Kino wie noch nie: Sechs Filme als Freiluft-Preview

Juni 21, 2022 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Leonard Cohen, Lady Diana und der Sundance-Hit

The Princess. Bild: © Polyfilm

Das wunderschöne „Kino wie noch nie“ öffnet in Kooperation mit der Viennale am 23. Juni wieder seine Pforten im Wiener Augarten für alle cinephilen Freiluftfreundinnen und -freunden. Polyfilm zeigt in diesem Rahmen sechs Filme als Preview – noch vor dem Kinostart im Herbst/Winter.

The Princess von Ed Perkins. Termine: 29.6. – 21.30 Uhr Augarten, 30.6. – 19.30 Uhr Metro

Zum 25. Todestag der Princess of Wales kommt mit „The Princess“ die ultimative Diana-Doku ins Kino, die als Sundance-Höhepunkt gefeiert wurde. Produziert vom Oscar-prämierten Team von „Searching for Sugarman“ erzählt der Film erstmals Dianas ganze Geschichte, mit noch nie gezeigten Archivaufnahmen. Es entsteht ein überraschendes und überwältigendes Bild einer Frau, die heute aktueller und moderner denn je erscheint.

Papicha von Mounia Meddour. Termine: 9. 7. – 21.30 Uhr Augarten, 10. 7. – 19.30 Uhr Metro

Algier in den 1990er-Jahren. Die 18-jährige Studentin Nedjma lebt im Studentenwohnheim und träumt davon, Modedesignerin zu werden. Nach Einbruch der Nacht schlüpft sie mit ihren besten Freundinnen durch den Zaun des Wohnheims, und geht in den Nachtclub, wo sie den „Papichas“, hübschen algerischen Mädchen, ihre Kreationen verkauft. Die politische und soziale Lage im Land verschlechtert sich zunehmend. Ungeachtet dieser Ausweglosigkeit beschließt Nedjma, für ihre Freiheit zu kämpfen, und veranstaltet eine Modenschau, mit der sie sich über alle Verbote hinwegsetzt. Die Geschichte ist inspiriert von den eigenen Erfahrungen der Regisseurin Mounia Meddour und ihrer vier Freundinnen, die alle von einem neuen Leben träumten.

Mein Wenn und Aber von Marko Doringer. Termine: 15. 7. – 21.30 Uhr Augarten, 16. 7. – 19.30 Uhr Metro

Um sich selbst zu verwirklichen, muss man erst mal wissen, was man will. „Mein Wenn und Aber“ ist ein bitter-süßer Beziehungsfilm über die Vereinbarkeit von Beruf und Liebe – und den täglichen Kampf ums Glück. Marko besucht Freunde, Kolleginnen und seine Eltern, um herauszufinden, wie sie mit dem fragilen Gefüge von Partnerschaft, Familie und Arbeit umgehen. Seine Generation ist hin- und hergerissen: Auf der einen Seite die Freude an der Arbeit. Auf der anderen Seite die Angst, dem Partner oder den Kindern nicht gerecht zu werden. Dazwischen der Wunsch, die Versäumnisse der eigenen Eltern nicht zu wiederholen. Gibt es ein Glücksrezept für ein gelungenes Leben? Einfühlsam, beharrlich und humorvoll erforscht Regisseur Marko Doringer die Gefühlswelt einer Generation, die um ihren Weg ringt. Damit kommt nach „Mein halbes Leben“ und „Nägel mit Köpfen“ der dritte Teil der österreichischen Kultserie ins Kino. Preview in Anwesenheit des Regisseurs.

Hive von Blerta Basholli. Termine: 17. 7. – 21.30 Uhr Augarten, 18. 7. – 19.30 Uhr Metro

Dieser starke Debütfilm wurde zum Sundance-Hit. Um ihre Familie zu versorgen, gründet Fahrije, Alleinerzieherin deren Mann im Kosovokrieg verschollen ist, ein kleines landwirtschaftliches Unternehmen. Zusammen mit anderen Frauen aus dem Dorf beginnt sie die Gemüsepaste Ajvar zu produzieren. Ihre Bemühungen, sich und andere Frauen zu stärken, werden in ihrem traditionellen, patriarchalischen Dorf nicht gern gesehen. Doch auch die Männer können ihren Erfolg nicht verhindern. Eine ermutigende Emanzipations-Geschichte über Frauensolidarität nach wahren Begebenheiten. Sundance Festival 2021: Publikumspreis, Beste Regie, Großer Preis der Jury.

Mona Lisa und der Blutmond: Tolles Comeback von Kate Hudson. Bild: © Polyfilm

Höhepunkt in Venedig: Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song. Bild: © Polyfilm

Hive: Preisgekrönter Sundance-Hit. Bild: © Polyfilm

Aus Österreich: Mein Wenn und Aber. Bild: © Polyfilm

Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song von Daniel Geller und Dayna Goldfine. Termine: 23. 7. – 21.30 Uhr Augarten, 24. 7. – 19.30 Uhr Metro

Ein Höhepunkt des Filmfestivals Venedig 2021: berührend, erhellend, witzig und musikalisch erhaben. „Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song“ ist nach dem großen Kinoerfolg „Marianne & Leonard“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=35793) der zweite Dokumentarfilm innerhalb weniger Jahre, der sich mit Leonard Cohen beschäftigt. Der titelgebende Jahrhundersong, eines der am meisten gecoverten Lieder der Popgeschichte, ist das Prisma, durch das Leben und Werk des legendären kanadischen Musikpoeten erzählt wird. Von den Anfängen bis zu seinem letzten Auftritt.

Mona Lisa und der Blutmond von Ana L. Amirpour. Termine: 12. 8. – 21.00 Uhr Augarten, 13. 8. – 19.30 Uhr Metro

Eine seltsame junge Frau mit merkwürdigen Superkräften, eine alleinerziehende Stripperin – ein tolles Comeback von Kate Hudson – und ihr kleiner Sohn sind das liebenswerteste Trio dieses Freiluft-Kinosommers. Gemeinsam machen sie New Orleans unsicher und das macht richtig viel Spaß. Inspiriert von Abenteuerfilmen der 1980er-Jahre, kreiert die iranisch-amerikanische Regisseurin Ana Lily Amirpour nach ihrer Sensation „A Girl Walks Home Alone at Night“ erneut einen wuchtigen und überraschenden Film, der ziemlich einzigartig ist – und sehr cool.

Außerdem auf der großen Freiluftleinwand: Der Publikumshit

Abteil Nr. 6 von Juho Kuosmanen. Termine: 1. 7. – 21.30 Uhr Augarten, 2. 7. – 19.30 Uhr Metro

Der finnische Regisseur Juho Kuosmanen schickt zwei Außenseiter auf eine amüsante und zutiefst berührende Reise, auf der sie – ganz ohne Kitsch – mit der Wahrheit ihrer Gefühle konfrontiert werden. Nur wenige Menschen zieht es im Winter ins eisige Murmansk am nördlichen Polarkreis. Die schüchterne finnische Archäologie- studentin Laura aber ist fest entschlossen, die berühmten Felsenmalereien der Stadt zu besichtigen – eine unglückliche Romanze, die sie in Moskau hinter sich lässt, motiviert ihren Entschluss umso mehr. Die Aussicht auf eine beschauliche Eisenbahnfahrt zerschlägt sich als Laura ihren Mitreisenden im Abteil Nr. 6 kennenlernt:

 

Ljoha ist Bergarbeiter, trinkfest und laut, ein Typ, der keine Grenzen zu kennen scheint und Lauras schlichtweg ignoriert. Doch während der nächsten Tage ihrer gemeinsamen Reise müssen die ungleichen Passagiere auf engstem Raum miteinander auskommen lernen … Zum Sound von „Voyage Voyage“ nimmt Kuosmanen das Publikum mit auf eine atmosphärische Reise durch das winterliche Russland der späten 1990er-Jahre, auf der sich zwei Menschen über alle Kultur- und Klassengrenzen hinweg begegnen und näher kommen. Ein liebevoll raues, melancholisch-komisches Roadmovie auf Schienen, inspiriert durch den gleichnamigen Roman von Rosa Liksom (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=3148).

www.polyfilm.at          Das ganze Programm und Tickets: www.filmarchiv.at/news/kino-wie-noch-nie-2

21. 6. 2022

Wien modern: Pop.Song.Voice.

Oktober 28, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Programmtipps von Klaus Nomi bis Nali Gruber

Arturo Fuentes Bild: © Stefan Fuhrer

Arturo Fuentes
Bild: © Stefan Fuhrer

Wien modern, das Festival für Musik der Gegenwart, steht dieses Jahr ganz im Zeichen von Pop.Song.Voice. Von 5. bis 28. November finden an 16 Spielorten an die 50 Veranstaltungen statt; der künstlerische Leiter Matthias Lošek, der das Spektakel heuer zum letzten Mal verantwortet, verabschiedet sich mit einem gekonnten Mix aus zeitgenössischer Musik und Popkultur.

Drei Tipps aus dem umfangreichen Programm:

Manuela Kerer und Arturo Fuentes präsentieren die gemeinsame Uraufführung eines satirischen Musiktheaters: Whatever Works von Dimitré Dinev zeigt ab 7. November im Rabenhof Theater, wie man Katastrophenhilfe zur Karrierehilfe umfunktionieren kann und was man dazu braucht: Drei Staatslimousinen, deren Chauffeure Hilfsgüter in die Dritte Welt transportieren, für die dort niemand Verwendung hat, und einen Chor, der regelmäßig den Applaus für die sinnlosen Taten zweier Karrierefrauen abliefert. Michael Scheidl inszeniert, Simeon Pironkoff dirigiert. Es singen u. a. Shira Karmon, Stefan Bleiberschnig und PHACE.

Ein Countertenor aus dem All: Olga Neuwirths Hommage à Klaus Nomi, eine Uraufführung der komplettierten Kammerorchesterfassung am 9. November im Musikverein, ist eine musikalische, aber auch biografische Auseinandersetzung mit dieser einzigartigen Persönlichkeit. Mit ihrer unverwechselbaren Klangsprache und eigenen Ästhetik nähert sich die Komponistin den Songs von Klaus Nomi und lässt die Zuhörer in dessen extrovertierte, hyperstilisierte Welt eintauchen. Neuwirth stellt Stimme und Pop ins Zentrum, präsentiert vom britischen Countertenor Andrew Watts und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister.

Am 15. November gestalten die Wiener Symphoniker unter der Leitung von Erik Nielsen im Wiener Konzerthaus einen Abend mit Werken von HK Gruber und Johannes Maria Staud. Für „In into the open …“ bindet Nali Gruber das Schlagwerk von Colin Currie dicht in den Orchesterklang ein, konzentrierte Klänge, die Widerhall im Orchester finden und neue Klangfarben entstehen lassen. Sie prägen das Werk, das dem Andenken an den Verleger und Musikwissenschafter David Drew gewidmet ist. Stauds Diptychon „Zimt“ geht auf die geheimnisvolle Welt des Dichters Bruno Schulz zurück und spürt den verwunschenen Gärten, labyrinthartigen Dachböden und dem Gassengewirr seiner Texte musikalisch nach.

Das gesamte Programm: wienmodern.at

Wien, 28. 10. 2015