Volksoper: Wonderful Town

Dezember 10, 2018 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Sarah Schütz rockt die Show

In Greenwich Village geht es hoch her: Olivia Delauré als Eileen, Sarah Schütz als Ruth, Peter Lesiak als „The Wreck“ Loomis, Ines Hengl-Pirker als Violet, Cedric Lee Bradley als Speedy Valenti und das Wiener Staatsballett. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Mit Standing Ovations endete gestern Abend die Premiere von „Wonderful Town“ an der Volksoper. Zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein wollte Hausherr Robert Meyer dem Publikum etwas Besonderes bieten, und das ist mit dieser Musical-Rarität hervorragend gelungen. Stimmt an der Aufführung, die Inszenierung eine Koproduktion mit der Staatsoperette Dresden, doch einfach alles – von der gewitzten Regie Matthias Davids‘ über das schwungvolle Dirigat von James Holmes.

Bis zu den darstellerischen Leistungen, allen voran die von der Elbstadt nach Wien übersiedelten Volksopern-Debütantinnen Sarah Schütz und Olivia Delauré als Schwesternpaar Ruth und Eileen Sherwood. Sarah Schütz rockt die Show! Inhaltlich ist „Wonderful Town“ keine große Sache: Die beiden Landpomeranzen Ruth und Eileen kommen aus Ohio in den Big Apple, um dort ihre unbegrenzten Möglichkeiten auszuloten. Die eine ist klug, aber ungeküsst, die andere eine Schönheit, erstere will Schriftstellerin werden, zweitere Schauspielerin. Man mietet eine schäbige Unterkunft in Greenwich Village – und schon geht das Spiel um viele Verehrer und ein paar Troubles los, Happy End absehbar. Joseph Fields und Jerome Chodorov schrieben das Libretto entlang ihres Theaterstücks „My Sister Eileen“, Betty Comden und Adolph Green die Liedtexte, und erst diese in Kombination mit Bernsteins famoser Musik machen das Musical aus dem Jahr 1953 einzigartig.

Die brasilianischen Seekadetten interessiert nur die Conga: Olivia Delauré als Eileen und das Wiener Staatsballett. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Ruth überzeugt die Gäste im Village Vortex vom Swing: Sarah Schütz und das Wiener Staatsballett. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Bernstein lässt den Rhythmus New Yorks in all seinen Facetten pulsieren. Rasant reiht sich Broadwaysound an Jazzelemente an Swing, dann wieder wird’s statt stürmisch smooth. James Holmes führt das Volksopernorchester mit viel Drive wie eine Big Band, er folgt Bernsteins Einfallsreichtum punktgenau, kann’s etwa bei der Conga der brasilianischen Seekadetten witzig-spritzig, beim Schwesternduett „Ohio“ auf Country-&-Western-Art oder bei Robert Bakers „Ein stilles Girl“ elegisch lyrisch. Matthias Davids belässt die Handlung in den 1930er-Jahren, er hat sich mit seiner wirbelwindigen Arbeit am Stil der Screwball-Comedys orientiert, setzt auf Tempo, Temperament und Timing, und setzt auf den Wortwitz der für Wien von Christoph Wagner-Trenkwitz angepassten Vorlage.

Damit die zahlreichen Szenenwechsel ruckzuck funktionieren, hat Mathias Fischer-Dieskau ein Bühnenbild aus einer drehbaren Skyline und verschiebbaren Skyscrapern, inklusive Flat Iron und Chrysler Building, erdacht, das den American Dream im Reich und Arm zwischen dem abgewohnten Souterrain der Sherwood-Schwestern und von Neonreklame beschienenen Nachtklubs ansiedelt. Als Kostüme gibt es dazu von Judith Peter stilgerecht schwingende Glockenkleider, Trenchcoats samt kecken Hütchen und Marlenehosen.

Peter Lesiak als „The Wreck“ Loomis und das Wiener Staatsballett. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Cedric Lee Bradley als Speedy Valenti und das Wiener Staatsballett. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

In diesem Setting dreht sich das Großstadtkarussell um Sarah Schütz und Olivia Delauré. Und die beiden erweisen sich nicht nur als sängerisch wunderbares Sopran-Alt-Duo, sondern auch als großartige Komödiantinnen, die herb Nüchterne und die flirty Naive, die es verstehen, mit trockenem Humor ihre Pointen zu setzen. Delauré gibt die Eileen mit Charme und jener unschuldigen Mädchenhaftigkeit, in der ihr gar nicht bewusst zu sein scheint, dass die Männer um sie kreisen, wie die Motten ums Licht. Das Bühnengeschehen allerdings dominiert Sarah Schütz, die ihre Ruth mit einer gepfefferten Portion Sarkasmus ob ihres Nicht-so-hübsch-wie-die-Schwester-Seins ausstattet. Schütz hat Stimme, Spielfreude und Showtalent – und sorgt für etliche starke Momente. Etwa, wenn sie ihre „Hundert gold’nen Tipps, einen Mann zu verlier’n“ zum Besten gibt. Oder, wenn sie, als der Zeitungsredakteur Robert Baker endlich ihre melodramatischen Kurzgeschichten liest, diese für ihn auch gleich visualisiert.

Die Herren haben es neben so viel Frauenpower nicht leicht, zu bestehen. Hervorragend gelingt das Drew Sarich als verkopftem Bob Baker, der erst einen Schubs in die richtige Richtung Liebe braucht, ein gelungenes Rollenporträt von Sarich, wie Bob vom beruflichen Verlierer zum Gewinner im Leben wird, und Peter Lesiak als abgehalftertem Footballhelden „The Wreck“ Loomis. Trotz von Direktor Meyer angekündigter Verletzung und ergo Knieschiene tanzt und tobt Lesiak über die Bühne, dass man mitunter nicht umhin kann, um sein Wohlergehen zu fürchten … Christian Graf gefällt in mehreren Rollen, darunter als Schmierfink Chick Clark, Christian Dolezal als unfreundlicher Vermieter und untalentierter Maler Appopolous, Oliver Liebl unter anderem als verhuschter Feinkost-Filialleiter Frank Lippencott, Cedric Lee Bradley als geschmeidiger Speedy Valenti.

Vorstellungsgespräch in der Zeitungsredaktion: Oliver Liebl als Redakteur, Drew Sarich als Robert Baker, Jakob Semotan als Redakteur und Sarah Schütz als Ruth Sherwood. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Der begnadete Tänzer dominiert auch immer wieder die handlungstragenden, revueartigen Choreografien von Melissa King. In riesigen Chor- und Ballettszenen zeigen der Volksopernchor, der sich nicht nur in der Figurengestaltung perfekt, sondern auch in kleinen Solonummern präsentiert, und das Wiener Staatsballett die ganze Bandbreite ihres Könnens. „Wonderful Town“ an der Volksoper ist ein rundum gelungener Gute-Laune-Abend. Kein Wunder, dass es die Zuschauer zum Schluss nicht mehr auf ihren Sitzen hielt.

Kurzeinführung: www.youtube.com/watch?v=LhKenAg3pw0

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  1. 12. 2018

Volksoper: Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit

Juni 13, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Hohepriester des Glamrock

Drew Sarich als Antonio Vivaldi und Morten Frank Larsen als Kardinal Ruffo mit dem Jugendchor der Volksoper. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Es ist schwer, etwas zu schreiben, wenn ringsum alles ständig in frenetischen Jubel ausbricht. Aber ehrlich, „Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit“, das ist, als wäre die Wallgasse explodiert, und große Brocken davon hätten die Währinger Straße applaniert. Die Neuerfindung BaRock-Oper ist nicht einmal ein One-Hit-Wonder, einfach, weil nicht einer drin ist. Christian Kolonovits hat einen wabernden Soundteppich komponiert.

Achtziger-Jahre-Glamrock-Bombast, aus dem ab und zu ein Stückl Vivaldi hervorlugt. Die vier Jahreszeiten, meist der – Achtung, doch ein Ohrwurm – Frühling, weil der ja aus Werbung und Fahrstühlen bestens bekannt. Dazu hat Angelika Messner ein Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Libretto verfasst. Es ist ein Glück, dass es in Brocken oft edle Einschlüsse gibt, und als ein solcher entstieg Drew Sarich der musikalischen Tonnenlast und brachte die Volksoper zum Funkeln.

Die Handlung von „Vivaldi“ ist nicht nur ein Mix aus Fakt und Fiktion, sondern gleichsam die Skript gewordene Matrjoschka-Puppe: Es gibt nicht eine Klammer, sondern zwei. Eine venezianische Girl Group kommt nach Wien, wo Vivaldi 1741 gestorben ist, um die Partitur zur mysteriösen „Fünfen Jahreszeit“ zu suchen. Stattdessen findet sich ein Tagebuch von Paolina Girò, Vivaldis Haushälterin und Schwester seiner Muse und großen Liebe Annina. Die Mädchen lesen – und treffen auf einen gealterten Vivaldi, der Goldoni seine Lebensgeschichte erzählt, damit der daraus ein Theaterstück macht. Wirklich war Goldoni zwei Mal Librettist für Vivaldi – und beide Male ging’s nicht ohne Reibereien ab.

Vivaldis Lebensbericht beginnt bei seinen Jahren als Wunderknabe, Priesterweihe, Leitung des Mädchenorchesters des Ospedale della Pietà, die Girò-Schwestern, Ruhm, Hochmut, Fall – weil seine Musik im Laufe der Jahre aus der Mode kam, Rom, Demütigung, Wien in Hoffnung auf den Kaiser, der stirbt erst, dann Vivaldi. Goldoni ist dem Geschehen zu diesem Zeitpunkt bereits irgendwie abhanden gekommen. Aber die Mädchen! Haben erkannt! „Die fünfte Jahreszeit“ sind … na? na? – genau! Dass sich das Ganze allem Anschein nach bierernst nimmt, macht die Sache nicht besser, eine tatsächlich witzige Szene von halbnackten römischen Kardinalen in der Sauna (in der sich „heiß“ sehr günstig auf „Schweiß“ reimt) wirkt dadurch wie ein Fremdkörper.

Rebecca Nelsen (Annina Girò), Drew Sarich (Antonio Vivaldi). Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Boris Pfeifer (Carlo Goldoni / Kaiser), Drew Sarich (Antonio Vivaldi), Rebecca Nelsen (Annina Girò), Julia Koci (Toni / Paolina Girò), Chor. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Drew Sarich (Antonio Vivaldi), Komparserie. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Der historisch belegte Umstand, dass da ein geweihter Priester jahrelang eine ménage à trois lebte, wird als Reibefläche verschenkt. Ebenso die – nicht belegten – pädophilen Neigungen von Vivaldis Mentor Kardinal Ruffo. Auch der in Rom verlangte Sangeswettstreit Koloratursopran vs Kastrat wird nicht ausgereizt. Seufz. Mehr Steilvorlagen hat der Stoff nicht. Vivaldis Leben, lucky him, ist ungefähr so konfliktbelastet wie eine gutbelegte Quattro Stagioni. Um das wenige, das da ist zu unterstreichen, stürzt sich die Regie auf greifbare Stereotype:

Drew Sarich steigt direkt aus dem Totenkopf-Tank-Top in die Soutane. Huch, welch ein Rebel! Christoph Cremers weitere Kostüme schwelgen in grellen Pink-Gelb-Kombinationen von Minirock und Krinoline, dazu schrille Falco/Amadeus-Perücken.

Wer’s tatsächlich rausreißt, sind die Darsteller. Drew Sarich ist ein sexy Priester-Punk, der sich, wenn recht gehört, bis zum Hohen H emporschraubt. Sein spitzbübischer Charme, mit dem er den Prete Rosso ausstattet, sein Bühnencharisma sind wie immer unübertroffen. Boris Pfeifer brilliert als pfiffiger Goldoni, ein Spielmacher, der über die Bühne turnt – und in Ermangelung des echten, die Persiflage eines Kaisers gibt. Rebecca Nelson und Julia Koci sind schön stimmgewaltig als Annina und Paolina, Koci rockt als Toni auch noch als Teil der Girl Group.

Der Mädchenchor der Volksoper ist musikalisch hinreißend und teenagerzickig sympathisch. Und Countertenor Thomas Lichtenecker als Paradiesvogel-Kastrat Cafarelli holt einen im Wortsinn aus dem Sitz. Schade, dass er nur einen Song hat. Morton Frank Larsen ist als Kardinal Ruffo der sinistre Bösewicht des Stücks, allerdings erscheint die Partie für ihn ein wenig zu tief.

Der vielleicht schönste Auftritt in „Vivaldi“ ist der von Annina beim Vorsingen. Da kommt sie „verkleidet“ als große Diva, bis Vivaldi ihr sagt, sie solle die Perücke runterräumen und aus dem Fummel steigen: „Du musst dich von allen Klischees befreien!“ Was soll man sagen? Annina hat’s getan …

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Wien, 13. 6. 2017

Volksoper Wien: Der Spielplan der Saison 2016/17

April 15, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Drew Sarich debütiert in einer Uraufführung am Haus

Spielplanpräsentation: Direktor Robert Meyer und der kaufmännische Geschäftsführer Christoph Ladstätter. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Spielplanpräsentation: Direktor Robert Meyer und der kaufmännische Geschäftsführer Christoph Ladstätter. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

„Mehr geht an der Volksoper nicht mehr“, berichtet deren Direktor Robert Meyer erfreut, als er Freitag Vormittag gemeinsam mit seinem kaufmännischen Geschäftsführer Christoph Ladstätter den Spielplan für die Saison 2016/17 präsentierte. Zehn Premieren stehen auf dem Programm, davon eine im erstmals zur Spielstätte für das Haus auserkorenen Kasino am Schwarzenbergplatz und eine Uraufführung.

Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit: Drew Sarich debütiert am Haus. Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper

Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit: Drew Sarich debütiert am Haus. Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper

Diese verspricht eines der spannendsten neuen Projekte zu werden, bringt sie doch erstmals Musicalstar Drew Sarich von den Vereinigten Bühnen Wien, wo er derzeit den Che in „Evita“ gibt, an die Volksoper. Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit heißt das Werk aus der Feder von Christian Kolonovits und Angelika Messner, eine „BaRock“-Oper über das Leben des Antonio Vivaldi, mit, sagt Meyer, „der Betonung auf Rock, denn im Orchestergraben wird auch eine Rockband sitzen. Das wird etwas völlig Neues für die Volksoper.“ Sarich spielt den „prete rosso“, den roten Priester Vivaldi, den Superstar der Barockmusik schlechthin. Nicht umsonst genoss das von ihm geleitete erste Damenorchester der Welt mit Mädchen aus dem Waisenhaus „Ospedale della Pietà“  legendären Ruf. Robert Meyer inszeniert. Mit dabei sind außerdem Boris Pfeifer und Morton Frank Larsen. Premiere ist am 3. Juni 2017.

In zwei weiteren Produktion wird Robert Meyer als Darsteller auf der Bühne stehen. Kurz vor Weihnachten, ab 9. Dezember, in Emmerich Kálmáns Die Zirkusprinzessin als Oberkellner Pelikan. Die Regie übernimmt einmal mehr Thomas Enzinger, der von seiner „Gräfin Mariza“ Carsten Süss und Astrid Kessler als Zirkusartist Mister X und dessen angebetete Fürstin Fedora mitnimmt. Otto Jaus, 2014 mit dem österreichischen Kabarettpreis ausgezeichneter Schauspieler „und ein bemerkenswerter Kollege, auf den ich mich schon sehr freue“, so Meyer, debütiert als Buffo Toni Schlumberger. Kurt Scheibmayer gibt den intriganten Fürsten Sergius Vladimir, Alfred Eschwé hat die musikalische Leitung inne. Am 25. Februar 2017 folgt dann das Musical Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen mit Robert Meyer in der ehemaligen Theo-Lingen-Rolle. Mathias Schlung, auch er erstmals am Haus, übernimmt den einstigen Part von Harald Juhnke. Erzählt wird ein american dream, die Geschichte eines Fensterputzers, der es nur mit seinem bubenhaften Charme und einer gehörigen Portion Chuzpe in die höchste Firmenetage schafft. Das Leading Team von „Sweeney Todd“, Joseph R. Olefirowicz, Matthias Davids und Mathias Fischer-Dieskau, wird das Werk des großen Broadwaykomponisten Frank Loesser auf die Bühne heben.

Mit dem Kasino am Schwarzenbergplatz hat die Volksoper eine neue, ideale Spielstätte gefunden, um künftig jedes Jahr ein zeitgenössisches Musiktheaterwerk herauszubringen. Die erste Premiere wird am 12. Februar 2017 dem deutschen Komponisten Manfred Trojan und seiner Trilogie Limonen aus Sizilien nach Texten von Luigi Pirandello und Eduardo De Filippo gewidmet. Wie sich Oper im Kasino platztechnisch ausgeht, erklärt Robert Meyer so: „Es ist ein Werk ohne Chor und ohne Ballett, mit acht Solisten aus dem Haus. Ich war mit meinen Musikern dort und habe mir alles angesehen: Wir brauchen ein 18-köpfiges Orchester, das geht sich aus. Und den schönen Ballsaal verwenden wir gleich statt eines Bühnenbilds als Dekoration.“ Die musikalische Leitung hat Gerrit Prießnitz, Mascha Pörzgen gibt als Regisseurin ihr Hausdebüt. Die Hauptrolle der unglücklichen Ehefrau Giulia Fabbri übernimmt Rebecca Nelsen, David Sitka ist Giulias Sohn, der in der dritten und letzten Episode von Carsten Süss gespielt wird. Verbunden sind die Geschichten durch das Motiv der Limone als Symbol für die Heimat, vor der es kein Entrinnen gibt.

Axel an der Himmelstür: Bettina Mönch und Andreas Bieber. Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper

Axel an der Himmelstür: Bettina Mönch und Andreas Bieber. Bild: Johannes Ifkovits/Volksoper

Zum Saisonauftakt am 17. September bringt die Volksoper mit Ralph Benatzkys Axel an der Himmelstür einen Hauch Hollywood nach Wien. „Mit dieser Operette wurde niemand geringerer als Zarah Leander über Nacht zum Star“, erzählt Robert Meyer. Nun, 80 Jahre später, kommt die Geschichte um den Möchtegern-Reporter Axel, der seine Karriere mit einer Story über die Leinwandgöttin Gloria Mills anschieben will, erstmals auf die Bühne der Volksoper. In Szene gesetzt von Peter Lund und mit neuen musikalischen Arrangements von Kai Tietje. Mit Andreas Bieber als Axel und Bettina Mönch als Gloria Mills, Boris Eder und Johanna Arrouas.

Die erste Opernpremiere der kommenden Saison ist Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen am 15. Oktober. Die spektakuläre Inszenierung von Renaud Doucet und seinem Ausstatter André Barbe, die an der Volksoper bereits „Turandot“ und – seit heute als Wiederaufnahme zu sehen – „Sound of Music“ gezeigt haben, ist eine Kooperation mit der Oper Bonn. Gerrit Prießnitz steht am Pult. Als Dichter Hoffmann kehrt Mirko Roschkowski ans Haus zurück, die Rolle der Muse/Nicklausse übernimmt Juliette Mars. Josef Wagner, in dieser Saison Achim Freyers großartiger „Don Giovanni“, spielt in wechselnder Gestalt die Bösewichter. Am 28. Jänner 2017 folgt konzertant Erich Korngolds Das Wunder der Heliane mit Meagan Miller, Daniel Kirch und Martin Winkler, dirigiert von Jac van Steen. Am 25. März 2017 kommt erstmals Alfredo Catalanis La Wally an die Volksoper. Kurt Rydl wird den Stromminger geben. Astrid Kessler singt die Titelheldin, Endrick Wottrich und Martin Winkler verkörpern die beiden Konkurrenten Giuseppe Hagenbauch und Vincenzo Gellner. Die musikalische Leitung der Neuproduktion übernimmt Marc Piollet, die Inszenierung obliegt Aron Stiehl.

An Ballett-Premieren erwarten das Publikum: Aschenputtel am 13. November. Star-Choreograf Thierry Malandain, 2014 mit dem Europäischen Taglioni-Ballett-Preis ausgezeichnet, entwickelt die Geschichte mit zwanzig Tänzerinnen und Tänzern des Wiener Staatsballetts an der Volksoper als eine sehr persönliche Version, die „aus Asche und Magie“ entstanden ist. Und „Der Feuervogel“, „Petruschka“ und „Pulcinella“ – drei junge Choreographen aus der Kompanie des Wiener Staatsballetts interpretieren diese bedeutenden Bühnenwerke des 20. Jahrhunderts. Während sich András Lukács von Strawinskis „Pulcinella“ zu der Choreographie Movements to Stravinsky inspirieren lässt, gestalten Andrey Kaydanovskiy den Feuervogel und Eno Peci Petruschka neu. Premiere ist am 28. April 2017.

Erste Zahlen für die laufende Saison legte der kaufmännische Geschäftsführer Christoph Ladstätter vor: Mit den ausverkauften Produktionen „Der Mann von La Mancha“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=15433), „Die Schneekönigin“, „Kismet“ und „Der Kongress tanzt“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=17709) liege man derzeit bei beinah 83 Prozent Auslastung, „womit wir mit der Saison 15/16 insgesamt einen Einnahmerekord anvisieren“. Was Ladstätter besonders gern berichtet: „In den vergangenen drei Jahren ist uns bei Kindern, Jugendlichen und Studenten als Publikum eine Zuschauersteigerung um 46 Prozent gelungen.“

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Wien, 15. 4. 2016

„Evita“ kehrt nach Wien zurück: Premiere im Ronacher

Dezember 2, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Thomas Borchert und Drew Sarich als Perón und Che

EV_DINA4_Solo_300dpiAndrew Lloyd Webbers und Tim Rices Welterfolg „Evita“ wird wieder in Wien zu sehen sein: Am 9. März ist Premiere im Ronacher. Damit kehrt das berühmte Musical nach 35 Jahren erstmals wieder in der Fassung von Michael Kunze an den Ort zurück, an dem die deutschsprachige Erstaufführung stattfand. Am Mittwoch präsentierte Vereinigte-Bühnen-Intendant Christian Struppeck die Pläne für die Produktion: „Ich bin außerordentlich stolz, den berühmten Hollywood-Regisseur Vincent Patterson für die Regie und Choreographie unserer neuen Fassung gewonnen zu haben, der schon die preisgekrönte Verfilmung mit Weltstar Madonna in der Titelrolle choreographiert hatte. Und natürlich freut es mich ebenso, dass wir mit unseren Stars Katharine Mehrling, Drew Sarich und Thomas Borchert eine hochkarätige Besetzung gewinnen konnten.“

Patterson war bei der Präsentation des Casts nicht anwesend, bekam von Evita-Darstellerin Katharine Mehrling allerdings seltsame Blumen gestreut: „Wenn er mit einer Person spricht, dann kriecht er fast in sie hinein.“ Die deutsche Schauspielerin und Sängerin hat mit dem Musical ihre persönliche Wien-Premiere, die anspruchsvolle Titelrolle aber schon gesungen. „Man muss diese Figur verstehen, um sie lieben zu können“, unterstrich sie ihren Bezug zur argentinischen Diktatorengattin und Ikone. Ihr sei lieber, wenn ein Charakter nicht platt, sondern mehrdimensional und durchaus kritisch zu betrachten sei. Und bei Evita gehe es genau um diese Janusköpfigkeit zwischen Heiligenschein und Grausamkeit. Mehrling zur Seite stehen zwei hiesige Publikumslieblinge: Thomas Borchert als Präsident Juan Perón – derzeit ist er als Vater Leopold in „Mozart!“ zu sehen – und Wahl-Wiener Drew Sarich als Frauenheld und Revolutionär Che. „Che ist eine herrliche Rolle“, schwärmt er. „Nicht nur, weil er der einzige ist, der mit dem Publikum spricht und es auf seine Seite zieht. Er ist charismatisch, charmant und sexy. Er und Evita sind wie zwei wilde Tiere, darauf aus, sich gegenseitig zu zerfleischen. Was will man von einer Rolle mehr?“

Bei diesem Cast denkt Christian Struppeck bereits jetzt laut über eine Verlängerung nach: Sie sei möglich, wenn die Auslastungszahlen stimmen.

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Wien, 2. 12. 2015

„Love Never Dies“ im Ronacher

Oktober 15, 2013 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Phantom spukt in den USA

Bild: Vereinigte Bühnen Wien

Bild: Vereinigte Bühnen Wien

Ab 18. Oktober ist im Ronacher Andrew Lloyd Webbers „Love Never Dies“ als konzertante Aufführung zu sehen. Inhalt der „Phantom der Oper“-Fortsetzung: 1907, rund 10 Jahre nach den dramatischen Ereignissen an der Pariser Oper, betreibt das Phantom auf Coney Island, der glitzernden Welt der New Yorker Vergnügungsparks, eine Vaudeville-Bühne. Doch selbst dieser prächtige Ort vermag ihn nicht über den Verlust seiner großen Liebe Christine hinwegzutrösten. Inkognito engagiert er die inzwischen weltberühmte Sopranistin für seine Show. Bald muss Christine, die mit ihrem Mann Raoul und ihrem 10jährigen Sohn Gustave angereist ist, die Wahrheit erkennen. Und während ein ob seiner Spielsucht hoch verschuldeter Raoul sich dem Alkohol hingibt, schwelgen das Phantom und Christine in Erinnerungen an ihre letzte gemeinsame Nacht in Paris und enthüllen ein völlig  anderes Ende der Verfolgungsjagd vor so vielen Jahren. Das Phantom überredet den von Selbsthass geplagten Raoul zu einer verhängnisvollen Wette: Sofern Christine wie geplant auftritt, müsse Raoul die Insel allein verlassen. Singt sie nicht, will das Phantom alle Schulden des Ehepaars begleichen und aus ihrem Leben verschwinden. Doch während das fatale Ränkespiel um Liebe, Zurückweisung und Eifersucht immer weiter eskaliert, übersehen die Beteiligten, dass Gefahr von einer ganz anderen Seite droht…

Die Besetzung kann sich sehen und hören lassen: Allen voran kehrt Publikumsliebling Drew Sarich  heim nach Wien und zu den VBW und wird den begehrten Part des Phantoms übernehmen. An seiner Seite die „Natürlich Blond“-Hauptdarstellerin Barbara Obermeier, die die Rolle der Meg Giry singt. Der Part ihrer Freundin und Ex-Angebeteten des Phantoms Christine Daée wird von der bezaubernden Milica Jovanovic („The Sound of Music“ in Salzburg) gesungen. Madame Giry wird  Musicalstar Maya Hakvoort verkörpert. Der charismatische Julian Looman („Soldaat van Oranje“) ist Raoul. Für die Regie zeichnet wie auch schon 2012 Andreas Gergen, Operndirektor des Landestheaters Salzburg, verantwortlich; es spielt das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter der Leitung von VBW-Musikdirektor Koen Schoots. Andrew Lloyd Webber entwirft in seiner Partitur wieder einmal ein einzigartiges, beeindruckendes Spektrum phantastischer Melodien mit „Gänsehautfaktor“, die mit rockigen Passagen, großen Gefühlen und prächtigem Orchestereinsatz auftrumpfen. Intendant Christian Struppeck: „Mit der konzertanten Fassung von Webbers „Love Never Dies“ führen wir einerseits die bereits 2012 erfolgreich mit dem „Phantom“ gestartete Konzertreihe der VBW fort und schließen andererseits auch inhaltlich an das Vorjahr an. „Love Never Dies“ wird hier bei uns in Wien erstmals im deutschsprachigen Raum zu hören sein. Ein guter Anlass, um unserem VBW-Orchester in großer Symphoniebesetzung eine Bühne geben zu können.“

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Wien, 15. 10. 2013