Museum der Moderne Salzburg: Fly Me to the Moon

Juli 15, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Schau zu 50 Jahre Mondlandung

Vladimir Dubossarsky & Alexander Vinogradov: Cosmonaut No. 1, 2006. Courtesy Vladimir Dobrovolski

Mit einer großen Ausstellung begeht das Museum der Moderne Salzburg das Fünfzig-Jahr-Jubiläum der ersten Mondlandung, die wie kaum ein Ereignis davor und danach das Verhältnis zwischen den Menschen und dem Weltall veränderte. Ein fantastischer Streifzug durch die Geschichte der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Mond erwartet Besucherinnen und Besucher in der Schau „Fly Me to the Moon. 50 Jahre Mondlandung“, die ab 20. Juli zu sehen ist.

Im Mittelpunkt der als Parcours konzipierten Ausstellung steht die titelgebende erste Mondlandung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin vor 50 Jahren. Umrahmt wird sie von Einblicken in die Wissenschafts- und Kunstgeschichte sowie von einer Betrachtung der Folgen und Auswirkungen dieses weltbewegenden Ereignisses.

Die etwa 280 präsentierten Exponate – von Kupferstichen über Gemälde bis hin zu Fotografie, Videokunst und multimedialen Installationen – zeugen von den unterschiedlichen Bedeutungsebenen, die der Mond in wissenschaftlicher, künstlerischer, philosophischer und utopischer Hinsicht besitzt. Der Schwerpunkt liegt auf Kunstwerken des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Eine Vielzahl der gezeigten Werke stammt aus der hochkarätigen Sammlung des Kooperationspartners Kunsthaus Zürich, ergänzt durch weitere Leihgaben sowie Arbeiten aus der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg.

„Seit Jahrtausenden übt der Mond eine enorme Faszination auf die Menschen aus, und mit dieser Ausstellung nehmen wir das Jubiläum der Mondlandung zum Anlass, um den Mond und die Reise dorthin als Thema und Herausforderung für die Kunst näher zu betrachten. Der erstmalige Blick von außen auf den Erdball hat ein neues Bewusstsein für die Fragilität unserer Existenz geweckt und der Blaue Planet selbst wurde zum Sinnbild des Lebens und seiner Verletzlichkeit, was sich auch nachhaltig in künstlerischen Auseinandersetzungen niederschlug“, so Thorsten Sadowsky, Direktor des MdM Salzburg.

Der erste Teil der Ausstellung und somit der Beginn des Rundgangs thematisiert die historische Bedeutung des Mondes, von Galileo Galilei bis hin zur klassischen Moderne. Zu sehen sind in diesem Abschnitt Arbeiten aus jener Zeit, in der das tatsächliche Betreten der Mondoberfläche für die Menschen noch ein fantastischer Traum war. Nichtsdestotrotz gelang es durch technische Errungenschaften, wie etwa durch das Teleskop, detaillierte Beobachtungen des Erdtrabanten anzustellen, wovon zahlreiche künstlerische Werke zeugen. Dem epochalen Ereignis am 20. Juli 1969 und den vorausgegangenen politischen und technischen Entwicklungen ist der zweite Teil der Ausstellung gewidmet. Als am 4. Oktober 1957 die Sowjetunion das erste künstliche Objekt – den Satelliten Sputnik – erfolgreich in die Erdumlaufbahn brachte, löste das im Westen den sogenannten „Sputnikschock“ aus und läutete zugleich das space race zwischen den USA und der Sowjetunion ein.

Hans Baluschek: Illustrationen Gerdt Bernhard von Bassewitz, Verlagsanstalt Hermann Klemm, Berlin-Grunewald: Peterchens Mondfahrt, 1928. Dt. Märchenbücherei Inv.-Nr.:A 82-031 Bröhan-Museum, Berlin. Bild: Bildarchiv Bröhan-Museum, Berlin

Robert Rauschenberg: Ape, 1969. Aus der Stoned Moon Series 3. Galerie Ziegler, Zürich © Robert Rauschenberg Foundation / VG BildKunst, Bonn / Bildrecht, Wien, 2019, Bild: © 1969 Robert Rauschenberg and Gemini G.E.L.

Yinka Shonibare CBE: Spacewalk, 2002. Stephen Friedman Gallery, London © Bildrecht, Wien, 2019

Nuotama Frances Bodomo: Afronauts, 2014. Filmstill. Courtesy die Künstlerin

Begleitet wurde dies durch eine Vielzahl von Propagandaaktionen beider Systeme, die auch künstlerisch ihren Widerhall fanden und in „Fly Me to the Moon“ betrachtet werden. Mit den Folgen der Mondlandung beschäftigt sich der dritte und letzte Teil der Ausstellung. Dieser nimmt die männlich besetzte Rolle des Weltraumfahrers näher unter die Lupe und stellt unter dem Stichwort der „Afronauten“ die geografische Vielfalt von Mond- und Weltraumprogrammen in den Mittelpunkt. Zu sehen sind unter anderem Werke von Coop Himmelb(l)au, Max Ernst, Ernst Ludwig Kirchner, Kiki Kogelnik, Fritz Lang, René Magritte, Edvard Munch, Pipilotti Rist, Niki de Saint Phalle, Andrei Sokolov und Andy Warhol.

www.museumdermoderne.at

15. 7. 2019

MdM Salzburg – Sigalit Landau: Salt Years

Juli 3, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Aus Salz erschaffene Kunstobjekte

Sigalit Landau: Dead Sea, 2005, Filmstill: Die Künstlerin treibt auf den 500 Wassermelonen, die sie zu einem sechs Meter breiten Spiralfloß verband. Bild: © Studio Sigalit Landau

Ab 6. Juli präsentiert das Musem der Moderne Salzburg an seinen beiden Standorten Rupertinum und Mönchsberg unter dem Titel „Salt Years“ die erste museale Einzelausstellung der israelischen Bildhauerin, Video- und Installationskünstlerin Sigalit Landau im deutschsprachigen Raum. Landau ist eine der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen Israels.

Seit mehr als 15 Jahren nutzt sie das Tote Meer als Inspirationsquelle und Labor für ihre Videoarbeiten, fotografischen Serien und Salzskulpturen. Mit ihren ortsspezifischen Arbeiten nimmt sie Bezug auf das private und kollektive Gedächtnis, archaische und utopische Mythen und auf aktuelle Fragen zur menschlichen Verfassung. Durch den Einsatz von unterschiedlichen Materialien und einem Zusammenspiel mit dem menschlichen Körper verbindet die in Jerusalem geborene Tochter jüdischer Immigranten mit österreichischen Wurzeln das Öffentliche mit dem Intimen, die Geschichte mit persönlichen Erfahrungen und lokale mit epischen Erzählungen. Die Ausstellung am Museum der Moderne Salzburg präsentiert kristalline Salzskulpturen und Installationen, die von Landau seit mehreren Jahren im Toten Meer erschaffen werden.

Fast einem Ritual gleich taucht die Künstlerin zusammen mit ihrem Team Objekte in dieses einzigartige Gewässer. Neben spezifischen Handarbeiten mit symbolischem Charakter, wie beispielsweise Fischernetze oder Skulpturen aus Stacheldraht, verwendet Landau auch immer wieder simple Alltagsgegenstände. Allen ist gemein, dass sie eine verlorene Welt darstellen. Durch das Wasser des Toten Meeres werden die Objekte von einer Kruste aus Salzkristallen umschlossen. Was von Landau aus dem Toten Meer geborgen wird, ist zerbrechlich, schrecklich und schön gleichermaßen, wie historische Fundstücke, die von der Verwandlung der Dinge und den dunkelsten Kapiteln des 20. Jahrhunderts berichten.

Sigalit Landau: Hebung des Tutus aus dem Wasser des Toten Meeres. Bild: © Shaxaf Haber

Sigalit Landau: Tutu, 2017. Bild: Yotam From

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Künstlerin bezeichnet ihre Salzarbeiten als konzeptuelle Readymades und gruppiert sie im Museum der Moderne Salzburg auf dem Mönchsberg zu choreographierten Installationen. Eine Auswahl ihrer Videoarbeiten über das Tote Meer und die Küste des Mittelmeeres wird im Rupertinum auf zwei Stockwerken präsentiert. Darin thematisiert Landau neben Fragen der weiblichen Identität und Körperlichkeit auch die politische Situation in Israel sowie das vom Menschen verursachte Umweltproblem und die daraus resultierende Bedrohung des Toten Meers. Die Personale „Salt Years“ vereint sechs Installationen mit Salzobjekten, eine Serie von Fotografien, die in Zusammenarbeit mit Yotam From entstanden sind, und dreizehn Videoarbeiten.

„Mit großer Intensität und teilweise erschütternder Symbolik und Poesie verhandelt Sigalit Landau in ihrem Werk existenzielle und ambivalente Schwellen- und Grenzerfahrungen. Entstanden in einer der konfliktreichsten Regionen der Erde, zeugen diese Arbeiten von der Vision eines gemeinsamen, friedlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Menschen, Religionen, Kulturen und Weltanschauungen und besitzen dadurch eine universelle Relevanz“, erklärt Thorsten Sadowsky, Direktor des Museums der Moderne Salzburg.

Sigalit Landau: When I go, 2017. Readymades – doppelseitiger Hocker, Cello, Bogen, Holzstuhl, Brautschleier. Bild: © Yotam From

„In Anbetracht der Geschichte und der Erinnerungen meiner Familie an Österreich freue ich mich überaus, meine Salzkristall-Skulpturen in Salzburg ausstellen zu können – einer Stadt, in der Salz ein wichtiger Teil der Geschichte war. Die neuen Skulpturen begeben sich vom tiefsten Punkt der Erde, dem Toten Meer, auf den Mönchsberg. In meinen Arbeiten stellt das Tote Meer eine Reflexion dar. Einen Ort, der die Zeit in glamouröse Kristalle verwandelt und Salz – ein Element, das Leben bewahrt, heilt und ermöglicht, aber auch vergiften, konservieren und konstruieren kann – dient als mein Medium und Botschafter“, so die Künstlerin Sigalit Landau.

www.museumdermoderne.at           www.sigalitlandau.com

3. 7. 2019

Museum der Moderne Salzburg: Lisl Ponger. Professione: fotografa

November 27, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Blick auf das Bekannte und das Fremde

Lisl Ponger: Geisterbeschwörung, 2012. Bild: © Lisl Ponger / Bildrecht, Wien, 2018

Fotografie, Experimentalfilm, Medienkunst – das Werk Lisl Pongers ist ausgesprochen vielfältig. Immer wieder nimmt sie die Frage nach dem Fremden und dem Eigenen in den Blick.

Auf zwei Ebenen des Rupertinum präsentiert das Museum der Moderne Salzburg nun ab 1. Dezember in einer umfangreichen Übersichtsschau das Werk der Trägerin des Otto-Breicha-Preis für Fotokunst 2017.

Seit den frühen 1970er-Jahren arbeitet Lisl Ponger als freischaffende Künstlerin in den Bereichen Fotografie und Film.

Mit ihren inszenierten Fotoarbeiten wie „La Catrina“ und „Teilnehmende Beobachterin“ zeigt Ponger, wie sich Stereotypen, Rassismen und Blickkonstruktionen seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der Fotografie erhalten und fortgesetzt haben. Daneben sammelt sie für ihr eigenes fiktives Museum MuKul, das Museum für Fremde und Vertraute Kulturen, Objekte aus der westlichen Alltagskultur und aus touristischen Souvenirläden, die den Umgang des Westens mit fremden Kulturen offenbaren. In der Ausstellung „Professione: fotografa“ werden in drei Kapiteln neben zahlreichen großen fotografischen Tableaus auch einige ihrer frühen Filme sowie Objekte und Skulpturen des Museums MuKul präsentiert. Ebenfalls zu sehen ist die 2017 für das neu eröffnete Weltmuseum Wien erarbeitete Installation „The Master Narrative und Don Durito“.

Lisl Ponger: Ohne Titel, 2013. Aus der Serie „La Catrina or another Mexican Afternoon“. Bild: © Lisl Ponger / Bildrecht, Wien, 2018

Lisl Ponger: Ohne Titel, 2013. Aus der Serie „La Catrina or another Mexican Afternoon“. Bild: © Lisl Ponger / Bildrecht, Wien, 2018

Der Titel der Ausstellung, der von der Künstlerin gewählt wurde, lehnt sich an Michelangelo Antonionis Film „Professione: reporter“ aus dem Jahr 1975 an, in dem Probleme von Erkenntnis und Eigenverantwortlichkeit sowie die Beziehung zwischen dem Künstler und seinem Werk thematisiert werden. „Der außergewöhnliche, interdisziplinäre Facettenreichtum von Lisl Pongers künstlerischem Denken zeigte sich bereits in der Konzeption dieser umfangreichen Übersichtsschau, an der die Künstlerin maßgeblich beteiligt war. Ganz besonders freut es mich auch, dass sie für Salzburg eine neue Fotoserie gestaltet hat, die wir nun erstmals öffentlich präsentieren“, so Christiane Kuhlmann, Kuratorin Fotografie und Medienkunst sowie Mitglied der Jury des Otto-Breicha-Preises für Fotokunst 2017.

www.museumdermoderne.at

27. 11. 2018

Museum der Moderne Salzburg: Oskar Kokoschka

November 8, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zeugnisse einer zerrissenen Zeit

Oskar Kokoschka: Pietà, 1909. Plakat für die Internationale Kunstschau Wien. Museum der Moderne Salzburg © Fondation Oskar Kokoschka / Bildrecht, Wien, 2018. Bild: Hubert Auer

Das Museum der Moderne Salzburg präsentiert ab 10. November nach vielen Jahren wieder die druckgrafischen Arbeiten von Oskar Kokoschka, die einen zentralen Teil der hauseigenen Sammlung ausmachen, und zeigt sie erstmals in ihrem zeithistorischen Zusammenhang. Im Œuvre des österreichischen Expressionisten nehmen die Druckgrafiken einen wichtigen Stellenwert ein. Bereits während seines Kunststudiums im Wien der Jahrhundertwende entstanden erste Exemplare, die im Lauf der Jahre, insbesondere in der Spätphase seines künstlerischen Schaffens, zu einem beachtlichen Bestand anwachsen sollten.

Mit „Oskar Kokoschka. Das druckgrafische Werk im Kontext seiner Zeit“ wird nun erstmals eine umfangreiche Ausstellung ganz Kokoschkas Lithografien und Radierungen gewidmet. Ausgehend von seinem umstrittenen Frühwerk spannt die Ausstellung in acht Kapiteln mit etwa 210 Blättern einen Bogen über die Porträts aus der Dresdner Zeit bis hin zu seinem Spätwerk, das ihn als Bewunderer der griechischen Kunst und Kultur ausweist, und verortet die einzelnen Werkgruppen – die vollständig gezeigt werden – in ihrem historischen Zusammenhang.

Das Zeitgeschehen, mit dem sich Kokoschka in einzelnen Werkphasen kritisch auseinandergesetzt hat, bildet dabei wichtige Referenzpunkte. „Wir erforschen in dieser Ausstellung die künstlerische und persönliche Entwicklung Kokoschkas, der ein Zeitzeuge des zwanzigsten Jahrhunderts war. In Auflehnung gegen die Ästhetik des im Wien der Jahrhundertwende dominierenden Jugendstils entwickelte er eine expressive Bildsprache, in der sich die Unsicherheit und Zerrissenheit dieser Zeit widerspiegelt“, erklärt Barbara Herzog, Kuratorin der Ausstellung.

Auftakt sind Kokoschkas Arbeiten für die Wiener Werkstätte, die während seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule entstanden sind. Parallel dazu betätigte er sich auch als Schriftsteller und schrieb das Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“, dessen Uraufführung 1909 zu einem Skandal führte. Die männliche Verunsicherung angesichts der weiblichen Emanzipationsbestrebungen im Wien der Jahrhundertwende spiegelt sich auch in zahlreichen Arbeiten wider, in denen er seine konfliktreiche Beziehung zu Alma Mahler künstlerisch verarbeitet. Nach der Trennung von Alma meldete Kokoschka sich freiwillig zum Kriegsdienst. Aufgrund seiner Erlebnisse und Verwundungen wurde der Künstler zum Pazifisten.

Oskar Kokoschka: Christus hilft den hungernden Kindern, 1945. Museum der Moderne Salzburg © Fondation Oskar Kokoschka / Bildrecht, Wien, 2018. Bild: Rainer Iglar

Oskar Kokoschka: Kouros I, 1968, publ. 1970. Plakat für die Olympischen Spiele 1972 in München. Museum der Moderne Salzburg © Fondation Oskar Kokoschka / Bildrecht, Wien, 2018. Bild: Rainer Iglar

Vor den Nationalsozialisten, die sein Werk als „entartet“ diffamierten, musste Kokoschka nach England fliehen. Nach Kriegsende kehrte er nicht mehr nach Österreich zurück, sondern ließ sich in der Schweiz nieder. Mit lithografischen Zyklen zu Themen aus der klassischen Mythologie huldigte Kokoschka in seinem Spätwerk dem antiken Erbe, dessen Bedeutung er nicht nur in ästhetischen, sondern auch in ethischen Kategorien maß. Seine Bedeutung für Salzburg liegt vor allem in seiner langjährigen Tätigkeit als Presse Gründer und Leiter der „Schule des Sehens“, die er gemeinsam mit Friedrich Welz 1953 ins Leben rief.

www.museumdermoderne.at

8. 11. 2018

Museum der Moderne Salzburg – William Kentridge: Thick Time. Installationen und Inszenierungen

August 7, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Wozzeck, Trotzki und die Klassenunterschiede

7 Fragments for Georges Méliès, Day for Night and Journey to the Moon, 2003. Neunkanal-Videoinstallation mit und ohne Ton. Bild: Courtesy William Kentridge, Marian Goodman Gallery, Goodman Gallery and Lia Rumma Gallery

Das Museum der Moderne Salzburg zeigt eine umfangreiche Werkschau des südafrikanischen Künstlers William Kentridge, die sich über beide Standorte erstreckt. Auf dem Mönchsberg sind eindrucksvolle Multimedia-Installationen zu sehen, während im Rupertinum erstmals seine Arbeiten für Theater und Oper im Zentrum einer eigenen Ausstellung stehen – gleich gegenüber vom Haus für Mozart, wo Kentridge Alban Bergs Oper „Wozzeck“ für die Salzburger Festspiele inszeniert.

William Kentridge wurde in den 1990er-Jahren mit expressiven, in Videos animierten Zeichnungen bekannt. Sein bisher vier Jahrzehnte umspannendes Gesamtwerk changiert zwischen unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen. Seit vielen Jahren arbeitet Kentridge erfolgreich an großen Opern- und Theaterproduktionen. Seine enge Beziehung zum Theater, für das er als Schauspieler, Produzent, Bühnenbildner und Kostümdesigner tätig ist, fließt in seine Arbeit als bildender Künstler ein, und vice versa. In seinen multimedialen Inszenierungen sowohl für Ausstellungen wie auch für die Bühne vereint er großartige Zeichenkunst mit theatraler Lebendigkeit. Als roter Faden zieht sich die thematische Beschäftigung mit Kolonialismus, Revolution und Exil und mit der Bedeutung und den Ausdrucksformen von Zeit durch Kentridges Werk.

Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Epischem und Alltäglichem, zwischen Ausgelassenheit und Tragödie. „William Kentridge demonstriert uns ein ebenso umfassendes wie einzigartiges Instrumentarium an künstlerischen Mitteln, mit dem er in fast magischer Weise unterschiedliche Disziplinen und Genres miteinander verknüpft. Dabei nimmt alles seinen Ausgang in Kentridges Studio in Johannesburg, wo der Künstler mit seinem Team durch Experimentieren und Improvisieren seine Projekte entwickelt. Das Studio ist für ihn jedoch mehr als nur ein Ort der freien Gedankenwelt und der Produktion, denn Kentridge nutzt es auch als Archiv früherer Ideen, die immer wieder neu verarbeitet und aufgeführt werden“, erläutert Sabine Breitwieser, Direktorin des Museum der Moderne Salzburg und Kuratorin der Ausstellung.

Felix in Exile, 1994. Film 5 von 10, aus 10 Drawings for Projection. Filmstill. Bild: Courtesy William Kentridge, Marian Goodman Gallery, Goodman Gallery and Lia Rumma Gallery

Streets of the City, 2009. Gewebter Bildteppich mit Stickerei. Hergestellt von Stephens Tapestry Studio, Diepsloot, Johannesburg. Bild: ZA Courtesy William Kentridge, Marian Goodman Gallery, Goodman Gallery and Lia Rumma Gallery

Im Auditorium am Mönchsberg führt ein Klassiker von William Kentridge, die bekannten seiner aus Kohlezeichnungen bestehenden Filme „10 Drawings for Projection“ inhaltlich in die für sein Schaffen relevante Thematik ein. Auf der großen Ausstellungsebene [4] werden dann sieben raumgreifende Multimedia-Installationen gezeigt. Die Arbeiten „7 Fragments for Georges Méliès“, „Day for Night“ und “Journey to the Moon“, eine Hommage an den französischen Pionier des Stummfilms, stellen im zentralen Raum die Arbeitsweise des Künstlers vor.

Auch zwei seiner jüngsten Installationen sind zu sehen: „Notes Towards a Model Opera“ über die Kulturrevolution in China und „O Sentimental Machine“, produziert für die Istanbul Biennale, über das türkische Exil des russischen Revolutionärs Leo Trotzki. In „Second-hand Reading“ führt Kentridge eine frühe Form von Film als Daumenkino auf. Gezeigt wird auch „The Refusal of Time“, die spektakuläre, auf der documenta 13 in Kassel gefeierte Arbeit über Zeit als Form politischer und gesellschaftlicher Herrschaft. Im größten Raum lädt ein fünfzig Meter langer Fries von bewegten Bildern dazu ein, in die Prozession von „More Sweetly Play the Dance“ einzutauchen.

Eine Auswahl an Tapisserien und Objekten sowie ein Leseraum ergänzen die Ausstellung. Bereits die Treppe zur Ausstellungsebene empfängt die Besucher mit einer neuen Arbeit, die für diesen Ort entstanden ist: eine Anamorphose, die sich aus einem bestimmten Blickwinkel zu einem Porträt des österreichischen Komponisten Alban Berg zusammensetzt.

Die Ausstellungssektion im Rupertinum ist Kentridges Auseinandersetzung mit dem Theater und der Oper gewidmet, die projektweise Raum für Raum erschlossen wird. Eine Installation aus schwarzen Papierfiguren, vom Künstler vor Ort entwickelt, führt durch das Atrium und zu den beiden Ausstellungsebenen. Es wird eine Fülle von Exponaten gezeigt, darunter Plakate, Zeichnungen, Entwürfe, Modelle und Kostüme, die seit den späten 1970er-Jahren für seine wichtigsten Produktionen entstanden sind. Der erste Raum ist frühen Inszenierungen von Kentridge in Zusammenarbeit mit der Junction Avenue Theatre Company in Johannesburg gewidmet, insbesondere „Sophiatown“, einem Stück über das Apartheidssystem. Weitere Höhepunkte sind seine Inszenierungen „Il ritorno d’Ulisse in patria“ von Claudio Monteverdi, 1998 für die Wiener Festwochen, und „Preparing the Flute“ sowie „Die Nase“ von Dmitri Schostakowitsch, von der das Originalbühnenbild gezeigt wird.

O Sentimental Machine, 2015. Fünfkanal-Videoinstallation. Videostill. Beauftragt von Carolyn Christov-Bakargiev für SALTWATER, 14. Istanbul Biennale, Istanbul, TR, 2015; Bild: TR Courtesy William Kentridge, Marian Goodman Gallery, Goodman Gallery and Lia Rumma Gallery

Die Entwürfe zu Alban Bergs „Lulu“, 2015 für die De Nationale Opera und die Metropolitan Opera in New York produziert, knüpfen die Verbindung zur aktuellen Inszenierung von Alban Bergs Oper „Wozzeck“ für die Salzburger Festspiele. Das kinetische Minitheater „Right Into Her Arms“ wird in dieser Ausstellung zum ersten Mal präsentiert. Der neuen „Wozzeck“-Inszenierung ist ebenfalls ein eigener Raum gewidmet und in der Franz-West-Lounge des Rupertinum steht dem Künstler ein Studio zur Verfügung, das zeitweise für das Publikum öffentlich zugänglich ist. William Kentridges letzten Arbeitsschritten an seiner Inszenierung, die am 8. August 2017 Premiere feiert, kann dort nachgespürt werden.

www.museumdermoderne.at

7. 8. 2017