Die Staatsoper auf ORF III: Spielplanpräsentation 2020/21

April 26, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Bogdan Roščić spricht über Pläne, Anna Netrebko singt

Bogdan Roščić ist neuer Direktor der Staatsoper. Bild: Regina Aigner/BKA

Mit der Spielplanpräsentation des designierten Direktors Bogdan Roščić für die Saison 2020/21 wird an der Wiener Staatsoper nun offiziell eine neue Ära eingeleitet. Da es dem Haus am Ring #Corona-bedingt nicht möglich ist, diese live abzuhalten, findet die Saisonvorschau erstmals im Fernsehen statt – heute, 21.30 Uhr, ORF III.

Programmatisch setzt Roščić drei Schwerpunkte: Mozart, Wagner sowie jene klassisch gewordenen Opern des 20. Jahrhunderts, die wie eine Brücke sind zwischen der Tradition und den Kompositionen der Zeitgenossen. Der Fokus auf Mozarts Werk bedeutet 2020/21 zunächst das Schließen einer großen Lücke im Repertoire. Seine „Entführung aus dem Serail“, bis ins Jahr 2000 im Haus am Ring fast 700 mal gespielt, wird in Hans Neuenfels’ virtuoser Inszenierung gezeigt.

2021/22 beginnt dann die Erarbeitung einer neuen Da-Ponte-Trilogie in der Regie von Barrie Kosky. Er wird aber auch in der nächsten Spielzeit präsent sein – mit seiner preisgekrönten „Macbeth“-Produktion. Am Beginn der Erneuerung des Wagner-Repertoires steht „Parsifal“ in Zusammenarbeit mit dem russischen Theater-Magier Kirill Serebrennikow. 2021/22 folgt dann „Tristan und Isolde“ mit Calixto Bieito, der aber schon zu Ostern 2021 sein Staatsopern-Debüt gibt – und zwar mit der Übernahme seiner weltweit gefeierten „Carmen“-Inszenierung.

Die klassische Moderne wird vertreten sein durch den Mann, der vielleicht mehr als jeder andere zum Kanon der Oper nach 1945 beigetragen hat: Hans Werner Henze mit „Das verratene Meer“. Eine Saison später folgt das vielleicht wichtigste Werk des 20. Jahrhunderts: Alban Bergs „Wozzeck“ in einer neuen Inszenierung von Simon Stone. Schon im März 2021 debütiert Stone an der Staatsoper mit seiner neuen Inszenierung der „Traviata“, die Bogdan Roščić mit ihm und der Opéra national de Paris produziert hat.

Ans Dirigtenpult kehren kommende Spielzeit vertraute Namen wie Christian Thielemann, Franz Welser-Möst oder Bertrand de Billy zurück. Das im Zentrum aller Planungen stehende Ensemble mit vielen neuen Stimmen wird ergänzt durch die Mitglieder des soeben gegründeten Studios, in dem ganz junge Sängerinnen und Sänger den Anfang ihrer internationalen Karriere setzen. Die Saison 2020/21 ist ebenfalls der Beginn einer neuen Ära für das Staatsballett. Der Schweizer Choreograph Martin Schläpfer übernimmt die Führung der Kompagnie. Seine erste Kreation für Wien ist Mahler gewidmet, dessen 4. Symphonie Schläpfer für die gesamte Kompagnie choreographiert, also für mehr als hundert Tänzerinnen und Tänzer.

Anna Netrebko. Bild: © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Jonas Kaufmann. Bild: © Gregor Hohenberg / Sony Classical

Elīna Garanča. Bild: © Paul Schirnhofer / Deutsche Grammophon

Auf ORF III geben neben Bogdan Roščić www.youtube.com/watch?v=kdcXxn-31jk der designierte Musikdirektor Philippe Jordan, zugeschaltet aus Paris, sowie der künftige Leiter des Wiener Staatsballetts Martin Schläpfer, per Videoschaltung aus Düsseldorf, Einblicke in die kommende Spielzeit. In Videoclips berichten auch die Künstlerinnen und Künstler sowie die Regisseure von ihrer bereits angelaufen gewesenen Arbeit an den geplanten zehn Produktionen.

Darunter Anna Netrebko www.youtube.com/watch?v=hMrlVkZuHhg, Jonas Kaufmann www.youtube.com/watch?v=Hzj2PFk1sfc&t=20s, Elīna Garanča www.youtube.com/watch?v=9QmJSBC6Bfk und Asmik Grigorian www.youtube.com/watch?v=mVhLwjAQGag, Barrie Kosky www.youtube.com/watch?v=s0UgNfLl4Mg, Simon Stone www.youtube.com/watch?v=aOUQ_ekTpGQ&t=24s, Jossi Wieler, Sergio Morabito und Anna Viebrock www.youtube.com/watch?v=UkRVWy1bgHo, Hans Neuenfels www.youtube.com/watch?v=RD6vD2AvtTo, Calixto Bieito www.youtube.com/watch?v=BkWNqhGQIKE, Kate Lindsey und Jan Lauwers www.youtube.com/watch?v=h5dF9vtIyEI&t=88s.

Musikalischer Höhepunkt der Spielplanpräsentation sind drei besondere Auftritte: Operndiva Anna Netrebko gibt Giacomo Puccinis „In quelle trine morbide“ aus „Manon Lescaut“ zum Besten. Die österreichische Mezzosopranistin Patricia Nolz, auch Mitglied des neugeschaffenen Opernstudios, singt „Morgen!“ von Richard Strauss, und der slowakische Bassist Peter Kellner, Ensemble-Mitglied der Wiener Staatsoper, präsentiert die Arie „Se vuol ballare“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Le nozze di Figaro“. Jendrik Springer, Pianist und Musikalischer Studienleiter der Wiener Staatsoper, begleitet die Solistinnen und den Solisten am Klavier.

Die Sendung wird via TVthek.ORF.at als Live-Stream sowie für sieben Tage als Video-on-Demand bereitgestellt. Sie ist live auf der Klassikplattform www.myfidelio.at und anschließend in der fidelio-Klassithek abrufbar.

www.wiener-staatsoper.at/spielzeit-202021

Die Videos zur Saison 2020/21: www.wiener-staatsoper.at/die-staatsoper/mediathek

26. 4. 2020

Bundestheater-Chef Georg Springer geht

Juni 23, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Tritt mit 30. Juni als Geschäftsführer zurück

Bild: Bundestheater Holding

Bild: Bundestheater Holding

Wie der ORF berichtet wien.orf.at/news/stories/2654144/ tritt Georg Springer als Geschäftsführer der Bundestheater-Holding mit 30. Juni zurück. Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, „um eine Versachlichung der Diskussion um die Bundestheater-Holding zu ermöglichen“, so Springer. Er habe Kulturminister Josef Ostermayer vergangenen Freitag „in einem ausführlichen, persönlichen Gespräch informiert und über das Wochenende die nötigen Vorbereitungen für meinen Rücktritt getroffen“, so Springer. „Mein Geschäftsführervertrag wird mit 30. Juni 2014 einvernehmlich aufgelöst, so dass ich anschließend in den Ruhestand treten werde.“

„Dieser von mir allein und aus freien Stücken getroffenen Entscheidung liegt die Sorge zugrunde, in einer besonders wichtigen Phase des Unternehmens zu einer Belastung der Holding, damit des Bundestheaterkonzerns und seines Eigentümers zu werden“, heißt es weiter. Die Geschäfte der Bundestheater-Holding werden vorübergehend von Springers Stellvertreter Othmar Stoss übernommen. Der Prozess zur angekündigten Strukturreform der Holding soll „zügig fortgesetzt“ werden, hieß es in einer Aussendung Ostermayers.

Springer (geboren 1946 in Wien) studierte Jus in Wien und war anschließend Universitätsassistent für Staats- und Verwaltungsrecht in Wien, danach bis 1988 im Bundeskanzleramt tätig. Ab 1988 hatte er das Amt des stellvertretenden Generalsekretärs der österreichischen Bundestheater inne, ab 1991 das des Generalsekretärs. Seit 1999  war er Geschäftsführer der Bundestheater-Holding GesmbH. Springer ist Kuratoriumsmitglied der Salzburger Festspiele.

www.bundestheater-holding.at

Burgtheater: Karin Bergmann folgt Hartmann

März 19, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Hermann Beil wird „ehrenamtlicher Berater“

Karin Bergmann und Josef Ostermayer  Bild: Andy Wenzel/BKA

Karin Bergmann und Josef Ostermayer
Bild: Andy Wenzel/BKA

Kulturminister Josef Ostermayer ist ein Mann der schnellen Entschlüsse. Und der guten. Das ehrt ihn. Dienstagabend traf er seine Protagonisten zum Entscheidungsgespräch, heute Mittag hat er seinen Entschluß bekannt gegeben: Karin Bergmann übernimmt nach der fristlosen Entlassung von Matthias Hartmann in der Vorwoche bis August 2016 interimistisch die Führung des Wiener Burgtheaters. Diese Entscheidung präsentierte Ostermayer  gemeinsam mit dem Burg-Aufsichtsratschef Christian Strasser. Hermann Beil (72) wird als „ehrenamtlicher Berater“ fungieren. Bergmann (60) war Burg-Vizedirektorin und ist die erste Frau in der neuen Position, ein Provisiorium, das typisch österreichisch gern zur Dauerlösung werden könnte. Beil war Claus Peymanns früherer Kodirektor am Burgtheater und ist sein jetziger Chefdramaturg am Berliner Ensemble. Er ging mit ihm auch schon eine Hose kaufen, war mit ihm essen und auf der Sulzwiese … Vor-/Nachteil: Beil ist ein Unbestechlicher, der es immer schon abgelehnt hat, Theaterintendanzen zu übernehmen.

Ostermayer, der die letzten Tage intensive Verhandlungen führte, scheint wichtig, dass eine Profin die Burg übernimmt, niemand aus dem Ensemble. Er braucht Troubleshooter. Und Bergmann darf zugetraut werden, die Burg-Krise samt ihres Budget-Fehlbetrags von bis zu 13 Millionen Euro zu stemmen, vielleicht wäre eine Art Hypo Alpe Burg (dass Hartmann nie auf diesen Slogan gekommen ist: Alpe Burg Adria) drin, damit hat man hierzulande ja Erfahrung, und sich auch beim kommenden Kultur-Sparpaket von den Politikern nicht über den Tisch ziehen zu lassen. Dass sich die Verhandlungen um die interimistische Intendanz als so schwierig erwiesen, hat Gründe. Bergmann hatte Spannungen mit dem mächtigen Holding-Chef Georg Springer, dessen Position aber seit der Krise nicht mehr so stark ist. Bergmann wirkt stets ausgleichend, um Ruhe zwischen entwaigen Streitparteien bemüht. Sie war unter anderem Peymanns, mit dem die gebürtige Deutsche nach Wien gekommen und zwei Jahrzehnte am Haus tätig war, und Rudi Klausnitzers Pressesprecherin, als der noch Intendant der Vereinigten Bühnen Wien war. Sie war ab 1999 Vize-Chefin unter Nikolaus Bachler, der ihr viel freie Hand ließ, und zeichnete 2008, als dieser ein Jahr vor Vertragsende die Bayerische Staatsoper übernahm, hauptsächlich für den Betrieb verantwortlich. Mit dem entlassenen Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann verstand sie sich nicht, und sie verließ das Burgtheater in die Pension.

„Ich habe viele Ideen“, sagte Karin Bergmann in einer ersten Stellungnahme, wolle diese aber zuerst mit ihren Mitarbeitern besprechen. Das Burg-Ensemble begrüßte die Bestellung Bergmanns mit minutenlangem Applaus. „Sie ist eine Person, mit der man tatsächlich auf Augenhöhe reden kann“, lobte Ensemble-Vertreter Roland Koch. „Mit ihr beginnt heute am Haus eine neue Zeitrechnung.“

www.burgtheater.at

Wien, 19. 3. 2014

Ostermayer entlässt Hartmann

März 11, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Kulturminister enthebt Burgtheaterdirektor seines Amtes

Bild: Burgtheater

Bild: Burgtheater

Das hat es in der Geschichte des Hauses am Ring noch nicht gegeben, das ist ein Skandal, wie ihn die Bühne, die sich so gern die erste im deutschsprachigen Raum nennt, noch nicht erlebt hat. Kulturminister Josef Ostermayer  hat Burgtheater-Chef Matthias Hartmann wegen der Finanzaffäre abberufen; Georg Springer hat den Vertrag aufgelöst und die Entlassung ausgesprochen. Das Ensemble der Burg  soll vom SPÖ-Politiker bereits informiert worden sein. Aus Hartmanns gestern angekündigtem vorläufigen Rücktritt, einer „Ruhestellung“ seiner Funktion als Geschäftsführer wird ein endgültiger Abschied des künstlerischen Direktors. Hartmann will das nicht akzeptieren und kündigt an, Klage gegen die Entlassung einzubringen. Der kaufmännische Geschäftsführer des Burgtheaters, Thomas Königstorfer, kann bis auf Weiteres keine Rechtshandlungen setzen, die eine Zustimmung beider Geschäftsführer erfordert. Heißt: Das Burgtheater ist gelähmt.

Entscheidend für Ostermayers Entscheidung müssen offenbar die ersten Zwischenergebnisse des Rechtsgutachtens sein, die dem Minister gestern Abend vorgelegt wurden. Darin geht es um die mögliche Mitverantwortung  Hartmanns und des Aufsichtsrats der Bundestheater-Holding an der finanziellen Misere. Ein unverzügliches Handeln schien unvermeidlich. Ostermayer zitierte bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Dienstagmittag aus dem Kontrollbericht, der bestätigte, dass Hartmann unabhängig davon, ob er von den Vorgängen wusste, als Geschäftsführer für die aktuelle Situation mitverantwortlich zu machen sei. Die Entlassung sei außerdem der einzig mögliche Weg gewesen, den Vertrag mit Hartmann umgehend zu beenden. Ostermayer: „Aufgrund der Fakten und den vorliegenden Rechtsgutachten gab es keine andere Möglichkeit. Hartmann hat seine Sorgfaltspflicht als Geschäftsführer erheblich verletzt. Er hat weder Mängel des Rechnungswesens noch bei der internen Kontrolle behoben. Um weiteren Schaden für die Republik und das Burgtheater abzuwenden, musste dieser Schritt unmittelbar erfolgen.“ Ebenso werde die Rolle der Wirtschaftsprüfer durchleuchtet, Anzeige gegen die KPMG wurde bereits erstattet. Man staune: Auch Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer zieht Konsequenzen und wird alle Aufsichtsrats-Funktionen in der Holding zurücklegen. Nachfolgen soll ihm in den Aufsichtsräten und den Kontrollgremien Holding-Prokurist Othmar Stoss. Den Vorsitz in den jeweiligen Kontrollgremien könnte Gerüchten zufolge allerdings nicht Stoss, sondern der Direktor des Museumsquartiers, Christian Strasser, übernehmen. Der Wunderwuzzi aus Linz war schon bisher Mitglied in allen Aufsichtsräten der Holding-Töchter.

Wer Hartmann nachfolgen soll, wird hudriwudri – obwohl das die Lieblingsvorgehensweise der Ex-Kulturministerin war, die stets Ausschau nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner hielt – nicht zu klären sein. Man suche nun einen interimistischen künstlerischen Leiter und Geschäftsführer, der auch die „Kluft zum Ensemble“ überbrücken könne. Das Ziel sei, dass wieder „über die Stücke auf der Bühne gesprochen“ werde, nicht über die Vorgänge hinter der Bühne, hieß es bei der Pressekonferenz. Was aus geplanten Inszenierungen des Direktors werde – am 7. April stünde am Akademietheater Hartmanns Projekt „Der falsche Film“ an und bitte an dieser Stelle keine Scherze über den Titel -, wollte der Minister noch nicht beantworten, „es ging heute alles Schlag auf Schlag“, so Ostermayer. Es ist Josef Ostermayer hoch anzurechnen, dass er in den ersten Wochen im neuen Amt gleich mit massiven Problemen konfrontiert, diese subito einer Lösung zuführt. Anzumerken ist, dass es von Zürich bis Hamburg verdiente Theatermacherinnen gibt, die an der Burg auch bekannt sind. Wäre doch schön, wenn endlich eine Frau Burg-Herrin würde.

www.burgtheater.at

Wien, 11. 3. 2014