Arman T. Riahi : Die Migrantigen

Juni 10, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Am Schauplatz Filmsatire

Benny und Marko machen auf „Migrationshintergrund“: Faris Rahoma und Aleksandar Petrović. Bild: © Golden Girls Filmproduktion

Vorgestellt werden die beiden Protagonisten so: Szene 1, der Schauspieler: Benny, der Typ mit den pechschwarzen Haaren, der nach irgendwo zwischen Ägypten und Arabien ausschaut, erdreistet sich für die Rolle eines Wiener Strizzi vorzusprechen. Ja, dass es da einen Taxifahrer Omar im Skript gibt, hat er gelesen, aber er doch nicht …!

„Man kann’s auch übertreiben mit der Integration“, befindet „Regisseur“ Josef Hader trocken. Und draußen ist Benny bei der Tür. Szene 2, der Werbefachmann: Marko hat für das „Dr. Mate“-Getränk eine neue Kampagne entworfen. Doch „der Kunde“ Dirk Stermann ist enttäuscht. Er hat sich von Marko „etwas Tschuschenhaftes“ erwartet. Und weg ist der Auftrag. So trifft sich der eine mit der Clique zum laktosefreien White Russian, der andere mit seiner Lebensgefährtin zum Kinderwagenkauf, weil sie: hochschwanger. Ach, wie hart ist das Bobo-Leben, wenn die anderen in einem in erster Linie den Migrationshintergrund sehen …

Mit „Die Migrantigen“, ab 9. Juni in den heimischen Kinos, ist Filmemacher Arman T. Riahi eine fantastische Satire auf die Dysfunktionalität der Multikultigesellschaft gelungen. In einem rasanten Bilderbogen schickt er seine großartigen Hauptdarsteller Faris Rahoma und Aleksandar Petrović auf eine Tour de Farce, in der er genüsslich alle möglichen Klischees und Vorurteile, Schubladendenken und Stereotype bedient, um sie anschließend in ihre Bestandteile zerlegt. Auf aberwitzige Art zeigt er, wie anfällig Zusammenleben ist, und wie allzu leicht man sich ein Bild macht, wenn es das ist, an das man ohnedies glauben will. Die Fehlerhaftigkeit dieses Ansatzes zeigt Riahi auch, indem er keine Rolle in einem Herkunftsland verortet, es wäre für den Film auch völlig gleichgültig. Nur Marko wird als „Ex-Jugo“ ausgewiesen, weil er gar so verbissen gegen seine Wurzeln, heißt eigentlich: gegen seinen Vater ankämpft.

Herr Bilic lässt sich durch sein Grätzel chauffieren: Zijah A. Sokolović. Bild: © Golden Girls Filmproduktion

Wie sich Ausländer-Gangsta halt so aufführen: irgendwie wild und weird. Bild: © Golden Girls Filmproduktion

Marko und Benny, die Freunde, sind also pleite. Und gerade als sie im Glasscherbenviertel Rudolfsgrund ein altes Sofa von Markos Vater entsorgen, steht sie da: die beflissene Fernsehredakteurin Weizenhuber, Doris Schretzmayer, die „jemand Authentisches“ für eine TV-Serie über das Grätzel sucht. Für so eine ultimativ integrativ leiwande Story. Da greifen die beiden zu, der eine, weil er Ruhm, der andere, weil er Geld wittert. Sie geben der naiv-sensationsgeilen Weizenhuber, was sie sehen will.

Und verwandeln sich in die beiden Kleinkriminellen Tito und Omar Sharif. Das heißt: So einfach ist es nicht, denn die beiden haben ja keine Ahnung. Sie müssen unter den „Brüdern“ recherchieren. Irrwitzige „Wir tauchen in die Szene ab“-Szenen folgen, wenn Rahoma und Petrović mit Prolo-Lederjacke und Trainingsanzug um die Häuser ziehen, laut kurdische Musik vor einem türkischen Lokal spielen, aus einem „Tschuschenbeisl“ fliegen.

Weil sie die Männer ringsum anstarren. Oder einen Stand mit Bio-Kebap suchen. Lieblingsdialog: „Mit scharf?“ – „Nein, mit Lamm.“ Schließlich engagieren sie sogar Juwel (Mehmet Ali Salman) als Ausländercoach. Dass der die beiden Möchtegern-Migranten verarscht, wird Folgen haben … Riahi verschont in seinem Film niemanden. Weder die Zuagrasten, die in ihrer mitgebrachten Welt steckenbleiben, noch die Hiesigen, die nicht über den Tellerrand hinaussehen wollen. Und schon gar nicht die Medien, die sich auf der Suche nach Berichtenswertem aus sozialen Brennpunkten, nach dem Culture-Clash, wie die Trüffelschweine durch Blut und Boden wühlen. In einer sehr schönen Szene spricht Prekariatsösterreich in die Kamera. Und klagt, was sonst? Dass der Asylant ebenso viel Mindestsicherung kriegt. Man selber dafür keinen Leberkäs und keinen Schweinsbraten mehr auf dem Markt. Und der Wirt, dass es kein G’schäft sei, weil die alle keinen Alkohol trinken.

Juwel hat von der TV-Tante bald die Nase voll: Doris Schretzmayer und Mehmet Ali Salman. Bild: © Golden Girls Filmproduktion

Und so machen Marko und Benny auf Gangsta und merken gar nicht, dass sie mit ihrem übertriebenen Gehabe, nämlich weil sie ihrerseits jeden Schwachsinn, den Juwel ihnen über Drogen-Sex-Geldwäschegeschäfte erzählt, glauben, dem Ruf des Viertels ernsthaft schaden. Derart outrieren sie, derart gehen sie in ihren Rollen auf, dass die Stadt Wien von einer geplanten Revitalisierung wieder Abstand nehmen will.

Als dann auch noch unbescholtene Marktstandler ins Visier der Behörden geraten, weil jedermann die TV-Serie für echt nimmt, eskaliert die Situation … „Die Migrantigen“ ist nicht nur eine herrlich komische, hundsgemeine  Chaos-Komödie, sondern befasst sich scharfsinnig und mutig mit Identitätsfragen und eben jener, ob Herkunft und Nationalität zum bestimmenden Charakteristikum eines Menschen zu erklären sind. Der Film ist von einer wilden Wahrhaftigkeit. Mit Rahoma, Petrović, Salman und Schretzmayer spielt eine tolle Truppe: Zijah Sokolovic ist als Markos Vater, Herr Bilic, der in den 1970er-Jahren als Gastarbeiter ins Land kam, Daniela Zacherl als Markos Freundin Sophie zu sehen. Margarethe Tiesel ist Bennys Mutter Monika. Maddalena Hirschal und Mahir Jamal geben ein befreundetes Paar, das Benny und Marko zu Hilfe kommen will, indem sie das Spiel für die Weizenhuber mitspielen. Sie als Ostblocknutte Olga, er als schwarzer Drogendealer Jambo. Wie die beiden – schon wieder Klischees – bei ihren Bemühungen übers Ziel hinausschießen, ist das Kabinettstück des Films.

Die Message desselben bringt Herr Bilic auf den Punkt: „Weißt du was diese Stadt wäre, wenn sie keine Menschen wie uns hätte? Was dieser Bezirk ohne uns wäre? Diese Stadt würde nicht funktionieren. Keine Stadt der Welt würde funktionieren.“

www.diemigrantigen.at

Wien, 10. 6. 2017

Stermann & Grissemann: Gags, Gags, Gags!

März 24, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Pleiten, Pech und quasi Pensionsreife

Die 1165. Ausgabe von „Willkommen Österreich“ im Globe Wien: Stermann und Grissemann gehen auf der Bühne nie die „Gags, Gags, Gags!“ aus. Bild: © Udo Leitner

Etwas Zeit muss man schon aufwenden. Weil, es dauert bis tausend Tassen an den Mann bzw. die Frau gebracht sind. Christoph Maria Grissemann und Dirk Stermann sind diesbezüglich Profis, ORF-geschulte Aus- und ergo am längeren Ast Sitzer. Es wird verlegen gekichert, ist das jetzt das Ende?, der eine oder andere wirft einen verstohlenen Blick auf die Uhr, Zehn vorbei wär’s schon … Die beiden Stoiker auf der Bühne haben ihren Platz in dieser Ordnung erkannt und füllen ihn aus – den Ort, von dem aus sich das Publikum gut bezwingen lässt …

Stermann & Grissemann haben ein neues Programm, das heißt, nein: Mogelpackung. In Wahrheit hieven sie nur die 1165. Folge von „Willkommen Österreich“ auf die Theaterbretter. Diese sind bei der Premiere in Michael Niavaranis Globe Wien, und der Abend, der „Gags, Gags, Gags!“ heißt, könnte ebenso gut den Titel „Pleiten, Pech und quasi Pensionsreife“ tragen. Denn: Everything that possibly can go wrong does go wrong. Aus der Nummer sicher wird ein Auswärtsspiel mit ungeahnten Konsequenzen, die Selbstdemontage des – ja, was? – Komiker-, Conférencier -, Ungustlduos erreicht ungeahnte Dimensionen.

Das liegt vor allem an den illustren Gästen, die – allesamt absagen. Josef Hader sitzt am neuen Berliner Flughafen fest, das kann Jahre dauern, Tobias Morettis Taxifahrer hat sich verfranzt, André Heller hat – no-na – Wichtiges, mehr auf seinem Niveau Befindliches zu tun. Selbst Ina Müller zieht einen Auftritt in Leipzig vor. Und so wurschteln sich die beiden Wurschtl durch den Abend. Mit dem üblichen Durch-den-Kakao-Geziehe von wichtigen Menschen und anderen Kollegen. Großartig die Zuspielung, in der Karim El-Gawhary von einer Frauendemo in Kairo zu berichten versucht, bei der nur Männer durchs Bild marschieren. Oder die „Konkret“-en Backversuche von Claudia Reiterer. Oder Beinah-UHBP Norbert Hofer als Haken einer Kreuzfahrt. Oder ein Innsbrucker FPÖ-Mandatar im englischsprachigen Interview mit einem russischen TV-Sender. Thema: Österreichs Flüchtlingspolitik, aber nie werden wir erfahren, was der Mann mit seinem Entsetzensruf „Stop the Birds!“ meinte … Das ist Realsatire, das ist politisch unkorrekt par excellence. Schön zu sehen, wie sich Stermann & Grissemann bei ihren Pubertätsobszonitäten selber bestens unterhalten.

Ein Russkaja-Bandvideo und eine Backstagekamera illustrieren das Ganze. Mittels Letzterer ist auch Hausherr Nia zu sehen, an’bissen, weil er nur Showgast B ist, beleidigt, weil er sicher nicht die „Zweitbesetzung“ für den Hader gibt. Auf Verstimmung folgt Streit und des behaartesten Persers Österreichs Aufbruch. Und der Abbruch! Regisseurin Angelika beendet den Desaster-Abend wegen Erfolglosigkeit. Und das trotz der beiden Highlights – Grissemann als mit einem Sprachfehler gestrafter Online-Sounddesigner und Stermann beim exzentrisch-exaltierten Schauspielunterricht. Einem Sketch, nicht nur wegen der silly walks, auf Monty-Pythons-Niveau. In diesen Szenen sind die zwei, wie man sie kennt und liebt: skurril und ein bissl unappetitlich.

Schauspielunterricht auf Monty-Python-Niveau. Bild: © Udo Leitner

Und natürlich: Weißweinverkostung. Bild: © Udo Leitner

Stermann & Grissemann, die Karfiolfrisur und der Mann mit der Altersakne, schenken sich nichts. Und sie schenken sich ein. Diesmal chilenischen Weißwein mit komplett grauslicher Expertise eines Entnazifizierungswinzers. Die beiden sehr allein gelassenen Alleinunterhalter brillieren in jeder Rolle. Aber am Schönsten: Nach lärmendem Klamauk folgt diesmal die Stille. Das ist berührend und beinah genial. Am dystopischen Schluss des Abends haben sich die Satiriker zur Ruhe gesetzt und sinnieren aus dem Jahr 2035 rückwärts über diverse Entertainment-Abenteuer.

Dieses Karriereende motiviert auch den Finanzvorschub leistenden Häferlverkauf auf offener Bühne. 9,99 Euro das Stück – ein Schnäppchen. Bücher – für 19,99 Euro. Schließlich kauft sogar Nia ein Buch und wird natürlich ums Wechselgeld g’stoßen … Stermann & Grissemann agieren demokratie- und medienkritisch wirksamer, als so manche diesbezüglich beflissene Theatertruppe. Sie balancieren mit Verve auf dem schmalen Zeitgeistgrat zwischen Selbstverbesserung und Selbsternüchterung, sie hangeln sich von laut lachen zu leise resignieren.

Souverän bewegen sie sich zwischen Beschimpfung, bizarrer Persiflage und Polemik. Berühmte Doppelconferenciers im Himmel, Farkas/Waldbrunn, Laurel & Hardy, Helmut und Qualtinger, stehen Pate. Die Anstrengung hat sich gelohnt, so sie denn je eine war.

Schlaf gut! – Du auch!

Ich liebe dich! – Du auch!

www.stermann-grissemann.at

Wien, 24. 3. 2017

 

Rabenhof: Stermann & Grissemann als „Sonny Boys“

Februar 11, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Wie Thomas und Bernhard der Kleinkunst

Christoph Grissemann, Matthias Hartmann und Dirk Stermann Bild: © Rabenhof / Udo Leitner

Die deutsche Kochschau im TV: Christoph Grissemann, Matthias Hartmann und Dirk Stermann. Bild: © Rabenhof / Udo Leitner

Christoph Grissemann und Dirk Stermann spielen Stermann & Grissemann. Das hat immer funktioniert, das sind zwei Charaktere, die sich im Schlaf kennen, never change a running system, also gibt’s den vollen Spiel-Plan. Von Alkimage bis Glücksspielproblem, von Hassliebe als Programm bis neuerdings Paartherapie, von zynischem Witz bis staubtüchltrockenem Humor. Die beiden Abstauber der einheimischen Hirnrissigkeiten haben es halt nie notwendig gehabt, sich zu verkleiden. Zwei so große Entertainer.

Authentischer als sie ist nur Peter Rapp, der plötzlich wie ein Busenblitzer auftaucht. Der König des verbalen Scheißminix nimmt Stermann & Grissemann in die Untertanenpflicht, das ist schon spaßig, wollten sie doch statt seiner endlich selbst komplett am Rad drehen. Aber: Verwechslung der Geldausgabeautomaten. Getroffen hat’s ergo einen Exschistar, der ORF-Österreich beigebracht hat, wie sexy Bildungslücke sein kann …

Stermann & Grissemann haben eine Kleinkünstlerdystopie entworfen. So knapp vorm Lotte-Tobisch-Altersheim und kurz vor der Wahl migrantisches Volkstheater oder Musical mit Marika Lichter. Das heißt, entworfen haben nicht sie, sondern eine New Yorker Nachwuchshoffnung namens Neil Simon, der mit seiner Boulevardkomödie „Sonny Boys“ auf den Durchbruch hofft. Ein vorprogrammierter Bühnenhit, der hierzulande leider noch nie zu sehen war, wiewohl Kombinationen wie Otto Schenk und the late Helmuth Lohner oder Harald Serafin und Miesepeter Weck bestens dafür geeignet gewesen wären. So lag’s an den Grumpy Old Men der medialen Entäußerung diesen potenziellen Publikumserfolg aus der Taufe zu heben. Und sie taten’s so, dass nicht mehr klar ist, wo N.S. aufhört und „Die deutsche Kochschau“ anfängt.

Diesen Uralt-Sketch bereiten sie nämlich vor, die Unterhaltungsuntoten. Für eine verrappte ORF III-Show mit dem Titel „Was haben wir gelacht“. Nicht jeder kann wie Al Lewis und Willie Clarke auf eine Krankenschwesterntracht setzen, wiewohl Magda Kropiunig als Grissemanns Cousinen-Managerin das Ihre tut, um eine ins Spiel zu de­kolle­tie­ren. Es wird gespuckt statt gepiekst – aber rotzdem: Eklat. Die abgehalfterten Zugpferde werfen sich selbst aus der Ex-Promi-Laufbahn. Ein weiterer, der gewesene Burgtheater-, nunmehr TV-Programmdirektor, versagt verzagt mit sehr viel Selbstironie via Video. Matthias Hartmann, Servus!

Derlei Gags machen nicht verlegen, entwirft sich das Bashing doch mittels einer geschmacksintensiven Runde. Vom bierbewerbenden Adiposiburgstar über den zum Gartenzwerg degenerierten Autonarrbarettisten, vom Proleten-„Kaiser“ über den persischen Schlachthaus-Shakespeare bis zur dreiköpfigen Staatskünstlermade im Innenpolitikspeck. Merke: Wer selbst eine gekillte Katze auf dem Kopf hat, soll nicht über anderer Leute Frisur lästern, und alles, was noch Kohle bringt, kommt sowieso nicht vor. Man soll die Hand ja handzahm beißen. Miri und Uschi beim Schlammcatchen, das geht grad noch von wegen tagesaktueller Watschn. Und natürlich Thomas Gratzer. Der Hausherr und Regisseur stellt sich den Rabennestbeschmutzern gern zur Verfügung.

Ach, Stermann & Grissemann, das ist wie Thomas und Berhard der Kleinkunst. Das Dämonische in uns ist ein immerwährender vaterländischer Kerker, in dem die Elemente der Dummheit und der Rücksichtslosigkeit zur tagtäglichen Notdurft geworden sind. Danke, Wasserkraft. Um den Verbund einer gewesenen Karriere geht’s anno 2027 naturgemäß. Szenen einer Künstlersilberhochzeit. Von „Salon Helga“ bis Songcontest, von „Willkommen Österreich“ bis ROMY-Preisverleihung. Stermanns Islamgag hat die beiden einst aus der berüchtigten Gala gekickt. Nun haust Grissemann griesgrämig in my home is my Höhle und verabscheut Sir Stermann mit Inbrunst. Grissemann ist auch abseits von Grissemann ein großartiger Schauspieler. Mit Fistelstimme hysterlt er sich in den Herzkasperlmodus, ein Altherrenschlurf in Schlabberhose. Stermann ist dagegen trockengeföhnt die perfekte Mischung aus Jopie Heesters und Richard Gere. Neil Simons gallige Verzweiflungsdialoge präsentieren die beiden angemessen selbstverliebt; Timing und ergo Pointen sitzen; Thomas Gratzer hat eine Gabe für Slapstick und viel Sinn für Nonsense.

Das Drillpüree wird diesmal allerdings mit Traube statt Nuss serviert, das totale Sieb ist nur noch ein Tee-Ei. „Wenn ich Spaß hätte haben wollen, hätte ich eine Eintrittskarte gekauft“, sagt Grissemann bei den quasi Fernsehproben zur narzistischen Küchenschlacht. Haben wir (zugegeben nicht) und sehr gelacht. Als Wiedergänger in ihrer Version von Simons Comedyklassiker passen die beiden wie hing’spuckt. Als hätte da einer von der Bronx aus an die Exzentriker in Erdberg gedacht und ihnen die Sätze in der Garderobe hinterlegt. Man kann gar nicht genug Neurosen streuen. Auch der Kropiunig übrigens, die sich der herrschenden Betriebstemperatur fabelhaft anpasst. Und the one and only Peter Rapp, der sich beim Schlussapplaus gekonnt ins Spotlight stellt. Da ist Stermann bereits deutlich desorientiert und Grissemann schon in eine dunkelgraue Unterflak umgestiegen. Das Alter ist ein Massaker – hier ist der Beweis.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=VuYDHeXHh64

Stermann & Grissemann im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=17222

www.rabenhoftheater.com

Wien, 11. 2. 2016

Stermann & Grissemann im Gespräch

Januar 29, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Spielen Neil Simons „Sonny Boys“ im Rabenhof

Christoph Grissemann, Magda Kropiunig und Dirk Stermann Bild: © Rabenhof / Udo Leitner

Christoph Grissemann, Magda Kropiunig und Dirk Stermann
Bild: © Rabenhof / Udo Leitner

Die Bad Boys des österreichischen Entertainments outen sich endlich als Boulevardschlampen: Christoph Grissemann und Dirk Stermann sind im Altersfach angekommen – und spielen im Rabenhof Neil Simons Kracherkomödie „Sonny Boys“. Was natürlich heißt, dass es die beiden auf ihre Art krachen lassen werden. Sie haben sich den US-Comedy-Klassiker einverleibt und erzählen mit ihm ihre ureigene Geschichte. Die Kleinkünstlerdystopie von Dirk und Christoph, einst ein gefeiertes, exzentrisches Komikerduo. Doch die Star-Kabarettisten konnten sich nicht ausstehen und irgendwann war mit der Karriere Schluss, die Trennung folgte.

Aus den Solokarrieren wurde nichts. So versuchen sie sich mit zweitklassigen Werbespots über Wasser zu halten, leben aber hauptsächlich depressiv dahingrantelnd in den Tag hinein und pflegen ihre Neurosen, bis Christophs Cousine den beiden die Chance bietet, sie nach jahrelanger TV-Absenz zurück ins Geschäft zu pushen.  Allerdings müßten die in die Jahre gekommenen Diven dazu ihren Streit begraben … Magda Kropiunig als Cousine ist die dritte im Bühnenbunde; Hausherr Thomas Gratzer führt Regie; Premiere ist am 10. Februar. Ein Gespräch:

MM: Die entscheidende Frage – wer piekst wen?

Dirk Stermann: Wir pieksen nicht. Ich bespucke Herrn Grisseman. Aber nicht absichtlich, sondern weil ich eine feuchte Aussprache habe. Den „Klassiker“ mit dem Finger haben wir abgeschafft, weil das für uns albern war. Wir spielen ja nicht den Arzt-Sketch von Willie Clark und Al Lewis, sondern einen Sketch, den wir beide tatsächlich einmal gespielt haben. Und in dem wird nicht gepiekst, sondern nur gespuckt.

MM: Wie kam es zu der Idee „Sonny Boys“ zu machen?

Christoph Grissemann: Das hat Thomas Gratzer über unsere Köpfe hinweg entschieden. Er verfolgt uns mit der Idee seit acht Jahren – da waren wir also noch wesentlich jünger -, aber obwohl er uns pausenlos damit in den Ohren lag, wollten wir’s nicht machen. Eine Boulevardkomödie! Wir fanden schon den Humor seltsam, weil er ganz anders ist, als das was wir sonst veranstalten. Aber nachdem wir das Stück sehr akribisch gelesen haben, sind wir draufgekommen, dass es wie wahnsinnig auf uns passt. Es ist von Herrn Simon in weiser Voraussicht für uns geschrieben worden. Ich musste ein paar Mal laut auflachen, weil Sätze nahezu wortwörtlich zwischen Dirk und mir gefallen sind. Irgendwo in der Provinz. Es hat eine so frappierende Ähnlichkeit, dass wir sagten: Ja, gut.

Stermann: Die Situation ist für uns wie gemalt, als hätte Simon gewusst, dass da in Österreich zwei Typen schon so lange intensiv zusammenarbeiten, mit Höhen und vielen Tiefen. „Sonny Boys“ ist ein hochgradig sentimentales Liebesstück über zwei Männer. Es geht um Altersdepression, Missmut, Zynismus und Verachtung im Unterhaltungsgeschäft – das passt auf uns.

MM: Die Atmosphäre stimmt also?

Stermann: Das wurde uns beim intensiveren Nachdenken sofort klar. Das ist genau unsere „Farbe“, gar nicht so sehr die Humor-Farbe, sondern die atmosphärische Farbe trifft’s total.

Grissemann: Finde ich auch. Der Wechsel zwischen Alltag und Komik – was man mit dem Partner erlebt, man muss auf der Bühne den witzigen Strahlemann machen, kaum kommt man nach der Vorstellung in die Garderobe, hat man keine Lust mehr auch nur miteinander zu reden -, also die Tragik, die jedem Komiker innewohnt, die kennen wir auch. Und die wird in diesem Stück natürlich sehr gepflegt.

MM: Sie haben „Sonny Boys“ auf sich zugeschnitten. Wie wird sich das auswirken?

Stermann: Wir sind die Figuren. Es geht tatsächlich um unsere Vita, um unsere Karriere, das Stück wird nach Wien verlegt. Das heißt: Es wird FM4 vorkommen, der ORF, das Umfeld, in dem wir uns bewegt haben. Auch namentlich, es werden Namen von Kolleginnen und Kollegen genannt, mal sehen, wie die sich freuen …

MM: Und der Kernsatz Ihrer „Sonny Boys“? Sympathy für the Antipathie?

Stermann: Die Mischung aus liebevollem Hass und hasserfüllter Liebe. Dass man aneinander gekettet ist, miteinander muss, eigentlich nicht mehr will, aber auch nicht ohne einander kann. Das Stück spielt in der Zukunft, wir sind zehn Jahre älter, und tun so, als hätten wir uns getrennt. Das Gefühl, sogar während wir’s nur proben, sich vorzustellen, dass ich den Christoph zehn Jahre nicht gesehen habe, ist so stark, dass es mitunter kaum zum Aushalten ist. Weshalb ich versuche, es nicht aufkommen zu lassen.

MM: Was könnte theoretisch passieren, dass Sie sich trennen?

Grissemann: Da müsste wirklich was großes sein. Es sind ja schon Dinge passiert und wir haben uns trotzdem nicht getrennt.

MM: Dinge? Fremdgehen, Betrug, Diebstahl …

Grissemann: Ach, Diebstahl …

Stermann: Christoph bestiehlt mich seit Jahren. Vor allem die Hälfte meiner Gage.

Grissemann: Und Zigaretten. Und Essen. Und einmal auch Geld aus deiner Brieftasche (Zwischenseufzer Stermann: Ich weiß!). Alles unter Mord ist kein Grund.

Stermann: Auch Mord nicht zwangsläufig. Da müsste man schauen, ob im Affekt oder wie.

MM: Einer meiner Lieblingsdialoge ist: „Pass‘ mal lieber auf, ich werde dir die Show stehlen.“ – „Sag‘ mir, wenn es soweit ist, das möchte ich nicht verpassen.“ Kennen Sie solche Momente, gibt es Rivalität auf der Bühne?

Stermann: Nona, natürlich gibt’s Rivalität. Natürlich buhlt man als Paar um die Gunst des Publikums, aber auch als Einzelperson. Und wenn er dann wieder so einen Lauf hat, das nervt mich ein bisschen, ehrlich gesagt.

Grissemann: Zwei Läufe in zwanzig Jahren!

Stermann: Aber die haben mich beide genervt.

MM: Frau Kropiunig, Sie spielen die Cousine vom Grissemann.

Stermann: Sie ist Krankenschwester, Neffe und Agentin – zusammengefügt in der Figur Cousine.

MM: Frau Kropiunig, wie passt man sich in dieses Duo ein? Wie und wo hat man da Platz?

Magda Kropiunig: Es fühlt sich nicht viel anders an, als bei anderen Theaterproben. Es ist überhaupt nicht so, dass Stermann und Grissemann für sich sind, und alle anderen müssen schauen, wo sie sich unterbringen. Wenn die beiden ihre Dialoge haben, ist es schon sehr eigen, sicher anders, als wenn sich zwei Schauspieler gerade erst kennengelernt haben. Aber sonst, alles gut, alles normal. Ich bin übrigens auch nicht Krankenschwester, wie eben gesagt, sondern die einzige lebende Verwandte, die sich um Christoph noch kümmert. Aus dieser Pflicht versuche ich als Agentin meinen Nutzen zu ziehen.

Sterman: Wie Sie hören, total klug zusammengesetzt diese Rolle.

MM: Ist das der härteste Job, den Sie jemals hatten? Man kann sich über diese Figuren nicht mit einem Sarkasmus drüberwitzeln, man muss Sie in Ihren Befindlichkeiten ernst nehmen. Können Sie überhaupt etwas ernst nehmen?

Stermann: Ich spiele Stermann. Und ich nehme Stermann sehr ernst. Ich glaube, es würde mir schwerer fallen, Grissemann ernst zu nehmen, aber das ist auch nicht meine Aufgabe, sondern Christophs Problem. Ich denke aber, er wird es schaffen. Er kennt sich nun ja schon eine Weile und ist sich selbst sehr nah.

MM: Aber ist dieses Verschwimmenlassen der Kunstfiguren und der Privatpersonen Stermann & Grissemann nicht gefährlich? Erlauben Sie da den zahlreichen Fans nicht einen Blick hinter die Kulissen, der sich ungünstig auf Ihr Image auswirken könnte? Weil, bis jetzt klingt das alles so altherrensentimental …

Stermann: Wir spielen sowieso mit uns als Menschen. Wir tun doch immer so, als würden wir uns in der Öffentlichkeit präsentieren. Das fällt nicht so schwer. Was altherrensentimental angeht, ich denke, das steht uns mittlerweile zu. In bin in einem Alter, wäre ich nicht gebürtiger Deutscher und würde es mich reizen, ich wäre prädestiniert als Bundespräsidentschaftskandidat.

MM: Und als solcher sogar noch unter den Jüngeren. Herr Grissemann, möchten Sie zum Thema Altherren etwas sagen?

Grissemann: Nein, danke.

Kropiunig:  Ich aber noch zu „härtester Job“. Boulevard, und das sage ich, obwohl sich unsere Fassung davon schon entfernt hat, ist die Königsklasse. Da muss der Text sitzen, die Pointen, das Timing. Man muss wissen, wie man das spielt, wo man Tempo macht und wo Pausen. Die Charaktere, die wir zeigen, sich radikal, pur, echt. Auch das muss man erst einmal bringen.

MM: Sie spielen also quasi das Lachen, das uns im Hals stecken bleiben wird, wenn wir sehen, wie der ausrangierte Künstler in seinem eigenen Dreck … (zu Stermann:) Was gibt’s da zu kichern, ich meine das todernst … haust und die Sozialversicherungsbeiträge nie eingezahlt hat und kein Anrecht auf Arbeitslose oder Pension hat und der Altersarmut entgegengleitet …

Stermann: Wir machen aber keinen Ulrich-Seidl-Film: „Im Keller des Kleinkünstlers“, sondern immer noch Komödie.

Kropiunig: Und die ist sehr sympathisch. Obwohl wir alle in Grissemanns Dreck sitzen, ist es sehr sympathisch.

Grissemann: In Wahrheit schaut es entsetzlich aus, es ist völlig unaufgeräumt. Aber auch das ist vielleicht ein gar nicht so entferntes Zukunftsszenario für mich. Das ist in unserem Beruf ja schnell der Fall: Kein Fernsehen mehr – und die Altersarmut ist da. Alkoholismus. Kann alles passieren.

MM: Das heißt, wenn der ORF „Willkommen Österreich“ absetzt, wäre das tatsächlich das Karriereaus.

Grissemann: Man könnte wahrscheinlich noch ein paar Jahre mit den alten Kabarettprogrammen durch die Säle tingeln, aber eigentlich wäre es zu schrecklich, das zu durchleben. Wenn man es gewohnt ist, vor 600 Leuten aufzutreten, und dann kommen 20, 30. Ja, das wäre das Karriereende. (Grissemann bestellt sich ein Bier.) Aber um auf Ihre Frage nach dem „härtesten Job“ zurückzukommen: Für mich sind die „Sonny Boys“ tatsächlich sehr anstrengend. Ich bin es ja nicht gewohnt, so dialoglastige Sachen zu lernen. Ich finde das sehr schwierig, ich zeige deutliche Text- und Timingschwächen. Das ist nicht leicht für mich. Leider.

MM: Kann man die unfreiwilligen Pausen eventuell für die melancholische Baseline des Stücks nutzen?

Stermann: Die Pause, nicht die, wenn er hängt, sondern die atmosphärische, wird tatsächlich oft eingesetzt. Man lässt damit ein Gefühl im Raum stehen. Dieses betretende Schweigen, das sind für mich die schönsten Momente.

MM: Aber es ist schon noch zum Lachen?

Stermann: Ja – wenn man will.

MM: Wo sehen Sie sich im Alter der „Sonny Boys“? Geriatrie oder Gran Canaria?

Grissemann: Wahrscheinlich in der Geriatrie auf Gran Canaria.

Stermann: Wenn du Alzheimer hast, merkst du den Unterschied gar nicht.

Grissemann: Oder noch weiter weg. Fidschi Inseln. Neue Identität annehmen. Sich vielleicht umoperieren lassen zur Frau, zur alten Frau.

MM: Welchen Vorteil hätte das?

Grissemann: Frauen werden älter, acht Jahre im Schnitt. Das hätte also einen klassischen biologischen Vorteil. Und: Man würde ganz neue Seiten an sich entdecken. Endlich ein Ende der Langeweile!

Kropiunig: Sie merken schon, diese Produktion ist sehr entspannt. Ich dachte erst, es könnte relativ stressig werden, aber das ist überhaupt nicht der Fall, und der wird vermutlich auch nicht mehr eintreten.

MM: Was wollen Sie dem Publikum mitgeben?

Grissemann: Nichts.

Stermann: Wir haben diesbezüglich keine Ansprüche.

Grissemann: „Sonny Boys“ ist ein klassisches Gefühlsstück …

Stermann: Die Leute sollen sich also nachher bei der Tür rausfühlen, sie sollen den Raum mit Sentiment verlassen – und sich dann draußen überlegen, was sie mitnehmen wollen.

www.stermann-grissemann.at

www.rabenhoftheater.com

Wien, 29. 1. 2016

Rabenhof: Grissemann, Stermann & Oliver Welter

November 6, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Für die Eltern was Perverses

Christoph Grissemann, Dirk Stermann, Oliver Welter Bild: (c) Udo Leitner

Christoph Grissemann, Dirk Stermann, Oliver Welter
Bild: (c) Udo Leitner

Hätten (statt Ariadne) Stermann und Grissemann dem Helden Theseus den Faden ins Labyrinth mitgegeben, er hätte den Minotauros – weil: Faden längst gerissen – nur totlachen können. Die Symbionten Ster-/Grissemann (Wirt gibt’s da keinen, außer zum Einkehren) suchen erst gar nicht nach dem roten, greifen keinen auf, das wäre doch bitte belangloses Allerwelts-Kabarett. In ihrem neuen Programm „Für die Eltern was Perverses“ bieten die ORF-Nachtler ohne Tiefgang High-End-Nonsense, also tatsächlich Un-Sinn,was insoferne Sinn macht, als man ja wahnwitzsinnig intellektuell ist. Jeder Satz einBrüllergehirndurchwühler.

Und so treten sie auf: In ihren beiden Wohnungen, meist nur in Telefonkontakt, Grissemann als weißgeschminkter Pantomime im schwarzen Ganzkörperkondom (nicht pervers genug für Mutti, aber der verehrte René Pollesch meinte einmal in einem Interview mit mir: „Erst brauch‘ ich einen fetzigen Titel, damit die Leute Karten kaufen. Was im Stück vorkommt, überlege ich mir später“), Stermann in Trachtenlederhose. Und getreu der Zeile  „Zurück! du rettest den Freund nicht mehr!“ muss „Naked Lunch“-Frontman Oliver Welter als Dritter im Bunde, als rauchender, trinkender, masturbierender, zynischer  menschlicher Plattenspieler namens „Hercules Carantanum 2000“ fungieren. Er ist mit seiner mitgebrachten Gabalier-CD „Triumph des Chillens“ das Highlight des Abends. Spielt was aufgetragen wird – interessant, wie viele im Publikum bei der ersten Silbe losjohlen, während man selbst Helene Fischers „Aaaatemlos“ erst am Refrain erkannt hat – verweigert aber volksdümmliche Musik, und intoniert „Wind of change“. Sofort Geld zurück! Klaus Meine wird jetzt mindestens bis übers Wochenende in meinem Kopf herumpfeifen.

Ja, es gibt zwei, drei Themen an denen man sich festhalten kann. Stermanns Kindheit als des Pudels Kern. Er beginnt seinen Kinderkalvarienberganstieg auch mit Blondperücke (Sias „Chandelier“ www.youtube.com/watch?v=2vjPBrBU-TM) großartig! Während Grissemann seine Lebensspenderin Jahr um Jahr auf ihre Echtheit prüfen lässt – Tests, die sie beinah umbringen. Selten waren zwei so als Antichristenmuttersöhnchen zu bestaunen, samt Alkohol- und Herzproblemen, die die Familienaufstellung erst beenden, als es um das Muttertagsgeschenk – man spielt das Programm ja noch im Mai – geht. Hamster mit Haushaltsschere im Arsch? Das wäre was Putziges und was Praktisches. Es braucht eh keiner Erwähnung, dass alle Körperausscheidungen in den Text eingebunden sind.

Vierter Hauptdarsteller des Abend ist eine Leinwand, großes Kino für zwei, denn das obligate TV-Bashing muss sein. Wunderbar Stermann als Toni Spira, der mit dem Pantomimen Grissemann „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ dreht: „Hauptsach‘ is, sie sauft. Weu Sex wü i eh kan mehr.“ Fabelhaft die geteilte Vorführfläche: David Beckham präsentiert seine Unterbuxe www.youtube.com/watch?v=FuqXjF0jQ28, daneben sexy Grissemann ebenso – mit Banane. „Danke, Wasserkraft“ darf auch nicht fehlen. Selbstironie ist was für Könner. Aber der Clou: Christoph Waltz (Grissemann) arbeitet im Hotelzimmer mit Michael Haneke (Stermann) an seiner Oscarrede: „Wannst no amoi den Namen von dem Proleten Tarantino sogst, schiaß‘ i das G’sicht weg.“ – „Aber – das – ist – doch – mein- Kapital -!“ Kann man daraus bitte einen abendfüllenden Film machen?

Am Ende ist kein Licht im Tunnel. Man hat die Magie, den Mehrwert, von metaphysischem Schaudern erfahren. Man weiß nun, dass der Mix von Wagners „Tannhäuser“ und Tschaikowskis „Nussknacker“ zu „Ich kack im Tann“ (Welter, sollte sich demnächst DER Welter nennen) führt. Man hat sich – apropos: Körpersäfte – ang’ludelt vor Lachen. Herz, was willst du mehr Hetz?

www.rabenhoftheater.com

Wien, 6. 11. 2014