TAG: Weiße Neger sagt man nicht

Mai 9, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGERR

Vom Whitefacing in den Chefsessel katapuliert

Eine Trommelübung soll die Assessment-Center-Teilnehmer auflockern: Jens Claßen, Raphael Nicholas, Elisabeth Veit, Georg Schubert, Nancy Mensah-Offei und Michaela Kaspar. Bild: © Anna Stöcher

Dass hier niemand viel Wert auf political correctness legt, wusste man schon vor dem Schluss. Da nämlich entpuppt sich die geeignetste Kandidatin eines Assessment Centers als Nichte eines Bananenrepublik-Ministers, mehr noch: als dessen Erbin, die mit seinen „schwarzen“ Millionen den Konzern, von dem in den vorangegangenen 90 Minuten die Spreu vom Weizen selektiert wurde, aufgekauft hat. Darf man das schreiben: Schwarz + Bananen + Selektion?

Aber ja! Lasst uns im Gegenteil noch fröhlich einen (oder mehrere) draufsetzen. Topfenneger, I bin neger, Negerant, Negerkuss, Negerbrot, Mohr im Hemd und Meinl-Mohr und Franz Moor. Woman is The Nigger of the World. Horst Neger in der Wachau verkauft Kracherl, Thomas Neger in Mainz verkauft Metallsysteme, hat sich aber wegen seines Firmenlogos, ein hammerschwingender Schwarzer mit dicken Lippen und dicken Creolen, angreifbar gemacht. Sein Vater, der das Emblem erfand, erfand auch „Humbta tätära“.

So, uff. Der rassistische Witz leistet Rassismusbekämpfung. Am TAG kam diesbezüglich  „Weiße Neger sagt man nicht“ zur Uraufführung, Text und Regie von Esther Muschol, und wenn man einen Lauf wie derzeit das TAG hat, darf man sich auch mal verlaufen. Wie hier geschehen. Denn beim besten Willen geht einem bei dieser Produktion das Herz nicht auf. Muschol beruft sich auf Nestroys „Talisman“, und ja – das zu hörende Hintergrundgeräusch ist dessen Rotieren im Grab, nur hat sie die Haar- zu einer Hautfarbangelegenheit gemacht. Aus dem roten Titus Feuerfuchs wird die Schwarze Titania Coleman, auch sie rittert um einen Job, weil modern: in einem Führungskräfteauswahlverfahren, bis sich die Konstellationen drehen – und allen die schreckliche Wahrheit ins Gesicht gefärbt wird.

Dieses mittels Blackfacing, weil, wer Karriere machen will, dient sich auch dem gerade kräftigsten Teint an, beziehungsweise Whitefacing, denn offenbar wird der/die AfrikanerIn nur als Bleichgesicht zum Big Boss. Das Existenz bedrohende Feind- und Schreckensbild aller Populärrechten: der qualifizierte Schwarze. Lustig? Halb-! Was als Sarkasmus über den Bewerbungswahnsinn im Seminarraum Erzherzog Johann ein Feuerwerk an Esprit und Eloquenz hätte sein können, zündet nicht richtig. Die Alltagsrassismussätze über Fremdsein, „andere Welten“ und Verhaltensmuster sind zu wenig speziell, zu wenig ausgefeilt, die Figuren verrecken als Stereotype. Hoamatliada werden gesungen, und alle sind wie ein Herrgottsschnitzer-Holzschnitt.

Die Demütigungsspielchen treiben den einen beinah in den Herzinfarkt, …: Georg Schubert und Jens Claßen. Bild: © Anna Stöcher

… den anderen zwecks „Fleischbeschau“ in die Nacktheit: Raphael Nicholas mit Michaela Kaspar und Elisabeth Veit. Bild: © Anna Stöcher

Das TAG stolpert diesmal über seine eigene Vorgabe der Neu- und Überschreibung von Klassikern, hat doch nichts an dieser Aufführung irgend mit Nestroy zu tun. Nicht einmal „sehr frei nach …“. Es fehlt das Hinterfotzige, das G’feanzte, das Poetisch-Subtile des unerreichten Vorbilds; plakativ, bösartig, je abstruser desto besser, ist ja ganz gut – aber Doppeldeutigkeit, bitte? Muschol ergeht sich in Pfefferkörnergleichnissen (die schwarzen lassen sich besser zermahlen, die weißen springen vollemanzipatorisch aus der Mühle), Busch-/Trommelübungen und Demütigungsspielchen, die mehr mit S/M als mit der berüchtigten Briefkastenübung zu tun haben.

Dass das Ensemble erschreckend gut gelaunt ist, nimmt dem Abend diesmal fast die Schärfe. Jens Claßen ist wie so oft der dienstbeflissene Piefke, Georg Schubert wie so oft der hemdsärmelig-herzliche Prolet, Raphael Nicholas ist als geschwätziger Schnösel natürlich ein Journalist im zweiten Verbildungsweg. Immerhin: Michaela Kaspar brilliert als beflissene Vorzugsbewerberin, und Elisabeth Veit gelingt ein Kabinettstück als in die Privatwirtschaft zurückgeschasstes, ehemals niederösterreichisches Pröll-Parteikind.

Keiner (besser: fast keiner) von ihnen ist tatsächlich Rassist (vor allem nicht Kaspar als Amelia, die Titania ihr naturgemäß viel zu helles Make-up leiht), und alle ergeben sich Nancy Mensah-Offei, wenn sie als ebendiese das Feld von hinten aufrollt und die Herrschaftsverhältnisse alsbald umkehrt. Sie ist großartig als undurchschaubare Aufsteigerin und zynische Rächerin. Nun gilt es für die „Weißen“, denn eigentlich sind wir doch rosa, ihre „Negerqualitäten“ unter Beweis zu stellen und sich als gute Sklaven (samt der sprichwörtlichen Sklavenmentalität) zu erweisen. Für die African Queen wird ein Thron errichtet, alle singen eine Chumbalaya-Weise, ein Gewehr taucht auf, und – alte Theaterregel: Wo eine Waffe ist, wird auch geschossen.

Hat dieses Make-up die falsche oder die richtige Farbe? Nancy Mensah-Offei und Michaela Kaspar. Bild: © Anna Stöcher

Mit der Enttarnung Titanias nimmt der Abend tatsächlich endlich Fahrt auf, und wo er sagt, Anbiederung ist Rassismus in grauslichster Form, ist er am stärksten. Ansonsten machen viele nette Ideen noch keine Inszenierung, die Summe der einzelnen, mit Blackouts unterbrochenen Teile hätt’s vielleicht getan. So aber wirkt das Ganze szenisch unentschlossen.

Wie die Aufführung die üblichen Verdächtigen, Karrieristen aller Länder vereinigt euch! als arme Würschtln entlarvt, das hat viel mit Wirtschaftssatire zu tun – hätte aber auch ohne Schwarzweißmalerei funktioniert. Derart bereitet sich einem in der Gumpendorferstraße diesmal nur ein ungewohnt durchschnittliches Vergnügen. Naja, nur nicht schwarz sehen, die nächste Premiere folgt bestimmt.

Trailer: vimeo.com/215383618

dastag.at

Wien, 9. 5. 2017

An der Burg greift das Sparprogramm

April 8, 2013 in Bühne

Nestroy ist über die Bösch-ung gefallen

Weil ja die Subventionen des Burgtheaters in den vergangenen 13 Jahren real um 33 Prozent geschrumpft sind, erklärte die Kaufmännische Direktorin des Hauses kürzlich ihren Rücktritt als solche. Sie wird mit 1. September Burgherrn Matthias Hartmanns Stellvertreterin. Und: Mehr Direktoren her! Ein neuer Kaufmännischer Direktor wird u. a. per Inserat gesucht! Ja, man hat’s nicht leicht, als Luxusdampfer mit so bescheidenen Geldmitteln auszukommen. Davon können Beiboote aus der freien Szene nicht einmal ein Liedchen summen. Herr Pereira wird vielleicht mitfühlend ein Tränlein verdrücken. Der weiß ja, wie’s ist, mit beinah leerem Säckl auszukommen …

Presse: Fotos bei Nennung des Fotografen für die aktuelle Berichterstattung freigegeben.

Sarah Viktoria Frick (Salome Pockerl)
Bild: Copyright: Reinhard Werner Burgtheater

Doch an der Burg hat man sich an der Nase gefasst und sich ein strenges Sparprogramm verordnet. Das greift erstmals eindrucksvoll in David Bösch’s Hervorbringung von Nestroys „Der Talisman“ am Wiener Akademietheater. Der Regisseur, der vom Wunderkind zum Wunderwuzzi avanciert, hat einfach große Teile seiner „Gespenster“-Inszenierung (oder war’s „Stallerhof“?) von den Bühnenarbeitern bei der Tür hinauskehren lassen und spielt auf dem übrig gebliebenen Misthaufen nun … ja … äh … was? Hilfe.

Es ist immer schwer, als Ösi das Kulturgut der Eingeborenen zu verteidigen, ohne als Ahnungsloser abqualifiziert zu werden. Von wegen Erneuerung und so. Doch bei diesem „Talisman“ gab’s am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 A, Nummer 6) heftige Rotationen, verursacht durch Sich-im-Grab-Umdrehungen auf der nach oben offenen Nestroy-Skala. Aber wozu sich beschweren? Es versteht sich ja eigentlich von selbst: Dieser unbedeutende, kaum je die Grenzen von k.k. Österreich sprengende Dramatiker verfasste da ne Posse ohne Wortwitz und Hinterfotzigkeit. Da muss ein Bösch einfach eingreifen, um das Ruder herumzureißen. Und so wurde mit Slapstick und Spiegelfechten, aber keinem Verstand für schwarzen Humor vor schwarzem Hintergrund Nestroys Perückenposse ENDLICH verschlimmbessert. Vielleicht spielt man das demnächst schon in der Mehrzweckhalle Bad Böblinghausen. Welch ein Glück!

Erste Dringlichkeit war, Nestroys Sprachgewandtheit durch den Fleischwolf zu drehen. Weil der Originaltext nicht genug Urkomik hergibt, musste sich Kirsten Dene als Frau von Cypressenburg in Versprechverdrehungen wie Taliban/Talisman ergehen. Was haben wir gelacht. Andre Meyer ist als Plutzerkern der beste Piefke der Welt – eine vollkommen logische Regieentscheidung. Ebenso wie die, Dietmar König als Friseur Monsieur Marquis im Fechtgewand zu einem Mix aus Frankensteins Monster und Richard III. zu machen; oder Maria Happel als dessen geliebte Kammerfrau Constantia zur Gothicbraut samt Reitpeitsche. Allesamt heftig bemüht, diesen ulkigen Alpenländerdialekt irgendwie auf die Reihe zu kriegen. Das gilt auch für Markus Meyer als Titus Feuerfuchs, der für den verletzten Johannes Krisch eingesprungen ist. Arrogant-affektiert-geschwätzig, selbst im Striptease, ist er doch ein wenig im Osvald stecken geblieben. Ließ er dem Osvald zu wenig Fallhöhe in den Irrsinn, gibt er dem Titus zu wenig Oberlicht für den „gesellschaftlichen Aufstieg“. Sarah Viktoria Frick als Salome Pockerl müht sich in diesem Szenario nach Kräften.

Eine Lieblingsszene hat’s im Ganzen auch: Regina Fritsch als Gärtnerin Baumscheer mordet die Cypressenburg’sche Tochter (Liliane Amuat) im Plumpsklosett mit der Kettensäge, bis dieser die Gedärme aus dem Leib hängen … Überhaupt die Fritsch. Spricht wie frisch ei’gflogn aus Braadenlee (Breitenlee: Teil des 22. Wiener Gemeindebezirks, liegt im Marchfeld) und glaubt – ebenso wie Branko Samarovski als Bierversilberer Spund – „Nestroy“ spielen zu müssen. Eine Frechheit. Learnen’S amoi Deitsch, bevurs do wo’s spün! Möchte man den beiden zurufen. Schließlich hat Hartmann ein Konzept. „Der Talisman“ reiht sich nahtlos an den „Alpenkönig“ – in Fußball-Deutsch ausgedrückt: Eine Mannschaft, die dermaßen KEINE Einheit bildet, kann unmöglich ein Tor schießen.

PS.: Im „Talisman“ geht es um eine Gesellschaft, die aus Angst und Unwissenheit „das Fremde“ – die Rothaarigen – ausschließt und vertreibt. Und um einen der eigentlich Ausgestoßenen, der um jeden Preis Karriere machen will. Dazu könnte man eine Idee haben. Von wegen Erneuerung. Muss aber nicht sein. Oder wie Frau von Cypressenburg hier sagt: „Tschüss, Pfüat di, Baba, Adieu!“

www.burgtheater.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 8. 4. 2013

Johannes Krisch verletzt

März 8, 2013 in Bühne

Vorstellungsänderung am Akademietheater

Burgtheater

Johannes Krisch, Sarah Viktoria Frick
Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Aufgrund von Spätfolgen eines Bühnenunfalls in Berlin kann Johannes Krisch bedauerlicherweise bis auf weiteres am Burgtheater krankheitsbedingt nicht auftreten. Die Stücke werden weiter gespielt, die Rollen in „Der Talisman“, „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“, „Gespenster“ und „Geschichten aus dem Wiener Wald“ werden von seinen Kollegen übernommen. Die Vorstellung „Der Talisman“ am Samstag, den 9. März, wird auf „Die schönen Tage von Aranjuez“ von Peter Handke geändert, Beginnzeit 20.00 Uhr und Zyklus „nach der Premiere“ bleiben gleich.

Seine Rolle als Titus Feuerfuchs übernimmt Markus Meyer. Tischler Engstrand in „Gespenster“ spielt Falk Rockstroh. Horvaths Oskar gibt Thomas Reisinger (u. a. auch am Schauspielhaus Wien in Paul Claudels „Der seidene Schuh“ zu sehen und an dieser Stelle sehr gelobt), der Alpenkönig wird Daniel Jesch – verdienter Weise!

DAS TEAM VON MOTTINGERS-MEINUNG.AT WÜNSCHT JOHANNES KRISCH SCHNELLE GUTE BESSERUNG!

www.burgtheater.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 8. 3. 2013

Interview mit Teichtmeister, Pschill und Zauner

Februar 9, 2013 in Bühne

 

Josefstadt: „Der böse Geist Lumpazivagabundus“

Das Theater in der Josefstadt zeigt ab Donnerstag Nestroys „Lumpazivagabundus“. Die drei Hauptdarsteller im Gespräch.

Im Mai noch verkündete das Theater in der Josefstadt, die neue Spielzeit mit einer Auftragsproduktion zu beginnen: Franzobels Nestroy-Adaption „Lumpazivagabundus oder Vom Geist der Unvernunft“. Das kam (siehe Interview mit Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger im Hintergrund) nicht zustande. Teile des Ensembles hätten die Mitwirkung am Stück verweigert, berichtete ein Magazin. „Zurück an den Schreibtisch, lieber Franzobel!“, forderte gar eine Tageszeitung. In der Josefstadt wird nun das Original gespielt, Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“. Mit Rafael Schuchter als Leim, Florian Teichtmeister als Zwirn und Martin Zauner als Knieriem. Regie: Georg Schmiedleitner.

KURIER: Was ist von der Franzobel-Idee in der Inszenierung von Georg Schmiedleitner geblieben?
Florian Teichtmeister: Die unromantische Lesart der Geschichte. Das Hauptaugenmerk liegt weniger auf dem wunderbaren Zusammenhalt von drei vagabundierenden Gesellen, sondern auf Verdrängung, Wettbewerb, Verteilung des Glücks.
Martin Zauner: Florian hat auf der Probe schön gesagt, was unsere Version vom „Lumpazi“ ausmacht: Wir sind kein liederliches Kleeblatt, sondern ein widerliches Kleeblatt. In diese Richtung wollen wir marschieren.
Teichtmeister: Denn wozu ist die Straße da …?
Zauner: Zum Asphaltieren!

Das Kleeblatt wird manipuliert von Feen. Wie zeitgemäß ist bitte eine Feenwelt?
Zauner: Es gibt kein „zeitgemäß“. Es gibt nichts Neues. Es gibt nur Jetzt. Mein Lieblingssatz ist von Yasmina Reza: Die Überraschung ist tot, bevor sie geboren ist. Ist es nicht so?
Teichtmeister: Die Funktion der Feen gibt die Antwort darauf . Das sind Figuren, die aus Lust und Laune mit Menschen, die ihnen „untergeben“ sind, eine Versuchsreihe starten. Diese Härte, diese Macht muss man haben.
Zauner: Und agiert wird bis zur letzten Konsequenz. Denn letztlich scheitert das ganze Kleeblatt. Knieriem sowieso, der säuft bis zum Exzess …
Rafael Schuchter: Und Leim an der klassischen Lebenslüge. Der kriegt schon noch seine Depression. Obwohl ich ihn spiele, muss ich sagen, dass mir die anderen beiden, die alles auf eine Karte setzen und grandios scheitern, menschlich näher sind.
Teichtmeister: Wenn einer so viel Spaß am Geld hat, dass er’s außeblast, das ist doch toll. Zwirn wird am Einmal-oben-Gewesensein zugrunde gehen. Für ihn wird das Jemandsein zur Sucht, und die Selbstgefährung.

Also kein Happy End?
Zauner: Nein. Das hat die Zensur Nestroy vorgeschrieben.
Schuchter: Dieses Abrutschen am Reichtum lässt doch gar kein Happy End zu.
Zauner: Es gab einen schottischen Lottogewinner, Multimillionär. Er kaufte sich Schloss, Royce-Rolls-Flotte, was weiß ich. Aber zu seinem Chef hat er gesagt: Heb‘ mir den Job auf, ich bin in einem Jahr wieder da. Er hat fulminant gelebt, ging pleite, ging wieder arbeiten. So seh‘ ich den Knieriem: Die Geschichte ist kurz, aber tragisch.

Sind die drei mit heutigem Prekariat zu vergleichen?
Teichtmeister: Nein. Das ist eine Milieufalle, vor der man sich in Acht nehmen muss. Als wandernde Handwerksburschen sind sie aus einer Welt, die heute perdu ist.

Die Musik machen die Sofa Surfers. Das heißt?
Zauner: Wir verzichten bewusst auf Zeitstrophen, weil: Was soll ich über die Politik noch singen? Ich singe das Kometenlied, Text: Nestroy, Musik: Sofa Surfers. Das wird klassisch, aber schön.
Schuchter: Das junge Josefstädter Publikum wird voll auf seine Kosten kommen. Ich finde es total geil, dass diese Ikonen mit von der Partie sind.
Zauner: Lieber hätt‘ ich Michael Jackson gehabt, aber der ist ja gestorben.

Große Kollegen haben diese Rollen gespielt: Rühmann, Holt, Hörbiger, Sowinetz, Alfred Böhm, Qualtinger …
Zauner: Des is mir wurscht.
Schuchter: Mir auch.
Zauner: Ich meine, wir haben alle Hochachtung, aber …

… der „Lumpazi“ ist doch österreichisches Nationalgut.
Teichtmeister: So gut finde ich den gar nicht. In der Schule muss es halt jeder lesen. Die Genannten haben grandiose schauspielerische Miniaturen gestaltet, darin begründet sich vielleicht der Ruhm. Gustav Mahler sagte: Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche. Also müssen wir das Feuer im Stück suchen.

Und das wäre?
Zauner: Die drei, wie sie zusammen oder nicht zusammen halten. Sie gehen ein Stück des Wegs gemeinsam – und am End‘ hat kana nix. Aber das ist Raimund.
Schuchter: Ihre Solidarität ist ja extrem brüchig.
Zauner: Freunde sind die nie.
Schuchter: Keiner von ihnen kann aus dem Radius seiner Hirngespinste. Eigentlich ein fürchterlich einsames Stück.
Teichtmeister: Darin steckt tiefe menschliche Enttäuschung.
Schuchter: Übrig bleibt Niedertracht, Kleinheit, Beschränktheit. Ein böses Stück.
Teichtmeister: Aber so lustig!
Schuchter: Die Leute glauben , der „Lumpazi“ ist lustig.
Zauner: Aber wenn wir’s schaffen, dass die Leute nach dem ersten Lachen sagen: Was ist jetzt des?, dann sind wir gut unterwegs.
Schuchter: Gut sind wir, wenn’s gruselig wird.