Volksoper: Gypsy

September 11, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

A Musicalstar is born

Tingel-Tangel-Familie: Toni Slama  als Herbie, Lisa Habermann  als Louise, Marianne Curn als June und Maria Happel als Rose. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Mit Riesenjubel und -applaus endete Sonntagabend die Eröffnungspremiere der Volksoper. Direktor Robert Meyer hat einmal mehr eine Musicalrarität ans Haus geholt, „Gypsy“, und für diese Maria Happel in der Hauptrolle. Es ist das erste Mal, dass die Burgschauspielerin in einem klassischen Musical spielt, und sie singt und swingt und tanzt, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. A Musicalstar is born!

Wie ein Hurrican wirbelt ihre „Mama Rose“ über die Bühne, den Mops in der Tasche, ihre beiden Töchter an der Hand – und schon ist man mitten drin im Chaosleben der Vaudeville-verrückten Übermutter. „Gypsy“ erzählt die wahre Geschichte der Rose Thompson Hovick, die in den 1920er-Jahren der USA aufbrach, um ihre beiden Töchter zu Bühnenstars zu machen. Dazu tingelte die kleine Truppe, die Rose rund um die Mädchen aufgestellt hatte, quer durch die Vereinigten Staaten, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Das Ende des Vaudeville war bereits eingeläutet, und Karriere auf diesem Gebiet eigentlich nicht mehr machbar.

Rose, von ihrer Biografin nicht von ungefähr „Dr. Jekyll and Mrs. Hovick“ genannt, verschliss Bühnen- wie Lebenspartner, und trieb Baby June und Louise zu Höchstleistungen an. Beide Töchter wendeten sich schließlich von ihr ab: June brannte durch, mit 13!, heiratete und wurde eine erfolgreiche Schauspielerin, Louise unter dem Künstlernamen „Gypsy Rose Lee“ zum Burlesque-Star. Beide therapierten ihre schwierige Beziehung zu ihrer Mutter in Autobiografien.

Louises Aufzeichnungen nahmen Liedtexter Steven Sondheim, Autor Arthur Laurents und Komponist Jule Styne als Vorlage für ihr 1959 am Broadway uraufgeführtes Musical „Gypsy“. Diesem konnte die Kritik gar nicht genug Rosen streuen. Man schrieb von endlich einer Charakterrolle in einem Musical, nannte die Rolle der Mama Rose „die frivole Antwort auf King Lear“, und das Stück schließlich gar „die Mutter aller Musicals“. Apropos, Rosen: Einer der größten Hits in „Gypsy“ ist „Everything’s Coming up Roses“, außerdem bekannt sind „You’ll Never Get Away From Me“ und der Auftrittssong der Mädchen „Let Me Entertain You“, der sich wie ein roter Faden durch das Musical zieht.

Die  jungen Darsteller: Sophie Grohmann, Emil Kurz, Simon Gaunersdorfer, Louisa Popovic, Maria Happel, Sophie-Marie Hofmann, Lino Gaier, Lili Krainz und Toni Slama. Bild: © Jenni Koller/Volksoper Wien

Die Zeitungsjungen-Nummer läuft Jahrzehnte: Lino Gaier, Louisa Popovic, Sophie-Marie Hofmann und Lorenzo Popovic. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

An der Volksoper tauchen Regisseur Werner Sobotka und sein Ausstatterduo Stephan Prattes und Elisabeth Gressel lustvoll in die verwehte Welt des US-Unterhaltungstheaters ein, und machen den Abend zur schillernden Hommage ans eigene Metier. Sobotka inszeniert wie stets mit viel Liebe für Details, mit Witz und einem Hauch Satire. Vor allem nach der Pause, die Szenen in Minskys Burlesque-Theater, da lebt er seinen Hang zum Skurrilen aus. Die Optik wechselt zwischen showbiz-grellbunt und ärmlich-privat, hat Roses Truppe doch alles, nur kein Geld.

Happels Kostüme sind mitunter von atemberaubender „Hässlichkeit“, wenn Rose aus Schlafdecken Mäntel und Kleider näht, nur Baby June mit blondgefärbten Löckchen ist immer wie aus dem Schaufenster entwendet. Dirigent Lorenz C. Aichner macht das Volksopernorchester wieder einmal zur Big Band, schmissig schon die Ouvertüre während der alte Filmaufnahmen auf die Varieté-Atmosphäre einstimmen, und so wird den ganzen Abend mit Tempo und „Rums“ für die Bumps – dies der von Trommelwirbel begleitete Hüftkick der Tänzerinnen –  musiziert. Die Choreografien von Danny Costello sind lebhaft, very twenties und mit viel Stepptanz. „Gypsy“, das ist ein rundum sympathischer Abend.

Roses Truppe: Simon Stockinger, Peter Lesiak, Maria Happel, Georg Wacks, Oliver Liebl, Toni Slama, Maximilian Klakow und Marianne Curn. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Peter Lesiak (mit Lisa Habermann) glänzt in einer einwandfreien Steppnummer. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

In dessen Mittelpunkt, wie gesagt, Maria Happel glänzt. Kaum geht der Vorhang hoch, ist man mitten drin in „Onkel Jockos Kindercontest“, bei dem Baby June das Publikum erstmals mit Piepsstimme beschwört: „Let me entertain you!“ Ein kecker Augenaufschlag, ein Spagat (tatsächlich wurde June von Pädophilen verfolgt), und eine Mutter, die es schafft sich selbst aus dem Hintergrund ihre Vorhänge abzuholen. Happel verleiht der Mama Rose herben Charme und Humor, doch nie vergisst sie die Tragik im Leben dieser Nervensäge, die ihre eigene verkorkste Existenz an ihren Töchtern gutmachen möchte.

Darstellerisch vielschichtig changiert sie zwischen liebevollem Muttertier und Mamamonster, dem der Familiensinn immer dann zu fehlen scheint, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht. Und wehe, sie wird böse! Ansonsten lacht und flirrt und strahlt sie – ganz perfekte Vermarkterin ihrer Mädchen. „Meine Töchter sind mein Job!“, rechtfertigt sie ihren Selbstverwirklichungstrip. In dieser ersten Szene brillieren eine Reihe von Kinderdarstellern als wären sie alte Theaterhasen, allen voran die großartigen Livia Ernst als Baby June und Katharina Kemp als Louise.

Beim Tingeln werden aus den angesagten „1,07 Meter pure Energie“ teenagerhafte 1,60 Meter, immer noch lautet der Song „Let me entertain you!“, immer noch folgt die Zeitungsjungen-Nummer, immer noch will Rose so beharrlich wie erfolglos ihre Töchter berühmt machen. Die Wienerin Marianne Curn und die Linzerin Lisa Habermann schlüpfen nun in die Rollen von June und Louise, beide debütieren in ihren Parts an der Volksoper, und überzeugen gesanglich wie darstellerisch. Während Curns June noch vor der Pause verschwindet, hat Habermann mehr Zeit einen Charakter zu gestalten – und sie nützt sie auch. Wie ihre Louise vom Entlein, der Mutter nur zweitliebste Tochter, meist in eine Bubenrolle verbannt und von der Truppe als „Kumpel“ wahrgenommen, zum strahlend schönen Schwan wird, diese Entwicklung arbeitet Habermann erstklassig heraus.

Zum hervorragenden Damentrio gesellt sich Toni Slama als Roses Lebensgefährte Herbie, ein geduldiger, gefühlvoller Mensch und Manager der Truppe, der nicht von ungefähr an Roses Seite ein Magengeschwür bekommt, und sie verlassen wird, als sie zum x-ten Mal die Hochzeit wegen eines Engagements verschiebt. Slama agiert mit viel Herz und (als ehemaliger Sängerknabe) mit einigem an Stimme, Happel und er sind jedenfalls ein hinreißendes Paar, auch wenn’s für Rose und Herbie nicht reicht. Aus den die Mädchen auf der Bühne umringenden „Jungs“ ragt Peter Lesiak als „Tulsa“ mit einer ausgezeichneten Steppnummer heraus. Wolfgang Hübsch hat einen Kurzauftritt als Roses Papa.

Im Burlesque-Theater: Christian Graf als Tessie Tura, Maren Kern, Martina Dorak, Jens Claßen, Simon Stockinger und Lisa Habermann. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Eine letzte Aussprache, und schon hat Rose den Nerz: Lisa Habermann und Maria Happel. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

So vergehen die Jahre, in denen Rose nicht loslassen kann und immer noch zur Gute-Nacht-Geschichte antritt, ohne wahrhaben zu wollen, dass ihre Babys längst im gebärfähigen Alter sind. Die „Jungs“ hauen irgendwann ab, June ist weg, Rose fördert nun Louise – und befördert sie in Minskys Burlesque-Theater in New York. Dieser Abstieg entpuppt sich bald als Louises künstlerischer Aufstieg, die, zum ersten Auftritt von der Mutter gedrängt, Talent im Ausziehgenre zeigt.

Sobotka lässt eine illustre Truppe das Etablissement bevölkern. Neben Martina Dorak als trompeteblasender „Miss Electra“ (eine Art Xena, die Stripteaseprinzessin), gelingt Christian Graf als so abgebrühter wie abgeklärter Lehrmeisterin „Tessie Tura“ im rosa Tutu mit Schmetterlingsdildo ein Kabinettstück. Lousie legt Bekleidung wie Mutterbindung ab, und Mama Rose ist ihren Job und damit den Sinn ihres Lebens los.

Wie die Happel sich diesen Moment der Verzweiflung mit der Schlussnummer „Rose’s Turn“/Nun ist Rose dran von der Seele singt und schreit, das ist große Kunst. In der Realität folgten Streit und Gerichtsprozesse. Auf der Bühne ist bei Schluss noch nicht Schluss.

Es kommt zur Aussprache zwischen Rose und Louise – aus der, was Wunder, Rose als Siegerin hervorgeht. Sie hat es geschafft, sich auf die High-Society-Party ihrer Tochter einzuladen, und der dafür auch noch einen teuren Nerz abgeluchst. Und so können sie beide im Triumph die Bühne verlassen: Mama Rose und Maria Happel.

Maria Happel im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=25867

www.volksoper.at

  1. 9. 2017

Volksoper: „Sweeney Todd“

September 16, 2013 in Klassik

VON RUDOLF MOTTINGER

Ein Gustostückerl für Gruselfans

zum einmaligen Abdruck freigegeben

Robert Meyer (Richter Turpin), Patricia Nessy (Bettlerin), Morten Frank Larsen (Sweeney Todd),
Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper,

Samstag  präsentierte sich die Wiener Volksoper einmal mehr als erstes Haus für Musical. Und zwar nicht nur für klassisches à la „My Fair Lady“ oder „Kiss me, Kate“, sondern durchaus auch für Skurriles, Schräges, Schreckgespenstisches. „Sweeney Todd“, der Babier des Grauens aus der Fleet Street, wurde – in Anwesenheit von Komponist und Texter Stephen Sondheim – erstmals an der Volksoper aufgeführt. Und wurde zum Riesenerfolg. Die „Graf von Monte Christo“-für-Ärmere-Story überzeugte mit Schwung und Swing; die Darsteller mit ihrer Sing- und Spielfreude, am Pult der musicalerfahrene Dirigent Joseph R. Olefirowicz, der Sondheims dissonante Parforcejagd, die schrägen Töne und Tempiwechsel von Song zu Song perfekt auf die Bühne hob. Die wurde dominiert vom Bühnenbild Mathias Fischer-Dieskaus, vom Räderwerk der Tötungsmaschine des blutdürstigen, vergeltungssüchtigen Ex-Friseurs, einem Maschinenraum, wie zu Beginn der Industrialisierung Londons im 19. Jahrhundert. Eine Reverenz an Charlie Chaplins „Modern Times“. Kommt doch, so wie der Tramp beim Schraubenanziehen, Mrs. Lovett kaum nach mit dem Pastetchenbacken … In der Inszenierung von Matthias Davids flutschen die Zahnräder jedenfalls wie geschmiert.

Bekannt wurde der Stoff durch Tim Burtons Verfilmung mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter 2007. Inhalt: Benjamin Barker, glücklich verheiratet und frischgebackener Vater einer Tochter, wird aufgrund einer Intrige des mächtigen Richters Turpin unschuldig angeklagt und verbannt. Benjamins Frau Lucy und die Tochter Johanna geraten unter die Obhut von Richter Turpin. Lucy wird vom Richter vergewaltigt und ist ohne ihren Mann am Ende ihrer Kräfte. Sie sinkt immer tiefer, bis sie schließlich verschwindet. Benjamins Tochter wird daraufhin von Richter Turpin adoptiert. 15 Jahre später kehrt Benjamin Barker als Sweeney Todd, von Not und Elend gezeichnet, in seine Heimat London zurück und trifft dort auf Mrs. Lovett, die Inhaberin des Fleischpastetenladens unter dem ehemaligen Barbiergeschäft von Benjamin Barker. Sie erkennt Todd als Barker wieder und erzählt ihm von Lucy, seiner Frau, die Arsen genommen habe und dass Johanna sich in der Obhut von Richter Turpin befinde. Todd ist verbittert und schwört in seiner Wut und Verzweiflung der ganzen Welt Rache. Er tötet seine Kunden, indem er ihnen beim Rasieren die Kehle durchschneidet, und lässt sie  über eine Falltür in den Backkeller rutschen. Bei Fischer-Dieskau ein kathedralenhafter Raum, der das Sakrale des Werks betont – nur, dass es keine Wiederauferstehung gibt -, wo die Leichen von Mrs. Lovett zu Fleischpasteten verarbeitet werden. In seinem Wahn schlitzt sich Todd durch Freund und Feind. Kurz gesagt: Am Ende ist keiner mehr über.

Mit einem Effektfeuerwerk sorgt das Leading Team der Volksoper dafür, dass Grauen, Gruseln, Gänsehaut zum fröhlichen Abend werden. Morten Frank Larsen spielt den Sweeney adrett-romantisch wie ein Stummfilmstar. Nie war ein Messermassaker charmanter. Stimmlich hat der Opernsänger ohnedies keine Probleme. Hausherr Robert Meyer ist ein großartig dämonischer, unheimlich unsympathischer Richter Turpin. Dagmar Hellberg ist als herrlich komödiantische Mrs. Lovett das skrupellose Herzstück der Produktion. Alexander Pinderak und Anita Götz malen als junges Paar helle, lyrische Farben in dieses düster-schwarze Gesangsgemälde. Volksopern-Debütantin Patricia Nessy spielt die Bettlerin, die Sweeney zu spät als seine ehemalige Frau erkennt. Ein vor Dreck starrendes Juwel! Am Schluss der Aufführung gab’s Standing Ovations und Pasteten. Die Darsteller samt Sondheim genossen das eine, die Zuschauer das andere. Ein rundum gelungener musikalischer Musical-Blutrausch. In Wien und Umgebung dürfte rote Farbe derzeit ausverkauft sein.

www.volksoper.at

Trailer: Werkeinführung durch Christoph Wagner-Trenkwitz: www.youtube.com/watch?v=aEFvb52QeVY

Wien, 15. 9. 2013

Robert Meyer wird zu Tode rasiert

August 29, 2013 in Klassik

VON RUDOLF MOTTINGER

„Sweeney Todd“ an der Wiener Volksoper

Morten Frank Larsen (Sweeney Todd), Robert Meyer (Richter Turpin) Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper

Morten Frank Larsen (Sweeney Todd), Robert Meyer (Richter Turpin)
Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper

Blutrünstig und schaurig fällt die Saisoneröffnung an der Volksoper aus: „Sweeney Todd, der Barbier des Grauens aus der Fleet Street“ treibt sein Unwesen in Wien. Die Premiere von Stephen Sondheims preisgekröntem Musical-Thriller findet am 14. September (Vorpremiere am 11. September) statt. 1979 uraufgeführt, wurde „Sweeney Todd“ als eines von nur drei Musicals aller Zeiten (neben „South Pacific“ und „Hairspray“) mit den sechs wichtigsten Tony Awards (Bestes Musical, Beste Partitur, Bestes Buch, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin, Beste Regie) ausgezeichnet und 2007 mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter verfilmt. Für die Volksopern-Erstaufführung des Stückes kehrt Musical-Experte Matthias Davids nach „Anatevka“ (2002) als Regisseur ans Haus zurück. Mathias Fischer-Dieskau steht ihm erneut als Bühnenbildner zur Seite, Susanne Hubrich entwirft die Kostüme. Joseph R. Olefirowicz, der als „dancing conductor“ Berühmtheit erlangt und an der Volksoper mit großem Erfolg die Premieren von „Guys and Dolls“ und „Candide“ dirigiert hat, steht erneut am Pult des Volksopernorchesters. Und Hausherr Robert Meyer lässt sich ermorden …

Ihren ersten Auftritt hatte die fiktive Figur Sweeney Todd in einem sogenannten „Penny dreadful“, einem englischen Grusel-Fortsetzungsroman des Jahres 1846. Nach mehreren Dramatisierungen und Verfilmungen des Stoffes wurde Christopher Bonds Stück „Sweeney Todd. The Demon Barber of Fleet Street“ 1973 in London uraufgeführt, das Stephen Sondheim kurz nach der Premiere sah: „Ich dachte noch auf dem Heimweg über die Operntauglichkeit des Stoffes nach.“ Sondheim hat seine bis dahin wichtigste Partitur später wahlweise als „Musical-Thriller“, als „dunkle Operette“ oder als „Film für die Bühne“ bezeichnet.

Blutrausch …
Der Barbier Benjamin Barker kehrt nach Jahren der Verbannung ins heimatliche London zurück, um an seinem Peiniger, Richter Turpin, blutige Rache zu nehmen. Unter dem falschem Namen Sweeney Todd schlüpft er bei Mrs. Lovett unter und eröffnet im Dachgeschoss ihrer schlecht gehenden Pastetenbäckerei einen Rasiersalon. Von Lovett erfährt Todd, dass seine Frau, von Richter Turpin vergewaltigt, Gift genommen habe und gestorben sei. Todds Tochter Johanna wurde von Turpin adoptiert. Nun will er sie heiraten. Als Todds Rache an Turpin fehlschlägt, wird er im Wahn zum Massenmörder: Er schneidet seinen Kunden die Kehlen durch; Mrs. Lovett stellt aus den Opfern Fleischpasteten her.  … und Liebesgeschichte: Parallel zur Schilderung von Todds unaufhaltsamem Blutrausch entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen Johanna und dem jungen Seemann Anthony, Momente der atemlosen Spannung wechseln sich ab mit makaber-komischen Szenen. Die Spannung hält bis zum letzten Moment an: Wer ist die verwirrte Bettlerin, die immer wieder auftaucht? Und wozu ist der Knabe Toby, der Gehilfe von Todds erstem Opfer Pirelli, fähig?

Als die Idee zur ersten „Sweeney Todd”-Produktion an der Volksoper auftauchte, schwebte diese schon nach einem Wochenende wieder über dem Abgrund, wie Robert Meyer augenzwinkernd berichtet: „Ich sah mir den Film mit Johnny Depp an und war entsetzt. ‚Nur über meine Leiche!‘” In der Tat legt Tim Burtons Verfilmung aus dem Jahre 2007 Wert auf eine detailgetreue Darstellung der grausamen Morde – in Großaufnahme, was auf der Bühne gar nicht möglich wäre. Doch anlässlich einer Theateraufführung ließ sich der Direktor umstimmen: „Nachdem ich das Stück dann auf der Bühne am Londoner Westend gesehen habe, war ich sofort überzeugt, dass es an die Volksoper passt. Aber der Satz ‚über meine Leiche‘ bleibt gültig: Ich spiele Richter Turpin, der Sweeney Todds Opfer auf dem Rasierstuhl wird!”. Als wahnsinniger Sweeney Todd wird Morten Frank Larsen nach vielen Opern- und Operettenrollen erstmals in einem Musical auf der Volksopernbühne stehen. Anita Götz, die in dieser Saison als Franzi in „Ein Walzertraum“ und Esmeralda in „Die verkaufte Braut“ bezauberte, singt  seine Tochter Johanna. Dagmar Hellberg, eine der gefragtesten Musical-Darstellerinnen im deutschsprachigen Raum und Preisträgerin des Goldenen Schikaneders für die beste Nebenrolle, bäckt als Todds Komplizin Mrs. Lovett Pasteten des Grauens.

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

www.volksoper.at

Wien, 29. 8. 2013