Afonso Reis Cabral: Aber wir lieben dich

August 29, 2021 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Sex & Drugs & Elendsmenschen

„Im Saal wurde ihr Name gebrüllt, sie hörte ,Gisberta, komm raus! Gisberta, wir lieben dich!‘ Als Gi mir das erzählte, zitterte sie. Alle riefen, begehrten sie. ,Das war schön, Junge.‘ Sie beugte ihre Schultern zu einer Pose, eine Erinnerung an Momente, niemals würde sie vergessen, wie das Publikum sie mit den Augen verschlang, wenn sie Marilyn war, mehr als die echte Marilyn. My heart belongs to daddy. … Erschöpft zog sie am Ende ihr Kleid aus, ließ es hinabfallen bis zu den Füßen, wie einen umgekehrten Heiligenschein. Und dann sahen sie ihr Haar über die nackten Schultern fallen, ihre wohlgeformten Brüste, ihre schmale Taille, die breite Hüfte. Und dann die enthaarte Scham und den Penis zwischen ihren Beinen. Yes, my heart belongs to daddy. … Erst als sie mir ein altes Foto zeigte, sah ich, dass meine Gi heute nur ein erbärmlicher Abklatsch war, von der damals auf der Bühne.“

In seinem jüngsten Roman „Aber wir lieben dich“ greift der portugiesische Autor Afonso Reis Cabral einen echten Kriminalfall auf. 2006 wurde in der Küstenstadt Porto die Transfrau Gisberta Salce Júnior von Jugendlichen aus einem Erziehungsheim mit sadistischer Brutalität erschlagen.

Erst gab es landesweit große Aufregung, dann passierte – nichts. Der Minister sprach von einem Einzelfall, die Justiz verhängte Jugendstrafen, immerhin: die „Jugendhilfeanstalt“ Oficina de São José wurde geschlossen, als der Prozess die dortigen Gewaltorgien und den sexuellen Missbrauch offenbarte.

Afonso Reis Cabral beleuchtet die Hintergründe des Verbrechens mit den Mitteln der schriftstellerischen Fantasie. In einer fiktionalen Vorbemerkung trifft er den nunmehr 29-jährigen Rafael Tiago, einen der Täter, der ihn in einem Brief um ein Buch über die Geschehnisse gebeten hat. Der Autor, so weit, so wahr, studiert Prozessakten und Presseberichte, interviewt Gisbertas Trans-Freundinnen, macht schließlich den 12-jährigen Rafa zum Ich-Erzähler – und entdeckt auf seiner Spurensuche „den Zusammenstoß zweier prekärer Welten, den Konflikt aller Beteiligten, die Folgen der Armut, dieses Wort, dass man nicht mehr benutzen will, aber weiterhin verwendet, die Balance zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Nichts Besonderes also …“

Den Postkartenansichten des pittoresken Altstadtviertels Ribeira zum Trotz, beschreibt Afonso Reis Cabral die „Dreckslöcher“ abseits der Touristenidylle, Stadterweiterungsgebiete, für die der Kommune das Geld ausging, Betonskelette aus rohem Zement neben Bauruinen, Schutt, Abfall, „verbotene Orte“, wie Nélson sie nennt. Derart ist die Gang schnell vorgestellt: der sein Kindheitstrauma mittels Rebellion gegen alles und jeden bekämpfende Rafa, der zerstörungswütige, sich abgebrüht gebende Nélson, der Schläger Fábio und Samuel, die sensible Künstlerseele, der die zerrüttete Welt der Jungs auf Papier festhält, Samuel, das Prostituiertenkind, denn Mütter haben die Fürsorgezöglinge allesamt, bettelarme, überforderte, drogensüchtige. „Mutterschaft war für sie ein steter Quell ungenießbaren Dreckwassers“.

Eines ihrer Quartiere, das die zum Sozialfall geborenen Jugendlichen täglich durchforsten, ist der Rohbau eines von den Investoren aufgegebenen Einkaufszentrums, „Pão de Acúcar“, also „Zuckerhut“, das, so Rafa, „zum Wohnheim für Menschen wurde, die in der Baustelle ihr eigenes Schicksal wiedererkannten“. Obdachlose, Junkies, Nutten – und mittendrin haust in einem elenden Verschlag ein bis auf die Knochen abgemagertes, androgynes Wesen, HIV-krank, geschwächt, schmutzig und mittellos, das jedoch mit brasilianischem Akzent, denn Gi kommt aus Übersee, die wunderbar traurigsten Geschichten erzählen kann.

Rafa ist abgestoßen und angezogen zugleich. Bringt Essen, Decken, was immer er selbst entbehren kann, repariert mit Gi ein weggeworfenes, reichlich ramponiertes Fahrrad, schrubbt sich danach im Wohnheim unterm heißen Wasser fast blutig vor Ekel – und ist doch morgen wieder da, um Gis Glamour-Storys von den Cabarets in São Paulo zu hören. Die Rückblicke auf ihre Glanzzeit helfen ihm einen tristen Tag nach dem anderen runterzubiegen, vielleicht, wer weiß?, fühlt er bei ihr so etwas wie erstmals Mutterliebe? „Bevor ich sie kennengelernt hatte, dachte ich, der ganze andere Scheiß sei das, was mich ausmachte und mit dem sich erklären ließe, was ich sei, aber dann trat Gi dort hinein, wo ich vorher gar nicht gedacht hatte, dass dort eine Lücke war, und machte mich zu einem anderen.“

Die Kalvarienberg-Stationen, zu denen die Kapitel aus Gisbertas Leben werden, kreuzen sich mit Rafas Bericht, zwei Beichten sind das, so nah entlang der Realität geschildert, die Frage, was der Mensch ist und was er zum Menschsein braucht, dass es einem so tief unter die Haut geht, wie die Nadeln, die Gi sich bald setzt. Von der Bühne geht’s ins Bordell, wo sie, als selbst da ihre Tage als zweigeschlechtliche Schönheit gezählt sind, mit der Kraft des Mannes den Rausschmeißer für lästige Freier und mit der Zuneigung einer Frau die „Tante“ für die Kinder der Kolleginnen macht.

Bild: pixabay.com

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In einer Art Besitzerstolz beschließt Rafa seine neue Freundin der Gang vorzustellen, und dann ist da Samuel, dessen Mutter Gi aus Zimmer 102 kannte, und ihn bereits als Baby. „Irgendwann strich ihm Gi mit der Hand über den Kopf, und er ließ diese Zärtlichkeit mit einer solchen Selbstverständlichkeit zu, wie ich es niemals gekonnt hätte. Wie es nur jemand kann, der den Umgang mit Transvestiten von klein auf gewohnt ist. Mich traf es wie eine Pfeilspitze in den Kopf: So gestreichelt zu werden, war mehr, als die meisten vom Leben verlangen konnten.“

Das Glück, jemanden gefunden zu haben, für den man zählt, die Erfahrung, auch selbst etwas geben zu können, wird von Rafas Eifersucht zernagt. Hin und her gerissen zwischen Zuneigung und Verachtung, gebeutelt von Geltungsdrang und Gruppenzwang, gleitet Rafa ohne es zu merken in eine Abwärtsspirale des Bösen. Zurück zu den Wurzeln von Gewalt erzeugt wieder Gewalt. Denn der irre Fábio und sein Schlägertrupp treten an, um „das Unnatürliche“ auszumerzen. „,Zieht ihr die Hose runter, dann sehen wir, ob sie ein Mann oder eine Frau ist‘, sagte Fábio. Er zielte, versetzte ihr einen Tritt in den Magen und sagte: ,Es ist ein Typ!‘“

Gisberta überlebt das mehrtägige Martyrium nicht. Rafa und Samuel können ihr nicht helfen und treten unter dem Druck der Horde sogar selbst ein paar Mal zu. Afonso Reis Cabral schreibt dies nieder, ohne auf eine Zartbesaitetheit der Leserinnen und Leser Rücksicht zu nehmen. „Aber wir lieben dich“ ist ein grausamer Lesestoff, den man in seiner Intensität aushalten muss – und am Ende wird der, der Gi am meisten liebt, ihr den Gnadentod geben.

Im Anhang zitiert der Autor aus seinem Quellen. Der Público schrieb damals über die Leiche des toten Mannes und triefend vor Ignoranz gegenüber der LGBT-Community: „Was sich tatsächlich in dem verlassenen Haus abspielte, ist nach wie vor alles andere als aufgeklärt. Manche Zeugen berichten, es habe oft Streit mit dem Opfer gegeben. Einer der an der Tat Beteiligten bezeichnete ihn trotzdem als seinen Freund.“ Es sind diese blinden Flecken in der faktischen Wahrnehmung, die Afonso Reis Cabral mit der verstörenden Wucht seiner Fiktion füllt. Wobei er die Täter niemals mit einem Opfermythos verklärt, sondern ihrem Machtwillen als Mittel zum Überleben, zum Sich-seinen-Platz-Sichern in einer barbarischen Umgebung, ihrem Glauben an das Recht des Stärkeren durchaus Raum lässt.

Mit „Aber wir lieben dich“ ist Afonso Reis Cabral ein vielschichtiger Roman gelungen. Was auch eine simple True-Crime-Story hätte sein können, ist aus seiner Feder ein bewegendes Drama geworden, vor allem aber eine beunruhigende Parabel über die Abgründe der menschlichen Natur.

Über den Autor: Afonso Reis Cabral, 1990 in Portugal geboren, studierte Portugiesisch und Fiktionales Schreiben. Er veröffentlichte bereits im Alter von 15 Jahren seinen ersten Gedichtband. Für seinen Debütroman „O Meu Irmão“ (Mein Bruder) wurde er 2014 mit dem Prémio LeYa ausgezeichnet. Bei Hanser erschien 2021 sein zweiter Roman „Aber wir lieben dich“, für den er 2019 den wichtigsten portugiesischen Literaturpreis, den Prémio José Saramago, erhielt.

Hanser Verlag, Afonso Reis Cabral: „Aber wir lieben dich“, Roman, 304 Seiten. Übersetzt aus dem Portugiesischen von Michael Kegler.

www.hanser-literaturverlage.de

Screening-Tipp: September Mornings/Manhãs de Setembro

Einfühlsam und dabei vollkommen pathos- und kitschbefreit erzählt die fünfteilige brasilianische Mini-Serie von der Transfrau Cassandra, die in São Paulo ihrem großen Traum nachhängt. Tagsüber unterwegs als Botenfahrerin für eine Service-App, verwandelt sie sich nachts in einen Club-Star, eine Sängerin, die vor allem den Songs ihres Idols Vanusa, einer brasilianischen Sängerin der 1970er-Jahre, frönt.

In Ivaldo hat sie einen so leidenschaftlichen wie treu ergebenen Lover gefunden, der um ihre Geschlechtsumwandlung weiß, eben bezieht sie ihre erste eigene Wohnung. Da steht eines Tages, gleich einem Gespenst aus der Vergangenheit, Leide vor der Tür, ein jugendsündlicher One-Night-Stand, nein, nicht von Cassandra, sondern deren früherem männlichen Ich Clóvis – und mit ihr der gemeinsame Sohn Gersinho. Leide ist obdachlos, unstet, ob ihrer Not eine Kleinkriminelle, und Cassandra sieht das alles. Doch wird sie das Herz haben, die Verantwortung für ihr Kind zu übernehmen?

Manhãs de Setembro: Singer-Songwriterin Liniker als Transfrau Cassandra. Bild: © Amazon Studios

Cassandra wird zum Vater wider Willen: Mit Gustavo Coelho als Sohn Gersinho. Bild: © Amazon Studios

Lover Ivaldo weiß von Cassandras Vergangenheit als Mann: Thomas Aquino. Bild: © Amazon Studios

In Brasilien längst Superstar: Liniker, die Kämpferin gegen Gender-Diskriminierung. Bild: © Amazon Studios

Die Produktion für Amazon Prime Video ist ein wahres Fundstück, getragen nicht zuletzt von Singer-Songwriterin Liniker, die mit ihrem rauen, seelenfängerischen Timbre, dann wieder rekurrentem Falsett das Publikum in ihren Bann zieht. Liniker ist Transfrau, und hat sich neben dem als Musikerin auch einen Namen als unermüdliche Kämpferin gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung gemacht.

Das unprätentiöse Spiel des gesamten Casts gibt nicht nur einen authentischen Einblick in eine Welt, die sonst meist mit Federboas, Pailletten und „Tunten-Alarm“ gepimpt ist, sondern zeigt auch den täglichen Überlebenskampf der nicht mit Reichtum gesegneten „Paulistanos“. Und bemerkenswert ist, wie normal und ohne Ausrufezeichen die Beziehung zwischen Cassandra und Ivaldo beschrieben wird. Zu streamen in deutscher Sprache oder in Portugiesisch mit englischen Untertiteln. Unbedingt sehenswert!

Trailer: www.youtube.com/watch?v=O3iE_imB_7s           www.amazon.de

  1. 8. 2021

Volksoper: Omer Meir Wellber wird neuer Musikdirektor

Dezember 10, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein sozial engagierter Stardirigent aus Israel

Omer Meir Wellber. Bild: © PMeisel

Omer Meir Wellber wird mit Beginn der Direktion Lotte de Beer (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=41814) ab 1. September 2022 Musikdirektor der Volksoper Wien. Neben der Leitung von Neuproduktionen und Repertoirevorstellungen wird er für fünf Saisonen hauptverantwortlich für den musikalischen Bereich des Hauses und die Entwicklung von Ensemble, Orchester und Chor sein. Bereits ab dem Frühjahr 2021 wird er die Vorbereitungen der neuen Direktion mitgestalten.

„Auf die Zusammenarbeit mit der Intendantin Lotte de Beer freue ich mich sehr“, so Omer Meir Wellber. „Nicht nur aufgrund ihrer unbändigen Lust auf das Neue in der Kunst fühle ich mich ihr sehr verbunden. Die faszinierende Geschichte der Volksoper Wien ist für mich Anspruch und Herausforderung zugleich. Das Haus wurde vor gut 120 Jahren als Sprechtheater von engagierten Bürgern Wiens gegründet.  Unter dem jungen Alexander von Zemlinsky als Musikdirektor schaffte es 1908 den Sprung zum Opernhaus, an dem ,Salome‘ und ,Tosca‘ ihre Wiener Erstaufführungen erlebten. Seither heißt das Haus Volksoper. Genau hier möchte ich anknüpfen: Große Musik wird den Spielplan bestimmen. Und sie soll für alle Bürger der Stadt zugänglich sein – dem Namen entsprechend ein Opernhaus für das Volk, von herausragender Qualität. Wir sind fest entschlossen, die Volksoper zu einem der aufregendsten europäischen Musiktheater zu machen.“

Omer Meir Wellber zählt zu den führenden Dirigenten für Opern- und Orchesterrepertoire. Er ist Chefdirigent des BBC Philharmonic, Music Director des Teatro Massimo Palermo, Erster Gastdirigent der Semperoper Dresden sowie Musikdirektor des Raanana Symphonette. Von 2010 bis 2014 war er Musikdirektor am Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia. Von den Wiener Festwochen wurde Omer Meir Wellber mit der Leitung eines dreijährigen Projektes mit Verdis „trilogia popolare betraut und dirigierte im Theater an der Wien „Rigoletto“, „La traviata“ und „Il trovatore“. Trotz seiner weltweiten Engagements pflegt Omer Meir Wellber eine enge Verbindung zu Ensembles in seiner Heimat Israel, wie der Israeli Opera und dem Israel Philharmonic Orchester. Soziales Engagement, Musikvermittlung und Musikerziehung sind ihm ein großes Anliegen. Als Leiter des Raanana Symphonette Orchesters erreicht er mit seinem künstlerischen Engagement jährlich mehr als 70.000 Kinder.

Er ist Botschafter der israelischen Non-Profit-Organisation „Save a Child’s Heart“, die sich um die Behandlung herzkranker Kinder aus Entwicklungsländern kümmert. Außerdem arbeitet er regelmäßig mit verschiedenen Institutionen in Outreach-Programmen zusammen und fördert die nächste Dirigenten-Generation durch Workshops, Kurse und Besuche an Hochschulen. Im Herbst 2019 veröffentlichte Omer Meir Wellber seinen ersten Roman „Die vier Ohnmachten des Chaim Birkner“ im BerlinVerlag. Im Frühjahr 2017 erschien das Buch „Die Angst, das Risiko und die Liebe – Momente mit Mozart“, in dem er gemeinsam mit der Publizistin Inge Kloepfer seinen persönlichen Zugang zu den universellen Emotionen in den drei Mozart/Da Ponte-Opern „Così fan tutte“, „Le nozze di Figaro“ und „Don Giovanni“ behandelt.

www.volksoper.at

10. 12. 2020

Theater an der Wien: September-Sensationen

September 2, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Eröffnung mit Tschaikowski, Mussorgski

und Rimski-Korsakow

Gustavo Dudamel Bild: Vienna Philharmonic Orchestra

Gustavo Dudamel
Bild: Vienna Philharmonic Orchestra

Nach der Sommerpause öffnet das Theater an der Wien am 10. September seine Pforten für die neue Spielzeit 2014/15. Die Saisoneröffnung steht ganz im Zeichen der russischen Komponisten Peter Iljitsch Tschaikowski, Modest Mussorgski (Eine Nacht auf dem kahlen Berge) und Nikolai Rimski-Korsakow (Ouvertüre Russische Ostern und Scheherazade). Am 10. September wird mit den beiden letzteren die neue Saison von den Wiener Philharmonikern unter Gustavo Dudamel eröffnet.

Am 14. September folgt die Premiere der Neuproduktion von „Charodeyka“, einer selten aufgeführten Opernrarität von Tschaikowski. 1885 wurde Peter I. Tschaikowski von seinem Bruder Modest auf das neue Drama des damals erfolgreichen Autors Schpaschinski aufmerksam gemacht; eine Liebesszene sei darin, die sich zur Vertonung gut eigne. Tschaikowsk interessierte sich dann aber mehr für die beiden weiblichen Hauptfiguren als für die Liebesszene. Er bat den Autor das Stück zu einem Libretto umzugestalten. Schpaschinskis Text geriet aber zu lang, so dass sich das Ringen u eine aufführbare Fassung zwei Jahre hinzog. Am 1. November 1887 kam Charodeyka im kaiserlichen Mariinski-Theate in St. Petersburg zur Uraufführung. Inhalt: Nastasja, genannt Kuma, führt ein Gasthaus am Fluss. In der toleranten Atmosphäre, die sie dort geschaffen hat, finden auch politisch und gesellschaftlich Geächtete Zuflucht. Kuma wird viel umworben, schenkt aber keinem ihre Gunst. Als Prinz Juri einmal vorbeizieht, verliebt sie sich in ihn, wagt aber nicht, sich ihm zu nähern. Dem regierenden Fürsten Kurtjatew, dem Vater des Prinzen, ist das Lokal als Treffpunkt kritischer Geister ein Dorn im Auge. Er will es schließen lassen, aber Kumas Charme bestrickt auch ihn, und anstatt das Lokal zu schließen, verbringt er plötzlich selbst viel Zeit dort. Der Intrigant Mamyrow erzählt davon der Fürstin und weckt ihre Eifersucht. Als Juri vom Verhalten seines Vaters hört, will er die Frau, die seinen Vater so verhext hat, dass er Gemahlin und Regierung vernachlässigt, umbringen. Der Fürst erklärt indessen Kuma seine Liebe, sie weist ihn jedoch ab. Als Juri zu ihr kommt, um sie zu töten, kann sie ihn von ihrer Unschuld überzeugen, und auch er verliebt sich in sie. Kurz bevor die beiden zusammen fliehen wollen, vergiftet die Fürstin Kuma, sie stirbt in Juris Armen. Den Leichnam wirft die Fürstin in den Fluss. Auf der Suche nach Kuma tötet der Fürst aus Eifersucht seinen Sohn und verfällt dem Wahnsinn.

Musikalische Leitung Mikhail Tatarnikov
Inszenierung Christof Loy

Intendant Roland Geyer lädt am 15. September zu seiner traditionellen „Saisonpräsentation“ ein und stellt, gemeinsam mit Fachleuten und Künstlergästen, die zehn kommenden Opernpremieren des Theater an der Wien vor. Zu sich aufs Podium wird er Josef Hussek bitten, langjähriger Freund des Theater an der Wien und ehemaliger Operndirektor der Hamburgischen Staatsoper, Intendant der Wiener Kammeroper und Künstlerischer Betriebsdirektor der Salzburger Festspiele. Mit Josef Hussek, Juror zahlreicher internationaler Gesangswettbewerbe, wird ein ausgewiesener Opernfachmann mit Intendant Roland Geyer über die einzelnen Opernprojekte der Saison diskutieren. Sebastian Schwarz, der Künstlerische Leiter der Kammeroper, wird auch die Premieren in der Kammeroper vorstellen.

Der September-Spielplan wird mit der konzertanten Aufführung der Händel-Oper „Tamerlano“ am 25. September abgerundet. Nach der enthusiastisch aufgenommenen Serie „Der Ring in Worten“ widmet sich Stefan Mickisch ab 22. September dem Schaffen der Komponisten „Beethoven-Wagner-Strauss“.

www.theater-wien.at

Wien, 2. 9. 2014

Das Kabarett Niedermair im September

August 25, 2014 in Tipps

VON RUDOLF MOTTINGER

Von Nacktaffen und Kopfwaschpulver

Michael Eibensteiner: Nacktaffe Bild: artb.at-foto-grafik-design

Michael Eibensteiner: Nacktaffe
Bild: artb.at-foto-grafik-design

Im Kabarett Niedermaier geht’s wieder los. Nicht weniger als fünf Vor- Wien- und Premieren stehen im September auf dem Programm! Den Premierenreigen eröffnet am 4. September der wandlungsfähige Oberösterreicher Michael EIBENSTEINER mit „Nacktaffe“ – einer Geschichte über Nacktaffen in der Alpenrepublik, die Eibensteiner nicht einfach nur erzählt, nein, er packt sie vielmehr aus. Eine Woche danach feiern in DIE LANGE NACHT DES KABARETTS „Tour 2014“ vier junge Kabarettisten (Otto JAUS, Wolfgang FEISTRITZER alias PETUTSCHNIG HONS, Paul PIZZERA und Clemens Maria SCHREINER) im bereits 17. Jahr dieses grandiosen Kleinkunstformats ihre Wien-Premiere. Kurz danach gibt’s Besuch von einam deutschen Nachbarn, denn Florian SCHROEDER, bekannt für seine außergewöhnlich gute Beobachtungsgabe, Eloquenz, sprachliche Genauigkeit und gnadenlose verbale Querschläger, gibt sich am 16. September die Ehre einer Vorpremiere seines neuen Programms „Entscheidet Euch!“. Nur zwei Tage danach steht das nächste Premieren-Highlight auf dem Programm: das 2013 mit dem österreichischen Kabarettförderpreis ausgezeichnete Duo BLÖZINGER präsentiert am 18. September seinen neuesten Wurf „Kopfwaschpulver“ – eine Geschichte über Geschichten mit vielen skurril-schrägen Figuren. Die letzte Premiere im September ist schließlich die Wien-Premiere von Leo LUKAS & Simon PICHLER mit „Schwarze Magie“, in dem sie schwarz-brenennde Themen nicht nur musikalisch umsetzen.

MICHAEL EIBENSTEINER                                                                        *PREMIERE

Nacktaffe

Termin: 4.9.2014, Beginn 19:00

Wos mocht a Nockada im Hawelka? Diese Frage ist seit Georg Danzer ausreichend geklärt. Aber was treibt Eibensteiner im berühmten Café Hawelka, gesittet und gelassen bei Buchteln und Melange? Er packt aus! Und gibt Antworten auf die Fragen unserer Zeit wie: Was zum Kuckuck ist ein Nacktaffe?

Art der Gattung: Affe (überzüchtet, degeneriert)

Selbstbezeichnung: Mensch (liebevoll, intelligent)

Mängel: Gehirnüberfunktion (denken, denken, denken)

In seinem neuen Programm outet sich Eibensteiner und steht zu dem, was er naturgemäß ist: ein Nacktaffe. Als solcher entlarvt er schonungslos arttypische Auffälligkeiten:

Paarungsverhalten: unkontrolliert exzessiv (bevölkert den Planeten zu Tode)

Macht- und Territorialverhalten: bringt gelegentlich seine Artgenossen um (nur zur Not)

Tarnungsverhalten: äußerst ausgeprägt (Ver-Kleidungspflicht; Strafe bei Nichteinhaltung)

Sozialverhalten: situationselastisch (hängt vom Wetter ab)

Aber das ist erst der Anfang einer Geschichte über Nacktaffen in der Alpenrepublik! Eine Geschichte, die Eibensteiner nicht einfach erzählt. Nein, mehr noch: Er packt sie aus!

Und dabei treibt er einen mords Trara und Bahö, spottet glücklich und zufrieden vor sich hin, geht gründlich unter die Haut und massiert unnachgiebig alle Lachmuskeln.

Eine Geschichte der besonderen Art.

www.michael-eibensteiner.at

DIE LANGE NACHT DES KABARETTS                                          *WIEN-PREMIERE

Tour 2014

Termine: 11.+12.9.2014, Beginn 19:30

Seit 17 Jahren ist die österreichweite Tour der „Langen Nacht des Kabaretts“ eine Fixgröße der Kleinkunst-Szene. Die größten Talente des Landes präsentieren gemeinsam Ersponnenes und die Highlights aus ihren aktuellen Programmen. Diesmal mit dabei: Der sympathische Amokläufer zwischen Kabarett, Schauspiel und Musik Otto Jaus, das social-media Wunder und beliebtester Bauer von Neusiedl bis Schlatzing Petutschnig Hons, der messerscharfe Stadionrocker unter den Kabarettisten Paul Pizzera und der richtige Mann für die Suche nach der Urwuchtel Clemens Maria Schreiner.

www.langenachtdeskabaretts.at

 

FLORIAN SCHROEDER                                                                      *VORPREMIERE

Entscheidet Euch!

Termine: 16.+17.9.2014, Beginn 19:30

Ausgehen oder zuhause bleiben? Bier oder Wein? Mieten oder kaufen? Heiraten oder trennen? Geschüttelt oder gerührt? Jeden Tag treffen wir 100.000 Entscheidungen. Da muss man ja bekloppt werden. Wir leben in der Epoche der Selbstoptimierung. Alles muss perfekt sein, der Job, das Aussehen, der Partner, die Freizeit. Wir googeln, bis der Arzt kommt, weil wir glauben, dass es noch bessere Möglichkeiten geben könnte. Wir wollen das größte Eis, aber bitte zum kleinsten Preis. „Nur wer alle Optionen kennt, kann optimale Entscheidungen treffen“ ist das Mantra unserer Zeit. „Das ist ein Trugschluss“, weiß Schroeder. Florian Schroeder, bekannt als Parodist und Speerspitze der jungen Kabarett-Generation, beweist sich auch in seinem neuen Programm als Meister seines Fachs: Virtuos bewegt er sich zwischen Kabarett und Comedy, zwischen Politik und Philosophie. Er beantwortet die ersten und die letzten Fragen der Menschheit, er redet nicht über Probleme, sondern über Lösungen.

www.florian-schroeder.com

BLÖZINGER                                                                                               *PREMIERE

Kopfwaschpulver

Termine: 18. und 25.-27.9.2014

Oft ist das Leben eine Aneinanderreihung von Tagen die man sich anders vorgestellt hat. Dabei reicht es die richtigen Fragen zu stellen auf die Antworten die einem das Leben vorsetzt. Passt ihr Lebensmensch noch zu ihrer Couch…ihr Gesicht noch zu ihrer Frisur…ihre Jugendträume noch zu ihrem Alltag? Willkommen in meiner Welt. „Ich möchte noch einmal ganz von vorne anfangen… wo muss ich mich da anstellen?“ Hinter mir der Konjunktiv…bei dem es meist eigentlich auch bleibt. Im ständigen Kampf gegen die Windmühlen des Lebens hilft einem manchmal eine unerwartete Frage. Aber welche?

www.bloezinger.at

LEO LUKAS & SIMON PICHLER                                                   *WIEN-PREMIERE

Schwarze Magie

Termine: 22.-24.9.2014 und 29.+30.9.2014, Beginn 19:30

Ab 2010 lieferten sie [als] NACKTE ZAHLEN. Ab 2012 entfesselten sie DIE KRIMINELLE ENERGIE. Das dritte gemeinsame Programm jedoch ist pure SCHWARZE MAGIE. Schließlich wurden beide an einem Schwarzen Freitag vom Schwarzstorch gebracht. Die Träger des Schwarzen Humor-Gürtels beglücken seit Jahrzehnten das Kabarettpublikum vom Schwarzen Meer bis zur Schwarzen Sulm. In nächtelanger Schwarzarbeit packen sie schwarz-brennende Themen an, die sie auch musikalisch umsetzen, von Chanson noir bis Black Metal. Ihre Feldforschungen, ausgedehnte Schwarzfahrten auf sämtlichen Schwarzen Kontinenten, führten zu sensationellen Erkenntnissen: Zwar gehört das Anschwärzen zum politischen Tagesgeschäft, im Budget klaffen Schwarze Löcher, zugleich sind die Schwarzgeldkonten praller gefüllt denn je – aber trotzdem ist Schwarz eine bedrohte Farbe! Der ÖVP widmen Lukas & Pichler daher einen besonderen Schwerpunkt: eine allerletzte Schwarze Messe …

www.niedermair.at

Wien, 25. 8. 2014