hoch liegen. Harrison Ford hat nach Beinbruch am Set zwischenzeitlich bewiesen, dass er alles überleben kann, auch selbstfabrizierte Flugzeugabstürze. Carrie Fischer möge in ihrer berüchtigt grummeligen Leiar, äh Leier, für feministischen Touch sorgen. Das „Oh, Anakin!“-Gesäusel ihrer unemanipierten Mutter Padmé Amidala war ja nicht zum Aushalten. In diesem Sinne: Möge die Macht mit uns sein!

www.starwars.com/the-force-awakens

Bridge of Spies

In the shadow of war, one man showed the world what we stand for. So der erste Satz, mit dem sich der Film vorstellt. Und, ehrlich, wer möchte bei so viel US-Propaganda nicht sofort ins Kino laufen? Da ist bitte nur einem PR-Menschen der Schreiberling durchgegangen? Steven Spielberg und Tom Hanks stehen eigentlich für mehr Qualität. Und auch ihr deutschsprachiger Mitstreiter Sebastian Koch. Inhalt des Zeitgeschichtethrillers: Im Kalten Krieg wird ein amerikanisches Spionageflugzeug über der Sowjetunion abgeschossen. Anwalt Hanks soll mit den Russen in Verhandlungen treten, um den Piloten vorm Arbeitslager zu retten. Ein Austausch auf der Glienicker Brücke in Berlin wird vorbereitet …

bridgeofspies.com

Wien, 6. 8. 2015

„White House Down“ mit Jamie Foxx

September 9, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Und immer sind die armen Amis die Opfer …

Channing Tatum ("John Cale") und Jamie Foxx ("Präsident James Sawyer")  Bild: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH

Channing Tatum („John Cale“) und Jamie Foxx („Präsident James Sawyer“)
Bild: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH

„In Emmerich we trust“ schrieben die US-Medien nach des Schwaben jüngstem Streich. „White House Down“, aber geh‘, wieder einmal hat Roland, der Rächer, die freie Welt – oder zumindest die, die sich dafür und ihre Polizei gleich dazu halten – vor dem Bösen gerettet. Nach „Independence Day“ (da waren’s Aliens), „The Day After Tomorrow“ (da war’s die Klimaerwärmung) und  „2012“ (da war’s der Maya-Kalender) bedroht nun eine paramilitärischen Gruppe die USA. Ein Glück für Lunz am See und Schwarzau im Gebirge, dass beide solcherart von zahlreichen Begleitphänomenen wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen und  Flutwellen, die allesamt zum Weltuntergang führen,  verschont bleiben. In „White House Down“ also wurde dem Washingtoner Polizisten John Cale (Channing Tatum) gerade sein Traumjob verwehrt, für den Secret Service als Personenschützer von Präsident James Sawyer (Jamie Foxx) zu arbeiten. Weil er seiner kleinen Tochter die schlechte Nachricht schonend beibringen will, nimmt er sie mit zu einer Besichtigungstour durch das Weiße Haus. Aus heiterem Himmel wird der gesamte Gebäudekomplex von einer Horde finsterer Jungs gestürmt und besetzt. Während die Regierung ins Chaos stürzt und allen die Zeit davonläuft, liegt es an Cale, den Präsidenten, seine Tochter und das Land zu retten. Was zu erwarten war … Das Weiße Haus fliegt natürlich -no na – in die Luft.

„Cale versucht seit Jahren sein Leben in den Griff zu bekommen. Was ihm fehlt, sind die nötigen Werkzeuge, um alles auf die Reihe zu kriegen“, sagt Tatum im Gespräch. „Aber er hat ein gutes Herz – er hat immer davon geträumt, der Held seiner Tochter zu sein. Und jetzt wird ihm bewusst, dass er das nicht sein kann, wegen der Fehler, die er gemacht hat. Er denkt: „Nun, sie bewundert den Präsidenten – wenn ich schon nicht ihr Held sein kann, dann kann ich vielleicht wenigstens denjenigen beschützen, der es ist.’“ „Zu Beginn des Films ist er vermutlich eher ein guter Kumpel als ein guter Vater“, erzählt Tatum weiter. „Er ist kein besonders gutes Vorbild – er ist niemand, zu dem man gehen würde, wenn man Rat benötigt. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann ist er der Typ, auf den man sich verlassen kann. Er hat schon einige haarige Situationen gemeistert.“

Jamie Foxx mimt – sehr passend zur Realität – den  46. Präsident der Vereinigten Staaten, einen Mann, so Foxx, „der alles unternehmen würde, um Schaden von Amerika abzuwenden. Er ist aber auch einer, dem bewusst ist, dass man, wenn man Amerika in der heutigen Zeit beschützen will, genau wissen muss, wer der Feind ist, mit dem man es zu tun hat. Wenn man dieses Wissen nicht mitbringt und nicht weiß, wie man einen Dialog führt, dann wird sich die Situation niemals wirklich entspannen und so besteht die Gefahr, dass etwas Drastisches passieren kann.“ Foxx: „Als Präsident Sawyer gewählt wird, will er Berge versetzen. Als er schließlich im Amt ist, stellt er fest, dass es nicht ganz so einfach ist. Er muss viel Zeit mit der Politik seines Jobs verwenden. Während es Cales Ziel ist, sich selbst und seine Tochter zu beeindrucken, strebt der Präsident danach, etwas Großes zu leisten – er will etwas wirklich Präsidentschaftliches erzielen, etwas „Lincoln-haftes“. Er will, dass man sich an ihn als großen Präsidenten erinnert. Das ist also Teil des Spaßes bei diesem Film: Wir haben es mit einem ehemaligen Soldaten zu tun, der es intellektuell mit dem Commander-in-Chief aufnehmen muss, weil sie den ganzen Film über aneinander gebunden sind.“ Na, wenn das nicht lustig ist. Sagt der Spieß zur Truppe: „Rechts um! Das gilt auch für den kleinen Roten da hinten!“ Soldat: „Aber Herr Feldwebel, das ist doch ein Hydrant!“ Spieß: „Na und? Ist mir sowas von egal, was der studiert hat!“

„In dieser Situation wird der Präsident mit dem Beginn einer neuen Weltordnung konfrontiert“, erzählt Foxx über seine Figur. „Er lernt, dass die Macht des Schwertes (?, Anm. der Redaktion, wir dachten Schwerter, bei aller Liebe zur Bibel oder Rosa Luxemburg, hat der böse Islamist) nicht immer die beste Maßnahme in einer Krisensituation ist. Wir schneiden ein paar dieser politischen Themen an, aber wir wollen das Publikum nicht runterziehen.“ Völlig verständlich. Irak, Afghanistan, Syrien – man kann’s doch schon nicht mehr hören. Warum Realität zeigen, wo man dem Zuschauer mit Krachbumm ein paar unbeschwerte Stunden bescheren kann.

Maggie Gyllenhaal ist als Tatums Vorgesetzte für die Frauenquote zuständig.  Und … ? … ach ja: Das Oval Office musste wegen der Explosionsszene zwei Mal gebaut werden. Das hätte sich Bill Clinton auch gewünscht.

www.whitehousedown.de

www.sonypictures.at/filme/white-house-down/

www.whitehousedown.com/site/

Trailer: www.youtube.com/watch?v=uvx7cvJKEpM

www.youtube.com/watch?v=iXufri0Ts3c

Wien, 9. 9. 2013