Salzburger Pfingstfestspiele

Mai 14, 2013 in Tipps

Cecilia Bartolis Thema ist „das Opfer“

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Cecilia Bartoli und John Osborn
Bild: © Hans Jörg Michel

Von 17. bis 20. Mai finden die diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele statt. Die beherrschende Thematik im neuen Programm ist der Begriff des „Opfers“. Besonderes Interesse hat Cecilia Bartoli, die Künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele, an der Doppeldeutigkeit, die sichtbar wird, wenn man das deutsche Wort „Opfer“ übersetzt: „So bedeutet es zum Beispiel im Englischen ebenso ,sacrifice‘ wie ,victim‘. Doch ist der Unterschied in Tat und Wahrheit nicht in den meisten Fällen einer der Perspektive? Schließlich gibt es kein Opfer ohne Geopfertes, ohne Opfergabe – die Frage ist nur, auf welcher Seite man sich wiederfindet“, so die Bartoli. Die Begriffe umfassen die unterschiedlichen Aspekte von Opferung, Opfersein und Hingabe und spiegeln sich in den verschiedenartigen Veranstaltungen der Pfingstfestspiele wider. Unter dem Übertitel LiebesOPFER singt Bartoli selbst die Titelheldin in der Oper „Norma von Vincenzo Bellini, die erstmals szenisch auf historischen Instrumenten und in einer neuen kritischen Edition von Riccardo Minasi und Maurizio Biondi in Salzburg aufgeführt wird. Giovanni Antonini übernimmt die musikalische Leitung. Moshe Leiser und Patrice Caurier werden die Oper inszenieren. Mit ihrer Stückauswahl wollte Cecilia Bartoli den grundlegenden Konflikt zwischen Pflicht und Herzenswünschen einer jeden Person zum Thema machen. Die Hauptfigur befindet sich genau in diesem Zwiespalt und entscheidet sich letztlich für die Selbstopferung auf dem Scheiterhaufen. Mit Bartoli auf der Bühne: Rebeca Olvera, John Osborn, Michele Pertusi, Liliana Nikiteanu und Reinaldo Macias.

In sechs weiteren Programmen unter den Titeln MusikalischesOPFER, FrühlingsOPFER, BiblischesOPFER, PolitischesOPFER, ReligiösesOPFER und VersöhnungsOPFER sind als Mitwirkende unter anderem András Schiff, Valery Gergiev mit dem Ballett, Chor und Orchester des Mariinski-Theaters aus St. Petersburg, Diego Fasolis, Franco Fagioli, Javier Camarena, Roberta Invernizzi, I Barocchisti, Vadim Repin, Ildar Abdrazakov, das Hagen Quartett und Alfred Brendel, René Pape, den Wiener Singverein, Daniel Barenboim und sein West-Eastern Divan Orchestra zu erleben. Zum ersten Mal wird bei den Salzburger Pfingstfestspielen ein zweites Werk szenisch aufgeführt: Igor Strawinskys Ballett „Le Sacre du printemps“ ist genau 100 Jahre nach seiner skandalträchtigen Uraufführung in der rekonstruierten Originalfassung von Vaslav Nijinskys Choreografie und in der archaischen, von fauvistischen Farbkombinationen beherrschten Ausstattung von Nicholas Roerich, vereint mit weiteren Meisterwerken aus dem Erbe der Ballets Russes mit Künstlern des Mariinski-Theaters, St. Petersburg, zu erleben.

Begleitend zeigt DAS KINO den Film „Offret“ (Opfer) von Andrei Tarkowski, dessen Filmstills die Bildsprache des Pfingstprogrammes prägen. In der Rauchmühle wird als VisuellesOPFER zudem eine multimediale Ausstellung des Philharmonia Orchestra und Esa-Pekka Salonen präsentiert.

www.salzburgerfestspiele.at

www.salzburgerfestspiele.at/spielplan-pfingsten

http://salzburgerfestspiele.at/Portals/0/Pfingsten_2013_Programm_Web.pdf

Von Michaela Mottinger

Wien, 14. 5. 2013

Andrei Tarkowski in der Garage X

Februar 8, 2013 in Bühne

Paul Leopold Osada und Markus Heinicke.
01.11.2012, Von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/2

„Opfer“: Eine Hommage an die Apokalypse

Philipp Hauß zeigt in der Garage X Tarkowskijs „Opfer“. Im 21. Jahrhundert ist seine „Inszenierung“ allerdings nicht angekommen.

Im Jahr 1986, knapp zwei Wochen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und kaum acht Monate vor seinem Tod, präsentierte der russische Filmregisseur Andrei Tarkowski in Cannes seinen Film „Opfer“. Er wurde für seinen apokalyptischen Albtraum mit dem Großen Preis der Jury bedacht.

In der Wiener Garage X nahm sich nun Burgtheaterschauspieler Philipp Hauß als Theaterregisseur des Stoffes an. Seine Nicht-Bearbeitung des Dramas geriet zur Hommage an den sowjetischen Symbolisten.

Hauß reiht sich damit in eine Reihe großer Namen ein. Auch US-Regisseur Steven Soderbergh scheiterte schließlich bei dem Versuch einen besseren „Solaris“-Fim zu drehen als Tarkowski es 1972 schon tat …

Inhalt des nach einem Szenarium der Brüder und Phantasten Arkadi und Boris Strugatzki auf der schwedischen Insel Gotland entstandenen Films:

Mitten im Nirgendwo feiert der Ex-Schauspieler Alexander Geburtstag. Da passiert die (Atom?-)Katastrophe. Eine Stimme flüstert ihm ein, alles könne so sein, wie zuvor, wenn er mit der Magd Maria Sex habe.

Gesagt, getan

Alexander zündet sein Haus an, wird in die Psychiatrie abgeholt. Und zurück bleibt die Frage, ob alles nur Wahn war.

Hauß Arbeit lässt jede eigene Vision, jede Interpretation vermissen. Er spielt, angesichts aktueller, letztlich vom Menschen herbeigeführter Naturschrecken unverständlich, Tarkowski vom Blatt. Im 21. Jahrhundert ist diese „Inszenierung“ nicht angekommen.

Bis auf einen Umstand: Die akustische Umsetzung. Der Abend ist nur über Kopfhörer zu empfangen.

Über diese steuert Hauß Meeresrauschen, Möwenkreischen, Anders Nyquists Tinnitus verursachende Trompetenklänge – und die Stimmen der Schauspieler. Teilweise live, teilweise überlappend als Gedanken der von ihnen dargestellten Figuren. Das ist so neu, dass es Freude macht.

In dieser Versuchsanordnung reüssieren Katharina Behrens in allen Frauenrollen, Markus Heinicke als Alexander, Thomas Reisinger als Postbote Otto, Moritz Vierboom als Arzt Viktor und Paul Leopold Osasda als messiasartiges, stummes „Jungchen“. Fazit: Wer den Film nicht kennt, wird am Theaterstück um so mehr Vergnügen haben. Wer den Film kennt, hat nur ein Déjà-vu.