George Takei: They Called Us Enemy

Dezember 3, 2020 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Japanische Kindheit im US-Internierungscamp

Als Hikaru Sulu, Steuermann des „Raumschiff Enterprise“ und später Captain der USS Excelsior, wurde George Takei weltberühmt. Eine Öffentlichkeitswirksamkeit, die er immer wieder für ihm wichtige Themen nutzt – Xenophobie, Homophobie, Diskriminierungen aller Art. Nun hat der Star-Trek-Star eine Graphic Novel über ein hierzulande kaum bekanntes Kapitel der US-Geschichte veröffentlicht. „They Called Us Enemy. Eine Kindheit im Internierungslager“ erzählt – nach dem Angriff des Kaiserreichs Japan auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 – vom Verhaften und Wegsperren.

Und zwar von mehr als 120.000 japanisch-stämmigen oder japanischen Menschen, die teilweise seit Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten lebten und in der nun aufgeheizten Stimmung plötzlich als potentielle Verräter und Staatsfeinde angesehen wurden. Takei, geboren in Los Angeles, war fünf, ein Kind, als er mit seinen Eltern und den beiden jüngeren Geschwistern derart kriminalisiert ward. Doch Takei ist Aktivist mit Leib und Seele, und bleibt es auch als gezeichnetes Ich.

Als wären’s Rückblenden, denn so tut er es tatsächlich, schildert er auf TEDx-Konferenzen, bei Begegnungen mit Präsidenten von Carter bis Clinton, Barack Obama selbstverständlich, bei Comic Cons die drei Jahre seines jungen Lebens als „Enemy Alien“. Mithilfe der Co-Autoren Justin Eisinger und Steven Scott und Zeichnerin Harmony Becker ist ein sehr persönlicher Einblick in diese Zeit entstanden.

„They Called Us Enemy“ ist ein Lehrbuch über Demokratie und Grundrechte, über Menschenwürde und Zivilcourage und Solidarität, ist ein Plädoyer, sich gegen jene Kräfte zu stemmen, die gerade erneut versuchen, die Gesellschaft zu spalten – „Amerikaner zu sein, ist nicht das Vorrecht weniger“, schreibt Takei, und es lässt sich leicht das Wort „Europäer“ einsetzen -, und ist nicht zuletzt ein Buch über die Liebe in einer Familie.

© Takei, Eisinger, Scott & Becker/ Reprodukt

© Takei, Eisinger, Scott & Becker/ Reprodukt

Zu den klaren, schnörkellosen Schwarzweiß-Bildern komplex und literarisch interessant sind vor allem die narrativen Bögen, die Takei schlägt. Wie prägte die Zeit seinen Vater, warum exponierte er sich als Lagersprecher und Vermittler? Zu wessen Wohl wollte die Mutter ihre US-Staatsbürgerschaft aufgeben (dem Vater, wiewohl seit 25 Jahren im Land, wurde sie nie verliehen)? Wie stritten, entfremdeten, näherten sich Vater und Sohn in den 1950er- und 1960er-Jahren? Wie war Georges Weg zum Widerstand, woher sein Wille, sich am politischen Prozess zu beteiligen? Ab wann hat die die sogenannte Mehrheitsgesellschaft die Pflicht für Marginalisierte eintreten? Von wem gesteuert sind Populismus, Othering und Nationalismus?

Takei, als TV-Lieutenant einer multiethnischen Sternensaga einst aufgebrochen, „um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen“, und sichtlich stolzes Mitglied einer Sci-Fi-Erdbevölkerung, der Allianzen mit Aliens, mit „Fremden“ zur friedlichen Föderation der Vereinigten Planeten verholfen haben, steht bis heute für jene Enterprise-Errungenschaften ein. Bis zur letzten Seiten des Buches prangert der unermüdliche Streiter für Gerechtigkeit den „Muslim Ban“ der Trump-Regierung und die Diskriminierung lateinamerikanischer Bürger und Migranten in den USA an …

Ans Herz gehend ist die kindliche Perspektive, aus der die Ereignisse von 1941 gezeigt werden, als die Mutter mit Baby-Tochter aus dem Krankenhaus nach Hause kommt, wie der Vater mit Kunden seiner Textilreinigung plaudert, Weihnachten, die Kriegserklärung, die Feindseligkeiten auf der Straße, Vandalismus, „Keine Japsen!“-Schilder in den Schaufenstern, Politiker, die vom „Japanerproblem“, einer „nicht assimilierbaren Rasse“ sprechen  – dann das Hämmern an die Tür, Soldaten, Abtransport, Angst, ein Bub, der das alles noch weniger versteht als die Erwachsenen. Becker illustriert beinahe filmisch, mittels Schnitt und Gegenschnitt.

1942 dann erlässt Präsident Franklin D. Roosevelt die sogenannte “Durchführungsverordnung 9066”, die es dem Militär ermöglicht, Japano-Amerikaner, die an der Westküste lebten, zu deportieren. Es gibt keinen Prozess, keine Geschworenen, wo kein Richter, da kein Kläger, und die Betroffenen müssen alles, was sie sich aufgebaut haben, zurücklassen. Sie können nur mitnehmen, was in kleine Koffer passt, Konten werden eingefroren, „Besitz“, heißt in der Regel kleinere Geschäfte und landwirtschaftliche Geräte, wird beschlagnahmt.

© Takei, Eisinger, Scott & Becker/ Reprodukt

© Takei, Eisinger, Scott & Becker/ Reprodukt

General John L. DeWitt befeuert die Hysterie der Scheinheiligen. Wie sich die Bilder gleichen, zu allen Zeiten, in allen Ländern. In Zügen zusammengepferchte Frauen, Kinder, Männer, ein Gepäcksanhänger als Identitäts- nachweis, für die Eltern ein weiterer Akt der Entmenschlichung, für George einfach eine Fahrkarte, Gewehre und Stacheldraht. Die Takeis werden in Camp Rohwer in Arkansas zwangsinterniert, Block 6, Baracke 2, Einheit F, die Mutter entsetzt über Schmutz und Gestank, doch George schwärmt sie vom gemeinsamen „Urlaub“ vor.

Dann die herbe Enttäuschung der Kids, die Mutter hat als „Überraschung“ – verbotenerweise – ihre Nähmaschine ins  Lager geschmuggelt, sie sofort betriebsam, der Vater erst depressiv, bis die Mitgefangenen ihn ob seiner Freundlichkeit und Umsicht zum „Blockverwalter“ wählen, eine Position, aus der heraus er viel Gutes bewirken wird – und dennoch wird’s für George bei seiner Teenager-Anklage gegen‘s Trauma-Schweigen zu wenig des Ungehorsams gewesen sein. Fürs Erste aber dreht sich alles um den Lageralltag eines Fünfjährigen, und mit der dieser Generation eigenen Ambivalenz berichtet Takei von grauenhaften wie glücklichen Erinnerungen.

Von Lausbubenstreichen und Radikalisierung unter „Banzai!“-Rufen, von seinem ersten Schnee und wie ihn die Filmvorführungen im Speisesaal begeisterten, von der ständigen Kampfbereitschaft der Soldaten gegen einen möglichen „Aufstand der Abtrünnigen“, jedes „Schlitzauge“ schon per Aussehen ein potenzieller Terrorist. Takei kann Anekdoten, beispielsweise, wenn ihm die ewigen Gegner Ford & Chevy einreden, auf seinen Ruf „Sakana Beach“/Fisch-Strand würden ihn die Soldaten mit Süßigkeiten überschütten – nur, dass die GIs „son of a bitch“ verstehen und erbost handgreiflich werden. Oder die von der Entlarvung des falschen, weil japanischen Santa Claus, hat Klein George den echten, da „weißen“ doch im Kaufhaus gesehen.

Dann wieder erteilt er Geschichtsunterricht übers 442nd Regimental Combat Team, einer rein japanischen Einheit der US-Armee, als sich die „Messer im Rücken“ ebendieser ihr wegen der vielen Gefallenen endlich anschließen durften. Eine Chance, die unzählige „Nisei“ ergriffen und den Dienst fürs „Vaterland“, das sie nie als gleichberechtigt akzeptieren wollte, mit dem Leben gezahlten. Oder, als zweite „Chance“ die – welch tagesaktueller Begriff! – „Rückführung ins Heimatland“, ins kriegsgeschundene, immer noch mit Hitler verbündete Japan, ein Ausbürgern im Austausch gegen Kriegsgefangene.

© Takei, Eisinger, Scott & Becker/ Reprodukt

© Takei, Eisinger, Scott & Becker/ Reprodukt

Schließlich der Fragebogen mit der infamen Gewissensfrage, sich als amerikanische Patrioten zu erklären und gleichzeitig der japanischen Herkunft abzuschwören. Was für großen Unmut und die Umsiedlung ins weit schlimmere Lager Tule Lake sorgt. Stacheldraht hoch drei, und doch ist er ein Schutz, denn draußen häufen sich die rassistischen Gräueltaten. Dann Hiroshima und das bange Warten auf Post von den Verwandten, ein „Neuanfang“ in einem L.A.-Armenviertel, die Lehrerin, die den „Japsenbengel“ auf die Fahne schwören lässt.

Takei erzählt das alles nicht verbittert, sondern als versöhnlicher Mahner an ein Niemals-Vergessen. „Die Schuld, die durch unsere Internierung auf uns lag, löste in mir das Gefühl aus, dass ich es verdiente, mit diesem hässlichen Schimpfnamen belegt zu werden“, schreibt Takei übers Opfer-typische Denken, und: „Das ist bis heute ein Teil des Problems … das wir die unangenehmen Aspekte der amerikanischen Geschichte nicht kennen … und daher die Lektionen übersehen, die uns diese Kapitel zu lehren hätten.“

George Takeis Befreiungsschlag beginnt, wenn man so möchte, an der UCLA, wo er beim Theaterwissenschafts- studium erst Nichelle Nichols und über sie Martin Luther King kennenlernt, später Gene Roddenberry, der dem asiatischen Darsteller von Lakaien, Possenreißern und Bösewichten die Rolle seines Lebens anbietet. Letztes Bild, George Takei und sein Ehemann Brad Altman auf dem Gedenkfriedhof in Rohwer, sie beten; letzter Satz: „Unsere Geschichte darf weder Schwert sein, das Ungerechtigkeit rechtfertigt, noch Schild, das Fortschritt blockiert, sie muss ein Leitfaden sein, der verhindert, dass wir die Fehler der Vergangenheit wiederholen – denn nur wenn du frei bist, kann ich es auch sein.“

Über den Autor: George Takei, geboren 1937 in Los Angeles, wurde durch seine Rolle als Steuermann Hikaru Sulu in der „Star Trek“-Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“, 1965 von Gene Roddenberry persönlich dafür engagiert, und den nachfolgenden Kinofilmen international berühmt. Der japanische Amerikaner setzt sich insbesondere für die LGBT+-Bewegung ein und ist für seinen Kampf gegen den Rassismus bekannt. Takei wurde zwischen seinem fünften und achten Lebensjahr als einer von mehr als 120.000 japanisch-stämmigen US-Bürgern während des Zweiten Weltkriegs als Enemy Alien in ein Internierungslager gesperrt. Eine Tante und ein Cousin starben beim Atombombenabwurf auf Hiroshima.

© Takei, Eisinger, Scott & Becker/ Reprodukt

Im Oktober 2005, mit 68 Jahren, hatte Takei sein Coming-out, wiewohl seine Homosexualität unter seinen Fans schon lange ein offenes Geheimnis war. 2008 heiratete er seinen langjährigen Lebenspartner Brad Altman, nachdem das Oberste Gericht von Kalifornien das Verbot für gleichgeschlechtliche Ehen aufgehoben hatte. Trauzeugen waren seine Star-Trek-Freunde Nichelle Nichols und Walter Koenig. George Takei verfasste mehrere Bücher und wendet sich via Facebook, Twitter und Instagram auch täglich an seine mehr als 14 Millionen Follower.

Cross Cult Verlag, George Takei, Justin Eisinger, Steven Scott (Text), Harmony Becker (Zeichnungen): „They Called Us Enemy. Eine Kindheit im Internierungslager“, Graphic Novel, 208 Seiten. Übersetzt aus dem Englischen von Christian Langhagen.

www.cross-cult.de

  1. 12. 2020

Werk X: Geschichten aus dem Wiener Wald

Oktober 14, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Sportgymnastik mit Fascesbündeln

Die deutsch-afrikanischen Performer Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star, Annick Prisca Agbadou, Hauke Heumann und Gotta Depri. Bild: © Alexander Gotter

Dass Faschisten den Antifaschisten dieser Tage Faschismus vorwerfen, hält Hauke Heumann für eine beängstigende Skurrilität. Und während der Performer im Weiteren und mit Verweis auf aktuelle Vorkommnisse, Walter Lübcke und NPD-Stephan E., Halle und Stephan B., gelöschte Akten beim Verfassungsschutz, NSU, Beate Zschäpe und keine Suche nach etwaigen Unterstützern im Hintergrund, Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ ins Heute fortentwickelt, hat sich Annick

Prisca Agbadou einen Kittel mit Qualtinger-Prints übergeworfen, fungiert Gotta Depri längst als Lederhosenträger. Heimatkitsch trifft auf Kritik an ebendieser, und die Frage ist, wie viel faschistoide Tendenzen in diesem abgegriffenen Begriff stecken. Die sich diese stellen, sind das Künstlerkollektiv Gintersdorfer/Klaßen, Monika Gintersdorfer, Knut Klaßen und neben den bereits erwähnten Akteuren noch Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star, die im Werk X ihre Version des „Wiener Volksstück gegen das Wiener Volksstück“ (© Erich Kästner) zur Aufführung bringen. Dies mit den bewährten Methoden der deutsch-afrikanischen Truppe an ihrer einmaligen Schnittmenge von Drama und Tanz, Theater und Coupé Décalé, letzteres ein Musikstil von der Côte d’Ivoire, woher drei der Auftretenden stammen.

Ihr transkulturelles Konzept haben Gintersdorfer/Klaßen diesmal um die Musiker Der Nino aus Wien und Partnerin Natalie Ofenböck erweitert, für beide ist es die erste Theaterarbeit, in der sie nicht nur selbst komponierte Songs, teilweise nach Horváth-Originaltexten oder Ernst Arnolds „Draußen in der Wachau“ singen, sondern auch aus dieser Rolle treten, um eine auf der Spielfläche zu verkörpern. Die – auch im soziologischen Sinne – Struktur des Ganzen ist die Nacherzählung. Konkret geschieht’s da beispielsweise, dass Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star etwas auf Französisch berichtet, und wie er wichtig vor dem Publikum auf- und abstapft und dabei ausladend gestikuliert, folgt ihm Hauke Heumann in gleichem Schritt und Geste.

Heumanns Live-Übersetzungen sind sozusagen ein Gintersdorfer/Klaßen’sches Stilmittel, sein Nachhaken, Andersformulieren, Auslassen der Reibungskoeffizient zwischen den Ausdrucksformen, zwischen Charakter und Darsteller, zwischen Verstehen und Verhandeln. Heumanns Anmerkungen zur gezeigten Horváth-Interpretation, zu Stückinhalt und Inszenierungsweise ist die Inszenierung. Erklärt also Yao die Figur eines jungen, gut angezogenen Manns, konkretisiert ihn Heumann als Alfred, und stellt Der Nino lapidar fest: „Strizzi halt.“

Tanz den Horváth! Annick Prisca Agbadou, Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star und Gotta Depri. Bild: © Alexander Gotter

Pervertierung der Sportgymnastik: Depri, Yao, Heumann und Agbadou beim Turnen mit den Fasces. Bild: © Alexander Gotter

Wie Afrika als Fundament unterm „Wiener Wald“ liegt, so die Kommentare vom Nino als komödiantisch-sarkastische Folie darüber. „Difficile est satiram non scribere“, bemerkt Der Nino dazu. Aus der Beschreibung wird allmählich Darstellung, Szene um Szene schält sich aus dem Geschilderten. Yao kriecht als – böse, man weiß es – Großmutter wie eine Spinne über den Boden und kreischt gellend nach der sauren Milch. Agbadou macht die Marianne, Yao als Rittmeister einen Rückwärtssalto, Depri tritt als wuchtiger Zauberkönig auf.

Yao protestiert, geriert sich als großer Schauspieler und will zum Gaudium der Zuschauer sofort alle Rollen übernehmen. Depri und Yao schwärmen von der Valerie als selbstbewusster Frau, die Witwe sei ihre Lieblingsfigur, so die beiden, die „Draffiggantin“ führt Der Nino im Depressiv-Dialekt aus, weil sie eine ist, die sich nimmt, was sie braucht. Heißt: Sex. Und apropos: Später im Maxim wird Heumann mitteilen, dass auf Valeries hysterische Anfälle hier verzichtet wird: „Die Frauenschreie müssen wir auslassen, wir machen nicht so psychologisches Theater“, sagt er heiter entschuldigend.

In dieser Ansage über Verfremdung liegt ein tieferes Verständnis für Horváth, trotz oder eben gerade wegen der Anti-Einstellung des Abends – anti- psychologischer Annäherung, anti- kathartischem Effekt, anti- sogar Exzess. Wer wen oder über wen spricht, ändert sich ständig. Der Text durchläuft das Ensemble. Das uneigentliche Sprechen der Horváth’schen Figuren erfindet sich bei Gintersdorfer/Klaßen solcherart neu und aufs Extrem zugespitzt. Über den grotesk energischen Studenten Erich, dieser ein Vorbote des Nationalsozialismus, er laut Heumann die Repräsentationsfigur Deutschlands, kommt der zum eingangs beschriebenen Exkurs.

Und zur Rhythmischen Sportgymnastik als Kern der Gintersdorfer/Klaßen-Arbeit. Ausgehend von Mariannes Wunsch, diese einmal zu studieren, und der Pervertierung desselben, wenn sie am Ende ihres Weges als Nackttänzerin strippt, befasst sich die Gruppe sowohl mit den Theorien eines Émile Jaques-Dalcrozes, der durch die Gymnastik die Gesellschaft von ihren Zwängen befreit wissen wollte, als auch mit der Förderung der „organischen Volksgemeinschaft“ im Dritten Reich.

Neue Wienerlieder nach Horváth-Texten: Yao, Der Nino aus Wien, Heumann, Natalie Ofenböck im Spiegel und Depri. Bild: © Alexander Gotter

Qualtingerkittel trifft auf Lederhosenträger: Annick Prisca Agbadou und Gotta Depri, hinten: Natalie Ofenböck. Bild: © Alexander Gotter

In ihren „Geschichten aus dem Wiener Wald“ bewegen sich die Performer permanent im Raum, nach Art der Turnsportchoreografien vollführen sie Tanzschritte und Sprünge, „verbiegen“ sich im Wortsinn und in politischem, und verwenden als „Gerät“ schließlich schwarze Fasces, die Rutenbündel der italienischen Faschisten, übernommen von den Römern als äußeres Attribut der Herrschergewalt. Ein krasses Bild, wie die körperliche Offenbarung der Seele in Riefenstahl-Optik versinkt, wie Freikörperkultur und Reformpädagogik in NSDAP’sche Zucht und Ordnung kippen. Derart geben einem Gintersdorfer/Klaßen kaltwarm.

Auf eine großartige Szene an der schönen blauen Donau, wo Heumann als Valerie beim Umziehen von Alfred, vom Zauberkönig und von Erich bespechtelt wird, folgt die „pikante“, in Wahrheit brutale im Nachtclub, Der Nino aus Wien und Natalie Ofenböck singen „Jeder hat einen Traum, aber wahr wird er kaum“. Beim Heurigen zeigen die alsbaldigen Herrenmenschen im Spiegel ihre Fratzen, und drehen diesen natürlich genüsslich Richtung Zuschauertribüne. Wie’s für die Marianne ausgeht, ist bekannt, und als abschließendes Lied erklingt Oskars Verlobungsfeierdrohung: „Du wirst meiner Liebe nicht entgehen …“

Fazit: Diese zugleich Innenschau- wie Außenblickproduktion, die eine schon wieder nach rechts schunkelnde Gesellschaft in ihrer volksdümmlichen Gemütlichkeit und ihrem entmenschten Ausgrenzertum aufs Korn nimmt, ist eine der hervorragendsten, die das Werk X bis dato geboten hat. Ein würdiger Auftakt der unter dem Spielzeitmotto „Heimat und Arschloch“ stehenden Saison, der mit Bravour abgeschlossene Beweis, dass weder „Vaterland“ noch „Muttersprache“, sondern nur Individualität Identität erschafft.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=deXvxHFhwbY                werk-x.at           www.gintersdorferklassen.org

  1. 10. 2019

Galerie der Komischen Künste: Star Wars in Cartoons

Januar 28, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Möge der Witz mit dir sein

Miguel Fernandez: IPR Bild: Galerie der Komischen Künste

Miguel Fernandez: IPR
Bild: Galerie der Komischen Künste

In der Galerie der Komischen Künste im Wiener MuseumsQuartier startet am 28. Jänner die Ausstellung „Möge der Witz mit dir sein – Cartoons von der dunklen Seite“. Eine witzige Ausstellung für Star-Wars-Fans und alle, die es werden wollen. Spätestens wenn Yoda als ein wirklich schlechter Grammatiklehrer enttarnt wird oder Darth Vader das Ergebnis seines Vaterschaftstests erfährt, bringt diese außerirdische Sternenschau jeden zum Lachen.

Mit Bildern von Stephan Baumgarten, Peter Butschkow, Sascha Dörp, Tim Oliver Feicke, Miguel Fernandez, Flix, Dagmar Gosejacob, Katharina Greve, Markus Grolik, Steffen Gumpert, Gymmick, Oli Hilbring, Michael Holtschulte, Olga Hopfauf, Dorthe Landschulz, Ralf Marczinczik, Denis Metz, Martin Perscheid, Piero Masztalerz, Ari Plikat, POLO, Holga Rosen, Ralph Ruthe, Joscha Sauer, Schilling & Blum, Tobias Schülert, André Sedlaczek, Karsten Weyershausen und Martin Zak.

Der Eintritt ist frei.

www.komischekuenste.com

Wien, 28. 1. 2016

Star Wars Identities: Die Macht macht Station im MAK

Dezember 17, 2015 in Ausstellung

Die Originale aus "Die Rückkehr der Jedi-Ritter": Han Solo in Karbonit und Prinzessin Leias Sklavenkostüm Bild: © & TM 2015 Lucasfilm Ltd. All rights reserved. Used Under Authorization.

Die Originale aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“: Han Solo in Karbonit und Prinzessin Leias Sklavinnenkostüm. Bild: © & TM 2015 Lucasfilm Ltd. All rights reserved. Used Under Authorization.

VON MICHAELA MOTTINGER

Die erste Ewokin, die zur Jedi-Ritterin wurde

Rechtzeitig zum Start der neuen Episode, der siebenten, „Das Erwachen der Macht“, öffnet am 18. Dezember im Wiener MAK die Ausstellung „Star Wars Identities“ ihre Tore. Eine Gruppe Auserwählter -jahaha! – durfte sich vorab schon ein Bild von diesem interaktiven Museumsabenteuer machen. Und es ist großartig. Die exklusive Sammlung zeigt etwa 200 Exponate aus dem Lucas Museum of Narrative Art. Wie die nach Wien gereiste Leala French, Leiterin der Lucasfilm-Archive, sagt: „Keine Duplikate, sondern alles Originalobjekte aus den Filmen. Wir cruisen nicht mit zwei, drei Schauen rund um den Globus, dies ist die einzige, die weltweit zu sehen ist.“ Und die vor ihrem hiesigen Stopp immerhin schon von 2,1 Millionen Menschen gesehen wurde. Die kanadischen X3 Productions als Ausstellungsmacher haben’s möglich gemacht. „Wir machen die Besucher zum Teil des Ganzen“, erklärt deren Ermächtigte Sophie Desbiens, bevor es mit Darth Vaders „Imperial March“ und eskortiert von Stormtroopers hinein geht ins erweiterte Universum.

Zu sehen ist, was das Herz des Fans höher schlagen lässt. Etwa Han Solo in Karbonit und Prinzessin Leias Sklavinnenkostüm für Jabba The Hutt. Eines der letzten noch intakten Artefakte aus der Cantina-Szene auf Mos Eisley. Oder Sebulba und diverse Pod-Rennfahrer, die nicht computeranimiert, sondern gute alte Puppen sind. Anakins Fluggerät und das Raceroutfit von Anakin-als-Kind-Darsteller Jake Lloyd beim Boonta Eve Classic. Und: Die originalen C-3PO und R2-D2, natürlich ohne deren menschliche Füllung Anthony Daniels und Kenny Baker. Beide Schauspieler sind auch im siebenten Teil dabei und damit die einzigen, die die Saga bis dato vollständig miterlebt haben. Via Touchscreens erfährt man alles über Fähigkeiten und Eigenheiten der Charaktere.

Doch „Star Wars Identities“ will mehr sein als eine Ausstellungsstücke-Leistungsschau über das legendäre Sternenspektakel. Ein Team aus Psychologen, Neurowissenschaftlern und Genetikern geht darin der Frage nach Identität, nach dem Ursprung des Menschen nach. „Was uns bildet und was uns ausmacht“, wie French erläutert, weil man ihre Frage „Welche Mächte formen dich?“ beinah schon launig mit „Die Schwerkraft!“ beantwortet hätte. Zehn Themenbereiche von „Gene“ über „Kultur“ bis „Beschäftigungen“ sollen Aufschluss darüber geben, wie Denkvorgänge und Entscheidungen zustande kommen. Unter anderem wird einem auch der ökologische Fußabdruck, den der Mensch auf der Erde hinterlässt, deutlich vor Augen geführt.

Sei selbst ein Star-Wars-Held!

Den Hauptspaß an der Sache liefert allerdings ein RFID-Armband, das einem beim Eintritt in die Ausstellung übergeben wird, und das es möglich macht, selbst ein neuer Star-Wars-Held zu werden. Zumindest der Ehrgeiz dazu ist damit erwacht. Zunächst gilt es einen Avatar zu wählen: Wookiee oder Nautolan oder Mon Calamari, bei der eigenen Körpergröße am besten Ewok – Ewokin – und diese gilt es nun zu „entwickeln“. Was gar nicht so einfach ist, ist das hehre Ziel doch kein geringeres als Jedi-Ritterin zu werden. Die erste Ewokin als Jedi-Ritterin. Beim Gang durch die Ausstellung werden dazu diverse Aufgaben gestellt. Es gilt, über Erfahrungen und die Persönlichkeit Auskunft zu geben, einen Mentor zu suchen – Prinzessin Leia selbstverständlich, Frauenpower! – und sich mit dem Imperator zu konfrontieren.

„Dreißig Prozent unserer Besucher wählen die dunkle Seite“, sagt Desbiens, die am Ausgang der Quest auf die erschöpften, aber glücklichen Sternenkrieger wartet. „Wir haben festgestellt, dass Kinder sehr spielerisch an die Aufgaben herangehen, während die Erwachsenen ,ehrlich‘ sind und tatsächlich ihre eigene Person in den Avatar einbringen.“ Ertappt, und man hat nicht mit dem Imperator …, weil, man kann da auch als Farmer oder Musiker enden. Also stattdessen lieber unter „Werte“ Selbstbestimmtheit für sich und Güte für die anderen antippen, an der Selbstbezogenheit – dieses Programm weiß einfach alles – arbeiten, et voilà. Am Ende leuchtet sie auf dem Firmament, die Ewokin im Kapuzenumhang und mit Lichtschwert. Ein Bild, das man gleich weitermailen kann; der Ehemann am Telefon tut darob zumindest begeistert. Die gute Nachricht: Meine mutige Ewokin hat sogar eine Kommandozentrale der Bösewichte mit einem Schuss zerstört und ist nun in der ganzen Galaxie bekannt. Was soll man sagen? Die Macht ist eben stark in unserer Familie.

Beim zweiten Besuch steht ein Versuch als Corellianerin an. Die Frisur passt fast, und – ich mein‘ – 1 Meter 84?!?

www.starwarsidentities.at

Wien, 17. 12. 2015

Die Kinohighlights im Herbst

August 6, 2015 in Film, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das flimmernde Dutzend

The hateful Eight: Kurt Russell und Samuel L. Jackson Bild: The Weinstein Company

The hateful Eight: Kurt Russell und Samuel L. Jackson
Bild: The Weinstein Company

Alles wird leinwand: Neben dem neuen James-Bond-Abenteuer „Spectre“ und „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ gibt es im Kinoherbst allerlei Sehenswertes. mottingers-meinung.at freut sich auf folgende zwölf Filme:

September

Black Mass

Endlich einmal ohne Dreadlocks! Johnny Depp besinnt sich auf seine Kernkompetenz, nämlich Schauspieler statt Berufspirat zu sein, und gibt in Halbglatze den skrupellosen US-Verbrecher Joseph „Whitey“ Bulger, der seine lange Karriere auch dem Umstand zu verdanken hatte, dass er dem FBI als Informant im Kampf gegen die Mafia – die in seinem Territorium wilderte – diente. Verspricht ein spannender Mix aus Gangsterfilm und Biopic zu werden. An Depps Seite agieren unter anderem Benedict Cumberbatch und Kevin Bacon. Regie: Scott Cooper. Die Bostoner Unterweltlegende Bulger diente übrigens schon als Vorbild für Jack Nicholsons Figur Frank Costello in „Departed – Unter Feinden“.

www.blackmassthemovie.com

Oktober

Macbeth

Justin Kurzels Adaption von Shakespeares schottischem Stück ging beim diesjährigen Rennen um die Goldene Palme in Cannes zwar leer aus, das bildgewaltige Epos scheint aber allemal sehenswert zu sein. Michael Fassbender, derzeit im Western „Slow West“ in den heimischen Kinos zu sehen, und Marion Cotillard geben Macbeth und seine Lady. Laut Trailer sehr duster und sehr schön vom Wahnsinn umzingelt.

www.macbeth-movie.com

Hotel Transsilvanien 2

Teil eins des Animationsspaßes füllte 2012 weltweit die Kinokassen mit knapp 360 Millionen Dollar. Nun kommt die Fortsetzung der Gruselkomödie: Hotelbesitzer und Oberblutsauger Dracula hat, da sein Schwiegersohn ja einer ist, sein Haus nun auch für Sterbliche geöffnet. Sorgen macht ihm allerdings sein Enkel Dennis, der die Vampirsache nicht so recht ernst nimmt. Dracs Freunde Werwolf, Mumie und Frankensteins Monster sollen dem Nachtschattensprößling auf den Spitzzahn fühlen. Sicher wieder ein Riesenspaß.

www.hoteltmovie.com

Life

Anton Corbjins Biopic über James Dean lief schon bei der Berlinale. Dort war die Handlung manchen zu blutleer, allgemein gelobt wurden aber die schönen Bilder. Teenieschwarm Robert Pattinson schlüpft in die Rolle von Magnum-Fotograf Dennis Stock, der für das Life-Magazine Film-Enfant-terrible James Dean (Dane DeHaan, Variety nannte sein Spiel „magnetisch“) ablichten soll. Der Auftrag führt die beiden Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, quer durch die USA. Das Leben des mit seinen 26 Jahren schon ziemlich biederen Familienvaters Stock wird von der Kinoikone kräftig zentrifugiert – bis aus Staunen Freundschaft entsteht. True Story! Mal schauen.

lifethefilm.com

The Walk

1974 balancierte der französische Hochseilartist Philippe Petit in schwindelnder Höhe zwischen den New Yorker Twin Towers. Robert Zemeckis (Drehbericht samt Aufnahmen des und Interview mit dem echten Philippe Petit: www.mottingers-meinung.at/?p=10367) machte aus dessen Buch „To Reach The Clouds“ einen hoffentlich spannenden Film. Joseph Gordon-Levitt spielt den Wolkenkraxler.

thewalkmovie.tumblr.com

November

Spectre

Wie’s im Geheimagentenbusiness nun mal so ist, ist das Meiste streng geheim. Da kann man trotzig ein Schnütchen ziehen wie Daniel Craig, hilft alles nix. Aber egal. Ist ja nicht anzunehmen, dass das jüngste James-Bond-Abenteuer „Spectre“ in den bewährten Händen von Regisseur Sam Mendes, der auch schon für „Skyfall“ verantwortlich zeichnete, nicht wieder zum Riesenspektakel wird. Handlung: Eine mysteriöse Botschaft aus Bonds Vergangenheit bringt den Superspion auf die Spur einer sinistren Organisation. Während M – Ralph Fiennes folgte bekanntlich auf Judy Dench – gegen Politkräfte kämpfen muss, die dem Secret Service ans Leder wollen, enthüllt die Doppelnull die Machenschaften von „Spectre“. Monica Bellucci fungiert als „Bond-Girl“, Ben Whishaw wieder als Q, Christoph Waltz gibt den Bösewicht mit dem österreichischen Namen Oberhauser. Ob der Blofeld ist oder nicht, sagt uns erst .. Auch darüber, wer den Bond-Song singt, brodelt derzeit noch die Gerüchteküche.

www.007.com/spectre

The hateful Eight

Pflichtprogramm! Quentin Tarantino zum zweiten Mal auf der Fährte der beiden Sergios. Mit „The hateful Eight“ schuf er wohl wieder eine astreine Hommage an den Italowestern, diesmal im Schnee wie weiland Corbuccis Meisterwerk „Leichen plastern seinen Weg (Il grande silenzio)“. Wie Klaus Kinski ist auch Kurt Russell als Kopfgeldjäger mit Postkutsche und Verbrecherin (Jennifer Jason Leigh) unterwegs, allerdings will er die Holde nicht à la Vorbild im Schnee tieffrieren, sondern sie – um eben dies zu verhindern – in einer Stagecoachstation zwischenparken. Dort gibt sich bereits allerlei lichtscheues Gesindel ein Stelldichein: Man hat noch eine Bürgerkriegsrechnung miteinander offen. Mit Samuel L. Jackson, Tim Roth, Channing Tatum und dem großartigen Bruce Dern als abgehalftertem General. Ennio Morricone macht die Musik.

thehatefuleight.com

Irrational Man

Woody Allen kann auch mit beinah 80 nicht aus seiner Haut, muss er auch nicht, er hat ja Erfolg damit. „Irrational Man“ heißt sein jüngster Alter-Ego-Film, Joaquin Phoenix darf diesmal den Stadtneurotiker spielen, allerdings in einem beschaulich-ländlichen College, wo er als Philosophieprofessor am Sinn-des-Lebens-Bezweifeln und Zwischen-zwei-Frauen-Stehen laboriert. Und deshalb (?) an Erektionsstörungen. Die angeblich schwarzhumorige Komödie, die sich zum Krimi entwickelt, soll bissfester sein als ihr Vorjahrsvorgänger „Magic in the Moonlight“.  UK- und US-Kritiken waren nicht durchwegs freundlich, also selber ein Urteil bilden.

www.sonyclassics.com/irrationalman

The Martian

Ridley Scotts Ankündigung den faden „Prometheus“ mit einem Sequel zu adeln, darf zwar als gefährliche Drohung verstanden werden, trotzdem ist Science Fiction vom „Alien“-Altmeister ein Cineastenmuss. Des Sirs jüngste Mission führt zum Mars, er hat Andy Weirs Weltraumroman „The Martian“ für die Leinwand gebannt. Der Marsianer ist kein grünes oder andersfarbiges Männchen, sondern der von Matt Damon gespielte NASA-Astronaut Mark Watney, der von seinen Kollegen irrtümlich auf dem roten Planeten vergessen wird. Ohne Möglichkeit zur Kommunikation und mit beschädigter Ausrüstung beginnt für den Botaniker auf dem unwirtlichen fremden Himmelskörper der Überlebenskampf. Mit Jessica Chastain, Jeff Daniels und Sean Bean, der hier nach „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ den Film mutmaßlich überstehen wird. Wir freuen uns auf erwartungsgemäß tolle Bilder und eine klaustrophobische Stimmung.

www.foxmovies.com/movies/the-martian

Steve Jobs

Gerade erst hat die Oper von Santa Fe für 2017 die Premiere von „The (R)evolution of Steve Jobs“ aus der Feder von Komponist Mason Bates angekündigt, da kommt auch schon der nächste Film über das Apple-Genie ins Kino. Dem kann man nur mehr Glück wünschen als Ashton Kutchers abgestürztem „jOBS“. Garanten für ein vielschichtiges Werk über einen faszinierenden Zeitgenossen wären Autor Aaron Sorkin, Regisseur Danny Boyle und Hauptdarsteller Michael Fassbender jedenfalls. Dem gewieften Charakterdarsteller, dem keiner so schnell einen Apple für ein Ei vormacht (Tschuldigung, konnte nicht widerstehen 😉 ), sollte es doch möglich sein, Jobs überbordenden Geist, sein gefürchtetes Temperament, seine Kompromisslosigkeit und seinen Alleinherrscheranspruch in eine Figur zu gießen.

www.stevejobsthefilm.com

Dezember

Star Wars: Episode VII – The Force Awakens

Hurra, Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill sind wieder da! Nach den unsäglichen Episoden I bis III geht’s nun mit Han, Leia und Luke hoffentlich in bewährter Manier flottilotti weiter. Über die Handlung des ersten Teils der dritten Trilogie ist nicht viel bekannt: Wiewohl der Todesstern hin ist, lebt das Imperium als „The First Order“ weiter. Prinzessin Leia schickt Piloten auf Erkundungsflüge, ein geheimnisvolles Lichtschwert soll der Schlüssel zu einem Grab der bösen Sith sein, weshalb Rebellenheld Han Solo sich der Sache annimmt. Der braucht die Hilfe von Jedi Luke Skywalker. Doch sein alter Freund und Schwager ist im Exil … Mit J. J. Abrams als Regisseur dürfen die Erwartungen ruhig hoch liegen. Harrison Ford hat nach Beinbruch am Set zwischenzeitlich bewiesen, dass er alles überleben kann, auch selbstfabrizierte Flugzeugabstürze. Carrie Fischer möge in ihrer berüchtigt grummeligen Leiar, äh Leier, für feministischen Touch sorgen. Das „Oh, Anakin!“-Gesäusel ihrer unemanipierten Mutter Padmé Amidala war ja nicht zum Aushalten. In diesem Sinne: Möge die Macht mit uns sein!

www.starwars.com/the-force-awakens

Bridge of Spies

In the shadow of war, one man showed the world what we stand for. So der erste Satz, mit dem sich der Film vorstellt. Und, ehrlich, wer möchte bei so viel US-Propaganda nicht sofort ins Kino laufen? Da ist bitte nur einem PR-Menschen der Schreiberling durchgegangen? Steven Spielberg und Tom Hanks stehen eigentlich für mehr Qualität. Und auch ihr deutschsprachiger Mitstreiter Sebastian Koch. Inhalt des Zeitgeschichtethrillers: Im Kalten Krieg wird ein amerikanisches Spionageflugzeug über der Sowjetunion abgeschossen. Anwalt Hanks soll mit den Russen in Verhandlungen treten, um den Piloten vorm Arbeitslager zu retten. Ein Austausch auf der Glienicker Brücke in Berlin wird vorbereitet …

bridgeofspies.com

Wien, 6. 8. 2015