Landestheater NÖ: Das Programm der Saison 2019/20

September 2, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Highlights der startenden Spielzeit

Präsentierten das Programm der Spielzeit 2019/20: Ludwig zur Hörst, Julia Engelmayer, Marie Rötzer und Olivia Khalil. Bild: Franziska Liehl

Eröffnet wird die vierte Spielzeit von Marie Rötzer am Landestheater Niederösterreich am 12. September im Großen Haus mit der Premiere von Friedrich Schillers Der Parasit. Der große klassische Dramatiker Schiller erweist sich auch in dieser Komödie als Meister des Spannungsaufbaus und der Figurenzeichnung. Die Handlung des Stücks stammt aus der Feder von Louis Benoît Picard. Bei Schiller ist der Parasit auf den mittleren Sprossen der Karriereleiter zu finden.

Dort siedelt er im gehobenen Beamtenmilieu sein furioses Lustspiel an, das mit feinstem Komödienbesteck die Winkelzüge des titelgebenden Parasiten Selicour und die Mechanismen von Manipulation und Machtgewinn filetiert. Der junge Schweizer Regisseur Fabian Alder inszeniert die überraschende, in „schillernder“ Sprache verfasste Komödie als Koproduktion des Landestheaters Niederösterreich und des Stadttheaters Klagenfurt. Als Gäste im Ensemble sind unter anderen Heike Kretschmer und Tobias Voigt zu sehen.

Am 27. September steht im Großen Haus die Premiere von William Shakespeares Hamlet auf dem Spielplan. Der junge Prinz erlebt seine Wirklichkeit wie einen bösen Traum, in dem sämtliche Regeln und Gesetze außer Kraft gesetzt sind. Denn wie kann es anders sein, wenn seine Mutter den Mann heiratet, der seinen Vater ermordet hat? Und Claudius, nun der Stiefvater Hamlets und neue König, den Mord tief und fest verleugnet? Wie kann Gerechtigkeit herrschen, wenn die Welt auf Lügen aufgebaut ist? Der junge britische Regisseur Rikki Henry war Teilnehmer des Marstallplan-Festivals 2018 für junge Regie am Residenztheater München und früherer Mitarbeiter der Theaterlegende Peter Brook. In seiner ersten Arbeit am Landestheater Niederösterreich inszeniert er Shakespeares rätselhafte Tragödie als modernen Mythos über Macht und Moral.

Der Parasit: Heike Kretschmer, Tobias Artner, René Dumont und Tobias Voigt. Bild: Alexi Pelekanos

Hamlet: Tim Breyvogel übernimmt die Rolle des dänischen Prinzen. Bild: Alexi Pelekanos

Scharfsichtig und mit witzigen Dialogen spiegelt Ödön von Horváth in seiner abgründigen Komödie Italienische Nacht die politischen Verhältnisse der 1930er-Jahre und ihre Folgen. Noch während die Proben zur Uraufführung in Berlin liefen, sprengten im Februar 1931 Nationalsozialisten eine Versammlung der Sozialdemokraten. Horváth war Zeuge der Massenschlägerei, die 26 Verletzte und mehr als 100 kaputte Bierkrüge hinterließ. Nach „Das goldene Vlies“, „Dantons Tod“ und „Ödipus / Antigone“ inszeniert die spanische Regisseurin Alia Luque erneut einen hochpolitischen Theaterstoff am Landestheater, Premiere ist am 30. November.

Am 30. Jänner findet im Großen Haus die Uraufführung von Figaros Hochzeit (Aber nicht die Oper!) – Die Geschichte eines revolutionären Friseurs nach Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte statt. Gemeinsam mit seinem Schauspiel-Ensemble begibt sich der Regisseur Philipp Moschitz lustvoll auf eine musikalisch-theatrale Entdeckungsreise in die unbekannten Regionen des Mozart’schen Kosmos. Moschitz hat in der vergangenen Spielzeit mit seiner Inszenierung der Komödie „Um die Wette“ für Begeisterung gesorgt und wurde damit zum renommierten internationalen Regie-Festival „Radikal jung“ in München eingeladen.

Es ist die Zeit der weltpolitischen Krisen und gesellschaftlichen Verunsicherungen am Vorabend des Ersten Weltkrieges, als Thomas Mann mit Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull seinen erfolgreichsten Roman beginnt. Mit der ihm eigenen Ironie und Doppelbödigkeit schildert er seine „Helden des Zeitalters“, die gespaltenen Figuren, die am Widerspruch zwischen Schein und Sein, zwischen äußerer Geltung und innerer Einsamkeit leiden. Regisseur Felix Hafner, der zuletzt sehr erfolgreich am Landestheater Stefan Zweigs „Flucht ohne Ende“ inszeniert hat, nimmt die Geschichte des gerissenen Kriminellen und Phantasten zum Anlass, um die Frage „Will die Welt betrogen werden?“ neu zu stellen. Premiere ist am 14. März in der Theaterwerkstatt.

Als der Entdecker und Seefahrer Christoph Kolumbus 1492 in See sticht, um die Weststrecke nach Indien zu erkunden, befindet sich Europa mitten in extremen Umbrüchen. Es ist der Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, zum Beispiel, dass die Erde keine Scheibe ist, verändern den Kontinent in all seinen Gewissheiten. Was für die einen den Weltuntergang bedeutet, ist für die anderen der Weg in eine strahlende Zukunft. Der kroatische Dramatiker Miroslav Krleža, 1893 in Zagreb geboren, gilt als einer der großen europäischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In seinem 1917 entstandenen Stück Christoph Kolumbus verdichtet er die Ideale des Sozialismus mit der Botschaft aus der katholischen Heilsgeschichte.

In starken, expressionistischen Bildern erzählt Krleža von Kolumbus’ abenteuerlicher Seefahrt und zieht Parallelen zwischen der Epoche der Renaissance und der revolutionären Aufbruchsstimmung Kroatiens vor dem Ersten Weltkrieg. Der kroatische Regisseur Rene Medvešek hat das Kolumbus-Projekt bereits 2014 in Zagreb als großes, formstarkes Musiktheater mit Schauspielern inszeniert. Mit den Ensembles des Landestheaters Niederösterreich und der Vereinigten Bühnen Bozen kommt es nun zu einer Neuinszenierung, deutschsprachige Erstaufführung ist am 20. März.

„Einer für alle, alle für einen!“ Diese Losung war eine politische Proklamation, denn die berühmte Soldatentruppe der Musketiere kämpfte im frühen 17. Jahrhundert mit ihren schnellen Degen im Dienst des französischen Königspaares Ludwig XIII. und Anna von Österreich. 200 Jahre später, im Jahr 1840, verband Alexandre Dumas die historischen Ereignisse mit erfundenen Geschichten rund um den jungen Gascogner Soldaten D’Artagnan. Entstanden ist mit Die drei Musketiere eines der berühmtesten Abenteuerepen über Treue und Tapferkeit, Liebe und Freundschaft. Eingebettet in einen stimmungsvollen Hintergrund, inszeniert Regisseur Robert Gerloff den Mantel-und-Degen-Stoff mit viel Humor, Live-Musik und packenden Kampfchoreografien für Jung und Alt. Premiere ist am 10. Juni.

Alex, ein junger Vater, erzählt von seinem privaten Familienglück, den alljährlichen Urlaubswochen in Südfrankreich, von einem idyllischen Sommertag. Schwimmen im Meer, Tauchen zu den Unterwasserklippen an der Steilwand, Sonnenbaden am Strand. Völlige Harmonie – bis das Entsetzliche passiert und eine kleine Unachtsamkeit Alex’ Leben für immer erschüttert. Simon Stephens, einer der wichtigsten britischen Dramatiker der Gegenwart und vielfach ausgezeichnet, stellt in Steilwand die universale Frage nach Schuld und Erlösung. Tim Breyvogel, seit 2016 Ensemblemitglied am Landestheater Niederösterreich, wird den dichten Monolog nicht nur schauspielerisch, sondern mit einem rhythmisch-klangvollen und vielstimmigen Sound aus seinem DJ-Pult als multimediales Erlebnis an unterschiedlichen Orten und Plätzen in St. Pölten auf die Bühne bringen. Die Orte und Termine werden noch bekannt gegeben.

Caligula: Ben Becker. Bild: Christina Baumann-Canaval

Schiller Balladen: Philipp Hochmair. Bild: Heike Blenk

An Gastspielen sind unter anderem angekündigt:

Schiller Balladen mit Philipp Hochmair und Die Elektrohand Gottes. Feinste deutsche Lyrik meets Elektro-Beats: Philipp Hochmair und seine Band verwandeln Schillers berühmte Balladen in ein exzessives Rockkonzert. Die mehr als zweihundert Jahre alten Verse sind dem Schauspielerstar absolutes Lebenselixier, sie haben für ihn nichts mit Schulzwang und Bildungsbürgertum zu tun, sondern mit Techno, Industrial und Ekstase. Am 23. November. Mit Konfrontation!

NT Gent: Black/The Sorrows of Belgium I: Congo. In seiner Trilogie „Black“, „Yellow“ und „Red“, den belgischen Nationalfarben, verarbeitet Regisseur Luk Perceval die Geschichte und Identität Belgiens. Der erste Teil „Black“ befasst sich mit dem kolonialen Erbe im Kongo. Bei der Berliner Kongo-Konferenz 1884/85 wurde dem belgischen König Leopold II. der Kongo als Privatbesitz zugesprochen. Damit begann für die Bevölkerung des rohstoffreichen Landes ein Martyrium schrecklichen Ausmaßes: mit ungeheurer Brutalität wurde die gesamte Bevölkerung für die Kautschukernte herangezogen. Leopold II. war verantwortlich für grausamste Menschenrechtsverletzungen. Im Mittelpunkt der bildstarken und musikalischen Inszenierung steht der afroamerikanische Missionar William Henry Sheppard, der dies dokumentierte und Aufmerksamkeit schuf für ein Verbrechen, das in Belgien bis heute weitgehend verdrängt wird. Österreich-Premiere ist am 14. Februar.

Salzburger Landestheater: Caligula von Albert Camus. Die Sehnsucht nach dem Amoralischen treibt diesen tyrannischen Herrscher an – und der Wunsch, einmal den Mond zu besitzen. „Caligula“ ist die Tragödie maßlosen Machtwillens. Der vom Drang nach dem Absoluten besessene Caligula glaubt, die Treue zu sich durch die Untreue gegen die anderen gewinnen zu können. Caligula ist kein brutaler Despot, sondern ein raffinierter, intellektueller Verbrecher, der seine Untertanen immer weiter treibt, wie in einem Experiment, um zu prüfen, was sie alles erdulden. Als er endlich unter den Dolchen der Verschwörer zusammenbricht, sind seine letzten Worte: „Ich lebe. Ich lebe.“ Eine Paraderolle für Ben Becker, Inszenierung John von Düffel und Marike Moiteaux. Gastspielpremiere ist am 22. April.

www.landestheater.net

2. 9. 2019

Rabenhof: Das Programm der Saison 2019/20

Juni 29, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Monster, Nymphen, Rock’n’Roll

„Wir Staatskünstler – Jetzt erst recht!“: Thomas Maurer, Florian Scheuba und Robert Palfrader starten ihre neue Bühnenshow kurz nach der Nationalratswahl. Bild: © Pertramer / Rabenhof

„Das Gemeindebautheater ist und bleibt das Volkstheater der Herzen“, freut sich Thomas Gratzer, künstlerischer Leiter des Rabenhof Theaters bei der Präsentation des Programms für die kommende Spielzeit. Die diesjährige schließt der Hausherr mit 81.556 Zuschauerinnen und Zuschauern ab, bei 312 gespielten Vorstellungen gleichbedeutend mit einer Auslastung von 90,05 Prozent. „Der Mix aus Theater, Politsatire, musik- theatralischen Projekten und Literaturveranstaltungen hat nichts an Attraktivität eingebüßt“, so Gratzer.

Der eine weitere Zusammenarbeit mit den „Big Playern“ der Satire-Szene ebenso verspricht, wie die Dramatisierung und Uraufführung von Kurt Palms Roman „Monster“, „Orpheus in der Unterwelt“ als erste Operette im Rabenhof und ein Gastspiel der großartigen Sophie Rois.

Los geht’s am 4. Oktober mit Wir Staatskünstler – Jetzt erst recht! Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba starten kurz nach der Nationalratswahl ihre neue Bühnenshow – und werden gewohnt bissig und schonungslos aufdecken, was bis dahin aus Sebastian Kurz als frischgebackenem Altkanzler und Pamela Rendi-Wagner als altbackener Zukunftshoffnung geworden ist. Unterstützt werden die Herren erstmals von Gerhard Haderer, der ihr Programm mit seinen Illustrationen begleiten wird. Als Nymphen in Not weisen sich ab 6. Oktober Ulrike Beimpold, Angelika Hager, Maria Happel und Petra Morzé aus. Bei ihrer exzentrischen Sonntags-Matinée-Show taucht das Quartett durch die Themen-Gewässer Power Aging, Selbstoptimierung, Botox-Gespenster, neurosengerechter Umgang mit Wutbürgern aller Art, Instagramitis und einer Idiotenbeschäftigung namens Liebe.

Christoph Krutzler in „Monster“. Bild: © Rita Newman / Rabenhof

Am 5. November folgt Monster, Kurt Palms grotesk-komischer Roman als bitterböse Bühnenshow von Regisseurin Christina Tscharyiski und Fabian Pfleger. Inhalt: Ein abgetrennter Frauenfuß und das Hinterbein eines Hundes sind die Auslöser für die verzweifelten Ermittlungen des Polizisten Alfons Stallinger, die ihn vom örtlichen Strandbad über ein Flüchtlingsheim und ein Seebühnenkonzert in die Groteske des heimischen Politsumpfes führen. Vorkommen außerdem ein lesbisches Vampirpärchen und hemmungslose Rockmusik. Den Kiberer gibt Christoph Krutzler.

Mit Premiere am 10. Dezember sind Sandra Cervik, Erni Mangold und Esra Özmen als 3 Frauen und 1000 Bücher unterwegs. Eine literarischen Tour de Force von Stefanie Sargnagel und Lina Loos über Elfriede Jelinek und Joan Didion bis Hildegard von Bingen. Orpheus in der Unterwelt – A Tribute To The 70’s präsentieren Ruth Brauer-Kvam und Kyrre Kvam ab 14. Februar. Drogenrausch, Glam-Rock, Ehekrisen, Lug, Betrug und Eitelkeiten mit Musik von Elvis bis Jim Morrison, von Iggy Pop bis Jürgen Marcus, dargeboten von Salka Weber, Florian Carove, Johannes Huth, Kyrre Kvam, Thomas Mraz und Austrofred. Ab 2. April werden Peter Hörmanseder und Robert Stachel aka Maschek zur Vox Populi, kaputte Medienwelt – Teil II. Die Syncro-Anarchisten starten mit einer neuen Show in ihrer Homebase.

Ihr aktuelles Programm Maschek XX – 20 Jahre Drüberreden (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=30120) wird am 24. September wiederaufgenommen, ebenso wie Alles für’n Hugo von Katharina Straßer am 2. Oktober (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32204), Dirk Stermanns und Christoph Grissemanns Gags, Gags, Gags! am 17. Oktober (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24388) und die Georg-Danzer-Hommage Jö schau von Lucy McEvil, Christoph Krutzler, Oliver Welter und Alf Peherstorfer am 19. Oktober (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32987).

Jö schau: Lucy McEvil, Oliver Welter, Christoph Krutzler, Alf Peherstorfer. Bild: © Rabenhof / Sophie Menegaldo Newman

Alles für’n Hugo: Katharina Straßer und Boris Fiala mit ihrer Hommage an Cissy Kraner. Bild: © Rita Newman

Christoph Grissemann und Dirk Sterman haben fürs Publikum wieder „Gags, Gags, Gags!“. Bild: © Udo Leitner

Maschek – Peter Hörmanseder und Robert Stachel: Auf „Fake!“ folgt als Teil zwei „Vox Populi“. Bild: katsey.org

Auch an Gemeindebau-Spezialitäten wird wieder einiges geboten, etwa am 22. Oktober die unglaublich sympathische Institution „Beschwerdechor“ in Zusammenarbeit mit EsRAP, der lässigsten Rap-Formation des Landes, und Mia san mia und de andan olle Gfrasta. Am 30. November und 1. Dezember heißt es Have a cup of tea with Sophie Rois, Songs und Storys über Inzest, Unschuld und Klassenbewusstsein von Ian McEwan und The Kinks. Ab 14. Jänner fragt Nina Proll Kann denn Liebe Sünde sein?, und freilich fehlt auch der Protestsongcontest nicht – Termin: 12. Februar.

www.rabenhoftheater.com

29. 6. 2019

Werk X: Das Programm der Saison 2019/20

Juni 26, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ganz nach dem Motto „Heimat und Arschloch“

Stellten den Spielplan für die Saison 2019/20 vor: Knut Klaßen und Monika Gintersdorfer aka Gintersdorfer/Klaßen, die leitende Werk-X-Dramaturgin Hannah Lioba Egenolf, die Werk-X-Leiter Harald Posch und Ali M. Adullah, Werk-X-Petersplatz-Kuratorin Cornelia Anhaus und Andreas Stockinger von den handikapped unicorns. Bild: Bernhard Bilek

„Wir haben uns gewundert, was alles geht“, kommentieren Harald Posch und Ali M. Abdullah, die beiden Leiter des Werk X, bei ihrer heutigen Spielplanpräsentation für 2019/20 doppeldeutig die eben auslaufende Saison. Die gar nicht so scherzhaft gemeinte Erklärung: „Während die Akteure auf der politischen Bühne nach einem scheinbaren Schrecken ohne Ende schließlich doch ein überstürztes Ende mit Schrecken hinlegten, hielt man sich in Meidlung und am Petersplatz ein weiteres Mal gut im Sattel.“

Was Abdullah in Zahlen, neben der Freude über die Nestroypreis-Nominierung für seine im Herbst wiederaufgenommen werdende Inszenierung „Homohalal“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=27973), so ausdrückte: „Im Spielstättenverbund Werk X hat sich der Publikumszuspruch von etwa 16.000 auf etwa 19.000 Zuschauerinnen und Zuschauern erhöht, das bedeutet bei 288 gespielten Vorstellungen eine Auslastung von knapp 80 Prozent.“ Die nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Cornelia Anhaus als kuratorischer Leiterin des Werk X-Petersplatz zustande kam, deren Programm vielfach gelobt und sehr gut besucht wurde.

Trotzdem warnen Posch und Abdullah davor, dass das Werk X durch die nicht valorisierte Förderung, derzeit von der Stadt Wien für die Spielstätte in Meidling eine Million Euro, für die am Petersplatz 550.000 Euro, der Bund subventioniert nur noch projektweise, pro Jahr 25.000 Euro, heißt bis 2021 200.000 Euro Verlust zu erwarten hat.

„Die kommende Saison soll sich unter dem Eindruck des politischen Geschehens nun vertieft mit der in die Krise geratenen Identität Österreichs auseinandersetzen“, so die Theatermacher, die als Leitmotiv für diese das Motto „Heimat und Arschloch“ ausgegeben haben, und darunter die Fieberträume von Vaterland und dessen nationaler Größe dem Glauben an Humanismus, Menschenrechten und Gleichberechtigung gegenüberstellen wollen. „Darum ist der Spielplan 2019/20 geprägt von modernen österreichischen Autoren, die vor Augen führen, dass der gegenwärtige Wahnsinn Dramatikern wie Ludwig Anzengruber vor 140 Jahren oder Ödön von Horváth vor 90 Jahren in verblüffend ähnlicher Form bekannt war und zum Gegenstand ihres Schreibens wurde.“

Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald zeigt zum Saisonstart die internationale Gruppe Gintersdorfer/Klaßen rund um die Regisseurin Monika Gintersdorfer und den bildenden Künstler Knut Klaßen als Auseinandersetzung mit dem mehrfach postfaktisch gewendeten Selbstbild der österreichischen Gesellschaft. Wie’s die Art der Performer ist, werden sie „auf der Bühne reagieren, formulieren und Text in Bewegung umsetzen“, erklärt Monika Gintersdorfer. Den Wien-Bezug verstärkt die Musik von Natalie Ofenböck & Der Nino aus Wien. Premiere ist am 10. Oktober. Am 24. Oktober folgt Nurkan Erpulats und Claudia Tondls Try to be Lulu nach Frank Wedekind, eine Arbeit, bei der sich Constanze Passin und Karl Baratta nicht als Kindfrau und Liebhaber gegenüberstehen werden, sondern als Schauspielerin und Dramaturg ihre Sicht auf die „Monstretragödie“ austauschen.

aktionstheater ensemble: „Wie geht es weiter“ mit Michaela Bilgeri, Andreas Jähnert, Fabian Schiffkorn, Benjamin Vanyek, Thomas Kolle und Maria Fliri. Bild: Gerhard Breitwieser

Nestroypreis-Nominierung für „Homohalal“: Arthur Werner, Christoph Griesser, Stephanie K. Schreiter, Daniel Wagner, Constanze Passin und Yodit Tarikwa. Bild: © Yasmina Haddad

Die Arbeitersaga, einstmals vierteilige Spielfilmserie von Peter Turrini und Rudi Palla, kommt auf die Bühne, und zwar soll hier in zwei Mal zwei Folgen der Bogen vom postfaschistischen Nachkriegsösterreich bis in die 1990er-Jahre, von der sozialen Marktwirtschaft zur Massenkonsumkultur gespannt, und über das letzte Erzähljahr hinaus fortgeschrieben werden. Premiere von Teil eins ist am 12. Dezember, mit Helmut Köpping vom Grazer Theater im Bahnhof als Regisseur der Folge 1 und Kurt Palm als Regisseur der Folge 2. Teil zwei folgt im Frühjahr 2020 – und Harald Posch verspricht dafür zwei Regisseurinnen. Ebenfalls im Frühjahr inszeniert Ali M. Abdullah Bert Brechts Baal als kritische Hinterfragung des gern gelebten Klischees vom amoralischen, dafür umso genialeren Künstler, der jenseits jeder sozialen Ordnung steht. Abdullah: „Das Thema ist: Inwieweit kann Kunst in eine Gesellschaft hineinwirken? Oder betreiben wir Künstler nur Eskapismus?“

Als „Steilvorlage für das Phantasma einer völkischen Idylle, die in Österreich derzeit so wirkmächtig ist“, beschreibt Harald Posch Ludwig Anzengrubers Der Gwissenswurm, dem er sich mit dem Zusatz – the unintentionally end of Heimat mit Premiere im April widmen wird. Poschs Bearbeitung des 1874 uraufgeführten Volksstücks untersucht, welche Rolle das Unterbewusst-Imaginäre im Faschismus der Gegenwart spielt und „unter wessen Räder der Gwissenswurm zwischen Wien und Ibiza eigentlich gekommen ist“. An Koproduktionen gibt es am Wochenende 18. und 19. Oktober die Wortstattnächte 2019, die sich diesmal mit zeitgenössischer internationaler Dramatik befassen, „Böhmisches Paradies“ des tschechischen Autors Jaroslav Rudis, „Heiliger Krieg“ vom Italiener Fabrizio Sinisi, „Fälle“ von Ursula Knoll und „Lassen Sie mich durch, ich bin …“ von Valerie Melichar, beide Autorinnen Wienerinnen. Ab dem Herbst wird das Kollektiv Play:Vienna unter dem Titel Die Siedler von Süd-Wien ebendiese zur Selbstermächtigung aufrufen, indem mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Siedlungen Kabelwerk, Schöpfwerk und Alterlaa ein Spielkonzept erarbeitet wird. Die Aufführungen sind fürs Frühjahr geplant.

Nach der fulminanten Jubiläumsproduktion „Wie geht es weiter – Die gelähmte Zivilgesellschaft“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=33672), deren Wiederaufnahme für Herbst geplant ist, zeigen Martin Gruber und das aktionstheater ensemble ab 10. Juni ihre neue Produktion Wann beginnt das Leben. An Specials geht Schnitzel im Kontext selbstverständlich im Häuserl am Spitz weiter; dort findet am 9. November auch Gala und Preisverleihung zu Julius Deutschbauer: Suche die unpolitischste Theaterproduktion Wiens 2018/19 statt.

Cornelia Anhaus übernahm im Februar 2018 die kuratorische Leitung des Werk X-Petersplatz. Bild: Wolfgang Lienbacher

handikapped unicorns mit „Zum wilden Mann“: Bernhard Georg Rusch, Sören Kneidl, Martin Purth, Matthias Tuzar, J-D Schwarzmann und Sebastian von Malfér. Bild: © Alexander Gotter

Junges Theater Wien mit „Lies mein Herz“: Soffi Schweighofer und Régis Mainka. Bild: Apollonia Theresa Bitzan

Der iranische Schauspieler und Regisseur Alireza Daryanavard als „Ein Staatenloser“. Bild: © Alexander Gotter

Die Premieren 2019/20 im Werk X-Petersplatz

Die Saison am Petersplatz startet am 3. Oktober mit Wasted der britischen Spoken Word Artistin und Poetin Kate Tempest in einer Übersetzung der Singer/Songschreiberin Judith Holofernes. Das Kollektiv MOROSIS wird den Text inszenieren, in dem drei planlose und beziehungsgeschrottete Thirty-Somethings am zehnten Todestag eines Freundes einander zur Party treffen – die klarerweise entgleisen muss. How to protect your internal ecosystem heißt die Stückentwicklung, die Miriam Schmidtke und Mimu Merz am 23. Oktober zur Uraufführung bringen, eine Performance an der Schnittstelle von Video, Sound, Sprache und Choreografie, in der es um Fabrikarbeit und Fertigungsprotokolle aus der Computerchipherstellung gehen wird.

Die handikapped unicorns, die diese Saison mit ihrer Burschenschaften-Persiflage „Zum Wilden Mann“ erfreuten (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=30877), legen mit Hauptsache Gemeindebau. Das Leben, der Tod, die Familie nach, eine Verbeugung, wie Regisseur Andreas Stockinger erklärt, vor 100 Jahre Gemeindebau. Inhalt: „Nach dem Selbstmord ihres Oberhaupts sieht sich eine Familie gezwungen, in der elterlichen Gemeindebauwohnung zusammenzukommen, um das Begräbnis des Vaters zu planen. Unter Alkoholeinfluss entsteht eine explosive Atmosphäre, werden Geheimnisse gelüftet etc. – ein non-galantes Wiener Sittenbild, live untermalt von Wienerliedern“, so Stockinger. Mit dem Gudrun-Ensslin-Lebensgefährten und Vater ihres Sohnes, Bernward Vesper, befasst sich die Bühnenfassung seines fragmentarischen Großtextes Die Reise. tangent.COLLABORATIONS will dieses „Spiel zufälliger elektrischer Ströme auf meiner Großhirnrinde“ – © Vesper – in einer multimedialen Performance erfahrbar machen. Ein mutmaßlich so luzider wie bewusstseinsverstörender Horrortrip mit Premiere am 6. Februar.

Schauspieler und Regisseur Alireza Daryanavard beeindruckte vergangenen Oktober mit seinem Monolog „Ein Staatenloser“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=30184) über sein Leben in Österreich, das sich nicht als das ersehnte Friedens- und Freiheitsparadies entpuppte. Mit Premiere am 27. Februar beschäftigt sich der im Iran geborene Schauspieler und Regisseur in Blutiger Sommer mit den Massenhinrichtungen politischer Gefangener im Iran Ende der 1980er-Jahre, im Land natürlich ein Tabu. Das Stück basiert auf Interviews mit Zeitzeugen, die jahrelange Gefangenschaft und Folter überlebt haben, Tagebüchern und Abschiedsbriefen von Ermordeten – und Fotos von deren Habseligkeiten, die den Angehörigen zurückgegeben wurden. Eine neue Form von Musical wollen Johannes Schrettle und Imre Lichtenberger Bozoki mit HORSES erfinden. Die irrwitzige Story: Ein rechter Redenschreiber überfährt einen Ausländer und muss zur Vertuschung dessen Platz in einem soziokulturellen Flüchtlingsprojekt einnehmen. Bei der Produktion von Splitscreen Entertainment werden Georg Breinschmid, Martin Hemmer und Imre Lichtenberger Bozoki für die Musik sorgen.

Am 16. April folgt vom Theater KuKuKK die Wien-Premiere von Gruber geht nach dem Roman von Doris Knecht. Und zum guten Schluss, Premiere ist am 3. Juni, befasst sich das Junge Theater Wien, dessen Produktion „Lies mein Herz“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=31838) vor Weihnachten wiederaufgenommen wird, unter dem Titel Back To Black mit dem Leben von Amy Winehouse.

werk-x.at

26. 6. 2019

Schauspielhaus Wien: Das Programm der Saison 2019/20

Juni 24, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Die transkulturelle Gesellschaft präsentieren

Matthias Riesenhuber, Tomas Schweigen, kaufmännischer und künstlerischer Leiter des Schauspielhauses Wien, und Chefdramaturg Tobias Schuster stellen die Saison 2019/20 vor. Bild: Schauspielhaus Wien

Intendant Tomas Schweigen und sein leitender Dramaturg Tobias Schuster stellten heute Vormittag den Spielplan des Schauspielhaus‘ Wien für die kommende Saison 2019/20 vor, der kaufmännische Leiter Matthias Riesenhuber präsentierte die Zahlen der laufenden – und obwohl Schweigen und Riesenhuber von der bis dato erfolgreichsten Spielzeit des Theaters zu berichten wussten, von Einladungen zu den Mühlheimer Theatertagen übers Münchner Festival radikal jung bis zu den

Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin, alarmierten sie bereits eingangs mit drohenden Finanzierungsproblemen, eine Situation, zu der die beiden konkret allerdings erst nach ersten Einblicken in die Produktionen zu sprechen kamen. Und so freute sich Schweigen über den Coup, zur Saisoneröffnung am 28. September mit dem gefeierten Duo Vinge/Müller zwei der momentan gefragtesten Künstler der Theaterszene, von der Welt als „die irrsten Theatermacher der Welt“ vorgestellt, deren Aufführungen auch schon mal zwölf Stunden dauern, in denen Vinge Eigenurin trinkt oder anales Action Painting vorführt, für eine Inszenierung am Haus und damit ihre erste Produktion in Österreich gewonnen zu haben. „Vegard Vinge und Ida Müller gehörten zu den prägendsten Mitstreitern von Frank Castorf an der Volksbühne, und werden das unter René Pollesch wieder sein“, so Schweigen zur Uraufführung von deren Projekt.

Er selbst bringt dann am 13. November Édouard Louis‘ Roman Im Herzen der Gewalt als österreichische Erstaufführung auf die Bühne. Der 1992 geborene Shootingstar der französischen Literatur gilt auch als wichtige politische Stimme, und ist einer, der an der Schnittstelle von fiktionaler Literatur und Sozialwissenschaft schreibt. Das autobiografische Buch, in dem sich die Hauptfigur mit einer von Xenophobie, Rassismus und Homophobie durchzogenen Gesellschaft konfrontiert sieht, nennt Tobias Schuster ein „sprachgewaltiges, düsteres Weihnachtsstück“, eskaliert doch am Weihnachtsabend ein schwuler One-Night-Stand zur Vergewaltigung, nach der, so Schuster, „Édouard erfahren muss, wie Polizei, Ärzte, Freunde, sogar die Schwester auf die Gewalttat reagieren“. Mit dieser Arbeit knüpft das Schauspielhaus an Schweigens Inszenierung von Das Leben des Vernon Subutex 1+2 an (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=33148), die wiederaufgenommen werden wird – und Tomas Schweigen die Gelegenheit bot, auf Ab- und Neuzugänge im Ensemble hinzuweisen, ist doch Vassilissa Reznikoff bereits nach Mannheim gewechselt, während Steffen Link nach der Hauptrolle in „Im Herzen der Gewalt“ nach München übersiedelt.

Dafür kommt fix Clara Liepsch, die bereits im „Vernon Subutex“ spielt, und Til Schindler: www.tilschindler.com. Fortgesetzt wird die Zusammenarbeit mit dem oberösterreichischen Erfolgsautor Thomas Köck, heuer zum zweiten Mal in Folge Gewinner des Mühlheimer Dramatikerpreises, der am 11. Jänner nach der Nestroypreis-nominierten Arbeit „die zukunft reicht uns nicht (klagt, kinder, klagt!)“ (Rezension und Link zum Interview: www.mottingers-meinung.at/?p=27228) erneut in gemeinsamer Regie mit Elsa-Sophie Jach seine Kronlandsaga um den Bauernbefreier Hans Kudlich fortgesetzen wird. Nach „Kudlich – eine anachronistische Puppenschlacht“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23658) heißt der Text zur Uraufführung nun Kudlich in Amerika, geht der in Wien zum Tode Verurteilte doch wie tatsächlich in die Vereinigten Staaten, nur dass er bei Köck zum texanischen Öl-Magnaten wird – womit über den Roh/Stoff ein weites Gedankenfeld zu Kapitalismus, Kriegstreiberei und Klimakollaps eröffnet ist.

Anna Marboe, dies Jahr mit „Oh Schimmi“ im Nachbarhaus heftig akklamiert, übersiedelt auf die große Bühne und inszeniert das jüngste Gewinnerstück des Hans-Gratzer-Stipendiums, Angstbeißer von Wilke Weermann, ein zwischen Horror und schwarzem Humor changierender Drogentrip, oder wie es Tobias Schuster sagt, „eine Art Hipster-,Trainspotting‘, bei dem sich ein Freundeskreis in eine Albtraumwelt voller Halluzinationen und Gewaltfantasien verirrt.“ Uraufführung ist am 27. Februar. Mit dem Arbeitsatelier geht die Kooperation von uniT Graz und Schauspielhaus weiter. In diesem Jahr erarbeiten die Autorin und Soziologin Ewelina Benbenek und Regisseur Florian Fischer ein gemeinsames Rechercheprojekt, eine Diskussion darüber, wie eine transkulturelle Gesellschaft im Wechselspiel von Bühne und Publikum präsentiert werden kann, ein Ansatz, eine Analyse, die, wie Tomas Schweigen befindet, auf alle kommenden Produktionen zutrifft, nach der Untersuchung des Status Quo Europas in dieser Saison sozusagen das neue Spielzeitmotto. Tragödienbastard wird am 4. April uraufgeführt. Miroslava Svolikova schreibt, zugeschnitten auf das Schauspielhaus-Ensemble, ihr neues Stück RAND, das Schweigen zum Abschluss der Saison Ende April uraufführen wird.

Das neue Ensemblemitglied Clara Liepsch (li.) in „Das Leben des Vernon Subutex 1+2“; mit Steffen Link, Simon Bauer, Jesse Inman, Sebastian Schindegger und Anna Rot. Bild: © Matthias Heschl

Die Kronlandsaga um Bauernbefreier Hans Kudlich wird fortgesetzt: Nicolaas van Diepen und Max Gindorff als die Brüder Hans und Hermann Kudlich. Bild: © Matthias Heschl

Am Wochenende nach der Saisoneröffnung veranstaltet die Schule für Dichtung unter der Leitung von Fritz Ostermayer wieder ein zweitägiges Musik- und Literaturfestival, diesmal unter dem Motto Gebenedeit sei die Wut deines Leibes, bei dem neben unter anderem Christoph Grissemann, Antonio Fian und Maja Osojnik auch Oswald Wiener einen seiner raren Auftritte absolvieren wird. Auch eine Kooperation mit dem Theater KOSMOS Bregenz ist wieder vorgesehen, mit der Produktion Das Optimum des jungen Wiener Dramatikers Mario Wurmitzer in der Regie von Maria Sendlhofer. Uraufführung ist am 31. Oktober im Nachbarhaus.

Erfreut zeigten sich Tomas Schweigen und Matthias Riesenhuber zum Schluss über die aktuellen Zahlen, die ein kontinuierlich steigendes Interesse des Publikums bei dessen sinkendem Alter ausweisen. Riesenhuber: „Die Auslastung liegt bei 85 Prozent, das sind knapp 21.000 Zuschauerinnen und Zuschauer seit September 2018, wobei der Anteil des Publikums unter 30 Jahren bei mehr als 50 Prozent liegt.“

Durch verschiedene Umstrukturierungs-, Sparmaßnahmen und einen gesteigerten Aboverkauf sei außerdem eine Budgetentlastung von etwa 45.000 Euro erfolgt, an Kooperationsmitteln habe man an die 100.000 Euro eingenommen. Trotz dieser erfreulich klingenden Situation sprachen die beiden Geschäftsführer eine deutliche Warnung aus.

Die fehlende Valorisierung komme einer jährlichen Kürzung des Budgets, letztmals erhöht 2009 und derzeit bei 1,515 Millionen Euro von der Stadt Wien und 380.000 Euro vom Bund, um durchschnittlich 40.000 Euro gleich. Die Subventionskürzung des Bundes um 20.000 Euro seit 2019 werde man, so Riesenhuber, mit einer Erhöhung der Ticketpreise um zehn Prozent auszugleichen versuchen. Ob unter diesen Umständen ab 2021 das Schauspielhaus seine Aufgabe als progressives Autorinnen- und Autorentheater, das international Beachtung findet, noch in gewohnter Form wahrnehmen wird können, erklärten Schweigen und Riesenhuber für fragwürdig.

www.schauspielhaus.at

24. 6. 2019

Volkstheater: Das Programm der Spielzeit 2018/19

Mai 3, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Auseinandersetzung mit dem Widersprüchlichen

Anna Badora. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

In der vierten Spielzeit von Anna Badora will das Volkstheater das Publikum dazu verführen, „seinen Überzeugungen untreu zu werden – probeweise“. Mehr denn je wolle die Bühne „als Ort für riskante Wahlmöglichkeiten, Utopien und Grenzüber- schreitungen“ dienen, so Badora bei der Spielplanpräsentation am Donnerstag. Die dabei gestellten Fragen nach Haltungen gehen von Klassikern aus – „Der Kaufmann von Venedig“, „Don Karlos“ (16. November), „König Ottokars Glück und Ende“ (12. Dezember) – ebenso wie von neuen Stücken, Christine Eders Politshow „Verteidigung der Demokratie AT“ (18. Oktober) und Ibrahim Amirs Drama „Rojava“, „Die rote Zora und ihre Bande“ (22. September). „Biedermann und die Brandstifter“ und „Endstation Sehnsucht“ komplettieren die Premieren im großen Haus.

Mit Dušan David Pařízek inszeniert erstmals ein Tscheche in Österreich Grillparzers habsburgisches Königsdrama, als Regisseur von Max Frischs Parabel kehrt auch Victor Bodo ans Volkstheater zurück. Ihre Debüts am Haus geben die polnische Regisseurin Barbara Wysocka – sie arbeitet zum ersten Mal in Österreich – sowie der Musiker und Regisseur Sandy Lopičić.

Robert Gerloff und Pınar Karabulut erweitern die Liste an jungen Kräften, die sich bis dato mit Studioproduktionen empfehlen konnten. Zur Saisoneröffnung am 8. September inszeniert Badora selbst Shakespeares „Kaufmann von Venedig“. Insgesamt stehen in der Saison 2018/19 sieben Ur- und Erstaufführungen auf dem Spielplan, im Volx/Margareten bearbeitet Alexander Charim „Opernball“ von Josef Haslinger für die Bühne, in den Bezirken geht Simon Stephens’ Erfolgsstück „Heisenberg“ (30. November) auf Tournee. Mit der Dramatisierung „Watschenmann“, den partizipativen Stückentwicklungen „Werte Familie“ und „Silver Surfer“ werden weitere Österreich-Bezüge gesetzt. Nestroy-Preisträger Felix Hafner inszeniert „Nach uns das All oder Das innere Team kennt keine Pause“, das neue Stück von Sybille Berg. In den Bezirken stehen außerdem „Der Weibsteufel“ (21. September), „Die Leiden des jungen Werther“ und „Der Raub der Sabinerinnen“ auf dem Programm.

Erfolgreich eingeführte Diskurs-Formate wie die Volkstheatergespräche mit Corinna Milborn und die Matineereihe „Trojanow trifft …“ mit Ilija Trojanow und seinen Gästen sind auch in der neuen Spielzeit im Angebot. „Wir bieten noch mehr Informationen“, so Badora. „Aber nicht als rohen Datenfluss, der die Köpfe überschwemmt und orientierungslos macht. Wir setzen sie in den Kontext unserer Lebenswelten. So hoffen wir, unseren Besucherinnen und Besuchern Bedeutung zu destillieren, im Dialog, in der Auseinandersetzung mit dem Widersprüchlichen, dem Anderen. Und ja, das gefährdet unser aller Überzeugungen. Seien Sie also gewarnt.“

www.volkstheater.at

  1. 5. 2018