Kino: Stirb langsam 5 – Ein guter Tag zum Sterben

Februar 19, 2013 in Film

Bruce will es

Auf IHN war bisher immer Verlass. Seit 1988. Nach Omas Geburtstagsfeier, bei der  Kurti-Onkel sein Drei-Stunden-Mallorca-Video zeigte und ein Selbstmordversuch mit Salzknabberzeugs nicht gelang. Zu Weihnachten, wenn diverse Nichten und Neffen gefühlte 500 Päckchen öffneten, weil die Mamis zum Jubel der Kinder jedes Game einzeln eingewickelt hatten. Wenn ein Tag in der Redaktion wieder einmal so richtig super war …

Heimkommen, 22.45 Uhr, Fernseher – und nach eigenem unendlich scheinendem Siechtum endlich sagen: Stirb langsam! Blut muss fließen! Wo ein Willis ist, ist auch ein Weg.

Nun ist die Actionglatze im Kino bei Teil 5 seiner Schredderreihe angelangt: „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“. Um es gleich vorweg zu nehmen: Teil 4.0 war besser. Hier gibt’s viel In-die-Luft-Bomberei, viel Feuerzauber, aber wenig Handlung. Nach einem Hochhaus, einem Flughafen und halb New York City tritt Cop John McClane diesmal an, Moskau zu zerlegen. Weil: Jack jr (der aus der TV-Serie „Spartacus“ bekannte Jai Courtney) hat sich dort  in die Bredouille gebracht und wird vor Gericht gestellt; also: McClane auf Richtung Russlands Metropole.

Muss man erwähnen, dass das legendäre Feinrippunterleiberl am Ende sehr zBruce Williserrissen und ziemlich blutig sein wird?

Was Daddy nicht weiß: Jack ist mittlerweile bei der CIA und soll einen politischen Gefangenen (Sebastian Koch als Komarov) aus seinem Prozess raus schießen. Papa mischt sich ein und schon fliegen die Fetzen. Und zwar so richtig weltretterisch, leicht hirnlos, amerikanisch: Es geht nämlich um Tschernobyl und eine Geheimakte, die dort in einem zur Ruine verfallenen Luxushotel versteckt sein soll, mit deren Hilfe die Wahl eines korrupt-terroristischen Politikers zum Justizminister verhindert werden könnte. Doch der alte Haudegen McClane hat eine bessere Nase als sein Sohn. Nichts ist hier so wie es scheint.

Nichts desto trotz brechen die beiden nach Tschernobyl auf, das heute in der Ukraine liegt. Aber welcher Grenzposten würde schon zwei Amerikaner unter die Lupe nehmen, die aus Russland kommen? Die werden schon nicht die Tymoschenko befreien wollenIm Nuklearkatastrophengebiet gibt man sich modisch-lässig im Lederjackerl, aber die Bösen brauchen auch keine Schutzanzüge, die haben einen Wunderspray, um die Radioaktivität auf Null zu senken.

Ist das Leben nicht einfach? Nein.

Denn der politische Gefangene entpuppt sich als Schurke, der im Hotel waffenfähiges Uran im Wert von einer Milliarde Dollar gebunkert hat und jetzt einen Meistbietenden sucht (hier ein Stück Realität, denn in Afghanistan, Irak oder bei 9/11 war die CIA ja auch ahnungslos …) Jedenfalls stirbt der Unhold sehr schön – eine Reminiszenz an Alan Rickman in Teil eins.

Die US-Presse reagierte auf den Film unterkühlt bis vernichtend. Gut, das Ganze lebt vom Bruce-Willis-Schmäh, seinem Hang zur Satire und der Gnade, dass der Superstar sich und seine Rolle in keinem seiner Filme wirklich ernst nimmt. Doch  „Seewolf“ und „Stauffenberg“ Sebastian Koch ist ein würdiger Antagonist – erst armes Hascherl in Handschellen, dann Halunke mit hämischem Lachen. Ohne dabei zur Gangster-Karikatur zu werden. Und Jai Courtney – naja: Wie der Vater so der Sohn. Immerhin ist „Stirb langsam 5“ Til Schweigers „Kokowääh 2“ im Kampf um Platz eins der Kinocharts schon hart auf den Fersen. Der eine nimmt halt lieber Popcorn, der andere Gummibärli mit in den Kinosaal. Ernährungstechnisch wertvoll ist beides nur begrenzt. Aber: So sicher wie „Kokowääh 3“ kommt, kommt „Stirb langsam 6“.

Yippie Ya Yeah Schweinebacke!

www.stirblangsam-derfilm.at

www.diehardmovie.com

Von Rudolf Mottinger
Wien, 19. 2. 2013