Schloss Halbturn: Im Spiegel der anderen

April 3, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Der Menschheit gemeinsames Erbe

Zum Tanz geschmückter junger Mann aus dem Bimetal, Mek Kultur; Provinz Papua, Indonesien  Bild: © W. Schiefenhövel

Zum Tanz geschmückter junger Mann aus dem Bimetal, Mek Kultur; Provinz Papua, Indonesien
Bild: © W. Schiefenhövel

Was unterscheidet einen Ohrring gegen den Ohrschmuck eines Yanomami? Was ein Nasenpiercing gegen den Nasenstab eines jungen Mannes aus Bimetal? „Im Spiegel der anderen. Der Menschheit gemeinsames Erbe“ heißt die diesjährige Ausstellung des Kulturvereins Schloss Halbturn, die ab 11. April zu sehen ist.

Im Rahmen der Schau präsentiert Halbturn in Zusammenarbeit mit der Gruppe Humanethologie des Max‐Planck‐Institutes für Ornithologie die bahnbrechenden Erkenntnisse  zum gemeinsamen Erbe der Menschen des weltberühmten Forschers und Begründer des Fachs Humanethologie – die Verhaltensforschung am Menschen – Irenäus Eibl-Eibesfeldt und seiner Kolleginnen und Kollegen. Alle Menschen aus allen 5 Kontinenten verfügen über ein gemeinsames Erbe, ein Grundrepertoire an Emotionen, Kommunikationsformen, Wahrnehmungsleistungen, Bewertungen, Motivationen und Handlungsimpulsen. Das Gemeinsame  von fünf traditionalen Kulturen wird in der Ausstellung in sieben Themenbereiche (Familie und Familialität, Teilen und Kooperation, Kunst, Angst und Angstabwehr, Feste und Rituale, Krankheit und Heilung, Sexualität) anhand von Objekten, Texten, Bild- und Filmdokumenten spannend illustriert.
Ein Highlight der Ausstellung sind Filme aus dem weltweit größten Filmarchiv zum menschlichen Verhalten, gegründet von Irenäus Eibl‐Eibesfeldt, die man in Schloss Halbturn nun sehen kann. Darüber hinaus werden einzigartige Objekte aus dem Alltagsleben und kultischen Gebrauch der Kulturen in Afrika, Südamerika, Indonesien und Papua Neuguinea gezeigt.

Die Ausstellung hält uns sozusagen einen Spiegel vor. In Verhaltensweisen, die uns zunächst exotisch erscheinen, erkennen wir uns selbst. Wir sehen, dass alle Menschen über gemeinsame Emotionen und Handlungsweisen verfügen. Gerade in der heutigen Zeit, in der viel von Differenzen zwischen Menschen, Ethnien und Kulturgruppen die Rede ist, vermag sich hier ein erneuter Blick auf das Gemeinsame aller Menschen zu eröffnen. Die Forschungen der Humanethologie geben uns wichtige Argumente in die Hand, uns auf das weltweit Verbindende zu besinnen für ein immer besser gelingendes Miteinander.

www.schlosshalbturn.com

Wien, 3. 4. 2014