Sommernachtskomödie Rosenburg: Kalender Girls

Juli 1, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Sexy, ein bissl sarkastisch und sehr symphatisch

Die Waldviertler Kalender Girls: Babett Arens, Erni Mangold, Elisabeth Engstler, Konstanze Breitebner, Susanne Brandt und Hemma Klementi. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg/Anna Stöcher

Die Waldviertler Kalender Girls: Babett Arens, Erni Mangold, Elisabeth Engstler, Konstanze Breitebner, Susanne Brandt und Hemma Klementi. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg/Anna Stöcher

Erni Mangold rockt die Rosenburg. Wie sie da steht, die schlanke Silhouette und das lange blonde Haar, und erklärt, man könne dem Alter ein Schnippchen schlagen, indem man’s einfach nicht zur Kenntnis nimmt, hat sie die Herzen des Publikums auf ihrer Seite. Und mit ihrem typischen Charme und ein bissl Sarkasmus auch dessen Lacher. Für sie, die ganz Große, ist dieses Engagement fast ein Heimspiel, sie wohnt nicht weit weg im Kamptal, und mit ihr sind fünf weitere umwerfende Schauspielerinnen die „Kalender Girls“.

Marcus Ganser hat das Stück von Tom Firth, das durch die Verfilmung mit Hellen Mirren 2003 zu Weltruhm kam, für die Sommernachtskomödie Rosenburg von Intendantin Nina Blum inszeniert. Er hat mit seiner vorzüglichen Textfassung Großbritannien ins Waldviertel übersiedelt, die pensionierte Lehrerin, die ehemalige Rockröhre, die viel zu brave Hausfrau und die Golflady, nun langweilt man sich auf dem Lande beim Lions Club, hat die Hadersdorfer Konkurrenz immer hart im Blick und versucht sich, heißt: scheitert am Backen von Lebzelten mit Graumohnmasse. Die Provinz lebt und sie nimmt sich selbst aufs Korn. Dies gern in flüssiger Form, damit die Damen beim Diavortrag ihrer großen Vorsitzenden, „Eine Reise in die Welt des Broccoli“, von James Bond träumen können statt über Kreuzblütengewächse diskutieren zu müssen …

So weit die Komödie. Doch in den luftig-leichten „Kalender Girls“ steckt mehr. Und Ganser versteht es meisterhaft mit diesen leisen, nachdenklichen Tönen den Klamauk zu brechen. Was keine kleine Kunst ist. Die Geschichte ist nämlich eine wahre, der Mann einer der Protagonistinnen erkrankt an Leukämie und stirbt auch daran, und sie will ihm zu Ehren den Aufenthaltsraum für die Angehörigen im Krankenhaus etwas angenehmer gestalten. Ein neues Sofa soll gekauft werden, finanziert durch Spenden, die man durch einen selbst produzierten Kalender einnehmen will. Als Sujets sie und ihre Mitstreiterinnen – nackt. Was freilich für Konflikte sorgen muss, die eine will eigentlich gar nicht, die andere für sich zu viel. „Kalender Girls“ ist ein Plädoyer auf den Wert von Freundschaft und für den Mut, sich mehr zuzutrauen. Jede Frau ist schön, so die Botschaft, und Ganser sagt dazu, dass man sie das auch immer wieder von Neuem wissen lassen muss. Was im Publikum heftig akklamiert wurde, die Herren von so viel Frauenpower sowieso hin und weg.

Elisabeth Engstler und Erni Mangold. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg/Anna Stöcher

Elisabeth Engstler und Erni Mangold. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg/Anna Stöcher

Erwin Ebenbauer und Konstanze Breitebner. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg/Anna Stöcher

Erwin Ebenbauer und Konstanze Breitebner. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg/Anna Stöcher

Die Darstellerinnen schonen sich nicht. Sie sind die subversive Sektion des Charity-Vereins. Geheimnisse werden gelüftet, Tabus fallen, kein Strickknäuel und kein Einweckglas, das nicht gezeigt wird. Nicht umsonst heißt das dazu passende Wort Mutterwitz. Mit der Mangold brillieren Hemma Clementi als tatenkräftige Chris, Konstanze Breitebner als upperclassige, dem Hochprozentigen zugetane Selina und Susanne Brandt als Mauerblümchen Ruth. Und so wie klar ist, dass die sich emanzipieren und ihren untreuen Mann in die Wüste schicken wird, versteht es sich auch, dass Elisabeth Engstler als Caro am Klavier singen und jammen wird, dass es eine Freude ist. Bettina Soriat und Marcus‘ Mama Margot Ganser-Skofic gestalten die Gegenspielerinnen, zweitere die vürnehme Vereinsvorsitzende als Kabinettstückchen und ergo, dies als Scherz gemeint, fast als Konkurrenz zu Erni Mangold.

Und während all die desperaten Hausfrauen noch nicht wissen, dass sie demnächst Pin-ups sein werden, sind da zwei als Liebespaar zu sehen, das die Grenzen von den Lachtränen zu ihren traurigen Geschwistern verschwimmen lässt: Babett Arens als Annie und Erwin Ebenbauer als ihr Jo sind in ihrem Abschied von einander so anrührend, dass es weh tut. Im allgemeinen oben ohne geht Ebenbauer sogar den gewagtesten Schritt, der ehemalige Volkstheaterstar hat seine Haarpracht für eine Krebsglatze geopfert. Zum ersten Mal in seiner langjährigen Laufbahn spielt er kahl. Martin Oberhauser als Krankenpfleger und Fotograf, der nervöser als seine Models ist, komplettiert den fabelhaften Cast.

„Kalender Girls“ entpuppt sich so als perfekte Sommerkomödie für Herz und Hirn. Marcus Ganser beweist, dass britischer Galgenhumor à la Kamptal funktioniert, und dass gelungene Unterhaltung immer auch mit Haltung zu tun hat. In diesem Sinne haben die Rosenburg-Girls einen Kalender für den guten Zweck anfertigen lassen, der in der Premierenpause schon wie frische Rosinenschnecken weg ging.

sommernachtskomoedie-rosenburg.at

Wien, 1. 7. 2016

Theater zum Fürchten: Cena Claudiana

April 24, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Bei Bruno Max geht’s zu wie im alten Rom

Cena Claudiana. Bild: Bettina Frenzel

Reinhold Kammerer (M.) lädt als Kaiser Claudius zur Cena Claudiana. Bild: Bettina Frenzel

Giftige Pilze gibt es am Ende nur für Claudius, für das Publikum stattdessen Ente in Fischsauce, pikante lukanische Wurst und einen luxuriös mit Garum gewürzten Bohneneintopf. Das Theater zum Fürchten lädt zur diesjährigen Dinner- theaterproduktion, der insgesamt neunten, und diesmal entführt Prinzipal Bruno Max ins antike Rom.

„Cena Claudiana“, das letzte Gastmahl des Kaiser Claudius, heißt die erfolgreiche Aufführung, die nach einer ausverkauften Spielserie am Stadttheater Mödling nun in der Wiener Scala Station macht. Nach Motiven aus Robert Ranke-Graves‘ 1100-Seiten-Roman „Ich, Claudius – Kaiser und Gott“ wird die Geschichte der vier ersten Kaiser Roms erzählt, der Nachfolger Julius Cäsars, Augustus, Tiberius, Caligula und Claudius.

Und wie die erzählt wird. Bei Bruno Max julisch-claudischer Familienaufstellung geht’s zu wie im alten Rom. Mit mehr Sex & Crime als eine Fernsehserie füllen könnte, wiewohl es die weiland mit Derek Jacobi, John Hurt und Patrick Stewart natürlich gegeben hat. So viele Seiten das Buch, so viele widersprüchliche Charakterzüge werden von Claudius überliefert. Der Mann, der, was ihm unter Zeitgenossen durchaus zum Vorwurf gemacht wurde, ausschließlich Frauen liebte, umsichtig und klug regierte und beinah moderne Gesetze erließ, der ein Herz für Sklaven hatte, Freigelassene an die wichtigsten Positionen seines Reiches setzte, Britannien eroberte, stotterte, hinkte, mit dem Kopf zuckte, ein debiler Krüppel, der mit Begeisterung der Folter und Hinrichtung seiner Feinde beiwohnte, verwahrlost, ignorant, böswillig, ein Gelehrter, der maßgebliche historische Schriften verfasste, und der posthum von Seneca in der „Apocolocyntosis“, der Verkürbissung des Divus Claudius, einer der boshaftesten Satiren, die je auf einen Herrscher geschrieben worden ist, verspottet wurde. Bruno Max entschied sich, seinen Claudius zum Sympathiemenschen zu machen.

Eliot Bolch und Franz Weichenberger: Bild: Bettina Frenzel

Kind Claudius, Eliot Bolch, mit Franz Weichenberger als Großvater Kaiser Augustus: Bild: Bettina Frenzel

Randolf Destaller und Bettina Soriat. Bild: Bettina Frenzel

Caligula verspottet die sterbende Livia: Randolf Destaller und Bettina Soriat. Bild: Bettina Frenzel

Reinhold Kammerer schlüpft in die Rolle des Claudius. Er ruft die Zuschauer aus einer fernen Zukunft als Zeugen an, will ihnen seine Version der Historie näherbringen, tatsächlich schrieb Claudius eine achtbändige Autobiografie, die verschollen ist, und so der Nachwelt ein Vermächtnis hinterlassen, das ihn ins rechte Licht rückt: Der wegen seiner körperlichen Behinderung ungeliebte Sohn und Enkel, den es auf den Kaiserthron quasi gespült hat, obwohl er im Innersten überzeugter Anhänger der Republik war. Dafür hat Bühnenraumverzauberer Marcus Ganser die Domus Augustana für all die gezeigten Intrigen und Interessenskonflikte nacherfunden, einen Spiel-Platz, der mit beinah einem Dutzend Podesten von der Palatinvilla bis zur Gladiatorenkampfarena alles sein kann, mittendrin eine Liegestatt und mitten im Geschehen wie stets bei diesen Abenden das Publikum, immer aufmerksam, um gezückten Schwertern und im Zorn geschleuderten Schriftrollen auszuweichen. Welch ein Spektakel, diese spannenden und schwarzhumorigen Geschichtsstunden, mehr als drei sind es, denn es gibt schließlich eine Menge zu berichten. Kammerer wechselt von der Erzählerposition in die Spielhandlung und retour, in einzelnen Episoden erklärt er, was anno 10 vor bis 54 nach Christus geschah.

Dreizehn Erwachsene und vier Kinder als Schauspieler gestalten mit ihm die Vornehmen des Imperiums. Das vorzügliche Ensemble wird angeführt von Bettina Soriat als Augustus-Gattin und Claudius‘ Großmutter Livia und Randolf Destaller als Claudius‘ Neffe und Amtsvorgänger Caligula. Erstere eine begnadet bösartige Alte, die Spielmacherin, die bis zu ihrem Ableben die Fäden in der Familie in der Hand hat, über Abfall von der Gnade und Verbannung und damit gleichsam über Leben und Tod bestimmt. Eine gruselige, großartige Leistung, die auch zur Lieblingsszene der Aufführung führt: Livia und die Giftmischerin Martina beim Fachsimpeln über unheilsame Kräuter. Zweiterer ein aalglatter, blondgelockter Schönling, der’s mit jedem und jeder tut, heißt vor allem mit Tiberius, wenn es seinen Allmachtsfantasien dient. Bis ihn der Wahnsinn ereilt. Wie er über der sterbenden Livia triumphiert, „überrascht“ und gerührt die Kaiserwürde entgegennimmt, nur um sich später zu Gott Zeus zu erklären – Destaller spielt das mit einem Understatement, mit einer Elegance, die bestechend ist.

Benjamin Ulbrich changiert zwischen der Lichtgestalt Drusus, Claudius‘ Vater, und dem machtgierigen Gardepräfekt Sejanus, der seiner eigenen Verschwörung zum Opfer fällt. Franz Weichenberger ist ein honoriger Augustus, der seine Kinder an sein Herz zieht und danach auf öden Inseln aussetzt, Christian Kainradl ein zunehmend der Last der Verantwortung überdrüssiger Tiberius, Thomas Marchart der von der Verwandtschaft verratene Augustus-Enkel Postumus. Manuel Dragan spielt einen besonnenen Ratgeber Herodes Agrippa, den späteren König von Judäa und Samarien, der gemeinsam mit Claudius erzogen wurde und einer seiner engsten Freunde und Vertrauten war. Neben Livia sind auch die übrigen Frauen mit Marion Rottenhofer als moralisch fast einwandfreier Claudius-Mutter Antonia, Samatha Steppan als Schwammerlaussucherin Agrippina und Carina Thesak als Caligulas inzestuös geliebte Schwester Drusilla die eigentlichen Kaisermacher.

Thomas Marchart, Samantha Steppan und Christoph Prückner. Bild: Bettina Frenzel

Augustus verbannt seine Tochter: Thomas Marchart, Samantha Steppan und Christoph Prückner. Bild: Bettina Frenzel

Benjamin Ulbrich. Bild: Bettina Frenzel

Benjamin Ulbrich: Hier endet die Sejanische Verschwörung. Bild: Bettina Frenzel

Nicht alles, was Ranke-Graves so vor sich hin schildert, hat historisch Bestand, auch ist seine Veröffentlichung aus dem Jahr 1934 in vielen Teilen wissenschaftlich überholt und korrigiert, aber Spaß muss sein. Und für den sorgen in der Scala Jörg Stelling als griechischer Wahrsager, Christoph Prückner als syrische Giftmischerin und der wunderbare Günter Tolar als Sklave Praxis, der sich nicht nur um das Wohlergehen der jeweiligen Kaiser, sondern auch um das der Gäste kümmert, auf dass der Gewürzwein im Becher nicht versiegen möge!, und nicht zuletzt deshalb eindringlich zum Latrinenbesuch in der Pause aufruft.

Zum Schluss wird er als Tourist Guide durch den Palast führen und wissen, dass die Geschichte nach Claudius mit dem seltsamen Sterben seines Sohnes Britannicus und also Stiefsohn Nero als Nachfolger keine bessere Wendung nahm. Entzückend sind die Kinderdarsteller als jugendliche Alter Egos, allen voran Enya Zechner, dem als Kind Claudius die schwere Aufgabe zufällt, dessen Ticks zu gestalten.

So ergeht sich der Stamm mit den zwei Sorten Früchten, den bitteren und den süßen, in der gegenseitigen Schändung und Abschlachtung, Verbündete sind rar, Schmeichler und Spitzel überall, und Thronanwärter sterben schnell. „Spiel‘ so lang du kannst den Idioten.“ Das ist der Rat, den Claudius mehrmals in seinem Leben hört. Er macht ihn zu seiner Überlebensstrategie, laviert sich durch zwischen Geistererscheinungen und grausiger Zauberei, in einer Welt, in der die Frage „Besorgst du es mir?“ entweder Liebe machen oder Gift herbeischaffen meint. „Rom hat dich verdient“, sagen die Prätorianer schließlich, als sie ihm als letztem Verbliebenen der Sippe mehr zum Jux die höchste Würde antragen. Und nach jüngsten Erkenntnissen dürfte dies tatsächlich ein Glück für die ewige Stadt gewesen sein. Verdient lässt ihn ergo Bruno Max einen gnädigeren Gifttod sterben als Zeitzeugen berichten. „Cena Claudiana“ ist einmal mehr ein gelungener Theaterabend für alle Sinne. Und wie jedes Jahr wurde er vom Publikum als Höhepunkt der Scala-Saison mit großem Applaus bedankt. Man darf gespannt sein, was sich das Theater zum Fürchten für die nächste Spielzeit ausdenken wird.

www.theaterzumfuerchten.at

Wien, 24. 4. 2016

Sommernachtskomödie Rosenburg: „Kalender Girls“

April 13, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die britischen Ladys legen nun im Waldviertel ab

Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Die Waldviertler Kalender Girls: Babett Arens, Erni Mangold, Elisabeth Engstler, Konstanze Breitebner, Susanne Brandt und Hemma Klementi. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Mittwochvormittag präsentierte Intendantin Nina Blum ihre Pläne für die Sommernachtskomödie Rosenburg. Auch im zweiten Jahr ihrer Leitung setzt sie auf Welttheaterkomödien: Nach Woody Allens „Mittsommernachts-Sex-Komödie“ im Vorjahr stehen heuer Tim Firths „Kalender Girls“ auf dem Spielplan. Premiere ist am 30. Juni.

Bekannt ist das Stück vor allem durch die Verfilmung mit Helen Mirren und Julie Walters aus dem Jahr 2003. „Doch“, so Blum, „die Theaterfassung ist ziemlich anders“. Nicht zuletzt deshalb, weil Regisseur Marcus Ganser die Handlung ins Waldviertel verlegt hat. Blum: „Die ‚Kalender Girls‘ sind nun Damen des Horner Lions Club, denen das Mohnstrudelwettbacken für ihren Zweck nicht mehr ausreichend erscheint.“ Dieser Zweck ist ein guter und hat seinen Ursprung in einer wahren Geschichte. Ein britischer Freundinnenkreis beschloss, Geld für eine Krebsstation zu sammeln, nachdem der Ehemann einer der Protagonistinnen an Leukämie erkrankt war und sie die Krankenhaustristesse für die Patienten ein wenig angenehmer gestalten wollte. Doch Wohltätigkeitsbasare und Selbstgebasteltes bringen nicht genug Spenden ein und so beschließen die Frauen einen Benefizkalender zu gestalten. Und zwar statt der üblichen Tier- und Landschaftsfotos mit sich selber als Motiv. Nackt. Versteht sich, dass das Projekt Pin-up für jede Menge Aufsehen sorgt …

Erni Mangold. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Erni Mangold. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Babett Arens. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Babett Arens. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Elisabeth Engstler. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Elisabeth Engstler. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Konstanze Breitebner. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Konstanze Breitebner. Bild: Sommernachtskomödie Rosenburg

Auf der Rosenburg tritt eine illustre Darstellerinnenriege zwischen 46 und 89 Jahren zum erotischen Fotoshooting an, allen voran die wunderbare Erni Mangold, die als Wahl-Waldviertlerin auch noch Heimvorteil genießt. Mit ihr stehen Babett Arens, Hemma Clementi, Konstanze Breitebner, Susanne Brandt und Elisabeth Engstler auf der Bühne.

Die ORF-Moderatorin feiert in der Rolle der ehemaligen Rocksängern Caro ihr Bühnencomeback. Dafür lernt sie seit zwei Monaten sogar Klavierspielen, „bei einem jungen, feschen Klavierlehrer“, lacht Engstler, die in diesem Zusammenhang auch erzählt, wie das mit dem Ausziehen daheim ankam: „Meine Tochter hat gesagt, halt‘ dir die großen Klaviernoten vor, sonst wird’s peinlich.“

Bettina Soriat spielt eine erbitterte Gegnerin des Kalenders, Marcus Gansers Mutter, Margot Ganser-Skofic, die Vorsitzende des Lions Club. Als Quotenmänner beziehungsweise Hähne im Korb komplettieren Martin Oberhauser als Fotograf und Erwin Ebenbauer das Ensemble. Auch Ebenbauers Figur, der krebskranke Ehemann, wird im Waldviertel eingemeindet, er ist ein Forstbeamter des Nationalparks Thayatal. Den Volkstheaterstar aus der Ära Schottenberg erwartet bei der Sommernachtskomödie eine persönliche Premiere. Er wird wohl seine Haarpracht opfern. „Zum ersten Mal in 40 Bühnenjahren!“ Die Herren Martin Burböck und Oliver Podesser von der steirischen Band „Landluft“ werden für „verjazzte Volksmusik“ sorgen.

Regisseur Ganser hat die Komödie nicht nur mit Pointen aus der englischen Originalfassung aufgepeppt, er ist auch für das Bühnenbild verantwortlich. Auf der von acht Zuschauertribünen umringten 360°-Bühne will er einen Zen-Garten gestalten, „als Symbol für Vergehen und Neuwachsen.“ Ansonsten zeigt er sich furchtlos angesichts der geballten Frauendynamik: „Ich habe schon öfter Inszenierungen mit vielen Kolleginnen gemacht, wenn ich da was nicht verstehe, gehe ich einfach heim – und frage meine Frau.“

Mit den „Kalender Girls“ wird natürlich ein Kalender produziert. Der Erlös geht an ein Frauenprojekt der Krebshilfe.

sommernachtskomoedie-rosenburg.at

Wien, 13. 4. 2016