Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf im Gespräch

September 16, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

„Ganymed Dreaming“ im Kunsthistorischen Museum

Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf Bild: wennessoweitist

Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf
Bild: wennessoweitist

Mit „Ganymed Dreaming“ startet das Theaterkollektiv wennessoweitist ab 23. September das nächste große Projekt im Kunsthistorischen Museum. Regisseurin Jacqueline Kornmüller und Lebens- wie Bühnenpartner Peter Wolf setzen diesmal den besonderen Schwerpunkt auf Musik. Sieben musikalische Kompositionen und sechs literarische Texte, inspiriert von Meisterwerken der Gemäldegalerie, werden direkt vor den Gemälden aufgeführt und eröffnen so neue Sichtweisen auf Alte Meister. Schauspieler, Musiker und Tänzer erwecken die Bilder zum Leben. Mit dabei: Star-Sopranistin Angelika Kirchschlager, Burgtheaterschauspielerin Sylvie Rohrer, Pianist Marino Formenti und Die Strottern. Ein Gespräch mit Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf über „Ganymed“, Flüchtlinge und Theater, das politischer Widerstand ist:

MM: Nach „Ganymed Boarding“ und „Ganymed goes Europe“ ist „Ganymed Dreaming“ das dritte Projekt der Reihe. Entwickelt sich „Ganymed“ zur Marke?

Peter Wolf: „Ganymed“ hat eine bestimmte Bekanntheit erreicht, ja. Aber es ist keine Marke, denn Coca Cola schmeckt seit 40 Jahren gleich. Wir versuchen immer etwas Neues zu entwickeln, es soll sich immer weiter streuen. In alle Richtungen. Entstanden ist die Idee in Hamburg. Wir haben ein Buch des Dichters Mark Strand in die Hand bekommen, der über die Gemälde von Edward Hopper geschrieben hat. Wir haben damit herumexperimentiert – und sind so auf die Idee gekommen: Wenn man über Bilder assoziiert, erschließt sich das Gemälde neu. Wir haben dann ein Museum gesucht, das mit uns arbeiten würde. Es war in Wien das Kunsthistorische Museum. Sabine Haag hat es ermöglicht – nun schon zum dritten Mal. Die Ausformulierung erfolgt diesmal mit Musik, Tanz und Schauspiel. Es gibt 13 Stationen.

MM: Diesmal geht es um die Schönheit und Gewalt der Träume. Es ist mehr Musiktheater als bisher. Inwieweit haben die Künstler Mitsprache- und Auswahlrecht?

Wolf: Das Thema Träume ist inspiriert von einem Film Akira Kurosawas, „Yume“, der die ganze Bandbreite an Träumen zeigt. Die Tänzerin Maria Teresa Tanzarella führt seit drei Monaten Traumtagebuch und wird danach ihren Beitrag gestalten, erzählen und tanzen. Der Künstler hat volle Verantwortung für seine Station. Beispielsweise Angelika Kirchschlager geht mit Jacqueline Kornmüller durch die Gemäldegalerie, schaut sich mal grundsätzlich die Bilder an, sieht ein Frauenporträt und sagt: Die sieht ja aus, wie Putin. Das nimmt Jacqueline Kornmüller auf, fragt Martin Pollak, ob er eine Art Rede für Putin schreiben könnte. Johanna Doderer vertont das Ganze. Und weil Angelika Kirchschlager einmal Schlagwerk studiert hat, hängen wir ihr einen großen chinesischen Gong dazu. Um das einmal zu beschreiben: So entwickelt sich eine Station.

MM: Sie selbst machen „Der beste Ort auf Erden“, ein Text von Viktor Martinowitsch vor „Alter Mann am Fenster“ von Hoogstraten.

Wolf: Martin Pollak hat uns bekannt gemacht. Martinowitsch ist ein außergewöhnlicher Mensch, eine große Begabung in der europäischen Literatur. Er hat eine sehr schwierige Situation ist Weißrussland, wo ihm das veröffentlichen verboten ist. Er hat das fantastische, überbordende Buch „Paranoia“ geschrieben, das ich in einem Atemzug mit Houellebecqs „Unterwerfung“ nennen möchte. Wir haben ihn gefragt, ob er für „Ganymed“ einen Text beisteuern möchte. Es ist eine wahnsinnig schöne Geschichte geworden, in der er seine Lebenssituation, seine Ängste umlegt auf ein Glücksthema. So eine schöne Arbeit habe ich seit Längerem nicht gemacht.

MM: Dann gibt es die „Lampedusa“-Station von Esther Balfe und Emmanuel Obeya zum „Traum des Hl. Josef“ von Daniele Crespi …

Wolf: Jacqueline hat sich diese Station ausgedacht. Es geht um Flucht. Das Thema verfolgt uns künstlerisch seit fünf, sechs Jahren. Aber es wird sehr anders, als man sich es vielleicht denken möchte.

Jacqueline Kornmüller: Es war mir ganz wichtig, dass das Thema Flucht hier vorkommt. Von sich aus ist keiner der Künstler auf das Thema zugegangen, so habe ich den heiligen Josef ausgesucht und Emanuel Obeya kennen gelernt. Er ist ein fantastischer Tänzer und Leadsänger der Sofa Surfers. Er hat ein Lied geschrieben über das Gefühl der Scham eines Flüchtlings, ein Gefühl, das ganz schwer abzuschütteln ist. Es geht um die Frage, wann hört ein Flüchtling auf, Flüchtling zu sein und wird Einwanderer und wird sogar Mitbürger. Wann darf er den Flüchtlingsstatus abschütteln? Seine Frau tanzt daneben in einem goldenen Kleid – sie ist der Blick des Westens auf das, was da auf uns zurollt.

MM: „Das was da auf uns zurollt“ haben Sie in anderen Projekten wie „Die Reise“ (www.mottingers-meinung.at/?p=1313) und „fly ganymed“ (www.mottingers-meinung.at/?p=860) schon vorweggenommen. Haben Sie prophetische Eingebungen?

Kornmüller: Mir erschien die Situation eben damals schon sehr brisant. Heute ist es viel schlimmer, heute würde ich ein Stück machen über die Menschen, die auf der Flucht sterben, eine verschärfte Form, die von den Toten erzählt. Denn viele lassen wir im Stich. Natürlich kommen auch viele zu uns durch – und da finde ich es fantastisch, wie ihnen geholfen wird. Es gibt das andere Europa, ganz viele Menschen, die ihre Türen öffnen, die dringend Notwendiges zum Westbahnhof tragen …

Wolf: Ich bin überzeugt davon, dass „Die Reise“ einen Teil der Stimmung in der Stadt verändert hat. Aber der künstlerische Weg läuft nicht gleich mit politischen Entwicklungen. Manchmal sieht man etwas voraus, manchmal bewegt man sich auch fernab der politischen Diskussion, weil einem das die Intuition sagt.

MM: Sind die Menschen den Politikern im Kopf voraus?

Kornmüller: Empathisch auf jeden Fall. Die Grenzen dicht machen, das sind für mich hilflose Schritte. Man muss nach vorne losgehen, man muss seine Fantasie anstrengen, überlegen, was man jetzt machen kann. Ich glaube, da gibt es ganz viele Lösungen, auf die man gemeinsam kommen kann. Das Letzte, was man machen sollte, ist sich abschotten. Das geht nach hinten los. Das wird uns auch auf Dauer nichts bringen. Nein, wir müssen uns öffnen. Juncker muss sich durchsetzen und Europa überzeugen, Flüchtlinge in viel größerem Maße aufzunehmen, als es bisher passiert. Ich glaube, er schafft das.

MM: Ihr Engagement entstand auch durch die Begegnung mit Ute Bock.

Wolf: Wir haben direkt im Haus daneben gewohnt, haben täglich die Traube von Menschen gesehen, die in ihr Büro wollten, haben uns gewundert was das ist – und sind reingegangen. Ute Bock ist ja sehr erzählfreudig und hat uns alles genau erklärt. Das hat sich uns ein Thema, das uns bis dato nicht so sehr nahe gegangen ist, erschlossen. Wir haben drei Jahre bei ihr Postdienst gemacht und erkannt, wie wichtig die Arbeit ist und wie weit sie geht. So ging das los.

MM: Sie haben so Menschen, die in Österreich Zuflucht gesucht haben, kennengelernt. Was kann unsere Gesellschaft von ihnen annehmen, was können sie uns geben?

Kornmüller: Ich habe mit Menschen aus Somalia und Syrien in drei Werkstätten gearbeitet: Fahrrad, Tischlerei, Nähen. Da kam ein unglaublicher Reichtum, Ideen, auf die wir nie gekommen wären. Die Menschen sind liebevoll, bringen neue Geschichten mit zu uns – und sie können Partys feiern. Ich bin am Ende des Tages immer glücklich nach Hause gegangen. Flüchtlinge sind nicht so „unglaublich fremd“. Sie haben die gleichen Sorgen wie wir, sie wollen ihre Familien ernähren und ein gesellschaftliches Leben führen. Sie müssen sich in Österreich immer wieder gegen eine Form von Rassismus wehren, aber momentan habe ich ein gutes Gefühl. Es ist alles auf einem guten Weg. Die Politiker, die auf diese Angstschiene setzen, deren Wahlkampf wird als Schuss nach hinten losgehen. Diese Politiker stemmen sich gegen etwas, das derzeit in der Bevölkerung passiert – Solidarität.

Wolf: Das ist ein Projekt, dass Jacqueline in der VinziRast von Cecily Corti entwickelt hat, es nennt sich VinziChance. Die Arbeit hatte Pole. Es war auch emotional sehr aufwühlend. Es wurde uns da so klar, wie das attische Ideal von Theater ist. Die Theater, die wir haben, sind, bei aller großer Qualität der Aufführungen, Amüsierbuden für Großbürgerliche. Das Theater meint aber auch etwas anderes, es ist auch eine pädagogische Lehranstalt, ein Ort, wo Gesellschaft sich bespricht. Theater ist die große Chance der Gesellschaft, sich zu bewegen. Wir haben in Lunz gearbeitet, das Projekt „Die Wahl“ gemacht. Fünf Jahre war es ein Hin- und Herziehen, die Lunzer waren sehr zögerlich, aber dann haben alle mitgemacht, sich besprochen, ob ein Asylwerber sich eine Wohnung nehmen darf oder nicht. Tatsache ist, dass nun, fünf Wochen nach dem Projekt, die erste syrische Familie eine Bleibe gefunden hat. Das ist das Wesentliche: Theater ist der Besprechungsort des Volkes.

MM: Theater als Ort der gesellschaftspolitischen Veränderung?

Kornmüller: Das ist ganz wichtig und es wird mir immer wichtiger. Meine Inszenierungen waren nie unpolitisch, aber je älter ich werde, desto wichtiger wird mir Theater als Ort, an dem es um politische Statements geht. Ich finde, es ist wichtig, dass Künstler politisch Stellung beziehen. Es gibt so viele Angsthasen unter den Künstlern und das nervt mich eigentlich. Da verschanzt man sich hinter einem Stück und hinter einem Text und sagt, die Interpretation allein muss uns schon genügen, und im Publikum weiß keiner, was gemeint ist. Das ist mir nicht deutlich genug. Kultur muss konkret werden, unsere Welt braucht konkrete Lösungsansätze. Beim Film schafft man das schon lange, beim Theater ist es höchste Eisenbahn. Beim „Weltdorf“ beim Forum Alpbach hatte ich wieder einmal das Gefühl, wir sind am Kern. Wir haben die Teilnehmer körperlich, als prozentuale Masse, erfahren zu lassen, wie ungleich Geld auf dieser Welt verteilt ist, was es heißt, Analphabet zu sein. Das haben wir mit ihnen gespielt.

Wolf: Das war eine schöne Anregung, man könnte auch sagen: Provokation. Wir wollen Leute anpieksen. Immer mehr. Das Spielen ist schön, ich habe in Deutschland viele große Rollen gespielt, aber Leben bedeutet, dass man Einfluss nimmt. Ob ich jetzt Schauspieler, Musiker oder Gärtner bin, man muss es versuchen. Das ist auf jeden Fall wichtiger, als den 500. Hamlet zu spielen.

MM: Hauptberuflich Denkanstoßgeber?

Kornmüller: Naja, das machen viele. Wir versuchen es halt auch.

MM: Wie weit ist „Ganymed Dreaming“ die Möglichkeit, in hochkulturellem Rahmen mit den hochkulturellen Mitteln klassischer Musik und Tanz die Themen zu transportieren, die Ihnen wichtig sind?

Kornmüller: Die sind in den Bildern eingeschrieben: Lynchjustiz, Mord, Totschlag. Das ist in fast jedem Bild drin. Und die familiären Themen, die Liebe. Die Künstler nähern sich den Bildern schon auf radikale Weise. Nicht jedem ist das Recht. Manche sagen, das Kunsthistorische Museum ist eine Kirche, hier sollte so etwas nicht passieren. Unser Ansatz ist, dass durch das Projekt eine Lebendigkeit, eine Forschheit, eine Inhaltstiefe reinkommt, die dem Raum eigentlich gut tut. Wir haben gemerkt, dass das Projekt sich sehr verändern kann. Das ist toll. Wir bauen mit den Strottern eine Szene, die mit Musik beginnt und fast clownesk endet. Mit einem Sprung ins Nichts. Klemens Lendl und David Müller machen das eins zu eins auf sich bezogen und sind doch ganz beim Bild „Opfertod des Marcus Curtius“ von Veronese. Da ergeben sich sehr schöne Konstellationen. Das Bläserensemble Federspiel hat sich die „Hirschjagd“ von Lucas Cranach vorgenommen, die treiben die Zuschauer durch den Saal und schlachten musikalisch einen Hirsch. Was wir diesmal präsentieren können, eröffnet dem Publikum ganz neue Sichtweisen auf die Bilder.

MM: Haben Sie Berührungsängste?

Wolf: Nein, das gesellschaftliche Leben, das wir haben, ist auch das, das wir verdienen. Wie Cecily Corti sagt, ich kann sehr wohl als einzelner einwirken, dann wird sich auch was ändern. Bis dahin ist das, was an Gesellschaft vorhanden ist auch das, womit ich leben muss.

Kornmüller: Ich habe keine Berührungsängste. Ein Mensch ist ein Mensch. Wir haben ein sehr unterschiedliches Publikum. Zu uns kommen Leute aus den unterschiedlichsten Ecken, Studenten, Kinder, viele, die einen Pass von „Hunger auf Kunst und Kultur“ haben, viele, die Stammbesucher des Kunsthistorischen Museums sind. Das ist eine gute Mischung. Die Leute haben viel Freude miteinander und aneinander. Die Leute kommen gerne in unsere Projekte, weil sie da auf andere treffen, mit denen sie sonst keinen Abend teilen. Es sind die kleinen Schritte, die kleinen Gesten, die uns zusammenführen. Ich finde es gut, wenn Bundespräsident Heinz Fischer nach Traiskirchen fährt, traurig nur, dass es dazu eines Amnesty-International-Berichts bedurft hat. Da wundert man sich schon, warum von sich aus keiner nachschauen geht. In Traiskirchen ist eine private Sicherheitsfirma schwer überfordert. Die scheinen’s nicht zu packen. Man müsste sie von ihrer Verantwortung entbinden. Wäre das bei Siemens oder am Burgtheater, dass jemand einen schlechten Job macht, dann wird er rausgeschmissen. In Traiskirchen müssen neue Lösungsansätze her, so wie es ist, kann’s nicht bleiben.

MM: Ist die Würde des Menschen antastbar?

Wolf: Das ist eine der Fragen, über die jeder einmal nachdenken sollte. Grundsätzlich, ja. Aber ich bin immer für das positive Bild. Und daher sehr dankbar für die derzeit so positive Stimmung der Menschen. Ich wusste gar nicht, dass es so viele vernünftige Menschen in Österreich gibt. Da hört man plötzlich im Fernsehen einen Polizeihauptmann, der „normale“ Sätze sagt! Ich finde, das straft alle anderen Lügen. Das wird sich auch schnell wieder ändern, fürchte ich. Wenn es so bliebe, könnten wir vielleicht aufhören, Theater zu machen.

MM: Bis es soweit ist 😉 : Wo wollen Sie sich als nächstes einmischen?

Kornmüller: Da geht uns einiges im Kopf um. Auch darüber, wie wir uns als Kollektiv verändern müssen. Für mich ist wichtig, dass wir nicht festfahren, dass wir nicht wieder in die konventionelle Schiene reinkommen. So gerne ich manchmal an einem festen Theater arbeiten würde, so sehr muss ich mir dann immer wieder sagen, lass’ es bleiben, bleib’ auf diesem freien Feld, auch wenn es schwer ist, dafür Finanzierungen aufzustellen. Was Themen betrifft, gehen sie uns nicht aus. Ganz vorne natürlich, dass Europa Einwanderungsland wird. Die Begegnung mit der Angst wäre für mich auch ein großes Thema.

Wolf: Wenn wir theatrale Kunst machen, dann soll es immer mehr Richtung politischer Widerstand gehen. Es ist nicht in Ordnung, wie wir uns in Europa verhalten. Wir haben Möglichkeiten und man muss daran arbeiten, dass diese Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Das ist der Motor aus dem heraus wir Theater machen. Wir versuchen immer wieder Formen zu finden – und „Ganymed“ ist dafür eben ein wunderbar bewegliches Tool.

MM: Wie würden Sie dem Publikum empfehlen, „Ganymed Dreaming“ anzugehen?

Wolf: Wir haben diesmal sehr darauf geachtet, dass man alle 13 Stationen an einem Abend sehen kann. Meine Empfehlung ist, sich für den Eindruck Zeit zu nehmen.

MM: Sie waren mit „Ganymed“ auch in Ungarn, haben sogar einen Kritikerpreis bekommen.

Wolf: Ich bin sehr froh, dass wir dort waren, weil ich nun weiß, dass es auch das andere Ungarn gibt. Nicht nur das des Herrn Orbán. Es gibt ein wundervolles, reiches Ungarn, das voll innerer Schönheit ist. Jetzt hätte es keinen Sinn, ein Projekt wie unseres zu machen. Die Sache hat sich zu verroht. Wir haben viele Freunde in Ungarn, die darüber sehr unglücklich sind.

www.khm.at/ganymed-dreaming/

www.wennessoweitist.com/

Wien, 16. 9. 2015

Kafka, Kiffer und Chaoten

Mai 9, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Kurt Palms jüngster Kinostreich

Aurel von Arx, Max Mayer, Julia Jelinek, Tim Breyvogel Bild: © Fischer Film/Filmladen Filmverleih

Aurel von Arx, Max Mayer, Julia Jelinek, Tim Breyvogel
Bild: © Fischer Film/Filmladen Filmverleih

 

„Das die Handlung erzeugende und vorantreibende Element bleibt auch hier der Pfusch“, so Regisseur Kurt Palm im Gespräch zu seinem jüngsten Werk „Kafka, Killer und Chaoten“. „Der Aufwand, mit dem alle an der Geschichte Beteiligten jegliche Anstrengung vermeiden, bringt von Anfang an den ‚Wurm‘ in die Geschichte, weil alles nur getan wird, damit es ‚irgendwie funktioniert oder so‘: Pfusch wird durch Pfusch ausgebessert (sehr österreichisch, Anm.). Die Allgegenwart des Pfusches prägt das Bild, das der Film von der ‚Welt‘ oder der ‚Wirklichkeit‘ vermittelt. Der Rausch, mit dem man die defizitäre, zusammengepfuschte Wirklichkeit fliehen möchte, treibt sie aber dennoch voran. Die Sachen werden alle nur halb gemacht, so dass sie halt gemacht sind, aber nicht halten, weshalb ein neuer Pfusch notwendig wird. Der Weg des geringsten Widerstands, den die Charaktere anstreben, entpuppt sich so als eine Art Fluchtdramaturgie statt einer klassischen Konfliktdramaturgie, durch die Filmmittel und Rauschmittel einander zum Verwechseln ähnlich sehen. Daher sind Kiffen, Alkoholkonsum und das ‚Davonfahren‘  – das geographische Flüchten – nur folgerichtig. “

Der Inhalt der Flucht: Im Rausch san ma z’aus! Sozusagen. Fünf nicht mehr ganz taufrische Germanistik-StudentInnen leben in einer WG zusammen und haben kurz vor den Sommerferien die Idee, anstelle der leidigen Seminararbeit über Franz Kafka, dessen Erzählung „Ein Landarzt“ zu verfilmen. Drehort soll – als Hohn und Kunstgriff gegen jegliche „Werktreue“ – der Campingplatz in Sizilien sein, auf dem die gemeinsamen Ferien längst geplant sind. Während der hanebüchenen Vorbereitung zu diesem Projekt knüpft das fidele Studenten-Quintett erste Kontakte zur Wiener „Filmszene“ und zur dazu gehörigen Förderung. Bei einem Besuch in Kafkas Sterbezimmer behauptet ein merkwürdiger Wächter, dass Kafka gar nicht tot ist, sondern immer noch lebt. Dodo, eine der Studentinnen, sieht Kafka tatsächlich auf der Anrichte sitzen. Allerdings ist sie die einzige, die diese „Erscheinung“ hat. Dodo kann schließlich die anderen davon überzeugen, mit ihrem Hippie-VW-Bus nach Prag zu fahren, um Kafka für eine kleine Rolle im „Landarzt“-Film zu gewinnen. Und siehe da: Kafka sagt zu. Nachdem in Wien die Filmcrew rekrutiert wird, kommt es zwischen dem geplanten Regisseur Gotthart (der sich natürlich „Godard“ nennt) und den StudentInnen zu einem handgreiflichen Zerwürfnis, woraufhin kurzerhand einer der Studenten die Regie übernimmt. Und zwar der „Single“ Clausi, der das fünfte Rad am Wagen der zwei Paare Frankie und Dodo sowie Max und Klara ist. Die Situation hat sich jedoch verkompliziert, da Dodo in einer Rauschnacht von Clausi geschwängert wurde, sie sich in Prag aber in Kafka verliebt hat. Die WG samt Crew startet Richtung Süden und holt, wie verabredet, Kafka am Gardasee ab. Dort übernachten alle auf dem Campingplatz, nachdem sie in einer Pizzeria gegessen und vor allem getrunken haben. Die entsprechenden Kosten werden von Frankie getragen, der seinen Vater dazu überreden konnte, die Produktion des Films zu finanzieren. Nach dieser Episode geht es weiter nach Sizilien, wo im entsprechenden Ambiente (Mafia, Opern- beziehungsweise Bauernchor à la „1900“ von Bertolucci; eine köstliche Szene) die Dreharbeiten beginnen und durch Clausis Drängen auch beendet werden. Der „Landarzt“-Film trägt nunmehr den Titel: „Doktor, lass mich sterben. Aber bitte in Sizilien“, und wird beim Filmfestival in Pilsen prompt mit einem Preis (ein Sechserträger Pilsener Bier) ausgezeichnet. Bei der Verleihung fehlt jedoch das neue Paar: Dodo und Kafka. Die beiden leben glücklich in einem Häuschen am Meer und freuen sich über ihr kleines Baby. Die Idylle hat nur einen Schönheitsfehler: Sie ist künstlich und entpuppt sich als bunte Studiokulisse.

Was die perfekte Ausgangsbasis für einen Horrorfilm sein könnte, wird bei Kurt Palms  zum kaleidoskopbunten Roadmovie, zur bösen Satire auf die österreichische Filmwirtschaft – und zur realitätsnahen Komödie über den Sinn des Lebens. Denn: Es geht immerhin um die Sommerferien. Ein absurder Film, ein satirischer P(s)alm auf das Filmemachen, Leben und Lieben, eine Palm’sche Persiflage auf Sein und Nichtsein, nicht „kafkaesk“ wohlgemerkt – denn wer immer hier das verpönte K-Wort in den Mund nimmt, muss abwaschen. Autor, Regisseur und Volksbildner Kurt Palm war zuletzt im Kino präsent als Autor der von Harald Sicheritz verfilmten Krimisatire „Bad Fucking“. „Kafka, Kiffer und Chaoten“ entstand nach Motiven der Erzählung „Franz Kafka verfilmt seinen Landarzt“ des deutschen Autors und Satirikers Eckhard Henscheid. Die Hauptrollen spielen Marc Fischer, Karin Yoko Jochum, Max Mayer, Julia Jelinek, Aurel von Arx, Tim Breyvogel, Steffen Höld, Christian Strasser, Hubsi Kramar und Florentin Groll, dazu kommen Gastauftritte von Margarethe Tiesel, Franz Schuh, Karl Ferdinand Kratzl, Hermes Phettberg und Musiknummern von Chrono Popp bis Texta. „Kafka, Kiffer und Chaoten“ ist eine Satire voll anarchischer Bilder. Das Filmgeschäft wird ebenso auf die Schaufel genommen wie die naiven Studenten, die in dieses Geschäft auf „genial dilettantische“ Weise einsteigen wollen. Der Zuschauer wird aus alltäglichen Situationen vollkommen ahnungslos in himmelschreiende Absurditäten katapultiert. Die Absurdität wird aber nicht mehr aus harmlosen Situationen entwickelt, sondern entlädt sich gleichsam überfallsartig in irrealen Bildern. Ein Film wie eine siasse Tschick. Anschauen, wuzzeln, abdriften. Ein Film ohne Ressentiments gegenüber Afghanen, Marokkanderln und Libaneserln. Kurt Palm schlog deine Tschinell’n.

Ab 9. 5. in den Kinos.


Unpeinliche Dialektmusik – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Unpeinliche-Dialektmusik-id16367771.html

www.kafkakifferundchaoten.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=i4HI-dT4L8c

Wien, 9. 5. 2014

wennessoweitist: Ganymed goes Europe

Februar 27, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Rückkehr ins Kunsthistorische Museum

Péter Esterházy Bild: khm

Péter Esterházy
Bild: khm

Mit ihren Produktionen „Die Reise“ (über Migranten-) und „Das Kind“ (über Kinderschicksale) am Volkstheater haben Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf alias „wennessoweitist“ berührt. Ebenso mit dem Kinderschlepperdrama „fly ganymed“. Der größte bisherige Erfolg des Theaterpaares war aber „Ganymed Boarding“ im Kunsthistorischen Museum. Nun wird das Projekt ab 12. März mit Kornmüllers neuer Inszenierung „Ganymed goes Europe“ fortgesetzt. 14 AutorInnen – darunter Péter Esterházy, Maja Haderlap und Josef Winkler – wurden eingeladen, Texte über Meisterwerke der Gemäldegalerie zu schreiben, um neue Sichtweisen auf Alte Meister zu eröffnen. Ein Ensemble aus 23 SchauspielerInnen, TänzerInnen und Musikern erweckt Bild und Betrachtung zu neuem Leben. Die BesucherInnen werden beim Rundgang durch das Museum in ein theatrales Zwischenreich gezogen und entscheiden selbst, wie lang sie wo verweilen. An jedem der Abende werden alle Stücke zeitgleich und mehrmals hintereinander aufgeführt. Partnerländer der Produktion sind Polen und Ungarn.

Die AutorInnen: Lajos Parti-Nagy, Milena Michiko Flasar, Klemens Lendl, Anna Kim, Maja Haderlap, Peter Esterhazy, Doron Rabinovici, Martin Pollack, Josef Winkler, Johanna von Doderer und Franz Schuh.

Die SchauspielerInnen, MusikerInnen, TänzerInnen: Mercedes Echerer, Nicole Heesters, Judith Aguilar, Frieda Lovisa Hamann, Hans Dieter Knebel, Katharina Stemberger, Janos Kulka, Bert Oberdorfer, Peter Wolf, Nicola Djoric, David Oberkogler, Die Strottern, Nicola Djoric, Yury Revich und Pál Szepesi.

www.wennessoweitist.com

www.khm.at/ganymed/

„Die Reise“: www.mottingers-meinung.at/kein-theater-die-wirklichkeit/

Interview mit Jacqueline Kornmüller: www.mottingers-meinung.at/urauffuhrung-von-das-kind-am-wiener-volkstheater/

„Das Kind“: www.mottingers-meinung.at/das-kind-am-volkstheater/

„fly ganymed“: www.mottingers-meinung.at/bedruckendes-stuck-uber-kinderschlepperbanden/

Wien, 27. 2. 2014

Wiener Festwochen: Programmvorschau

April 25, 2013 in Bühne

Martin Kusej, Bruno Ganz, Edith Clever, Johan Simons

Nicolas Stemann und Robert Lepage sind zu Gast

Ein Tränlein hatte er schon im Blick, als Wiener-Festwochen-Intendant Luc Bondy am 25. April im MuseumsQuartier das letzte von ihm verantwortete Festival (10. Mai bis 16. Juni) in Österreichs Hauptstadt ansagte. „Ich bin kein wehmütiger Mensch, vor allem keiner, der das Geschehen in seiner Vergangenheit preist“, so Bondy, der seiner Mitstreiter Klaus Michael Grüber, Peter Zadek, Frank Castorf, Christoph Marthaler, Patrice Chéreau, Luca Ronconi, Alvis Hermanis, Johan Simons, Peter Stein, Peter Sellars, Simon McBurney, Krystian Lupa, Deborah Warner, William Kentridge …. gedachte. Und Marie Zimmermann als Schauspielchefin. „Wir vermissen sie. Es war mitten in der Festwochen-Zeit, als ich Lear an der Burg probte, als sie sich das Leben nahm. Es war ein riesiger Schock.“

Le Retour / Die Heimkehr Bruno Ganz Bild: Ruth Walz

Le Retour / Die Heimkehr
Bruno Ganz
Bild: Ruth Walz

Mehr oder weniger Tränlein wischten sich auf dem Podium des Achitekturzentrums auch ihre Nachfolgerin als Schauspieldirektorin, Stefanie Carp, aus den Augenwinkeln. Welch ein Verlust für Wien! Eine Garantin für „Aufwind“ und Innovationswillen, die Überschreitung von Grenzen zwischen Genres und in viele weitere Länder und Kontinente, hin zu neuen Formaten und Ästhetiken. Und der (meist durch Abwesenheit) glänzende Musikdirektor Stephane Lissner. Die Wiener Festwochen 2013 bieten 41 Produktionen – darunter zehn Uraufführungen und vier Neuinszenierungen aus 36 Ländern.

Die Eröffnung findet am 10. Mai auf dem Wiener Rathausplatz unter dem Motto „Wien, Wien, nur du allein?“ statt  und ist -no na – dem Wienerlied gewidmet. Als Moderator wird Nicholas Ofczarek durch die Nacht führen. Mitwirkende: Die Strottern, Angelika Kirchschlager, Ernst Molden, Philharmonia Schrammeln Wien, Willi Resetarits & Stubnblues, Michael Schade, Walther Soyka, Fatima Spar und Ursula Strauss.

Das Musikprogramm dominiert der 200. Geburtstag von Wagner und Verdi. So wird die Verdi-Trilogie der Festwochen mit einer Neuinszenierung von „Il Trovatore“ abgeschlossen. Film- und Opernregisseur Philipp Stölzl wird zum ersten Mal in Wien inszenieren; es dirigierit der Israeli Omer Meir Wellber. Mit der Sensation der diesjährigen Opernsaison, dem im Sommer beim Festival d’Aix-en-Provence uraufgeführten „Written on Skin“ von George Benjamin mit einem Text von Martin Crimp, kommt eine Oper nach Wien, der das schier Unmögliche gelungen ist, die Erwartungen der unterschiedlichsten Publikumskreise zu erfüllen – von den vom hohen Können des Komponisten begeisterten Liebhabern der klassisch-romantischen Oper bis zu den Fans des zeitgenössischen Theaters, die der „poetische Realismus“ des Librettos und seine eindrucksvolle dramatische Umsetzung in der Inszenierung von Katie Mitchell faszinierten. Die Uraufführungen der Musiktheaterprojekte JOIN! (Oper von Franz Koglmann nach einem Libretto von Alfred Zellinger) und „Die Ballade von El Muerto“ (Musiktheater von Diego Collatti mit einem Text von Juan Tafur im Rahmen der Programmschiene Into the City), koproduziert mit den Ensembles netzzeit und progetto semiserio, demonstrieren den Willen der Wiener Festwochen, der innovativen zeitgenössischen Wiener Szene jene Bühne zu bieten, auf der diese im Blickfeld der Welt den Blick auf die Welt richten kann.
Die Reihe Into the City widmet sich dem Thema music and politics und stellt in unterschiedlichen Formaten und Zusammenhängen die gesellschaftliche Bedeutung von Musik in unserer Zeit heraus. Workshops und Konzerte in verschiedenen Einrichtungen und Örtlichkeiten verbinden das diesjährige Into the City Festivalzentrum im Wien Museum Karlsplatz mit der Stadt.

Im Schauspielprogramm finden acht Uraufführungen statt: „Todo el cielo sobre la tierra. El sindrome de Wendy“ von Angelica Lidell und Swamp Clup von Philippe Quesne erkunden im Grenzbereich von Performance, Tanz und Schauspiel die Beziehungen zwischen privatem Erlebtem und politschem Raum. Eine Auftragsarbeit ist Christoph Marthalers neues Projekt „Letzte Tage. Ein Vorabend“. Im Mittelpunkt der Aufführung im historischen Sitzungssaal des Parlaments stehen Kompositionen aus Wien vertriebener Komponisten und Texte, die sich mit der nationalen Aufrüstung vor dem Ersten Weltkrieg und rassistischen wie nationalsozialistischen Tendenzen in Europa auseinandersetzen. In „Kommune der Wahrheit. Wirklichkeitsmaschine“ versuchen Regisseur Nicolas Stemann und eine Gruppe von Künstlern aktuelle Geschehnisse in einen Theaterabend umzuwandeln. Jeden Abend ist so etwas Neues zu sehen.

Die Stars: Als Koproduktion mit dem Münchner Residenztheater führt der dortige Intendant Martin Kusej bei der Schauspieltrilogie „In Agonie“. Eine Neuinszenierung für Wien. Autor Miroslav Krležas beschreibt den Zerfall des Habsburgerreichs von Kroatien aus. Es spielen Manfred Zapatka, Sophie von Kessel und  Johannes Zirner. Luc Bondy selbst inszeniert Molieres „Tartuffe“ am Burgtheater mit Edith Clever, Johanna Wokalek, Joachim Meyerhoff und Gert Voss. Aus seiner neuen Wirkungsstätte in Paris, dem Odéon-Théâtre de l’Europe, bringt er seine Harold-Pinter-Arbeit „Le Retour“ (Die Heimkehr) mit Bruno Ganz und Emmanuelle Seigner mit.

Die junge brasilianische Regisseurin Christiane Jatahy erzählt in der teils theatralischen, teils filmischen Arbeit „Julia“ (nach Strindbergs „Fräulein Julie“, dass überkommene patriarchale Machtstrukturen in einer segregierten Gesellschaft stärker sind als die Gefühle. Der junge australische und gerade zu entdeckende Regisseur Simon Stone verhandelt in einer heutigen Ibsen-Wildente „The Wild Duck“ die private und soziale Krise der abstürzenden Middle Class.

Neu im Programm ist Johan Simons Regiearbeit von Lot Vekemans Stück „Gift. Eine Ehegeschichte“, die Story eines Ehepaares, das sich nach dem Tod ihres einzigen Kindes getrennt hat. Sechs Jahre nach der Scheidung treffen sie einander wieder am Grab des Kindes und sprechen über ihren Schmerz. Simons inszeniert dieses ergreifend. Mit Elsie de Brauw, Steven van Watermeulen und dem Countertenor Steve Dugardin. Robert Lepage kehrt mit seiner neuen Idee „Playing Cards 1: Spades“ ebenso zurück nach Wien wie Romeo Castelluci mit seinem berühmten „Sul concetto di volto nel Figlio di Dio / Über das Konzept des Angesichts von Gottes Sohn“, bei dem sich ein Mann um seinen greisen Vater kümmert.

Neuentdeckung: Die Wiener Regisseurin, Salon-5-Prinzipalin und Reinhardt-Seminar-Professorin wird Robert Neumanns Roman „Die Kinder von Wien oder oder HOWEVERSTILLALIVE“ für die Bühne adaptieren. In seinem satirischen Roman führt uns Neumann, nach London emigrierter jüdischer Romancier aus Wien, in einen Keller im Nachkriegsjahr 1946. Fünf Kinder hausen hier in einer Wohngemeinschaft des Schreckens, aber auch der anarchischen Freiheit. Eine Geschichte über die „Trotzdemimmernochlebendigen“, die den Krieg, jeden Krieg überstehen …

Gesamtprogramm und Termine: www.festwochen.at

Interviews zu den wichtigsten Produktionen und Rezensionen: www.mottingers-meinung.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 25. 4. 2013

Sonntags-Matinee: 225 Jahre Theater in der Josefstadt

April 12, 2013 in Buch

Vierzehn Stars lesen aus dem neuen Prachtband

„Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters. Es ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht machen, um bis an ihr Lebensende weiter zu spielen.“

Max Reinhardt

Senta Berger, Luzi Neudecker, Elfriede Ott, Susi Nicoletti, "Viel Lärm um Nichts", 1959 Bild: © Theater in der Josefstadt

Senta Berger, Luzi Neudecker, Elfriede Ott, Susi Nicoletti, „Viel Lärm um Nichts“, 1959
Bild: © Theater in der Josefstadt

Zum 225-Jahre-Jubiläum des Theaters in der Josefstadt haben Hausherr Herbert Föttinger und Kommunikationschefin Christiane Huemer-Strobele als Herausgeber einen Band über „Legendäre Geschichten und unvergessene Stars“ zusammen gestellt. Am 14. April, 11 Uhr, wird das Buch in den Sträußelsälen vorgestellt. Es lesen und erzählen: Sandra Cervik, Gerti Drassl, Erni Mangold, Marianne Nentwich, Elfriede Ott, Michael Dangl, Herbert Föttinger, Ulrich Reinthaller, Otto Schenk, Erwin Steinhauer, Florian Teichtmeister, Heribert Sasse, Toni Slama und Martin Zauner: Franz Schuh deckt seine Wahlonkelschaft mit dem ehemaligen Josefstadtdirektor Franz Stoss auf, Helene Thimig beschreibt die rastlose Arbeitswut von Max Reinhardt, Christoph Wagner-Trenkwitz  hebt musikalische Schätze der Josefstadt, Otto Schenk verfasst einen Brief an ein störrisches Ensemble, Heinz Marecek erzählt Anekdoten, Helmut Qualtinger parodiert den Konversationston der Josefstädter Akteure, Gustav Gründgens erinnert sich an sein Debüt, Georg Markus lüftet die Liebeswirren prominenter Schauspieler, Peter Turrini und Prinzipal Herbert Föttinger reden sich über die Josefstadt in Rage.

 

Herbert Föttinger, Christiane Huemer-Strobele (Hg.): Das Theater in der Josefstadt.

Christian Brandstätter Verlag. 232 Seiten.

www.josefstadt.org

www.cbv.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 12. 4. 2013