Mary Shelley

Dezember 27, 2018 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Viel zu biederes Biopic über die Frankenstein-Erfinderin

Das Grab ihrer Mutter ist Marys (Elle Fanning) Zufluchtsort, hier liest sie ihre geliebten Gruselgeschichten. Bild: © 2018 Polyfilm Filmverleih GmbH

Es beginnt durchaus vielversprechend. Mit Friedhofsatmosphäre und dem Mädchen Mary, das, an den Grabstein der Mutter gelehnt, Gruselgeschichten liest statt daheim ihren Haushaltspflichten nachzukommen. Dann ein Blick auf den Bücherschatz in der Buchhandlung des Vaters, er, William Godwin, Sozialphilosoph und Begründer des politischen Anarchismus, die knapp nach Marys Geburt verstorbene Mutter Mary Wollstonecraft, Schriftstellerin und Feministin.

Die 1792 mit „Verteidigung der Rechte der Frau“ eine der grundlegenden Arbeiten der Frauenrechtsbewegung verfasste. In den ersten beiden Szenen von „Mary Shelley“, der am 28. Dezember in die Kinos kommt, ist somit alles ausgebreitet, was nur zwei Jahre später zur Erschaffung von „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ führt. Und das genau ist das Problem von Haifaa Al Mansours Biopic: Alles ist ausgebreitet. Es grenzt an ein Wunder, eine Geschichte, die dies Glanzstück der romantischen Schauerliteratur behandelt, die immerhin eine Ménage-à-trois und den Exzentriker Lord Byron beinhaltet, so geheimnislos zu erzählen. „Mary Shelley“ ist allzu bemüht und viel zu betulich bieder.

Dabei gilt es der saudi-arabischen Regisseurin die besten Absichten zu unterstellen. Leistete sie doch 2012 mit „Das Mädchen Wadjda“, dem ersten vollständig in Saudi-Arabien realisierten Spielfilm, Pionierarbeit, drehte mit versteckter Kamera ihre Emanzipationsstory, die dem westlichen Publikum wertvolle Einblicke in eine verschlossene Gesellschaft gewährte. In ihrer Heimat war das Werk nie zu sehen; erst im April dieses Jahres erlaubte die saudische Regierung die Wiedereröffnung eines Lichtspieltheaters, davor galt Kino beinah vier Jahrzehnte lang als unislamisch.

Der attraktive Dichter Percy Shelley (Douglas Booth) ist ein radikaler Freigeist. Bild: © 2018 Polyfilm Filmverleih GmbH

Kein Wunder, dass Mary (Elle Fanning) und ihre Halbschwester Claire (Bel Powley) mit ihm gehen. Bild: © 2018 Polyfilm Filmverleih GmbH

Mit ihrem jüngsten Film bleibt Al Mansour ihrem Thema treu, und schildert wieder den Kampf einer Frau um Freiheit und – künstlerische – Entfaltung in einer von Männern dominierten Welt. Was, und dies ist mit Bedauern festzuhalten, 200 Jahre nach Erscheinen des Romans „Frankenstein“ immer noch einen Nerv trifft. Nur, dass der Mary des Hanoverian England dabei die Dringlichkeit, die Direktheit des Mädchens aus Riad abgeht. So wird “Mary Shelley” zur Ausstattungsschlacht, in der zwischen aufwendigen und historisch korrekten Kostümen und ebensolchen Versatzstücken, kaum je eine glaubhafte Gefühlsregung aufzukommen vermag.

Dabei gäbe es genug Stoff für Drama, wird die erst 16-jährige Mary wegen Aufsässigkeit gegenüber ihrer Stiefmutter doch vom Vater für einige Zeit nach Schottland verbracht, wo sie den rebellischen Dichter Percy Shelley kennenlernt. Der folgt ihr zurück nach London, wird ein Protegé von William Godwin – und Marys Geliebter. Als sie erfährt, dass er verheiratet und bereits Vater ist, beruft sich Percy auf sein Recht auf freie Liebe und seinen Atheismus, und so flüchtet die junge Frau mit ihm aus dem Elternhaus, mit dabei ihre Halbschwester Claire Clairmont.

Was in weiterer Folge zu einer wilden Ehe zu dritt führt. Dann aber lernt Claire auf einer Soi­rée Lord Byron kennen, und begibt sich lieber mit diesem zu Bette. Dessen spätere Einladung an den Genfersee nimmt das Trio umso lieber an, als es gilt der eigenen schäbigen Behausung zu entfliehen. Wer sich nun Sex & Drugs & Rock’n’Roll à la „Gothic“ erwartet, wird enttäuscht sein. Zwar fließt der Alkohol in Strömen, zwar gibt es ein paar Elektrizitätsspielereien wie die Galvanisierungsvorführung eines Frosches, doch wird in erster Linie in bis zur Langeweile weiten Strecken gepflegte Konversation bei Kerzenschein betrieben. Dass Claire am Ende erklärt, sie erkenne die gesellschaftlich unterdrückte und von ihrem Geliebten ausgenutzte Mary in deren geschundener Kreatur wieder – Mary muss ihr Buch anonym veröffentlichen, weil kein Verleger diesen Horror aus weiblicher Hand lesen will -, macht das Ganze nicht subtiler.

Der Poet Lord Byron (Tom Sturridge) begrüßt Mary (Elle Fanning), ihre Halbschwester Claire Clairmont (Bel Powley) und Percy Shelley (Douglas Booth) auf seinem Anwesen in Genf. Bild: © 2018 Polyfilm Filmverleih GmbH

Wobei zu sagen ist, dass Elle Fanning als Mary und Bel Powley als Claire den Film mit ihrer schauspielerischen Intensität tragen. Bei diesen beiden Frauenporträts erkennt man Al Mansour ganz in ihrem Element. Douglas Booth gestaltet Percy Shelley als Narzisst, dessen schöpferische Arbeit an sein lästerliches Redenschwingen nicht heranreicht. Tom Sturridge versucht sich an der Flamboyanz eines Lord Byron, kommt aber, kostümiert bis zur Karikatur, tatsächlich kaum zum Spielen.

Und während „Downton Abbey“-Star Joanne Froggatt ihre Mary Jane Godwin hauptsächlich als Typ böse Stiefmutter anlegt, gelingt es Stephen Dillane als William Godwin mehrere Nuancen dieses in der Engstirnigkeit seiner Zeit erstickenden Freidenkers zu zeigen. Die berührendste Darstellung liefert Ben Hardy als um Mary bemühter Byron-Arzt John Polidori.

www.mary-shelley.de

  1. 12. 2018

Volksoper: Gypsy

September 11, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

A Musicalstar is born

Tingel-Tangel-Familie: Toni Slama  als Herbie, Lisa Habermann  als Louise, Marianne Curn als June und Maria Happel als Rose. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Mit Riesenjubel und -applaus endete Sonntagabend die Eröffnungspremiere der Volksoper. Direktor Robert Meyer hat einmal mehr eine Musicalrarität ans Haus geholt, „Gypsy“, und für diese Maria Happel in der Hauptrolle. Es ist das erste Mal, dass die Burgschauspielerin in einem klassischen Musical spielt, und sie singt und swingt und tanzt, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. A Musicalstar is born!

Wie ein Hurrican wirbelt ihre „Mama Rose“ über die Bühne, den Mops in der Tasche, ihre beiden Töchter an der Hand – und schon ist man mitten drin im Chaosleben der Vaudeville-verrückten Übermutter. „Gypsy“ erzählt die wahre Geschichte der Rose Thompson Hovick, die in den 1920er-Jahren der USA aufbrach, um ihre beiden Töchter zu Bühnenstars zu machen. Dazu tingelte die kleine Truppe, die Rose rund um die Mädchen aufgestellt hatte, quer durch die Vereinigten Staaten, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Das Ende des Vaudeville war bereits eingeläutet, und Karriere auf diesem Gebiet eigentlich nicht mehr machbar.

Rose, von ihrer Biografin nicht von ungefähr „Dr. Jekyll and Mrs. Hovick“ genannt, verschliss Bühnen- wie Lebenspartner, und trieb Baby June und Louise zu Höchstleistungen an. Beide Töchter wendeten sich schließlich von ihr ab: June brannte durch, mit 13!, heiratete und wurde eine erfolgreiche Schauspielerin, Louise unter dem Künstlernamen „Gypsy Rose Lee“ zum Burlesque-Star. Beide therapierten ihre schwierige Beziehung zu ihrer Mutter in Autobiografien.

Louises Aufzeichnungen nahmen Liedtexter Steven Sondheim, Autor Arthur Laurents und Komponist Jule Styne als Vorlage für ihr 1959 am Broadway uraufgeführtes Musical „Gypsy“. Diesem konnte die Kritik gar nicht genug Rosen streuen. Man schrieb von endlich einer Charakterrolle in einem Musical, nannte die Rolle der Mama Rose „die frivole Antwort auf King Lear“, und das Stück schließlich gar „die Mutter aller Musicals“. Apropos, Rosen: Einer der größten Hits in „Gypsy“ ist „Everything’s Coming up Roses“, außerdem bekannt sind „You’ll Never Get Away From Me“ und der Auftrittssong der Mädchen „Let Me Entertain You“, der sich wie ein roter Faden durch das Musical zieht.

Die  jungen Darsteller: Sophie Grohmann, Emil Kurz, Simon Gaunersdorfer, Louisa Popovic, Maria Happel, Sophie-Marie Hofmann, Lino Gaier, Lili Krainz und Toni Slama. Bild: © Jenni Koller/Volksoper Wien

Die Zeitungsjungen-Nummer läuft Jahrzehnte: Lino Gaier, Louisa Popovic, Sophie-Marie Hofmann und Lorenzo Popovic. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

An der Volksoper tauchen Regisseur Werner Sobotka und sein Ausstatterduo Stephan Prattes und Elisabeth Gressel lustvoll in die verwehte Welt des US-Unterhaltungstheaters ein, und machen den Abend zur schillernden Hommage ans eigene Metier. Sobotka inszeniert wie stets mit viel Liebe für Details, mit Witz und einem Hauch Satire. Vor allem nach der Pause, die Szenen in Minskys Burlesque-Theater, da lebt er seinen Hang zum Skurrilen aus. Die Optik wechselt zwischen showbiz-grellbunt und ärmlich-privat, hat Roses Truppe doch alles, nur kein Geld.

Happels Kostüme sind mitunter von atemberaubender „Hässlichkeit“, wenn Rose aus Schlafdecken Mäntel und Kleider näht, nur Baby June mit blondgefärbten Löckchen ist immer wie aus dem Schaufenster entwendet. Dirigent Lorenz C. Aichner macht das Volksopernorchester wieder einmal zur Big Band, schmissig schon die Ouvertüre während der alte Filmaufnahmen auf die Varieté-Atmosphäre einstimmen, und so wird den ganzen Abend mit Tempo und „Rums“ für die Bumps – dies der von Trommelwirbel begleitete Hüftkick der Tänzerinnen –  musiziert. Die Choreografien von Danny Costello sind lebhaft, very twenties und mit viel Stepptanz. „Gypsy“, das ist ein rundum sympathischer Abend.

Roses Truppe: Simon Stockinger, Peter Lesiak, Maria Happel, Georg Wacks, Oliver Liebl, Toni Slama, Maximilian Klakow und Marianne Curn. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Peter Lesiak (mit Lisa Habermann) glänzt in einer einwandfreien Steppnummer. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

In dessen Mittelpunkt, wie gesagt, Maria Happel glänzt. Kaum geht der Vorhang hoch, ist man mitten drin in „Onkel Jockos Kindercontest“, bei dem Baby June das Publikum erstmals mit Piepsstimme beschwört: „Let me entertain you!“ Ein kecker Augenaufschlag, ein Spagat (tatsächlich wurde June von Pädophilen verfolgt), und eine Mutter, die es schafft sich selbst aus dem Hintergrund ihre Vorhänge abzuholen. Happel verleiht der Mama Rose herben Charme und Humor, doch nie vergisst sie die Tragik im Leben dieser Nervensäge, die ihre eigene verkorkste Existenz an ihren Töchtern gutmachen möchte.

Darstellerisch vielschichtig changiert sie zwischen liebevollem Muttertier und Mamamonster, dem der Familiensinn immer dann zu fehlen scheint, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht. Und wehe, sie wird böse! Ansonsten lacht und flirrt und strahlt sie – ganz perfekte Vermarkterin ihrer Mädchen. „Meine Töchter sind mein Job!“, rechtfertigt sie ihren Selbstverwirklichungstrip. In dieser ersten Szene brillieren eine Reihe von Kinderdarstellern als wären sie alte Theaterhasen, allen voran die großartigen Livia Ernst als Baby June und Katharina Kemp als Louise.

Beim Tingeln werden aus den angesagten „1,07 Meter pure Energie“ teenagerhafte 1,60 Meter, immer noch lautet der Song „Let me entertain you!“, immer noch folgt die Zeitungsjungen-Nummer, immer noch will Rose so beharrlich wie erfolglos ihre Töchter berühmt machen. Die Wienerin Marianne Curn und die Linzerin Lisa Habermann schlüpfen nun in die Rollen von June und Louise, beide debütieren in ihren Parts an der Volksoper, und überzeugen gesanglich wie darstellerisch. Während Curns June noch vor der Pause verschwindet, hat Habermann mehr Zeit einen Charakter zu gestalten – und sie nützt sie auch. Wie ihre Louise vom Entlein, der Mutter nur zweitliebste Tochter, meist in eine Bubenrolle verbannt und von der Truppe als „Kumpel“ wahrgenommen, zum strahlend schönen Schwan wird, diese Entwicklung arbeitet Habermann erstklassig heraus.

Zum hervorragenden Damentrio gesellt sich Toni Slama als Roses Lebensgefährte Herbie, ein geduldiger, gefühlvoller Mensch und Manager der Truppe, der nicht von ungefähr an Roses Seite ein Magengeschwür bekommt, und sie verlassen wird, als sie zum x-ten Mal die Hochzeit wegen eines Engagements verschiebt. Slama agiert mit viel Herz und (als ehemaliger Sängerknabe) mit einigem an Stimme, Happel und er sind jedenfalls ein hinreißendes Paar, auch wenn’s für Rose und Herbie nicht reicht. Aus den die Mädchen auf der Bühne umringenden „Jungs“ ragt Peter Lesiak als „Tulsa“ mit einer ausgezeichneten Steppnummer heraus. Wolfgang Hübsch hat einen Kurzauftritt als Roses Papa.

Im Burlesque-Theater: Christian Graf als Tessie Tura, Maren Kern, Martina Dorak, Jens Claßen, Simon Stockinger und Lisa Habermann. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Eine letzte Aussprache, und schon hat Rose den Nerz: Lisa Habermann und Maria Happel. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

So vergehen die Jahre, in denen Rose nicht loslassen kann und immer noch zur Gute-Nacht-Geschichte antritt, ohne wahrhaben zu wollen, dass ihre Babys längst im gebärfähigen Alter sind. Die „Jungs“ hauen irgendwann ab, June ist weg, Rose fördert nun Louise – und befördert sie in Minskys Burlesque-Theater in New York. Dieser Abstieg entpuppt sich bald als Louises künstlerischer Aufstieg, die, zum ersten Auftritt von der Mutter gedrängt, Talent im Ausziehgenre zeigt.

Sobotka lässt eine illustre Truppe das Etablissement bevölkern. Neben Martina Dorak als trompeteblasender „Miss Electra“ (eine Art Xena, die Stripteaseprinzessin), gelingt Christian Graf als so abgebrühter wie abgeklärter Lehrmeisterin „Tessie Tura“ im rosa Tutu mit Schmetterlingsdildo ein Kabinettstück. Lousie legt Bekleidung wie Mutterbindung ab, und Mama Rose ist ihren Job und damit den Sinn ihres Lebens los.

Wie die Happel sich diesen Moment der Verzweiflung mit der Schlussnummer „Rose’s Turn“/Nun ist Rose dran von der Seele singt und schreit, das ist große Kunst. In der Realität folgten Streit und Gerichtsprozesse. Auf der Bühne ist bei Schluss noch nicht Schluss.

Es kommt zur Aussprache zwischen Rose und Louise – aus der, was Wunder, Rose als Siegerin hervorgeht. Sie hat es geschafft, sich auf die High-Society-Party ihrer Tochter einzuladen, und der dafür auch noch einen teuren Nerz abgeluchst. Und so können sie beide im Triumph die Bühne verlassen: Mama Rose und Maria Happel.

Maria Happel im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=25867

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  1. 9. 2017

Schikaneder: Milica Jovanovic im Gespräch

September 30, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Sie spielt die Ehefrau Eleonore

Milica Jovanovic und Mark Seibert als Eleonore und Emanuel Schikander. Bild: Rafaela Proell

Milica Jovanovic und Mark Seibert als Eleonore und Emanuel Schikaneder. Bild: Rafaela Proell

Wenn sich heute Abend im Raimund Theater der Vorhang hebt, wird sie als Eleonore Schikaneder auf der Bühne stehen. Milica Jovanovic verleiht in der Weltpremiere des neuen VBW-Musicals der Ehefrau des genialen Theatermanns Gestalt und Stimme – und erlebt dabei eine turbulente Liebesgeschichte rund um die Entstehung der „Zauberflöte“. Den Schikaneder spielt Mark Seibert. Das Buch stammt von VBW-Musicalintendant Christian Struppeck, die Musik von Stephen Schwartz. Regie führt Sir Trevor Nunn.

Milica Jovanovic im Gespräch:

MM: Hand aufs Herz, seit wann wissen Sie, dass es einen Wiener Theatermacher namens Emanuel Schikaneder und seine Frau Eleonore gegeben hat?

Milica Jovanovic: Ich habe 2008 zum ersten Mal die Papagena in der „Zauberflöte“ am Staatstheater am Gärtnerplatz in München gesungen und habe da auf dem Deckblatt der Noten seinen Namen gelesen. Von seiner Frau weiß ich erst durch unser Musical.

MM: Ihnen kommt nun die Aufgabe zu, Eleonore Schikaneder zu würdigen. Ich denke, bis dato wusste kaum jemand, wie wichtig Ihre Funktion bei der Entstehung dieses Meisterwerks war. Über sie weiß man wenig, was haben Sie sich also über Ihre Figur erarbeitet und zurechtgelegt? Und mit Augenzwinkern gefragt: Wird’s einen emanzipatorischen Ansatz dabei geben?

Jovanovic: Eleonore ist eine starke, hochintelligente Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Dennoch stieß sie in der damaligen Gesellschaft an ihre Grenzen, weil sie eine Frau war und somit nicht dieselben Rechte besaß. Unser Musical begleitet sie auf dem Weg ihrer Emanzipierung. Ich habe Fakten über Eleonore gesammelt, mit dem Kreativteam und unserer Dramaturgin diskutiert und habe mir anhand der Texte und Lieder meine Eleonore gebaut. Interessant finde ich, dass ich ihr unterbewusst eine tiefere Sprechstimme gegeben habe, als ich normalerweise habe, um aus ihr eine toughe Frau zu machen. Spannend für mich als Schauspielerin ist die Alterspanne, ich zeige Eleonore von Anfang zwanzig bis Mitte dreißig.

MM: Ist es eine besondere Herausforderung Rollen für eine Uraufführung erstmals, heißt: ohne „Vorbilder“, zu gestalten?

Jovanovic: Für mich ist es eine wunderbare Chance und ein Geschenk. Ich darf kreativ sein und mich einbringen. Ich darf singen, wie es aus mir herauskommt und spielen, wie ich es empfinde und somit viel ausprobieren. Unser Regisseur unterstützt uns in diesem Prozess sehr und hilft uns, wenn wir irgendwo steckenbleiben. Ich fühle mich in diesem Team sehr aufgehoben. Und unser Komponist ist fast immer da und passt uns die Songs an. Es ist ein wahr gewordener Traum.

MM: Sie probten sechs Tage die Woche. Wie ist diese intensive Arbeit mit Regisseur Sir Trevor Nunn und Musikchef Koen Schoots?

Jovanovic: Er ist ein wunderbarer Mensch und grandioser Regisseur, immer freundlich und sehr witzig. Mit Koen arbeite ich bereits zum dritten Mal. Jedes Mal staune ich über sein Dirigat, wie er mit mir als Sängerin atmet und mich mit dem Orchester unterstützt, ist einmalig. Jetzt gerade arbeiten wir an den technischen Abläufen, morgen haben wir die erste Bühnenorchesterprobe und darauf freue ich mich schon sehr.

Die Hauptdarsteller auf einer Probe ... Bild: VBW/ Herwig Prammer

Die Hauptdarsteller bei derProbe … Bild: VBW/ Herwig Prammer

... und knapp vor der Premiere. Bild: VBW/Rolf Bock

… und knapp vor der Weltpremiere. Bild: VBW/Rolf Bock

MM: Bei einer ersten Präsentation hat uns Stephen Schwartz in seine Musik hineinhören lassen, sie ist sehr eingängig, lässt für mich klassische Musicalmelodien, aber auch die goldene Operette anklingen als wäre es seine Hommage an die Uraufführungsstadt.

Jovanovic: Stephen Schwartz ist etwas Magisches gelungen. Er schafft es, seine Musik mit Mozart zu verweben und daraus etwas Neues zu schaffen.

MM: Wie hoch ist der Erwartungsdruck, den Sie sich vielleicht auch selber machen, wie hoch die Fallhöhe bei so einem Projekt?

Jovanovic: Ich freue mich jetzt sehr auf das Publikum, um zu sehen, wie die Menschen auf das Stück reagieren, und ob es sie genauso berührt wie mich. Ich hoffe, dass es ein Erfolg wird. Ich spüre insoweit Druck, dass wir alle auf und hinter der Bühne auf Hochtouren arbeiten und alles geben.

MM: Sie haben schon in Wien gearbeitet. Ist es in Wien wirklich so besonders, wie viele Künstler gerne sagen?

Jovanovic: Ja, das ist es. Ich habe selten so ein leidenschaftliches Publikum erlebt. Ich werde nie den Moment und die Reaktionen vergessen, als ich zum ersten Mal die Arie „Liebe stirbt nie“ gesungen habe.

MM: Der vorprogrammierte Hit des Werks heißt ja „Träum‘ groß!“. Wovon werden Sie vor der Welturaufführung träumen?

Jovanovic: Von veganen Cupcakes, Kokoswasser und ausverkauften Vorstellungen.

Was VBW-Musicalintendant Christian Struppeck über „Schikaneder“ sagt: www.mottingers-meinung.at/?p=23050

Was Komponist Stephen Schwartz über „Schikaneder“ sagt: www.mottingers-meinung.at/?p=19731

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Wien, 30. 9. 2016

Schikaneder: Die ersten Szenen des neuen Musicals

September 16, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

VBW-Musicalintendant Christian Struppeck im Gespräch

Milica Jovanovic, Mark Seibert und Koen Schoots, Bild: VBW/Herwig Prammer

Die Hauptdarsteller Milica Jovanovic und Mark Seibert mit dem musikalischen Leiter Koen Schoots. Bild: VBW/Herwig Prammer

Zum ersten Mal präsentierten die Vereinigten Bühnen Wien Freitagvormittag im Raimund Theater Szenenausschnitte aus ihrem neuen Musical „Schikaneder“. Am 30. September hat die von VBW-Musicalintendant Christian Struppeck erdachte und verfasste und von Stephen Schwartz komponierte Liebesgeschichte rund um die Entstehung der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ Weltpremiere.

„Wir wissen über Schikaneder, dass Zeitgenossen ihn einen Charismatiker nannten, seine Frau Eleonore wird als Schönheit mit silbriger Stimme beschrieben. Mal sehen, ob wir das getroffen haben“, scherzt Struppeck. Der Vorhang hebt sich, gibt den Blick frei auf die beiden Hauptdarsteller Mark Seibert und Milica Jovanović. Es ist das Jahr 1775, die erste Begegnung von Emanuel und Eleonore in Innsbruck, da ist er Star der Theatertruppe von Franz Moser, sie die Newcomerin – und es funkt. Die Anziehungskraft der Bühne, sie wirkt auch zwischen den beiden. Im Orchestergraben sitzt das 32-köpfige VBW-Orchester, der musikalische Leiter Koen Schoots hat am Cembalo Platz genommen. Von dort aus begleitet er auch die Rezitative. „Träum groß!“ geht los, der vorprogrammierte Hit der Produktion, ein Duett im schwungvollen Sound des großen, klassischen Musicals.

Charisma getroffen! Seibert und Jovanović sind ein ebenso charmantes wie schelmisches Paar. Seibert spielt einen Schikaneder, der von seinem Genie überzeugt, auch ein bissl selbstverliebt ist, einen liebenswerten Visionär mit großen Plänen und noch größeren Träumen. „Mach‘ dich von den Fesseln der Wirklichkeit los“, singt er. Die deutschsprachigen Texte stammen einmal mehr von Michael Kunze. Sie aber ist nicht weniger selbstbewusst, wird von Jovanović dargestellt als eine, die dem Schikaneder Paroli bieten kann und will. „Warum spiel‘ ich in diesem Stück nicht den Don Juan?“, wird sich der Theatermagier später fragen. A Powerpaar is born.

Milica Jovanovic, Mark Seibert und Ensemble. Bild: VBW/Herwig Prammer

Szene im Ballettsaal mit Milica Jovanovic, Mark Seibert und Ensemble … Bild: VBW/Herwig Prammer

Milica Jovanovic, Mark Seibert und Ensemble. Bild: VBW/Herwig Prammer

… in der Eleonore und Emanuel versuchen, ihre Liebe geheim zu halten. Bild: VBW/Herwig Prammer

Eine Einschätzung, die ganz im Sinne des Erfinders ist. „Emanuel Schikaneder war der größte Theatermacher im deutschsprachigen Raum, vielleicht sogar in Europa“, sagt Struppeck. „Er war der Sohn zweier Lakaien, und in der damaligen Zeit war es eigentlich unmöglich dorthin zu kommen, wo er hingelangt ist, an die Spitze der Wiener Bühnenlandschaft. Er war ein Magier der Bühne, er hatte Mut zum Experiment, er war als Sänger, Schauspieler, Dichter und Produzent ein Universaltalent, ein Vorgänger Johann Nestroys und Max Reinhardts und, indem er die Wichtigkeit des Schauwerts von Aufführungen erkannt hat, ein Vorreiter des modernen Musicals.“

Worte, die so etwas wie Seelenverwandtschaft vermuten lassen. Seit mehr als fünf Jahren arbeitet das Leading Team an der Produktion, inspiriert hat Struppeck eine Schikaneder-Büste, die er im Salzburger Landestheater gesehen hat. Historisch, sagt er, ist sein Buch „erstaunlich akkurat. Natürlich sind nicht alle Details bekannt, aber die Geschichte ist schon so passiert“. Die Geschichte des Musicals ist die der „Zauberflöte“ minus Mozart. Struppeck: „Schikaneder ist der Kopf dahinter, die ,Zauberflöte‘ ist seine Idee, er hat Mozart engagiert, er hat den Papageno der Uraufführung gespielt. Mit dem Gewinn, den er daraus erzielt hat, hat er das Theater an der Wien gekauft.“ Heute ein Haus der Vereinigten Bühnen.

Auch eine berühmt-berüchtigte Anekdote wird vorkommen, nämlich, „dass Schikaneder das Federkostüm schon für ein anderes Stück hatte, aber dann doch nicht verwenden konnte. Er wollte das teure Teil aber nicht verschwenden, indem er’s weggeworfen hätte – und so wurde aus Papageno ein Vogelhändler.“ Was Struppeck bezüglich Plot jedoch viel mehr interessierte als solcherart Histörchen, war, dass Schikaneder alle Unternehmungen gemeinsam mit Eleonore vornahm. „Sie haben die Stoffe gemeinsam entwickelt und umgesetzt, das ist unser Blickwinkel im Stück: Schikaneders Ehe mit dieser besonderen Frau, über die man bis dato so wenig wusste.“

Milica Jovanovic und Mark Seibert. Bild: VBW/Rolf Bock

Milica Jovanovic und Mark Seibert. Bild: VBW/Rolf Bock

Franziska Schuster, Armin, Kahl, Katie Hall, Florian Peters und Katja Reichert. Bild: VBW/Rolf Bock

Franziska Schuster, Armin, Kahl, Katie Hall, Florian Peters und Katja Reichert. Bild: VBW/Rolf Bock

Auf der Bühne sind die Darsteller bereit für die zweite Szene. In „Irgendwas passiert“ tratschen sich die Theaterkollegen im Ballettsaal den Mund über die Liebesaffäre zwischen Emanuel und Eleonore in Fransen. Ein Ausschnitt, der beweist, dass bei all den großen Gefühlen auch das Komödiantische nicht zu kurz kommen wird. So wie Hardy Rudolz, als Franz Moser mit überdimensionaler Perücke und Ballettmeisters Stock ausgestattet, da versucht seine Mimen bei und an der Stange zu halten, wird’s witzig. Auch bei den unzähligen Kostümen zeigt sich die Liebe zum Detail zweier Tony-Preisträger – Regisseur Sir Trevor Nunn und Ausstatter Anthony Ward. Weil die Kostüme optisch der Zeit angepasst sein sollten, wurden sie aus historischen Beständen gefertigt, Schmucksteine, Pailletten sind tatsächlich aus anno dazumal, die Knöpfe wurden aus alten Bordüren oder Spitzenbesätzen gepresst.

Christian Struppeck, Stephen Schwartz, Milica Jovanovic, Mark Seiber und Sir Trevor Nunn. Bild: VBW/Rolf Bock

Christian Struppeck, Stephen Schwartz, Milica Jovanovic, Mark Seiber und Sir Trevor Nunn. Bild: VBW/Rolf Bock

Struppeck freut sich, dass es immer wieder möglich ist, die Superstars unter den Musicalmachern nach Wien zu holen. Obwohl: „Das internationale Team ist eine logistische Herausforderung, man muss gut vorbereiten, wo man wann mit wem arbeitet. Denn ein Musical kann man nicht am Schreibtisch entwickeln, das muss man immer wieder ansehen und anhören.“ Sein Gemütszustand nun, so knapp vor der Uraufführung?

Er lacht. „Sagen wir: Die nächsten 14 Tage werden turbulent, das macht aber auch sehr viel Spaß.“ Turbulent wird es mittlerweile auch auf der Bühne. Finale des 1. Akts. Schikaneder und Eleonore sind zu Seitenspringern geworden. Sie geht mit Johann Friedl nach Wien, er bekennt sich öffentlich zu seinem Pantscherl mit Maria Anna Miller, das Ensemble glaubt sich ob dieser Trennung erledigt. Mit Seibert und Jovanović treten in dieser Szene auch Florian Peters und Katie Hall als Solisten auf. Und, ja, da denkt man sie zu hören: Zauberflöten-Zitate! Zumindest sind’s deutliche „dramatische“ Opernklänge, die Stephen Schwartz da aufs Notenblatt gebannt hat. Hunderte echte Kerzen sorgen für ein stimmiges Lichtdesign. Das lässt sich über „Schikaneder“ jetzt schon sagen: Es wird bestimmt bombastisch. Der erste Eindruck ist jedenfalls hinreißend.

Was Komponist Stephen Schwartz über „Schikaneder“ sagt: www.mottingers-meinung.at/?p=19731

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Wien, 16. 9. 2016

Schikaneder: Ab 30. September im Raimund Theater

Mai 10, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Vereinigten Bühnen präsentierten ihr neues Musical

Erste musikalisce Kostprobe: Milica Jovanovic und Mark Seibert singen als Eleonore und Emanuel Schikaneder "Träum groß!". Bild: VBW

Erste musikalische Kostprobe: Milica Jovanovic und Mark Seibert singen als Eleonore und Emanuel Schikaneder „Träum‘ groß!“. Bild: VBW

Als schließlich zum ersten Mal vor Publikum der vorprogrammierte Hit „Träum‘ groß!“ intoniert wurde, klang es schon so, als würde Wolfgang Amadé ums Eck grinsen. Was nicht zuletzt daran lag, dass Dirigent Koen Schoots sein 31-köpfiges Orchester „mozartisch“, das heißt: „in der Fast-Original-Zauberflöten-Besetzung“, aufgestellt hat. Mark Seibert und Milica Jovanovic sangen das Liebesduett von Eleonore und Emanuel Schikaneder.

Denn darum geht’s im Wesentlichen, die turbulente Liebesgeschichte des genialen Wiener Theatermachers und seiner Frau. Das alles rund um die Schöpfung der „Zauberflöte“, deren Librettist und Ur-Papageno der Schauspieler, Sänger und Regisseur war. Und, nein, Mozart kommt diesmal nicht vor. Wie das geht, kann man ab 30. September, also genau 225 Jahre nach der Erstaufführung der Freimaureroper, erleben, wenn die Vereinigten Bühnen „Schikaneder“ als insgesamt dreizehnte Musical-Uraufführung des Unternehmens auf die Bühne des Raimund Theater heben.

Intendant Christian Struppeck, als Autor auch für das Buch verantwortlich, stellte die Produktion Dienstag Vormittag gemeinsam mit seinem „Schreibpartner“, dem Komponisten und Liedtexter Stephen Schwartz vor. Der Oscar-, Grammy- und Golden-Globe-Preisträger ist ein Showman. Und so war ein Klavier flugs zur Stelle, auf dem der New Yorker Musiker für die Presse und einige handverlesene Musicalfans ein Best-of seiner Melodien zum besten gab. Dazu erklärt er in Kurzfassung die Handlung: Man lernt sich kennen, „We are only young once“, doch er kann seine Angewohnheit, sich für andere Frauen zu interessieren, nicht ablegen, es gibt einfach „Too many fish in the sea“. Sie lernt erst „To look the other way“, doch nach Trennung und Beinah-Pleite steht das Geschäftliche wieder im Vordergrund, es heißt „Striktly business“ und man macht sich an die Arbeit zu einer der berühmtesten Opern der Welt.

„It’s all true and really funny“, sagt Schwartz über seine Story. Und, dass er es erst aufregend, gefährlich und erschreckend fand, dass in seiner Musik Zitate von Mozart zu hören sein sollten. Nun, die Übung scheint aufs erste Hinhören gelungen. So zwischen volkslied’schem „Klinget, Glöckchen, klinget“, Walzeranklängen und very Wienerischem L’amour-Hatscher. Michael Kunze schreibt die deutschsprachige Fassung, David Cullen hat die Orchestierung übernommen.

Intendant Christian Struppeck stellte mit Komponist und Liedtexter Stephen Schwartz die Produktion vor. Bild: VBW

Intendant Christian Struppeck stellte mit Komponist und Liedtexter Stephen Schwartz die Produktion vor. Bild: VBW

Reinwald Kranner, Katie Hall, Christian Struppeck, Stephen Schwartz, Milica Jovanovic, Mark Seibert, Koen Schoots, David Cullen und Florian Peters. Bild: VBW

Reinwald Kranner, Katie Hall, Christian Struppeck, Stephen Schwartz, Milica Jovanovic, Mark Seibert, Koen Schoots, David Cullen und Florian Peters. Bild: VBW

Mark Seibert und Milica Jovanovic. Bild: Rafaela Pröll/VBW

Die Schikaneders in ersten Kostümen: Mark Seibert und Milica Jovanovic. Bild: Rafaela Pröll/VBW

Seit vier Jahren schon beschäftigt sich Struppeck intensiv mit dem Projekt. Er sei fasziniert, sagt er, von diesem waghalsigen Unternehmer, mit seinem Sinn fürs Spektakuläre und seinen Antennen für den Publikumsgeschmack. Und, mal ehrlich, was könnte schöner an ein VBW-Haus passen, als eine Hommage an den Gründer der Raimund-Theater-„Schwesterbühne“, des Theaters an der Wien. Dies sei in dieser Stadt tatsächlich längst überfällig.

Auch Darsteller Mark Seibert schwärmt von seinem Charakter: „Schikaneder war definitiv ein Visionär, der das Theater neu erfinden wollte. Privat allerdings war er ein Hallodri, der es immer geschafft hat, mit einem Augenzwinkern davonzukommen. Ich bewege mich da auf einem schmalen Grat, denn Schikaneders großes Selbstbewusstsein und seine maßlose Selbsteinschätzung können schnell auch unsympathisch wirken. Meine Aufgabe wird es sein, die Figur so charmant zu gestalten, dass man ihn trotzdem mag.“ Bühnenpartnerin Milica Jovanovic sieht Eleonore Schikaneder als „moderne, emanzipierte Frau, und das im 18. Jahrhundert! Es ist fantastisch, wie sie es geschafft hat, von der Schauspielerin zur Intendantin zu werden. Welch eine Karriere! Schade, dass sie heute fast vergessen ist.“ Nachsatz: „Doch das werde ich jetzt ja ändern.“ Sie lacht.

Mit den beiden spielen unter anderem Reinwald Kranner, der „gerade übt, in Saft zu gehen“, den Schikaneder-Gegenspieler Karl Marinelli, Florian Peters Eleonores Verehrer Johann Friedl, Katie Hall die Maria Anna Miller, Franziska Schuster und Katja Reichert die Barbara Gerl, die spätere Papagena, und Josepha Hofer, Mozarts Schwägerin, die spätere Königin der Nacht. Hardy Rudolz ist als Franz Moser und Josef von Bauernfeld zu sehen, Armin Kahl als Benedikt Schack.

Anthony Ward gestaltet Bühnen- und Kostümbild, „alles wird aussehen, wie 1791“, sagt er, „und auch die Art, wie die Bühnenbilder bewegt werden, haben wir an die damaligen technischen Gegebenheiten angepasst“; Anthony van Laast übernimmt die Choreografie. Und mit noch einem Superstar kann Christian Struppeck aufwarten: Sir Trevor Nunn wird Regie führen. Der Tony-Preisträger und ehemalige Intendant der Royal Shakespeare Company meldet sich via Videozuspielung zu Wort. Was er davon hält, Schikaneder ein Musical zu widmen? „Well, das ist nicht die schlechteste Idee der Welt!“ Stimmt. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen.

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Wien, 10. 5. 2016