Aufstand gegen den Austrofaschismus

Januar 28, 2014 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Picus Verlag: Im Kältefieber. Februargeschichten 1934

2009In der Masse der Bücher, Ausstellungen und Theaterproduktionen zum Ersten Weltkrieg droht ein für Österreich wichtiges Datum unterzugehen. Eines, das manchen noch heute unangenehm ist. Eines, über das unsere Generation kaum etwas in Familien und  Schulen hörte. 2014 jährt sich der österreichische Bürgerkrieg zum achtzigsten Mal. Der Aufstand der Arbeiterschaft und des Republikanischen Schutzbunds gegen das austrofaschistische Regime am 12. Februar 1934 wurde von den Heimwehrverbänden und dem Militär brutal niedergeschlagen. Der kaltblütige Beschuss der Arbeiterwohnhäuser stellt eine entscheidende politische Zäsur auf dem Weg zum März 1938 dar. Im Picus Verlag erscheint im Februar „Im Kältefieber. Februargeschichten 1934“, die bislang umfangreichste Anthologie zu den Februarkämpfen, mit vielen literarischen Entdeckungen österreichischer ebenso wie ausländischer Autorinnen und Autoren und Texten, die erstmals auf Deutsch publiziert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kämpfenden, Arbeiter und deren Frauen und Familien, die sich nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Städten und abseits der Zentren Österreichs der Zerschlagung der Demokratie entgegenstellten. Die Texte gehen über das unmittelbare Kampfgeschehen hinaus und beleuchten ebenso dessen Vorgeschichte wie dessen Konsequenzen.

Die Herausgeber Erich Hackl und Evelyne Polt-Heinzl trugen Beiträge von Jean Améry, Erich Barlud, Ulrich Becher, Willi Bredel, Melitta Breznik, Veza Canetti, Tibor Déry, Ilja Ehrenburg, Reinhard Federmann, Walter Fischer, Martha Florian, Oskar-Maria Graf, John Gunther, Michael Guttenbrunner, Erich Hackl, Alfred Hirschenberger, Franz Höllering, Franz Kain, Kurt Kläber, Rudolf Jeremias Kreutz, Miroslav Krleža, Franz Leschanz, Naomi Mitchison, Robert Neumann, Margarete Petrides, Margarete Rainer, Otto Roland, Anna Seghers, Jura Soyfer, Franz Taucher, Josef Toch, Alois Vogel, Prežihov Voranc und Karl Wiesinger zusammen.

Zu den Herausgebern:

Erich Hackl, geboren 1954 in Steyr, hat Germanistik und Hispanistik studiert und als Lehrer und Lektor gearbeitet. Heute lebt er als freier Schriftsteller, Publizist und Übersetzer in Madrid und Wien. Werke: »Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit«, »Als ob ein Engel. Erzählung nach dem Leben«, Familie Salzmann. Erzählung aus unserer Mitte, »Dieses Buch gehört meiner Mutter« (2013). Evelyne Polt-Heinzl, geboren 1960, Literaturwissenschaftlerin. Zuletzt erschienen: »Einstürzende Finanzwelten. Markt, Gesellschaft und Literatur«, »Peter Handke. In Gegenwelten unterwegs«, »Österreichs Literatur zwischen den Kriegen. Plä­doyer für eine Kanonrevision«.

Erich Hackl, Evelyne Polt-Heinzl (Hg.): Im Kältefieber. Februargeschichten 1934, 327 Seiten, Picus Verlag.

www.picus.at

Wien, 28. 1. 2014

Doppelpremiere im Dschungel Wien

Mai 8, 2013 in Tipps

„Bär und Maulwurf“ und „Das siebte Kreuz“

Ein Tag, zwei Uraufführungen: Am 13. Mai ist im Dschungel Wien für Kinder und Jugendliche fast aller Altersstufen Programm.

Gestartet wird um 18 Uhr mit der Uraufführung von „Bär und Maulwurf“ für ein junges Publikum ab 5 Jahren. Dieses 60-minütige Theaterstück basiert auf den beiden Kinderbüchern „Der Bär, der ein Bär bleiben wollte“ und „Der Maulwurf Grabowski“, die von der Wiener Formation werk89 zusammengeführt werden. Bär und Maulwurf leben in einer idyllischen Welt, bis die beiden eines Tages aufwachen und feststellen, dass sich ihre Heimat verändert. Menschen vermessen mit eigenartigen Gegenständen die Landschaft. Kurz darauf folgen Bagger und Baufahrzeuge. Es entstehen Wohnhäuser und Tiefgaragen und eine riesige Fabrik wird gebaut. Wiese, Bäume, Blumen müssen dem Menschen weichen. Und Bär wird sogar verpflichtet in der neuerrichteten Fabrik mitzuarbeiten – obwohl er viel lieber seinen heiß geliebten Winterschlaf halten würde. Mit „Bär und Maulwurf“ legt Michael Alexander Pöllmann nach „Dirty Rich“ (2011) und „Katja und Kotja“ (2012) seine dritte Regiearbeit für werk89 vor. „Dirty Rich“ wurde mit dem ersten Preis des OFFSPRING.contest 2010 (Szene Bunte Wähne) ausgezeichnet und „Katja und Kotja“ mit dem Jungwild-Förderpreis für junges Theater 2012 prämiert.

Das siebte Kreuz Bild © Karl Wozek

Das siebte Kreuz
Bild © Karl Wozek

Dem folgt um 19.30 Uhr mit „Das siebte Kreuz“ (ab 14 Jahren) die neueste Inszenierung von Karl Wozek (theater-wozek) nach dem gleichnamigen Roman von Anna Seghers. Das Stück begibt sich in das Jahr 1937 und erzählt vom Schicksal Georg Heislers und sechs seiner Mitgefangenen im Konzentrationslager Westhofen bei Worms. Dieser 1942 zuerst in englischer Sprache, kurz darauf in einem mexikanischen Exilverlag in deutscher Sprache erschienene Roman, machte die Autorin weltberühmt. Er wurde zu einem Bestseller. Der aus Österreich emigrierte Regisseur Fred Zinnemann verfilmte „Das siebte Kreuz“ 1944 in den USA. Das Stück richtet sich an ein junges Publikum ab 14 Jahren.

1937 bricht Georg Heisler mit sechs Mitgefangenen aus dem Konzentrationslager Westhofen bei Worms aus. Der KZ-Kommandant Fahrenberg befiehlt, die Entflohenen innerhalb von sieben Tagen zu fangen. Er lässt die Kronen von sieben Bäumen kappen und an den Stämmen in Schulterhöhe je einen Querbalken anbringen, so dass sieben Kreuze entstehen – eines für jeden Flüchtigen. Sechs der Entflohenen werden entweder gefasst oder kommen auf der Flucht um, doch das siebte Kreuz bleibt frei. Georg Heisler gelingt die Flucht. Das theater-wozek interpretiert Seghers Werk aus dem heutigen gesellschaftlichen/globalen Kontext heraus und präsentiert eine Dramatisierung, die es dem (jungen) Publikum ermöglicht, Parallelen zu unserer Zeit zu erkennen. Auch Anna Seghers Leben fließt ein: 1900 in Mainz geboren, Jüdin, Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Flucht vor den Nationalsozialisten über die Schweiz nach Frankreich, schließlich Exil in Mexiko, 1947 Rückkehr nach Deutschland und 1950 Umzug nach Ost-Berlin. Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste und Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR.

www.dschungelwien.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 8. 5. 2013