Opéra National de Paris: Calixto Bieitos „Carmen“ online

Mai 1, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Produktion kommt 2020/21 an die Staatsoper

Bild: © Vincent Pontet / OnP

Nicht nur die Wiener Staatsoper bietet derzeit Highlights aus dem Programm auf www.staatsoperlive.com zum kostenlosen Stream an, auch die Opéra National de Paris. Bis 3. Mai ist auf www.operadeparis.fr/magazine/carmen-replay die „Carmen“-Inszenierung von Regisseur Calixto Bieito zu sehen, die der designierte Staatsoperndirektor Bogdan Roščić zu Ostern 2021 nach Wien bringen will.

Am Pult Bertrand de Billy, es singen die Carmen – Elīna Garanča, den Don José – Roberto Alagna, die Micaëla – Maria Agresta und den Escamillo – Roberto Tagliavini. Mehr zu den Progamm-Plänen von Bogdan Roščić: www.mottingers-meinung.at/?p=39764           www.wiener-staatsoper.at

Bild: © Vincent Pontet / OnP

Bild: © Emilie Brouchon / OnP

Carmen-Trailer: www.youtube.com/watch?time_continue=47&v=zc-IOfWZhsU&feature=emb_logo           www.youtube.com/watch?v=t8kT9bS1R78           www.youtube.com/watch?v=wwXfJjqW_A4           www.youtube.com/watch?v=ROYGZort6oo            www.youtube.com/watch?v=DN5I7e9KtkQ           www.operadeparis.fr/magazine/souvenirs-de-scene-santoni

Calixto Bieito im Gespräch (fr/en): www.operadeparis.fr/magazine/liberer-carmen          www.operadeparis.fr/en/magazine/freeing-carmen           Die komplette Oper: www.operadeparis.fr/magazine/carmen-replay

1. 5. 2020

Die Staatsoper auf ORF III: Spielplanpräsentation 2020/21

April 26, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Bogdan Roščić spricht über Pläne, Anna Netrebko singt

Bogdan Roščić ist neuer Direktor der Staatsoper. Bild: Regina Aigner/BKA

Mit der Spielplanpräsentation des designierten Direktors Bogdan Roščić für die Saison 2020/21 wird an der Wiener Staatsoper nun offiziell eine neue Ära eingeleitet. Da es dem Haus am Ring #Corona-bedingt nicht möglich ist, diese live abzuhalten, findet die Saisonvorschau erstmals im Fernsehen statt – heute, 21.30 Uhr, ORF III.

Programmatisch setzt Roščić drei Schwerpunkte: Mozart, Wagner sowie jene klassisch gewordenen Opern des 20. Jahrhunderts, die wie eine Brücke sind zwischen der Tradition und den Kompositionen der Zeitgenossen. Der Fokus auf Mozarts Werk bedeutet 2020/21 zunächst das Schließen einer großen Lücke im Repertoire. Seine „Entführung aus dem Serail“, bis ins Jahr 2000 im Haus am Ring fast 700 mal gespielt, wird in Hans Neuenfels’ virtuoser Inszenierung gezeigt.

2021/22 beginnt dann die Erarbeitung einer neuen Da-Ponte-Trilogie in der Regie von Barrie Kosky. Er wird aber auch in der nächsten Spielzeit präsent sein – mit seiner preisgekrönten „Macbeth“-Produktion. Am Beginn der Erneuerung des Wagner-Repertoires steht „Parsifal“ in Zusammenarbeit mit dem russischen Theater-Magier Kirill Serebrennikow. 2021/22 folgt dann „Tristan und Isolde“ mit Calixto Bieito, der aber schon zu Ostern 2021 sein Staatsopern-Debüt gibt – und zwar mit der Übernahme seiner weltweit gefeierten „Carmen“-Inszenierung.

Die klassische Moderne wird vertreten sein durch den Mann, der vielleicht mehr als jeder andere zum Kanon der Oper nach 1945 beigetragen hat: Hans Werner Henze mit „Das verratene Meer“. Eine Saison später folgt das vielleicht wichtigste Werk des 20. Jahrhunderts: Alban Bergs „Wozzeck“ in einer neuen Inszenierung von Simon Stone. Schon im März 2021 debütiert Stone an der Staatsoper mit seiner neuen Inszenierung der „Traviata“, die Bogdan Roščić mit ihm und der Opéra national de Paris produziert hat.

Ans Dirigtenpult kehren kommende Spielzeit vertraute Namen wie Christian Thielemann, Franz Welser-Möst oder Bertrand de Billy zurück. Das im Zentrum aller Planungen stehende Ensemble mit vielen neuen Stimmen wird ergänzt durch die Mitglieder des soeben gegründeten Studios, in dem ganz junge Sängerinnen und Sänger den Anfang ihrer internationalen Karriere setzen. Die Saison 2020/21 ist ebenfalls der Beginn einer neuen Ära für das Staatsballett. Der Schweizer Choreograph Martin Schläpfer übernimmt die Führung der Kompagnie. Seine erste Kreation für Wien ist Mahler gewidmet, dessen 4. Symphonie Schläpfer für die gesamte Kompagnie choreographiert, also für mehr als hundert Tänzerinnen und Tänzer.

Anna Netrebko. Bild: © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Jonas Kaufmann. Bild: © Gregor Hohenberg / Sony Classical

Elīna Garanča. Bild: © Paul Schirnhofer / Deutsche Grammophon

Auf ORF III geben neben Bogdan Roščić www.youtube.com/watch?v=kdcXxn-31jk der designierte Musikdirektor Philippe Jordan, zugeschaltet aus Paris, sowie der künftige Leiter des Wiener Staatsballetts Martin Schläpfer, per Videoschaltung aus Düsseldorf, Einblicke in die kommende Spielzeit. In Videoclips berichten auch die Künstlerinnen und Künstler sowie die Regisseure von ihrer bereits angelaufen gewesenen Arbeit an den geplanten zehn Produktionen.

Darunter Anna Netrebko www.youtube.com/watch?v=hMrlVkZuHhg, Jonas Kaufmann www.youtube.com/watch?v=Hzj2PFk1sfc&t=20s, Elīna Garanča www.youtube.com/watch?v=9QmJSBC6Bfk und Asmik Grigorian www.youtube.com/watch?v=mVhLwjAQGag, Barrie Kosky www.youtube.com/watch?v=s0UgNfLl4Mg, Simon Stone www.youtube.com/watch?v=aOUQ_ekTpGQ&t=24s, Jossi Wieler, Sergio Morabito und Anna Viebrock www.youtube.com/watch?v=UkRVWy1bgHo, Hans Neuenfels www.youtube.com/watch?v=RD6vD2AvtTo, Calixto Bieito www.youtube.com/watch?v=BkWNqhGQIKE, Kate Lindsey und Jan Lauwers www.youtube.com/watch?v=h5dF9vtIyEI&t=88s.

Musikalischer Höhepunkt der Spielplanpräsentation sind drei besondere Auftritte: Operndiva Anna Netrebko gibt Giacomo Puccinis „In quelle trine morbide“ aus „Manon Lescaut“ zum Besten. Die österreichische Mezzosopranistin Patricia Nolz, auch Mitglied des neugeschaffenen Opernstudios, singt „Morgen!“ von Richard Strauss, und der slowakische Bassist Peter Kellner, Ensemble-Mitglied der Wiener Staatsoper, präsentiert die Arie „Se vuol ballare“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Le nozze di Figaro“. Jendrik Springer, Pianist und Musikalischer Studienleiter der Wiener Staatsoper, begleitet die Solistinnen und den Solisten am Klavier.

Die Sendung wird via TVthek.ORF.at als Live-Stream sowie für sieben Tage als Video-on-Demand bereitgestellt. Sie ist live auf der Klassikplattform www.myfidelio.at und anschließend in der fidelio-Klassithek abrufbar.

www.wiener-staatsoper.at/spielzeit-202021

Die Videos zur Saison 2020/21: www.wiener-staatsoper.at/die-staatsoper/mediathek

26. 4. 2020

Wiener Staatsoper: Live-Onlinekonzert mit Anna Netrebko, Yusif Eyvazov, Juan Diego Flórez …

April 16, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Stars singen Hits aus Oper, Operette und Musical

Anna Netrebko und Yusif Eyvazov. Bild: CD „Romanza“, 2017 (Detail) © Panorama & Deutsche Grammophon

Am 19. April präsentieren ORF III, Ö1 und die Klassikplattform fidelio ab 20.15 Uhr den ersten von vorerst drei hochkarätigen Musikabenden live aus dem Großen Sendesaal des RadioKulturhauses. Das gemeinsam mit der Wiener Staatsoper gestaltete Auftaktkonzert glänzt mit beliebten Stars: Das Programm reicht von bekannten Opernarien und Klassikstücken bis zu ganz persönlichen musikalischen Botschaften der Künstlerinnen und Künstler.

So präsentieren Anna Netrebko und Yusif Eyvazov gemeinsam „Non ti scordar di me“ von Ernesto De Curtis. Anna Netrebko singt das Morgenständchen „Mattinata“ von Ruggero Leoncavallo und Rachmaninows „Son“ nach einem Gedicht von Heinrich Heine, Eyvazov die Arie des Nemorino „Una furtiva lagrima“ aus „L’elisir d’amore“ von Gaetano Donizetti und „L’Ultima Canzone“ von Francesco Paolo Tosti.

„Wir freuen uns sehr auf das Konzert am Sonntag. Wir vermissen das Publikum in dieser schwierigen Zeit und hoffen, wir können den Menschen zu Hause eine kleine Freude machen“, so Netrebko und Ehemann Eyvazov.

Juan Diego Flórez gibt Franz Schuberts „An die Musik“ und „La mia letizia infondere“ aus Giuseppe Verdis „I Lombardi“ zum Besten. Sopranistin Valentina Nafornița singt die Juwelenarie der Marguerite „Oh Dieu! Que de bijoux! … Ah! Je ris de me voir“ aus Charles Gounods Oper „Faust“ und Sergej Rachmaninows „Zdes‘ khorosho“. Ein weiteres Rachmaninow-Lied interpretiert Mezzosopranistin Elena Maximova mit „Ja zhdu tebja“, außerdem aus Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ die Arie des Nicklausse „C’est l’amour vainqueur“. Freuen kann sich das Publikum auch auf Bassbariton Tomasz Konieczny mit George und Ira Gershwins „Embraceable You“ und Stanisław Moniuszkos „Kozak“ sowie auf den südkoreanischen Bass Jongmin Park mit „Ideale“ von Francesco Paolo Tosti und „Auf der Wippe“ von Young-Shin Noh.

Nach der Staatsoper am 19. April stehen Konzerte der Volksoper am 26. April und der Vereinigten Bühnen Wien am 3. Mai an. Die Abende werden als Live-Stream und nach der TV-Ausstrahlung für sieben Tage als Video-on-Demand via ORF-TVthek kostenlos bereitgestellt. Die Staatsoper zeigt darüber hinaus auf ihrer  Streaming-Plattform www.staatsoperlive.com täglich und für jeweils 24 Stunden Aufzeichnungen früherer Opern- und Ballettvorstellungen. Heute ist dies beispielsweise „Der Rosenkavalier“ von 2017, dirigiert von Adam Fischer, in einer Inszenierung von Otto Schenk, oder am 18. April „Der Nussknacker“ aus dem Jahr 2012 in der Choreografie von Rudolf Nurejew.
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www.wiener-staatsoper.at           tv.orf.at/orfdrei           www.myfidelio.at           TVthek.ORF.at
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16. 4. 2020

Volksoper: König Karotte

November 24, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Geniestreich mit Gemüse-Coup d’État

Jetzt regiert das Gemüse: Sung-Keun Park als König Karotte mit seinem grimmigen Grünzeuggefolge. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Dass jede Ähnlichkeit mit orangegesichtigen Politikern erwünscht und bestimmt nicht zufällig ist, klärt sich spätestens bei den von Marco Di Sapia gesungenen Couplets über Donald und Boris. Dem Casinos-Postenschacher ist selbstverständlich auch eine Strophe gewidmet, so frisch, dass Di Sapia sie von einem aus dem Souffleurkasten gereichten Blatt ablesen muss. Da sind die Lacher auf seiner Seite, ja, es stimmt, jedes Volks hat die Vertreter, die es via Wahl selbst verschuldet, und wieder erinnerlich wird,

dass es in Österreich sogar eine Partei oranger Farbe gibt, die politische Südfrucht, seit ihre Sonne vom Himmel fiel, freilich zu ein paar Früchtchen verschrumpelt. Die nationale Losung jedoch ist längst nicht so passé wie ihr Bündnis. Sie wird von immer neuen Schülern hoch und heilig und mittelmeerfarben gehalten, und honi soit …, wenn Regisseur Matthias Davids den Chor als biersüffelnde Burschenschafter auf die Bühne stellt, damit das Ganze von Anfang an Schmiss hat. Dies Ganze, ein Gesamtkunstwerk ist „König Karotte“, Opéra-bouffe-féerie aus den Federn von Jacques Offenbach und Librettist Victorien Sardou, die Koproduktion mit der Staatsoper Hannover gestern an der Volksoper zur Wiener Premiere gebracht.

Davids hat die Musiktheaterrarität zum 200. Geburtstag des Komponisten als durchgedrehtes Kaleidoskop voll aktueller Anspielungen inszeniert, erstaunlich außerdem, wie wenig Sardous bissige Kommentare zu Populismus, Opportunismus, Machtmissbrauch und dem schnellen Seitenwechsel der Masse an Brisanz verloren haben. Nicht nur die Corps-Geister erscheinen da beinah gegenwärtig, sondern auch Sätze von Di Sapias wendehälsischem Polizeichef Pipertrunck, der in jeder zweiten Szene sein „Ich bin zu euch übergelaufen“ verkündet, aber auch das Kabinett davor warnt: „Ohne uns kippt die Karotte nach links.“

Die Gartenmöhre also. Kommt aus ebendiesem des Regenten Fridolin XXIV., der Blaublüter ein verwöhnter Partyprinz, der sich mit seiner ruinösen Spaßgesellschaft vergnügt, so dass mit dem Hof kein Staat mehr zu machen ist. Fridolins Capricen haben das Reich in den Bankrott getrieben, der verarmte Adelsmann soll daher nach dem Willen seiner Berater mit der begüterten Prinzessin Kunigunde vor den Traualtar treten. Doch noch einer schmiedet Regierungspläne. Der gute Geist Robin will den verschwenderischen Herrscher als Erziehungs- maßnahme vom Thron stürzen, gerade Recht kommt ihm da der Rachedurst der bösen Hexe Kalebasse, die das Problem bei der Wurzel packt – und dieselbe aus ihrer finsteren Unterwelt ans Licht und zum König befördert.

Die Hexe holt die Wurzeln ans Licht: Christian Graf und Sung-Keun Park. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Karotte inspiziert sein mittels Zauber erobertes Reich: Sung-Keun Park. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Die Verlobte ist zum Feind übergelaufen: Julia Koci und Mirko Roschkowski. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Ein Staats-Streich vom Feinsten ist das, wenn das vegetabile Gefolge mitten durch die Zuschauerreihen Richtung Palast stapft, Lauch, Rote Rübe, Radieschen und Zwiebel dabei wahrlich keine Gemüsebeetbrüder, sondern per dunkler Sonnenbrille als sinistre Geheimdienstler ausgewiesen. Mit einem Propagandazauberspruch macht Kalebasse die Einwohner von Krokodyne gefügig – et voilà: Fridolin und Freunde flüchten … Frech und frisch setzen Matthias Davids und Dirigent Guido Mancusi den Offenbach-Sardou’schen, schier uferlosen Ideenreigen um, der vom antiken Pompeji über einen Ameisenstaat bis zu einer Affeninsel, in ein Turmverlies, eine Magierwerkstatt und zu einem Aufstand der Ritterrüstungen führt. Mit Mancusi am Pult mäandern Sänger wie Orchester meisterlich durch den musikalischen Mix aus großen Arien und noch riesigeren Chorsequenzen, Auftrittscouplets, Lautmalerei, Schlagern, sinfonischen Momenten und Schubert-Zitaten.

Hinreißend sind die Grünzeugkostüme von Susanne Hubrich, in denen allen voran Hausdebütant Sung-Keun Park als König Karotte gesanglich wie darstellerisch alles gibt. Der koreanisch-stämmige Buffo-Tenor bewältigt die sehr hohe Partie sozusagen spielend, er lässt nicht nur die Stimme, sondern auch die Körpersprache zwischen Machtwahn und kühlem Kalkül changieren, oder krakeelt in einer Art Pflanz-Kauderwelsch, weil nicht viel im, wer einen Karotten-Kopf hat. Hängen ihm anfangs noch die Stängelblätter aus dem Hosenschlitz, und wieder ist jede Ähnlichkeit mit einem präsidialen Reißverschluss …, wird er die Rübe am Ende ohnedies einziehen müssen.

Mirko Roschkowski ist ein fabelhafter Fridolin, der als berufsjugendlicher Genusssüchtler mal am Megajoint, mal an der Hopfenkaltschale nuckelt, der seinen mal weich fließenden, mal strahlenden Spinto schön zur Geltung zu bringen weiß – und darüber hinaus ein grandioses Talent für verzweifelte Komik besitzt. Ihm in nichts nach steht Juli Koci, die die Prinzessin Kunigunde zum burschikosen It-Girl macht, das seine sexy Vorzüge zu seinem Vorteil einzusetzen weiß, bevor sie im Wortsinn von der Karotte verzaubert ist, und deren Pfahlwurzel, als wär’s ein Phallus, liebkost. Große Klasse, wie Kocis Temperament über weite Strecken die Aufführung dominiert! Besonderen Publikumszuspruchs durfte sich Amira Elmadfa erfreuen, die als guter Geist Robin in Windeseile durch den Bühnenparcours turnt, und dabei ihren Mezzo so kraft- wie gefühlvoll klingen lässt.

Partyprinz meets adeliges It-Girl: Julia Koci als Prinzessin Kunigunde und Mirko Roschkowski als Fridolin XXIV. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Der Hofstaat steht Kopf: Josef Luftensteiner, Marco Di Sapia, Mirko Roschkowski, Jakob Semotan und Boris Eder. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Man sucht Rat bei Zauberer Quiribibi: Christian Graf mit Marco Di Sapia, Johanna Arrouas, Mirko Roschkowski, Amira Elmadfa und Yasushi Hirano. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Der Karotte geht allmählich der Saft aus: Sung-Keun Park, Boris Eder, Julia Koci und Franz Suhrada als Kammerherr Psitt. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Johanna Arrouas gestaltet mit leichtem, luftigen Sopran das in Fridolin verliebte, von Kalebasse eingekerkerte Burgfräulein Rosée-du-Soir als herzgewinnende Optimistin, und eine drollige Pointe ist, wie sie ihre Koloraturarie à la Olympia vorträgt. Christian Graf glänzt einmal mehr als Drag Queen, als maliziöse Hexe Kalebasse, die ihr Busensausen mittels Zauberstab up-pusht, und als sich in seine Bestandteile zerlegender Zauberer Quiribibi – die Szenen mit Graf wie stets komödiantische Kabinettstücke, etwa, wenn er das Gemüse mit ausladender Geste aus der Erde dirigiert und die Pflanzenzombies so zu ihren ersten Schritten auf dieser einlädt.

Zu Marco Di Sapias großartigem Pipertrunck gesellen sich als Hofnarren-Quartett: Boris Eder als geckenhafter, dem Geld nachjammernder Schatzmeister Baron Koffre, Jakob Semotan als kriegsversehrter Schlachtenminister Marschall Track, Josef Luftensteiner als furchtsamer Geheimrat Graf Schopp – und Yasushi Hirano als Schwarzmagier Truck, wobei dessen Bassbariton im Gesprochenen – Achtung: Running Gag – auf Japanisch erdröht. „König Karotte“ an der Volksoper erweist sich als Geniestreich mit Gemüse-Coup d’État; das Ensemble erfreut, abgesehen von der sängerischen Brillanz, mit seiner überbordenden Spielfreude.

Ein kurzweiliger, dreistündiger Abend, bei dem Politsatire und absurder Witz perfekt ineinandergreifen, der aber, quietschbunt und fröhlich, wie er ist, auch für die jüngsten Volksoperngeher gut funktionieren wird. Zum Schluss wird, als das Gelbwesten-Volk endlich aufbegehrt, der seit einiger Zeit vor sich hinwelkende Wurzelschrat zurück ins Beet verbannt – eine Utopie, wie zu wünschen wäre.

Kurzeinführung: www.youtube.com/watch?v=6JEkRSYH2Q0  www.youtube.com/watch?v=JWvcbmMDHBU

Regisseur Matthias Davids und Dirigent Guido Mancusi im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=tM9xNxYAZvo

Die Solistinnen und Solisten im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=N4tt2i5oq4Q               www.volksoper.at

  1. 11. 2019

Jazz Fest Wien: Das Programm für die Staatsoper steht

März 4, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Von Burt Bacharach bis Cindy Lauper

Cyndi Lauper: Das ewig schlimme Mädchen mit der Piepsstimme kommt in die Staatsoper Bild: © Jazz Fest Wien Archive

Cyndi Lauper: Das ewig schlimme Mädchen mit der Piepsstimme kommt in die Staatsoper
Bild: © Jazz Fest Wien Archive

Am 28. Juni verwandelt sich Wien wieder in die Welthauptstadt des Jazz. Das Jazz Fest Wien hat bereits einige Programmhighlights vermeldet. Das Programm für die Wiener Staatsoper ist nun fixiert. Mit Konzerten von Burt Bacharach, Brad Mehldau, Wolfgang Muthspiel, Bobby McFerrin, Jamie Cullum und Ludovico Einaudi waren die ersten Glücksbringer für einen Abend in der Oper ja schon bekannt gegeben worden. Nun vervollständigen die Damen Cyndi Lauper, Beth Hart und Meena Cryle das Line-up.

Die Termine im Überblick:

1. Juli: Burt Bacharach
2. Juli: Bobby McFerrin, „Bobby loves Brazil“
3. Juli: Cyndi Lauper / Meena Cryle & Band
4. Juli: Beth Hart
5. Juli: Wolfgang Muthspiel / John Scofield / Brad Mehldau / Mark Guiliana
6. Juli: Jamie Cullum
7. Juli: Ludovico Einaudi (Achtung: Das Konzert ist bereits ausverkauft!)

www.viennajazz.org 

Wien, 4. 3. 2016