Das TAG in der Saison 2019/20

September 2, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein schöner Mann und ein wildes Weib

Dorian Gray. Die Auferstehung. Bild: © Anna Stöcher

Oscar Wilde, Euripides, Franz Grillparzer, endlich einmal Arthur Schnitzler und noch immer Gerhart Hauptmann und Anton Tschechow. In der startenden Saison widmet sich das TAG programmatisch wieder den großen Texten, überarbeitet, neugeschrieben und radikal neu gedeutet von gewieften und bewährten Theatermacherinnen und Theatermachern. Dazu kommen die bewährten Impro-Formate und erneut eine hochkarätig besetzte Konzertreihe.

Die erste Premiere der kommenden Saison ist Dorian Gray – Die Auferstehung in der Inszenierung von Mara Mattuschka am 19. Oktober. Gernot Plass widmet sich dem Stoff der Medea ab 30. November. Ein neuer Reigen wird von Thomas Richter (Text) und Dora Schneider (Regie) in Szene gesetzt, Premiere ist am 11. Februar.  In Kooperation mit der MUK feiert am 13. März Nach Hause nach Borchert Premiere. Am 25. April steht eine weitere Premiere auf dem Programm, die auf die politische Situation, die sich im Herbst neu konstituiert, reagieren wird. Wieder auf dem Spielplan sind Die Ratten (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32655) und Kirschgarten – Eine Komödie ohne Bäume (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=31734).

Das Moment! 2019 Impro-Festival geht Anfang Oktober im TAG über die Bühne. Workshops und tägliche Shows mit hochkarätigen Kapazundern der internationalen Improvisations-Theater-Szene in der offiziellen Festival-Sprache: Bad English! Weiter auf dem Spielplan sind die Impro-Formate Sport vor Ort, die Impro-Aufdecker-Show Fake Off!, verschiedene Impro-Workshops, der Dauerbrenner TAGebuch Slam sowie die erfolgreiche Konzertreihe. Die diesmal mit den Highlights eines Leonard-Cohen-Tributes und Bauer to the People! von Helmut Bohatsch & LSZ (Löschel, Skrepek, Zrost) aufwarten kann.

Fake Off! Die Aufdeckershow von Zieher & Leeb. Bild: © Rupert Pessl

Bauer to the People: Helmut Bohatsch & LSZ. Bild: © M. Pleesz

Zum Schluss eine kurze Rückschau: Die vergangene Spielzeit im TAG war überaus erfolgreich. 16.500 Besucher entsprachen einer Auslastung von 74 %. Die Eigendeckung lag bei 23 % und dennoch, die finanzielle Situation des TAG ist prekär: „Es gibt keine nachhaltige Kulturpolitik. Das Wiener Kulturbudget steigt, aber wo ist das ‚neue’ Geld? Nicht bei den mittleren städtischen Bühnen. Dort lässt man die Zeit vergehen und die Inflation, die sich exponentiell aufbaut, ihr schleichendes Zerstörungswerk anrichten. Bis den Betrieben sprichwörtlich die Luft ausgeht, sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr halten können oder sie sich gezwungen sehen, je nach charakterlicher Disposition der jeweiligen Leitung, diese durch unbezahlte Mehrarbeit auszubeuten. So geht es aber nicht weiter! Irgendwann schrammt auch ein noch so erleichtertes Schiff auf Grund, weil das Wasser immer flacher wird“, spricht Gernot Plass, künstlerischer Geschäftsführer des TAG, die Finanzmisere an.

dastag.at

2. 9. 2019

TheaterArche: Das Programm der Saison 2019/20

Juli 20, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Crowdfunding für „MAUER“ und „HiKiKoMoRi“

MAUER: Eszter Hollosi, Bernhardt Jammernegg, Tom Jost, Jakub Kavin, Nagy Vilmos, Ivana Nikolic, Andrea Novacescu, Agnieszka Salamon, Maksymilian Suwiczak und Ivana Veznikova. Bild: Jakub Kavin

Nach der fulminanten Eröffnungsproduktion „Anstoß – Ein Sportstück“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=31865) im Jänner dieses Jahres hat sich das Team der TheaterArche für seine erste komplette Saison 2019/20 einiges vorgenommen. Geplant sind vier Eigenproduktionen, ein einwöchiges Festival und zahlreiche Gastspiele, wie zuletzt der gefeierte Čechov-Abend von Arturas Valudskis und seinem „Aggregat“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=33317).

MAUER ist der Titel der ersten Eigenproduktion, die am 7. November – anlässlich des Falls der Berliner Mauer vor 30 Jahren – uraufgeführt wird. Jakub Kavin, künstlerischer Leiter der TheaterArche, hat die Textcollage nach einem Stück von Thyl Hanscho erdacht, und um autobiografische Berichte von Vaclav Havel, Schilderungen des Grenzsoldaten Jürgen Fuchs von der Grenze zwischen den USA und Mexiko, Erzählungen eines ehemaligen Auftragskillers, zahlreicher Flüchtender aus Lateinamerika sowie diversen anderen autobiografischen Erinnerungen ergänzt.

Proben zu MAUER: Regisseur Jakub Kavin mit Schauspieler Bernhardt Jammernegg. Bild: Jakub Kavin

Proben zu MAUER mit Andrea Novacescu und Maksymilian Suwiczak. Bild: Jakub Kavin

Wie stets wird die Inszenierung in kollektiver Forschungsarbeit entwickelt. Kavin: „Wir wollen die physischen wie psychologischen Mauern die Menschen umgeben, voneinander trennen, einsperren oder auch beschützen, untersuchen. Der Abend wird eine theatrale Reise rund um die Welt, vom ehemaligen Osteuropa, nach China, bis zur Mauer, die Donald Trump errichten möchte. Es geht also um Mauern einst und heute, in den Köpfen und in der Realität.“

Umgesetzt wird das Projekt von zehn Schauspielerinnen und Schauspielern, Eszter Hollosi, Bernhardt Jammernegg, Tom Jost, Jakub Kavin, Nagy Vilmos, Ivana Nikolic, Andrea Novacescu, Agnieszka Salamon, Maksymilian Suwiczak und Ivana Veznikova, in sechs Muttersprachen – Deutsch, Polnisch, Rumänisch, Serbisch, Tschechisch und Ungarisch. Die Musik kommt von Jammernegg, Jost und Suwiczak.

Für „MAUER“ läuft wieder ein Crowdfunding, wobei mehr als zwei Drittel bereits finanziert sind. Für die restlichen knapp 5000 Euro bleiben 37 Tage Zeit, um sich ein Premierenticket samt Sekt, ein Saison-Abo, eine Wohnzimmerlesung oder Schauspielunterricht zu gönnen – oder das Theater für einen Tag zu mieten.

Video: www.youtube.com/watch?v=fkG2C6GpWlE           Crowdfunding: wemakeit.com/projects/mauer

Nach der österreichischen Erstaufführung von NITTEL – BLINDE NACHT, einem Drama von Simon Kronberg über ein Pogrom in der Weihnachtszeit 1941, am 19. Dezember in der Regie von Christoph Prückner, folgt am 19. März als nächste Eigenproduktion HIKIKOMORI, ein Theaterstück nach einer Idee von Jakub Kavin, ein „schizophrener Monolog“, geschrieben im dialogisch-schriftstellerischen Ping Pong von Sophie Reyer und Thyl Hanscho, den Koloratursopranistin und Schauspielerin Manami Okazaki (www.manami-okazaki.com) mit Klavier und Saxophon als Spielpartner performen wird.

Regisseur Kavin: „Auf unserer Forschungsreise nach Japan haben wir versucht, uns möglichst tiefgreifend mit dem Phänomen Hikikomori auseinanderzusetzen. Es ist ein Begriff für junge Menschen, die nach Schulverweigerung oder Arbeitsunfähigkeit viele Jahre zu Hause bleiben, ein Syndrom, ein Tabu, eine Volkskrankheit, die in Japan jeder kennt. Laut einer Studie haben sich in Japan 700.000 Menschen, die im Durchschnitt 33 Jahre alt sind, auf diese Weise zurückgezogen. Das bedeutet, es gibt heute bereits 50-Jährige, die seit 35 Jahren zu Hause eingesperrt sind, sich von ihren 80-jährigen Eltern das Essen vor die Tür stellen lassen und nie aus ihrem Zimmer kommen …“

Manami Okazaki performt „HiKiKoMoRi“. Bild: Jakub Kavin

Manami Okazaki wird den Angst- und Zwangsstörungen, Depressionen, Frustrationen, die diese Rückzugsbevölkerung plagen, mit ihrem Gesang, ihrer Sprache und ihren Instrumenten Ausdruck verleihen, wird vom überspannten Nichtstun zum unkoordinierten Alles-auf-einmal-Machen wechseln, vom Messi zum Putzteufel, von Mager- zu Fresssucht – bis die Absurditäten überhand nehmen …

Auch für diese Produktion, die im Mai kommenden Jahres nach Japan übersiedeln soll, läuft ein Crowdfunding – nur noch sechs Tage werden unter anderem Wohnzimmerkonzerte oder ein Geburtstagsständchen angeboten. Video: www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=hXRz-mtt6UM           Crowdfunding: wemakeit.com/projects/hikikomori

Als vierte Eigenproduktion schließlich stehen im April/Mai entweder DIE SCHAMLOSEN – eine Textcollage von Nagy Vilmos mit Texten von Daniil Charms oder VERSUCHE EINES LEBENS – eine Stückentwicklung von Thyl Hanscho auf dem Programm. „Hier müssen wir noch aus produktionstechnischen Gründen, auf die finale Entscheidung warten, welches Stück schlussendlich im Frühjahr gespielt wird. Das andere Stück folgt dann im Herbst 2020“, so Kavin, der für den Jänner 2020, genauer: 13. bis 19., ein FESTIVAL DER VIELFALT verspricht: „Mit Tanztheater, diverser Musik, Clownerie und Kabarett bereiten wir eine bunte und internationale Woche vor. Dies Festival soll ein weiterer Schritt dazu sein, die TheaterArche als Haus für die vielfältige, spartenübergreifende Freie Wiener Szene zu etablieren“.

Womit die Sprache nun auf die Gastspiele kommt, von denen Kavin seinem Publikum vorerst drei ans Herz legen möchte: von 8. bis 12. Oktober „Blasted“ von Sarah Kane im englischen Original, eine Koproduktion Mental Eclipse Theatre House und Vienna Theatre Project, von 18. bis 20. Oktober „Yogur Piano“ von Gon Ramos aus Madrid und ergo auf Spanisch, und von 5. bis 8. Dezember das surreale Zirkustheater „Picknick For One“.

www.theaterarche.at

  1. 7. 2019

Rabenhof: Das Programm der Saison 2019/20

Juni 29, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Monster, Nymphen, Rock’n’Roll

„Wir Staatskünstler – Jetzt erst recht!“: Thomas Maurer, Florian Scheuba und Robert Palfrader starten ihre neue Bühnenshow kurz nach der Nationalratswahl. Bild: © Pertramer / Rabenhof

„Das Gemeindebautheater ist und bleibt das Volkstheater der Herzen“, freut sich Thomas Gratzer, künstlerischer Leiter des Rabenhof Theaters bei der Präsentation des Programms für die kommende Spielzeit. Die diesjährige schließt der Hausherr mit 81.556 Zuschauerinnen und Zuschauern ab, bei 312 gespielten Vorstellungen gleichbedeutend mit einer Auslastung von 90,05 Prozent. „Der Mix aus Theater, Politsatire, musik- theatralischen Projekten und Literaturveranstaltungen hat nichts an Attraktivität eingebüßt“, so Gratzer.

Der eine weitere Zusammenarbeit mit den „Big Playern“ der Satire-Szene ebenso verspricht, wie die Dramatisierung und Uraufführung von Kurt Palms Roman „Monster“, „Orpheus in der Unterwelt“ als erste Operette im Rabenhof und ein Gastspiel der großartigen Sophie Rois.

Los geht’s am 4. Oktober mit Wir Staatskünstler – Jetzt erst recht! Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba starten kurz nach der Nationalratswahl ihre neue Bühnenshow – und werden gewohnt bissig und schonungslos aufdecken, was bis dahin aus Sebastian Kurz als frischgebackenem Altkanzler und Pamela Rendi-Wagner als altbackener Zukunftshoffnung geworden ist. Unterstützt werden die Herren erstmals von Gerhard Haderer, der ihr Programm mit seinen Illustrationen begleiten wird. Als Nymphen in Not weisen sich ab 6. Oktober Ulrike Beimpold, Angelika Hager, Maria Happel und Petra Morzé aus. Bei ihrer exzentrischen Sonntags-Matinée-Show taucht das Quartett durch die Themen-Gewässer Power Aging, Selbstoptimierung, Botox-Gespenster, neurosengerechter Umgang mit Wutbürgern aller Art, Instagramitis und einer Idiotenbeschäftigung namens Liebe.

Christoph Krutzler in „Monster“. Bild: © Rita Newman / Rabenhof

Am 5. November folgt Monster, Kurt Palms grotesk-komischer Roman als bitterböse Bühnenshow von Regisseurin Christina Tscharyiski und Fabian Pfleger. Inhalt: Ein abgetrennter Frauenfuß und das Hinterbein eines Hundes sind die Auslöser für die verzweifelten Ermittlungen des Polizisten Alfons Stallinger, die ihn vom örtlichen Strandbad über ein Flüchtlingsheim und ein Seebühnenkonzert in die Groteske des heimischen Politsumpfes führen. Vorkommen außerdem ein lesbisches Vampirpärchen und hemmungslose Rockmusik. Den Kiberer gibt Christoph Krutzler.

Mit Premiere am 10. Dezember sind Sandra Cervik, Erni Mangold und Esra Özmen als 3 Frauen und 1000 Bücher unterwegs. Eine literarischen Tour de Force von Stefanie Sargnagel und Lina Loos über Elfriede Jelinek und Joan Didion bis Hildegard von Bingen. Orpheus in der Unterwelt – A Tribute To The 70’s präsentieren Ruth Brauer-Kvam und Kyrre Kvam ab 14. Februar. Drogenrausch, Glam-Rock, Ehekrisen, Lug, Betrug und Eitelkeiten mit Musik von Elvis bis Jim Morrison, von Iggy Pop bis Jürgen Marcus, dargeboten von Salka Weber, Florian Carove, Johannes Huth, Kyrre Kvam, Thomas Mraz und Austrofred. Ab 2. April werden Peter Hörmanseder und Robert Stachel aka Maschek zur Vox Populi, kaputte Medienwelt – Teil II. Die Syncro-Anarchisten starten mit einer neuen Show in ihrer Homebase.

Ihr aktuelles Programm Maschek XX – 20 Jahre Drüberreden (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=30120) wird am 24. September wiederaufgenommen, ebenso wie Alles für’n Hugo von Katharina Straßer am 2. Oktober (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32204), Dirk Stermanns und Christoph Grissemanns Gags, Gags, Gags! am 17. Oktober (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24388) und die Georg-Danzer-Hommage Jö schau von Lucy McEvil, Christoph Krutzler, Oliver Welter und Alf Peherstorfer am 19. Oktober (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32987).

Jö schau: Lucy McEvil, Oliver Welter, Christoph Krutzler, Alf Peherstorfer. Bild: © Rabenhof / Sophie Menegaldo Newman

Alles für’n Hugo: Katharina Straßer und Boris Fiala mit ihrer Hommage an Cissy Kraner. Bild: © Rita Newman

Christoph Grissemann und Dirk Sterman haben fürs Publikum wieder „Gags, Gags, Gags!“. Bild: © Udo Leitner

Maschek – Peter Hörmanseder und Robert Stachel: Auf „Fake!“ folgt als Teil zwei „Vox Populi“. Bild: katsey.org

Auch an Gemeindebau-Spezialitäten wird wieder einiges geboten, etwa am 22. Oktober die unglaublich sympathische Institution „Beschwerdechor“ in Zusammenarbeit mit EsRAP, der lässigsten Rap-Formation des Landes, und Mia san mia und de andan olle Gfrasta. Am 30. November und 1. Dezember heißt es Have a cup of tea with Sophie Rois, Songs und Storys über Inzest, Unschuld und Klassenbewusstsein von Ian McEwan und The Kinks. Ab 14. Jänner fragt Nina Proll Kann denn Liebe Sünde sein?, und freilich fehlt auch der Protestsongcontest nicht – Termin: 12. Februar.

www.rabenhoftheater.com

29. 6. 2019

Werk X: Das Programm der Saison 2019/20

Juni 26, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ganz nach dem Motto „Heimat und Arschloch“

Stellten den Spielplan für die Saison 2019/20 vor: Knut Klaßen und Monika Gintersdorfer aka Gintersdorfer/Klaßen, die leitende Werk-X-Dramaturgin Hannah Lioba Egenolf, die Werk-X-Leiter Harald Posch und Ali M. Adullah, Werk-X-Petersplatz-Kuratorin Cornelia Anhaus und Andreas Stockinger von den handikapped unicorns. Bild: Bernhard Bilek

„Wir haben uns gewundert, was alles geht“, kommentieren Harald Posch und Ali M. Abdullah, die beiden Leiter des Werk X, bei ihrer heutigen Spielplanpräsentation für 2019/20 doppeldeutig die eben auslaufende Saison. Die gar nicht so scherzhaft gemeinte Erklärung: „Während die Akteure auf der politischen Bühne nach einem scheinbaren Schrecken ohne Ende schließlich doch ein überstürztes Ende mit Schrecken hinlegten, hielt man sich in Meidlung und am Petersplatz ein weiteres Mal gut im Sattel.“

Was Abdullah in Zahlen, neben der Freude über die Nestroypreis-Nominierung für seine im Herbst wiederaufgenommen werdende Inszenierung „Homohalal“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=27973), so ausdrückte: „Im Spielstättenverbund Werk X hat sich der Publikumszuspruch von etwa 16.000 auf etwa 19.000 Zuschauerinnen und Zuschauern erhöht, das bedeutet bei 288 gespielten Vorstellungen eine Auslastung von knapp 80 Prozent.“ Die nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Cornelia Anhaus als kuratorischer Leiterin des Werk X-Petersplatz zustande kam, deren Programm vielfach gelobt und sehr gut besucht wurde.

Trotzdem warnen Posch und Abdullah davor, dass das Werk X durch die nicht valorisierte Förderung, derzeit von der Stadt Wien für die Spielstätte in Meidling eine Million Euro, für die am Petersplatz 550.000 Euro, der Bund subventioniert nur noch projektweise, pro Jahr 25.000 Euro, heißt bis 2021 200.000 Euro Verlust zu erwarten hat.

„Die kommende Saison soll sich unter dem Eindruck des politischen Geschehens nun vertieft mit der in die Krise geratenen Identität Österreichs auseinandersetzen“, so die Theatermacher, die als Leitmotiv für diese das Motto „Heimat und Arschloch“ ausgegeben haben, und darunter die Fieberträume von Vaterland und dessen nationaler Größe dem Glauben an Humanismus, Menschenrechten und Gleichberechtigung gegenüberstellen wollen. „Darum ist der Spielplan 2019/20 geprägt von modernen österreichischen Autoren, die vor Augen führen, dass der gegenwärtige Wahnsinn Dramatikern wie Ludwig Anzengruber vor 140 Jahren oder Ödön von Horváth vor 90 Jahren in verblüffend ähnlicher Form bekannt war und zum Gegenstand ihres Schreibens wurde.“

Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald zeigt zum Saisonstart die internationale Gruppe Gintersdorfer/Klaßen rund um die Regisseurin Monika Gintersdorfer und den bildenden Künstler Knut Klaßen als Auseinandersetzung mit dem mehrfach postfaktisch gewendeten Selbstbild der österreichischen Gesellschaft. Wie’s die Art der Performer ist, werden sie „auf der Bühne reagieren, formulieren und Text in Bewegung umsetzen“, erklärt Monika Gintersdorfer. Den Wien-Bezug verstärkt die Musik von Natalie Ofenböck & Der Nino aus Wien. Premiere ist am 10. Oktober. Am 24. Oktober folgt Nurkan Erpulats und Claudia Tondls Try to be Lulu nach Frank Wedekind, eine Arbeit, bei der sich Constanze Passin und Karl Baratta nicht als Kindfrau und Liebhaber gegenüberstehen werden, sondern als Schauspielerin und Dramaturg ihre Sicht auf die „Monstretragödie“ austauschen.

aktionstheater ensemble: „Wie geht es weiter“ mit Michaela Bilgeri, Andreas Jähnert, Fabian Schiffkorn, Benjamin Vanyek, Thomas Kolle und Maria Fliri. Bild: Gerhard Breitwieser

Nestroypreis-Nominierung für „Homohalal“: Arthur Werner, Christoph Griesser, Stephanie K. Schreiter, Daniel Wagner, Constanze Passin und Yodit Tarikwa. Bild: © Yasmina Haddad

Die Arbeitersaga, einstmals vierteilige Spielfilmserie von Peter Turrini und Rudi Palla, kommt auf die Bühne, und zwar soll hier in zwei Mal zwei Folgen der Bogen vom postfaschistischen Nachkriegsösterreich bis in die 1990er-Jahre, von der sozialen Marktwirtschaft zur Massenkonsumkultur gespannt, und über das letzte Erzähljahr hinaus fortgeschrieben werden. Premiere von Teil eins ist am 12. Dezember, mit Helmut Köpping vom Grazer Theater im Bahnhof als Regisseur der Folge 1 und Kurt Palm als Regisseur der Folge 2. Teil zwei folgt im Frühjahr 2020 – und Harald Posch verspricht dafür zwei Regisseurinnen. Ebenfalls im Frühjahr inszeniert Ali M. Abdullah Bert Brechts Baal als kritische Hinterfragung des gern gelebten Klischees vom amoralischen, dafür umso genialeren Künstler, der jenseits jeder sozialen Ordnung steht. Abdullah: „Das Thema ist: Inwieweit kann Kunst in eine Gesellschaft hineinwirken? Oder betreiben wir Künstler nur Eskapismus?“

Als „Steilvorlage für das Phantasma einer völkischen Idylle, die in Österreich derzeit so wirkmächtig ist“, beschreibt Harald Posch Ludwig Anzengrubers Der Gwissenswurm, dem er sich mit dem Zusatz – the unintentionally end of Heimat mit Premiere im April widmen wird. Poschs Bearbeitung des 1874 uraufgeführten Volksstücks untersucht, welche Rolle das Unterbewusst-Imaginäre im Faschismus der Gegenwart spielt und „unter wessen Räder der Gwissenswurm zwischen Wien und Ibiza eigentlich gekommen ist“. An Koproduktionen gibt es am Wochenende 18. und 19. Oktober die Wortstattnächte 2019, die sich diesmal mit zeitgenössischer internationaler Dramatik befassen, „Böhmisches Paradies“ des tschechischen Autors Jaroslav Rudis, „Heiliger Krieg“ vom Italiener Fabrizio Sinisi, „Fälle“ von Ursula Knoll und „Lassen Sie mich durch, ich bin …“ von Valerie Melichar, beide Autorinnen Wienerinnen. Ab dem Herbst wird das Kollektiv Play:Vienna unter dem Titel Die Siedler von Süd-Wien ebendiese zur Selbstermächtigung aufrufen, indem mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Siedlungen Kabelwerk, Schöpfwerk und Alterlaa ein Spielkonzept erarbeitet wird. Die Aufführungen sind fürs Frühjahr geplant.

Nach der fulminanten Jubiläumsproduktion „Wie geht es weiter – Die gelähmte Zivilgesellschaft“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=33672), deren Wiederaufnahme für Herbst geplant ist, zeigen Martin Gruber und das aktionstheater ensemble ab 10. Juni ihre neue Produktion Wann beginnt das Leben. An Specials geht Schnitzel im Kontext selbstverständlich im Häuserl am Spitz weiter; dort findet am 9. November auch Gala und Preisverleihung zu Julius Deutschbauer: Suche die unpolitischste Theaterproduktion Wiens 2018/19 statt.

Cornelia Anhaus übernahm im Februar 2018 die kuratorische Leitung des Werk X-Petersplatz. Bild: Wolfgang Lienbacher

handikapped unicorns mit „Zum wilden Mann“: Bernhard Georg Rusch, Sören Kneidl, Martin Purth, Matthias Tuzar, J-D Schwarzmann und Sebastian von Malfér. Bild: © Alexander Gotter

Junges Theater Wien mit „Lies mein Herz“: Soffi Schweighofer und Régis Mainka. Bild: Apollonia Theresa Bitzan

Der iranische Schauspieler und Regisseur Alireza Daryanavard als „Ein Staatenloser“. Bild: © Alexander Gotter

Die Premieren 2019/20 im Werk X-Petersplatz

Die Saison am Petersplatz startet am 3. Oktober mit Wasted der britischen Spoken Word Artistin und Poetin Kate Tempest in einer Übersetzung der Singer/Songschreiberin Judith Holofernes. Das Kollektiv MOROSIS wird den Text inszenieren, in dem drei planlose und beziehungsgeschrottete Thirty-Somethings am zehnten Todestag eines Freundes einander zur Party treffen – die klarerweise entgleisen muss. How to protect your internal ecosystem heißt die Stückentwicklung, die Miriam Schmidtke und Mimu Merz am 23. Oktober zur Uraufführung bringen, eine Performance an der Schnittstelle von Video, Sound, Sprache und Choreografie, in der es um Fabrikarbeit und Fertigungsprotokolle aus der Computerchipherstellung gehen wird.

Die handikapped unicorns, die diese Saison mit ihrer Burschenschaften-Persiflage „Zum Wilden Mann“ erfreuten (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=30877), legen mit Hauptsache Gemeindebau. Das Leben, der Tod, die Familie nach, eine Verbeugung, wie Regisseur Andreas Stockinger erklärt, vor 100 Jahre Gemeindebau. Inhalt: „Nach dem Selbstmord ihres Oberhaupts sieht sich eine Familie gezwungen, in der elterlichen Gemeindebauwohnung zusammenzukommen, um das Begräbnis des Vaters zu planen. Unter Alkoholeinfluss entsteht eine explosive Atmosphäre, werden Geheimnisse gelüftet etc. – ein non-galantes Wiener Sittenbild, live untermalt von Wienerliedern“, so Stockinger. Mit dem Gudrun-Ensslin-Lebensgefährten und Vater ihres Sohnes, Bernward Vesper, befasst sich die Bühnenfassung seines fragmentarischen Großtextes Die Reise. tangent.COLLABORATIONS will dieses „Spiel zufälliger elektrischer Ströme auf meiner Großhirnrinde“ – © Vesper – in einer multimedialen Performance erfahrbar machen. Ein mutmaßlich so luzider wie bewusstseinsverstörender Horrortrip mit Premiere am 6. Februar.

Schauspieler und Regisseur Alireza Daryanavard beeindruckte vergangenen Oktober mit seinem Monolog „Ein Staatenloser“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=30184) über sein Leben in Österreich, das sich nicht als das ersehnte Friedens- und Freiheitsparadies entpuppte. Mit Premiere am 27. Februar beschäftigt sich der im Iran geborene Schauspieler und Regisseur in Blutiger Sommer mit den Massenhinrichtungen politischer Gefangener im Iran Ende der 1980er-Jahre, im Land natürlich ein Tabu. Das Stück basiert auf Interviews mit Zeitzeugen, die jahrelange Gefangenschaft und Folter überlebt haben, Tagebüchern und Abschiedsbriefen von Ermordeten – und Fotos von deren Habseligkeiten, die den Angehörigen zurückgegeben wurden. Eine neue Form von Musical wollen Johannes Schrettle und Imre Lichtenberger Bozoki mit HORSES erfinden. Die irrwitzige Story: Ein rechter Redenschreiber überfährt einen Ausländer und muss zur Vertuschung dessen Platz in einem soziokulturellen Flüchtlingsprojekt einnehmen. Bei der Produktion von Splitscreen Entertainment werden Georg Breinschmid, Martin Hemmer und Imre Lichtenberger Bozoki für die Musik sorgen.

Am 16. April folgt vom Theater KuKuKK die Wien-Premiere von Gruber geht nach dem Roman von Doris Knecht. Und zum guten Schluss, Premiere ist am 3. Juni, befasst sich das Junge Theater Wien, dessen Produktion „Lies mein Herz“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=31838) vor Weihnachten wiederaufgenommen wird, unter dem Titel Back To Black mit dem Leben von Amy Winehouse.

werk-x.at

26. 6. 2019

Schauspielhaus Wien: Das Programm der Saison 2019/20

Juni 24, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Die transkulturelle Gesellschaft präsentieren

Matthias Riesenhuber, Tomas Schweigen, kaufmännischer und künstlerischer Leiter des Schauspielhauses Wien, und Chefdramaturg Tobias Schuster stellen die Saison 2019/20 vor. Bild: Schauspielhaus Wien

Intendant Tomas Schweigen und sein leitender Dramaturg Tobias Schuster stellten heute Vormittag den Spielplan des Schauspielhaus‘ Wien für die kommende Saison 2019/20 vor, der kaufmännische Leiter Matthias Riesenhuber präsentierte die Zahlen der laufenden – und obwohl Schweigen und Riesenhuber von der bis dato erfolgreichsten Spielzeit des Theaters zu berichten wussten, von Einladungen zu den Mühlheimer Theatertagen übers Münchner Festival radikal jung bis zu den

Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin, alarmierten sie bereits eingangs mit drohenden Finanzierungsproblemen, eine Situation, zu der die beiden konkret allerdings erst nach ersten Einblicken in die Produktionen zu sprechen kamen. Und so freute sich Schweigen über den Coup, zur Saisoneröffnung am 28. September mit dem gefeierten Duo Vinge/Müller zwei der momentan gefragtesten Künstler der Theaterszene, von der Welt als „die irrsten Theatermacher der Welt“ vorgestellt, deren Aufführungen auch schon mal zwölf Stunden dauern, in denen Vinge Eigenurin trinkt oder anales Action Painting vorführt, für eine Inszenierung am Haus und damit ihre erste Produktion in Österreich gewonnen zu haben. „Vegard Vinge und Ida Müller gehörten zu den prägendsten Mitstreitern von Frank Castorf an der Volksbühne, und werden das unter René Pollesch wieder sein“, so Schweigen zur Uraufführung von deren Projekt.

Er selbst bringt dann am 13. November Édouard Louis‘ Roman Im Herzen der Gewalt als österreichische Erstaufführung auf die Bühne. Der 1992 geborene Shootingstar der französischen Literatur gilt auch als wichtige politische Stimme, und ist einer, der an der Schnittstelle von fiktionaler Literatur und Sozialwissenschaft schreibt. Das autobiografische Buch, in dem sich die Hauptfigur mit einer von Xenophobie, Rassismus und Homophobie durchzogenen Gesellschaft konfrontiert sieht, nennt Tobias Schuster ein „sprachgewaltiges, düsteres Weihnachtsstück“, eskaliert doch am Weihnachtsabend ein schwuler One-Night-Stand zur Vergewaltigung, nach der, so Schuster, „Édouard erfahren muss, wie Polizei, Ärzte, Freunde, sogar die Schwester auf die Gewalttat reagieren“. Mit dieser Arbeit knüpft das Schauspielhaus an Schweigens Inszenierung von Das Leben des Vernon Subutex 1+2 an (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=33148), die wiederaufgenommen werden wird – und Tomas Schweigen die Gelegenheit bot, auf Ab- und Neuzugänge im Ensemble hinzuweisen, ist doch Vassilissa Reznikoff bereits nach Mannheim gewechselt, während Steffen Link nach der Hauptrolle in „Im Herzen der Gewalt“ nach München übersiedelt.

Dafür kommt fix Clara Liepsch, die bereits im „Vernon Subutex“ spielt, und Til Schindler: www.tilschindler.com. Fortgesetzt wird die Zusammenarbeit mit dem oberösterreichischen Erfolgsautor Thomas Köck, heuer zum zweiten Mal in Folge Gewinner des Mühlheimer Dramatikerpreises, der am 11. Jänner nach der Nestroypreis-nominierten Arbeit „die zukunft reicht uns nicht (klagt, kinder, klagt!)“ (Rezension und Link zum Interview: www.mottingers-meinung.at/?p=27228) erneut in gemeinsamer Regie mit Elsa-Sophie Jach seine Kronlandsaga um den Bauernbefreier Hans Kudlich fortgesetzen wird. Nach „Kudlich – eine anachronistische Puppenschlacht“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=23658) heißt der Text zur Uraufführung nun Kudlich in Amerika, geht der in Wien zum Tode Verurteilte doch wie tatsächlich in die Vereinigten Staaten, nur dass er bei Köck zum texanischen Öl-Magnaten wird – womit über den Roh/Stoff ein weites Gedankenfeld zu Kapitalismus, Kriegstreiberei und Klimakollaps eröffnet ist.

Anna Marboe, dies Jahr mit „Oh Schimmi“ im Nachbarhaus heftig akklamiert, übersiedelt auf die große Bühne und inszeniert das jüngste Gewinnerstück des Hans-Gratzer-Stipendiums, Angstbeißer von Wilke Weermann, ein zwischen Horror und schwarzem Humor changierender Drogentrip, oder wie es Tobias Schuster sagt, „eine Art Hipster-,Trainspotting‘, bei dem sich ein Freundeskreis in eine Albtraumwelt voller Halluzinationen und Gewaltfantasien verirrt.“ Uraufführung ist am 27. Februar. Mit dem Arbeitsatelier geht die Kooperation von uniT Graz und Schauspielhaus weiter. In diesem Jahr erarbeiten die Autorin und Soziologin Ewelina Benbenek und Regisseur Florian Fischer ein gemeinsames Rechercheprojekt, eine Diskussion darüber, wie eine transkulturelle Gesellschaft im Wechselspiel von Bühne und Publikum präsentiert werden kann, ein Ansatz, eine Analyse, die, wie Tomas Schweigen befindet, auf alle kommenden Produktionen zutrifft, nach der Untersuchung des Status Quo Europas in dieser Saison sozusagen das neue Spielzeitmotto. Tragödienbastard wird am 4. April uraufgeführt. Miroslava Svolikova schreibt, zugeschnitten auf das Schauspielhaus-Ensemble, ihr neues Stück RAND, das Schweigen zum Abschluss der Saison Ende April uraufführen wird.

Das neue Ensemblemitglied Clara Liepsch (li.) in „Das Leben des Vernon Subutex 1+2“; mit Steffen Link, Simon Bauer, Jesse Inman, Sebastian Schindegger und Anna Rot. Bild: © Matthias Heschl

Die Kronlandsaga um Bauernbefreier Hans Kudlich wird fortgesetzt: Nicolaas van Diepen und Max Gindorff als die Brüder Hans und Hermann Kudlich. Bild: © Matthias Heschl

Am Wochenende nach der Saisoneröffnung veranstaltet die Schule für Dichtung unter der Leitung von Fritz Ostermayer wieder ein zweitägiges Musik- und Literaturfestival, diesmal unter dem Motto Gebenedeit sei die Wut deines Leibes, bei dem neben unter anderem Christoph Grissemann, Antonio Fian und Maja Osojnik auch Oswald Wiener einen seiner raren Auftritte absolvieren wird. Auch eine Kooperation mit dem Theater KOSMOS Bregenz ist wieder vorgesehen, mit der Produktion Das Optimum des jungen Wiener Dramatikers Mario Wurmitzer in der Regie von Maria Sendlhofer. Uraufführung ist am 31. Oktober im Nachbarhaus.

Erfreut zeigten sich Tomas Schweigen und Matthias Riesenhuber zum Schluss über die aktuellen Zahlen, die ein kontinuierlich steigendes Interesse des Publikums bei dessen sinkendem Alter ausweisen. Riesenhuber: „Die Auslastung liegt bei 85 Prozent, das sind knapp 21.000 Zuschauerinnen und Zuschauer seit September 2018, wobei der Anteil des Publikums unter 30 Jahren bei mehr als 50 Prozent liegt.“

Durch verschiedene Umstrukturierungs-, Sparmaßnahmen und einen gesteigerten Aboverkauf sei außerdem eine Budgetentlastung von etwa 45.000 Euro erfolgt, an Kooperationsmitteln habe man an die 100.000 Euro eingenommen. Trotz dieser erfreulich klingenden Situation sprachen die beiden Geschäftsführer eine deutliche Warnung aus.

Die fehlende Valorisierung komme einer jährlichen Kürzung des Budgets, letztmals erhöht 2009 und derzeit bei 1,515 Millionen Euro von der Stadt Wien und 380.000 Euro vom Bund, um durchschnittlich 40.000 Euro gleich. Die Subventionskürzung des Bundes um 20.000 Euro seit 2019 werde man, so Riesenhuber, mit einer Erhöhung der Ticketpreise um zehn Prozent auszugleichen versuchen. Ob unter diesen Umständen ab 2021 das Schauspielhaus seine Aufgabe als progressives Autorinnen- und Autorentheater, das international Beachtung findet, noch in gewohnter Form wahrnehmen wird können, erklärten Schweigen und Riesenhuber für fragwürdig.

www.schauspielhaus.at

24. 6. 2019