Michael Niavarani wird Simpl-Chef

Mai 20, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Auch Harald Schmidt übersiedelt in die Wollzeile

Bild: © Jan Frankl

Der Bulli hat bald ein neues altes Herrl: Nach mehr als 15 Jahren kehrt Michael Niavarani als künstlerischer Leiter zurück ans Kabarett Simpl. Mit der neuen Theatersaison 2019/20 übernimmt er das älteste durchgängig bespielte Kabarett der Welt. “Sich wieder um den Simpl zu kümmern, neue Kabaretttexte für das ,größenwahnsinnig gewordene Nudelbrett‘, wie Karl Farkas sagte, zu schreiben, ist, wie nach Hause kommen“, sagt Niavarani.

Auf dem Programm stehen:

Die Revue Arche Noah Luxusklasse, bei der Niavarani Regie führen und sein neues Ensemble vorstellen wird: „Katharina Dorian, Jennifer Frankl und Ariana Schirasi-Fard, drei Komödiantinnen mit großen Stimmen, feministischem Charme und Mut zur Schönheit, sowie die männlichen Protagonisten des Ensembles Stefano Bernardin, Matthias Mamedof und Bernhard Murg. Und da das Kabarett am Kopf zu Blödeln beginnt, hat der Simpl einen Conférencier, der die Pointen nur so vor sich hertreibt: Joachim Brandl, der aussieht, als hätten Karl Farkas und Martin Flossmann ein uneheliches Kind miteinander gezeugt“. Eine Parodie auf „Game of Thrones“, Thrones! Drachenfeuer unterm Königsarsch, ein, so Niavarani, „Fantasy-Mittelalter-(am Schluss sind alle tot)-Musical“ in der Regie von Nicolaus Hagg und mit Caroline Frank, Ariana Schirasi-Fard, Julia Edtmeier, Joachim Brandl, Peter Lesiak und Georg Leskovich in insgesamt 35 Rollen. Die Impro-Show Dem Faust auf’s Aug, in der Klassiker etwas anderes interpretiert werden.

Florian Scheuba wird mit Scheuba schaut nach die Late Night übernehmen. Und auch Harald Schmidt kommt in den Simpl. Niavarani: „Nach unseren vier gemeinsamen Abenden an der Burg wissen wir nun endlich, wie es sich anfühlt, Teil dieses großen historischen Welttheaters sein zu dürfen. Unterbezahlt und links liegen gelassen – man hat uns nicht einmal gekündigt! – ziehen wir mit Unser Leben nach der Burg um ins Kabarett Simpl, wo wir unseren gemeinsamen 90-minütigen Versuch weiterführen werden, einander nicht zu nahe zu kommen und uns doch völlig zu öffnen. Es wird also im Simpl neben der gewohnten kabarettistischen Revue auch viel Neues geben: Talk, Komödie, Late Night, Parodie und Impro.“ Schau`n Sie sich das an!

www.simpl.at

20. 5. 2019

Kabarett Simpl: Hypochondria

Februar 23, 2017 in Bühne

VON MARTIN R. NIEDERAUER

Zauber-Comedy mit Tricky Niki und seinen Puppen

Bild: © by Felicitas Matern

Was haben wir gelacht? Diese Frage wird dem einen oder anderen Premierengast beim Morgenkaffee am Tag nach der Premiere von „Hypochondria“ durch den Kopf gegangen sein. Nur worüber haben wir alle gelacht?

In seinem dritten, abendfüllenden Soloprogramm stellt Tricky Niki seine Bazillen- und Bakterienphobie in den Mittelpunkt und versucht damit einen Bogen zwischen Zauberkunststücken und Bauchredner-Nummern zu spannen – mit einem tiefen Griff in die Mottenkiste. So beschäftigt Tricky Niki das Publikum mit der Frage nach dem Gebrauch von WC-Papier als Knödler, Falter oder gar Wickler, lässt sich mit Stichworten zu gnadenlos stereotyper Improvisationscomedy animieren und wird nicht müde im Minutentakt seine Hände „berührungslos“ mittels gesponsertem Hightech-Gerät in kabarettistischer Unschuld zu waschen.

Um schließlich doch wieder bei der Toilette zu laden: „Was Generationen von Frauen nicht geschafft haben, ist dem Smartphone gelungen. Endlich setzen sich Männer beim Pinkeln hin!“

Zu Höchstform läuft Tricky Niki nur dann auf, wenn er sich seinen wahren Leidenschaften zuwendet: Dem Bauchreden und der Zauberei. Beinahe liebevoll neckt er mit seiner Bauchstimme im Synchroneinsatz vorzugsweise Damen aus dem Publikum, ohne diese Kabarett-Opfer vorzuführen oder der Lächerlichkeit preiszugeben. Seine Kartentricks sind verblüffend, von internationalem Format, laufen jedoch Gefahr über all dem Bazillen-Toiletten-Geschwätz schlichtweg unterzugehen. Am schnellsten lässt sich das Publikum begeistern, wenn der begnadete Bauchredner „seinen“ Emil zum Leben erweckt und selbst zum Opfer seiner markigen Sprüche wird. Dann wird auch Tricky Niki locker, wird zum Comedian in bester deutscher Fernsehtradition und in diesem Moment möchte man ihm sogar erlauben, sich als Entertainer zu bezeichnen.

Weitere Vorstellungen bis 26. Februar im Kabarett Simpl.

www.trickyniki.com

Wien, 23. 2. 2017

Über den Autor:

Martin R. Niederauer, Gastronom, Journalist und Buchautor. Journalistische Stationen im Kurier, Kronenzeitung, Die Presse und Bühne mit den Schwerpunkten Gesellschaftsberichterstattung und Kultur. Gestalter im Format „Seitenblicke“ des ORF. Autor diverser Bücher, zuletzt „Jazz Gitti – Ich hab gelebt“ (Kremayr & Scheriau), Mitglied der Geschäftsführung eines gastronomischen Betriebes in der Wiener Innenstadt.