Burgtheater: Martin Kušej präsentiert seinen Spielplan

Juni 7, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Frischzellenkur für die heiligen Hallen

Der neue Burgtheaterdirektor Martin Kušej im Bühnenbild der Eröffnungspremiere von „Die Bakchen“. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Vorsicht ist geboten, verlangt Martin Kušej doch künftig von jedem, der einfach nur „Burg“ sagt und aufs „-theater“ verzichtet, 10 Euro. Erfrischend, dass gleich einmal eine seiner Mitarbeiterinnen das diesbezügliche Sparschwein wegen eines Verplapperers füttern wird, hocherfreulich, dass sich der designierte Burgtheaterdirektor heute Vormittag mit seiner Dramaturgie umgab, um gemeinsam seinen ersten Spielplan am Haus vorzustellen.

Nichts weniger als eine Frischzellenkur für die heiligen Hallen verspricht der neue Hausherr, der drei Säulen für die Zukunft vorstellt: Vielsprachigkeit, den Dialog mit der nächsten Generation von Theaterbesuchern und die Auseinandersetzung mit der digitalisierten Gesellschaft. Was, so Kušej, ihm gleichbedeutend sei mit einer Rückbesinnung auf den Schauspieler als Wesen aus Fleisch und Blut. Er wolle, sagt er, „markante Geschichten mit starken Darstellern erzählen und Wien zum Brennglas für Europa machen“. Um das zu gewährleisten, wurden nicht nur Regisseurinnen und Regisseure aus 13 Ländern und die meisten zum ersten Mal nach Wien eingeladen, spannende Namen, die sich mit dem politischen Klima in Osteuropa beschäftigen oder einen Island-Schwerpunkt gestalten werden, sondern auch das Schauspielpersonal aufgestockt.

Elma Stefanía Ágústsdóttir kommt aus Island, Itay Tiran aus Israel, Annamária Láng, dem österreichischen Publikum bereits bestens bekannt (siehe: www.mottingers-meinung.at/?p=20141) aus Ungarn. Wie schon verlautbart, übersiedelt Florian Teichtmeister von der Josefstadt auf die andere Seite des Rings, ebenso Rainer Galke vom Volkstheater. Till Firit kehrt nach Hause zurück, wie auch Birgit Minichmayr und Tobias Moretti. Aus München nimmt Kušej Bibiana Beglau, Norman Hacker, Franz Pätzold und Johannes Zirner mit. „Wir finden ganz Europa, mehr sogar, mindestens die halbe Welt, in Wien – wir wollen das Haus noch mehr öffnen, als es bisher der Fall war – das Burgtheater soll ein Ort sein, an dem sich alle Wienerinnen und Wiener und die, die es im Begriff sind gerade zu werden, wiederfinden sollen. Das Burgtheater wird ein Raum der Extreme sein – extrem kontrovers, extrem vielgestaltig, extrem dringend, extrem zeitgenössisch, extrem laut, extrem leise, extrem österreichisch, extrem international. In diesen Raum sind alle in dieser Gesellschaft eingeladen“, so Martin Kušej.

Der nebenbei verrät, dass das Ensemble der Eröffnungspremiere am Akademietheater, Wajdi Mouawads Vögel am 13. September, bereits eifrig hebräisch und arabisch lernt. Los geht es aber tags zuvor am Burgtheater mit Die Bakchen in der Regie von Ulrich Rasche, am 14. September folgt eine Kušej-Übernahme vom Residenztheater, Wer hat Angst vor Virginia Woolf, und noch drei weitere Premieren werden von dort übernommen: Faust am 27. September, Don Karlos im Oktober, Der nackte Wahnsinn im Dezember und auch als Silvestervorstellung. Neu inszenieren wird Kušej für den November Die Hermansschlacht, diese in Wien naturgemäß von Claus Peymann besetzt, weshalb Kušej zugibt, „lange Zeit gedacht zu haben, der Kleist-Stoff ist nix für mich, aber wenn man ihn ganz anders liest, passt er hervorragend in die heutige europäisch-politische Zeit.“ Das Bühnenbild wird Martin Zehetgruber besorgen.

Großer Medienrummel bei der Spielplanpräsentation auf der Burgtheaterbühne. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Martin Kušej bringt vier seiner Arbeiten aus München mit und inszeniert neu „Die Hermannsschlacht“. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Weitere Highlights: Anne Lenk zeigt Sally Potters The Party (21. September, Burgtheater), Gesine Danckwart und Caroline Peters mit Theblondproject im Oktober im Kasino eine Produktion über die Lust und den Frust blond zu sein. Kušej setzt also auf Frauenpower, holt auch Ene Liis Semper und Tiit Ojasoo für Meister und Margarita, Mateja Koležnik für Maria Lazars Der Henker, Anne-Cécile Vandalem mit ihrem Stück Tristesses und Starregisseurin Katie Mitchell für 2020 oder Das Ende – dies die nächstjährige Koproduktion mit den Wiener Festwochen. Auch gute alte Bekannte sind Teil von Kušejs Burgtheaterauftakt: Kornél Mundruczó zeigt mit Kata Wéber im November eine Tosca nach Victorien Sardou, Simon Stone Die Letzten nach Maxim Gorki, der kroatische Aufregerregisseur Oliver Frljič Heiner Müllers Die Hamletmaschine, Sebastian Nübling This Is Venice nach Shakespeares „Othello“ und „Der Kaufmann von Venedig“ und Nikolaus Habjan mit seinen Klappmaulpuppen Ladislav Fuks‘ von Franzobel für die Bühne bearbeitete Erzählung Der Leichenverbrenner.

Der designierte neue Volkstheaterdirektor Kay Voges stellt sich mit der Endzeitoper von Paul Wallfisch Dies Irae – Tag des Zorns vor

(mehr zur Person: www.mottingers-meinung.at/?p=33586). Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson wird seine wuchtige Edda aus Hannover in Wien zeigen und sich erneut dem Peer Gynt widmen. Ben Kidd und Bush Moukarzel von der irischen Theatertruppe Dead Centre beschäftigen sich mit Sigmund Freuds Traumdeutung. Fürs Vestibül schreibt Roland Schimmelpfennig Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin. Womit die Rede auf die jüngsten Theatergeher kommt, die künftig vom Burgtheaterstudio im Vestibül bedient werden, mit den neuen Kooperationspartnern Gleis 21 und der Brunnenpassage verstärkt aber auch in der ganzen Stadt. Das Kasino wiederum wird zum Ort der Auseinandersetzung und der Diskussion. Unter den Extras Apropos Gegenwart mit Isolde Charim und Sasha Marianna Salzmann, Der Kollektivsalon von Nazis & Goldmund oder der von Oliver Frljić und Srećko Horvat kuratierten Reihe Europamaschine findet sich ein besonderes Schmankerl: Lojze Wieser wird bei Culinaire L’Evrope für kulinarische Überraschungen mit passender Wein- und Geistbegleitung sorgen.

Befragt nach weiteren multikulturellen, mehrsprachigen Plänen wird Kušej zum Schluss noch einmal konkret: „Ich bin im Gespräch mit John Malkovich und könnte mir vorstellen, dass er am Burgtheater einen Schnitzler spielt.“

neu.burgtheater.at

  1. 6. 2019

Theater in der Josefstadt: Die Saison 2019/20

Mai 15, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Claus Peymann inszeniert Thomas Bernhard und Martin Vischer kommt vom Burgtheater

Herbert Föttinger präsentierte das Programm der Saison 2019/20. Bild: Jan Frankl

„Alle haben mir gesagt, ich muss ganz ruhig bleiben und darf nicht schimpfen“, hatte sich der stets streitbare Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger für den heutigen Vormittag und die Präsentation des Programms 2019/20 zumindest fix vorgenommen. Dass er, was ersteres betrifft, naturgemäß versagen musste, war klar, als er das Gespräch bereits eingangs statt auf die bevorstehenden Premieren auf die österreichische Kulturpolitik brachte.

Und zwar mit den Hinweis, durchaus Verständnis dafür zu haben, dass sich derzeit „alles ums Volkstheater und die dort fehlenden drei Millionen dreht“, dass aber auch sein Haus bei Subventionen in der Höhe von 14,8 Millionen Euro realiter um 3,5 Millionen unterdotiert sei. Was ihm Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, für die Föttinger „eine Lanze brach“, in einer Unterredung nicht nur bestätigt, sondern auch versichert hätte, sie werde für die Valorisierung und eine Sockelerhöhung der Wiener Bühnen kämpfen. Was den Verantwortlichen des Bundes, Minister Gernot Blümel, betrifft, so findet es Föttinger „befremdlich“, dass dieser es in eineinhalb Jahren noch nicht einmal geschafft habe, in der Josefstadt zu Gast zu sein. Föttinger: „Ich empfehle Herrn Blümel eine der letzten drei Vorstellungen der ,Reise der Verlorenen‘ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=29430), das ist ein empathisches Stück über Flüchtlinge, das müsste ihm doch liegen.“

Dass es Ähnliches künftig vielleicht gar nicht mehr geben wird, sei finanziell begründet: „Das neue Programm ist kein Sparprogramm, aber wir werden auf Stücke mit so vielen Mitwirkenden verzichten müssen“, sagte Günter Rhomberg, der Vorsitzende des Stiftungsvorstands. Bevor’s nach dem bisschen Polemik um den Spielplan ging, nannte der kaufmännische Geschäftsführer Alexander Götz noch erfreuliche Zahlen: Die Gesamtbesucherauslastung der Josefstadt und der Kammerspiele liegt derzeit bei 89 Prozent, womit die laufende die bis dato beste Saison sei, die ökonomische Auslastung liegt bei 70 Prozent, die Eigenfinanzierung bei 40.

Was die Premieren betrifft, so setzt das Theater in der Josefstadt auch weiterhin auf die Pflege heimischer Literaten und Dramatiker, man ist gewillt wie bisher Flagge zu zeigen und strikt für Humanismus und Empathie einzutreten. Das macht sich auch im Spielplanheft bemerkbar, für das Peter Turrini und Silke Hassler diesmal Sprüche wie „Hier arbeiten einige links-Linke. Im Parlament sitzen etliche rechts-Rechte“, „Der allerneueste Klimawandel: Vom Mitgefühl zur Gleichgültigkeit“ oder „Demokrat ist noch kein Schimpfwort“ beigesteuert haben.

Die Reise der Verlorenen: Ensemble. Bild: Sepp Gallauer

Matthias Asboth, Herbert Föttinger, Günter Rhomberg und Alexander Götz. Bild: Herwig Prammer

Die Premieren – Theater in der Josefstadt

Die Strudlhofstiege am 5. September: Die Uraufführung des großen österreichischen Romans von Heimito von Doderer stellt die Fortsetzung des Österreich-Schwerpunkts dar. Doderer siedelt seinen Roman knapp vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs und bald nach dessen Ende an. Föttinger: „In seiner Bühnenbearbeitung dehnt Nicolaus Hagg die Geschehnisse bis 1945 aus, und zeigt eine Zwischenkriegszeit, in der eine Apathie, der Rückzug aus dem Politischen gewisser gesellschaftlicher Kreise anderen Kräften Raum gab, um an die Macht zu kommen. Das hat etwas sehr Zeitgenössisches, wenn man die jetzige Opposition betrachtet.“ Es inszeniert Janusz Kica, das vom Burgtheater ans Haus kommende neue Ensemblemitglied Martin Vischer ist als René Stangeler zu sehen.

Einen Jux will er sich machen am 10. Oktober: Stephan Müller, der derzeit mit „Der Besuch der alten Dame“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=30004) einen großen Erfolg feiert, inszeniert, die Couplettexte werden vom österreichischen Autor Thomas Arzt neu geschrieben, der einen Blick auf das Schicksal der „Handlungsdiener des 21. Jahrhunderts“ und deren 12 Stunden-Arbeitstage werfen wird. Es spielen die Neuzugänge Robert Joseph Bartl und Julian Valerio Rehrl.

Rosmersholm am 7. November: Ulf Stengls Überschreibung von Henrik Ibsens Stück zeigt hochaktuell den politischen „Kampf“ und wie Wut und Verbissenheit politischer Kontrahenten in einer Katastrophe münden können. Wo es bei Ibsen noch ein Vorstoß demokratischer Ideen auf ein konservatives Werteverständnis ist, wird bei Regisseur Elmar Goerden der Angriff von einer populistischen, antidemokratischen Bewegung ausgehen, die die Grundwerte einer liberalen, offenen Gesellschaft erschüttern will. Herbert Föttinger ist in der Uraufführung als Johannes Rosmer zu sehen.

Der Kirschgarten am 5. Dezember: Für die renommierte Theater- und Opernregisseurin Amélie Niermeyer wird Tschechows letzte Tragikomödie die erste Inszenierung am Theater in der Josefstadt sein, und man hofft, so Föttinger, auf weitere Zusammenarbeit. Sona MacDonald spielt die Gutsbesitzerin Ranjewskaja, Raphael von Bargen den Unternehmer Lopachin. Otto Schenk wird die Rolle des Firs übernehmen. Föttinger: „Ich bete zu Gott, dass es ihm gut geht. Es wäre sehr schön, wenn wir seinen 90. Geburtstag mit dieser Rolle feiern könnten.“

Zwischenspiel am 30. Jänner: Schnitzler ist für die Josefstadt traditionell ein Fixstarter. Der vom Burgtheater zurückkehrende Peter Wittenberg inszeniert das Ehedrama, Maria Köstlinger und Bernhard Schir spielen.

Geheimnis einer Unbekannten am 12. März: In seiner berühmten Novelle „Brief einer Unbekannten“ zeichnet Stefan Zweig mit viel Fingerspitzengefühl die Psychologie einer Frau, die ihr Leben lang im Verborgenen geliebt hat. Oscarpreisträger Christopher Hampton wird diese Meistererzählung für die Bühne bearbeiten und auch für die Regie verantwortlich sein. Es wird – nach der Uraufführung seiner Bühnenrealisierung von „Eine dunkle Begierde“ – seine zweite Regiearbeit im Theater in der Josefstadt sein, die mit Martina Ebm und Michael Dangl besetzt ist. Die deutschsprachige Übersetzung der Uraufführung besorgt Daniel Kehlmann.

Das Konzert am 2. April: Hermann Bahrs Komödie ist ein österreichischer Dauerbrenner, der das Publikum seit fast hundert Jahren begeistert. Es inszeniert Janusz Kica, Herbert Föttinger und Sandra Cervik sind als Ehepaar Heink zu erleben.

Ein Fest für Boris am 28. Mai: Bernhard und Peymann – eine künstlerische Verbindung, die Theatergeschichte geschrieben hat, findet in der Josefstadt ihre Fortsetzung. Dass der Regisseur, der das Haus in seiner Wiener Zeit „das Schlaf- und Schnarchtheater der Stadt“ nannte, nun ebendort das Stück inszeniert, das er 1970 am Hamburger Schauspielhaus uraufgeführt hat, freut Föttinger besonders. Föttinger über den zuletzt während seiner Akademietheater-Inszenierung von „Die Stühle“ erkrankten Ex-Burg-Chef: „Ich freue mich sehr, dass er bei uns ist. Ich glaube, es geht ihm schon besser.“ „Die Gute“ wird Ulli Maier spielen.

Die Migrantigen – der Film: Faris Rahoma und Aleksandar Petrović als Benny und Marko. Bild: © Golden Girls Filmproduktion

Der Besuch der alten Dame: Andrea Jonasson und Michael König. Bild: Herwig Prammer

Die Premieren – Kammerspiele

Die Migrantigen am 7. September: Eine Wiener Migrationskomödie hat Herbert Föttinger zum Saisonauftakt in den Kammerspielen in Auftrag gegeben. Arman T. Riahis charmanter Film „Die Migrantigen“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=25292) stand Pate für dieses neue Theaterstück, das der Filmemacher gemeinsam mit seinen Hauptdarstellern Aleksandar Petrović und Faris Rahoma verfasst hat. Sarantos Georgios Zervoulakos wird die Uraufführung inszenieren, und nach dem Motto „No Blackfacing“ ein Schauspielerteam der zweiten und dritten Migrantengeneration, Luka Vlatković als Benny, Özaydin Akbaba als Oktay, die Bühne erobern, um mit Vorurteilen und Klischees aufräumen. Neuzugang Jakob Elsenwenger spielt den Marko.

Der Vorname am 3. Oktober: Folke Braband wird die Sitzkissenschlacht der überwunden geglaubten Beschränkungen und Beschränktheiten der französischen Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière inszenieren. Hochkomödiantisch streiten werden sich das neue Ensemblemitglied Michaela Klamminger, die Grazerin kommt vom Staatstheater Kassel nach Wien, Susa Meyer, Marcus Bluhm, Michael Dangl und Oliver Rosskopf.

Mord im Orientexpress am 21. November: Kein Geringerer als Ken Ludwig, Autor von „Othello darf nicht platzen“, hat Agatha Christies Meisterwerk für die Bühne dramatisiert und es geschafft, zusätzlich zur typischen Whodunit-Atmosphäre noch eine gewaltige Portion Humor zuzufügen.Werner Sobotka bringt die deutschsprachige Erstaufführung dieses Krimiklassikers auf die Bühne, Siegfried Walther ermittelt als Hercule Poirot.

Engel der Dämmerung. Marlene Dietrich am 6. Februar: Nach ihren „Billie Holiday“ und „Lotte Lenya“-Abenden setzen Torsten Fischer, Herbert Schäfer und Sona MacDonald die Reihe mit ihrer Uraufführung über das Leben des „Blauen Engel“ fort. Für Föttinger „eine Trilogie, die sich ruhig zur Tetralogie und darüber hinaus erweitern kann.“

Der Sohn am 27. Februar: Der Eltern-Kind-Konflikt von Florian Zeller steht in der Tradition jener Stücke, die das Programm der „neuen“ Kammerspiele prägen sollen: gut gebaute Well-Made-Plays, die sich durch einen komplexen, zeitgemäßen Inhalt definieren. In der Inszenierung der österreichischen Erstaufführung von Stephanie Mohr wird Julian Valerio Rehrl in der Rolle des Nicolas sein Debüt in den Kammerspielen geben.

Gemeinsam ist Alzheimer schöner am 23. April: Peter Turrini schreibt ein neues Stück zur Uraufführung in den Kammerspielen und zeigt ein Paar, das zwar sein ganzes Leben miteinander verbracht hat, einander aber in ihrer Demenz neu kennenlernt . „Ich habe heute erst mit ihm telefoniert und Turrini versichert, dass es nicht nur eine Komödie wird. Er will zeigen, dass Alzheimer kein besonders schöner Krankheitszustand ist – man merkt’s nur selber nicht mehr“, so Föttinger, der mit den Worten schloss: „Da Turrini ja von einem neuen politischen Fieber gepackt ist, wird es bestimmt auch ein gesellschaftskritischer Text werden.“

www.josefstadt.org

15. 5. 2019

Volkstheater: Der Spielplan der Saison 2019/20

Mai 10, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Unterdotierung als „verquere Form der Anerkennung“

Anna Badora. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

„Unsere Richtung ist seit vier Jahren klar, ihr bleiben wir auch in unserer letzten Spielzeit treu.“ Nach dieser Devise präsentierte Intendantin Anna Badora heute den Spielplan 2019/20 fürs Volkstheater Wien. Insgesamt 17 Produktionen, davon acht Ur- und Erstaufführungen, vier Stückentwicklungen und ein Stadtteilprojekt in zwei Bezirken, stellte das Team Roland Koberg, Heike Müller-Merten und Constance Cauers gemeinsam mit der Theatermacherin vor, und gab sich dabei noch einmal gewohnt kämpferisch.

Dass bei einem Budget von sechzehn Millionen Euro bis dato kein Nachfolger gefunden werden konnte, ja, dass die Suche nach einem solchen sogar ausgesetzt wurde, da selbst die Findungskommission eine latente Unterdotierung des Hauses konstatierte, kommentierte Badora beispielsweise als „eine verquere Form der Anerkennung, eine indirekte Form des Komplimentes in dieser Stadt.“ Man habe von Seiten der Kulturpolitik zu wenig registiert, dass künstlerische Wagnisse Zeit brauchen, um in ihrer Qualität von einem Publikum erkannt zu werden, so Badora, die darauf Claus Peymann zitierte: „Ein ständig in die Krise geschriebenes Theater ist nicht sexy.“

Das Thema Auslastung wusste die Hausherrin, der kaufmännische Direktor Cay Stefan Urbanek hatte diesmal erst gar nicht auf dem Podium Platz genommen, gewohnt elegant zu umschiffen. Nur soviel: Man erwarte sich keine Wunder, und: Es gelte abzuwägen, wie man Erfolg definiert. Laut einer Gemeinderats-Anfragebeantwortung lag im Jahr 2018 die Besucherauslastung im Haupthaus mit 52,4 Prozent ebenso wie in den Bezirken mit 47,7 Prozent weit unter den Planzahlen. Dabei kommt wegen der geplanten Generalsanierung ab dem Jänner 2020 eine neue Kraftanstrengung aufs Volkstheater zu.

Man übersiedelt in dieser Zeit in die MuseumsQuartier-Halle E. Für die dortige Zuschauertribüne „streben wir eine Größe von 800 Plätzen an“, so Badora. Offen ist allerdings, wie viele Produktionen, die zuvor noch im Haupthaus Premiere haben werden, dort gezeigt werden können. Mit dem Einzug der Wiener Festwochen in die Halle E im April des kommenden Jahres will das Volkstheater seine Aktivitäten im Volx/Margareten ausdehnen. Auf Nachfrage warnte Badora eindringlich davor, das Volkstheater länger als unbedingt notwendig zu schließen. Der derzeitige Plan sehe die Übernahme durch die neue Direktion für Anfang Oktober 2020 vor, dabei gebe es „sechs Wochen Reserve“ sowie „Abwurfpakete, falls sich etwas als zu teuer erweist“. Das Haus ein Jahr ohne Ersatzspielstätte zu schließen, wie verschiedentlich angedacht wurde, wäre, so Badora, „absurd“ und „der Anfang vom Ende“: Damit beweise man lediglich, „dass das Theater völlig entbehrlich ist“.

Ihren Weg klarer politischer Standpunktsetzungen, der Förderung von im Besonderen Regisseurinnen, der Erschließung neuer Zuschauerkreise und der konsequenten Jugendarbeit will Anna Badora fortsetzen: „Das Volkstheater wird sich weiter einmischen.“  Dazu eröffnet sie die Spielzeit am 11. September mit ihrer Inszenierung von Heimito von Doderers Die Merowinger oder Die totale Familie in einer Bearbeitung von Franzobel (Rezension von dessen aktuellem Roman „Rechtswalzer“: www.mottingers-meinung.at/?p=32483). Bis zum Start der Generalsanierung kehren bekannte Regiekräfte auf die Hauptbühne des Volkstheaters zurück:

Robert Gerloff mit Der gute Mensch von Sezuan, der erste Brecht unter Badora, die sich an dieser Stelle das Bonmot „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen“ nicht verkneifen kann, Christina Rast mit Wer hat meinen Vater umgebracht von Édouard Louis in Verbindung mit dessen Debütroman „Das Ende von Eddy“, und Viktor Bodó mit Peer Gynt. In der Halle E beleuchten Alexander Charim mit dem Gangster-Epos Schwere Knochen von David Schalko (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=29139) die Unterwelt Wiens und Regisseurin Christine Eder in ihrer Stückentwicklung Schuld & Söhne (AT) den Kampf der Geschlechter. Eva Jantschitsch ist beim satirischen Musiktheater wieder mit dabei.

Roland Koberg, Heike Müller-Merten, Anna Badora und Constance Cauers. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

150 Seiten: Ein volles Programm für die Spielzeit 2019/20 Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

An körperliche Grenzen gehen die Protagonisten im Tanzmarathondrama Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss in der Regie von Miloš Lolić, der in seiner fünften Arbeit am Haus auch die ungewisse Zukunft des Hauses ansprechen will, und in den Uraufführungen im Volx/Margareten: Armin Petras beschäftigt sich in Körper-Krieg, nach den von Ines Geipel im Sachbuch „Verlorene Spiele“ aufgezeichneten Fallbeispielen misshandelter minderjähriger Sportlerinnen, mit der zerstörerischen Kraft des Dopings, die Ausnahme-Choreografin und Performerin Florentina Holzinger begibt sich mit Wir Hungerkünstler/innen (AT) auf die Spuren einer lebensgefährlichen, oft betrügerischen Attraktion des frühen 20. Jahrhunderts in den Wiener Caféhäusern. Ein weiteres Phänomen dieser Zeit beleuchtet Nestroypreisträgerin Sara Ostertag in Haummas net sche?, und nimmt das Publikum anhand der Texte von Christine Nöstlinger mit auf eine Reise durch die Geschichte des Wiener Gemeindebaus.

Felix Hafner inszeniert Franz Kafkas In der Strafkolonie als Fanal „gegen die von der Politik geforderte Verschärfung der Justiz“, Bérénice Hebenstreit den Goethe-Jelinek’schen Urfaust / FaustIn and out. Zusätzlich finden ab Jänner die beliebten Formate Trojanow trifft. und Volkstheatergespräche mit Corinna Milborn sowie das Late-Night-Format Nachtvolx des Ensembles nach der sanierungsbedingten Schließung des Haupthauses ebenfalls im Volx/Margareten statt. Badora: „Bühnenbildner Ivan Bazak wird für das Volx ein neues Raumkonzept entwickeln, so dass dort ein Zentrum für Wiener ,Nachtschattengewächse‘ entstehen kann.“ Als erweitertes Programm verspricht sie Diskussionen bis Tanzperformances, „Sonntagsreden“ und einen sinnsuchenden „Utopien-Stammtisch“ für Städtebewohner.

Der Spielplan der Bezirke-Tournee – die in ihr 65. Jahr und ins 15. unter der Leitung von Doris Weiner geht – ist von Komödie bis Melodram breit gefächert: Zu sehen sind Die Reißleine von David Lindsay-Abaire mit Doris Weiner und Erika Mottl, die den erbitterten Kampf zweier Frauen um den Platz an der Sonne, heißt im Seniorenheim: um das Bett am Fenster austragen, Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran mit Michael Abendroth, Weh dem, der lügt! und Warten auf Godot wie immer in 19 Spielstätten entlang der Route durch 15 Wiener Gemeindebezirke.

www.volkstheater.at

8. 5. 2019

Volksoper: Das Programm der Saison 2019/20

April 24, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Cabaret“, Gespenst und eine Komische Gemüseoper

Robert Meyer und Christoph Ladstätter präsentierten heute das Programm der kommenden Saison. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Neun Premieren und sechs Wiederaufnahmen präsentierte Direktor Robert Meyer heute Vormittag als Spielplan seiner 13. Saison an der Wiener Volksoper. Ein Klassiker des Operettenrepertoires, „Der Zigeunerbaron“, trifft auf die Wiederentdeckung der Offenbach-Rarität „König Karotte“. Dem monumentalen „Boris Godunow“ stehen die Familienoper „Das Gespenst von Canterville“ und „Schoenberg in Hollywood“ im Kasino am Schwarzenberg- platz gegenüber.

Das Musical „Cabaret“ entführt in das Berlin der 1930er-Jahre, während das Musical-Märchen „Brigadoon“ in den schottischen Highlands angesiedelt ist. Und mit „La Piaf“  huldigt das Wiener Staatsballett einerseits der großen französischen Chansonnière und orientiert sich andererseits in der Uraufführung von „Appassionato – Bach und Vivaldi“ an Meisterwerken des Barock. Die Premiere von Cabaret am 14. September ist die erste der Saison. Das Musical des Autorenduos John Kander und Fred Ebb ist in der Regie von Volksoperndebütant Gil Mehmert und unter der musikalischen Leitung von Lorenz C. Aichner unglaublicherweise zum ersten Mal am Haus zu sehen. Ruth Brauer-Kvam kehrt in der Rolle des Conférencier nach längerer Abwesenheit ans Haus zurück, den Part der legendären Nachtclubsängerin Sally Bowles wird Bettina Mönch übernehmen. Als spät verliebter Herr Schultz wird Robert Meyer zu sehen sein.

Am 18. Oktober folgt als Österreichische Erstaufführung Das Gespenst von Canterville. Philipp M. Krenn inszeniert die humorvolle Gruseloper des zeitgenössischen Komponisten Marius Felix Lange. „Mit Morten Frank Larsen als gepeinigtem Geist Sir Simon und Martin Winkler als neureichem Käufer von dessen Schloss sind die Hauptrollen hochkarätig besetzt“, so Meyer. Gerrit Prießnitz wird am Pult stehen. Übersinnliches ist auch in Jacques Offenbachs König Karotte im Spiel, wenn die Mitglieder des königlichen Gemüsebeets die Macht ergreifen. Die Wiederentdeckung von Jacques Offenbachs „Komischer Zauberoper“ voller bissiger literarischer und politischer Anspielungen ist das Jubliläumshighlight zum 200. Geburtstag des Komponisten. Die Volksoper zeigt die Inszenierung von Matthias Davids als Koproduktion mit der Staatsoper Hannover unter der musikalischen Leitung von Guido Mancusi. Mirko Roschkowski verkörpert den vergnügungssüchtigen Regenten Fridolin XXIV, der einer vegetarischen Läuterung bedarf, „als Gast aus Hannover wird Sung-Keun Park den König Karotte singen“, so Meyer. Premiere ist am 23. November.

Eine Liebesgeschichte in den schottischen Highlands, die die Grenzen von Zeit und Raum überwindet, erzählt Brigadoon, 1947 der erste durchschlagende Erfolg des Musicalduos Alan J. Lerner und Frederick Loewe, und noch berühmter geworden durch die Vincente-Minelli-Verfilmung aus dem Jahr 1954 mit Gene Kelly als Tommy Albright – wiewohl Robert Meyer bekennt, das Werk bis vor Kurzem nicht gekannt zu haben. Inhalt: Die beiden Amerikaner Tommy und Jeff geraten bei einer Jagdtour in Schottland in ein kleines Dorf namens Brigadoon. Das idyllische Nest und seine Bewohner erscheinen nur alle 100 Jahre für einen Tag, dann verschwinden sie wieder. Tommy verliebt sich in die Schönheit Fiona, und das bringt natürlich Probleme mit sich. Die Volksoper präsentiert das große romantische Musical unter der Leitung von Lorenz C. Aichner halbszenisch als Österreichische Erstaufführung ab 1. Dezember. Die Ensemblemitglieder Rebecca Nelsen und Ben Connor verkörpern das Liebespaar Fiona und Tommy, Sarah Schütz die schräge Meg Brockie.

Durchaus „Sorge wegen der Verherrlichung des Krieges im Werk“ hatte Robert Meyer bezüglich Der Zigeunerbaron, da aber Regisseur Peter Lund diese „mit einer großartigen Idee“ zerstreuen konnte, hat die Operette von Johann Strauß nun am 29. Februar Premiere. Kurt Rydl gibt den gierigen Schweinezüchter Kálmán Zsupán und Eric Laporte den aus der Fremde heimkehrenden Sándor Bárinkay, der in der jungen Saffi, dargestellt von Katrin Adel, seine Liebe findet. Dirigieren wird Alfred Eschwé. Gleich zwölf Tänzerinnen verkörpern in Mauro Bigonzettis Hommage an Edith Piaf die Rolle der unvergesslichen Chansonnière, die sich als „Spatz von Paris“ in die Geschichte einschrieb. Fasziniert von ihrem einzigartigen Charisma spürt Bigonzetti in seinem Ballett La Piaf mit einer stark bildhaften und märchenhaft anmutenden Erzählweise der besonderen Aura der legendären Sängerin nach. Mit Chansons von Edith Piaf sowie Musik von Gabriel Fauré, Jules Massenet, Darius Milhaud, Francis Poulenc, Maurice Ravel und Erik Satie. Premiere ist am 28. März.

Bettina Mönch als Sally Bowles in „Cabaret”. Bild: © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Volksopern-Gast Sung-Keun Park (M.) und Komparserie aus „König Karotte”. Bild: © Thomas Jauk

Morten Frank Larsen als Sir Simon in „Das Gespenst von Canterville”. Bild: © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

„Ich habe mich mit Martin Kušej getroffen, und es war überhaupt kein Thema, dass die Volksoper auch weiterhin eine Produktion pro Saison im Kasino am Schwarzenbergplatz zeigen wird“, freut sich Robert Meyer über die Fortsetzung dieser Möglichkeit unter dem neuen Burgtheater-Direktor, die am 4. April mit der Europäischen Erstaufführung von Schoenberg in Hollywood als vierte Produktion der Serie zeitgenössischer Werke an der Spielstätte weitergehen wird. Als Arnold Schönberg 1933 in die Vereinigten Staaten emigrierte, geriet er mit Hollywood und dem Genre der Filmmusik in Kontakt. In cineastischen Rückblenden erzählt die Kammeroper des US-Komponisten Tod Machover, ausgehend vom Aufeinandertreffen des Komponisten mit dem Filmproduzenten Irving Thalberg, Episoden aus dessen Leben. Die musikalische Leitung übernimmt Gerrit Prießnitz, Helen Malkovsky zeichnet für die Regie verantwortlich, Marco Di Sapia verkörpert die Titelfigur. „In diversen Rollen, wie Schoenbergs Gefährtinnen Mathilde Zemlinsky und Gertrud Kolisch, den Komponistenkollegen von Alban Berg bis Gustav Mahler oder Nebenbuhler Richard Gerstl, sind die Neuengagements Lauren Urquhart und Jeffrey Treganza zu sehen“, so Meyer.

Sein Volksoperndebüt gibt auch Regiealtmeister Peter Konwitschny mit der 2.-Mai-Premiere von Mussorgskis Monumentaloper Boris Godunow. Der österreichische Bass Albert Pesendorfer kehrt in der Titelrolle ans Haus zurück. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Jac van Steen. Die zugleich letzte Premiere der Saison und von Manuel Legris als Direktor des Wiener Staatsballetts ist Uraufführungen von Choreographen gewidmet, die aus der Kompanie hervorgegangen sind: Appassionato – Bach und Vivaldi wird am 5. Juni uraufgeführt – und gleichsam aus drei Teilen bestehen. Während Boris Nebyla in „Il Prete Rosso“ der bewegten Biographie Antonio Vivaldis nachspürt, lotet Eno Peci mit „Monkey Mind“ die Kraft der Gedanken aus, die es ermöglicht, zu innerer Stärke zu finden. Martin Winter wiederum folgt dem Symbolgehalt der „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi, wobei er sich auf die 2012 veröffentlichte Bearbeitung des Werkes von Max Richter stützt.

Als Wiederaufnahmen kehren mit Gräfin Mariza und Die lustige Witwe zwei Werke der silbernen Operettenära in gefeierten Inszenierungen wieder. Die Opern Carmen und Rigoletto, zweitere nun in italienischer Sprache, thematisieren die Liebe in ihrer Unausweichlichkeit, während im Musical Kiss me, Kate der Rosenkrieg tobt. Mit Carmina Burana wird ein besonders effektvoller und beim Publikum beliebter Ballettabend wiederaufgenommen. Eröffnet wird die Saison am 1. September mit dem traditionellen Volksopernfest und einer Hommage an Dagmar Koller, die am 26. August ihren 80. Geburtstag feiert. In der Soiree zu ihren Ehren werden Melodien ihrer größten Erfolge vorgetragen, von „My Fair Lady“ über „Kiss me, Kate“ bis „Hello, Dolly!“. Scherzt Robert Meyer: „Ich wurde dazu verdonnert, eine Szene aus ,Der Mann von La Mancha‘ zum besten zu geben.“

Zum Schluss der Programmvorschau kam der kaufmännische Geschaftsführer Christoph Ladstätter noch auf zwei erfreuliche Zahlen zu sprechen, nämlich auf die bis dato 81 % Auslastung in der aktuellen Saison, „wir haben jetzt bereits 10.000 Karten mehr verkauft, als in der vorherigen“, und auf seine Herzensangelegenheit, die Schulprojekte, die in der Saison 2019/20 „Das Gespenst von Canterville“ und „König Karotte“ sein werden. Während Wiener Schülerinnen und Schüler diese vor Ort vom ersten Bühnenbildentwurf bis zur Premiere mitverfolgen können, werden, so Ladstätter, „neu für Schulklassen aus den Bundesländern Online Classrooms eingerichtet, um diese Informationen digital ins Klassenzimmer zu vermitteln.“

www.volksoper.at

24. 4. 2019

Festspielhaus St. Pölten: Die Saison 2019/2020

April 17, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Highlights aus dem Programm

Sylvain Émard: Le Grand Continental. Bild: Robert Torres

Neben Tanzperformances verschiedenster Genres präsentiert die 23. Festspielhaus-Saison Highlights aus Orchester-, Unterhaltungs- und Kammermusik. Zeitgenössische Circus-Produktionen sind ebenso zentraler Bestandteil des Programms wie ein vielfältiges Angebot für Familien und das mehrtägige Workshop-Festival „Jugendklub“ für Teilnehmerinnen und Teilnehmer von 15 bis 25 Jahren.

Martin Schläpfer, preisgekrönter Direktor und Chefchoreograf des Ballett am Rhein, bringt seine Version von Tschaikowskis „Schwanensee“ kurz vor seinem Amtsantritt als Wiener Staatsballettdirektor nach St. Pölten und präsentiert sie damit erstmals einem österreichischen Publikum. Das Tonkünstler-Orchester spielt dazu live unter der Leitung von Axel Kober. Ebenfalls im russisch-märchenhaften Klanguniversum beheimatet ist die zweite Kooperation mit dem Festspielhaus-Residenzorchester: Les Ballets de Monte-Carlo unter Jean-Christophe Maillot gastieren mit „Cinderella“ zur Musik von Sergej Prokofjew. Musikalische Leitung: Nicolas Brochot.

Compagnie Käfig: Vertikal. Bild: Laurent Philippe

Kirina. Bild: Philippe Magoni

In der Österreich-Premiere von „Vertikal“ lässt Choreograf Mourad Merzouki die Tänzerinnen und Tänzer seiner Compagnie Käfig gegen die Schwerkraft ankämpfen und zeigt ein Tanz-, Akrobatik- und Aerial-Spektakel in scheinbar gravitationslosem Raum. Nicht minder spektakulär verspricht „Circa‘s Peepshow“ des australischen Circus C!rca zu werden. Eine außergewöhnliche Performance feiert zu Saisonabschluss ihre Premiere im deutschsprachigen Raum: Kader Attou, Leiter der französischen Cie Accrorap, lässt in „Un break à Mozart 1.1“ zehn Breakdancer zu Versatzstücken aus Mozarts „Requiem“ sowie zu Motiven aus „Don Giovanni“ performen. Richard Siegal gastiert mit seiner 2016 gegründeten Compagnie Ballet of Difference in St. Pölten: Der ehemalige Festspielhaus-Artist in Residence zeigt sein brandneues „New Ocean“ als österreichische Erstaufführung.

Doris Uhlich wirkte ebenfalls bereits als Artist in Residence am Festspielhaus und bringt mit „Every Body Electric“ ihr viel getourtes inklusives Ensemblestück auf die Bühne. Drei starke, zukunftsweisende Positionen des zeitgenössischen Balletts stehen mit dem Ballet BC Vancouver auf dem Programm. Der britische Choreograf Akram Khan kehrt mit seiner Compagnie ans Festspielhaus zurück und zeigt „Outwitting the Devil“ als Österreich-Premiere. Eine poetische Erzählung über die Entstehung einer neuen Welt ist „Kirina“ des aus Burkina Faso stammenden Choreografen Serge Aimé Coulibaly. Mit Eduardo Guerrero ist der Shooting-Star einer neuen Flamenco-Generation zu Gast.

Eduardo Guerrero. Bild: Felix Vázquez

C!rca Contemporary Circus: Circa’s Peepshow. Bild: Andy Phillipson

In zwölf symphonischen Konzerten spannt das Tonkünstler-Orchester einen Bogen von der Wiener Klassik bis zur Romantik und deren Übergang zur Moderne des 20. Jahrhunderts, sowie von russischen und slawischen zu französischen Klangwelten. Musikkuratorin Constanze Eiselt bringt mit unter anderem John McLaughlin, Mayra Andrade, Yaron Herman, Eric Bibb und El Gusto internationale Top-Acts auf die Bühne.

Das Festspielhaus bietet im Rahmen einer Arbeitsresidenz auch in der Saison 2019/2020 Raum und Zeit für international angesehene Künstlerinnen und Künstler. Der australische Choreograf Lloyd Newson und das Londoner Ballet Rambert werden in einer mehrwöchigen Residenz im Februar 2020 eine Neubearbeitung von „Enter Achilles“ zur Premiere bringen, einer sozialkritischen Performance über Männlichkeit, die 1995 bei den Wiener Festwochen für Furore sorgte und zum Welterfolg wurde.

Doris Uhlich: Every Body Electric. Bild: Theresa Rauter

Cie Philippe Saire: Hocus Pocus. Bild: Philippe Pache

Nach Montréal, Mexico City, Seoul, Santiago de Chile und Wellington lässt Sylvain Émards partizipatives Open-Air-Spektakel „Le Grand Continental: alle tanzen“ auch das Herz des Kulturbezirk St. Pölten zu einer riesigen Bühne werden. Bei freiem Eintritt performen im Juni 2020 etwa 150 lokal gecastete Laientänzerinnen und -tänzer Émards charakteristische Liaison aus traditionellen Elementen des Line Dance und zeitgenössischem Tanz. Die Castings zur Teilnahme am Projekt finden im Jänner 2020 statt, ab März 2020 wird die Choreografie in regelmäßigen Proben erarbeitet.

Video: www.youtube.com/watch?v=jLGwTOPpMKk&feature=youtu.be

www.festspielhaus.at

17. 4. 2019