wortwiege: Re-Opening mit O. Flors „Die Königin ist tot“

August 24, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Festival-Leiterin Anna Maria Krassnigg im Gespräch

wortwiege-Mastermind Anna Maria Krassnigg. Bild: Andrea Klem

Ab 9. September setzt die wortwiege ihr wegen #Corona unterbrochenes Festival „Bloody Crown – Europa in Szene“, das erste seit der Übersiedlung in die Wiener Neustädter Kasematten, fort. Neben der Wiederaufnahme ihrer von Kritik und Publikum gefeierten Inszenierung von Friedrich Dürrenmatts „König Johann“ zeigt wortwiege-Leiterin und Regisseurin Anna Maria Krassnigg die Uraufführung „Die Königin ist tot“ nach dem gleichnamigen Roman von Olga Flor.

Als Beichte einer zeitgenössischen Lady Macbeth, die sich keinen Fehler in der Verwaltung ihres Körpers und ihrer Gefühle leisten kann, verführen einen die Schauspielerinnen Nina C. Gabriel, Petra Staduan und Isabella Wolf in ein dystopisches Universum der Schönen und Reichen, die über Leichen zu gehen bereit sind, um ihre Privilegien zu verteidigen. Man teilt die Innenperspektive einer Mörderin, die mit einem System spielt, das sie selbst zerstört. Scharf und nüchtern wird eine Gesellschaft seziert, die Erfolg, Besitz und Ansehen als einzige Werte anerkennt und deren Machtstrukturen die ihnen Untergebenen zu rechtlosem Freiwild erklärt. Über ihre Arbeit an der Hochglanzhöllenfahrt und klugen Shakespeare-Neuerzählung der großen österreichischen Autorin – Anna Maria Krassnigg im Gespräch:

MM: Die wortwiege hat ihr Festival „Bloody Crown“ in den Wiener Neustädter Kasematten am 5. März fulminant begonnen und wurde Mitte März wegen #Corona unterbrochen. Nun gibt es ein Re-Opening am 9. September. Wie ergeht es einem, wenn man mit einer Neugründung derart ausgebremst wird?

Anna Maria Krassnigg: Es kam für uns – wie für alle – völlig überraschend. Als „Theatertiere“ waren wir dermaßen in den Endproben versunken, dass wir die Probleme der Welt nur sehr abstrakt wahrgenommen haben. Dass es dann tatsächlich zum Lockdown kam, zu Dingen, die wir alle noch nie zuvor erlebt hatten, ist natürlich ein Schock. Wir mussten am Tag der Generalprobe der Uraufführung von Olga Flors „Die Königin ist tot“ aufhören, da stehen drei Schauspielerinnen auf der Bühne, die sagten sehr treffend: Es ist als wärest du schwanger und darfst nicht gebären.

MM: …also?

Krassnigg: Tempelschlaf – so würde ich es nennen. Ich bin guten Mutes, da meine Erfahrung mit Wiederaufnahmen ist, dass sich die Dinge anlagern, intensiver werden, sich tiefer und reicher anfühlen, und ich bin sehr gespannt, was diese Corona-Zeit, die uns alle in der einen oder anderen Weise verändert hat, mit den Stücken gemacht hat. Wir sind jedenfalls dankbar, dass wir wieder aus der Koppel dürfen.

MM: Als wortwiege-Leiterin – gemeinsam mit Christian Mair – trägt man Verantwortung auch in finanzieller Hinsicht. Was macht man mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in so einer Zeit? Was macht man vor allem auch mit sich selbst?

Krassnigg: Eine der größten Sorgen waren tatsächlich die MitarbeiterInnen, wir sind als Team ja eng zusammengeschweißt. Wir haben die Gagen gezahlt, auch die Abendgagen, weil die Menschen ja damit gerechnet hatten. Ich kann ein Team, das mit uns durch dick und dünn gegangen ist, wegen einer Seuche nicht im Regen stehen lassen, und das Land Niederösterreich wird uns soweit es geht den Rücken freihalten. Wir haben uns dann wild ins Filmeschneiden gestürzt und daraus sind, das kann man auf unserer Homepage www.wortwiege.at sehen, wirklich schöne Arbeiten geworden. Das war sozusagen unsere Wundschmerzpflege.

MM: „König Johann“ von Dürrenmatt wird wiederaufgenommen, „Die Königin ist tot“ hat am 9. September Premiere. Warum haben Sie diesen Olga-Flor-Roman für eine Dramatisierung ausgewählt? Dieser ist eine Macbeth-Neuerzählung, aus der Sicht der Lady Macbeth, eine von Europa in die USA ausgewanderte Schönheit, die Ehefrau des Zeitungsmachers Duncan wird, bis er sie gegen eine jüngere eintauscht, und die Königin seinem ersten Mann im Imperium überlässt. Der Text ist topaktuell, vom im Wortsinn Schwarzen Peter als Figur bis zum Vorwurf der „linken Hetze“, den ein rechtsgedrehter Medienmogul erhebt, Olga Flor hat beinah prophetisch #MeToo und #BlackLivesMatter vorweggenommen …

Krassnigg: Wenn man wie Olga Flor ein politisch denkender Mensch ist, kann es schon passieren, dass das Gehirn solche Dinge ausbrütet, dass die dann aber tatsächlich eintreten, war für sie schockierend. Ich habe sie gefragt: Wann spielt dein Roman – und sie antwortete: In naher Zukunft. Ich schätze Olga Flor als Sprachkünstlerin seit Jahren und freue mich, dass wir sie sozusagen für die Bühne entdeckt haben, weil sich ihre Sprache sehr für die Verlautbarung eignet. Gerade dieser Text ist nicht sehr dialogreich, unser Dramaturg Karl Baratta in Zusammenarbeit mit Marie-Therese Handle-Pfeiffer hat zunächst einmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, dann sich verliebt und verbissen in die Sache, weil der Drang dieser Figur, einerseits eine Beichte abzulegen, andererseits ein Dokument vorzulegen, dass die Männer im Text überführbar macht, einen sehr starken dramatischen Druck erzeugt. Das hat mich interessiert für die Bühne – und ich denke, dass sich dieser „Need“ gut aufs Publikum übertragen wird. Olga Flors Königin ist eine Frauenfigur, die sich auf sehr polemische und komische Weise über diverse tagespolitische Themen auslässt.

„Die Königin ist tot“ nach dem Roman von Olga Flor. Bild: Andrea Klem

Isabella Wolf, Nina C. Gabriel und Petra Staduan. Bild: Andrea Klem

Dreimal moderne Lady Macbeths. Bild: Andrea Klem

MM: Die sind?

Krassnigg: Jede Art von Präfaschismen und Faschismen, aber auch die gängigen Frauenbilder. Olga Flor wird immer wieder gefragt, ob diese Figur eine feministische ist. Natürlich nicht! Dieses patriachal-kapitalistische Umfeld, das sie imprimiert, ergeben die Umstände, aus denen sie sich nicht mehr befreien kann. Sie fährt zunächst mit ihrem Einklinken ins System wahnsinnig gut. Und Opfer säumen ihren Weg. Die Königin ist eine Anti-Heldin, das findet man bei Frauenfiguren sonst nicht, dass sie weder Opfer noch Heldin, und das ist spannend, es in unserer heutigen, von Geschlechterfragen aufgeladenen Zeit zu machen – eine gerissene Anti-Heldin.

MM: Was Olga Flor geschrieben hat, ist die Innenperspektive der Königin, ein assoziativer Erinnerungsstrom, den ihr nun auf drei Darstellerinnen aufgeteilt habt: Nina C. Gabriel, Petra Staduan und Isabella Wolf, genannt Königin, Lilly und Lady M., sind das drei Seiten der Medaille, drei Charakterzüge – vom emanzipierten Weibchen zum weiterzureichenden Besitz zur emotional gebeutelten Manipulantin?

Krassnigg: Diese Dreiteilung ist ganz organisch entstanden. Wer will, kann man die Geschichte als eine Melania-Trump-Geschichte lesen, nur Melania Trump kannte zum Zeitpunkt des Entstehens des Textes noch niemand, und Olga Flors Figur ist sehr vielschichtig. Die Anteile an ihr, die uns regelrecht angesprungen sind, ist ihr Spiel mit der eigenen kindlichen Erotik, ihr Dasein als Mutter, wie ja auch das „Original“, die Lady Macbeth, eine ist, und als zweite Gemeinsamkeit ihr Talent als hochbegabte Erzintrigantin. Wir haben also mit Nina Gabriel diese matriarchale Königin, die gedemütigt und gedemütigt wird, bis sie sich rächt, die Tippi-Hedren-Hitchcock-artige Strategie-Lady mit Isabella Wolf, und die unglaublich manipulative Lilly, die Petra Staduan spielt. Die drei sind verschiedene Stimmen in einem Kopf, sind aber ein Bewusstseinsstrom.

MM: Sowohl Roman als auch Bühnenfassung beginnen mit dem großartigen Satz „Ich lasse mich gerne ficken von einem Krieger“, und dieser bedeutet in den drei Nuancen dieser Frau etwas völlig anderes und doch das Gleiche.

Krassnigg: Richtig. Und durch diese polyphonen Stimmen wird das Ganze irrsinnig komisch, man kennt das von sich selber, wenn ein Teil des Gehirns sagt: wir machen das so, und ein anderer: ich glaube, du tickst nicht richtig, es gibt tolle Möglichkeiten für kleine Chöre – und dieser zitierte Satz ist natürlich chorisch, was sehr reizvoll ist, weil er für jede der drei Unterschiedliches meint.

MM: Sie bedienen einmal mehr die von Ihnen wieder zum Leben erweckte Kunstform der Kinobühnenschau – daher das vorher angesprochene Filmemachen, Filme, die diesmal Träume, Visionen, Erinnerungen darstellen?

Krassnigg: Ja, und zwar soll das derart sein, dass das Publikum von Anfang an merkt, es läuft auf einen äußerst dunklen Punkt zu. Diese Krimi-Dramaturgie ist fürs Theater einfach großartig, und alles, was in Wahnsinn und Mordlust endet, passiert über die filmischen Erinnerungen und Träume. Das haben wir immer so betrieben, weil der Film dafür ein wunderbares Medium ist. Es gibt ein Buch von Christoph Türcke, „Philosophie des Traums“, in dem er erklärt, dass die große Zeit der Traumdeutung und die erste Zeit des Films nicht zufällig zusammenfallen. Die haptische Realität des Films ist faszinierend, und so verwenden wir ihn auch, im Zwiegespräch mit dem Bühnengeschehen. Das ist diesmal sehr speziell, weil die Art, wie’s projiziert wird, sehr speziell ist.

MM: Die Filme sind das Terrain der männlichen Darsteller: Horst Schily als Duncan, Jens Ole Schmieder als „erster Ritter“ Alexander …

Krassnigg: … David Wurawa als Peter und Martin Schwanda als Polizeichef Stuart, der bei Shakespeare Banquo ist. Das hat mich am Roman zusätzlich korrumpiert, weil ich dachte, ich habe meinen Traum-Cast dafür, die unglaublich starke Frauen-Trias und diese vier Männer, die wie gespuckt auf diese vier Rollen passen.

Krassnig und Christian Mair. Bild: Christian Mair

Die Kasematten in Wiener Neustadt. Visualisierung: Bevk Perovic

Einzigartige Renaissancegewölbe. Bild: Christian Mair

Die der Bespielung harren. Bild: Christian Mair

MM: Der Roman ist sehr explizit, und Karl Baratta und Marie-Therese Handle-Pfeiffer haben sehr texttreu gearbeitet

Krassnigg: Karl Baratta hat, wie er es scherzhaft formuliert, die großen Schneisen durch den Text geschlagen, und Marie-Therese Handle-Pfeiffer hat auf die Poesie der Flor’schen Sprache geachtet. Der Roman ist „anstrengend“, was für mich das Prädikat besonders wertvoll ist, doch das ist eine Energie, die sich auf die Bühne so nicht übertragen lässt. Es war also beinah ein Stück im Stück, die beiden Dramaturgen, einen Mann und eine Frau, miteinander über ihre Fassung verhandeln zu sehen. Da wurde um jeden Satz gefightet, ob er gestrichen wird oder bleiben kann. (Sie lacht.) Olga Flor jedenfalls, ich denke, das kann ich sagen, ist mit dem Ergebnis sehr glücklich.

MM: Apropos, weil wir vorhin von Politisch sprachen: Olga Flors Duncan ist, wie gesagt, ein Medienmacher der Geisteshaltung Law & Order, wer nicht für ihn ist, ist Linksterror ist, so wie derzeit für einige die Antifa die neuen Nazis sind. Und dann sagt er einen Satz, wer sich an den noch erinnern kann: Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben, so das Original aus dem Jahr 2009, Wer alt genug zum Plündern ist, ist auch alt genug erschossen zu werden, so Duncan. Das ortet diese unguided missile für Leute mit Gedächtnis genau.

Krassnigg: Mit diesem Satz ist die Figur ganz klar umrissen: In dem Moment, in dem die Maske des Geschäftsmanns abfällt, kriecht dieses Gedankengut hervor. Dieser Satz ist auch der Knackpunkt zum Folgenden, nicht weil die Königin ihn moralisch betrachtet, sondern weil sie sagt: Jetzt wurden wir alle nervös, mit solchen Aussagen reitet er uns alle in den Abgrund. Sie sagt, das geht gesellschaftlich so nicht durch, interessanterweise geht es durch. Immer mehr. Wir gewöhnen uns an derartige Dinge wie der Frosch ans brodelnde Wasser, dem wird ein lauwarmes Bad bereitet, das immer heißer und heißer wird, und am Ende ist er gekocht und hat’s nicht bemerkt. Das ist meine Empfindung diesem Satz gegenüber.

MM: Welch eine Überleitung, denn im Text spielt Wasser eine gewisse Rolle. Erzählen Sie etwas über den Spielort und wie sie das umsetzen werden.

Krassnigg: Der Spielort ist sehr speziell, die historischen Kasematten in Wiener Neustadt, die tatsächlich aus der Spätrenaissance sind, daher auch unsere Spielplan-Entscheidung für Shakespeare-artige Königsdramen. Die Kasematten haben einen eigenen Charme, man merkt ihnen an, dass sie einen italienischen Baumeister hatten. Manche Kritiker schreiben zwar „in den Kellerräumen“, aber wer dazu Kellerräume sagt, dem ist nicht zu helfen. Es sind prachtvolle Gewölbe, die per se schon eine aufgeladene Stimmung haben, ein Raum, der seit Jahrhunderten Schutzraum für Tausende war in diesem immer wieder zerstörten und zerbombten Wiener Neustadt. Diese kathedralenhafte Architektur muss man bedienen, man kann nicht gegen sie inszenieren.

MM: Wer hat den Raum gestaltet?

Krassnigg: Ich habe meinen alten Freund und Kupferstecher Andreas Lungenschmid als Bühnenbildner geholt, der in Berlin als bildender Künstler lebt und ein stark architekturelles Denken hat – und er hat uns einen Raum gebaut, hat Architektur in die Architektur eingepasst; er nennt es einen lost place, einen zerfallenen, überwucherten Resttempel unserer sogenannten Zivilisation. Samt Rolltreppe. Und, so viel verrate ich, es wird das Wasser geben. Als Spiegelung des Abgrunds. Das Wasser, über das sie einst von Europa in die USA gekommen ist, eine Fremde, die alles auf sich genommen und getan hat, um nicht mehr fremd zu sein, ist und bleibt das Element der Königin.

Andreas Lungenschmid hat einen lost space gebaut. Bild: Andrea Klem

In dem die Königinnen mit- und gegeneinander aussagen. Bild: Andrea Klem

Wasser als Spiegelbild spielt eine Rolle. Bild: Andrea Klem

Krassniggs Kinobühnenschau. Bild: Andrea Klem

MM: Der Titel des Ganzen ist „Die Königin ist tot“. Im Roman gibt es eine zweite Frau, Ann, Duncans zweite Ehefrau, eine Fernsehmoderatorin schwarzer Hautfarbe, mit der er sich von den Rassismusvorwürfen weißwaschen will. Wird’s auf der Bühne ein „Die Königin ist tot. Lang lebe die Königin“ geben?

Krassnigg: Nein, doch – in gewisser Weise, Ann wird als Zitat ins Stück geholt. Die Neuübernahme des Königreichs, das Schicksal der königlichen Kinder, das gibt es, in einem Sich-das-Maul-Zerreißen über die erlittene Verletzung. Diese Macbeth-Überschreibung ist komplett aus dem Blickwinkel der Frau erzählt, doch genau recherchiert und beschrieben. „Die Königin ist tot“ dieser berühmte Shakespeare-Satz des Soldaten im fünften Akt, fünfte Szene ist der Schlusspunkt des sich steigernden Wahnsinns bis zum Ende.

MM: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, daher die Frage: Wie wird’s mit der wortwiege in Wiener Neustadt weitergehen? Habt ihr Pläne?

Krassnigg: Wir haben Pläne, eine Vision im Hintergrund. Es ist schön hier ein Festival zu machen, für diese kulturhungrige Stadt, in die ich mich ein bisschen verliebt habe. Ich freue mich über das Publikum aus Wiener Neustadt, wobei natürlich viele auch aus Wien kommen, bei denen ich mit meinem Programm andocken konnte. Im Moment sieht es so aus, dass Stadt und Land das Festival weiterhin haben wollen, und dass es erheblich wachsen soll … aber ich will nichts verschreien …

Trailer: vimeo.com/440728950           www.wortwiege.at           www.olgaflor.at/buch/die-koenigin-ist-tot/

24. 8. 2020

Kulturminister Thomas Drozda setzt ein erstes Zeichen

Juni 24, 2016 in Ausstellung, Bühne, Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Volkstheater bekommt vom Bund 12 Millionen Euro, „New Deal“ für die Freie Szene

Kulturminister Thomas Drozda auf der Regierungsbank. Bild: © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Thomas Drozda auf der Regierungsbank: Ein erstes Zeichen für Kunst und Kultur ist gesetzt. Bild: © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Eine Woche ist es her, dass das Volkstheater den Zuschlag für die Generalplanerleistungen und die Projektsteuerung für die Generalsanierung des Hauses verkündete, und schon ist eine weitere entscheidende Etappe auf diesem Weg geschafft:

Wie Kulturminister Thomas Drozda bekannt gab, sagt der Bund dem Volkstheater ab 2017 zwölf Millionen Euro für die Sanierung zu.

„Gemeinsam mit der Stadt Wien und dem Volkstheater leisten auch wir unseren Beitrag zum Erhalt eines der bedeutendsten Theater unseres Landes“, so Drozda. Dank der Zusage des Bundes wird die dringend nötige Instandsetzung der denkmalgeschützten Bausubstanz und des Bühnenraums und die notwendige Anpassung der Bühnenmaschinerie an heutige Standards zustande kommen, freut man sich am Haus über die „gute Nachricht für die Theaterstadt Wien“. Die Anna Badora, seit dieser Saison Intendantin des Hauses, für „ein großartiges Signal zum Ende meiner ersten Spielzeit“ hält. Der Volkstheater-Spielplan für die Saison 2016/17: www.mottingers-meinung.at/?p=19538

Pläne für Bundestheater und -museen

Investiert wird darüber hinaus in ein neues Depot für das Technische Museum und den Bau des neuen Weltmuseums. In diese Projekte fließen vier beziehungsweise zwölf Millionen Euro. Beim Haus der Geschichte in der Neuen Burg allerdings, dem Lieblingsprestigeprojekt seines Amtsvorgängers Josef Ostermayer (mehr dazu: www.mottingers-meinung.at/?p=17733) könnten erst nach einem Okay des Finanzministeriums bei den kommenden Budgetverhandlungen im Herbst nächste Schritte gesetzt werden, so Drozda. Der damit klarstellte, dass der angedachte Eröffnungstermin im Jahr 2018 nicht zu halten sein wird: „2019 ist relativ wahrscheinlich.“

Auch der Aufteilungsschlüssel für die Basisabgeltung der Bundestheater für die Saison 2016/17 wurde beschlossen und genehmigt. Demnach erhielten die Holding 4,9 Millionen, das Burgtheater 48,7 Millionen, die Staatsoper 63,2 Millionen und die Volksoper 39,8 Millionen Euro. Im Rahmen eines Schwerpunkts „Transparenz und Professionalisierung“ wurde für Bundesmuseen und Österreichische Nationalbibliothek EU-weit ein gemeinsamer Wirtschaftsprüfer ausgeschrieben.

„New Deal“ für die Freie Szene: Drozda will die „Kleinen“ fördern

Doch nicht nur die Kulturschlachtschiffe sollen in die Gunst des Politquereinsteigers, der zuvor Stationen als kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters und als Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien absolvierte, kommen. Drozda verspricht einen „New Deal“ für Einzelkünstler und die Freie Szene. Er wolle, sagt er, „einen klaren Fokus auf zeitgenössisches Kunst- und Kulturschaffen“ setzen – und dabei vor allem die „Kleinen“ fördern. Bis 2018 sollen die 46 Millionen an Subvention, die derzeit über verschiedene Töpfe an diese Gruppe gehen, um fünf Millionen erhöht werden, die die Beiräte dann neu verteilen können. Auch bei der Vergabe von Stipendien, derzeit sind es 600, ortet Drozda „einen riesigen Nachholbedarf“. Ihre Dotierung wird ab 1. Juli von 1110 auf 1300 Euro erhöht. Außerdem stellt der Bund Künstlern ab nächstem Jahr zehn neue Arbeitsateliers in der Wattgasse zur Verfügung. Die Kosten dafür betragen etwa 108.000 Euro.

„Die Künstler sollen mehr gehört werden“, sagt Drozda – und kündigte an, seine Büroräume im Palais Dietrichstein für sie zu öffnen. Was der Kulturminister von den Künstlern hören will, ist zunächst dies: Zum Thema „Kunst und Integration“ erwarte er sich von Theatern, Museen und anderen Institutionen „konkrete Vorschläge“, die Mittel des ausgeschriebenen Calls „zusammen:wachsen“ werden von 200.000 auf 300.000 Euro aufgestockt. In Planung ist auch eine bundesweite Aktionswoche „Kultur und Integration“. „Das Interesse daran ist überwältigend“, so Drozda. Klingt doch zumindest fürs Erste alles ganz gut. Erstaunlich nur, dass das Thema österreichischer Film bis dato gar nicht zur Sprache kam …

www.kunstkultur.bka.gv.at

Wien, 24. 6. 2016

Szene Salzburg: Performing New Europe

Januar 14, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Drei Tipps für Tanzbegeisterte

Ingri Fiksdal Band Bild: © Anders Lindén

Ingri Fiksdal: Band
Bild: © Anders Lindén

Bereits zum dritten Mal lädt die Szene Salzburg zum internationalen Festival Performing New Europe, Pneu, nach Salzburg. Von 20. bis 23. Jänner sind neun Produktionen von Künstlern aus Kroatien, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich, Polen, Finnland, Belgien, Spanien und Norwegen zu sehen. Die eingeladenen Stücke, überwiegend zum ersten Mal in Österreich, zeigen die thematische und ästhetische Vielfalt von zeitgenössischem Tanz und Performance.

Eine Orange, eine Puppe, ein Raumspray, eine Perücke, ein Spielzeugauto, ein Wecker, mehrere Luftballons, ein Paar Gummihandschuhe und zahlreiche andere Gegenstände spielen etwa in „Untamed Thingliness“ die Hauptrollen. Den thematischen Ausgangspunkt nimmt das Kurzstück bei Nada Gambiers Neugierde, wie Objekte, Sprache und physische Handlungen miteinander interagieren. In einer abwechslungs- und temporeichen Anordnung arrangieren die drei Protagonisten unablässig die vorhandenen Gegenstände und stellen diese dadurch in immer neue sprachliche und inhaltliche Kontexte. Die Performance hinterfragt die Bedeutung von Objekten, wandelt diese um, und verwirrt und verstärkt sie gleichzeitig. (21. und 22.1., 21:30 Uhr, Kavernen 1595, Doppelvorstellung mit einem Konzert von Maria Jerez)

In „Band“ erschafft Ingri Fiksdal mit einfachen choreographischen Mitteln einzigartige Sound- und Bilderwelten. Sie untersucht die Erfahrungen eines psychedelischen Konzertes, nur ohne Musiker, ohne Instrumente und ohne hörbare Musik. „Band“ kann als Variation von John Cages 4‘33“ gesehen werden, bei dem die Geräuschkulisse des Publikums ebenfalls sehr präsent ist. Was als Meditation beginnt, nimmt hypnotisch-rauschhafte Züge an und endet für das Publikum mit etwas Glück in einem Trancezustand. (22. 1., 18 Uhr und 23. 1., 21.30 Uhr, Kavernen 1595)
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Wie geht Schuhplatteln auf Italienisch und als zeitgenössischer Tanz? Alessandro Sciarroni, Grenzgänger der italienischen Kunstszene, packt diesen weltberühmten bayrisch-österreichischen Volkstanz bei seinen archaischen Wiederholungsmustern und rhythmischen Strukturen: eindrucksvoll, intelligent und mit offenem Ende. Gemeinsam mit fünf Tänzern macht er sich den traditionellen Tanz zu eigen und vermisst dessen scheinbare Einfachheit neu, ohne je in eine Persiflage zu rutschen. „Folk-s“ geht der Idee von Folklore und der Entwicklung ihrer Tradition nach wobei das Festhalten an einer bestimmten künstlerischen Sprache hier einem mutigen Sprung über die Spartengrenzen weicht. (23. 1., 20 Uhr, republic)
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Wien, 14. 1. 2016

Szene Bunte Wähne im Dschungel Wien

Januar 30, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Tanzen mit Trashedy, Tigerente und Tulpe

Bild: Dschungel Wien

TRASHedy Bild: Dschungel Wien

Nicht weniger als vier Uraufführungen laden Jung und Alt in das Tanzhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier. Janoschs bekannte Geschichte „Die Tigerente und der Frosch“ wird am Dienstag, 11. Februar um 16.30 Uhr als (Bewegungs-)Theater unter dem Titel „Frosch und Tigerente“ (5+) neu aufgelegt. Die Uraufführung ist eine humorvolle und bildhafte Performance zwischen Bewegung, Tanz und Sprache über Liebe, Sehnsucht und die (Un-) Möglichkeit von Kommunikation. Eine Woche später, am Dienstag, 18. Februar um 19.30 Uhr folgt mit „Cubus“ (15+) die neueste Produktion des Ensembles daskunst. Das Schauspiel nimmt sich einer banalen Weisheit an: immer wenn wir glauben etwas verstanden zu haben, überrascht uns das Leben aufs Neue! „Cubus“ hinterfragt auf diese Weise Begriffe wie Realität und freier Wille. „Eine Jacke ist eine Jacke ist eine Jacke …“ (13+), Uraufführung am Mittwoch, 12. Februar um 19.30 Uhr, handelt vom Modewahnsinn unserer schnelllebigen Zeit. Das Tanztheater ist gleichermaßen eine Persiflage auf die Modewelt und stellt eine satirisch-kritische Auseinandersetzung mit divergenten Sichtweisen und Schemata der Gesellschaft dar.

Die Dschungel Wien Tanztheaterproduktion „Love Songs“ (14+), uraufgeführt in Kooperation mit ImPulsTanz 2013, ist ab Montag, 24. Februar um 19.30 Uhr unter anderem in Anwesenheit des belgischen Choreografen Ives Thuwis zu sehen. Die Saisonpremiere findet im Rahmen eines Open House statt: Einblicke in Proben aktueller Produktionen und ein Austausch mit KünstlerInnen bei einem Buffet nach der Vorstellung lassen den Premierenabend ausklingen.

17. internationales Szene Bunte Wähne Tanzfestival

Im Rahmen des 17. internationalen Szene Bunte Wähne Tanzfestivals für ein junges Publikum hat „Mein kleines Meer“ (2+) am Donnerstag, 27. Februar um 16.30 Uhr seine Uraufführung. Die Tanz-Eigenproduktion des Dschungel Wien taucht ein in das für Kinder so faszinierende Element Wasser. Neben den ersten kindlichen Erfahrungen steht Wasser als vielschichtiges, spaßiges und zugleich überraschendes Element im Mittelpunkt. Wie auch die preisgekrönte choreografische Performance „TRASHedy“ (10+) über den Einfluss unseres täglichen Lebens auf unsere Umwelt, Österreichpremiere am Samstag, 1. März. 19.30 Uhr, stehen zwei weitere internationale Koproduktionen am Programm: Das Bewegungstheater „Ente, Tod und Tulpe“ (4+), Österreichpremiere am Freitag, 28. Februar um 16.30 Uhr und die Tanzproduktion mit Live-Percussion „Wild Thing“ (6+), Österreichpremiere am Sonntag, 2. März. um 16.00 Uhr.

www.dschungelwien.at

Wien, 30. 1. 2014