Andrej Platonow: Die Baugrube

September 19, 2019 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Tiefschwarzes Antidrama über Stalins Sozialismus

„Die Unterdrückung der ,Baugrube‘ hat die russische Prosa um fünfzig Jahre zurückgeworfen“, befand der  russisch-amerikanische Literaturnobelpreisträger Joseph Brodsky. Wie kein zweiter lässt Autor Andrej Platonow in diesem paradigmatischen Meisterwerk über den Totalitarismus die Atmosphäre der aufkommenden Ära Stalin spüren, die voll war von Prophezeiungen einer besseren Zukunft, Utopien, die sich alsbald in ihr Gegenteil verwandeln sollten und 20 Millionen Sowjetbürgern im Zuge der politischen Säuberungen das Leben kosteten.

Es ist kein Wunder, dass „Die Baugrube“ zu Entstehungszeiten nicht erscheinen durfte, es ist ein Wunder, dass es einer wagte, Derartiges zu Papier zu bringen, blieb Platonow von der harten Hand des „Stählernen“ doch keinesfalls verschont. An den Rand seiner Erzählung „Zum Vorteil“, einer Kritik an der Stalin’schen Zwangskollektivierung und Entkulakisierung, schrieb der Diktator persönlich das Wort „Abschaum“, bevor er mitten im Großen Terror Platonows 15-jährigen Sohn wegen „Spionage und antisowjetischer Tätigkeit“ in einem Arbeitslager internieren ließ. Der schließlich Haftentlassene war schwer an Tuberkulose erkrankt, an der sich der Vater bei der Pflege ansteckte und starb.

In „Die Baugrube“ dekonstruiert Platonow verstörend visionär die Zeit des ersten Fünf-Jahres-Plans. Der Kurzroman ist mindestens so hintersinnig wie seine Dystopie „Tschewengur“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=29341), doch nicht wie diese in Albtraumwelten angesiedelt, sondern deutlich erkennbar in der kommunistischen Wirklichkeit der späten 1920-Jahre verankert. Platonow, im Gegensatz zu der Mehrzahl seiner Schriftstellerkollegen tatsächlich ein Kind des Proletariats, Sohn eines Metallarbeiters, der es diesem jedoch ermöglichte zu studieren und Ingenieur zu werden, kannte die Propagandamittel für den revolutionär gestimmten Aufbruch, die Agitation zur Übererfüllung von Produktionsvorgaben, aus eigenem Erleben. Was seine Texte umso fantastischer macht.

Bild: pixabay.com

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In seiner einzigartigen Sprache und so bedächtig, wie’s die Art seiner Protagonisten ist – deren größte Angst: dass in „ungesunder Aufregung die Nerven Schaden nehmen“, weshalb sie der Werktätigkeit mit einer gewissen Geruhsamkeit nachgehen -, erzählt Platonow von einem Artel, einem freiwilligen Zusammenschluss von Arbeitern, die eine gigantische Grube ausschachten, über der ein „gemeinproletarisches“ Hochhaus errichtet werden soll, imstande, die Bevölkerung einer ganzen Stadt in sich aufzunehmen. Dies epochale Symbol wird von Platonow – (R)untergehen statt Aufbauen – zur Kenntlichkeit entstellt, und verständlich ist, dass einem mit beinah 90 Jahren mehr an Geschichtswissen bei „Grube“ assoziativ Massengrab einfällt.

Hauptfigur des Buchs ist Woschtschew, ein tief melancholischer Mensch, ein Sinnsuchender, der statt diesem aber nur den Trübsinn einer fehlgeleiteten Schöpfung findet. Gerade erst wurde er aus der Maschinenfabrik „entfernt infolge der wachsenden Kraftschwäche in ihm und seiner Nachdenklichkeit im allgemeinen Tempo der Arbeit“. Woschtschew ist sozusagen der Fleisch gewordene Kontrapunkt zu den schnarrenden Appellen des Aufbauoptimismus, die allüberall erschallen. Nunmehr laborierend an der eigenen Nutzlosigkeit, denn genau das darf ein Sowjetmensch auf keinen Fall sein, fällt ihm ein verdorrtes Blatt auf den Kopf. „,Du hattest keinen Lebenssinn‘, vermutete Woschtschew mit Kargheit des Mitgefühls, ,bleib hier liegen, ich werde herausfinden, für was du gelebt hast und umkamst. Wenn dich schon keiner braucht und du herumliegst in der ganzen Welt, werde ich dich hüten und im Gedächtnis behalten.‘“ (In dieser Situation stößt er auf das grabende Kollektiv – und wird von diesem ohne langes Fragen assimiliert …)

Gabriele Leupold, die dafür mit dem Jan-Scatchered-Preis der Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Stiftung ausgezeichnet wurde, hat diese Zeilen klug und kreativ ins Deutsche übertragen. Sie lässt deren Ästhetik, die dreisten Andeutungen, die beiläufig geschilderten Grausamkeiten, die halsbrecherischen Wortneuschöpfungen in tausend Sprachbildern schillern. „Sozialismusfest“, in Anspielung an die tradierten kirchlichen Feiertage, ist etwa einer dieser von Platonow erdachten Begriffe. „Wir können um des Enthusiasmus‘ willen leben“, zitiert er Stalins Lieblingsschlagwort aus der Rede „Das Jahr des großen Umschwungs“, und wenn er den Funktionär Paschkin „das Tempo ist flau“ sagen lässt, oder „am Proletariat herrscht heute ein Manko“, so korrespondieren diese Mahnungen mit der in Parteidekreten festgeschriebenen Kritik.

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Dabei bedient Platonow im Tonfall weder Ironie noch Sarkasmus. Die Antihelden seines tiefschwarzen Antidramas verzehren sich pathetisch an der Aufgabe eine schöne neue Welt zu erschaffen, scheitern, scheitern wieder, scheitern nicht besser – Fehlschläge anhand derer der Autor die Fehler des Systems entlarvt. Sein Personal hat Platonow als Allegorien angelegt. Statt einer Erzählstimme, einer übergeordneten Instanz, setzt er auf die Polyphonie seiner Figuren. Da gibt es den Arbeiter Safronow, parteikonformer Sozialist und „Klassenkämpfer für die Aufklärung“. Den herkunftsbedingt isolierten, selbstmordgefährdeten Ingenieur Pruschewskij, der sich in seiner Einsamkeit in die Schlafbaracke zu den Arbeitern legt, was diese peinlich berührt.

Den Genossen Shatschew, beinloser Bürgerkriegsinvalide, aggressiv, weil er vom Regime schlecht versorgt wird, und der deshalb unter Androhung von Devastierungen von den Nachbarn Lebensmittel und Tabak erpresst. Den schwächlichen Koslow, der, weil er an den Einsatz technischer Hilfsmittel glaubt, schließlich Karriere machen wird. Den bereits erwähnten Funktionär Paschkin, der nur nach dem Rechten sieht, um zum eigenen Ruhm eine Steigerung der Produktivität anzuordnen. Den Arbeiter Tschiklin, der zentrale Charakter im Bautrupp, der gute Mensch, der in einem Keller eine sterbende burshujka, eine Bürgerliche, und daneben ihr Töchterchen Nastja findet. Sie wird fortan zur „Sowjetina“ der Baugrube – zur leibhaftigen, kindlichen Personifizierung der jungen, unreflektiert linientreuen, lebensgierigen Sowjetunion. Aus ihrem Mund allerdings klingt der andauernd daher geplapperte Jargon der „Liquidierung“ nur umso menschenverachtender und mörderischer.

Und während Platonow solcherart am offenen Herzen des heranwachsenden Bolschewiki-Staats operiert, den wahnwitzigen gesellschaftlichen Heilsglauben an die kommunistische Erlösung in grotesken Gebärden festhält, kommen für seine Geschöpfe neben der Pflichterfüllung auch die Herzensangelegenheiten nicht zu kurz. Die Phraseologie der Sowjetbürokratie in eine ungebührliche Poesie übertragend, spürte Paschkin, „als er seine Frau hörte, Liebe und Gelassenheit, – das hauptsächliche Leben kehrte wieder zu ihm zurück. ,Olguscha, mein Goldfisch, du spürst ja gigantisch die Massen! Dafür lass ich mich dir anorganisieren!‘ Er legte den Kopf an den Körper seiner Frau und beruhigte sich im Genuss von Glück und Wärme …“

Über den Autor: Andrej Platonow, 1899 in Woronesch geboren, begann mit 14 Jahren zu arbeiten, absolvierte später das Eisenbahnertechnikum und war in den 1920er-Jahren als Ingenieur für Bewässerungstechnik und Elektrifizierung tätig. Seit 1918 publizierte er Lyrik, Erzählungen und journalistische Arbeiten. Seine Hauptwerke „Tschewengur“ aus dem Jahr 1926 und „Die Baugrube“, geschrieben 1930, konnten nicht erscheinen. Platonow starb 1951. Erst in den 1980er-Jahren setzte seine Wiederentdeckung ein.

Suhrkamp Taschenbuch, Andrej Platonow: „Die Baugrube“, Roman, 238 Seiten. Übersetzt aus dem Russischen und mit einem Nachwort versehen von Gabriele Leupold. Mit einem Essay von Sibylle Lewitscharoff.

Gabriele Leupold über Platonows „Die Baugrube“: www.youtube.com/watch?v=IbQemkkfKwg

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  1. 9. 2019

Jennifer Clement: Gun Love

Oktober 13, 2018 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Währung des White Trash ist die Waffe

„Meine Mutter war eine Tasse Zucker. Man konnte sie jederzeit ausleihen.“ Mit diesen Sätzen beginnt Pearl ihre noch kurze Geschichte. Das ist stark und macht die Verhältnisse sofort klar. 14 Jahre ist die Ich-Erzählerin alt. Sie lebt in einem Auto auf dem Besucherparkplatz vor dem Indian Water Trailerpark in Florida, in einem Dreieck zwischen zwei Highways und einer giftigen Mülldeponie, dahinter ein von Alligatoren verseuchter Fluss. Auf die Tiere werden Schießübungen veranstalten. Auf Bäume auch. Manchmal auf die Polizei. „Das Leben war wie ein Schuh am falschen Fuß“, sagt Pearl. „Meine Mutter sagte, … meine Mutter hatte recht …“, diese Form der indirekten Rede ist Pearls bevorzugte Distanz zu den Geschehnissen, die in den nächsten 250 Seiten auf den Leser zukommen.

US-Autorin Jennifer Clement hat mit „Gun Love“ einen unvergleichlichen Roman über die amerikanische Armut geschrieben, über Menschen, die, seit Trump in den Vereinigten Staaten das Sagen hat, sogar wissenschaftlich als White Trash bezeichnet werden. Eine Unterschicht, über die Hillary Clinton im Wahlkampf meinte, „sie klammern sich an Schusswaffen oder an die Religion oder an Antipathien gegenüber Leuten, die nicht so sind wie sie“. Was sie später öffentlich bedauerte.

Clement lässt sich Zeit, bis sie zur Waffe greift. Erst berichtet sie, dass auch, wer offiziell als obdachlos gilt, sich in ein beinah glückliches Dasein tagträumen kann. Pearl nennt das ein „Ein-Dollar-Leben“ voller „Geburtstagskerzen-Wünsche“. Die Mutter, Margot, begüterte, aber brutale Herkunft, als Teenager vom verheirateten Klavierlehrer geschwängert, ergo Ausreißerin aus dem gefühlskalten Elternhaus, einzige aktuelle Sorge, die Angst vor dem Jugendamt, hat viele Weisheiten für Pearl parat. Sie durchschaut andere. Im Wortsinn. Also: esoterisch angehaucht. Nur einen nicht, aber dazu kommt Clement später. Erst erfährt man, wie man einen Wagen zur Wohnstatt macht, mit Büchern auf dem Armaturenbrett, der Kleidung in Einkaufssackerln und den Waschsachen im Handschuhfach. „Da meine Mutter mir die Welt übersetzte, wusste ich, dass die Menschen Geheimnisse und kaputte Knochen und verletzende Worte mit sich herumtrugen, die man mit Seife nicht wegwaschen konnte“, sagt Pearl.

Clements Story ist wie ein K.O.-Schlag, doch die Sprache, in die sie sie taucht, ist so beseelt poetisch, Worte so watteweich, dass Pearls und Margots absonderlicher Alltag etwas Anmutiges bekommt. Wie Margot im billigen, fliederpastelligen Supermarkt-Spitzennachthemd barfuß zu den Toilettenanlagen tänzelt, wie Pearl auf ihrem Abenteuerspielplatz Müllkippe ein zerbrochenes Thermometer findet und sich an den ständig die Form verändernden Quecksilberkügelchen erfreut. Sie sei „unter einem Gefahrenstern geboren“, sagt Pearl einmal, später: „Ich lebte praktisch in dem Wort ,Gefahr‘, als wäre es eine Adresse.“ Da ahnt man schon, das toxische Flüssigmetall in ihrer Tasche wird nicht die einzige bleiben. Clements Figuren sprechen wie Songtexte. Von Johnny Cash oder Neil Young. Was sie schreibt, ist skurril, wenn’s nicht so schaurig wäre. Ein Nachbarskleinkind hat ein „Waffenausmalbuch“. Man könnte das Ganze für ein Klischee halten.

Die anderen Anrainer, allesamt Wohnmobilbewohner, sind Sergeant Bob, der einbeinige Afghanistan-Veteran mit „In God we Trust“-Tattoo, samt Familie, Tochter April May Pearls beste Freundin; ein Mutter-Tochter-Gespann, Mrs. Roberta Young und Noelle, erstere eine durch die Arztrechnungen für ihr geistig behindertes Kind arm gewordene, pensionierte Lehrerin, samt Noelles Barbiepuppensammlung und ihren Glückskeckssprüchen; Pastor Rex, der für Gott Waffen kauft, „und so gewöhnten wir uns daran, dass fremde Männer mit einem Gewehr über der Schulter oder einer Pistole in der Hand durch das Eingangstor schlenderten“; und das freundlich-unnahbare Paar Ray und Corazón.

Und dann Eli. Ein alter Freund des Pastors aus Texas. Ein gefallener Mann, sagt der, keiner, der auch die andere Wange hinhält, sagt die Mutter, plötzlich ein Wild, das sich von Eli sofort erlegen lässt. „Salz trifft Wunde“, sagt Pearl. Der Fremde ändert alles, Pearls Welt gerät ins Wanken. „Zwei Wochen später hatten wir eine Waffe im Auto.“ Allmählich wird klar, wer im Trailerpark alles auf diese harte Währung setzt. Pearl findet in einem verlassenen Wohnwagen ein Waffenlager, schwarze Ware, die nach Mexiko geschmuggelt wird. So idyllisch ruhig der Roman beginnt, so rasant nimmt er jetzt Fahrt auf, eine, die für Pearl tatsächlich zum – unfreiwilligen – Roadtrip durch die Südstaaten wird. Immer weiter wird sie von dem ihr bekannten Kosmos wegkatapuliert.

Keiner ist mehr, wer er scheint, die Männer sind Bedrohung. Von „Polizistenmord. Bewaffneter Raubüberfall. Identitätsmissbrauch“, ist auf einmal die Rede. Pearl gerät in einen Gewaltstrudel, aus dem sie nicht ausbrechen kann. Das Mädchen, das nicht einmal eine Geburtsurkunde besitzt, weiß nicht wie und wohin. Und auch sie bewaffnet sich. Die Mutter wird getötet, Pearl wird töten. Beides steht nicht im „Lebensbuch des Lamms“. Leben wird Überleben, und Pearl wird nicht aus diesem Umstand ausbrechen können. Am Ende ist sie wieder in einem Auto, versteckt zwischen Gewehren und Pistolen. „In meinem Tagtraum lag ich zwischen Skeletten, die Waffenteile waren lange Oberschenkelknochen und Rippen und kurze Ellen, wie ich sie von Röntgenbildern kannte, Röntgenbilder von zerbrochenen Knochen, ich roch Schießpulver und vielleicht auch Rost und Blut und Blut und Rost.“ Der Rest bleibt offen.

Jennifer Clements „Gun Love“ pflügt mitten durchs Herz. Sie lässt einen atemlos zurück, diese Geschichte über Liebe, Hass und Einsamkeit. Und den Irrsinn, den der Zweite Zusatzartikel der US-Verfassung über den Alltag von Menschen bringt: das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen. Dabei ist dieses Buch mehr als das literarische Stimmungsbild einer Nation. Auch in Österreich gibt es mittlerweile mehr als eine Million registrierter Schusswaffen in Privatbesitz. Inklusive der illegalen sollen es doppelt so viele sein.

Über die Autorin: Jennifer Clement, 1960 in Connecticut geboren, wuchs in Mexiko-Stadt auf, studierte in New York und Paris Literaturwissenschaft und hat Lyrik und vier Romane veröffentlicht. Als Präsidentin des P.E.N. International kämpft sie im Namen von Autoren weltweit für das Recht auf freie Meinungsäußerung. „Gebete für die Vermissten“, ihr Roman über die Schicksale gestohlener Mädchen in Mexiko, war ein internationaler Erfolg.

Suhrkamp Verlag, Jennifer Clement: „Gun Love“, Roman, 251 Seiten. Übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Nicolai von Schweder-Schreiner.

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  1. 10. 2018

Andrej Platonow: Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen

August 29, 2018 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Die russische Revolution frisst ihre Kinder

Es war Frank Castorf, der einen mit seiner bei den Wiener Festwochen 2016 gezeigten Inszenierung erstmals auf Andrej Platonows Roman „Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=19870) aufmerksam machte. Nun liegt der zwischen 1927 und 1929 entstandene Text in einer überarbeiteten Übersetzung bei Suhrkamp vor. Er habe nichts anderes versucht, als den Anfang der kommunistischen Gesellschaft darzustellen, schreibt der Autor an den mächtigen Maxim Gorki. „Tschewengur“, so dessen Antwort, sei inakzeptabel, denn die Helden würden nicht als Revolutionäre wahrgenommen, sondern als komische Käuze und Halbverrückte. Platonows episches Werk, weder zum offiziellen Geschichtsbild noch in den Literaturkanon passend, blieb zu seinen Lebzeiten ungedruckt.

Dabei darf dieses nicht als zynische Satire oder als Lächerlichmachen der Sowjetunion missverstanden werden. Platonow distanziert sich nicht von seinem Anti-Helden, er begleitet ihre Ansichten mit Sympathie und Verständnis. Der Eisenbahnschlossersohn und Lokomotivführergehilfe, gestorben 1951 an jener Tuberkulose, mit der sich sein statt seiner ins Arbeitslager gesteckte, 15-jähriger Sohn infizierte, und mit der er sich bei dessen Pflege ansteckte, war glühender Kommunist. Er glaubte an die Idee, nicht jedoch an deren Umsetzung durch Stalin – und prangerte literarisch an, wie der spätere Diktator schon früh den Freiheitskampf der Bevölkerung zugunsten seines autokratischen Systems instrumentalisierte.

Platonow wurde durch Totschweigen ums Leben gebracht. Neben seine Kritik an Stalins Zwangskollektivierung, die Erzählung „Zum Vorteil“, schrieb der Führer der Massen persönlich das Wort „Lump!“. Platonow, der Unbekannte, weil Verbotene, wurde dennoch oder deshalb zur Ikone, zum Vorbild von Generationen junger Autoren. Sorokin, Pelewin, Kurkow, sie alle berufen sich auf ihn. Und wenn diese Anekdote nicht wahr ist, so ist sie gut erfunden: Kurz vor seinem Ende gab das Regime Platonow ein Gnadenbrot als Hausmeister in einer Moskauer Kultureinrichtung, und als er starb, weinten die tagtäglich dort aus- und eingehenden Studenten. Weil sie sich nun schämten, in dem alten, auf seinem Besen lehnenden, sie um Zigaretten anschnorrenden Mann nicht ihr Idol erkannt zu haben.

„Tschewengur“ handelt von den wahnwitzigen Folgen der konsequenten Anwendung einer Ideologie und von einem Enthusiasmus, der wegen der Rückständigkeit des Landes ins Leere laufen muss. Der Text ist ein philosophisches Gedankenexperiment, das hellsichtig tragische Entwicklungen des 20. und 21. Jahrhunderts vorwegnimmt. Er ist eine groteske Dystopie über Totalitarismus, mit genau jenem Maß an der dem Genre eigenen erschütternden Wahrheit, wie sie die Staatsmächtigen fürchten. Zur Entstehungszeit hatte Russland bereits Ersten Weltkrieg, Oktoberrevolution und Bürgerkrieg hinter sich. Millionen waren tot, vertrieben, entwurzelt; das „strannitschestwo“, das ziellose Umherirren der Ärmsten der Armen, wurde zur Massenerscheinung. Platonow umschreibt diese Jahre als einzige Schießerei, ihr ausgeliefert die „einfachen Menschen, die das Parteiprogramm ja gar nicht verstehen.“

Den roten Faden bilden die Erlebnisse der Protagonisten Alexander Dwanow – eine Art Alter Ego des Autors – und Stepan Kopjonkin. Ersterer wird von einem Parteifunktionär beauftragt, in einem bettelarmen südrussischen Steppengouvernement nach „sozialistischen Elementen des Lebens“ Ausschau zu halten und die Wünsche der Massen zu ergründen. Bei seiner Reise durch die Armut und den Hunger begegnen ihm allerlei skurrile Charaktere, bis ihn seine Wanderung schließlich nach Tschewengur bringt, wo bolschewistische Fanatiker einen makaberen „Kommunismus in einem einzelnen Bezirk“ organisieren und zu diesem Zweck die gesamte „Bourgeoisie“ massakrieren, um die Stadt dann mit einem in der Umgegend aufgesammelten „Proletariat“ zu besiedeln. Doch trotz aller Anstrengungen will sich die kommunistische Utopie nicht einstellen.

Auf seinem Weg begegnet Dwanow dem „Kommandeur der Feldbolschewiken“, Kopjonkin. Er sucht als Ritter der Revolution auf seinem Pferd „Proletarische Kraft“ das Grab der von ihm angebeteten Rosa Luxemburg. Unverkennbar ist er ein Don Quijote, Platonow beschreibt ihn so: Es war „unmöglich sich seine Herkunft vorzustellen – ob er von einem Tagelöhner abstammte oder von einem Professor -, die Züge seiner Persönlichkeit hatten sich schon an der Revolution abgeschliffen.“ Die Reisegefährten lassen hier einen Wald zur Schaffung von Ackerland abholzen, dort Vieh umverteilen, enteignen Gutsherren – alles im Namen des Sozialismus. Doch keine ihrer Bemühungen macht etwas besser. Das Volk ist unterbelichtet und untätig, weder sät noch erntet es, ist doch in den Vorratsspeichern des gemeuchelten Klassenfeindes noch genug Korn.

Endlich: Tschewengur. Und auch im sozialistischen Paradies tut keiner etwas. Man lässt die Sonne in Stellvertretung werktätig sein, während man selbst über die Revolution sinniert, schwadroniert und sich statt zu handeln in hochtrabenden Phrasen ergeht. Zu arbeiten, so das Credo der Tschewengurer wäre Kapitalismus, mit Nutzen zu arbeiten bourgeois. In einem Gemisch aus falsch verstandenem Parteibroschürenjargon und religiösen Einsprengseln versuchen die Menschen rund um ihren kindlich-begeisterten Anführer Tschepurny, dem neuen Leben einen Sinn abzutrotzen. Die brüderliche Gemeinschaft und deren freundliche Wärme würden sich schließlich ganz von selbst einstellen, ist man überzeugt. Dass es mit dem Kommunismus im kleinen Städtchen kein gutes Ende nehmen wird, ist spätestens dann klar, als der irre Henker Pijussja und Dwanows bösartiger Stiefbruder Proscha, der die Revolution als Mittel zum Zwecke des Reichwerdens missbraucht und der unter den übrigen elf Jüngern des Tschepurny eindeutig ein Judas ist, auftauchen. Am Ende kommt eine maschinelle (Rote) Armee zur Säuberung der Stadt; die russische Revolution frisst ihre Kinder …

„Am Morgen war eine große Sonne, und der Wald sang mit der ganzen Fülle seiner Stimme, indem er den Morgenwind tief unter sein Laub fahren ließ“, „Tschewengur“ strotzt vor derlei Passagen fabelhafter, melancholischer Schönheit. Die poetische Eindringlichkeit, die Sprache, mal biblisch-apokalyptisch, mal revolutionär-bolschewistisch, mit der Platonow seine surrealistische, von der Aura des Absurden umwehte Vision entwickelt, macht das Buch zum Pageturner. Zweifellos ist dieser Roman der beste, der bis dato über die russische Revolution geschrieben wurde.

Über den Autor: Andrej Platonow, 1899 in Woronesch geboren, begann mit 14 Jahren zu arbeiten, absolvierte später das Eisenbahnertechnikum und war in den 1920er-Jahren als Ingenieur für Bewässerungstechnik und Elektrifizierung tätig. Seit 1918 publizierte er Lyrik, Erzählungen und journalistische Arbeiten. Seine Hauptwerke, „Tschewengur“ (1926) und „Die Baugrube“ (1930), konnten nicht erscheinen. Platonow starb 1951. Erst in den 1980er-Jahren setzte seine Wiederentdeckung ein.

Suhrkamp, Andrej Platonow: „Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen“, Roman, 581 Seiten. Revidierte Übersetzung aus dem Russischen von Renate Reschke.

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  1. 8. 2018

Sibylle Lewitscharoff und Najem Wali: Abraham trifft Ibrahîm. Streifzüge durch Bibel und Koran

Juni 12, 2018 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Wie aus Isaak der Ismail des Koran wurde

Bis hin zu Leonard Cohen, dem die „Story of Isaac“ einen Welthit wert war, ist die Geschichte bekannt: Ein Vater beugt sich über seinen wehrlosen Sohn, ein Messer blitzt in seiner Hand, da wird ihm im letzten Moment befohlen, statt des Kindes einen Widder zu opfern. Abraham, Stammvater aller drei nach ihm benannten abrahamitischen Religionen, ist eine von neun Figuren, die die sprachmächtige Religionswissenschaftlerin Sibylle Lewitscharoff und der irakisch-deutsche Autor Najem Wali ausgewählt haben, um deren Bedeutung in Bibel und Koran zu vergleichen.

Im überaus lesenswerten Sachbuch erfährt man nicht nur, warum im Christentum manche glauben, ein teuflischer Demiurg hätte Abraham zur Bluttat verführen wollen, sondern auch, warum im Islam der Vater der Propheten, der „Gesandte mit festem Willen“, seinen Erstgeborenen Ismail ­– zumindest wird er von den meisten muslimischen Kommentatoren als solcher identifiziert – hingeben sollte. Die beiden Autoren gehen aus ihrer je eigenen Sicht den Quellen nach, temperamentvoll, engagiert, auch augenzwinkernd.

Mit dem geplagten Hiob fragen sie nach der göttlichen Gerechtigkeit, mit Jona, dem ängstlichen Wal-Reisenden, nach Mut und Toleranz, so berühren sie mit ihrem Dialog zwischen zwei Weltreligionen die Krisenthemen zur Zeit. Dass im Koran Hiobs/Ayyūbs Frau Gott um Heilung des Gatten bat, und von diesem deshalb mit 100 Peitschenhieben bestraft werden sollte, ist nur eine der neuen Erkenntnisse, die man gewinnt. Gott wandelt die Strafe in einen Schlag mit einer Handvoll Gräser um: „Damit ist dein Schwur erfüllt, und du hast deiner Frau, die geduldig mit dir ausharrt und nur das Beste verdient hat, kein Leid zugefügt.“ – „Seltsam nur, dass es in einem streng islamischen Land wie Saudi-Arabien bei politischen Oppositionellen wie dem Aktivisten Raif Badawi keine Schonung vor Peitschenhieben gibt“, kommentiert Najem Wali.

Zu lesen ist, dass Maria/Maryam die komplette Sure 19 gewidmet ist, oder, dass im Koran Adam die Schuld an der Vertreibung aus dem Paradies hat; nur die Volksmeinung übernimmt die Geschichte mit der Schlange und dem Apfel. In der westlichen Welt wiederum wird Eva, die Einschleuserin des Bösen, mit aufkommendem Feminismus zur Heldin der Erhebung aus Gottes Obhut.

Unter all das mischt Lewitscharoff Populärwissenschaftliches. Etwa über Joseph L. Mankiewiczs Film „All About Eve“: „Ein Mann namens Jacob Dean Stockton sah den Film und lebte fortan mit der fixen Idee, Bette Davis sei leibhaftig die wiederauferstandene Eva … Er wurde in die Psychiatrie eingewiesen … Stockton nahm sich in der Anstalt das Leben. Er erhängte sich mit einem Betttuch, auf das in roter Malkreide geschrieben stand: ,Evil Eve‘.“ Oder über Sören Kierkegaard, dem im Winter 1841, als er „Furcht und Zittern“ schrieb, Gott persönlich erschien: „Er! Allerdings nicht in einem brennenden Kaminfeuer mit Donnerstimme, sondern mit dem zartfeinen Stimmchen einer Maus.“ Mit der der Philosoph dann ausführlich über Abrahams Verhalten diskutierte.

In einem Buch über Glaubensfragen gilt es selbstverständlich auch, die Figur des Teufels/Schaitan zu behandeln. Lewitscharoff und Wali erläutern, wie aus dem „Morgenstern“, dem schönen Erzengel, der Klumpfuß – und heute der schmierige Verführer – werden konnte. Was die beiden allerdings nicht klären können, ist, warum Gott dem Bösen so viel Macht verliehen hat …

Über die Autoren: Sibylle Lewitscharoff, 1954 in Stuttgart als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, studierte Religionswissenschaften in Berlin, wo sie, nach längeren Aufenthalten in Buenos Aires und Paris, heute lebt. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Buchhalterin in einer Werbeagentur. Sie veröffentlichte Radiofeatures, Hörspiele und Essays. Für „Pong“ erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Der Roman „Apostoloff“ wurde 2009 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. 2013 wurde sie mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. „Blumenberg“ (2011) stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Zuletzt erschien der Band „Vom Guten, Wahren und Schönen“, der die 2011 in Frankfurt und in Zürich gehaltenen Poetikvorlesungen versammelt. Sibylle Lewitscharoff ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie der Berliner Akademie der Künste.

Najem Wali, geboren 1956 im irakischen Basra, flüchtete 1980, nach dem Ausbruch des Iran-Irak-Krieges, nach Deutschland. An der Universität Hamburg studierte er Germanistik, in Madrid spanische Literatur. Heute lebt er als Autor und Journalist in Berlin. Er war lange Zeit Korrespondent der arabischen Tageszeitung Al Hayat und schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel und Die Zeit.

Suhrkamp Verlag, Sibylle Lewitscharoff, Najem Wali: „Abraham trifft Ibrahîm. Streifzüge durch Bibel und Koran “, Sachbuch, 309 Seiten. Die von Najem Wali verfassten Kapitel wurden von Christine Battermann aus dem Arabischen übersetzt.

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12. 6. 2018

Robert Menasse: Die Hauptstadt

Dezember 10, 2017 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Roman eines großen Liebenden

Dies könnte das Buch eines EU-Gegners sein, das eines großen Satirikers ist es ganz bestimmt. Und das eines großen Liebenden, eines glühenden Europa-Liebenden. Robert Menasse legt mit seinem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „Die Hauptstadt“ eine unterhaltsame Farce über Brüsseler Verhältnisse vor. Die muss man aber erst einmal verdauen. Ein Schwein wird da im Wortsinn zum running gag, rennt im Schweinsgalopp durchs Regierungsviertel, eine Sauwirtschaft ist das, anhand der Menasse klarer als jedes Sachbuch erklärt, wie Wirtschaft in der EU funktioniert. Als Vorarbeit gab’s einen Essay, „Der europäische Landbote“, nach der Theoriearbeit nun den Roman, die Kür.

Menasse macht sich lustig, erklärt aber auch viel. Besser hat man Brüssel noch nie verstanden. Für das Schwein ist jede EU-Abteilung einmal zuständig. Fürs Ferkeln, für das Futter, für die Schlachtung, für die Fleischverarbeitung. Das Schwein ist in aller Munde. Als Glücks- oder Sparschwein, als Nazischwein, als Drecksau, als Judensau. Darauf wird noch zu kommen sein. Einer der Protagonisten des Buches führt in Österreich einen Schweinemastbetrieb.

Deren fast ein Dutzend führt Menasse ein, in Parallelgeschichten, die sich zum Teil verweben, zum Teil auch nicht. Es gibt einen katholisch-polnischen Mörder, Mateusz Oswiecki, einen jüdischen Pensionisten, David de Vriend, der als Kind von dem Deportationszug sprang, der seine Eltern ins Gas brachte, und einen Kommissar Brunfaut, dessen Familie im antifaschistischen Widerstand war, und der den Mordfall aus politischen Gründen zu den Akten legen muss. Das Blut, das Europa geboren hat, schwappt von unten in die humoristische Szenerie.

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Und da ist das Big Jubilee Projekt. Die Kommission will ihr Image mit einem Festakt aufpolieren. Fenia Xenopoulou, die Fremde, die Beamtin in der ungeliebten Generaldirektion Kultur, will damit ihre Karriere aufpeppen. Sie beauftragt Martin Susman, kleiner Bruder des Schweinezüchters. Der will die letzten Holocaustüberlebenden einladen. Menasse versteht Europa als nachnationales Friedensprojekt. Nichts kann dieser Tage wichtiger sein. Europa – entstanden als Idee des „Niemals vergessen!“, des Niemals wieder Nationalismus als Nährboden für Faschismus und Nationalsozialismus. Klar, dass einige Nationalstaaten gegen die Idee aufbegehren …

Menasse ist als Erzähler göttlich komisch, allein seine U-Bahn-Beschreibungen, „die mechanisch sich bewegenden Menschenströme, die über Rolltreppen stapften, die außer Betrieb waren, sich weiterschoben durch die mit Sperrholz verschachtelten, verdreckten Korridore der ewigen Baustellen des Untergrunds, vorbei an den Pizzaschnitten- und Kebab-Verschlägen …

… schließlich der Windkanal des Aufstiegs zur Straße, hinauf in ein Tageslicht, das nicht mehr vordringt in die trübe Seele“, ist ein Marionettenspieler, der die Fäden aber auch zeigt, sein Buch frech, witzig, raffiniert gebaut. Die komplexe Erzählweise, die Struktur spiegelt die Struktur der europäischen Union wider. Der Roman verzahnt sich wie die Abteilungen, Abkürzungen, Positionen, Prä-Positionen, wie Gremien im Kampf gegeneinander und die Mitarbeiter beim Intrigenspiel. Menasse zeigt nicht nur, dass die EU literaturfähig ist, sondern einen polyglotten Kosmos mit Figuren aus Fleisch und Blut.

Unglaublich, wie empathisch er sich in seine literarischen Geschöpfe einlebt, deren Biografien er erst nach und nach enthüllt. Er geht von den Mechanismen zu den Menschen, immer geht es ihm um zwei Agenden: die Sachagenda und das eigene Fortkommen. „Mrs Atkinson studierte die Papiere, Tabellen, Prozentrechnungen, Graphiken, Statistiken, und sie fragte sich, wie es zu diesem dramatischen Vertrauensverlust in die Institution hatte kommen können …  Bezeichnend fand sie, dass es keine Kritik an den eigentlichen Aufgaben der Kommission gab, offenbar waren diese den Menschen gar nicht bekannt.“ Robert Menasses „Die Hauptstadt“ ist ein Werk an dessen Nacherzählung man nur scheitern kann, was bedeutet, dass man es gelesen haben muss.

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Eine faszinierende Figur ist Alois Erhart, Wiener Emeritus für Volkswirtschaft, und als solcher in einen Think-Tank der Kommission eingeladen. Den er mit seiner Rede sprengt, weil seine Sorge einer Zeit gilt, in der Politiker das Sagen haben, denen der europäische Gründungsgedanke so weit entfernt ist wie eine gute Kinderstube. „Aber dann? Wenn der Letzte gestorben sein wird, der bezeugen kann, aus welchem Schock heraus Europa sich neu erfinden wollte – dann war Auschwitz für die Lebenden so weit abgesunken wie die Punischen Kriege.“

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  1. 12. 2017