Schallaburg: Sehnsucht Ferne – Aufbruch in neue Welten

März 22, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Auf k.u.k. Nordpolexpedition im Escape Room

Sehnsucht Ferne – Aufbruch in neue Welten. Bild: © Klaus Pichler

Bis heute faszinieren die großen Abenteuer von Entdeckerinnen und Entdecker. Seit dem Wochenende lädt die Schallaburg mit „Sehnsucht Ferne –Aufbruch in neue Welten“ ein, ihren Spuren zu folgen. Wer waren die Menschen hinter den Geschichten und Legenden? Was wurde entdeckt und was hieß das für die Entdeckten? Der britische Seefahrer und Entdecker James Cook, der deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt oder

die österreichische Weltreisende Ida Pfeiffer – sie alle träumten von der Entdeckung neuer Welten. Sie teilten die Sehnsucht nach dem Unbekannten, dem Unerforschten und dem Neuen. Doch ihre Motive waren gänzlich unterschiedlich. Was trieb sie an? War es die Sehnsucht nach Abenteuer und Ruhm, die Gier nach Gold? Welche Ängste bewegten sie und was schürte ihre Euphorie? Welchen Herausforderungen mussten sie sich stellen? Was erwartete sie in exotischen Gefilden und was bedeutete das für die Einheimischen?

Erstmals ist ein „Escape Room“ Teil einer Schallaburg-Ausstellung: Eine spannende Expedition ins ewige Eis auf den Spuren der „österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition“ mit dem berühmten Schiff „Admiral Tegetthoff“. 1872 brach die Mannschaft auf, um eine befahrbare Nordostpassage durch die Eismeere zu finden. Diese Mission schlug fehl – und trotzdem wurde die Expedition zum riesigen Erfolg. Knapp 150 Jahre später kann sie in einem Escape-Room nachempfunden werden. Über fünf Räume sind Abenteuer zu erleben und hautnah zu spüren was es heißt, dem Erfolgsdruck und Entbehrungen einer legendären Expeditionsreise ausgesetzt zu sein.

Marcel Chahrour, aus dem inhaltlichen Team:„Selten war die Sehnsucht nach der Ferne so groß wie in diesen Tagen. Es ist eine spannende Reise für das gesamte Ausstellungsteam und insbesondere Roman Dachsberger und mich in den letzten Monaten Elemente dieser Sehnsucht aufzudecken. Seit es Menschen gibt, treibt die „Sehnsucht Ferne“ viele dazu, sich auf den Weg zu machen. Reisende, Entdecker, Abenteurerinnen und Abenteurer werden als Helden gefeiert, ihre Taten bewundert. Die großen Reisen der Geschichte haben ein reiches Erbe hinterlassen, nicht zuletzt in den Museen der „Alten Welt“. Europas Sehnsucht nach der Ferne brachte aber nicht nur Gutes. Aus dem Willen, sich die Welt zu eigen zu machen, erwuchs der Kolonialismus, und mit ihm gingen Unterdrückung, Widerstand und Krieg Hand in Hand. All das ist für uns Thema –und wir wollen auch hinschauen, wie es mit der Sehnsucht weitergeht.“

Afrikanischer Kopfschmuck aus dem Togo, 1914, Sammlung Codelli, Slovene Ethnographic Museum, © Slovene Ethnographic Museum, Bild: © Jure Rus, SEM

Tafelaufsatz in Schiffchenform aus einer fürstlichen Wunderkammer, 17. Jahrhundert, Sammlung Schloss Ambras, Innsbruck. © KHM-Museumsverband

Astronomisches Messgerät, 1761, Sammlung Esterhazy, Eisenstadt. © Esterhazy Privatstiftung

Hondius-Globus aus Antwerpen 1601, Sammlung Woldan. © Österreichische Akademie der Wissenschaften

Schwerpunkte der Schau

Forschen, plündern, sammeln, kaufen, erleben, erfahren, dokumentieren, bewahren, entdecken, erobern. Reiseutensilien von Reiseschriftstellerin Alexandra David Neel, die vermutlich als erste Europäerin die verbotene Stadt Lhasa in Tibet betritt, bis zu Objekten aus dem Nachlass von Kronprinz Rudolf. Einer Tsunami-Karte von Ferdinand Hochstetter bis hin zu Kuriositäten wie einem Eingeweidewurm des österreichischen Naturforschers Johann Natterer, welchen er auf hoher See zu Forschungszwecken selbst ausspie, bis hin zu einer Reisetoilette von Louis Esterhazy. Eine Weltreisende. Ida Pfeiffer (1797–1858) eine reisende Ausnahmeerscheinung – eine Frau, die auf ihren Reisen Gegenden erkundete und sich in Gebiete wagte, die bis dahin selbst die tapfersten Männer gemieden hatten! Im Zuge ihrer zweiten Weltreise, erkundete Ida Pfeiffer Indonesien, wo sie auf die sogenannten „Kannibalen“ traf. Sie publizierte ihre Erlebnisse in Berichten und hatte im Reisen ihren Lebenssinn gefunden.

Der Traum von der Reise. In den 1770er Jahren unternimmt der Brite James Cook seine großen Reisen nach Ozeanien, Neuseeland und in die Südsee, um die letzten großen weißen Flecken auf den Landkarten zu füllen. Wie viele Aufbrecher wird er zum gefeierten Helden. Als es auf einer seiner Reisen gelingt, das letzte große Problem der Navigation zu lösen, steht auch der letzte Winkel der Welt den Schiffen Europas offen. Die Reise der Novara. Im 19. Jahrhundert macht sich Europa die Welt untertan: politisch, wirtschaftlich, wissenschaftlich. 1857 stattet das Kaisertum Österreich seine eigene offizielle Weltreise aus. Die Marine rüstet ein Kriegsschiff, die Akademie der Wissenschaften entsendet ihre Wissenschaftler, die Wirtschaft formuliert ihre Interessen. In knapp drei Jahren umrundet die „Novara“ die Welt.

Weltkarten und Globen veranschaulichen ausdrucksvoll, wie sich das Bild von unserer Welt durch Reisen verändert – Vorstellungen werden oftmals auf das Bild von der Welt projiziert. Auch Österreich unternahm schüchterne Versuche einer Kolonialpolitik im indischen Ozean. Lange besteht zwischen den Berichten der Seefahrer und dem Realen ein großes Spannungsfeld: Von dem erfundenen Reisebericht von Caspar Plautz aus Seitenstetten, den Riesen von Patagonien bis hin zum geheimnisvollen „Südkontinent“ – aus „Nova Hollandia“ wurde letztendlich dann Australien. Eine fiktive Welt wie das Schlaraffenland findet sogar Einzug in einen Atlas.

Gier, Gewalt und Schamlosigkeit. Gold gegen Viren. Die Ferne wurde nach Europa gebracht – und die Sehnsucht nach der Welt hat ungeahnte Folgen. In der Ferne entdecken Eroberer, Abenteurer und Militärs ungeahnte Schätze. Der Gier Europas nach Gold und Silber fallen ganze Kulturen zum Opfer. Gleichzeitig nehmen Kunst und Wissenschaft in Europa einen unvergleichlichen Aufschwung. Die Ferne begeistert Europa von Anfang an. Eine kurze Geschichte einer komplizierten Begegnung. Die verschiedenen Perspektiven werden mittels Videoprojektion der Schweizer Künstlerin Susanne Hofer veranschaulicht, wie etwa die Eroberung des Reichs der Azteken durch Hernán Cortés.

Ausstellungsansicht. Bild: © Klaus Pichler

Ausstellungsansicht. Bild: © Klaus Pichler

Escape Room, Aufbruch zum Nordpol. Bild: © Klaus Pichler

Escape Room, Aufbruch zum Nordpol. Bild: © Klaus Pichler

Wie sammelt man die Ferne? Wer reist, nimmt nicht nur Eindrücke mit. Die Museen Europas sind voll mit Gegenständen aus aller Welt. Das betrifft nicht nur die großen Museen. Selbst in kleinen Regionalmuseen findet man Gegenstände aus entlegensten afrikanischen Gegenden. Warum sammeln wir? Und sollen wir das überhaupt noch tun? Auf Schloss Ambras bei Innsbruck sammelte der Tiroler Landesfürst Ferdinand II. Kostbarkeiten und Kuriositäten: goldene Gefäße und Kelche, exotische Gegenstände, Spiele, Korallen und Gemälde. Er begründete damit das erste zugängliche Museum der Welt. Andere Fürsten tun es dem Erzherzog gleich und richten auch „Wunderkammern“ ein. Der Aufstieg der Habsburger im 16. Jahrhundert ist eng mit dem Import von Silber und in geringerem Maße Gold aus der neuen Welt verbunden –nicht alles Gold dieser Zeit ist „Kolonialgold“ – Gold und vor allem Silber kommen in großer Menge über den Ozean.

Gegenstände veranschaulichen einen Exkurs des Sammelns im musealen Kontext: Objekte von James Cook bis zu einem slowenischen Missionar, welcher Metallgegenstände aus Afrika sammelte. Von der österreichischen Ethnologin Etta Becker-Donner, die in ihren Feldforschungen Völkerkunde dem Volk nahebrachte bis zur Peruanerin Laida Mori, im Mittelpunkt ihrer Forschung die indigene Bevölkerung. Von der österreichischen Ethnologin Eugenie Goldstern, die als Volkskundlerin an Alltagsgegenständen forschte, welche zu Spielzeugumfunktioniert wurden, bis zum Weltreisenden Heinrich Clam-Martinic, der auf einer Weltreise mit Franz Ferdinand unterwegs war.

Auch das akustische Erbe einer Sehnsucht nach der Ferne lässt sich entdecken. Im Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften lagert der Klang der Welt: Stimmen, Lieder, Geräusche; es ist das älteste Tonarchiv der Welt. Viele Aufnahmen entstanden unter heute fragwürdigen Bedingungen – eine neue Perspektive auf die Sammelleidenschaft Europas.

Selbstbild versus Fremdbild Sind die „anderen“ primitiv und Europa modern? Amulette und magische Gegenstände aus Europa und Afrika zeigen die großen Ähnlichkeiten im Volksglauben – das eine wird jedoch als primitiv gesehen, das andere als traditionell. Masken – für die Ursprungsgesellschaften Gebrauchs- und Kultgegenstände, für Europa oftmals teure und gesuchte Kunstgegenstände. Mit „Sehnsucht Ferne – Aufbruch in neue Welten“ lädt die Schallaburg ein, den Spuren früher Weltreisender zu folgen. Man begleitet bekannte wie unbekannte Reisende von den Vorbereitungen für die Fahrt ins Ungewisse bis zu ihrer Rückkehr nach Europa. Viele Abenteuer von gestern öffnen neue Perspektiven auf die Welt von heute.

www.schallaburg.at

22. 3. 2021

Schallaburg: Donau – Menschen, Schätze & Kulturen

Mai 27, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ab 1. Juni rauschen endlich wieder die Wellen

Flussgott, Danuvius, Kopie, römische Kaiserzeit, Fundort: Carnuntum, 3. Jhdt. © Landessammlungen NÖ, Archäologischer Park Carnuntum

Ab 1. Juni lädt die Ausstellung „Donau – Menschen, Schätze & Kulturen“ zu einer inspirierenden Reise flussaufwärts: Vom Schwarzen Meer durch die engen Felsschluchten des Eisernen Tors, vorbei an den Ebenen Ungarns durch die Wachau bis auf die Schallaburg. Vor Millionen Jahren begann sich die Donau ihren Weg zu bahnen –  mit ihren rund 2.800 Kilometern Länge ist die sie der zweitlängste Fluss Europas. Wie kein anderer steht die Donau für die Vielfalt des europäischen Kontinents.

Und seine wechselvolle Geschichte. Seit tausenden Jahren ist auch der Mensch an ihren Ufern präsent und nutzt sie für seine Zwecke. Schon in der Jungsteinzeit entstanden entlang des Stromes beeindruckende Kulturen. Den Römern diente er als Grenze ihres mächtigen Imperiums, den Habsburgern als Lebensader eines Reiches, das nicht umsonst den Namen „Donaumonarchie“ trägt. Zahlreich sind die Geschichten und Erzählungen, die eine Reise wie diese bereithält. Sei es das dramatische Ende der versunkenen Insel Ada Kaleh oder die geheimnisvollen Spuren der Vinča-Kultur am serbischen Donauufer; seien es die Kämpfe Prinz Eugens gegen die Osmanen oder das Schicksal der Donauschwaben.

Dabei wird dem Geheimnis der ungarischen Fischsuppe, den Lesehöfen und den Wanderungen der Nibelungen in der Wachau ebenso nachgegangen wie dem Mythos der Schönen Blauen Donau. „Die Ausstellung lädt zu einer Reise voller Überraschungen ein“, erkärt Kurt Farasin, der Künstlerische Leiter der Schallaburg. „Erst in der Begegnung mit den Menschen, den unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Landschaften öffnet die Donau ihre Geschichten, die wir mit unserem Publikum teilen wollen. Wie groß der Schatz Donau für uns, für Europa ist, lässt sich erst erahnen, wenn man sich auf die Fahrt entlang des mächtigsten Stromes Europas macht.“

Gefäß mit zwei Gesichtern. Bild: Mátyás Király Múzeum

Michael Dietrich: Kelch aus Donauwaschgold, 1660, Stift Melk

Lilly Steiner: Donauweibchen, 1934. Artothek des Bundes . Bild: Belvedere, Wien, Johannes Stoll

In abwechslungsreichen Etappen werden also Einblicke in die Geschichte des Donauraums und Ausblicke auf seine vielfältigen Landschaften geboten. Menschen erzählen vom Leben am großen Strom, ungewöhnliche Exponate zeichnen Bilder seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. So verschmelzen alle Eindrücke dieser Reise zu jenem bunten Mosaik, das den Donauraum bis heute prägt.

„Unsere Reiseroute folgt bewusst nicht der Fließrichtung der Donau, sondern der außergewöhnlichen Kilometrierung dieses Flusses, die mit Kilometer 0 in Sulina beginnt. Die Reise gegen den Strom soll vor allem deutlich machen, dass ein Fluss keine Einbahnstraße ist: Der Austausch hat immer schon in beide Richtungen stattgefunden. Dank der Zusammenarbeit mit zahlreichen regionalen Museen entlang der Donau zeigt die Schau größtenteils Exponate, die in Österreich noch nie zu sehen waren und Geschichten zu erzählen, die einen neuen Blick auf die Donau ermöglichen“, so Kurator Dominik Heher. „Die Ausstellungsreise von Sulina bis in die Wachau soll die Besucherinnen und Besucher dazu inspirieren, den Donauraum auch außerhalb der Mauern der Schallaburg zu erkunden.“

Hausen, gefangen ca. 1905 bei der Raab-Mündung. NHM, Wien

Weltkulturerbe Wachau. Bild: Daniela Matejschek

Alter Leuchtturm in Sulina, 1887. Bild: Juergen Haberhauer

Ausstellungsansicht. Bild: Klaus Pichler

Da der Start der Schau #Corona-bedingt verschoben werden musste, hat die Schallaburg eine digitale Donaureise mit zahlreichen Interview-Videos zusammengestellt. Sogar ein Stör und eine Haselmaus erzählen, und selbstverständlich gibt es das Rezept für Bajai Halászlé nachzulesen. Sehenswert!

www.schallaburg.at/de/donaureise           www.schallaburg.at

27. 5. 2020

Schallaburg 2016: Die 70er – Damals war Zukunft

Februar 22, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Künftig Ausstellungs- und Begegnungsraum

Bild: mottingers-meinung.at

Bild: mottingers-meinung.at

Montagvormittag hat die Schallaburg in einem Pressegespräch sowohl ihre Neupositionierung als auch ihre Zukunftspläne vorgestellt. Man wolle sich künftig nicht nur als Ausstellungszentrum, sondern als Begegnungsraum präsentieren, erklärte der neue künstlerische Leiter Kurt Farasin.

Durch Umbauten, wie etwa die Verlegung der bis dato im Schlossbereich angesiedelten Kassa in ein neues vorgelagertes Besucherzentrum wurde das ganze Areal zu einem Erlebnisraum Schallaburg  – ein Zusammenspiel von Burg, Ausstellung, Garten, Natur und Restaurant. Auch der Eingangsbereich ist neu gestaltet und nimmt die Gäste nun sozusagen „in Empfang“. Neu ist auch, dass die Tageskarte um 11 Euro ohne Aufzahlung zur Saisonkarte wird. Das bedeutet unbegrenzten Eintritt zur Schallaburg während der gesamten Ausstellungssaison. „Damit wollen wir unseren Gästen die Möglichkeit bieten, sich länger mit der Ausstellung zu beschäftigen. Mit dieser Saisonkarte steht einem oftmaligen Wiederkommen nichts mehr im Weg. Das ganze Areal steht zur Verfügung  – jetzt kann man in aller Ruhe einen ganzen Tag bei uns auf der Schallaburg verbringen“, so Farasin.

Die jährlich wechselnden Schauen werden ab diesem Jahr „am Puls der Gesellschaft mit Bezug zur Gegenwart“ liegen. Farasin: „Die gegenwartsorientierten Ausstellungen auf der Schallaburg sollen die Besucherinnen und Besucher geradezu verführen, sich mit individuellen Fragestellungen zu ihrer eigenen Zukunft auseinanderzusetzen. Wir wollen mit ihnen in enge Zusammenarbeit und in einen lebendigen Austausch treten.“

Ein Beispiel dafür: Schon im Vorjahr gab es den Treffpunkt „Ich und wir“; bei der diesjährigen Ausstellung „Die 70er – Damals war Zukunft“ geht die Schallaburg einen Schritt weiter und transportiert diesen Experimentierraum direkt in die Ausstellung. Fünf Debattenräume werden unmittelbar in die Ausstellungskapitel eingebettet und dienen als Forum, Kontaktzone und Platz für Workshops. Einen dieser Debattenräume hat heuer der Künstler Martin Krenn konzipiert. Als historische Referenz diente ihm der legendäre Club 2, das übergeordnete Thema für den Raum lautet: Umkämpfte Vergangenheit – Faschistische und nazistische Kontinuitäten. „Die 70er-Jahre versprachen einst gesellschaftlichen Aufbruch und Demokratie. Doch was wurde davon eingelöst? Das partizipatorische Kunstprojekt ‚Willkommen im Club‘ lädt die Ausstellungsbesucher ein, im Clubraum der Schallaburg Platz zu nehmen und miteinander zu diskutieren. Es wird der Frage nachgegangen, wie die politischen Forderungen von damals heute aktualisiert werden können“, erläutert Krenn.

Womit das Gespräch bei der diesjährigen Ausstellung wäre. Ab 19. März beleuchtet die Schallaburg mit „Die 70er – Damals war Zukunft“ ein Jahrzehnt des gesellschaftlichen Aufbruchs und dessen Visionen von einer neuen Welt. „Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung!“, „Atomkraft? Nein danke!“ oder „Arbeit, Bildung und Wohlstand für alle!“ lauteten damals die Forderungen, ganz ähnlich jenen, die auch jetzt wieder laut werden. Die 1970er waren bewegte Zeiten. Von den Protesten gegen den Vietnamkrieg bis zur Volksabstimmung gegen Zwentendorf. Das „Volk“ regte sich und bewegte damit die Politik. Gratis-Schulbücher, 40-Stunden-Woche, Fristenlösung, der Kampf für alternative Lebensformen – viele Errungenschaften des modernen Sozialstaats sind Kinder der 1970er. Zur Revolution ging man in spacigen Plateauschuhen und schrillen Klamotten. Discokugeln sorgten für „Saturday Night Fever“, während Nina Hagen und die Sex Pistols Skandale provozierten und Freiraum eroberten. Die Ausstellung ruft „am laufenden Band“ Erinnerungen wach und gibt Denkanstöße zur Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Was bewegen? Wie solidarisieren? Wie zusammenleben?

Fünf Debattenräume, als Hommage an Frauencafés, Kinderläden, den Club 2, Wohngemeinschaften und Sit-ins gestaltet, sind unmittelbar in die Ausstellungskapitel eingebettet. Behandelt werden die Themen „Arbeit und Bildung für alle!“ – Versprechen und Brüche im Wohlfahrtsstaat?, „Alles muss sich ändern!“ – Bewegungen, Revolten, Widerstand, „Liberté, Egalité, Pfefferminztee!“ – Alltag und Medien, „Nur die Freiheit stillt den Durst!“ – Kalte und heiße Kriege, „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ – Umkämpfte Vergangenheit und nazistische Kontinuitäten, „Das Private ist politisch, das Politische privat!“ – Alternativ leben, und „Museum für alle!“ – Ausstellungsutopien und das Museum der Zukunft.

Im Restaurant der Schallaburg bereitet man sich schon kulinarisch auf die 1970-Jahre vor. Damals hielten Schinkenrollen, russische Eier und der berühmt-berüchtigte Käse-Igel in der Küche Einzug. Kurt Farasin verspricht: „Toast Hawaii gibt’s sicher!“

www.schallaburg.at

Wien, 22. 2. 2016

Ausstellung auf der Schallaburg zum 1. Weltkrieg

März 24, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Jubel und Elend

http://www1.topfoto.co.uk

http://www1.topfoto.co.uk

Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eröffnet die Ausstellung „Jubel & Elend. Leben mit dem Großen Krieg 1914-1918“ ab 29. März auf der Schallaburg neue Perspektiven auf die so genannte „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Anhand von einschneidenden historischen Fakten, politischen Strömungen, Stimmungen in der Bevölkerung und vor allem anhand von einzelnen Schicksalen wird der „Große Krieg“ in seinen Ursprüngen und seine Folgen beleuchtet.
Am Anfang steht ein modernes Europa, in dem innovative DenkerInnen wie Bertha von Suttner („Die Waffen nieder!“) Nobelpreise erhalten und Kreative wie Kasimir Malewitsch („Sieg über die Sonne“, 1913) die Grenzen der Kunst ausloten. Ein vom Militär faszinierter Geist und ein leidenschaftlicher Nationalismus beherrschen jedoch weite Kreise des Bürgertums. Ein Teil des Volkes zieht im August 1914 unter Jubel in den Krieg. Warnende Rufe verhallen angesichts der Kriegseuphorie. Bald zeigt der Krieg allerdings sein unverblümtes Gesicht: Das große Sterben setzt ein. 

Die Ausstellung beleuchtet den Alltag an der Front im Stellungskrieg, im Gebirge und zur See. Sie ermöglicht aber auch Einblicke in die globalen Dimensionen des Konflikts, in die so genannte „Heimatfront“, aber auch in die „inneren Fronten“, thematisiert Kriegsgefangenschaft, Hinrichtungen und das Spionagewesen. Die Propagandamaschinerie von Staat, Kirche und Medien läuft auf Hochtouren. Ihr gegenüber steht die Ratlosigkeit von Militär und Politik, wie man den Krieg wieder stoppen kann, ob durch Wunderwaffen oder einen „Siegfrieden“. Schließlich beendet die komplette wirtschaftliche Erschöpfung die Schlachten. Die traumatischen Erfahrungen werden nach 1918 verdrängt und nicht aufgearbeitet. Viele Menschen ziehen ihre Uniformen im Geiste bis 1945 nicht mehr aus.
„Jubel & Elend“ auf der Schallaburg ist die größte Ausstellung, die es jemals im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg gegeben hat. An die 1.000 Exponate von 140 nationalen und internationalen Leihgebern werden gezeigt. Die Ausstellung ist von 29. März bis 9. November 2014 zu sehen.

Tipp: Ausstellung „WoMen at War“

Bei Kriegsausbruch 1914 herrschte eine, aus heutiger Sicht unverständliche Kriegsbegeisterung, die nachhaltig von der Kriegspropaganda aufrechtzuerhalten versucht wurde. Beliebte Motive bildeten dabei immer wieder Frauen in patriotischer Darstellung, die  man auf diese Art für die Kriegsführung nutzte. In Wirklichkeit bedeutete der Abschied von dem in den Krieg ziehenden Mann, so schmerzlich er auch war, einen weiteren wichtigen Schritt zur Aufwertung der Frau, da sie nunmehr allein die Familie und damit ihre Existenz sichern musste. Das alleinige Sorgerecht um die Kinder,  sowie die wirtschaftliche Verantwortung um Wohnung, Haus oder Hof oblag der Frau. Je länger  der Krieg dauerte, umso schwieriger wurde dieser Kampf um das tägliche Überleben. Die Sonderausstellung „WoMen at War k.u.k. Frauenbilder 1914-1918“ in der Galerie in der Bezirkshauptmannschaft Melk beleuchtet von 30. Juni bis 30. September einerseits in welch vielfältiger Form Frauen im und für den Ersten Weltkrieg aktiv waren, und anderseits, wie das Bild der Frau für Propagandazwecke benutzt und sie als billige Arbeitskraft missbraucht wurde. Der Eintritt ist frei.

Mit einem Ticket der Sommerspiele Melk (auf dem Spielplan steht „Metropolis“ von Fritz Lang) erhalten Sie auf der Schallaburg eine kostenlose Eintrittskarte zu Ausstellung. Mit einer Eintrittskarte der Schallaburg sind die Karten bei den Sommerspielen Melk um 15 Prozent ermäßigt.

www.jubelundelend.at

www.wachaukulturmelk.at 

www.stadt-melk.at

Zum Nach- und Weiterlesen

Christopher Clark, „Die Schlafwandler“, DVA. Unverzichtbar für alle, die mehr über die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges erfahren möchten. Mit zum Teil neuen Erkenntnissen.

Hans Magenschab, „Der Große Krieg. Österreich im Ersten Weltkrieg 1914-1918“, Tyrolia Verlag. Reich bebilderter Band über das Leben, Leiden und Sterben an der Front und im Hinterland.

Manfried Rauchensteiner, „Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie 1914–1918“, Böhlau Verlag. Packendes Panorama vom Ende der Habsburgermonarchie von einem Militärhistoriker.

Wien, 24. 3. 2014

Literaturwochenende auf der Schallaburg

Oktober 15, 2013 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Mit Josef Winkler, Ilija Trojanow, Susanne Scholl und Edith Kneifl

Ilija Trojanow Bild: Peter-Andreas Hassiepen

Ilija Trojanow
Bild: Peter-Andreas Hassiepen

Am 19. und 20. Oktober lädt die Schallaburg zu einem besonderen Literaturwochenende. Passend zur aktuellen Ausstellung „Das Indien der Maharadschas“ werden der Büchner-Preisträger Josef Winkler und Bestseller-Autor Ilija Trojanow den Samstagabend eine Lesung mit anschließendem Gespräch mit  Literaturwissenschafter Klaus Zeyringer gestalten. Mit ihren Werken „Mutter und der Bleistift“ (Josef Winkler, Suhrkamp 2013) und „Gebrauchsanweisung für Indien“ (Ilija Trojanow, Piper 2006) beleuchten sie das Phänomen „Indien“ aus literarischer Perspektive. Der Ausklang mit Wachauer Wein  leitet thematisch  zum Sonntag über. Da lädt nämlich Kurt Farasin um 11 Uhr zum (Lust)wandern und (Lust)wandeln in den historischen Garten der Schallaburg ein. Dabei ist zum Beispiel zu erfahren, dass die Gärten der indischen Großmoguln Vorbilder für die Renaissance-Gärten in Europa waren oder dass sich später so mancher indischer Maharadscha beim Bau seines Palastes an Renaissanceschlössern inspirierte.  Zwei weitere Weltbürgerinnen übernehmen im Anschluss mit Lesungen aus ihrem Werk „Donauweiber“ (Edition Aramo 2012) das Ruder. Susanne Scholl, Ikone der Osteuropa-Berichterstattung, portraitiert mit ihren Texten die Starköchin Lisl Wagner-Bacher. Die heimische Krimi-Größe Edith Kneifl begibt sich mit Texten über die Kapitänin Birgit Brandner auf stürmische Fahrt (Moderation: Sylvia Treudl, Unabhängiges Literaturhaus NÖ).

Zeit: Samstag, 19. Oktober 2013, 19:00 Uhr: Lesung und Diskussion zum Thema „Indien“

Josef Winkler und Ilija Trojanow, Moderation: Klaus Zeyringer

Sonntag, 20. Oktober 2013, 11:00 Uhr: Schlossgartenwanderung und Lesung

Gartenführung: Kurt Farasin

Lesung: Susanne Scholl und Edith Kneifl, Moderation: Sylvia Treudl

www.schallaburg.at

Wien, 15. 10. 2013