Akademietheater: Ein europäisches Abendmahl

Februar 12, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Den Stier zum Schlachtvieh gemacht

Da-Vinci-Tableau-Vivant mit Damen: Catrin Striebeck, Maria Happel, Sylvie Rohrer, Kirsten Dene, Frida-Lovisa Hamann und Katharina Lorenz. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Am Ende des Abends im Akademietheater erklärt sich sein Titel, „Ein europäisches Abendmahl“, erklärt sich, warum immer wieder eine überdimensionale Holzplatte über die Bühne getragen wurde. Die Schauspielerinnen machen sie zum Tisch, machen daraus ein Da-Vinci-Tableau-Vivant mit Damen. Erstmals nun nach neunzig Minuten sprechen sie miteinander, wenden sie sich einander zu, statt wie davor zu monologisieren. Auf seiner Homepage schreibt das Burgtheater vorsorglich, „das ‚europäische Abendmahl‘ ist kein mageres pseudofeministisches Manifest“, stimmt!, denn hier wird in einem starken Bild festgehalten, wie sich Frauen männlich besetzten Bedeutungsraum erobern.

Fünf Autorinnen aus fünf Ländern, Jenny Erpenbeck, Nino Haratischwili, Elfriede Jelinek, Terézia Mora und Sofi Oksanen, haben Frauenfiguren für diese Uraufführung erdacht, Barbara Frey hat sie inszeniert. Das Ergebnis ist ein Fest für sechs Schauspielerinnen, von der Regie kaum in ihren Reden unterbrochen, sondern in ihrer Darstellung subtil unterstützt, die Frey weiß halt, was sie tut, sie vertraut zu Recht der literarischen Qualität der Vorlagen. Gespielt wird in einer Art abgefackeltem, abgefucktem Prunksaal, der Rauch eines schwelenden Brands hängt in der Luft. In der Traumdeutung steht dieses untergründig Verheerende für innere Unsicherheit und falsche Zielsetzung – und genau darum geht’s:

Um Angstszenarien, die die Realität ins Absurde kippen. Um ein Wir-Sein, das im Wirr-Sein versinkt. Um die Anrufung von Werten und vor allem Sitten, Moralgesabbere, aber Anstand nirgendwo. Um Identität und Identitäre, Ideologie und Idiotie, Integrität und Integration, und Heimat als Begriff, nicht begriffen. Die Frauen in diesem Szenario sind keine Siegerinnen, die stehen an der Hintertür des gesellschaftlichen Spektrums, das Heilsversprechen einer besseren Existenz ist Utopie geblieben, und so meistern diese Anti-Heldinnen ihre missliche Lage im täglichen Überlebenskampf mit tapferer Selbstironie. Botschaften haben sie keine, keinen mahnend erhobenen Zeigefinger, nur Geschichten ihres Lebens. Und das sind nicht immer sympathische.

Kirsten Dene tritt als Erste auf, als „Mari“, Terézia Moras Debüt als Dramatikerin. „Frieden ist, wenn jeder bleiben kann, wo er ist“, erklärt sie. Ihr selbst war das nicht vergönnt. Ihre Flucht, mutmaßlich aus Ungarn, führte sie durch vieler Herren Länder, sie war Illegale und Schwarzarbeiterin, sie hat ihre Entwurzelung akzeptiert. Neckisch, in heiterem Ton erzählt das die Dene und lässt kokett die silbernen Löckchen tanzen. Ihre Angst vorm Fliegen und vor Bettlern und vorm Fremden bezwingt sie, indem sie einem syrischen Flüchtling hilft, dem Fremden also ein Gesicht gibt. Und doch wird auch dieser Schritt keiner aus der Isolation sein.

Neckisch bis in die Löckchen: Kirsten Dene spricht Terézia Moras Monolog „Mari“, ein Flüchtlingsschicksal im Rückblick. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Autorinnen-Look-Alikes: Sylvie Rohrer und Frida-Lovisa Hamann spielen Elfriede Jelineks „Frau aus Österreich“. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Ganz anders die „Frau aus Österreich“, Elfriede Jelineks Beitrag zur Aufführung und der einzige, der für das Projekt nicht aktuell geschrieben wurde, sondern zu den Zusatztexten der „Schutzbefohlenen“ gehört. Hier will man „unter sich“ bleiben. Sylvie Rohrer und Frida-Lovisa Hamann fungieren als Autorinnen-Look-Alikes und sozusagen „Synchronsprecherinnen“. Mit weit aufgerissenen Augen berichten sie im Duett von der Festung Europa, die ein Kartenhaus ist, ihr Stier zum Schlachtvieh gemacht. Werte gilt es, wie Grenzsteine zu setzen, sagen sie, bevor sie in einem Erdloch in Deckung gehen.

Maria Happel ist Marusja, eine von der georgischen Autorin Nino Haratischwili zu Papier gebrachte Figur. Die Putzfrau, selbst Immigrantin und nun zu ihrer Schande dazu verdammt, in einem Flüchtlingsheim sauber zu machen, hat einen unbändigen Hass auf die „Hammelfresser“, die noch dazu von der Willkommenskultur der „Eingeborenen“ und ihrer „Armee von Freiwilligen“ verhätschelt werden. Eine Gunst, die sie nie erfahren hat! Wie die Happel zwischen Vorurteile dreschen, Tiraden schleudern, grotesk Grauslich sein und Mut zur Verzweiflung das Trauma dieser Marusja austariert, macht seine Mitte gleichsam zum Höhepunkt des Abends.

Maria Happel brilliert als ausländerfeindliche Immigrantin „Marusja“ von Nino Haratischwili. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Sofi Oksanen schreibt in „Darja und Mary“ über Elternglück im Sonderangebot: Katharina Lorenz und Catrin Striebeck. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Spricht Nino Haratischwili in ihrem Text das Ausspielen der sogenannten Wirtschafts- gegen die Kriegsflüchtlinge an, die Sorge um den längst angestammt geglaubten Platz, die Furcht und die Selbsterniedrigung vor denen, die das Sagen übers Kommen-Dürfen und Gehen-Müssen haben, zeigt Sofi Oksanen einen anderen Irrpfad ins vermeintliche Glück. In „Darja und Mary“ soll der Weg der Frau aus der Armut über den Verkauf des eigenen Körpers gehen, nicht Prostitution, sondern Eizellenspende. Katharina Lorenz und Catrin Striebeck gestalten diese Geschichte, die ein wenig aus der Reihe fällt, die vom kapitalistischen Prinzip von Angebot und Nachfrage erzählt, vom Fortpflanzungsdruck und Leistungsabfall in den Industriestaaten, während die, die nichts haben, „wie die Karnickel!“ … Skurril klingt, wie die Biografie der potenziellen Spenderin ins Positive geschönt wird. Alkoholismus und Freitod in der Familie passen nicht in den Warenkatalog der Babyagentur.

Bleibt als letzter Text Jenny Erpenbecks Szene „Frau im Bikini“, mit der noch einmal Frida-Lovisa Hamann auftritt. „Ich habe heute Nacht nicht geschlafen, ich habe die ganze Nacht gehasst“, zitiert sie Bismarck und zählt detailliert Waffenlieferungen deutscher Firmen in Krisengebiete auf. Wegen Terror und Tod traut sie sich nicht mehr nach Draußen, ihre Straßen-Flucht die nackte Neurose, so nackt, als müsse sie im Bikini gehen. Diese Inventur Europas aus dem Blickwinkel von Frauen, sie ist aufs Erste niederschmetternd, ist gekennzeichnet von Ausbeutung und Angst, Hetze und Hass. Gut tut da der Hoffnungsschimmer zum Schluss, die Tischgesellschaft, die von der Jelinek’schen Wortweberei bis zu Oksanens zartem Sprachgespinst alle eint. Ein Flachmann geht rum, Solidarität sollte als Chance gesehen werden. In weiblicher Hand wäre die Welt vielleicht nicht besser, aber mit Sicherheit … anders. Vorhang.

www.burgtheater.at

Wien, 12. 2. 2017

„Alles inklusive“: Doris Dörrie verfilmt ihren Roman

August 22, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Hannelore Elsner in der Hauptrolle

Hannelore Elsner, Nadja Uhl und Hinnerk Schönemann  Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH / Mathias Bothor

Hannelore Elsner, Nadja Uhl und Hinnerk Schönemann
Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH / Mathias Bothor

Doris Dörrie verfilmt ihren eigenen Roman „Alles inklusive“. Der Film erzählt vom Aufeinandertreffen einer Gruppe höchst unterschiedlicher Menschen, deren Leben durch ein schicksalhaftes Ereignis  in  der Vergangenheit verbunden sind. Eine melancholische  Komödie  über Mütter und Töchter, Liebeslust und -frust sowie die Unzulänglichkeiten bürgerlicher  und  alternativer  Lebensentwürfe.  Es   geht   um   die Absurditäten des modernen Reisens und unsere ewige Sehnsucht nach  dem Süden: Kann man das Glück buchen wie einen Urlaub – alles inklusive?  Auch das  Drehbuch  stammt natürlich aus der Feder von Dörrie.  In den Hauptrollen sind  Hannelore Elsner, Nadja Uhl und Hinnerk Schönemann zu sehen. Nach  dem  vielfach preisgekrönten Kinoerfolg „Kirschblüten – Hanami“ von 2008  ist dies die zweite Zusammenarbeit mit der  Schauspielerin  Hannelore Elsner. Weitere Rollen übernehmen Axel Prahl, Peter Striebeck,  Fabian Hinrichs, Juliane Köhler und Natalia Avelon.

Inhalt: Den albernen Vornamen verdankt  Apple  (Nadja Uhl)  ihrer Mutter Ingrid (Hannelore Elsner). Nie mehr will sie so chaotisch leben wie damals in ihrer Kindheit. In Spanien, in dem Zelt am Hippie-Strand von Torremolinos, 1967, als Apples Mutter eine wilde Affäre  mit  Karl hatte. Jetzt, dreißig Jahre später, erlebt die  Singlefrau  Apple  ein Liebesdesaster nach dem anderen und fühlt sich einzig und  allein  von ihrem Hund  verstanden.  Und  die  ehemalige  barbusige  Strandkönigin Ingrid, mit über sechzig immer noch rebellischer Freigeist, kehrt  nun nach mehr als drei Jahrzehnten als All-inclusive-Touristin zurück nach Torremolinos: Der Hippie-Strand existiert nicht mehr  und  vor  lauter Hotelbunkern, billiger Animation und  feiernden  Abiturienten  erkennt sie das ehemalige Fischerdorf kaum wieder. Die Begegnungen  mit  einem Bootsflüchtling (Elton Prince) und dem Transvestiten Tim –  bzw.  Tina (Hinnerk Schönemann) – zwingen Ingrid, sich  mit  ihrer  Vergangenheit auseinanderzusetzen. Als auch Apple  in  Spanien  eintrifft,  um  ihre Mutter zu besuchen, erlebt sie eine Überraschung. Kinostart: Anfang März 2014.

ZUR PERSON: Die  renommierte  Filmemacherin  und Autorin Doris Dörrie zählt  seit mehr als 30 Jahren zu den wichtigsten  RegisseurInnen im deutschsprachigen Raum und hat Kritiker-  und  Publikumserfolge  wie  die  Komödien  „Männer“ (1985)    und    „Keiner    liebt    mich“    (1994)     sowie     das melancholisch-lebensfrohe Roadmovie  „Kirschblüten  –  Hanami“  (2008) inszeniert.  Zu  ihren  jüngsten  Kinoarbeiten  zählen  der  mit   dem Bayerischen Filmpreis 2012 ausgezeichnete  Liebesfilm  „Glück“  (2012) und die Komödie „Die Friseuse“ (2010). Zusätzlich zu ihrer  Filmarbeit veröffentlicht Doris Dörrie Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher.

www.constantinfilm.at

Wien, 22. 8. 2013

Hommage an den Meister

Februar 8, 2013 in Bühne

Zwischen Kunst-Salon und Zitatefriedhof: Während die Schauspieler vorne über Kultur debattieren, laufen sie hinten als „Buñuel“-Film.
13.02.2012, von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/8

„Würgeengel“: Ein Drei-Stunden-Fest

Martin Wuttke zeigt im Burg-Kasino seine Version von Buñuels „Würgeengel“. Eine Herausforderung, die man annehmen muss.

Keine Frage: Martin Wuttke hat ein Meisterwerk geschaffen. Eine Abstraktion des Abstrakten, eine traumhafte Überhöhung des ohnehin schon Surrealen. Aber wie’s halt so sein kann mit Meisterwerken, erschließt sich auch dieses nur unter Anleitung.

Heißt: Voraussetzung für den Besuch von „Nach der Oper. Würgeengel“, der so genannten „masochistischen Komödie“, die der Burgstar selbst schrieb und im Kasino des Hauses in Szene setzte, ist im Grunde eine „Spezialführung“ durch die eigene Audio- und Videothek.

Wuttke nahm sich „Der Würgeengel“, den 1962 entstandenen Film von Luis Buñuel, als Folie für seine Fantasien – und verknüpfte ihn mit Wagners Oper „Tristan und Isolde“ und Schönbergs „Erwartung“. Wer weder Ersteren noch Zweitere kennt, wird sich mit dem neu entstandenen Dritten schwer tun. Für „Auskenner“ freilich war der Abend ein Drei-Stunden-Fest, visuell wie darstellerisch. Geprägt von Martin Wuttkes signifikanter Regiehandschrift.

Denkanstrengung

In Interviews beklagte der Theatermacher die Verweigerung von Denkanstrengung beim Publikum. Nun spaltete er das seine in zwei Gruppen: die schleichenden Abgeher und die tosenden Applaudierer. Nicht weniger als siebzehn Schauspieler, vier Sänger und ein zwölfköpfiges Kammerorchester (die Sänger und die Violoncellistin haben an der Handlung teil) braucht Wuttke für seine „Würgeengel“-Version.

Auch in dieser kann eine illustre Abendgesellschaft, die sich nach der Oper zum Souper im Salon Nóbile trifft, diesen aus unerfindlichen Gründen nicht mehr verlassen. Fadesse oblige. Also beginnt man – Buñuels Politkritik außen vor lassend – einen Diskurs über Oper.

Kunst-Salon

Über Realität und Spiel, über Wahrheit und Lüge, und Lüge, die zur Wahrheit wird. Der Salon wird dieser Gemeinschaft zur Kunstwelt, in die man sich vor der Wirklichkeit flüchtet. Zum Kunst-Salon.

Aus der Kultur gibt’s kein Entrinnen. Großartige u. a. Ignaz Kirchner, Catrin Striebeck, Oliver Masucci, Peter Matić, Maria Happel und Bibiana Zeller stellen das dar.

Sie sind auch die Protagonisten der wunderbaren Hintergrund-Videos im Buñuel-Stil. Eine schwarzweiße Hommage. Ein Zitatefriedhof, wiederbelebt.

Interview: Michael Thalheimer inszeniert „Elektra“

Februar 8, 2013 in Bühne

 „Elektra“: Ein großer düsterer Pinselstrich
„Ver-Dichter“ Michael Thalheimer inszeniert am Burgtheater Hugo von Hofmannsthals „Elektra“. Der Regisseur im Gespräch.

Er hätte, rechnet man die Orestie des Aischylos dazu, aus neun Elektren wählen können. Von Sophokles bis Ezra Pound, von Gerhart Hauptmann bis Eugene O`Neill. Michael Thalheimer hat sich für Hugo von Hofmannsthal entschieden. Dessen „Tragödie in einem Aufzug“ inszeniert er nun an der Burg. Und diese Betitelung macht auch klar, warum.

Regisseur Thalheimer, vom deutschen Feuilleton durchaus liebevoll „der Ver-Dichter“ genannt, findet diesen Teil der Arbeit hier schon vom Dichter erledigt: Das Entfernen von Abschweifigem und Überflüssigem, das Destillieren, das zur Quintessenz Eindampfen, das zum Kern eines Textes Vordringen. Kaum ein „Thalheimer“ dauert länger als 90 Minuten. Auch sein fabelhafter „Faust“ – an der Burg als Gastspiel – war ein konzentriertes Vier-Personen-Drama.

Klaustrophobisch

Hofmannsthal, sagt er, habe er gewählt, „weil er den Moment der Rache der Elektra fokussiert und das Ganze dadurch wie ein großes klaustrophobisches Gedicht wirkt.“ Nur die Familie, fünf Personen, sind da. Elektra, Tochter des mykenischen Königs Agamemnon, die ansehen musste, wie ihre Mutter Klytämnestra mit ihrem Liebhaber Ägisth den Vater tötete. Elektras Gegenbild in Gestalt ihrer Schwester Chrysothemis, „ein Weib, das ein Weiberschicksal (heißt: Mann und Kinder statt Tod und Verderben) will.“

Und beider Bruder Orest.

Am Ende der Metzler.

Ein Familientraumadrama, diesen „Riss in der Zeit“, entstanden durch Agamemnons Tod, das will Thalheimer zeigen. „Das Stück ist ein großer düsterer Pinselstrich von Hugo von Hofmannsthal. Er gibt das Format vor und ich folge ihm.“

Auf das Publikum wartet, um einen Kinotitel zu bemühen, ein Kampf der Titaninnen: Christiane von Poelnitz spielt die Elektra, Catrin Striebeck die Klytämnestra. Vor allem für Erstere wird der Abend zum Kraftakt. Elektra ist die ganze Zeit auf der Bühne. Thalheimer, früher selber Schauspieler, gelegentlich noch Schlagzeuger, weiß, was das heißt.

Tour de Force.

Die Antike hat’s ihm angetan. Zu zeitgenössischen Dramatikern, sagt er höflich, fehle ihm, wiewohl er sie für das Theater für absolut unverzichtbar halte, im Moment der Zugang:

„Es ist so: Mich führt es derzeit zu anderen Stoffen.“

Mensch bleibt Mensch

Die Orestie, Medea, Ödipus, Antigone hat er in Szene gesetzt. Von Interviewern gefragt, „was einem diese alten Texte noch zu sagen hätten“, ist er auch schon aufgestanden und gegangen. Der Mensch bleibt der Mensch bleibt der Mensch. „In der Orestie heißt es: Tun – Leiden – Lernen“, erklärt Thalheimer. „Das mit dem Tun und Leiden haben wir heraußen, aber Lernen ist das Schwierigste. Deshalb fällt man immer wieder zurück zum Tun-Leiden, Tun-Leiden, Tun-Leiden … Und hofft auf das Lernen. In der Mitte läge die Zufriedenheit des Menschen. Das Extrem fällt uns leicht: Wut, Trauer, Glück. Was uns schwerfällt, ist Zufriedenheit.“

Und zwar seit 2500 Jahren.

Thalheimer: Preise von Wien bis Moskau

Zur Person: Michael Thalheimer wurde 1965 bei Frankfurt am Main geboren. Arbeitete zunächst als Schauspieler an verschiedenen deutschen Stadttheatern, seit 1997 Regisseur. Von 2005 bis 2008 leitender Regisseur und Mitglied der Künstlerischen Leitung am Deutschen Theater Berlin. Thalheimers Inszenierungen erhielten viele Auszeichnungen, u.a. den 3sat -Innovationspreis, den Wiener Theaterpreis „Nestroy“ und die Moskauer „Goldene Maske“.

Zur Inszenierung: In „Elektra“ spielen neben Christiane von Poelnitz und Catrin Striebeck Adina Vetter (Chrysothemis), Falk Rockstroh (Ägisth) und Tilo Nest (Orest).